Arnika (Arnica montana L.)

 

Wenngleich Arnika bis vor kurzem ausschließlich aus Wildsammlungen gewonnen wurde, ist auch der systematische Anbau vor einigen Jahren gelungen. Mit 67 Homöopathika und 20 Phytopharmaka sind heute 87 Präparate auf dem Markt. In der Phytotherapie wird Arnika äußerlich zur Behandlung von Verletzungs- und Unfallfolgen, Schleimhautentzündung und Entzündungen der Haut eingesetzt.

 

Synonyme

 

Bergarnika, Bergdotterblume, Bergwohlverleih, Engelsblume, Fallwurz, Johannisblume, Kathreinwurz, Mutterwurz, Ochsenblume, Wolfsblume, Wundkraut, Kraftwurz, Kraftrose, Schmalzblume, Mahderblume, Mägdeblum, Bruchskraut, Schadnblum, Schreckblum, Blutblum, Stichkraut, Nießblum, Sankt-Luzianskraut, Stichwurzel, Tabakblume, Verfangkraut

 

Biologie

 

Arnika gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae, Compositae). Es handelt sich um eine 30 bis

60 cm hohe krautige Staude mit kriechendem Wurzelstock. Die grundständigen sitzenden Blätter sind zu einer Rosette zusammengefasst und ovallanzettförmig. Die Blattoberseite ist stark, die Blattunterseite gering bis nicht behaart. Die Stängelblätter sind spitz und wachsen in drei gegenständigen Blattpaaren. Die Blüten, die von Juni bis August gebildet werden, sind zu Köpfchen zusammengefasst, von denen die äußeren über eine gelb-orange Zungenblüte verfügen und die inneren klein und gelb sind. Zur Reife werden Schließfrüchte mit gelblicher Haarkrone gebildet.

 

Vorkommen

 

Arnika kommt als Wildpflanze in den höheren Gebirgslagen Europas auf ungedüngten Böden, Wiesen, trockenen Mooren und Heiden sowie in lichten Nadelwäldern vor. Sie ist in der Liste der besonders geschützten Flora der Bundesartenschutzverordnung geführt, so dass Sammelverbot besteht. Hauptexportländer sind Spanien, Schweiz, Italien, Slowenien, Tschechien und Kroatien.

 

Anbau

 

Wenngleich Arnika lange Zeit als nicht kultivierbar galt, kann man sie heute anbauen. Sie ist sehr empfindlich gegenüber bestimmten Bodentypen. Am besten gedeiht sie auf lockeren, humosen, phosphorarmen und gut durchlüfteten Böden mit ausreichender Wasserzu- und -abfuhr. Der pH-Wert der Böden sollte im leicht sauren bis neutralen Bereich liegen, der freie Kalkanteil im Boden nicht höher als 1,5 Prozent sein, da es sonst zu Verfärbungen, Wachstumsstörungen und Pflanzenausfall kommen kann. Arnika verträgt ausgiebige Sonnenbestrahlung und heftige Niederschläge und kann bis zu vier Jahre auf dem Feld stehen. Angebaut wird durch Aussaat oder Pflanzung.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile

 

Für die Produktion von Phytopharmaka werden primär die Blüten verwendet. Das getrocknete Pflanzenmaterial (Droge) wird lateinisch als Arnicae flos bezeichnet.

 

Inhaltsstoffe

 

Sesquiterpene, insbesondere Helenalin (mitteleuropäischer Typ) oder Dihydrohelenalin (spanischer Typ)

ätherisches Öl

Flavonoide

 

Zubereitungen

 

Aus Arnika werden Tinkturen mit 70 prozentigem Alkohol hergestellt. Für Umschläge sollen diese drei- bis zehnfach verdünnt werden, Salben sollen maximal 20 bis 25 Prozent Tinktur bzw. 15 Prozent Arnikaöl enthalten.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Traditionell wird Arnika als alkoholische Tinktur nach entsprechender Verdünnung insbesondere zum Einreiben und für Umschläge verwendet. Heute sind Salben und Fluids auf dem Markt, die Arnikatinktur enthalten. In Tierversuchen konnte die Wirkung von Arzneimitteln mit Arnika belegt werden. Sie beruht auf der in den Blüten enthaltenen Substanz Helenalin, die die Vermehrung von Mikroorganismen hemmt und Entzündungen entgegenwirkt. Entsprechend wird in der konventionellen Phytotherapie in Anlehnung an die Monographie der Kommission E von 1984 Arnika äußerlich zur Behandlung von Verletzungs- und Unfallfolgen (z. B. Bluterguss, Verrenkung, Prellung, Quetschung, Wassereinlagerung, rheumatische Beschwerden), Schleimhautentzündungen in Mund und Rachen, Entzündungen der Haut nach Insektenstichen und Furunkeln eingesetzt. Sowohl die Arnikapflanze als auch daraus hergestellte Salben können aufgrund des Helenalins jedoch auch Kontaktallergien, u. a. Hautausschläge, auslösen. Innerlich sollen Arnikazubereitungen – außer im Bereich der Homöopathie – nicht mehr angewendet werden, da die Wirkungen auf Atemzentrum, Herz und Gebärmutter nicht hinreichend geprüft sind.

 

Artischocke (Cynara scolymus L.)

 

Während die kiefernzapfenartigen Blütenköpfe der Artischockenknospe als Gemüse gegessen werden, stellt man aus den Laubblättern Arzneimittel her. Zurzeit befinden sich 25 Phytopharmaka und 2 Homöopathika auf dem Markt. In der Phytotherapie wird Artischocke zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden eingesetzt, die durch Fettintoleranz, Blähbauch, Blähungen, Verstopfung, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen gekennzeichnet sind.

 

Synonyme

 

Essdistel, Französische Artischocke, Grüne Artischocke, Kugelartischocke

 

Biologie

 

Die Artischocke gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae, Compositae). Die zweijährige Artischocke ist eine distelartige Staude, die ein bis zwei Meter hoch werden kann und große, graufilzige und fiederteilige Blätter und einen starken Wurzelstock besitzt. Aus der Blattrosette entwickeln sich lange Achsen, an deren Ende kiefernzapfenähnliche Blütenköpfe gebildet werden. Bei den Artischockenfrüchten handelt es sich um ovallängliche, leicht gerippte Schließfrüchte mit einer

Krone aus flaumigen Borsten.

 

Vorkommen

 

Die Artischocke ist vermutlich in Äthiopien beheimatet. Als Gemüse wird sie im Mittelmeergebiet, auf dem Balkan und in den USA kultiviert, als hochwertige Blattkultur zunehmend auch in Deutschland. Sie ist empfindlich gegenüber Kälte, toleriert aber Temperaturen bis -4 °C.

 

Anbau

 

Für den Artischockenanbau mit dem Ziel der Produktion arzneilich genutzter Laubblätter sind sandige Lehme bis lehmige Sande ohne Neigung zu Staunässe und Verdichtung gut geeignet. Häufige Wasserzufuhr ist nötig, so dass auch Böden geeignet sind, die Grundwasser in der Bewurzelungstiefe von 90 bis 120 cm führen. Das vegetative Wachstum und somit die Blattbildung werden durch gemäßigte Temperaturen von 20 °C begünstigt, so dass sich der Artischockenanbau auch in nördlichen Gegenden Mitteleuropas verwirklichen lässt. Angebaut wird durch Aussaat oder Pflanzung. Als Arzneipflanze ist die Artischocke nur einjährig nutzbar.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile

 

Für die Produktion von Phytopharmaka werden die Laubblätter in frischem oder getrocknetem Zustand verwendet; das getrocknete Blattmaterial (Droge) wird lateinisch als Cynarae folium bezeichnet.

 

Inhaltsstoffe

 

Caffeoylchinasäurederivate, insbesondere Cynarin (Bildung primär während Trocknung und Extraktion)

Flavonoide, insbesondere Scolymosid und Cynarosid

Sesquiterpenlactone, insbesondere Cynaropikrin

 

Zubereitungen

 

Traditionell werden Artischockenextrakte zur Herstellung von Magenbittern und Likörweinen zur Unterstützung der Verdauung verwendet. Moderne Phytopharmaka (Kapseln, Tabletten) enthalten Extrakte, die durch Auszug von frischen oder getrockneten Artischockenblättern mit Wasser gewonnen werden.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Pharmakologische Untersuchungen belegen, dass Artischocken und daraus hergestellte Extrakte den Cholesterinspiegel senken, die Arteriosklerosebildung verlangsamen und die Leberzellen schützen. Verdauungsbeschwerden werden vor allem mit hochdosierten wässrigen Extrakten behandelt. Ihre Wirksamkeit gegen die Symptome Fettintoleranz, Blähbauch, Blähungen, Verstopfung, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen lässt sich – wie in einer klinischen Studie belegt – auf gesteigerten Gallefluss zurückführen. Zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden empfiehlt die Kommission E täglich 6 g Droge bzw. das entsprechende Extraktäquivalent.

 

Bitterer Fenchel (Foeniculum vulgare MILL.)

 

Während Gewürzfenchel, auch Süßer Fenchel (Foeniculum vulgare var. dulce) genannt und Knollen- bzw. Gemüsefenchel (Foeniculum vulgare var. azoricum) dem Verzehr dienen, ist der Bittere Fenchel (Foeniculum vulgare ssp. vulgare, Foeniculum vulgare var. vulgare) für die Arzneimittelherstellung von Bedeutung. Rund 12 fenchelhaltige Präparate werden zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden eingesetzt.

 

Synonyme

 

Gartenfenchel, Langer Kümmel, Fenikel, Brotsamen, Brotwürzkörner, Brotanis, Finchel, Fennekel, Fennichl, Fennkol

 

Biologie

 

Bitterer Fenchel gehört zur Familie der Doldengewächse (Apiaceae, Umbelliferae). Es handelt sich um eine zweijährige bis ausdauernde, 1 bis 2 m hohe Staude mit einer tiefen Pfahlwurzel. Der Stängel ist blaugrün bereift, rund und gefurcht, die Laubblätter sind stark befiedert. Die gelben Blüten sind zur Dolde angeordnet und werden im Juli bis Oktober (1. Jahr) bzw. Juni bis Juli (2. Jahr) getrieben. Die graugrünen bis gelbbraunen Spaltfrüchte sind 4 bis 10 mm lang.

 

Vorkommen

 

In seiner wilden Form kommt Fenchel hauptsächlich an trockenen Plätzen, Felshängen und alten Mauern Südeuropas vor. Für die pharmazeutische Nutzung wird er gezielt auch in Deutschland angebaut. Die Hauptanbaugebiete sind jedoch Osteuropa, die Mittelmeerländer, Indien, Ägypten, Pakistan, China und Argentinien.

 

Anbau

 

Der Anbau von Bitterem Fenchel sollte auf früh und schnell abtrocknenden und nicht zu Verkrustung neigenden Böden erfolgen, da Fenchel im ersten Jahr für einen guten Ertrag bereits im März ausgesät werden muss. Weiterhin sind humose, tiefgründige, mittelschwere bis schwere Böden mit geringem Unkrautaufkommen zu bevorzugen. Gebiete mit warmen und trockenen Spätsommer- und Herbstmonaten eignen sich besonders für den Fenchelanbau, da dies eine frühe Abreife ermöglicht. Bitterer Fenchel hat aufgrund der ausgeprägten Krautbildung einen hohen Wasserbedarf. Angebaut wird durch Aussaat oder Pflanzung.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile

 

Phytopharmaka werden aus den Fenchelfrüchten und dem darin enthaltenen Fenchelöl hergestellt. Die getrockneten Früchte (Droge) werden lateinisch als Foeniculi amari fructus, das Fenchelöl wird als Foeniculi aetheroleum bezeichnet.

 

Inhaltsstoffe

 

Fenchelfrüchte:

 

ätherisches Öl mit Anethol, Fenchon und einem maximalen Estragolgehalt von 5 %

Flavonoide

organische Säuren

fettes Öl

 

Fenchelöl:

 

Anethol

Fenchon

etwas Estragol, a-Pinen, Monoterpene

 

Zubereitungen

 

Neben Tees und Tinkturen aus Fenchel und Fenchelöl gibt es heute auch Tabletten und Dragees. Sie enthalten Fenchelextrakte, die durch Auszug der Fenchelfrüchte mit alkoholischen Extraktionsmitteln gewonnen werden.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Mit Fenchel sorgt man traditionell nicht nur für Schleimlösung im Bereich der Atemwege, er ist auch Bestandteil von Milchbildungstees für stillende Mütter. Haupteinsatzgebiet sind jedoch Magen- und Darmbeschwerden, denn Fenchel fördert die Verdauung und wirkt Gasbildung, Völlegefühl und Magendruck entgegen. Auch gegen Blähungen hilft Fencheltee. Die Kommission E empfiehlt eine Tagesdosis von 5 bis 7 g Fenchelfrüchte bzw. die entsprechende Extraktmenge. Fenchelhaltige Phytopharmaka zeigen zwar kaum Nebenwirkungen, der Estragolgehalt der Fenchelfrüchte darf jedoch maximal 5 Prozent betragen, da für Estragol eine krebsauslösende Aktivität nicht ausgeschlossen werden kann.


Große Brennessel (Urtica dioica L.), Kleine Brennessel (Urtica urens L.)

 

Aus Großer und Kleiner Brennnessel werden eine Vielzahl pflanzlicher Arzneimittel hergestellt. 26 Phytopharmaka und 11 Homöopathika sind heute im Handel erhältlich. Die Phytotherapie behandelt damit Nieren- und Harnwegserkrankungen, die Symptome einer gutartigen Prostatavergrößerung sowie rheumatische Beschwerden.

 

Synonyme

 

Donnernessel, Dunnernettel, Nessel, Saunessel, Hanfnessel, Senznettel, Esselkraut, Scharfnessel, Tausendnessel

 

Biologie

 

Die Große und Kleine Brennnessel gehören zur Familie der Brennnesselgewächse (Urticaceae). Beide Brennnesselarten kommen in der Natur häufig vor. Sie haben einen vierkantigen aufrechten und unverzweigten Stängel, die Blätter sind oval-länglich und an der Basis herzförmig. Die Oberflächen der Blätter sind mit Brennhaaren besetzt, deren Inhaltsstoffe, u. a. Ameisensäure, für das Brennen der Haut nach Berührung der Pflanze verantwortlich sind. Die Wirkung der Brennhaare geht nach dem Überbrühen bzw. Trocknen verloren. Die Blattränder der Brennnesseln sind gezähnt. Die Blüten werden zwischen Mai und September als in den Blattachseln entspringende Ähren gebildet. Während die Kleine Brennnessel bis 80 cm hoch wird und Blüten beider Geschlechter an einer Pflanze trägt, werden die Pflanzen der Großen Brennnessel bis 1,50 m hoch und sind entweder männlich oder weiblich. Die einjährige Kleine Brennnessel bildet außerdem keinen überwinternden Wurzelstock, wohingegen die mehrjährige Große Brennnessel einen ausdauernden überwinternden Wurzelstock hat.

 

Vorkommen

 

Brennnesseln sind in ganz Europa als Wildpflanzen verbreitet. Sie finden sich an Wegen und Hecken, in der Nähe von Häusern, auf Ödland, in Auwäldern, in Ufernähe und auf Kulturflächen und bevorzugen für das Wachstum nährstoffreiche, schwere, humose und unkrautarme Böden mit einem leicht alkalischen pH-Wert, insbesondere jedoch Niedermoorstandorte. Dennoch verträgt die Kleine Brennnessel keine Staunässe. Die Große Brennnessel ist frosthart, während die Kleine Brennnessel nicht überwintert. Brennnesseln werden bevorzugt durch Wildsammlung gewonnen; ein Anbau in Deutschland ist möglich und wird in geringem Umfang realisiert.

