Germanische Häuser waren meistens 8 bis 20 Meter lang und 4 bis 6 Meter breit und mussten für etwa 10 Personen Platz bieten - und für oft ebenso viele Rinder. Dazu war die eine Haushälfte als Stallteil mit Boxen versehen, die andere Hälfte bildete einen einzigen großen Wohnraum. Es bot viele Vorteile, die Tiere im Haus unterzubringen: Einige Stück Großvieh geben soviel Wärme ab wie ein kleiner Ofen. Mit dem zusätzlichen Herdfeuer war es auch während der kalten Wintermonate erträglich warm im Haus. Außerdem waren die Rinder der wertvollste Besitz (jedes einzelne kostete fast soviel wie ein Sklave): Als Zugtiere und Milchproduzenten waren sie unentbehrlich.

 

Den bäuerlichen Germanen war ihr Großvieh vermutlich so vertraut wie heutigen Städtern ihre Hunde oder Katzen. Das Zusammenleben von Mensch und Tier unter einem Dach haben sie sicher als natürlich empfunden, und da es im Hausinneren sehr rauchig war, konnte man den Geruch wahrscheinlich kaum wahrnehmen. Das Haus bestand meist aus einem dreischiffigen Holzgerüst, d.h. die Dachbalken wurden von zwei Säulenreihen im Hausinneren getragen. Die Wände waren aus lehmbeworfenem Flechtwerk gebildet (Wand kommt von 'winden', flechten), das Dach aus Stroh oder Schilf. An den Längsseiten waren meist zwei gegenüberliegende Türen. Damit die Wärme nicht abzog, verzichtete man auf Fenster; nur kleine Luken ('Windaugen' / 'Windows') brauchte man zur Frischluftzufuhr.

 

In der Mitte des Wohnteils diente eine offene Feuerstelle zum Kochen und als Licht- und Wärmequelle. Der Rauch zog durch ein Loch im Dach ab. Es gab keine Unterteilung in Einzelräume, d.h. die gesamte Großfamilie, Männer, Frauen und Kinder, Sklaven und Sklavinnen, hielten sich stets im gleichen Raum auf. Privatsphäre war vollkommen unbekannt: Von der Zeugung bis zum Tod war ein Germane stets von anderen Menschen umgeben. Als Sitz- oder Schlafgelegenheiten dienten fellbedeckte Podeste an den Wänden. Das Essen nahm man von einem kleinen Tisch ein, den man nach Ende der Mahlzeit aufhob und wegstellte. Möbel kannte man nicht, bis auf einen Stuhl für den Hausherrn und eine Holzkiste für die wenigen Habseligkeiten. Im Haus standen Getreidebehälter, ein großer Mahlstein, Tongefäße, Schüsseln und Becher aus Ton, oft auch Webstühle. Häufig baute man neben das Haupthaus gesonderte kleine Hütten als Webhäuser, Vorratsräume, Backstuben, Schmieden oder Scheunen. Die Knechte lebten oft in kleinen Einzelhütten. Manche Germanenstämme bauten auch gesonderte Ställe und kleinere Wohnhäuser.

 

Da man keine Holzimprägnierung kannte, hielten diese Häuser höchstens ein paar Jahrzehnte und mussten dann an anderer Stelle neu gebaut werden. Wenn die Ackerböden nicht mehr genug Ertrag abwarfen, entschieden sich manchmal die Einwohner, ihre Siedlung aufzugeben und neue Wohnsitze zu suchen. Übrigens stammen in diesem Zusammenhang viele urdeutsch wirkende Worte von den Römern: Da die Germanen keine Fenster, Ziegel, Keller und anderes kannten, übernahmen sie die römischen Bezeichnungen fenestra, tegulum, cellarium.

 

Auszug aus:www.teudogar.com/lex010d.htm