Die Gastfreundlichkeit war bei den Germanen groß geschrieben. Mit höchster Freundlichkeit behandelten sie Fremde, Flüchtlinge, Verfolgte, Verirrte oder versprengte Soldaten. Des Gastes Feinde waren auch Feinde des Gastgebers. Die Zurückweisung der Gastfreundschaft war ein großes Unrecht. Gegenseitige Geschenke waren selbstverständlich und sogar Voraussetzung.

 

Germanischer Bauer mit Pflug und Wagen
Germanischer Bauer mit Pflug und Wagen

Die Bestellung der Felder war noch recht einfach. Germanische Bauern zogen mit dem Pflug Furchen in den Boden. Sie betrieben keinen Raubbau, der Acker wurde im Wechsel auch brachliegen gelassen, damit er sich erholen konnte. Zur Bodenverbesserung setzen sie Kalk (Mergel) und Kuhmist ein. Pfahlbauten wurden errichtet, um Mistschichten aus Kuhmist zur Düngerreserve herzustellen. Der Stallmist wurde auch zur Isolierung oder als Dachbebauung benutzt, um vor Kälte oder Hitze zu schützen.

Diese Pfahlbauten mit den Mistschichten galten als Vorratsraum, Gerätekeller oder Geräteschuppen; Webstühle und Spinnwirbel wurden hier aufbewahrt. Da es Sache der Frauen war, sich um diese Räume zu kümmern, leitet sich der Name Frauengemach auch von Dunghaufen ab. Dyngja war das Frauengemach.

Auf den Feldern wurden Hafer, Roggen (Unkraut), Weizen Hirse und Gerste angebaut. Hafer, Weizen und Hirse zum Essen und Gerste zum Trinken. Zum Bierbrauen wurde in das Bier rein gespuckt, um die Gärung in Gang zu setzen. Es war das populärste Getränk aus Weizen und Gerste, ziemlich säuerlich und wurde mit Hilfe von Eschenblättern, Scharfgabe Sumpfporst haltbar gemacht. Der Konsum von Bier war nicht selten, er gehörte zu den Regelmäßigkeiten des germanischen Alltags. Brot konnten sich bis ins Mittelalter nur Adlige leisten, der normale Bauer aß Sauerteig-Brotfladen.

Die normale Größe eines Gehöfts betrug 60-80 Morgen. Zum Ernten gab es keine Sensen, nur Sicheln und es wurden nur die Ähren und nicht die Halme geerntet. Raps, Ackerbohnen wurden mit der Wurzel herausgerissen. Nach dem Einfahren des Getreides wurde es gelagert und entkörnt. Das Getreide wurde mit Holzknüppeln geschlagen auf Tannenholz, daraus entstand der Begriff der „Tenne“.

Gegessen wurde an kleinen Gestellen ruhenden hölzernen Tafeln mit langen Bänken, Baumstümpfen oder Hockern. An der südlichen Langwand stand der Stuhl des Hausherrn, er thronte der Sippe vor, daraus leitete sich der Begriff Thron ab. Die Speiseschüsseln waren aus Holz, die Kochtöpfe aus gebranntem unlasiertem Ton. Über dem Feuer hing ein Kessel aus Eisen, gegessen wurde mit Löffeln aus beinernem hörnernem Material. Silbernes Geschirr war nur den Reichen vorbehalten.

Getrunken haben die Germanen aus sorgfältig gedrechseltem Ahornholz. Auf den Bechern waren viele Schnitzereien. Die Becher der Adligen waren aus Silber, Bronze oder Gold. Selten waren Glasbecher. Sie gab es nur bei den Römern. Genauso selten war es, dass Germanen Schädel der Gegner zum Trinken benutzten.[1] Wie schon erwähnt, war Bier das Alltagsgetränk der Germanen. Met gab es nur an Festtagen, da er teuer in der Herstellung war; wichtiger war der Honig im Alltagsgebrauch zum Süßen der Speisen. Das vielgerühmte Gelage war eher eine Art Gottesdienst, denn bei den Germanen tranken auch immer die Götter mit und es kam von ehrlichem Herzen. Zum Gelage kam man in Waffen, wenn es an der Tagesordnung war, denn die Streitigkeiten waren manchmal blutig bis hin zum Tod.

Der normale Bauer musste sich sein „täglich“ Brot mühsam herstellen. Zum mahlen des Getreides gab es Mahlsteine, um Körner mit Wasser oder Milch zu einem Brei zu verarbeiten. Morgen für Morgen musste diese Prozedur wiederholt werden. Der fertige Weizenbrei wurde für den Gott Donar zum ersten Frühstück angereichert mit Fischen und ihm geopfert. Täglich aßen unsere Vorfahren Hafermus. Mit Handmühlen wurden die Körner zermahlen, dabei zermahlte sich auch der Stein. Somit ist es nicht verwunderlich, dass die Zähne der Germanen sehr schlecht waren. Durch den Steinzusatz im Hafermus wurden ihre Zähne ganz einfach abgefeilt.

