Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches und den darauf unruhigen Jahrhunderten der Völkerwanderungszeit ging der Großteil des medizinischen Wissens des Altertums verloren.

 

Heilkräutern wurde nicht mehr der Stellenwert zuerkannt, Krankheit wurde als Strafe Gottes angesehen, sie galt auch als angehext, die Heilung wurde v. a. in Segenssprüchen, Handauflegen und Gebeten gesucht. Die Verwendung von Heilpflanzen wurde als dubios, sogar als etwas „Böses“ angesehen. Als Behandlungsmethoden standen Schröpfen, Klistiere und Aderlässe im Vordergrund.

Zu Beginn des Mittelalters waren die Klöster Orte des medizinischen Wissens und zugleich Hort der Heilkunde und Heilpflanzen. Die Anweisung zur Anlage von Klostergärten mit Heilkräutern geht auf Karl den Großen (747-814) zurück, der damit einen wichtigen Impuls zur Förderung der Heilpflanzen setzte. Er ordnete in seiner Landgüterverordnung Capitulare de villis den Anbau von Heil- und Gemüsepflanzen in Wirtschafts- und Bauerngärten an. Insgesamt werden 73 Kräuter aufgeführt. Klöster beherbergten Erfahrungen der Volksmedizin sowie Überlieferungen der Antike. Angelsächsische Missionare brachten bei ihren Zug nach Deutschland Schriften mit sich, die wertvolle Dokumente antiken Wissens darstellten. Hauptsächlich handelte es sich dabei um die von Hippokrates und Galen verfassten Werke. Man orientierte sich zu dieser Zeit medizintheoretisch an der Vier- Säfte- Lehre Galens. In den Klostergärten wurden viele Heilpflanzen angebaut, die auch therapeutisch eingesetzt wurden.

 

Walahfridus Strabo (809-849), Abt des Klosters Reichenau, beschreibt in einem Lehrgedicht Hortulus (Gärtlein) die medizinische Verwendung von 23 Heilpflanzen. In der Tradition dieser in Klöstern entstandenen Traktate über Heilpflanzen stehen auch die Werke Physica und Causae et Curae der Hildegard von Bingen – in der Physica sind 230 Pflanzen sowie 63 Bäume beschrieben. Ihre Rezepturen verbinden Klostermedizin und traditionelle Volksheilkunde. Hildegard von Bingen, Äbtissin bei den Benediktinerinnen wurde eine prophetische Befähigung nachgesagt und sie galt als Wunderheilerin.

 

Der Arzt und Naturforscher Theophrastus Bombastus von Hohenheim (1493- 1541), auch Paracelsus genannt, für den „alle Wiesen und Matten, alle Berge und Hügel Apotheken waren“. Als Begründung der modernen Naturheilkunde an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit, nutzt er vorwiegend Heilpflanzen. Sie hatten in ihrer heilenden Wirkung magische Potenz und standen in der Beziehung zu den Planeten. Als Begründer der Signaturenlehre, sah er in der äußeren Gestalt der Pflanzen (Signatur) einen Hinweis auf bestimmte Erkrankungen.

 

Auszug aus: Heilpflanzen Praxis Heute S. 3 ff, S. Bäumler, U&F Verlag, 2007