Schwertgriff
Schwertgriff

 

Wenn sich die Germanen im Krieg befanden, galten keine demokratischen Formen mehr, sondern nur noch ausdrücklich hierarchische Strukturen. Diese ökonomischen, militärischen und sakralen Kriterien führten zur Ausbildung der Adelsschicht zum Beginn der Zeitenwende.

 

Der Adel war für ökonomische Bedürfnisse des Gefolges in Kriegszügen verantwortlich, um die soziale Kontrolle über das Gefolge sowie die ökonomische Überlegenheit zu garantieren. Sakrale Kriterien waren eine Funktion des Häuptlings, welcher mit Hilfe der jenseitigen Mächte auftrat. Die sehr kleinräumigen Kultur- und Reichtumszentren am Beginn der römischen Kaiserzeit änderten sich bis zur Merowingerzeit kaum in ihrer lokalen oder regionalen Bedeutung. Zur Zeit der Völkerwanderungen war der Adel “Traditionskern“ für Gruppierungen. Die Bedeutung des Adels erschloss sich aus der „Herkunft“ von mythologischen –kriegsrelevanten Göttern und Helden, deren gutem Namen sie gerecht werden mussten. Der Adel definierte seinen Traditionskern selbst und gab sich auch selbst einen Namen. Eine ethnische Zugehörigkeit im heutigen Sinn war eher irrelevant. Der „thindans“, Kleinkönig-lateinisch „Rex“, wurde laut Tacitus aus dem Adel gewählt. Dagegen wurde der Heerkönig, lateinische „dux“, aufgrund seiner Tapferkeit gewählt. Seine Herkunft war eher unwichtig, er befehligte eine Gruppe in Kriegszeiten, sogenannte „reiks“. Gefolgschaft und Adel lebten in einer Art Zusammenspiel und Abhängigkeit. Auf der einen Seite waren das ökonomische Zwänge, militärische Ziele und Ehre mit unbedingter Unterstützung gegenüber dem Gefolgsherrn, auf der anderen Seite bot der Adel Schutz, Unterhalt, Bewaffnung, Beuteanteile und Geschenke.

 

Innerhalb des Adels gab es nur eine Form der Eheschließung aufgrund der dynastischen Relevanz. Dagegen gab es unter den übrigen Germanen viele unterschiedliche Eheschließungen und das schon vor der Christianisierung. Bei den Freibauern gab es die erbrechtliche vollgültige Vertragsehe, der Vertrag ruhte bei den Familien, nicht bei den Eheleuten. Andere anerkannte Formen des Zusammenlebens waren vertragslose dauerhafte Liebesbeziehungen, sogenannte Friedelehen sowie Raub und Entführungsehen oder selbstbestimmte Witwenehen.

 

Diese Textpassage spiegelt sich in den Büchern des Literaturverzeichnisses wider.