 

Anbau

 

Brennnesseln wachsen am besten auf nährstoffreichen, schweren, humosen und unkrautarmen Böden mit einem leicht alkalischen pH-Wert. Die Große Brennnessel wird mehrjährig angebaut, die Kleine Brennnessel einjährig. Der Brennnesselanbau insgesamt ist unbedeutend. Angebaut wird durch Aussaat oder Pflanzung.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile Für die Produktion von Phytopharmaka werden zur Blüte Wurzelkraut und Blätter geerntet. Die getrocknete Brennnesselwurzel (Droge) wird lateinisch als Urticae radix, das getrocknete Brennnesselkraut (Droge) als Urticae herba bezeichnet; die getrockneten Brennnesselblätter (Droge) tragen die lateinische Bezeichnung Urticae folium.

 

Inhaltsstoffe

 

Brennnesselblätter und -kraut:

 

Scopoletin, ß-Sitosterol

Flavonoide

Silikate

aliphatische Säuren

Hydroxyzimtsäuren (u. a. Caffeoyläpfelsäure in der Großen Brennnessel)

 

Brennnesselwurzel:

 

Scopoletin, ß-Sitosterol

Lectin

Polysaccharide

Lignane

 

Zubereitungen

 

Zur Herstellung von Brennnesseltee werden Brennnesselblätter bzw. -kraut verwendet. Moderne Phytopharmaka (Kapseln, Tabletten) enthalten Extrakte, die durch Auszug der wirkstoffhaltigen Wurzel bzw. der Blätter und des Krauts mit Wasser oder einem Wasser-Alkohol-Gemisch als Extraktionsmittel gewonnen werden.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Mit Brennnesseltee werden traditionell Harnwegsentzündungen und -infekte behandelt, die häufig mit starkem Harndrang bei schmerzhafter Abgabe geringer Harnmengen verbunden sind. Auch gegen Nierengries wird Tee eingesetzt, denn er wirkt harntreibend, ohne die lebenswichtigen Salze aus dem Körper auszuschwemmen. Die Kommission E empfiehlt eine mittlere Tagesdosis von 8 bis 12 g Brennnesselkraut. Moderne Phytopharmaka mit Brennnesselblättern und -kraut dienen der unterstützenden Behandlung rheumatischer Beschwerden. Untersuchungen am Menschen haben nachgewiesen, dass sie Schadstoffe ausschwemmen und Entzündungen hemmen. Auch hier empfiehlt die Kommission E eine mittlere Tagesdosis von 8 bis 12 g getrockneten Brennnesselblättern und -kraut bzw. die entsprechende Extraktmenge. Seit ca. 20 Jahren behandelt man mit Brennnessel außerdem Symptome der gutartigen Prostatavergrößerung im Anfangsstadium und das hiermit verbundene häufige Wasserlassen. Denn der Wirkstoff erhöht den Harnfluss und reduziert dadurch Harndrang und Häufigkeit der Harnabgabe. 4 bis 6 g getrocknete Wurzel sind laut Kommission E dafür ausreichend. Brennnesselhaltige Phytopharmaka zeigen kaum Nebenwirkungen. In seltenen Fällen treten Magen-Darm-Beschwerden auf.

 

Echte Goldrute (Solidago virgaurea L.)

 

Echte Goldrute zählt zu den wichtigsten zu Phytopharmaka verarbeiteten Arzneipflanzen. 29 Phytopharmaka und 19 Homöopathika sind auf dem Markt. Goldrute hilft bei Erkrankungen der Harnwege und wird häufig in Kombination mit ähnlich wirkenden Arzneipflanzen eingesetzt.

 

Synonyme

 

Goldrute, Goldwundkraut, Heidnisches Wundkraut, Goldraute, Unsegenkraut, Güldenwundkraut, Waldkraut, Edelwundkraut, Schoßkraut

 

Biologie

 

Echte Goldrute gehört zur Familie der Korbblütengewächse (Asteraceae, Compositae). Es handelt sich um eine ausdauernde bis zu 1 m hohe Pflanze mit einem knotigen Wurzelstock und einem aufrechten, verzweigten Stängel. Die Blätter sind eiförmig bis lanzettlich und stehen wechselseitig am Stängel. Die gelben Blütenköpf­chen sind in Trauben bzw. Rispentrauben angeordnet, die in den Achseln der oberen Blätter stehen. Wild vorkommende Pflanzen blühen von August bis Oktober, bei in Kultur befindlichen Pflanzen kann die Blüte bereits im Mai beginnen. Bei den Früchten der Echten Goldrute handelt es sich um zylindrische Schließfrüchte mit 12 Längsrippen; an der Spitze der Schließfrüchte befindet sich eine Haarkrone.

 

Vorkommen

 

Echte Goldrute kommt als Wildpflanze in den gemäßigten Klimaregionen Europas, Asiens, Nordafrikas (Algerien, Marokko) und Nordamerikas in lichten Wäldern bzw. auf Waldlichtungen, an Waldrändern, auf Heiden, Weiden und Dünen vor. Für Phytopharmaka werden Pflanzen in Ungarn, Bulgarien, Polen und dem ehemaligen Jugoslawien gesammelt.

 

Anbau

 

Echte Goldrute wächst zwar im Garten gut, der großflächige Anbau über Pflanzungen wird in Deutschland jedoch erst erprobt.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile: In Phytopharmaka wird der zur Blütezeit geerntete, die Blüten tragende Pflanzenbereich (Blühhorizont) verarbeitet. Das getrocknete Pflanzenmaterial (Droge) wird lateinisch als Solidaginis virgaureae herba bezeichnet.

 

Inhaltsstoffe

 

ätherisches Öl

Triterpensaponine

Flavonoide

Phenolglucoside, Leiocarposid, Virgaureosid (nur in Echter Goldrute)

Kaffeesäurederivate

 

Zubereitungen

 

Traditionell als Tee zubereitet, wird das Pflanzenmaterial heute durch Auszug mit wässrigen oder wässrig-alkoholischen Auszugsmitteln zu Extrakten verarbeitet, aus denen Kapseln und Tabletten hergestellt werden.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Ähnlich wie die Brennnessel wirkt auch die Goldrute harntreibend, krampflösend und entzündungshemmend. Sie wird daher bei Harnwegsentzündungen und -infekten eingesetzt, die häufig mit starkem Harndrang bei schmerzhafter Abgabe geringer Harnmengen verbunden sind, aber auch bei Nierengries und Nierensteinen. Dazu empfiehlt die Kommission E eine mittlere Tagesdosis des Phytopharmakons von 8 bis 12 g Goldrutenkraut bzw. die entsprechenden Extraktmengen. Zwar wurden mit Goldrute traditionell auch Gicht, Rheuma, nervöses Bronchialasthma, Leberschwellung und Entzündungen der Mund- und Rachenhöhle behandelt, die Wirksamkeit ist jedoch nicht nachgewiesen. Nebenwirkungen von goldrutehaltigen Phytopharmaka sind nicht bekannt.


Echte Goldrute (Solidago virgaurea L.)

 

Echte Goldrute zählt zu den wichtigsten zu Phytopharmaka verarbeiteten Arzneipflanzen. 29 Phytopharmaka und 19 Homöopathika sind auf dem Markt. Goldrute hilft bei Erkrankungen der Harnwege und wird häufig in Kombination mit ähnlich wirkenden Arzneipflanzen eingesetzt.

 

Synonyme

 

Goldrute, Goldwundkraut, Heidnisches Wundkraut, Goldraute, Unsegenkraut, Güldenwundkraut, Waldkraut, Edelwundkraut, Schoßkraut

 

Biologie

 

Echte Goldrute gehört zur Familie der Korbblütengewächse (Asteraceae, Compositae). Es handelt sich um eine ausdauernde bis zu 1 m hohe Pflanze mit einem knotigen Wurzelstock und einem aufrechten, verzweigten Stängel. Die Blätter sind eiförmig bis lanzettlich und stehen wechselseitig am Stängel. Die gelben Blütenköpf­chen sind in Trauben bzw. Rispentrauben angeordnet, die in den Achseln der oberen Blätter stehen. Wild vorkommende Pflanzen blühen von August bis Oktober, bei in Kultur befindlichen Pflanzen kann die Blüte bereits im Mai beginnen. Bei den Früchten der Echten Goldrute handelt es sich um zylindrische Schließfrüchte mit 12 Längsrippen; an der Spitze der Schließfrüchte befindet sich eine Haarkrone.

 

Vorkommen

 

Echte Goldrute kommt als Wildpflanze in den gemäßigten Klimaregionen Europas, Asiens, Nordafrikas (Algerien, Marokko) und Nordamerikas in lichten Wäldern bzw. auf Waldlichtungen, an Waldrändern, auf Heiden, Weiden und Dünen vor. Für Phytopharmaka werden Pflanzen in Ungarn, Bulgarien, Polen und dem ehemaligen Jugoslawien gesammelt.

 

Anbau

 

Echte Goldrute wächst zwar im Garten gut, der großflächige Anbau über Pflanzungen wird in Deutschland jedoch erst erprobt.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile: In Phytopharmaka wird der zur Blütezeit geerntete, die Blüten tragende Pflanzenbereich (Blühhorizont) verarbeitet. Das getrocknete Pflanzenmaterial (Droge) wird lateinisch als Solidaginis virgaureae herba bezeichnet.

 

Inhaltsstoffe

 

ätherisches Öl

Triterpensaponine

Flavonoide

Phenolglucoside, Leiocarposid, Virgaureosid (nur in Echter Goldrute)

Kaffeesäurederivate

 

Zubereitungen

 

Traditionell als Tee zubereitet, wird das Pflanzenmaterial heute durch Auszug mit wässrigen oder wässrig-alkoholischen Auszugsmitteln zu Extrakten verarbeitet, aus denen Kapseln und Tabletten hergestellt werden.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Ähnlich wie die Brennnessel wirkt auch die Goldrute harntreibend, krampflösend und entzündungshemmend. Sie wird daher bei Harnwegsentzündungen und -infekten eingesetzt, die häufig mit starkem Harndrang bei schmerzhafter Abgabe geringer Harnmengen verbunden sind, aber auch bei Nierengries und Nierensteinen. Dazu empfiehlt die Kommission E eine mittlere Tagesdosis des Phytopharmakons von 8 bis 12 g Goldrutenkraut bzw. die entsprechenden Extraktmengen. Zwar wurden mit Goldrute traditionell auch Gicht, Rheuma, nervöses Bronchialasthma, Leberschwellung und Entzündungen der Mund- und Rachenhöhle behandelt, die Wirksamkeit ist jedoch nicht nachgewiesen. Nebenwirkungen von goldrutehaltigen Phytopharmaka sind nicht bekannt.

 

Echte Kamille (Matricaria recutita L.)

 

Auch die Echte Kamille ist eine wichtige in Deutschland produzierte und zu Phytopharmaka verarbeitete Arzneipflanze. Rund 60 Präparate mit Kamille und sieben mit Kamillenöl sind auf dem Markt. Von diesen Präparaten zählen 40 zu den Phytopharmaka und 27 zu den Homöopathika. Mit Kamille behandelt man nicht nur entzündliche Haut- und Schleimhauterkrankungen im Mund- und Rachenraum, der Luftwege sowie im Anal- und Genitalbereich. Auch bei Magen-Darm-Beschwerden mit leichten Krämpfen, Blähungen und Völlegefühl wird sie eingesetzt. In Form von Kamillentee ist sie auch ein beliebtes Getränk.

 

Synonyme

 

Kamille, Feldkamille, Garmille, Kummerblume, Mägdeblume, Apfelblümlein, Ganille, Mutterkraut, Hermel, Kammerblum, Kuhmelle

 

Biologie

 

Echte Kamille gehört zur Familie der Korbblütengewächse (Asteraceae, Compositae). Es handelt sich um eine einjährige Pflanze mit einer spindelförmigen Wurzel mit zahlreichen nicht tief reichenden Faserwurzeln. Als Wildpflanze erreicht sie eine Höhe von bis zu 50 cm, als Kulturpflanze von bis zu 80 cm. Die Stängel sind leicht gerillt und verzweigt, die Blätter oval-lanzettlich mit zwei- bis drei Fiedern. Im Mai bis Juni werden die Blütenköpfchen gebildet, die aus einem Kranz aus weißen Rand- bzw. Zungenblüten und ca. 400 bis 500 gelben, im oberen Bereich trichterförmigen Röhrenblüten bestehen. Auf den Blüten und den Hüllkelchblättern befinden sich Drüsenschuppen, in denen sich das ätherische Öl sammelt. Es werden sehr kleine hell gefärbte Schließfrüchte von höchstens 1 mm Durchmesser gebildet. Charakteristisch für Echte Kamille sind der apfelartige Geruch und der hohle, kegelförmig gewölbte Blütenstandboden, der bei anderen Kamillen markig gefüllt ist.

 

Vorkommen

 

Echte Kamille stammt ursprünglich aus Vorderasien und Osteuropa; heute ist sie als Wildpflanze in ganz Europa, Australien und Nordamerika verbreitet. Sie kommt sowohl am Meer als auch in den Bergen vor und wächst häufig auf Wiesen, bebautem Land, an Straßen und in der Nähe von Häusern. Überwog früher die Wildsammlung, stammt der Rohstoff für Phytopharmaka heute mehrheitlich aus kontrolliertem Anbau in Deutschland, Tschechien, Polen, Ungarn, Spanien, Ägypten, Argentinien und der Türkei.

 

Anbau

 

Der Anbau von Echter Kamille erfolgt bevorzugt auf Schwarzerde-, Aue- und sandigen Lehmböden; sie wächst jedoch auch mit geringerem Ertrag auf Braunerde und Sandböden ohne Humus. Der pH-Wert des Bodens sollte im leicht sauren bis alkalischen pH-Bereich liegen. Auf sauren Böden nimmt Echte Kamille verstärkt Schwermetalle wie beispielsweise Cadmium auf, das sich in den Stängeln, aber auch den Blüten anreichert. Der Anbau erfolgt durch Direktaussaat, die im Herbst unter Überwinterung der Pflanzen im Jungpflanzenstadium oder im Frühjahr erfolgen kann. Die Selbstaussaat ist in der Praxis des Kamilleanbaus nicht mehr gebräuchlich.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile

 

Phytopharmaka enthalten die wirkstoffhaltigen Blüten, die zu Beginn der Blütezeit geerntet werden. Das getrocknete Pflanzenmaterial (Droge) wird lateinisch als Matricariae flos bezeichnet. Das blaue Kamillenöl – lateinisch Matricaria aetheroleum – wird aus den frischen oder getrockneten Blüten und den blühenden Sprossspitzen durch Wasserdampf ­destillation gewonnen. Aus den Blüten wird außerdem ein ammoniakalisch-alkoholisch-wässriger Extrakt hergestellt, der Kamillenfluidextrakt – lateinisch Matricariae extractum fluidum – heißt.

