Jägersiedlung
Jägersiedlung

„Die Germanen sind meist halbnackt. Ihre Blöße bedecken sie notdürftig mit Tierfellen.“ (Diodor)

 

Dieses vielzitierte Bild, das dem griechischen Historiker Diodor zu verdanken ist, sitzt noch heute tief und fest in den Köpfen und hat so gut wie überhaupt nichts mit germanischer Lebensweise zu tun.[1]

Figürliche Darstellungen auf Siegessäulen und Grabsteinen zeigen sie als kräftig gebaut, schmalhüftige und breitschultrige Athleten. Anhand von Moorleichen- und Skelettfunden ergab sich eine Größe von durchschnittlich 1,72 m.[2] Auch wenn sie kräftig gebaut waren, wurden sie doch nicht alt. Das Durchschnittsalter lag bei 35 Jahren. Durch Hunger und vitaminarme Mangelernährung hatten sie schlechte Zähne, Gelenkrheumatismus, Arthritis, Wirbelentzündungen, Gicht und Rheuma sowie Bandscheibenschäden. Karies galt damals als Volksseuche. Die Haare spielten bei den Germanen eine wichtige Rolle. So erfolgte die Darstellung der Götter immer als blonde Helden, als sogenannte Lichtwesen. Daraus und auch aus Moorleichenfunden geht hervor, dass die Germanen ein Volk der blonden Haare waren. Die Schattierungen gingen von flachsblond, weizenblond bis goldblond sowie rotblond und dunkelblond. Die Germanen hatten sehr feines Haar, die Römer bezeichneten es „so fein wie Seide“! So waren die Haare der Germanen ein einträgliches Exportgeschäft über Jahrhunderte hinweg, insbesondere an die Römer, die das Haar als „Greisenhaar“ bezeichneten.


Die Germanen betrieben einen Kult um ihre Haare. Kunstvoll verzierte Kämme wurden benutzt, um das lange Haar zu strählen, die Kämme wurden sogar den Toten mitgegeben. Das belegen Funde in Gräbern und sogar auf den Gräbern finden sich Darstellungen von Kämmen. Die Frauen wurden wegen ihrer blonden Haare und ihrer Schönheit gerühmt, war man schwarzhaarig, so galt man als Hexe, als Zauberinn oder als böse Fee. Lange Haare waren ein sichtbares Zeichen von Freiheit und Männlichkeit, ein Abschneiden der Haare galt als Strafe und war entehrend. Um im Kampf beweglicher zu sein, band man die Haare zu einem seitlich am Kopf sitzenden Haarknoten. Für den Stamm der Sueben war er so typisch, dass er unter dem Namen „Swebenknoten“ die Geschichte der Haarmode bereicherte.[3] Später wurde er zum Statussymbol und von anderen Stämmen übernommen.

 


[1] Die Germanen, Uwe Kersken, Helfried Spitra, S.48.

[2] Die ersten Deutschen, S. Fischer-Fabian, S. 164

[3] Die ersten Deutschen, S. Fischer-Fabian, S. 169.