Nervenleiden

 

Für die Behandlung von Unruhe, Nervosität, Schlafstörungen sowie leichten Depressionen und Angstzuständen werden die hier zusammengestellten Arzneipflanzen genutzt.

 

Unruhe und Schlafstörungen lassen sich häufig auf Stress zurückführen, der bis zu einem gewissen Maß antriebssteigernd und damit positiv wirkt; wird dieses Maß jedoch überschritten, tritt zunächst Müdigkeit auf, möglicherweise gefolgt von Unruhezuständen, Nervosität oder Schlaflosigkeit.

 

Um den genannten Folgeerscheinungen vorzubeugen, sollte das Schlafbedürfnis des Körpers durch rechtzeitige Ruhepausen gestillt werden. Bei Schlafstörungen helfen Phytopharmaka mit Baldrian, Melisse, Hopfen und Passionsblume, gegebenenfalls in Kombination.

 

Ängstliche Verstimmungen treten bei jedem Menschen in Folge von Konflikten, Verlusterlebnissen und Kindheitserfahrungen auf. Charakterliche Anlagen wie eine überstark ausgeprägte Hilfsbereitschaft und geringes Selbstbewusstsein können diese Verstimmungen verstärken. Bleiben ängstliche Verstimmungen über längere Zeit bestehen, können sie sich gegebenenfalls zu Angstzuständen und Depressionen steigern. Häufig hilft bereits ein Gespräch mit einem Arzt, der dann auch über den Einsatz von Arzneimitteln entscheiden kann. Johanniskraut stellt derzeit die wichtigste Arzneipflanze zur Behandlung von leichten bis mittelschweren Depressionen dar, deren antidepressive Wirkung wissenschaftlich belegt ist.

 

Grippaler Infekt / Stimulierung des Immunsystems

 

Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und Fieber werden durch ein geschwächtes Immunsystem ausgelöst. Der verschleimte Husten ist auf die Entzündung der Bronchienschleimhäute zurückzuführen. Mit einer Vielzahl von Arzneipflanzenzubereitungen lässt er sich lösen. Sie enthalten Anis, Efeublätter, Eukalyptusblätter, Fenchel, Fichten- und Kiefernnadelöl, Primelwurzel, Quendelkraut, Senegawurzel, Sternanis, Süßholzwurzel und Thymiankraut oder Kombinationen der genannten Pflanzen. Die schleimlösende Wirkung der Pflanzen geht auf die in ihnen enthaltenen ätherischen Öle und/oder Saponine, seifenähnliche pflanzliche Substanzen, zurück. Der Eukalyptus stammt aus den subtropischen Regionen Australiens und Tasmaniens, wird zur Gewinnung von Arzneimittelbestandteilen aber in Spanien und Marokko angebaut. Die Senegastaude stammt ursprünglich aus Nordamerika. Sternanis ist ein Baum, der in Indochina, Japan und auf den Philippinen angebaut wird, und unter Süßholzwurzel versteht man die Nebenwurzeln des in Europa und Asien anzutreffenden Süßholzstrauches.

 

Beim verschleimten Husten helfen neben Tabletten und Tees auch Salben, Umschläge und Bronchialbalsam oder Inhalieren. Während Salben mit Eukalyptusöl zum Einreiben dienen, greift man für Umschläge auf Zubereitungen mit Thymian zurück. Zum Inhalieren und zum Einreiben gibt es Präparate mit Pfefferminz-, Fichtennadel- und Kiefernnadelöl, die ebenfalls in Form von Erkältungsbädern angewendet werden können.

 

Trockener Husten ist auf die durch eine verstopfte Nase hervorgerufene Trockenheit der Schleimhäute zurückzuführen. Phytopharmaka dienen daher primär der Befeuchtung der Schleimhäute. In Präparaten zur Einnahme sind Eibischwurzel, Huflattichblätter, Isländisch Moos, Königskerze, Malve, Sonnentau und Spitzwegerich enthalten; inhalativ wird Kamille angewandt. Zu erwähnen ist, dass Isländisch Moos als Flechte in den arktischen Gebieten der nördlichen Erdhalbkugel vorkommt.