 

Inhaltsstoffe

 

Kamillenblüten:

 

ätherisches Öl mit den Sesquiterpenalkoholen (-)-a-Bisabolol, Bisabololoxid A, B und C und Bisabolonoxid, den Sesquiterpenkohlenwasserstoffen a- und ß-Farnesen sowie Spiroether

Flavonoide, insbesondere Apigenin und Luteolin

Cumarine

Schleimstoffe

 

Kamillenöl:

 

ätherisches Öl mit dem während der Destillation aus dem Sesquiterpenlacton Matricin gebildeten und charakteristisch blauen Chamazulen

weitere Zusammensetzung vergleichbar mit der Zusammensetzung der Kamillenblüten

 

Kamillenfluidextrakt:

 

Zusammensetzung vergleichbar der Kamillenblüten

 

Zubereitungen

 

Kamillentee besteht vor allem aus zerkleinerten, getrockneten Kamillenblüten. Salben, Kapseln und Tabletten enthalten entweder die zerkleinerte Droge und Kamillenöl oder mit wässrig-alkoholischem Auszugsmittel gewonnene Extrakte.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Kamillenblüten wirken antimikrobiell und entzündungshemmend, weshalb sie bei Haut- und Schleimhautentzündungen sowie bakteriellen Hauterkrankungen einschließlich der Mundhöhle und des Zahnfleisches eingesetzt werden. Sowohl schlecht heilende Wunden als auch Furunkel, Abszesse, Fisteln, Dermatitis oder Zahnfleischentzündungen lassen sich mit Kamille behandeln. Gegen entzündliche Erkrankungen und Reizzustände der Luftwege wie beispielsweise Bronchitis hilft laut Kommission E das Inhalieren mit drei bis 10 Prozent Droge. Abszesse, Furunkel, Hämorrhoiden im Anal- und Genital­bereich behandelt man mit Bädern (50 g Droge auf 10 l Wasser) und Spülungen (drei- bis zehnprozentige Aufgüsse). Grundlage dafür sind Erfahrungswerte, aber auch der Beleg der Wirksamkeit eines kamillehaltigen Arzneimittels durch klinische Studien. Da Kamille krampflösend wirkt und die Bildung von Magensäure hemmt, hilft sie auch bei Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts wie Magenschleimhautentzündungen, Völlegefühl, Durchfall, Blähungen oder Brechreiz. Kamille gilt zwar als nebenwirkungsarm, aufgrund ihres Gehalts an Sesquiterpenen sollte sie jedoch nicht am Auge angewandt werden. Außerdem besteht grundsätzlich das Risiko allergischer Reaktionen, die jedoch häufig durch die Anwesenheit anderer Kamillen im Drogenmaterial hervorgerufen werden.

 

Echte Pfefferminze (Mentha x piperita L.)

 

Echte Pfefferminze zählt zu den wichtigsten in Deutschland produzierten und zu Arzneimitteln verarbeiteten Arzneipflanzen. Zurzeit befinden sich 39 Phytopharmaka und 2 Homöopathika auf dem Markt. Pfefferminze bzw. Pfefferminzöl helfen beim Reizdarmsyndrom, werden aber auch bei Spannungskopfschmerzen eingesetzt. Darüber hinaus ist Pfefferminze in Beruhigungsmitteln und pflanzlichen Hustenmitteln enthalten. In Form von Tee erfreut sich Pfefferminze als Lebensmittel großer Beliebtheit.

 

Synonyme

 

Edelminze, Englische Minze, Teeminze, Aderminze, Katzenkraut, Schmeckerts, Prominze, Hausminze, Mutterkraut

 

Biologie

 

Echte Pfefferminze gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae, Labiatae). Es handelt sich um einen Artmischling aus der Bachminze (Mentha aquatica) und der Grünen Minze (Mentha spicata). Als nahezu steriler Mischling lässt sie sich nur vegetativ über Wurzelausläufer (Stolone) oder Stecklinge vermehren; falls Samen gebildet werden, sind diese für den Anbau wertlos, da es bei Aussaat zur Aufspaltung in die Ursprungsarten kommt. Die Echte Pfefferminze ist eine 30 bis 80 cm hohe ausdauernde, krautige, flach wurzelnde Staude, die ober- und unterirdische Ausläufer bildet. Die Stängel sind kahl und wenig verzweigt und in manchen Fällen violett gefärbt, die Laubblätter sind gegenständig angeordnet, länglich eiförmig bis lanzettlich geformt, am Rand grob gezähnt und häufig mit einer violetten Nervatur versehen. Falls Blüten und Früchte gebildet werden, erscheinen die Blüten ab Juli bis September, stehen in endständigen Ähren und sind rosa bis lila gefärbt. In den Blüten werden je vier eiförmige, glänzend braune Schließfrüchte gebildet, die im Boden des Blütenkelches eingeschlossen sind. Im Herbst stirbt das Kraut ab; im Frühjahr treibt die Pflanze aus. Echte Pfefferminze wächst aufrecht und blüht nur unter Langtagsbedingungen.

 

Vorkommen

 

Als Artmischling befindet sich die Echte Pfefferminze in Kultur und kommt selten verwildert vor. Angebaut wird sie weltweit; jedoch sind die in Deutschland produzierten Mengen gering. Hauptimport- und somit Anbauländer sind die Balkanländer, die Ukraine, Ungarn, Ägypten, Marokko, die USA und Spanien; die in den USA, Italien, Südamerika und Asien produzierte Ware dient primär der Pfefferminzölgewinnung.

 

Anbau

 

Der Anbau von Echter Pfefferminze ist auf nahezu allen Böden mit Ausnahme von sehr schweren, staunassen oder extrem trockenen Böden möglich. Bevorzugt werden jedoch unkrautarme, frische, humose, sandige Lehmböden, die möglichst windgeschützt und warm, jedoch ohne Hitze, sein sollten. Auch Niedermoorstandorte sind geeignet.

 

Aufgrund der fehlenden Vermehrung über Samen werden Wurzelausläufer oder Stecklinge gepflanzt.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile

 

Für die Produktion von Arzneimitteln werden das wirkstoffhaltige Kraut bzw. die wirkstoffhaltigen Blätter kurz vor der Blüte geerntet; das getrocknete Pflanzenmaterial (Droge) wird lateinisch als Herba Menthae (Pfefferminzkraut) bzw. Menthae piperita folium (Pfefferminzblätter) bezeichnet. Über Wasserdampfdestillation wird aus den frischen, blühenden Sprossspitzen das ätherische Öl, lateinisch Menthae piperitae aetheroleum, gewonnen.

 

Inhaltsstoffe

 

Pfefferminzkraut Pfefferminzöl:

 

ätherisches Öl mit Menthol, Menthon, Cineol,

Menthol

 

Menthylacetat, Neomenthon, Isomenthon:

 

verschiedene Mentholester

 

Limonen, Pulegon, Menthofuran:

 

Menthon

Gerbstoffe

Flavonglykoside

Rosmarinsäure

 

Zubereitungen

 

Traditionell werden Pfefferminzblätter und -kraut zur Herstellung von Tees, insbesondere Beruhigungs- und Schlaftees, verwendet. Pfefferminzöl wird einerseits selbst als Arzneimittel eingesetzt, andererseits ist es Bestandteil von Lutschtabletten, Pastillen und Gurgelwasser.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Tees aus Pfefferminzblättern und -kraut sind oft gemischt mit Baldrian, Hopfen, Melisse, Kamille, Lavendel, Orangenblüten und Pomeranzenschale und wirken beruhigend und einschläfernd. Auch in Lutschtabletten und Hustenpastillen ist Pfefferminzöl enthalten, da es Schluckreiz und vermehrten Speichelfluss auslöst, was Hustenstößen entgegenwirkt. Zur Behandlung von Schleimhautentzündungen der oberen Atemwege empfiehlt die Kommission E mittlere Tagesdosen von 3 bis 6 g Pfefferminzblättern für Tees und mittlere Tagesdosen von 6 bis 12 Tropfen für Pfefferminzöl. In Gurgelwasser enthalten reinigt Pfefferminzöl Mund- und Rachenraum und wirkt Entzündungen entgegen. Klinische Studien belegen, dass Tee oder Öl mit krampflösender Pfefferminze auch beim Reizdarmsyndrom helfen, das durch Bauchschmerzen, Verstopfung, Durchfall, gestörte Kotabgabe und Blähungen ohne organische Erkrankung gekennzeichnet ist. Die Kommission E empfiehlt Pfefferminze und das daraus hergestellte Öl außerdem bei Beschwerden im Magen-Darm-Bereich und der Gallenblase und -wege. Entweder täglich 3 bis 6 g Blätter in Form von Teezubereitungen oder 6 bis 12 Tropfen Pfefferminzöl hält sie in diesem Fall für angebracht. Gegen Reizdarm wird ausschließlich Öl mit einer mittleren Einzeldosis von 0,2 ml und einer mittleren Tagesdosis von 0,6 ml angeraten. Reibt man zehnprozentiges Pfefferminzöl in alkoholischer Lösung auf die Stirn, hilft das wie in klinischen Studien belegt gegen Spannungskopfschmerz ähnlich wie Paracetamol oder Acetylsalicylsäure. Migräne lässt sich damit jedoch nicht behandeln. Pfefferminze und Pfefferminzöl sind zwar nebenwirkungsarm, dürfen aber bei Verschlüssen der Gallenwege, Gallenblasenentzündungen, schweren Leberschäden und im Bereich des Gesichtes von Kleinkindern nicht angewendet werden.


Echter Baldrian (Valeriana officinalis L.)

 

Echter Baldrian zählt zu den wichtigsten in Deutschland zu Phytopharmaka verarbeiteten Arzneipflanzen. Zurzeit befinden sich 63 Phytopharmaka und 23 Homöopathika auf dem Markt. Die Phytotherapie behandelt mit Echtem Baldrian nervös bedingte Schlafstörungen und Unruhezustände. Er steigert aber auch Leistungs- und Konzentrationsvermögen.

 

Synonyme

 

Hexenkraut, Katzenkraut, Augenwurzel, Brachkraut, Krampfwurzel, Windwurzel, Mondwurzel, Waldspeik, Rattenwurzel, Denmarkwurzel, Bullerian, Dreifuß, Marienwurzel, Ollerjan, Viehkraut, Wendwurzel

 

Biologie

 

Echter Baldrian gehört zur Familie der Baldriangewächse (Valerianaceae). Weltweit gibt es ca. 250 Baldrianarten. Bei Echtem Baldrian handelt sich um eine 50 bis 150 cm hohe mehrjährige Pflanze mit einem walzenförmigen gelbbraunen Wurzelstock. Aus dem Wurzelstock wachsen 50 bis 60 zylindrische gelbbraune Wurzeln. Der Stängel ist kantig und hohl, die großen unpaarig gefiederten Blätter sind gegenständig angeordnet. Echter Baldrian blüht von Juni bis August mit rosa bis weißen rispigen Trugdolden an den Stängelspitzen. Bei den Früchten handelt es sich um eiförmige Schließfrüchte mit einem spitzen Ende, an dem sich eine Haarkrone befindet.

 

Vorkommen

 

Echter Baldrian ist als Wildpflanze in Europa und in den gemäßigten klimatischen Zonen Asiens beheimatet; für das Wachstum bevorzugt er feuchte und sumpfige Standorte. Er ist frostfest. Echter Baldrian wird in Belgien, England, Holland und Osteuropa und in geringem Umfang in Deutschland angebaut; die Hauptproduktionsländer sind jedoch Indien, Mexiko und Polen.

 

Anbau

 

Echter Baldrian wird auf tiefgründigen, steinlosen, unkrautfreien, nicht staunassen und siebfähigen Böden gegebenenfalls unter Beregnung angebaut. Der Anbau erfolgt einjährig oder einjährig überwinternd. Da die Wurzel den zu erntenden Pflanzenteil darstellt, sind klebende oder stark humose Böden nicht zu empfehlen. Angebaut wird durch Aussaat oder Pflanzung.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile

 

Für die Produktion von Arzneimitteln wird im Spätherbst die Wurzel geerntet; das getrocknete Pflanzenmaterial (Droge) wird lateinisch als Valerianae radix bezeichnet.

 

Inhaltsstoffe

 

Valepotriate, insbesondere Valtrat, Isovaltrat, Acevaltrat

ätherisches Öl, Zusammensetzung in Abhängigkeit vom Chemotyp (Bornylacetat oder Valerensäuren)

 

Zubereitungen

 

Neben Tees sind Tinkturen und Presssäfte auf dem Markt, die gegen Schlafstörungen und Unruhezustände helfen. In modernen Phytopharmaka (Kapseln, Tabletten, aber auch Tinkturen und Tees) kommen Extrakte zum Einsatz, die durch Auszug der Droge mit Wasser oder einem Wasser-Alkohol-Gemisch gewonnen werden. Neben dem ätherischen Öl ist insbesondere der Gehalt an Valerensäure oder Acetoxyvalerensäure eine charakteristische Größe für die Qualität der Phytopharmaka, da diese Substanzen nur in Echtem Baldrian vorkommen. Baldrian wird häufig mit Hopfen, Melisse oder Passionsblume zu Kombinationspräparaten verarbeitet.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Studien am Menschen belegen, dass Echter Baldrian nicht im Sinne typischer Schlafmittel wirkt, sondern Einschlaf- und Durchschlafstörungen erst nach einer 2- bis 4-wöchigen Behandlung mildert. Aufgrund der fehlenden Sofortwirkung birgt Echter Baldrian im Vergleich zu chemischen Schlafmit­teln ein sehr geringes Risiko einer Abhängigkeit. Gegen Schlafstörungen empfiehlt die Kommission E eine Dosierung von 2 bis 3 g Baldriandroge ein­ bis mehrfach täglich bzw. die entsprechende Extraktmenge. Neben- und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind nicht bekannt.

 

Echter Hopfen (Humulus lupulus L.)

 

Hopfen ist nicht nur wesentlicher Rohstoff für das Brauen von Bier, er zählt auch zu den wichtigen in Deutschland zu Phytopharmaka verarbeiteten Arzneipflanzen. Häufig in Kombination mit anderen Arzneipflanzen behandelt man damit Unruhe- und Angstzustände sowie Schlafstörungen. 26 Phytopharmaka und 8 Homöopathika sind auf dem Markt.

 

Synonyme

 

Bierhopfen, Zaunhopfen, Hopf, Hoppen, Hupfer, Hopfenblüten, Hopfenzapfen

 

Biologie

 

Hopfen gehört zur Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae). Es handelt sich um eine mehrjährige Windestaude mit einem großen, fleischigen, tief wurzelnden und den Winter überdauernden Wurzelstock. In jedem Jahr werden in den oberen Bodenschichten weitere Wurzeln zur Ernährung der Pflanze und oberirdische krautige Windesprosse von 6 bis 12 m Länge gebildet. Diese Winden sind rechtsdrehend und halten sich mit Klimmhaaren fest. An den nicht verholzenden Winden sitzen die gegenständigen, eirund bis herzförmigen Blätter. Die Blüten der beiden Geschlechter werden an verschiedenen Pflanzen gebildet, wobei die Blüten der männlichen Pflanzen von Juli bis August in reichblütigen Rispen getrieben werden. Bei den Blüten der weiblichen Pflanzen handelt es sich um aus bis zu 60 Einzelblüten bestehende Zapfen, auch Kätzchen genannt, die achselständig angeordnet sind und Anfang Juli getrieben werden. Deren Oberfläche wird von Hüllblättern gebildet, die mit zahlreichen Drüsen versehen sind; diese Drüsen sondern das für Hopfen typische Harz ab.

 

Vorkommen

 

Wilder Hopfen stammt wahrscheinlich aus Europa. Er wächst in den feuchten Gebieten der Ebenen und Mittelgebirgsregionen, d. h. er ist an Ufern, Waldrändern, Hecken und den Rändern von Auen verbreitet. Die zur Produktion von Phytopharmaka genutzten Pflanzen werden im Anbau gewonnen. Ein traditionell wichtiges Hopfenanbaugebiet ist Deutschland; in größerem Umfang wird Hopfen aber auch in anderen europäischen Ländern wie Tschechien und England sowie in Nordamerika kultiviert.

 

Anbau

 

Hopfen wächst am besten auf tiefgründigen, gut durchwurzelbaren, feuchten und fruchtbaren Böden mit einem hohen Humusanteil ohne Staunässe. Da er ausreichend Niederschlag und viel Sonnenschein bevorzugt, baut man ihn in ausgewählten Regionen Asiens, Amerikas und Europas zwischen dem 35. und 55. Breitengrad an. Klettergerüste mit Drahtseilen ermöglichen der Pflanze das Klimmen. Angebaut wird durch Aussaat oder Pflanzung, wobei abgetrennte Sprosse (Fechser) als Pflanzmaterial dienen können. Die Ente erfolgt ein Mal pro Jahr über einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile

 

Da für Phytopharmaka nur die Hopfenzapfen, d. h. die unbefruchteten weiblichen Blütenstände genutzt werden, müssen männliche Pflanzen aus der Kultur entfernt werden. Das getrocknete Pflanzenmaterial (Droge) wird lateinisch als Lupuli flos bezeichnet; der eigentliche Träger der wertgebenden Inhaltsstoffe ist das von den Blütenständen gebildete Harz.

