Grundriss eines germanischen Hauses
Grundriss eines germanischen Hauses

 

 

Tacitus hat in seiner Germania versucht zu beschreiben, wie die Germanen lebten. So meint er, dass die Germanen nicht in Städten wohnten und auch kein Stein zum Bauen benutzten. Das wird wunderschön in dem folgenden Zitat von Tacitus beschrieben, wird aber unter Anderem durch archäologische Ausgrabungen widerlegt.

 

„Dass von den Völkern der Germanen keine Städte bewohnt werden, ist bekannt genug, ja, dass sie auch von keinen unter sich verbundenen Sitzen wissen wollen. Sie wohnen gesondert und auseinander, wie Quelle, wie Feld, wie Wald gefiel. Die Dörfer legen sie nicht nach unsrer Weise an, durch verbundene und fest zusammenhängende Gebäude: mit einem freien Raume umgibt Jeder sein Haus, entweder als Mittel gegen Feuerunglück oder aus Ungeschicktheit im Bauen. Nicht einmal der Bruchsteine oder Ziegel Verwendung ist bei ihnen: durchweg nehmen sie Holz dazu, formlos, unansehnlich und ungefällig. Einzelne Stellen überstreichen sie recht sorgfältig mit so reiner und glänzender Erde, dass es der Malerei und Farbenzeichnung nahe kommt.“ [1]

Archäologische Untersuchungen von germanischen Siedlungen der Küstengebiete von Deutschland und Holland ergeben ein völlig anderes Bild. Die Germanen wohnten hier nicht in Einzelhofanlagen, sondern in relativ kleinen Siedlungen, die sich auf künstlich errichteten Hügeln, sogenannten Terpen, über der flachen Umgebung erhoben.

Jeder der nachgewiesenen Wohnsitze befand sich noch auf einem eigenen Hügel und wies neben ansehnlichen Langhäusern zusätzliche Vorratshäuser auf. Im 1. Jhd. nach Chr. wuchsen diese Einzelgehöftanlagen schließlich zu einer einzigen zusammen.

Ab 100 nach Chr. setzte eine Neuerung ein. Ein mit Pfählen eingefriedetes großes Haus dominierte nunmehr das Haus- das germanische Langhaus. Die Dächer waren mit Stroh oder Reet gedeckt und gingen bis zum Boden. Die nichttragenden Außenwände wurden im inneren durch zwei Reihen innerer Stützen gehalten. Die Außenwände waren mannshoch und im Süden bestanden sie aus Flechtwerk, dass aus Lehm, Grassoden oder Torflagen bestand. Mensch und Vieh wohnten zusammen. Nicht um mehr Wärme im Winter zu erhalte, sondern weil dieses Zusammenleben praktisch war.

Die Wohnhäuser wurden dort errichtet, wo es fruchtbare Böden aus Schwarzerde oder Löß gab. Neben einzelnen Häusern wurden nach und nach kreuz und quer stehende Häuser errichtet, wie ein Netz aus Gassen und Gängen; daraus leitet sich heute noch der Begriff Haufendorf ab, sie bauten ihre Dörfer „wie ein wilder Haufen“, genügend Platz zum Nachbarn, aber immer in Rufweite. Bis zu drei Generationen bewohnten solch ein Gehöft, oft handelte es sich nur um eine Familie, ungefähr 80-100 Menschen bewohnten ein Dorf.

 

Querschnitt eines Hauses mit Grasziegelwänden
Querschnitt eines Hauses mit Grasziegelwänden

Die typischen germanischen Häuser waren die Langhäuser. Der Begriff leitet sich auch hier von den vorhandenen Baustoffen ab. Es wurden entweder „Langhölzer“ für Blockhäuser (meist in den Alpen oder Skandinavien) oder ein Holzgerüst mit Zwischenrahmen aus Reisig verwendet. Aus dem Winden des Reisigs entstand der heutige Begriff „Wand“. Zum Schluss wurde die fertige Wand mit Lehm beworfen. Das Dach war meistens als Sattelform gebaut und an den Sparren mit Schilf, Stroh oder Gras gedeckt. Ein Langhaus hatte eine rechteckige Form und war 8-10 m lang und 4-6 m breit. Der Fußboden im Wohnbereich war aus Steinpflaster oder Bohlen, der Stallbereich dagegen aus festgestampften Lehm.

Germanische Kulturen der Eisenzeit waren alle agrarische Gesellschaften. Sie betrieben Ackerbau und Viehzucht, um die Ernährung ihrer Familie zu gewährleisten.[2]

Aufgrund römischer Beschreibungen kann mit Bestimmtheit gesagt werden, dass germanische Stämme in Mittel- und Südeuropa viel Vieh besaßen und an den Küsten insbesondere in Westskandinavien viel Fischerei betrieben wurde.[3]

 

Tiere aus germanischer Zeit - alte und heutige Form
Tiere aus germanischer Zeit - alte und heutige Form

Die Germanen siedelten dort, wo es die Umgebung am besten bot. Meistens wohnten sie in der Nähe von Wasser; dort gab es Fische und gleichzeitig diente es zur Tränke für die Tiere sowie zur Beseitigung des Abfalls. Auch als Verkehrswege benutzten sie das Wasser. Ein wichtiger Grundstein für ihre Kultur war damit gelegt.

Die Besiedlung sollte möglichst waldlos erfolgen, da die Rodung in den Feuchtgebieten zu mühsam gewesen war. Der Wald dagegen als Nachbar wurde gern geduldet als Speise- und Vorratskammer, Baumaterial, Brennstoff, Beeren, Pilze, Honig und Heilkräuter für die Hausapotheke, Bucheckern für die Schweine, Ziegen und Schafe weideten im grünen Unterholz. Der dichteste Wald galt als Grenzgebiet zu anderen Stämmen.

Anfänglich konnte sich ein Bauernhof als autarker Kleinbetrieb ernähren. Erst später entwickelten sich Fertigkeiten zu Handwerksberufen.

Allzu luxuriös wohnten unsere Vorfahren nicht.In der Mitte der Behausung befand sich eine aus Feldsteinen gebaute Feuerstelle. Die Feuerstelle sollte die Bewohner wärmen und gleichzeitig diente sie als Herdofen; der Rauch zog zum First hinaus und stellte eine hohe Brandgefahr dar. An jeder Langseite befand sich eine Tür, es gab keine Fenster, höchstens Luken, sogenannte Windaugen. Daraus leitet sich der Begriff „window“ ab.Allerdings bot solch ein Langhaus bei Frühjahrsstürmen und meterhohem Schnee im Winter höchste Geborgenheit.



[1] Tacitus Germania, C. Tacitus, lat. – deutsch, S.27f., Artemis & Winkler Verlag,1998.

[2] Die Germanen, Rudolf Simek, S.20

[3] Die Germanen, Rudolf Simek, S. 20f.