 

Die verstopfte Nase lässt sich mit zahlreichen chemisch­synthetischen Mitteln behandeln, die bei langfristiger Nutzung jedoch einen Gewöhnungseffekt hervorrufen. Kamilleölhaltige Zubereitungen haben entzündungshemmende Eigenschaften und wirken beruhigend auf die Nasenschleimhäute. Auch Eukalyptus-, Kiefernnadel-, Fichtennadel- und Pfefferminzöl helfen. Sie werden als Spray oder Salbe angewendet.

 

Von einer Entzündung des Rachens sind häufig auch Kehlkopf und Stimmbänder betroffen. Die damit verbundenen Halsschmerzen lassen sich durch Gurgeln unter Verwendung von Kamille- und Salbeiöl sowie Zubereitungen aus Ratanhiawurzel und Myrrhe lindern. Während die Ratanhiawurzel aus den Anden stammt, wird das Harz der Myrrhe in Nordafrika geerntet. Zur besseren Versorgung der entzündeten Halsbereiche mit Arzneipflanzenzubereitungen können Lutschtabletten oder Bonbons angewendet werden, die als pflanzliche Bestandteile Anis-, Salbei- und Kamilleöl enthalten.

 

Fieber deutet darauf hin, dass die Abwehrmechanismen des Körpers in vollem Umfang aktiviert sind. Der Erkrankte sollte ausreichend trinken und körperliche Anstrengungen vermeiden. Bei leicht erhöhter Körpertemperatur können die Abwehrmechanismen durch Schwitzkuren mit Holunder- und Lindenblütentee unterstützt werden. Bei Fieber, d. h. einer Körpertemperatur von ca. 39 °C und höher, können Wadenwickel und gegebenenfalls Zubereitungen aus Weidenrinde helfen, da sie die Temperatur senken; zusätzlich hat Weidenrinde eine entzündungshemmende Wirkung. Bei länger andauerndem Fieber sowie bei fiebrigen Erkrankungen von Kindern ist in jedem Fall ein Arzt aufzusuchen.

 

Das Immunsystem stimulierende Phytopharmaka können zur Vorbeugung und begleitend zur Behandlung der genannten Erkrankungen eingesetzt werden. Bewährt haben sich insbesondere Zubereitungen des Purpurfarbenen und des Schmalblättrigen Sonnenhuts, da sie bei zeitlich begrenzter Einnahme die zellvermittelte Abwehr stimulieren. In Verbindung mit Sonnenhut werden häufig die Arzneipflanzen Wasserhanf, Wilder Indigo und Lebensbaum verwendet. Wasserhanf ist in Europa, Nordafrika und Asien beheimatet, Wilder Indigo kommt im Osten Nordamerikas von Georgia im Süden bis zu den großen Seen im Norden vor, und der Lebensbaum ist ein im östlichen Nordamerika beheimatetes und unter dem Namen Thuja bekanntes Zypressengewächs.

Leber und Galle

 

Befindlichkeitsstörungen bzw. Erkrankungen von Leber und Galle werden mit den hier aufgeführten Arzneipflanzen behandelt.

 

Die Leber ist das wichtigste Stoffwechsel- und Entgiftungsorgan des menschlichen Körpers. Sie bildet die Galle als Verdauungssekret, die über die Gallenblase in den Dünndarm abgegeben wird und dort primär der Verdauung fetthaltiger Nahrung dient. In der Leber werden in einem bestimmten Ausmaß auch Schadstoffe abgebaut.

 

Durch übermäßigen Alkohol- oder Arzneimittelkonsum und Vergiftungen durch chemische Substanzen kann das Lebergewebe geschädigt werden. Abhilfe können hier die Früchte der Mariendistel schaffen. Denn es ist nachgewiesen, dass ihre Inhaltsstoffe die Leberzellen stabilisieren und eine Regeneration des Lebergewebes bewirken. Darüber hinaus lindern sie die typischen Begleiterscheinungen einer Lebererkrankung wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Druckgefühl und Schmerzen im Oberbauch sowie Blähungen.