 

Inhaltsstoffe

 

Hopfenbitterstoffe, insbesondere Humulone und Lupulone

ätherisches Öl

Polyphenole

Flavonoide

 

Zubereitungen

 

Wie viele Arzneipflanzen kann Hopfen traditionell als Tee zubereitet werden. Extrakte für Kapseln und Tabletten werden durch Auszug der wirkstoffhaltigen Hopfenzapfen mit einem wässrigen oder wässrig-alkoholischen Extraktionsmittel gewonnen.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Hopfen regt Verdauung und Appetit an und wird als harntreibendes sowie die Spannkraft steigerndes Mittel eingesetzt. Bei Befindlichkeitsstörungen wie Unruhe und Angstzuständen sowie Schlafstörungen empfiehlt die Kommission E eine Einzeldosis von 0,5 g Droge bzw. die entsprechende Extraktmenge.

 

Nebenwirkungen von hopfenhaltigen Phytopharmaka sind nicht bekannt.

 

Gemeine Rosskastanie (Aesculus hippocastanum L.)

 

Rosskastanie ist eine der wichtigsten in Deutschland verarbeiteten Arzneipflanzen. 38 Phytopharmaka und 15 Homöopathika sind auf dem Markt. Die Phytotherapie behandelt damit chronische Venen-schwäche. Je nach Dauer und Ausmaß der Rückflussstörungen in den Venen und der sich ergebenden Behinderung des Stoffaustausches reichen die Symptome von der Ansammlung von Flüssigkeit im Körpergewebe bis zu Schweregefühl in den Beinen.

 

Synonyme

 

Wilde Kastanie, Weiße Rosskastanie, Pferdekastanie, Foppkastanie, Saukastanie, Drusenkesten, Kestenbaum, Wildi Kestene, Gichtbaum, Judenkest, Vixirinde

 

Biologie

 

Rosskastanie gehört zur Familie der Rosskastaniengewächse (Hippocastanaceae). Es handelt sich um einen 30 bis 35 m hohen, sommergrünen Baum mit großer, dichter und regelmäßiger Krone und einfachem, geradem Stamm mit dunkelrötlicher oder graubrauner Rinde. Die Laubblätter stehen wechselständig und weisen 15 bis 20 cm lange, rinnige Stiele auf. Die Blätter bestehen aus 5 bis 7 Blattfedern, die sich zur Spitze verjüngen und einen gezähnten Rand haben. Die Blüten, die im Frühjahr getrieben werden, sind weiß und in unter­schiedlichem Maß gelb bis rot gefleckt und stehen in aufrechten, breiten und 30 cm langen Rispen. Die stacheligen und kugeligen Früchte mit einem Durchmesser von 5 bis 7 cm brechen im Oktober auf und entlassen 2 bis 3 halbrunde Samen.

 

Vorkommen

 

Die aus dem Balkan stammende Rosskastanie ist als Park-, Garten- und Alleebaum in Europa, Westasien, Japan und im Süden Nordamerikas weit verbreitet. Die Samen dienen nicht nur in Forsten als Wildfutter, sondern sind ebenso wie Rinden und Blätter Rohstoff für Arzneimittel. Sie kommen überwiegend aus Wildsammlungen in osteuropäischen Ländern.

 

Anbau

 

Da der Rohstoff aus Wildsammlungen stammt, wird die Rosskastanie für die Arzneimittelproduktion nicht gezielt angebaut. Das wäre zwar möglich, würde jedoch einiges an Geduld verlangen. Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile Die für die Produktion von Arzneimitteln verwendeten getrockneten Samen heißen lateinisch Hippocastani semen. Rinde und Blätter werden nur selten genutzt.

 

Inhaltsstoffe

 

Kastaniensamen Kastanienblätter, Kastanienrinde:

Aescin (Gemisch aus Triterpensaponinen)

Flavonoide

Flavonoide

Aesculin

Fraxin

 

Zubereitungen

 

Während traditionell Rinde und Blätter genutzt wurden, sind es in modernen Phytopharmaka Extrakte der Rosskastaniensamen, die durch Auszug mit einem wässrig-alkoholischen Extraktionsmittel gewonnen werden.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Mit Salben und Cremes aus Samen, Rinden oder Blätterextrakten behandelt man traditionell chronische Venenschwäche und Hämorrhoiden. Heute sind Kapseln, Tabletten und Tropfen mit Extrakten der Kastaniensamen auf dem Markt. Sie mindern den Austritt von Blutbestandteilen in die Nachbargewebe und somit die Ansammlung eiweißreicher Flüssigkeit, wie pharmakologische Untersuchungen belegen. Beim Menschen betrifft diese Wirkung primär die Blut kapillaren und weniger die größeren Venen. Arzneimittel mit Rosskastanie verringern laut klinischen Studien das Beinvolumen und den Unterschenkelumfang und mindern die für die chronische Venenschwäche typischen Symptome wie Spannungsgefühl, Schmerzen, Beinmüdigkeit und Juckreiz. Die Kommission E empfiehlt gegen Venenerkrankungen 2 mal täglich 100 mg Aescin bzw. die entsprechende Extraktmenge. Rosskastaniehaltige Arzneimittel gelten als nebenwirkungsarm.


Johanniskraut (Hypericum perforatum L.)

 

Johanniskraut zählt zu den wichtigsten in Deutschland produzierten und zu Phytopharmaka verarbeiteten Arzneipflanzen. Damit werden nicht nur Wunden, sondern auch depressive Verstimmungszustände und leichte bis mittelschwere Depressionen behandelt. 52 Phytopharmaka und 26 Homöopathika sind auf dem Markt.

 

Synonyme

 

Tüpfel, Hartheu, Blutkraut, Wundkraut, Sonnwendkraut, Konradskraut, Hexenkraut, Herrgottsblut, Johannisblut, Teufelsflucht, Mannskraft, Jagateufel, Maria Bettstroh, Elfenblut, Frauenkraut, Waldhopfen, Tausendlochkraut

 

Biologie

 

Johanniskraut gehört zur Familie der Hartheugewächse (Hypericaceae). Weltweit gibt es ca. 400 Arten, in Mitteleuropa kommen zehn von ihnen vor. Es handelt sich um eine 70 bis 90 cm hohe, krautige, mehrjährige und ausläuferbildende Pflanze. Der reichästige Stängel ist zweikantig und unterscheidet das Johanniskraut von anderen Hypericum-Arten. Die Blätter sind gegenständig angeordnet und wirken durch ölhaltige Extraktbehälter punktiert. Die Blüten, die je nach Witterung von Juni bis September erscheinen, verfügen über fünf grüne ovale und lanzettförmige Kelchblätter. Die Blüten selbst sind gelb mit dunklen Strichen. Die zahlreichen Staubblätter sind in drei Büschel gefasst. Zur Reife setzen die dreifachen Kapseln viele Samen frei, die zylindrisch, feinwarzig und dunkelbraun sind.

 

Vorkommen

 

Johanniskraut kommt in Europa, Asien sowie Nord- und Südamerika als Wildpflanze vor allem an trockenen und sonnigen Standorten wie z. B. Wegrändern, Bahndämmen und Brachen vor. Johanniskraut ist frosthart. Überwog früher die Wildsammlung, stammt Johanniskraut jetzt überwiegend aus kontrolliertem Anbau in Deutsch­land, Polen und Südamerika.

 

Anbau

 

Der Anbau von Johanniskraut erfolgt auf mageren Böden an sonnigen Standorten. Günstige Böden sind sorptionsstark, humos und unkrautarm. Der pH-Wert der Böden sollte neutral bis leicht alkalisch sein, da die Pflanze bei sauren pH-Werten verstärkt Cadmium aufnimmt. Angebaut wird durch Aussaat oder Pflanzung. Mehrjähriges Johanniskraut wird in der Regel über zwei Jahre beerntet; eventuell kann eine dreijährige Kultur erfolgen.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile

 

Für die Produktion von Phytopharmaka werden die wirkstoffhaltigen Knospen, Blüten und Zweigspitzen zu Beginn der Blütezeit geerntet; das getrocknete Pflanzenmaterial (Droge) wird lateinisch als Hyperici herba bezeichnet.

 

Inhaltsstoffe

 

Hypericine

Hyperforine

Flavonoide

ätherisches Öl

Gerbstoffe

 

Zubereitungen

 

Aus Johanniskraut mit einem geringen Anteil an Knospen und Blüten stellt man Tee her. Johanniskrautöl (Oleum Hyperici) entsteht, wenn zerquetschte Johanniskrautblüten mit Olivenöl übergossen werden und anschließend bei Sonnenbestrahlung gären. In modernen Phytopharmaka (Kapseln, Tabletten) werden Extrakte eingesetzt, die durch Auszug der wirkstoffhaltigen Knospen, Blüten und Zweigspitzen des Johanniskrauts mit einem wässrig-alkoholischen Extraktionsmittel gewonnen werden.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Johanniskrautöl hilft traditionell nicht nur bei Verbrennungen der Haut, sondern auch bei scharfen und stumpfen Verletzungen sowie Muskelschmerzen. Heute dienen hochdosierte Extrakte der Behandlung depressiver Verstimmungen und leichter bis mittelschwerer Depressionen. Klinische Studien belegen, dass definierte Präparate mit alkoholischem Johanniskrautextrakt eine synthetischen Antidepressiva vergleichbare Wirkung haben. Johanniskrautpräparate sind gut verträglich, Nebenwirkungen treten selten auf. Die Kommission E empfiehlt eine Mindesttagesdosis von 300 mg und eine Regeltagesdosis von ca. 900 mg Johanniskrautextrakt. Im Johanniskraut enthaltene Hypericine können bei wesentlicher Überdosierung zu einer Überempfindlichkeit gegen Licht führen. Auch sind Wechselwirkungen hochdosierter Johanniskrautpräparate mit bestimmten chemisch­synthetischen Arzneimitteln bekannt.

 

Knoblauch (Allium sativum L.)

 

Knoblauch ist nicht nur ein wichtiges Gewürz und Lebensmittel, sondern dient seit dem Altertum medizinischen Zwecken. Heute ist Knoblauch in Form von 10 Phytopharmaka und 5 Homöopathika auf dem Markt. Er unterstützt diätetische Maßnahmen bei erhöhten Blutfettwerten und beugt altersbedingten Gefäßveränderungen und der allgemeinen Gefäßverkalkung vor.

 

Synonyme

 

Knofel, Weingartenknoblauch, Gruserich, Knoflak, Look, Rockambolle

 

Biologie

 

Der heute nur noch als Kulturform bekannte Knoblauch gehört zur Familie der Liliengewächse (Liliaceae). Knoblauch ist ausdauernd, wird jedoch meist nur ein-oder zweijährig kultiviert. Die Gesamtzwiebel besteht aus der Hauptzwiebel und den etwa gleich großen Nebenzwiebeln, insgesamt wird von 4 bis 20 Knoblauchzehen pro Zwiebel ausgegangen. Die einzelnen Zehen sind von trockenen weißen Hüllen umschlossen, die Haut der Gesamtzwiebel kann grün, violett oder weiß sein. Aus einer Zehe wächst ein 30 bis 90 cm hoher federkielartiger Stängel, der bis zur Hälfte von Blättern umschlossen ist. An der Spitze des Stängels bildet sich von Juni bis August eine kugelige, lockere, mit einem zylindrischen Hochblatt umgebene Scheindolde mit 5 bis 7 sterilen rötlich-weißen Blüten. Neben den Blüten bilden sich in der Scheindolde kleine Brutzwiebeln.

 

Vorkommen

 

Knoblauch stammt ursprünglich aus den Wüstengebieten Zentralasiens. Heute ist er nur noch als Kulturform bekannt; die Hauptanbaugebiete liegen in China, Indien, Thailand, Ägypten, Südkorea und dem Mittelmeerraum. Auch in Deutschland wird Knoblauch in geringem Umfang angebaut.

 

Anbau

 

Der Anbau von Knoblauch erfolgt auf mittelschweren bis schweren, lehmig-humosen, tiefgründigen Böden ohne Staunässe. Angebaut werden sowohl die Zehen als auch die Brutzwiebeln. Während die Zehen einjährig angebaut und im Frühjahr (Mitte März bis Mitte April) oder im Herbst (Ende September bis Mitte Oktober) gesteckt werden, ist der Anbau der Brut­zwiebeln zweijährig. Sie werden im Frühjahr (Mitte März bis Mitte April) oder im Herbst (Ende September bis Mitte Oktober) ausgebracht, die gebildeten Rundzwiebeln werden entweder im selben Herbst oder im nächsten Frühjahr zur Zwiebelproduktion eingesetzt.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile

 

Für Phytopharmaka werden die wirkstoffhaltigen Zwiebeln im Sommer geerntet, nachdem das obere Drittel des Laubes abgestorben ist, die Zwiebeln sich unter der Zwiebelhaut abzeichnen und die Hüllschale noch fest ist. Die getrocknete Zwiebel (Droge) wird lateinisch als Alli sativi bulbus siccatus, das getrocknete Knoblauchpulver (Droge) als Allii sativi bulbus pulvis siccatus bezeichnet. Die Haltbarkeit von Knoblauchpräparaten ist begrenzt, da sich die wertgebenden Inhaltsstoffe im getrockneten Material kontinuierlich abbauen.

 

Inhaltsstoffe

 

ätherisches Öl

Alliin, hieraus entsteht beim Zerkleinern oder bei der Destillation Allicin

schwefelhaltige Verbindungen

Flavonoide

Vitamine (A, B1, B2, C)

Aminosäuren

Steroide

Spurenelemente

 

Der unangenehme Geruch des ätherischen Öls geht auf die schwefelhaltige Substanz Diallylsulfid zurück.

 

Zubereitungen

 

Zur Herstellung von Knoblauch-Öl-Mazeraten werden die zerkleinerten Knoblauchzehen mit Pflanzenölen kalt extrahiert (Mazeration), das Öl wird durch Abpressen der festen Bestandteile gewonnen. Ätherisches Knoblauchöl wird durch die Wasserdampfdestillation von frischem zerkleinerten Knoblauch hergestellt.

 

Kapseln und Tabletten enthalten Knoblauchpulver, für das die Knoblauchzehen getrocknet und zerkleinert werden.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Die Kommission E empfiehlt eine Tagesdosis von 600 bis 900 mg Knoblauchpulver – entsprechend 2.400 bis 3.700 mg Frischknoblauch. Dann kann er die Blutfettwerte senken und beugt altersbedingten Gefäßveränderungen und allgemeiner Gefäßverkalkung vor. Pharmakologische Untersuchungen belegten, dass Knoblauch der Gefäßverkalkung entgegenwirkt, die Blutzirkulation fördert, den Blutdruck ebenso wie den Gehalt an Fetten im Blut senkt und die Cholesterinsynthese hemmt. Darüber hinaus verbessert Knoblauch die Auflösung von Fibrin, dem bei der Blutgerinnung sich bildenden Faserstoff und mindert die Verklumpung von Blutplättchen (Thrombozyten). Auch blutzuckersenkende Effekte des Knoblauchs sind belegt. Er wirkt Vergiftungen (Schwermetalle, Tetrachlorkohlenstoff, Isoprenalin) entgegen und zeigt antimikrobielle Aktivität. In seltenen Fällen kommt es durch knoblauchhaltige Phytopharmaka zu Magen-Darm-Beschwerden, allergischen Reaktionen, niedrigem Blutdruck und zu Interaktionen mit gerinnungshemmenden und blutdrucksenkenden Mitteln. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass sich der Mund- oder Körpergeruch verändert.

