„Vollmond. Dichte Nebelschwaden umhüllen eine einsame Waldlichtung. Grünlicher Dunst steigt aus einem großen Kupferkessel und hüllt die Lichtung und die Nacht in ein geheimnisvolles Licht. Der würzige Duft der Alraune, Lavendel, Salbei und Tollkirsche durchtränkt die Luft – alles Zutaten für einen Liebeszauber…“


In fast jedem Garten findet man viele verborgene Zauberkräuter – wenn auch heute nicht mehr, um Liebestränke zu brauen, sondern um sich an der Tradition und an der Farbenpracht zu erfreuen. Der Aberglaube rund um Kräuter hat eine ebenso lange Geschichte wie die Naturheilkunde und die Kräutergärten.


„Auf dem Dach eines Hauses hat man als Blitzschutz die Hauswurz zu pflanzen!“ –So steht es in vielen Kräuterbüchern des Mittelalters.


Die Christianisierung bemühte sich zwar, hier Schranken zu setzen, konnte aber nicht ganz den Glauben der nichtchristlichen Kulturen verdrängen. Zunächst wurden Pflanzen, die in Verbindung mit der „heidnischen“ Kultur gebracht wurden, Teufels- und Zauberwerk verboten. Einige Bräuche und deren symbolischen Bedeutung fanden aber auch Eingang in die Heilpflanzen- und Gartenkultur der Klostergärten.


Wider das Böse und für das Gute


Viele verschiedene Pflanzen sollten gegen Verzauberung und Verhexung helfen, beispielsweise der Beifuß, die Eberraute und der Dost (Wilder Majoran). Die Hauswurz auf dem Dach bewahrte angeblich vor Blitzschlag, und die Ringelblume gilt auch heute noch vielerorts als Wetteranzeiger. Manchen Kräutern wird die Wirkung des großen Liebeszaubers zugeschrieben, zum Beispiel Liebstöckel, Senf und Dill.


„Hab‘ ich Senf und hab‘ ich Dill, muss der Mann machen, was ich will“


Die morgendlichen Tautropfen auf der Blattoberseite des Frauenmantels waren früher eine Zutat, um den Stein der Weisen herzustellen. Eng mit dem Volksglauben verknüpft war und ist vielerorts noch das Johanniskraut. Es diente als eines der wirksamsten Mittel gegen Zauberei und Anfechtungen des Teufels.


„Der Bauer legt Johanneskraut zwischen zwei Scheiben Brot und gibt sie dem Vieh zu fressen. Das Johanneskraut muss dazu aber am Johannestag vor Sonnenaufgang oder zur Mittagsstunde gesammelt werden.“


Unser altbewährter Salbei gehörte zu den wirksamsten Liebeskräutern des Mittelalters. Brennnesselsamen sollten „feurig“ in der Liebe machen, Gänseblümchen Trost in schweren Tagen spenden und den schon den kleinsten Kindern bekannte Pusteblume als Orakel verborgene Geheimnisse an den Tag bringen. Ebenso war man viele Generationen lang der Meinung, Liebe, Erfolg und Schutz würden von speziellen Pflanzenkombinationen beeinflusst, die zusammengenommen spezielle Kräfte entfalten. Nicht fehlen durften in einem „echten“ Zaubergarten magische Symbole.


Der Kreis bedeutete Beständigkeit und Schutz, in einem kreisförmigen Beet konzentrierten sich die Kräfte. Dreieckige Formen dagegen stehen für Bodenständigkeit und Realitätssinn.

 

Auszug aus: "Altes Kräuterwissen wieder entdeckt", C. Költringer, BLV Verlag, 2010