 

Falls Gallenbeschwerden nachgewiesenermaßen nicht auf die Bildung von Gallensteinen zurückzuführen sind und keine Erkrankungen der Leber bzw. Gallenblase vorliegen, können Beschwerden in diesem Bereich durch die Gabe von Artischockenblättern, Boldoblättern, Erdrauchkraut, Löwenzahnkraut und -wurzeln, Schöllkraut und von Wurzeln der Javanischen Gelbwurz bzw. gegebenenfalls von Kombinationen der genannten Arzneipflanzen gelindert werden. Denn diese Arzneipflanzen regen die Produktion der Galle in der Leber an und/oder beschleunigen die Entleerung der Galle aus der Gallenblase in den Dünndarm und stimulieren die Verdauung. Bei Boldo handelt es sich um einen aus Chile stammenden Baum oder Strauch; die Javanische Gelbwurz stammt aus den Waldgebieten Indonesiens und wird in weiten Teilen des tropischen Asiens kultiviert.

 

Magen und Darm

 

Ein klassisches Anwendungsgebiet für Phytopharmaka ist die Behandlung von Befindlichkeitsstörungen und Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich, zu denen Appetitlosigkeit, Völlegefühl mit Blähungen, leichte Magenschleimhautentzündung, krampfartige Bauchschmerzen, kurzfristiger akuter Durchfall und Verstopfung zählen. Eine häufig auftretende Befindlichkeitsstörung ist die Appetitlosigkeit. Pflanzliche Bittermittel können Magensaft- und Gallebildung und damit die Verdauung anregen. Die Palette reicht von einfachen Bittermitteln wie Enzian, Fieberklee und Tausendgüldenkraut über aromatische Bittermittel wie Angelika, Kardobenediktenkraut, Pomeranze und Wermut, gerbstoffhaltige Bittermittel wie China- und Kondurangorinde bis hin zu Scharfstoffen wie Ingwer und Galgant. Diese Pflanzen finden nicht nur in Phytopharmaka Verwendung, sondern sind auch in appetitsteigernden Aperitifs enthalten. Kardobenediktenkraut sowie der unter dem Namen Orangenbaum bekannte Pomeranzenbaum sind im Mittelmeerraum beheimatet, während der Chinarindenbaum an den Osthängen der Anden, in Indonesien und im tropischen Afrika zu finden ist. Beim Kondurangostrauch handelt es sich um eine in Südamerika anzutreffende Liane, Galgant stammt aus China und wird in Ostasien, Indien und Thailand kultiviert.

 

Bei Völlegefühl und Blähungen helfen die ätherischen Öle von Kümmel, Fenchel und Anis, denn sie wirken blähungstreibend bzw. blähungsauflösend und krampflösend. Auch Pfefferminze, Kamille und Melisse haben entsprechende Wirkung.

 

Unausgewogene Lebensweise und Stress können zu Magenschleimhautentzündung führen, die in leichten Fällen durch pflanzliche Arzneimittel behandelt werden kann. Schwere Fälle sollten vom Arzt therapiert werden. Zur Behandlung von leichten Magenschleimhautentzündungen dienen die Wurzeln von Eibisch und die Samen von Lein, die Schleimstoffe enthalten, die schützend und reizmildernd auf die Magenschleimhaut wirken. Es ist nachgewiesen, dass Kamille und Süßholzwurzel die Entzündung hemmen.

 

Jedoch sollte insbesondere Süßholzwurzel nur über einen begrenzten Zeitraum von ca. 4 bis 6 Wochen eingenommen werden, da sie bei Überdosierung Bluthochdruck und Wassereinlagerungen im Gewebe hervorrufen kann.

 

Bei krampfartigen Bauchschmerzen helfen krampflösende Phytopharmaka mit Pfefferminzöl.

 

In Folge von Infektionen tritt Durchfall auf, der zumeist nur über einen kurzen Zeitraum von 3 bis 4 Tagen andauert und von selbst abklingt. Sollte der Durchfall stärker sein, länger andauern, stärkere Schmerzen verursachen oder sollten Komplikationen wie z. B. Blut im Stuhl auftreten, ist ein Arzt aufzusuchen. Zur Behandlung von kurzfristigem Durchfall können gerbstoffhaltige Arzneipflanzen eingesetzt werden. Denn Gerbstoffe bilden in Verbindung mit Eiweißen nicht nur einen Schutzfilm auf den Darmschleimhäuten, der die Aufnahme von Giftstoffen vermindert oder unterbindet; zusätzlich wird die Darmbewegung normalisiert. Gerbstoffe sind z. B. in Grünem und Schwarzem Tee enthalten; weiterhin liegen sie in getrockneten Heidelbeeren, Tormentillwurzel, Johannisbrotsamen, Uzarawurzel und Eichenrinde vor. Die Tormentillwurzel ist ein in Europa und Westasien beheimatetes Rosengewächs, der Johannisbrotbaum wird in Spanien, Italien, auf Zypern, in der Türkei und in Griechenland angebaut. Uzara hingegen stammt aus Südafrika.