 

Mariendistel (Silybum marianum L. GAERTN)

 

Die Mariendistel wird in Deutschland angebaut und zu Phytopharmaka verarbeitet. 30 Phytopharmaka und 24 Homöopathika sind auf dem Markt. Mariendistel hilft nicht nur bei Verdauungsbeschwerden (Völlegefühl, Sodbrennen etc.), aus ihr isolierte Substanzen werden auch anderweitig eingesetzt. Mit Silymarin werden Leberschäden therapiert und es unterstützt die Behandlung von chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen und Leberzirrhose. Silybinin, ein Bestandteil des Silymarin, hilft bei Knollenblätterpilzvergiftung.

 

Synonyme

 

Frauendistel, Gemeine Distel, Silberdistel, Christi Krone, Fieberdistel, Milchdistel

 

Biologie

 

Mariendistel gehört zur Familie der Korbblütengewächse (Asteraceae, Compositae). Es handelt sich um eine ein- bis zweijährige, 1,50 bis 2 m hohe und insgesamt sehr dornige Pflanze. Sie besitzt eine starke Pfahlwurzel, die rundlichen Stängel verzweigen sich ab der Mitte und sind nach oben fein behaart. Die Laubblätter sind 30 bis 40 cm lang, grün mit weißen Streifen entlang der Adern und dornig bezahnt. An den Stängelspitzen befinden sich die purpurfarbenen und zuweilen weißen Röhrenblüten, die zu eiförmigen Köpfen vereinigt sind. Die Köpfe sind von mehreren Schuppen umgeben, deren Basis in einen Dorn übergeht. Die Mariendistel blüht von Juli bis August und bildet oval-längliche, schwarz-braun gefärbte Schließfrüchte mit einer Haarkrone aus weißlichen Borsten.

 

Vorkommen

 

Mariendistel ist in Südeuropa und Nordafrika beheimatet und wächst an warmen, trockenen Standorten wie beispielsweise auf Geröll, Ödland und steinigen Böden. Sie wird vor allem in Nordafrika, Südafrika, Argentinien, China, Rumänien und Ungarn angebaut.

 

Anbau

 

Hohe Erträge lassen sich vor allem auf Böden mit ausreichend Feuchte und Durchlüftung und an windgeschützten und sonnigen Standorten erzielen. Moorböden und nicht zu sandige und trockene Standorte werden ebenfalls toleriert. Angebaut wird Mariendistel durch Aussaat, gegebenenfalls nach Vorbehandlung des Saatguts zur Verbesserung der Keimung.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile Für die Produktion von Phytopharmaka werden die wirkstoffhaltigen Früchte verwendet; das getrocknete Pflanzenmaterial (Droge) wird lateinisch als Cardui mariae fructus bezeichnet.

 

Inhaltsstoffe

 

Silymarin, bestehend aus den Isomeren Silybinin, Isosilybinin, Silydianin und Silychristin

fettes Öl

Proteine

 

Zubereitungen

 

Da die Inhaltsstoffe der Mariendistel kaum wasserlöslich sind, wird sie nicht zu Tee verarbeitet. In Kapseln und Tabletten sind Extrakte enthalten, die zumeist durch Auszug der wirkstoffhaltigen Mariendistelfrüchte mit wässrigem Aceton als Extraktionsmittel gewonnen werden.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Die Kommission E empfiehlt die Mariendistel nicht nur bei Verdauungsbeschwerden, sondern auch bei toxischen Leberschäden und für die unterstützende Behandlung bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen und Leberzirrhose. Für diese Indikation wird eine Tagesdosis von 12 bis 15 g Droge bzw. 200 bis 400 mg Silymarin, berechnet als Silybinin, empfohlen. Silymarin zeigt nicht nur antitoxische Wirkung gegen Lebergifte und fördert die Regeneration von Leberzellen, es vermindert außerdem die bindegewebsartigen Veränderungen der Leber im Zuge der Leberzirrhose. Die anhand pharmakologischer Untersuchungen nachgewiesene leberschützende Aktivität ist auch beim Menschen der Fall. In Anwendungsbeobachtungen konnte die Wirksamkeit eines Mariendistelpräparats bei chronischen Lebererkrankungen (Fettleber, Fettleberhepatitis, Zirrhose) dargestellt werden; zusätzlich zeigten klinische Studien, dass das Mariendistelpräparat die durch Alkohol hervorgerufenen toxischen Leberschäden verringert. Ein weiteres Anwendungsgebiet für Silybinin als Bestandteil des Silymarin ist die Behandlung der Knollenblätterpilzvergiftung; hierfür wird seitens des Arzneimittelherstellers eine Dosis von 20 mg Silybinin pro Kilogramm Körpergewicht in 24 Stunden, verteilt auf 4 Infusionen von jeweils 2 Stunden Dauer, empfohlen. Mariendistel ist zwar nebenwirkungsarm. In seltenen Fällen kann es jedoch zu Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel, Hitzewallungen und allergischen Reaktionen kommen.

 

Melisse (Melissa officinalis L.)

 

Melisse ist nicht nur als Gewürz und als Tee von Bedeutung, sie zählt auch zu den wichtigsten in Deutschland produzierten Arzneipflanzen und ist Bestandteil von zurzeit 23 Phytopharmaka und 2 Homöopathika. Mit Melisse werden nervöse Unruhe zustände, Verdauungsstörungen und Herpeserkrankungen behandelt.

 

Synonyme

 

Zitronenmelisse, Gartenmelisse, Römische Melisse, Bienenkraut, Englische Brennnessel, Immenblatt, Honigblatt, Herztrost, Frauenwohl, Wanzenkraut, Mutterkraut

 

Biologie

Melisse gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae, Labiatae). Die ausdauernde Pflanze, die über einen Wurzelstock mit mehreren Knoten und zahlreichen hellbraunen bis weißen Wurzeln verfügt, treibt mehrere vierkantige, 60 bis 80 cm hohe Stängel. Die ei- bis herzförmigen, behaarten, grob und regelmäßig gesägten Blätter stehen gegenständig mit kreuzweise vertausch­ter Ausrichtung am Stängel. Die bläulich-weißen Blüten werden ab dem 2. Standjahr im Juli bis August getrieben und stehen achsenständig in Scheinwirteln. Die Samen, bei denen es sich um Nüsschen handelt, sind länglich­eiförmig und gelb bis dunkelbraun glänzend.

 

Vorkommen

 

Melisse findet sich als Wildpflanze im Mittelmeergebiet und in Westasien an Hecken, Flussufern und schattigen Plätzen. Darüber hinaus wird sie in den gemäßigten Zonen Europas, Nordamerikas und Asiens u. a. zur Produktion von pflanzlichen Arzneimitteln angebaut.

 

Anbau

 

Der Anbau von Melisse erfolgt an nährstoffreichen Standorten, bevorzugt auf lehmigem Sand oder sandigem Lehm ohne Staunässe mit einem hohen Humusgehalt. Ebenfalls sind Niedermoor- und halbschattige Standorte für den Anbau geeignet. Der pH-Wert des Bodens sollte neutral sein. Der Anbau erfolgt in Direktaussaat oder als Pflanzung; die erwerbsmäßige Nutzung eines Melissebestandes erstreckt sich über 3 bis 4 Jahre.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile

 

Für die Produktion von Phytopharmaka werden die Blätter oder in geringerem Ausmaß das wirkstoffhaltige Kraut zu Beginn oder während der Blüte geerntet. Die getrockneten Blätter (Droge) werden lateinisch als Melissae folium, das getrocknete Kraut als Melissae herba bezeichnet. Das aus dem frischen oder getrockneten Pflanzenmaterial durch Wasserdampfdestillation gewonnene Melissenöl (Droge) trägt die lateinische Bezeichnung Melissae aetheroleum.

 

Inhaltsstoffe

 

ätherisches Öl mit den Hauptbestandteilen Citronellal, Geranial und Neral

Phenolcarbonsäuren, u. a. Rosmarinsäure

 

Zubereitungen

 

Melissenblätter und -kraut werden zu Tee aufgebrüht; zusätzlich wird vielfach Melissenöl eingesetzt. Kapseln und Tabletten enthalten Extrakte, die durch Auszug der wirkstoffhaltigen Blätter bzw. des wirkstoffhaltigen Krauts der Melisse mit einem wässrigen bzw. wässrig-alkoholischen Extraktionsmittel gewonnen werden.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Mit Melisse werden traditionell Unruhezustände, nervös bedingte Einschlafstörungen sowie funktionelle Magen-Darmbeschwerden behandelt. Die Kommission E empfiehlt dafür eine Einzeldosis von 1,5 bis 4,5 g Droge bzw. die entsprechende Extraktmenge. Da eine Vielzahl von Arzneipflanzen ähnliche Indikationsbereiche aufweisen, gibt es nur ein Präparat, das ausschließlich Melisse enthält. Neben Hopfen, Passionsblume und Lavendel ist die Melisse in Beruhigungs- und Einschlaftees und -arzneimitteln enthalten. In Kombination mit anderen Arzneipflanzen behandelt man damit Magen-Darm-Erkrankungen. Darüber hinaus wird Melissenextrakt zur Behandlung von Herpes simplex der Haut und Schleimhaut angewendet.

 

Mistel (Viscum album L.)

 

Mistel wird als Arzneipflanze zu einer Vielzahl von Arzneimitteln verarbeitet. Zurzeit befinden sich 16 Phytopharmaka und 28 Homöopathika auf dem Markt. Mit Mistel werden nicht nur abnutzungsbedingte entzündliche Gelenkserkrankungen behandelt, sie lindert auch die Schmerzen bei bösartigen Tumoren und hat positive Auswirkungen auf die Psyche.

 

Synonyme

 

Hexenbesen, Hexenkrut, Hexennest, Affolter, Bocksbutter, Drudenfuß, Elfklatte, Geißkrit, Guomol, Immergrüne, Laubholz-Mistel, Leinmistel, Mistelsenker, Vogelmistel

 

Biologie

 

Die Mistel gehört zur Familie der Mistelgewächse (Loranthaceae). Es handelt sich um einen hohen immergrünen, halbschmarotzenden Strauch, der Bäume als Wirtspflanze nutzt. Je nach Wirtspflanze unterscheidet man die Laubholzmistel, die auf allen europäischen Laubbäumen mit Ausnahme der Buche wächst, bevorzugt aber auf Apfelbäumen und Pappeln, die Tannenmistel auf Weißtannen und die Kiefernmistel auf Kiefern, Lärchen und gelegentlich auf Fichten. Die Mistel entnimmt der jeweiligen Wirtspflanze zwar Wasser und Mineralsalze, ist jedoch zur Kohlendioxidbindung im Zuge der Photosynthese befähigt. Bei der ca. 1 m hohen Mistel sind männliche und weibliche Pflanzen zu unterscheiden. Die Blätter sind ledrig und lanzettförmig, die unscheinbaren gelblichgrünen Blüten werden zwischen März und Mai gebildet. Im Spätherbst bildet die Mistel Samen in klebrigen weißen Beeren, die durch Vögel, insbesondere Drosseln, auf neue Wirtspflanzen übertragen werden. Die Vögel streifen die an ihren Schnäbeln klebenden Samen an den Baumästen ab und übertragen Samen auch über den Vogelkot. Ist der Samen auf der Rinde gekeimt, bilden sich eine Haftscheibe und eine primäre Senkwurzel, die bis an das Holz reicht. Waagerechte Wurzeln bilden sich in die Rinde, die dann wiederum Senker in das Holz treiben. Die Senker, die sich während des Dickenwachstums der Wirtspflanze verlängern, werden von dem Gewebe der Wirtspflanze umwachsen. Die Mistel kann bis zu 50 Jahre alt werden.

 

Vorkommen

 

Die Mistel ist in Europa und Asien heimisch. Für die Herstellung von Arzneimitteln wird sie in den Balkanländern, Russland und der Türkei gesammelt.

 

Anbau

 

Da die Mistel selbst nicht angebaut werden kann, bringt man die Samen auf Wirtspflanzen aus. Bislang ist die Anzucht der Mistel auf Apfelbäumen, Pappeln und Ulmen gelungen. Da einzelne Bäume auf Mistelbefall ganz unterschiedlich reagieren, empfiehlt es sich, für die Kultivierung Abkömmlinge von Bäumen zu wählen, die selbst von Misteln befallen sind. In jedem Fall dauert das Wachstum der Bäume mehrere Jahre. Die samenhaltigen Beeren werden auf den Ästen der Wirtsbäume – bevorzugt den Astunterseiten – zerdrückt und beginnen nach Abtrocknen im März/April zu keimen. Die Mistel wächst langsam; innerhalb von 5 bis 6 Jahren wird ein Strauchdurchmesser von ca. 30 cm erreicht.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile

 

Für die Produktion von Phytopharmaka wird das Mistelkraut, bestehend aus Stängeln, Blättern und Früchten, verwendet; das getrocknete Pflanzenmaterial (Droge) wird lateinisch als Visci albi herba bezeichnet.

 

Inhaltsstoffe

 

Lectine

toxische Polypeptide (Viscotoxine) von geringem Toxizitätspotenzial

Viscumproteine

Flavonoide

biogene Amine

Phenylpropanderivate

Lignane

 

Zubereitungen

 

Mistel ist nicht nur als Pulver oder Presssaft erhältlich, auch Tinkturen, Auszüge oder Extrakte sind gebräuchlich, die durch Auszug des wirkstoffhaltigen Mistelkrauts mit einem wässrigen, wässrig-alkoholischen oder öligen Extraktionsmittel gewonnen werden.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Mistel ist nicht nur in Tropfen, Säften und Tabletten enthalten, sondern auch in Injektionen, die verhindern, dass bestimmte Wirkstoffe bei Aufnahme über Mund und Darm zerstört werden. Über Injektion in die Haut werden laut Kommission E beispielsweise abnutzungsbedingte entzündliche Gelenkerkrankungen behandelt. Mistelinjektionen können zwar bösartige Tumore nicht heilen, aber die damit verbundenen Schmerzen lindern und die Psyche sowie das Befinden der Betroffenen positiv beeinflussen. Pharmakologische Untersuchungen bestätigen der Mistel, dass sie das Immunsystem stimuliert und eine zelltoxische Wirkung auf verschiedene Arten von Krebszellen hat. Injektionen wirken schließlich auch blutdrucksenkend. Sie können jedoch mit Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Herz-und Kreislaufstörungen, allergischen Reaktionen sowie Entzündungen der Haut auch starke Nebenwirkungen verursachen. Bei Eiweißüberempfindlichkeit dürfen sie gar nicht angewendet werden. Im Allgemeinen sind mistelhaltige Phytopharmaka jedoch gut verträglich.

 

Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus L.)

 

Mönchspfeffer wird zwar in Deutschland nicht angebaut, hierzulande jedoch zu einer Vielzahl von Arzneimitteln verarbeitet. 18 Phytopharmaka und 20 Homöopathika sind auf dem Markt. Mönchspfeffer lindert nicht nur Kopfschmerzen, Unterleibsbeschwerden, Brustschmerzen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen des prämenstruellen Syndroms, sondern wird auch bei menstruellen Anomalien eingesetzt. Die von Mönchspfeffer gebildeten Früchte erinnern in Aussehen und Geschmack an Pfefferkörner und werden in südlichen Regionen als Gewürz genutzt.

 

Synonyme

 

Keuschlamm, Keuschbaum, Keuschstrauch, Abrahamstrauch, Müllen

 

Biologie

 

Mönchspfeffer gehört zur Familie der Eisenkrautgewächse (Verbenaceae). Es handelt sich um einen bis zu 6 m hohen Baum oder Strauch mit langstieligen Blättern, die in 5 bis 7 bis zu 10 cm lange fingerförmige Fiederblättchen unterteilt sind. Die Fiederblättchen sind auf der Unterseite weiß filzig und färben sich nach dem Absterben schwarz. Mönchspfeffer blüht im Juli und August mit weißen bis blauvioletten Blüten und bildet braunschwarze Steinfrüchte mit bis zu vier Samen.