 

Ob Kuh, Schaf oder Ziege- die Milch von diesen Tieren taten die Germanen in Holzgefäße bis sie dick und sauer war. Damit konnten sie Dickmilch für den Winter herstellen, welcher allerdings nicht sehr schmackhaft war. Das Essen allgemein war nicht sehr schmackhaft aber gesund und stellte einen Vorrat gegen Hungersnöte dar. Um Käse herzustellen, wurden Tongefäße verwendet, durch die die Molke abfließen konnte. Man bekam eine weiche Quarkmasse, der man die Sahne nicht abschöpfte. Erst später wurde der Labmagen junger Kälber genutzt, welche ein spezielles Enzym besaßen, um Labkäse herzustellen. Heute wendet man das gleiche Verfahren an, jedoch wird das Enzym meistens industriell hergestellt. Butter galt Jahrhunderte lang als Luxusartikel, beispielsweise zum Kurieren kranker Pferde, für die Wunden der Krieger, zur Einreibung des Körpers und als Haarwuchsmittel bei den Frauen.

 

Der Wildreichtum war sagenhaft und erfunden, oft musste man tagelange Hetzjagden veranstalten, die nur mäßigen Erfolg hatten. So fand man in der Nauener Siedlung bei Seinstedt im Vorland des Harzes nur wenige Wildknochen, wohingegen man bei Ausgrabungen Fischgräten, Knochen von Rindern, Schafen, Ziegen, Schweinen, Pferden und Geflügel fand. Wild machte auf der Speisekarte der Germanen ca. 10% aus. Auf die Jagd gingen oft nur Adlige, um ihre Herden gegen Raubwild zu schützen, insbesondere gegen Bär, Luchs und Wolf. Wolf und Bär wurden in Fallgruben erlegt, Wildschwein, Hirsch und Elch mit Hund und Pferd, nur der Stammesfürst jagte mit Speer. Der Luchs war selten in den Wäldern Germaniens, das edelste Wild waren Wisent und Auerochse, auch Ur genannt. Für den Jungmannen war die Jagd auf diese Tier eine Bewährungs- und Mutprobe. Die Hörner wurden zu Trinkgefäßen mit einem Rand aus Silber verarbeitet.

 

Wirklich sagenhaft war der Fischreichtum der Flüsse und Seen. Im Rhein schwammen „meterlange Lachse“, in Donau und Main war der Stör Hauptfisch für die Tafel der Caesaren. Aber auch Forellen, Hechte, Karpfen, Schleie, Aale, Welse, Äschen in ungeheurer Zahl waren auf der Speisekarte der Germanen.

 

Ausgedehnte Wälder in Germanien waren die ideale Weide für Hausschweine, sie waren nicht rosa, sondern schwarz und tiefrot. Der Schweinehirte war mit ihnen Wochen und Monate im Jahr unterwegs.

 

In einem mittelgroßem nordischen Bauernhof waren 10 Mann täglich 10 Stunden damit beschäftigt, Gras zu Mähen, zu Trocknen und Einzufahren. Oft gab es nur steinige Wiesen mit vielen Disteln und oft faulendes Heu. Die langen nordischen Winter forderten Winterfutter, eine Kuh brauchte 25 Pfund Heu täglich. Die Kuh war wie schon bei den Indogermanen der Wertmesser des Wohlstandes, Pferd und Rind wurden den Göttern am liebsten geopfert, da sie den höchsten Wert hatte. Tacitus sagte: „Viehreichtum ist ihr einziger und liebster Besitz.“[2]

 

Vorratshaltung durch Einpökeln war neben dem Räuchern äußerst wichtig. Salz wurde aus Solequellen gewonnen oder an der Ostsee aus der Verdunstung des Meerwassers. Die daraus gewonnene Lauge wurde zum Einlegen des Fleisches genutzt. Lauchgewächse dienten zum würzen, Zwiebeln, Porree und Schnittlauch.

 

Auch Gemüse aßen unsere Vorfahren, insbesondere Hülsenfrüchte wie Saubohnen, Erbsen, Linsen, Möhren, Rüben, Rettich, Kürbis. Allerdings war alles sehr klein und holzig. Genauso Obst: gegessen wurden Äpfel (sehr klein und holzig), Schlehen, Vogelbeeren, Hagebutten, Traubenkirschen, Brombeeren und Holunder. Das Obst wurd eingestampft und zu Säften gemacht, deshalb war der Vitamin C Bedarf immer gedeckt und die Germanen kannten keinen Skorbut. Nur der Begriff des Apfels kommt aus dem urgermanischen, alle anderen Obstsortenbegriffe kamen aus dem lateinischen und wurden dann von den Germanen abgeleitet. Beispiele dafür sind die Kirsche – ceresa, die Birne – pirum, die Pflaume – prunum, die Quitte – cotonea und die Feige – ficus.

 

[1] Die ersten Deutschen, S. Fischer-Fabian, S. 224.

[2] Germania, Cornelius Tacitus.