Mädchen von Egtved und Frau von Borum
Mädchen von Egtved und Frau von Borum

Auch nichtblonde Germanen soll es gegeben haben. Davon zeugen eine Vielzahl von Spitznamen, wie z.B. brúnas, brúnos und brünings. Diese Germanen färbten sich die Haare, wenn sie nicht blond waren. Dazu wurden Haarfärbemittel, wie zum Beispiel aus Ziegenfett, Buchenasche und verschiedene Pflanzen sowie aus Hammeltalg, Holzaschenlauge und Ätzkalk verwendet. Seifen und Haarbürsten wurden aufgrund der Leidenschaft für das Haar erfunden. Sauberkeit stand bei den Germanen höher im Kurs als bei ihren Nachfahren. Der Bart komplettierte das Aussehen der germanischen Männer. Deshalb trug der Jüngling gar keinen Bart. Der Mann trug einen gut gestutzten Kinnbart, dazu standen eine Vielzahl Rasiermesser und Bartzangen zur Verfügung. Die Barttracht war der Mode unterworfen. Man trug den Bart als Backen-, Kinn-, Schnurr-, Knebel-, Kotelett- und Lippenbart.[1]


Germanen waren nicht halbnackt und sie waren auch nicht nur mit Tierfellen bekleidet. Der germanische Mann trug Hosen! Ein röhrenartiger Schnitt der Hosen wurde in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten zu einem der Erkennungszeichen germanischer Männer. Er erhielt sich in der germanischen Mode, änderte sich Jahrhunderte nicht, und so wurde die Hose zu einem frühen germanischen Modeklassiker. Am Oberkörper trugen die germanischen Männer eine Abart der römischen Tunika, und bei schlechten Wetter einen Umhang oder Mantel, der mithilfe einer Fibel oder Nadel zusammengehalten wurde.

Germanische Fibeln des 1. und 2. Jahrhunderts
Germanische Fibeln des 1. und 2. Jahrhunderts

Dieses 1,80m x 2,50m große Stofftuch wurde unterschiedlich getragen, so das einmal die Arme oder die Oberschenkel oder die Schulter frei blieb. Es bot Schutz gegen die Witterung und ersetzte unter freiem Himmel die Schlafdecke. Damit gehörte der Umhang zur allgemeinen Volkstracht und war auch bei den Frauen sehr beliebt.

Frauen trugen als Oberbekleidung einen der Tunika ähnlichen Kittel, der meist durch einen Hüftgürtel tailliert wurde. Der männliche Kittel war knielang, während er bei den Frauen bis an den Knöchel reichte. Manchmal wurden diese Ärmel von den Frauen auch vom Kittel abgetrennt als Ärmlinge getragen. Leinentücher gehörten zum Statussymbol der Frau. Meistens beließ man es in seiner Grundfarbe, nur an den Rändern (Borte) wurde es mit Heidelbeere blau, Ginster gelb und Malve weinrot eingefärbt.

Gürtel aus germanischer und römischer Zeit
Gürtel aus germanischer und römischer Zeit

Der Gürtel war bei den Germanen Kennzeichen von sozialem Status. Er galt als Sitz der Kraft, was die prächtige Gestaltung von Gürtelschnallen erklärt. Gürtel sollten nicht nur schön sein, sondern auch praktisch: insbesondere hatten Hosen und Röcke keine Taschen, somit hängten die Germanen alles an ihren Gürtel. Der Kulturbeutel ist auch heute ein Modeutensil und für viele Menschen selbstverständlich, nur das es kaum jemand mit den Germanen verbindet. So gehörte Zahnbürste und Kamm zur Grundausrüstung eines Germanen. Wer meint, dass Felle zur Grundausstattung eines jeden Germanen gehörten, der irrt! Fein gegerbt, beste Kürschnerarbeit, mit den Haaren nach außen getragen, um besseren Kälteschutz zu erzielen; nur die weniger Armen konnten sich in Felle von Rehen, Hirschen oder Kaninchen hüllen. Als Armeleute-Symbol galt das Schaffell.

Formen des germanischen Schuhes
Formen des germanischen Schuhes

Die Schuhe waren aus einem Stück Rindsleder genäht, mit eingepressten Ornamenten verziert und auf dem Spann mit angenähten Riemchen zuzubinden. Sehr aufwendig war die Herstellung der Wollkleidung, welche hauptsächlich getragen wurde. Nach dem Scheren kamen die Reinigung, das Schlagen, das Zupfen und das Kämmen. Feste Fäden wurden daraus versponnen, um dann zu Tuchen gewebt zu werden. Am Schluss standen das Färben und die Verarbeitung zum Kleidungsstück.

 

 

[1] Die ersten Deutschen, S. Fischer-Fabian, S. 170.