 

Vorkommen

 

Mönchspfeffer kommt im gesamten Mittelmeergebiet und Westasien bevorzugt in feuchten Flussniederungen und an anderen Stellen mit Bodennässe vor. Zwar stammt der Rohstoff für die Phytopharmaka zum großen Teil aus Wildsammlungen; ein Anbau von Mönchspfeffer in Deutschland wäre jedoch möglich.

 

Anbau

 

Warme, sonnige und windgeschützte Standorte mit feuchten und nährstoffreichen Böden sind für den Anbau prädestiniert. Da die Früchte an einer Pflanze in zeitlichen Abständen reifen, die reifen Früchte jedoch rasch abfallen, empfiehlt sich die Fruchternte vor der Reifung der ersten Früchte mit anschließender Nachreifung.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile

 

Die getrockneten reifen Früchte, aus denen Arzneimittel hergestellt werden; heißen lateinisch Agni casti fructus bzw. Baccae Agni casti, Fructus Agni casti oder Semen Agni casti.

 

Inhaltsstoffe

 

Iridoidglykoside, insbesondere Agnusid und Aucubin

Flavonoide, insbesondere Casticin und Penduletin

ätherisches Öl

 

Zubereitungen

 

Kapseln und Tabletten enthalten Extrakte, die durch Auszug der Früchte mit einem wässrig-alkoholischen Extraktionsmittel gewonnen werden.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Während Mönchspfeffer im Mittelalter in Klöstern von Männern dazu genutzt wurde, den Geschlechtstrieb zu zügeln, dient er heute überwiegend der Behandlung von Frauenleiden. Gegen Kopfschmerzen, Unterleibsbeschwerden, Brustschmerzen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen im Vorfeld der Menstruation helfen Präparate ebenso wie bei zyklusabhängigen Schmerzen der Brust. Die Kommission E empfiehlt dafür eine Tagesdosis von 30 bis 40 mg Droge bzw. die entsprechende Menge Extrakt.

 

Mönchspfeffer wirkt den genannten Erkrankungen durch die Senkung des Prolactinspiegels entgegen. Prolactin ist ein Hormon, das den Menstruationszyklus indirekt steuert und dessen Gehalt bei Menstruationsbeschwerden erhöht ist.

 

Die prolactinhemmende Wirkung von Mönchspfeffer ist in pharmakologischen Untersuchungen u. a. am Tier nachgewiesen; klinische Studien belegen darüber hinaus seine therapeutische Wirksamkeit. Mönchspfeffer gilt als gut verträglich.

 

Ringelblume (Calendula officinalis L.)

 

Ringelblume wird in Deutschland zu Salben und anderen Arzneimitteln verarbeitet. 3 Phytopharmaka und 19 Homöopathika sind auf dem Markt, mit denen vor allem schlecht heilende Wunden der Haut und Schleimhaut behandelt werden. Während die Kosmetikindustrie die Ringelblume ihrer Wirkung wegen in Cremes und Salben verarbeitet, nutzt die Lebensmittelindustrie die enthaltenen Farbstoffe (Carotinoide). In Tees dient die Ringelblume als Schmuckdroge.

 

Synonyme

 

Gartenringel, Ringelrose, Totenblume, Stinkblume, Goldblume

 

Biologie

 

Ringelblume gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Es handelt sich um eine einjährige bzw. zweijährig überwinternde, 60 bis 70 cm hohe Pflanze mit einer Pfahlwurzel und zahlreichen Seiten wurzeln. Die Stängel sind kantig, im oberen Bereich verzweigt und filzig behaart. Die ebenfalls behaarten und klebrigen Blätter stehen wechselständig. Die Blütenkörbe stehen einzeln an langen Blattstielen und haben einen Durchmesser von ca. 4 cm, bei einzelnen Sorten von 8 bis 9 cm. Die

Blütenkörbe bestehen aus zwittrigen, röhrigen Scheibenblüten, die von zahlreichen weiblichen, fruchtbaren, dottergelben bis orangegelben Zungenblüten umgeben sind.

 

Blütezeit ist von Juni bis Oktober. Bei den Früchten handelt es sich um unterschiedlich geformte Schließfrüchte.

 

Vorkommen

 

Ringelblume wird in Europa und den angrenzenden Ländern kultiviert. Sie wächst sowohl in Gärten als auch verwildert auf Wiesen, Feldern, Schotterböden sowie zwischen verfallenen Mauern. Die zur Produktion von Arzneimitteln genutzten Pflanzen werden hauptsächlich in Ägypten, Ungarn, Polen und den Balkanländern angebaut.

 

Anbau

 

Der Anbau von Ringelblume ist auf vielen Böden möglich. Sie gedeiht auf Moorböden und gut versorgten Lehmböden mit ausreichend Wärme; ungünstig sind jedoch trockene Standorte.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile

 

Für die Produktion von Arzneimitteln werden zumeist die völlig entfalteten und vom Blütenstandboden befreiten Einzelblüten verwendet. Das getrocknete Pflanzenmaterial (Droge) wird lateinisch als Calendulae flos bezeichnet. Auch das Ringelblumenkraut aus Blüten und Sprossspitzen, lat. Herba Calendulae cum floribus, findet gelegentlich Verwendung.

 

Inhaltsstoffe

 

Triterpensaponine, insbesondere Oleanolsäuremonoglykoside und -diglykoside

Triterpenalkohole

Flavonoide, insbesondere Quercetin und Isorhamnetinglykoside

Carotinoide

ätherisches Öl

 

Zubereitungen

 

Aus den Einzelblüten werden Tinkturen, Presssäfte, Extrakte sowie Auszüge mit Alkohol, Ölen und Salbengrundlagen gewonnen.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Wundmodelle beweisen Wundheilungseffekte, die u. a. damit zusammenhängen, dass die Ringelblume die Gefäßneubildung stimuliert. Daher behandelt man mit ihr nicht nur Hautentzündungen, sondern auch schlecht heilende Wunden, Verbrennungen und Ekzeme. Diese Nutzung steht im Einklang mit der Monographie der Kommission E, die als Behandlungsfelder entzündliche Veränderungen der Mund- und Rachenschleimhaut, äußerliche Wunden mit schlechter Heilungstendenz und Beingeschwüre, d. h. schlecht heilende (chronische), tiefe Wunden an Unterschenkeln und Füßen, sogenannte "offene Beine", nennt. Für Anwendungen im Mund- und Rachenraum empfiehlt sie 1 bis 2 g Droge bzw. entsprechende Extraktmengen, für die Anwendung an der Haut 2 bis 5 g Droge bzw. die entsprechenden Mengen an Extrakt in 100 g Salbe. Ringelblume gilt als nebenwirkungsarm.

 

Schachtelhalm: Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense L.)

 

Ackerschachtelhalm wird in Deutschland zu verschiedenen Arzneimitteln verarbeitet. Zurzeit sind 13 Phytopharmaka und 18 Homöopathika erhältlich. Die Phytotherapie nutzt Schachtelhalm als harntreibendes Mittel bei Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe sowie bei Entzündungen der ableitenden Harnwege und bei Nierengries. Auch in Naturkosmetika ist Schachtelhalm enthalten.

 

Synonyme

 

Zinnkraut, Zinngras, Kannenkraut, Katzenschwanz, Reibwisch, Scheuergras, Scheuerkraut, Schafthalm, Pipenstal, Hollpiepen, Drunkelpfeifen, Jattenswans, Kattstert, Katzenwedel, Rattenschwanz, Fuchszagel, Schafheu, Fegekraut, Pfannebutzer, Pferdeschwanz, Bandwisch, Schafstroh

 

Biologie

 

Schachtelhalmgewächse (Equisetaceae), die keine Blüten ausbilden, gab es schon im Erdaltertum. Der Schachtelhalm ist mehrjährig ausdauernd mit langem unterirdischen Wurzelstock, an dem zwei Sprossarten gebildet werden. Im Frühjahr treibt er fertile, 15 bis 30 cm lange, gelb­braun oder braun-rot gefärbte, nicht unterteilte Sprosse, an deren Enden sich bräunliche zapfenförmige Sporenbehälter bilden. Die Sporen werden im März bis April mit dem Wind verbreitet. Jede Spore entwickelt sich zu einem kleinen, grünen, unregelmäßig gelappten Vorkeim, der entweder die männlichen oder weiblichen Geschlechtsorgane enthält. Die männlichen Geschlechtszellen schwimmen bei ausreichend Feuchtigkeit zu den weiblichen Eizellen und befruchten diese. Aus den Keimen entwickeln sich Schachtelhalmpflanzen. Nach der Sporenreife treibt der Wurzelstock bis zu 40 cm lange, grüne, der Photosynthese dienende, sterile Sprosse. Diese sind aus 6 bis 19 hohlen Gliedern zusammengesetzt, die an den Knoten durch Querwände getrennt sind. Die Blätter sind zu einer dem Spross anliegenden Scheide verwachsen.

 

Vorkommen

 

Schachtelhalm kommt mit Ausnahme von Australien und Neuseeland fast überall auf der Welt vor. Die Pflanze wächst auf lehmhaltigen Böden, auf Äckern und Ödland, in Gräben sowie an Wegrändern. Für Phytopharmaka sammelt man von Mai bis September die sterilen grünen Sprosse. Hauptsammelgebiete sind die mittel- und osteuropäischen Länder, insbesondere Russland, das ehemalige Jugoslawien, Albanien, Ungarn und Polen sowie China. China ist das wichtigste Exportland für Schachtelhalm.

 

Anbau

 

Da die Arzneimittelherstellung Material aus Wildsammlungen nutzt, wird kein systematischer Anbau betrieben. Er wäre jedoch möglich.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile

 

Für Arzneimittel werden die wirkstoffhaltigen, grünen und sterilen Sprosse verwendet; das getrocknete Pflanzenmaterial (Droge) heißt lateinisch Herba Equiseti.

 

Inhaltsstoffe

 

mineralische Bestandteile, insbesondere Kieselsäure bzw. Siliziumdioxid (ca. 5 bis 8 % des Trockengewichts)

Flavonoide, u. a. Quercitin und Kämpferol

Equisterin

verschiedene Säuren

 

Zubereitungen

 

Aus Schachtelhalmkraut werden Tees, Tinkturen und Badezusätze hergestellt. Kapseln und Tabletten enthalten Extrakte, die durch Auszug des wirkstoffhaltigen Schachtelhalmkrauts mit einem wässrigen bzw. wässrig-alkoholischen Extraktionsmittel gewonnen werden.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Die Volksmedizin nutzt Schachtelhalm nicht nur zum Gurgeln und Mundspülen, sie behandelt damit auch schlecht heilende Wunden, innerliche Blutungen verschiedenster Art und Gicht. Tierversuche belegten, dass die im Schachtelhalm enthaltene Kieselsäure den Abkapselungsprozess bei leichteren Fällen der Lungentuberkulose fördert. Die moderne Phytotherapie nutzt Schachtelhalm, um Flüssigkeitsansammlungen in Folge von Verletzungen und Geschwulsten auszuschwemmen. Trinkt der Patient ausreichend, lassen sich damit auch entzündliche Erkrankungen der ableitenden Harnwege und Nierengries behandeln. Die Kommission E empfiehlt dazu täglich 6 g Droge bzw. die entsprechende Extraktmenge. Schachtelhalm gilt als nebenwirkungsarm.

 

Schöllkraut (Chelidonium majus L.)

 

Schöllkraut, das bei krampfartigen Beschwerden im Bereich der Gallenwege und des Magen-Darm-Trakts hilft, wird in Deutschland zu einer Vielzahl von Arzneimitteln verarbeitet. Zurzeit befinden sich 8 Phytopharmaka und 25 Homöopathika auf dem Markt.

 

Synonyme

 

Schellkraut, Schillkraut, Warzenkraut, Goldkraut, Blutkraut, Teufelsmilch, Maikraut, Trudenmilch, Schwalbenkraut, Schwalbenwurz, Gelbes Millkraut, Goldwurz, Wulstkraut, Wasserkraut, Schindkraut

 

Biologie

 

Schöllkraut gehört zur Familie der Mohngewächse (Papaveraceae). Es handelt sich um eine mehrjährige, bis zu 1 m hohe Pflanze mit verzweigtem Wurzelstock. Die Stängel sind stark behaart, verzweigt und enthalten in Milchröhren den charakteristischen, gelb gefärbten, ätzenden Milchsaft. Die Blätter sind wechselständig mit 2 bis 5 Paar ovalen Blättchen. Die gelben Blüten, die im Gegensatz zu vielen anderen Blüten nur 4 Blütenblätter aufweisen, werden von April bis September laufend in Form von kleinen Dolden gebildet, die gegenüber den Blättern am Stängelende sitzen. Bei den Früchten handelt es sich um längli­che Kapseln, die 3 bis 5 eiförmige, schwarze Samen mit weißen Punkten enthalten.

 

Vorkommen

 

Schöllkraut kommt als Wildpflanze in den gemäßigten und subtropischen Zonen Europas und Asiens vor. Als Stickstoff liebende Pflanze wächst es bevorzugt neben Mauern, an Wegen und Zäunen, auf steinigem Grund, unter Ufergebüsch und in schattigen Hainen. Die zur Produktion von Phytopharmaka genutzten Pflanzen werden aus Wildsammlungen in osteuropäischen Ländern sowie aus kontrolliertem Anbau in Polen gewonnen.

 

Anbau

 

Der Anbau von Schöllkraut ist auf verschiedenen stickstoffhaltigen Böden mittels Aussaat möglich. Hauptanbaugebiet und somit Hauptexportland ist Polen.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile

 

Für Phytopharmaka erntet man zur Blütezeit das Kraut, bestehend aus Blättern, Blüten und Zweigen; das getrocknete Pflanzenmaterial (Droge) wird lateinisch als Chelidonii herba bezeichnet.

 

Inhaltsstoffe

 

Alkaloide, insbesondere Coptisin, Chelidonin, Chelerythrin, Sanguinarin, Stylopin und Berberin

verschiedene Pflanzensäuren

 

Zubereitungen

 

Schöllkraut kann zu Tee zubereitet werden. Da es so schlecht dosierbar und grundsätzlich hochgiftig ist, ist davon jedoch abzuraten. Auch der Milchsaft wird pharmazeutisch genutzt, jedoch nicht zu Arzneimitteln verarbeitet. In modernen Phytopharmaka (Kapseln, Tabletten, Tropfen) sind Extrakte enthalten, die durch Auszug des wirkstoffhaltigen Krauts mit einem wässrig-alkoholischen Extraktionsmittel gewonnen werden.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Die Volksmedizin behandelt mit dem Milchsaft äußerlich Warzen, Hornhaut und Hühneraugen.

Das Kraut wird traditionell zur Behandlung krampfartiger Beschwerden im Bereich der Gallenwege und des Magen­Darm-Trakts eingesetzt. Wie Tierversuche belegen, steigert es den Gallefluss langsam und kontinuierlich, löst Krämpfe und lindert Schmerzen. Die Kommission E rät täglich zu 2 bis 5 g Droge bzw. 12 bis 30 mg Gesamtalkaloiden.

 

Während der Anwendung schöllkrauthaltiger Arzneimittel ist es zu Leberschäden gekommen. Nebenwirkungen der Präparate auf Leber und Galle könnten zudem die Symptome der zu behandelnden Erkrankungen verstärken.


Purpurfarbener Sonnenhut (Echinacea purpurea L.), Schmalblättriger Sonnenhut (Echinacea angustifolia DC.)

 

Aus Purpurfarbenem, Schmalblättrigem und Blassem Sonnenhut werden in Deutschland zahlreiche Arzneimittel hergestellt. 104 Präparate sind am Markt, von denen 26 Blassen, 39 Schmalblättrigen und 39 Purpurfarbenen Sonnenhut enthalten. Schmalblättriger Sonnenhut wird ausschließlich, Blasser Sonnenhut überwiegend in der Homöopathie eingesetzt. Purpurfarbener Sonnenhut dagegen ist sowohl in der Phytotherapie als auch in der Homöopathie von Bedeutung. Die Phytotherapie stimuliert mit Purpurfarbenem und Blassem Sonnenhut nicht nur das Immunsystem. Die Präparate helfen auch vorbeugend und heilend bei Infektionen der oberen Luftwege und der ableitenden Harnwege. Auch oberflächliche Wunden werden mit Sonnenhut behandelt.