 

Im Falle einer Verstopfung erfolgt die Entleerung des Darmes seltener als alle 2 bis 3 Tage, und es kommt häufig zu Krämpfen, Völlegefühl und Blähungen. Erste Abhilfe kann eine ausreichende Aufnahme von Flüssigkeit sowie langfristig auch die Umstellung der Ernährung auf eine ballaststoffreiche Kost schaffen. Auch Phytopharmaka wie Leinsamen und Indischer Flohsamen sowie Indische Flohsamenschalen schaffen Abhilfe. Denn als Füll- und Quellstoffe bewirken sie bei ausreichender Flüssigkeitsaufnahme eine Zunahme des Stuhlvolumens und in Folge eine raschere Darmpassage. Der Indische Flohsamen kommt von den Kanarischen Inseln über Madeira bis Spanien, in den afrikanischen Mittelmeerländern, auf der arabischen Halbinsel sowie in Vorderasien bis Afghanistan, Pakistan und Indien vor.

 

Osmotisch wirksam ist beispielsweise Manna als Saft der in Südeuropa und Nordasien vorkommenden Manna-Esche. Die Inhaltsstoffe des Safts und deren Abbauprodukte stimulieren die Darmbewegung und binden Wasser, so dass sich der Darminhalt vermehrt und eine abführende Wirkung eintritt.

 

Als eigentliche Abführmittel gelten Sennesfrüchte, Sennesblätter, Aloe, Faulbaumrinde und Rhabarberwurzel, deren Inhaltsstoffe die Darmschleimhaut reizen. Der dadurch ausgelöste Stuhlgang kann durchfallartig erfolgen und ist gelegentlich von Bauchschmerzen begleitet. Diese Abführmittel sollten nicht länger als 10 bis 14 Tagen eingenommen werden, da anderenfalls eine Gewöhnung einsetzt. Der Sennastrauch wächst in Nordamerika, der Faulbaum kommt in Europa, Westasien und Nordamerika vor.

 

Bei starker Verstopfung mit Komplikationen wie Krämpfen empfiehlt es sich, den Arzt aufzusuchen!

 

Herz und Kreislauf

 

Phytopharmaka helfen auch bei der Behandlung von Befindlichkeitsstörungen und Erkrankungen im Bereich von Herz und Kreislauf. Eine leicht verringerte Herzleistung zählt ebenso dazu wie nervöse Herzbeschwerden, Gefäßveränderungen, kreislaufbedingte Schwächezustände und Durchblutungsstörungen.

 

Leichte Herzinsuffizienz ist eine häufige Alterserscheinung. Phytopharmaka mit Weißdorn schaffen hier Abhilfe, denn sie stimulieren die Herz-Kreislauf-Funktion.

 

Andere herzwirksame Pflanzen wie Adonisröschen, Fingerhut, Maiglöckchen, Meerzwiebel und Oleander spielen für die Behandlung von Herzschwäche keine Rolle mehr. Denn sie sind nicht nur hochgiftig, sondern lassen sich außerdem kaum wirkungsgerecht dosieren. Daher ist man dazu übergegangen, ihre herzaktiven Substanzen zu isolieren und in genauer Dosierung als Wirkstoffe in Arzneimitteln zu verwenden, die aufgrund ihres Risikopotenzials verschreibungspflichtig sind.

 

Lediglich in der Homöopathie werden die genannten Pflanzen zur Herstellung von Arzneimitteln in größerem Umfang genutzt.