 

Synonyme

 

Kegelblume, Igelkopf

 

Biologie

 

Sonnenhut gehört zur Familie der Korbblütenge­wächse (Asteraceae, Compositae). Er ist eine ausdauernde Pflanze mit rosa bis purpurfarbenen hängenden Zungenblüten. Die einsamigen Schließfrüchte sind hellbraun gefärbt. Die Arten unterscheiden sich in Wuchshöhe, Blattform und Wurzelsystem.

 

Purpurfarbener Sonnenhut wird ca. 80 bis 150 cm hoch, hat eiförmige kahle Blätter und hellbraune, faserähnliche Wurzeln, die einen mehrköpfigen Wurzelstock bilden.

 

Blasser Sonnenhut bleibt mit ca. 50 bis 100 cm kleiner, hat schmal lanzettliche Blätter und mehrere starke, senkrecht in den Boden reichende Pfahlwurzeln von bis zu 35 cm Länge.

 

Vorkommen

 

Die Gattung Echinacea ist im östlichen Nordamerika beheimatet. Die Ureinwohner behandelten mit Blassem Sonnenhut schlecht heilende Wunden. Da die Kultivierung in Europa misslang, züchtete man Purpurfarbenen Sonnenhut für pharmazeutische Zwecke. Sein Anbau erfolgt hauptsächlich mittels Vertragsanbau sowohl in Deutschland als auch im Ausland. Die Wurzeldroge von Blassem Sonnenhut stammt vorwiegend aus Wildsammlungen, ein geringer Teil wird mittels Anbau in den USA und Europa gewonnen.

 

Anbau

 

Sonnenhut wächst auf vielen Böden, am besten jedoch auf humosen, nicht zu schweren und nicht staunassen Böden mit einem pH-Wert von 6 bis 7 an sonnigen Standorten mit ausreichender Wasserversorgung. Sonnenhut ist frosthart. Für die Ernte der Wurzel wird Sonnenhut einjährig mittels Pflanzung angebaut; für die Ernte des mehrjährig genutzten Krauts ist eine Aussaat, insbesondere des Purpurfarbenen Sonnenhuts, möglich.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile

 

In Phytopharmaka sind frische Blätter, Zweige und Blüten des Purpurfarbenen Sonnenhuts und die Wurzel des Blassen Sonnenhuts enthalten. Die entsprechenden Pflanzenmaterialien (Drogen) werden lateinisch als Echinaceae purpureae herba und Echinaceae pallidae radix bezeichnet.

 

Inhaltsstoffe

 

Kraut des Purpurfarbenen Sonnenhuts:

 

Kaffeesäurederivat Cichoriensäure

verschiedene Alkamide/Ketoalkine

Polysaccharide

ätherische Öle

 

Wurzel des Blassen Sonnenhuts:

 

Kaffeesäurederivate Echinacein, Echinolon, Echinacosid

verschiedene Alkamide/Ketoalkine

Polysaccharide

ätherische Öle

 

Zubereitungen

 

Tabletten, Dragees etc. enthalten den Presssaft des Krauts des Purpurfarbenen Sonnenhuts oder Wurzelextrakte des Blassen Sonnenhuts.

 

Für den Presssaft wird das frische Kraut abgepresst und mit 22 Prozent Alkohol stabilisiert; Wurzelextrakte werden durch Auszug mit einem wässrig-alkoholischen Extraktionsmittel gewonnen.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Die Behandlung mit Presssaft hat Tradition. Äußerlich aufgebracht heilen Präparate mit 15 % Saftanteil schlecht heilende, oberflächliche Wunden, sollen aber nicht länger als 8 Wochen eingesetzt werden. Klinische Studien belegen, dass Sonnenhutpräparate bei Infektionen der oberen Luftwege die Symptome lindern und eine schnellere Heilung bewirken. Mit diesen Phamazeutika können gesunde Menschen ebenso wie Menschen mit erhöhter Infektanfälligkeit Infektionen vorbeugen. Bei grippeartigen Infekten empfiehlt die Kommission E maximal 8 Wochen lang täglich 900 mg Sonnenhutwurzel bzw. die entsprechende Menge Wurzelextrakt. Mit Presssaft werden wiederkehrende Infekte der Atemwege und der ableitenden Harnwege behandelt. Täglich 6 bis 9 ml sollen nicht länger als 8 Wochen eingenommen werden. Sonnenhut gilt zwar als nebenwirkungsarm, ist jedoch nicht immer gut verträglich. Da man befürchtet, dass dadurch Autoimmunkrankheiten stimuliert werden, bei denen sich die Wirkung des Immunsystems gegen den Körper richtet, ist die Anwendung sonnenhuthaltiger Arzneimittel bei fortschreitenden Allgemeinerkrankungen wie Tuberkulose, Degeneration des Bindegewebes, Multipler Sklerose und anderen Autoimmunkrankheiten untersagt.

 

Thymian (Thymus vulgaris L.)

 

Thymian ist eine der wichtigsten in Deutschland produzierten und zu Arzneimitteln verarbeiteten Arzneipflanzen. 61 Phytopharmaka und ein Homöopathikum sind auf dem Markt. Mit Thymian werden nicht nur Erkältungskrankheiten der oberen Atemwege behandelt, er ist auch in Kosmetika enthalten und ein wichtiges Gewürz.

 

Synonyme

 

Echter Thymian, Gartenthymian, Immenkraut, Demut, Küchenpolisch, Quendel, Suppenkraut, Kuttelkraut, Wurstkraut, Zimis, Hühnerkohl

 

Biologie

 

Thymian gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae, Labiatae). Der 10 bis 45 cm hohe, immergrüne, ausdauernde Halbstrauch hat ein kräftiges Wurzelsystem, dessen untere Teile im Laufe der Jahre verholzen. Die vierkantigen Stängel sind kurz behaart. Charakteristisch sind die kurz- oder ungestielten, 4 bis 10 mm langen, länglich bis elliptisch geformten Blätter, die am Rande eingerollt und insbesondere auf der Blattunterseite graufilzig behaart sind. Von Mai bis Oktober werden hellrosa bis blauviolett gefärbte Blüten getrieben, von denen 2 bis 3 als Scheinwirtel in den Blattachseln sitzen. Bei den Früchten handelt es sich um hell- bis dunkelbraune kugelige Nüsschen, die bis zu 1 mm groß werden.

 

Vorkommen

 

Thymian ist im Mittelmeerraum, auf dem Balkan und im Kaukasus beheimatet und wächst bevorzugt an trockenen und sonnigen Plätzen zwischen Felsen und auf Schotterhalden. Er ist zwischenzeitlich in ganz Europa sowie in Nordamerika verbreitet; in Europa wird er vielfach kultiviert. Thymian duldet leichte Fröste. Für Phytopharmaka werden vor allem in Deutschland, aber auch in anderen Ländern wie Spanien, Polen und Ungarn angebaute Pflanzen genutzt.

 

Anbau

 

Der Anbau von Thymian erfolgt auf steinigen, trockenen und kalkhaltigen Böden in warmer und sonniger Lage. Aussaat oder Pflanzung sind möglich, wobei die geringe Samengröße die Aussaat erschwert.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile

 

Für Phytopharmaka werden Blätter und Blüten während der Blüte geerntet. Das getrocknete Pflanzenmaterial (Droge) wird lateinisch als Thymiherba bezeichnet.

 

Inhaltsstoffe

 

ätherisches Öl, bestehend aus Thymol, Carvacrol, Cymol, Linalool, Borneol, Pinen, Campher, Limonen und Cineol

Flavonoide

Tannine und andere Gerbstoffe

Polysaccharide

Bitterstoffe

Triterpene

Phenolcarbonsäuren

 

Zubereitungen

 

Während die traditionelle Medizin auf Thymiantees setzt, nutzt man heute über Wasserdampfdestillation gewonnenes ätherisches Öl, lat. Thymi vulgari aetheroleum, oder Presssaft. Kapseln und Tabletten enthalten Extrakte, die durch Auszug des wirkstoffhaltigen Krauts mit einem wässrigen, alkoholischen oder wässrig-alkoholisch-ammoniakalischen glycerinhaltigen Extraktionsmittel gewonnen werden.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Die Volksmedizin behandelt mit Thymian schwere Verdauung, chronische Magenschleimhautentzündung, Asthma, Kehlkopfentzündung, Bettnässen von Kindern und verschiedene Hautkrankheiten und schlecht heilende Wunden. Die Wirksamkeit ist bei diesen Anwendungsgebieten jedoch nicht bewiesen. Ähnlich wie Pfefferminzöl ist auch Thymianöl traditionell in Lutschtabletten, Hustenpastillen und Gurgelwasser enthalten. Als Geschmacksstoff löst es vermehrten Speichelfluss und Schluckreiz aus, der einem Hustenstoß entgegenwirkt. Als Bestandteil von Gurgelwasser reinigt es Mund und Rachenraum von Bakterien und Pilzen und wirkt Entzündungen entgegen. Auch moderne Phytopharmaka wie Tabletten, Kapseln und Säfte machen sich die krampflösenden und den Auswurf fördernden Eigenschaften zu nutze. Sie helfen bei Erkältungskrankheiten der oberen Atemwege mit zähflüssigem Schleim, Entzündungen der oberen Luftwege (Bronchitis), Krampfhusten, Keuchhusten und Katarrhen. Die Kommission E rät zu 1 bis 2 g getrocknetem Thymiankraut pro Tasse Tee bei mehrmaliger Einnahme am Tag oder im Falle eines Flüssigextrakts bis zu 1 bis 2 g 1 bis 3 mal am Tag. Für Umschläge empfiehlt sich die Anwendung eines fünf prozentigen Aufgusses. Thymian gilt als nebenwirkungsarm.

 

Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa L.)

 

Die Traubensilberkerze zählt zu den wichtigsten in Deutschland zu Phytopharmaka verarbeiteten Arzneipflanzen. 17 Phytopharmaka und 33 Homöopathika sind auf dem Markt. Die Phytotherapie behandelt mit Traubensilberkerze das "Menopause-Syndrom", die körperlichen und psychischen Beschwerden im Zuge der Wechseljahre der Frau.

 

Synonyme

 

Silberkerze, Wanzenkraut, Frauenwurzel, Nordamerikanische Schlangenwurzel, Schwarze Schlangenwurzel, Langtraubiges Christophskraut, Wangenkraut

 

Biologie

 

Traubensilberkerze gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Die mehrjährige aufrechte Staude wird bis zu 2 m hoch. Die Laubblätter sind dreifach gefiedert und bestehen aus spitzen, tief gesägten Blättchen. Die weißen Blüten, die im Juli gebildet werden, sind in langen, verzweigten, oben zuweilen überhängenden Trauben angeordnet. Die entstehenden Früchte sind lederartige, eiförmige Kapseln, die zahlreiche flache Samen enthalten.

 

Vorkommen

 

Traubensilberkerze ist in den nährstoffreichen Waldgebieten Kanadas und der USA beheimatet und wächst in Wäldern, auf Lichtungen sowie an Waldrändern und Böschungen. Sie wird seit einiger Zeit in Europa kultiviert.

 

Anbau

 

Der Anbau von Traubensilberkerze erfolgt auf humusreichem Boden in halbschattiger Lage mittels Aussaat im Herbst. Nach entsprechendem Wachstum des Wurzelstocks und der Wurzeln erfolgt im Herbst deren Ernte.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile

 

Phytopharmaka enthalten Wirkstoffe des Wurzelstocks und der Wurzeln, die nach der Fruchtreife geerntet werden; das getrocknete Pflanzenmaterial (Droge) wird lateinisch als Cimicifugae racemosae rhizoma bezeichnet.

 

Inhaltsstoffe

 

Triterpenglykoside, u. a. Actein, Cimifugosid

Phenolcarbonsäuren

Flavonoide, u. a. Formononetin

Cimicifugin

Racemosin

 

Zubereitungen

Taubensilberkerze ist als Tee ist nicht zu empfehlen, da die fettlöslichen und wirkungsmitbestimmenden Bestandteile durch heißes Wasser nicht freigesetzt werden. Moderne Phytopharmaka (Kapseln, Tabletten) enthalten Extrakte, die durch Auszug des wirkstoffhaltigen Wurzelstocks bzw. der wirkstoffhaltigen Wurzeln mit einem wässrig-alkoho ­lischen Extraktionsmittel gewonnen werden.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Die Volksmedizin behandelt mit Traubensilberkerze Arthritis, Bronchieninfektionen, Depressionen, Kopfschmerzen, Magen- und Darmbeschwerden, Menstruationsbeschwerden, Rheuma und Wechseljahrsbeschwerden. Pharmazeutische Untersuchungen belegen tatsächlich östrogen- bzw. antiöstrogenartige Eigenschaften, die eine selektive Modulation der Östrogenwirkung nahe legen. Mit Traubensilberkerze therapiert man daher Hitzewallungen, Nervosität, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit und Depressionen von Frauen in den Wechseljahren. Auch die im Zuge der Wechseljahre abnehmende Knochendichte wird günstig beeinflusst. Aufgrund der Ergebnisse klinischer Studien empfiehlt die Kommission E die Einnahme einer Tagesdosis von mindestens 40 mg Traubensilberkerzenwurzel bzw. der entsprechenden Extraktmenge maximal 3 Monaten lang. Zwar gilt Traubensilberkerze im Allgemeinen als gut verträglich; bei hormonabhängigen Erkrankungen wie östrogenabhängigen Tumoren darf sie jedoch nicht eingesetzt werden.

 

Weide:

 

Purpurweide (Salix purpurea L.), Reifweide (Salix daphnoides Vill.), Knackweide (Salix fragilis ), Lorbeerweide (Salix pentandra L.), andere Weidearten (Salix spec.)

 

Durch die Entwicklung synthetischer Schmerzmittel haben Weidenpräparate aus heimischer Produktion stark an Bedeutung verloren. Nur 7 Phytopharmaka und 2 Homöopathika sind auf dem Markt. Mit dem Inhaltsstoff Salicin behandelt man fieberhafte Erkrankungen, rheumatische Beschwerden und Kopfschmerzen. Er ist auch die Modellsubstanz für die synthetische Substanz Acetylsalicylsäure, die seit Jahrzehnten unter dem Handelsnamen "Aspirin" verkauft wird. Der Körper bildet aus Salicin bzw. Acetylsalicylsäure die schmerzstillende Salicylsäure. Während sie selbst erhebliche Magen- und Darmbeschwerden hervorruft, sind Salicin und Acetylsalicylsäure relativ gut verträg­lich. Da Salicin die geringsten Auswirkungen auf den Magen-Darm-Trakt hat, werden chronische Schmerzen meist mit weidehaltigen Arzneimitteln behandelt.

 

Synonyme

 

Felbe, Hartrinde, Weene, Wie, Wicheln, Weden, Wieden, Wilge, Kamprinde, Knackrinde, Maiholzrinde, Korbweide

 

Biologie

 

Die Weide gehört zur Familie der Weidengewächse (Saliaceae). Für die Arzneimittelproduktion ist vor allem die Rinde der Purpurweide, Reifweide, Knackweide und Lorbeerweide von Bedeutung. Die Weide ist ein mehrjähriger Strauch oder Baum. Die Blätter haben kurze Stiele und sind verkehrt eiförmig bis lanzettlich geformt. Die Blüten/Kätzchen werden im zeitigen Frühjahr (März) vor oder zeitgleich mit den Blättern getrieben. Die männlichen Blüten lassen die gelben Staubbeutel erkennen, die weiblichen Blüten sind durch einen Flaum gekennzeichnet und weisen eine Nektardrüse auf. Die Blüten der beiden Geschlechter finden sich auf unterschiedlichen Pflanzen; die Weide ist zweihäusig. Bei den gebildeten Früchten handelt es sich um konische Kapseln mit stumpfer Spitze und weiß behaarter Oberfläche.