 

Zur Behandlung nervöser Herzbeschwerden wird aufgrund von Erfahrungswerten Herzgespannkraut, zur Behandlung kreislaufbedingter Schwächezustände Rosmarin bzw. dessen ätherisches Öl eingesetzt.

 

Knoblauch wirkt der allgemeinen Gefäßverkalkung und Gefäßveränderungen entgegen und stärkt somit das Herz-Kreislauf-System.

 

Durchblutungsstörungen treten im Verlauf des Lebens bei den meisten Menschen auf. Sie betreffen häufig die Beinvenen, in denen es aufgrund von körpereigener Venenschwäche, hormonellen Veränderungen, Bewegungsmangel, Übergewicht und anderen Faktoren zu Blutstauungen kommt. Die Venen dehnen sich aus und werden schlaffer, so dass Krampfadern entstehen. Neben Wechselduschen, ausreichender Bewegung, einer angepassten Ernährungsweise und einer Reduktion des Körpergewichts können Durchblutungsstörungen der Beine durch verschiedene Phytopharmaka behandelt werden. Für Arzneimittel mit Rosskastaniensamen beispielsweise ist nachgewiesen, dass sie die Spannung der Venenwände erhöhen. Die Durchblutung verbessert sich und weniger Flüssigkeit tritt in das umgebende Gewebe über. Durch Flüssigkeitseinlagerungen bedingte Schwellungen der Beine und Füße unterbleiben. Salben, Gele und Cremes, die Zubereitungen von Arnika, Steinklee, Mäusedornwurzel, rotes Weinlaub oder Buchweizenkraut enthalten, wirken ebenfalls und kühlen gleichzeitig das Gewebe.

 

Knoblauch sorgt für bessere Durchblutung aller Blutgefäße, denn er hemmt erwiesenermaßen Arterienverkalkung und Cholesterinbildung und beeinflusst den Fettstoffwechsel günstig. Ähnliche Wirkungen sind für die Artischocke beschrieben.

 

Durchblutungsstörungen im Gehirn können bis zur Altersdemenz führen. Neben Bewegungstherapie und Hirnleistungstraining helfen Phytopharmaka mit Ginkgo. Dauerhaft angewendet steigern sie nachgewiesenermaßen nicht nur die Durchblutung des Gehirns, sondern verbessern auch die Gedächtnisleistung. Das Innenohr wird besser durchblutet, was Hörsturz und Ohrgeräuschen entgegenwirkt. Auch Gefäßverschlüsse in den Beinen, bei denen das Gehen nur über kurze Strecken möglich ist, können behandelt werden. Ginkgoblätter stammen vom in China beheimateten Ginkgobaum.

 

Erwähnt werden muss, dass pflanzliche Zubereitungen nur bei leichten Herz-Kreislauf-Erkrankungen angewandt werden dürfen; stärkere Beschwerden und andere Erkrankungen wie z. B. Bluthochdruck sollten vom Arzt gegebenenfalls mit chemisch-synthetischen Arzneimitteln behandelt werden.

Rheuma

 

Unter Rheuma werden den Bewegungsapparat betreffende schmerzhafte Erkrankungen verstanden. Da ihre Ursachen in der Regel nicht behoben werden können, werden im Rahmen der Therapie Entzündungen behandelt, Schmerzen gelindert und Schadstoffe ausgeleitet.

 

Entzündete Gelenke lassen sich wissenschaftlich belegt mit Salben und Cremes auf der Basis von Arnika behandeln.

 

Auch die längerfristige Einnahme gut verträglicher Tabletten mit Weidenrinde hemmen die Entzündung und lindert Schmerzen. Das ist auch für Tabletten mit Inhaltsstoffen aus der Wurzel der Teufelskralle belegt, einer in den Savannen der Kalahari Namibias und Südafrikas beheimateten Pflanze.

 

Blätter von Birke und Brennnessel werden zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen eingesetzt, da sie die Harnausscheidung erhöhen. Mit dem Harn werden viele Stoffwechselprodukte und Stoffe ausgeschieden, die Stoff­wechselerkrankungen wie z. B. Rheuma auslösen können.

 

Nieren und Harnwege

 

Entzündliche Erkrankungen der Nieren und Harnwege werden zumeist durch Bakterien hervorgerufen, die über die Harnröhre in die Harnblase aufsteigen und sich dort vermehren. Sollte sich die Erkrankung über die Harnleiter ausbreiten, können Nieren und Nierenbecken ebenfalls von Entzündungen betroffen sein.

 

Bei leichten Entzündungen, die nur geringe Schmerzen und häufiges Wasserlassen verursachen, können Nieren und Harnwege mit Flüssigkeitsmengen von zwei bis drei Litern pro Tag durchgespült werden; Bakterien werden dabei ausgeschwemmt. Pflanzliche Präparate unterstützen diesen Vorgang nicht nur, sondern wirken auch krampflösend und entzündungshemmend. Aufgrund ihrer harntreibenden Wirkung werden verschiedene Arzneipflanzenzubereitungen aus Birkenblättern, Brennnesselkraut, Gartenbohnenhülsen, Goldrutenkraut, Petersilienkraut, Queckenwurzel, Schachtelhalm, Wacholderbeeren, Hauhechelwurzel und Orthosiphonblättern für die Durchspülungstherapie eingesetzt. Der dornige, krautige Hauhechel ist in Europa, Nordafrika und Westasien beheimatet, Orthosiphon dagegen kommt aus Asien.

 

Birkenblätter, Goldrutenkraut, Hauhechelwurzel und Orthosiphonblätter wirken nicht nur harntreibend, sondern lösen auch Verkrampfungen im Bereich der Nieren und Harnwege.

 

Über eine bakterienabtötende und leicht desinfizierende Wirkung verfügen Zubereitungen aus Birkenblättern, Brennnesselkraut, Brunnenkresse, Goldrutenkraut, Hauhechelwurzel, Kapuzinerkresse, Liebstöckelwurzel, Meerrettichwurzel, Orthosiphonblättern, Petersilienkraut, Queckenwurzel, Wacholderbeeren, Buccoblättern und Weißem Sandelholz. Bei Buccoblättern handelt es sich um die Blätter des in Südafrika beheimateten Buccostrauches, bei Weißem Sandelholz um das Kernholz des in Ostindien anzutreffenden Sandelholzbaums.

 

Als leichtes Antibiotikum sind Bärentraubenblätter einzustufen, da sie die antibakteriell wirkende Substanz Arbutin enthalten. Die Wirkung von Arbutin erlischt jedoch in saurer Umgebung, so dass bei der Anwendung von Bärentraubenblättern auf saure Lebensmittel wie beispielsweise Obst und Obstsäfte verzichtet werden sollte.

 

Sollten im Zuge der Nieren- und Harnwegsentzündungen stärkere Schmerzen in der Nierengegend und starkes Brennen beim Wasserlassen auftreten, ist die Wirkung der pflanzlichen Arzneimittel zur Behandlung der Erkrankung nicht ausreichend; entsprechend besteht die Notwendigkeit, einen Arzt aufzusuchen und gegebenenfalls chemisch-synthetische Arzneimittel einzunehmen.

Geschlechtsorgane

 

Arzneipflanzen und Pflanzenteile zur Behandlung von Befindlichkeitsstörungen bzw. Erkrankungen im Anwendungsgebiet der männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane sind in hier aufgeführt.

 

Bei nahezu allen Männern über 65 Jahren liegt eine gutartige Vergrößerung der Prostata vor, die durch Schwierigkeit beim Wasserlassen wie beispielsweise den verzögerten Beginn des Urinierens, einen schwachen Harnstrahl, Nachträufeln sowie das Gefühl einer unvollständigen Harnblasenleerung gekennzeichnet ist. Liegen nachgewiesenermaßen keine bösartigen Veränderungen des Prostatagewebes oder anderweitige Erkrankungen vor, helfen Phytopharmaka, die Gräserpollen und Kürbissamen enthalten. Belegt ist die Wirksamkeit nicht nur für Brennnesselwurzel, sondern auch für Früchte der Sägepalme, die aus den küstennahen Staaten Nordamerikas stammt. Beachtet werden sollte jedoch, dass die genannten Phytopharmaka lediglich die Beschwerden lindern, die Vergrößerung der Prostata aber nicht rückgängig machen.

 

Bei der Frau treten im Zuge von Hormonschwankungen verschiedene Beschwerden auf. Das Prämenstruelle Syndrom einige Tage vor der Menstruation ist durch Spannungsgefühle in der Brust, Völlegefühl, Verstopfung, Gewichtszunahme, Flüssigkeitseinlagerungen in den Geweben und seelische Verstimmungen gekennzeichnet. Vor allem für Phytopharmaka mit Mönchspfeffer ist die Wirksamkeit in diesem Fall belegt.

 

Während der Wechseljahre kommt es zu Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Gewichtszunahme, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen. Neben hormonhaltigen Arzneimitteln helfen Phytopharmaka mit Traubensilberkerzenwurzel. Ihre Wirkung ist in klinischen Studien belegt.

Haut

 

Auch Hautverletzungen mit Risswunden, Quetschwunden, Brandwunden und Frostbeulen, durch Mikroorganismen hervorgerufene Hauterkrankungen, Schuppenflechte, Ekzeme, Neurodermitis, Juckreiz, Akne, übermäßige Schweißbildung sowie Narben können in leichten Fällen mit Phytopharmaka behandelt werden. Risswunden, Quetschwunden, Brandwunden und Frostbeulen lassen sich mit Salben, Cremes, Gelen und Lotionen behandeln, die Aloevera, Arnika, Beinwell, Eichenrinde, Johanniskraut, Kamille, Ringelblume, Zaubernuss, Zwiebel und Asiatischen Wassernabel enthalten. Letzteres Kraut ist in Afrika, Asien und den südlichen Teilen der USA beheimatet. Präparate mit Arnikablüten und Ringelblumen sind aufgrund ihrer starken Wirksamkeit von besonderer Bedeutung.

 

Bei von Mikroorganismen hervorgerufenen Hauterkrankungen helfen Cremes mit Kamille, Melisse und Thymian, da die ätherischen Öle dieser Pflanzen antimikrobiell wirken.

 

Gegen Schuppenflechte werden Teere verschiedener Nadelbäume sowie Extrakte der Mahonie eingesetzt, einer Berberitzenart aus dem pazifischen Nordamerika, die als Bestandteil homöopathischer Zubereitungen verwendet wird und über entzündungs- und schmerzhemmende sowie antimikrobielle Eigenschaften verfügt.

 

Ekzeme und Neurodermitis werden äußerlich aber auch innerlich behandelt. Salben oder Cremes enthalten Ballon­rebe, eine aus Indien, Afrika oder Südamerika stammende Schlingpflanze, Borretsch, Eiche, Kamille, Nachtkerze, Bittersüßen Nachtschatten, Walnuss, Zaubernuss oder die aus den Anden stammenden Ratanhia. Da z. B. bei Neurodermitis der Stoffwechsel langkettiger essentieller Fettsäuren gestört ist, wird das Öl von Nachtkerze und Borretsch zusätzlich innerlich angewendet.

 

Gegen Juckreiz helfen Ballonrebe, Bittersüßer Nachtschatten, Kamille und Zaubernuss einfach bzw. in Kombinationen. Akne lässt sich mit Aloe, Mahonie und insbesondere Stiefmütterchen behandeln.

 

Die Bildung von Schweiß kann durch körperliche Belastung wie Sport, hormonelle Veränderungen und psychische Belastung wie Stress und Angst, aber auch durch die Ernährung bedingt sein. Im Allgemeinen ist sie ein Zeichen von Gesundheit, da der Körper auf diese Weise seine Temperatur regelt und gegebenenfalls Schadstoffe ausscheidet.

 

Eine übermäßige Schweißbildung belastet jedoch aufgrund der auftretenden Geruchsbelästigung. Dass Phytopharmaka mit Salbei oder Eiche die Schweißbildung hemmen, ist nachgewiesen. Sollten diese pflanzlichen Arzneimittel keine Wirkung zeigen, empfiehlt sich die Verwendung chemisch-synthetischer schweißhemmender Mittel.

 

Narben können chirurgisch therapiert werden, jedoch lassen sie sich auch mit Phytopharmaka behandeln, die Zubereitungen aus Zwiebel oder Asiatischem Wassernabel enthalten.

 

Auszug aus: www.arzneipflanzen.fnr.de/anwendungsgebiete