 

Vorkommen

 

Weiden kommen in Europa und Asien an Teichen, Bach- und Flussufern, auf feuchten Wiesen und in Auwäldern vor. Für Phytopharmaka wird Weidenrinde vorwiegend auf dem Balkan (Bulgarien, ehemaliges Jugoslawien, Rumänien, Ungarn) wild gesammelt, stammt aber auch aus dem eigenen Anbau von Arzneimittelherstellern.

 

Anbau

 

Weiden wachsen am besten auf Böden mittlerer Qualität mit durchschnittlicher Wasserversorgung, d. h. mit Niederschlägen von über 600 mm in grundwasserfernen Lagen. Während der Vegetationsphase sollte die mittlere Temperatur über 12 °C liegen. Die Weide kann auf forstlich oder landwirtschaftlich genutzten Flächen Mitteleuropas also problemlos angebaut werden. Sie toleriert einen hohen Salz- und Schwermetallgehalt des Bodens. Da sie jedoch Cadmium aufnimmt und einlagert, sollte zur Produktion von Arzneimitteln der Anbau auf schwermetallarmen Böden erfolgen.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile

 

In Phytopharmaka ist die im Frühjahr gesammelte wirkstoffhaltige Rinde junger Zweige und/oder Zweigspitzen verschiedener Weidenarten enthalten; das getrocknete Pflanzenmaterial (Droge) wird lateinisch als Salicis cortex bezeichnet.

 

Inhaltsstoffe

 

Salicin und Salicinderivate

weitere Phenolglycoside

Flavonoide, u. a. Salipurposid

Purpurein

Salireposid

Catechin

 

Zubereitungen

 

Weidenrinde ist, oft kombiniert mit andere Arzneipflanzen, in vielen Erkältungs- und Rheumatees enthalten. In modernen Phytopharmaka (Kapseln, Tabletten) werden Extrakte eingesetzt, die durch Auszug der wirkstoffhaltigen Weidenrinde mit einem wässrigen bzw. wässrig-alkoholischen Extraktionsmittel gewonnen werden.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Da Weidenrinde Schmerzen stillt, Entzündungen hemmt und Fieber senkt, ist sie nicht nur traditionell Grundsubstanz vie­ler Erkältungs- und Rheumatees, sondern auch in modernen Arzneimitteln enthalten. Fieberhafte Erkältungskrankheiten, chronische Schmerzen bei entzündlichen Erkrankungen des Bewegungsapparates und andere entzündliche schmerzhafte Erkrankungen sind typische Behandlungsbeispiele. Vor allem bei chronischen Schmerzen z. B. bei Arthrosen und Rheuma, macht man sich die durch klinische Studien belegte verzögert einsetzende aber lange andauernde Wirkung des Naturmittels zunutze. Neuere Studien führen die genannten Wirkungen primär auf den Weideninhaltsstoff Salicin zurück, sprechen weiteren Bestandteilen jedoch ebenfalls schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkung zu. Während die Kommission E gegen chronische Schmerzen z. B. bei Arthrosen und Rheuma eine mittlere Tagesdosis Weidenrinde entsprechend einem Gesamtsalicingehalt von 60 bis 120 mg empfiehlt, rät die European Scientific Cooperative on Phytotherapy zu 60 bis 240 mg. Weidenrindehaltige Arzneimittel gelten als gut verträglich.

 

Weißdorn:

 

Eingriffeliger Weißdorn (Crataegus monogyna Jacq.), Zweigriffeliger Weißdorn (Crataegus laevigata DC., Syn: Crataegus oxyacantha L.), Fünfgriffeliger Weißdorn (Crataegus pentagyna Waldst. & Kit. ex Willd), Dunkler Weißdorn (Crataegus nigra Waldst. & Kit.), Azaroldorn (Crataegus azarolus L.)

 

48 Phytopharmaka und 50 Homöopathika belegen, dass Weißdorn eine der wichtigsten in Deutschland zu Arzneimitteln verarbeiteten Arzneipflanzen ist. Da er die Herz-Kreislauffunktion unterstützt, wirkt man mit weißdornhaltigen Phytopharmaka der nachlassenden Leistungsfähigkeit des Herzens entgegen.

 

Synonyme

 

Hagdorn, Hagedorn, Hageapfel, Mehlbeere, Mehl­beerbaum, Mehldorn, Mehlhosen, Mehlfässchen, Hekkendorn, Heckdorn, Christdorn, Handorn, Haynerholz, Heinzerleinsdorn, Müllerbrot, Weißheckendorn

 

Biologie

 

Weißdorn gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Von weltweit mehreren hundert Weißdornarten werden in Deutschland vor allem Eingriffeliger und Zweigriffeliger Weißdorn für die Arzneimittelherstellung genutzt. Auch Fünfgriffeliger Weißdorn, Dunkler Weißdorn und Azaroldorn sind von Bedeutung. Die genannten Weißdornarten unterscheiden sich in ihrem Erscheinungsbild. Der Eingriffelige Weißdorn ist ein 1 bis 10 m hoher, dornenreicher Strauch oder Baum mit typischen, bis zu 35 mm langen, breit ei- oder rautenförmigen, drei- bis siebenlappigen Blättern, die mindestens bis zur Hälfte eingeschnitten sind. Die in der Zeit von April bis Juni in Form von Doldenrispen getriebenen weißen Blüten weisen einen Griffel auf; die im Herbst gebildeten roten und mehlig schmeckenden Früchte enthalten einen Steinkern.

 

Zweigriffeliger Weißdorn ist ein bis zu 12 m hoher Baum oder Strauch mit 6 bis 15 mm langen Dornen; die bis zu 4 cm langen Blätter sind drei- bis fünffach gelappt, wobei die Blatteinschnitte niemals die Blattmitte überschreiten. Die zwischen April und Juni getriebenen weißen oder rosafarbenen Blüten stehen in aufrechten Doldenrispen und enthalten neben zahlreichen Staubblättern 2 bis 3 Griffel. Die im Herbst gebildeten, bis zu 12 mm langen, roten, mehlig schmeckenden Früchte enthalten 2 bis 3 Steine. Bei Fünfgriffeligem Weißdorn handelt es sich um einen bis zu 5 m hohen Strauch oder Baum mit wenigen, 1 cm langen Dornen und 2 bis 6 cm langen Blättern mit 3 bis 5 ungleich gesägten Lappen. Die zwischen April und Juni gebildeten Blüten stehen in 4 bis 7 cm breiten grauzottigen Doldenrispen. Die im Herbst gebildeten, länglichen, tief purpurroten und mehlig schmeckenden Früchte weisen 4 bis 5 Fruchtfächer auf.

 

Dunkler Weißdorn ist ein bis zu 4 m hoher Strauch oder Baum mit stark weiß-filzig behaarten, später kahl werdenden jungen Trieben und zahlreichen, bis zu 1 cm langen Dornen. Die Blätter sind 5 bis 8 cm lang, im Umriss eiförmig und tief fiederlappig. 10 bis 14 der zwischen April und Juni gebildeten weißen Blüten stehen in dicht weißwollig filzigen Blüten­ständen, die Blüten weisen 20 Staubblätter und 5 Griffel auf. Die im Herbst gebildeten Früchte sind bis zu 1 cm dick, glänzend schwarz und schmecken mehlig. Bei Azaroldorn handelt es sich um einen bis zu 8 m hohen, breit verasteten Baum oder Strauch mit anfangs mehr oder weniger dicht weiß-filzigen Zweigen, die später kahl werden. Kräftige, mehr als 1 cm lange Dornen sind in variabler Zahl vorhanden. Die Blätter weisen filzig behaarte Stiele auf und sind 6 bis 7 cm lang, verkehrt eiförmig bis rautenförmig sowie tief drei- bis siebenfach gelappt. Die im Zeitraum von April bis Juni gebildeten Blüten stehen dicht in aufrechten grau- bis weißfilzigen Blütenständen und enthalten 20 Staubblätter und 2 bis 3 Griffel. Die im Herbst gebildeten, kugeligen, orange bis gelben und mehlig schmeckenden Früchte haben einen Durchmesser von ca. 2 cm und sind leicht behaart. Anzumerken ist, dass die verschiedenen Weißdornarten leicht Mischformen bilden, so dass sich die Zuordnung der Einzelpflanzen zu den verschiedenen Weißdornarten schwierig gestaltet.

 

Vorkommen

 

Wie auch im Erscheinungsbild unterscheiden sich die Weißdornarten im Vorkommen. Eingriffeliger Weißdorn kommt in Europa bis zum Kaukasus und Sibirien vor und findet sich ebenfalls im Himalaja, in Syrien und in Nordafrika. Er wächst auf vielen Böden, bevorzugt jedoch schwere, kalkreiche Lehmböden. Er findet sich in Gebüschen, Laubwäldern sowie an Hecken und Zäunen. Zweigriffeliger Weißdorn kommt in Europa bis Mittelskandinavien und Finnland vor. Er wächst vorwiegend auf trockenen Böden in lichten Gebüschen und Laubwäldern.

 

Fünfgriffeliger Weißdorn findet sich auf dem Balkan bis Nordpersien und im Kaukasus bis Südsibirien. Dunkler Weißdorn kommt in Zentral- und Südungarn, Bosnien, Herzegowina und Serbien vor. Azaroldorn ist in einem Gebiet von Kreta bis Turkestan beheimatet, findet sich jedoch in verwilderter Form im gesamten Mittelmeergebiet.

 

Die zur Produktion von Phytopharmaka genutzten Blätter, Blüten und Zweige von Weißdorn werden nahezu ausschließlich mittels Wildsammlung in verschiedenen osteuropäischen Ländern wie Bulgarien, Rumänien, Polen und Ungarn sowie in China gewonnen.

 

Anbau

 

Wenngleich Weißdorn zur Fruchtproduktion in geringem Umfang angebaut wird, hat sich ein Anbau zur Produktion von Blättern und Blüten bislang noch nicht etabliert. Untersuchungen zur Inkulturnahme und zum Anbau werden dadurch erschwert, dass Weißdorn frühestens drei Jahre nach Anbau die ersten Blüten trägt und erst nach etwa 5 Jahren echte Erträge bringt. Da das Gehölz jedoch langlebig ist, kann viele Jahre lang geerntet werden. In einer Studie wurden 180 Weißdornwildvorkommen auf Inhaltsstoffgehalt, Wuchsform, Bedornung und Wuchsstärke untersucht und 21 getestete Vorkommen angebaut. Erste Ergebnisse zeigen, dass inhaltsstoffreiche Weißdornblätter und -blüten kurz vor der Vollblüte geerntet werden können. Da Weißdorn Cadmium aufnimmt, sollte der Anbau auf schwermetallarmen Böden erfolgen. Laufen die aktuellen Untersuchungen zur Wirtschaftlichkeit des Weißdornanbaus mit Erfolg, ist die Grundlage für einen großflächigen Anbau von Weißdorn als Arzneimittelwirkstoff gelegt.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile

 

Für Phytopharmaka werden primär die wirkstoffhaltigen Weißdornblätter und -blüten verwendet, die sich an den etwa 7 cm langen Zweigspitzen des blühenden Weißdornstrauches befinden. Das getrocknete Pflanzenmaterial (Droge) wird lateinisch als Crataegi folium cum flore bezeichnet.

Auch Früchte (lat. Crataegi fructus) sind in pflanzlichen Arzneimitteln enthalten.

 

Inhaltsstoffe

 

Flavonoide, insbesondere Hyperosid, Rutin, Vitexin

oligomere Procyanidine, insbesondere Epicatechin

Catechine

Triterpensäuren

aromatische Carbonsäuren

Aminoderivate

Purinderivate

 

Zubereitungen

 

Während Weißdornblätter und -blüten traditionell zu Tee aufgegossen werden, sind in Arzneimitteln Presssaft oder Extrakte enthalten. Letztere werden durch Auszug der wirkstoffhaltigen Weißdornbestandteile vor allem mit wässrig­alkoholischem, aber auch mit wässrigem oder wässrig-acetonischem oder öligem Extraktionsmittel gewonnen.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Weißdorn bessert das Allgemeinbefinden und unterstützt die Herz-Kreislauf-Funktion. Für Tee werden traditionell ca. 1,5 g Blüten und Blätter pro Tasse Tee aufbereitet; die Tagesdosis Weißdornblätter und -blüten liegt bei 5 g Droge. Klinische Studien belegen die Wirksamkeit bei nachlassender Leistungsfähigkeit des Herzens. Denn Weißdorn erhöht die Fähigkeit des Herzens, sich zusammen zu ziehen, und verringert den Widerstand der Blutgefäße. Dadurch nehmen Herz­leistung und Durchblutung zu und das Herz verträgt Sauerstoffmangel besser. Die Monographie „Weißdornblätter mit Blüten“ der Kommission E empfiehlt eine Tagesdosis von 160 bis 900 mg eines wässrig-alkoholischen Weißdornextrakts mit einem definierten Gehalt an Flavonoiden von 4 bis 20 mg bzw. an oligomeren Procyanidinen von 30 bis 160 mg; klini­sche Studien raten zu 600 bis 900 mg Extrakt pro Tag. Die Behandlung sollte mindestens über 6 Wochen erfolgen. Auch für eine Kombination aus Weißdornblättern, -blüten und -früchten ist die genannte Wirkung anerkannt. Weißdorn gilt als gut verträglich.

 

Zaubernuss (Hamamelis virginiana L.)

 

Mit 14 Phytotherapeutika und 21 Homöopathika wird die Zaubernuss in Deutschland zu zahlreichen Arznei­mitteln verarbeitet. Die Phytotherapie setzt sie nicht nur bei schlecht heilenden Wunden, sondern auch bei Hämorrhoiden, krampfaderartigen Erweiterungen der Venen im Übergang vom Mastdarm zum Enddarm, ein. Die Kosmetikindustrie nutzt sie für Rasier- und Gesichtswässer, Deodorantien und Hautpflegeprodukte.

 

Synonyme

 

Hexenhasel, Hexenhaselstrauch, Virginischer Zauberstrauch, Virginische Zaubernuss, Zauberhasel, Zauberhaselstrauch

 

Biologie

 

Zaubernuss gehört zur Familie der Zaubernussgewächse (Hamamelidaceae). Es handelt sich um einen 2 bis 7 m hohen, sommergrünen Strauch mit abstehenden Zweigen sowie rundlich-ovalen, zugespitzten und auf der Oberseite glänzend grünen Blättern. Die gelben, korallenartig geformten Blüten werden nach dem Blattabwurf im Herbst bis Winter in Büscheln an den Zweigen gebildet und sind frosthart wie die Pflanze. Im nächsten Sommer entstehen die Früchte, holzige, behaarte Kapseln, die nach der Reife aufspringen und 1 bis 2 ovale, glänzendschwarze Samen herausschleudern.

 

Vorkommen

 

Die frostharte Zaubernuss ist in den Laubwäldern des atlantischen Nordamerika beheimatet. Für das Wachstum bevorzugt sie sonnige bis leicht schattige Standorte. Die für die Herstellung von Arzneimitteln verwendeten Blätter und Rinde stammen überwiegend aus Wildsammlungen in den USA; ein großflächiger Anbau des Strauches in Europa ist möglich, da die Pflanze in Gärten und Parks als Zierpflanze wächst.

 

Anbau

 

Der Anbau von Zaubernuss erfolgt auf tiefgründigen, lockeren, humosen, feuchten und leicht sauren Böden mit einem geringen Kalkgehalt. Sonnige bis leicht schattige Standorte sind von Vorteil.

 

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile

 

Für die Produktion von Phytopharmaka werden im Herbst die wirkstoffhaltigen Blätter und die Rinde geerntet; die getrockneten Blätter (Droge) werden lateinisch als Hamamelidis folium bezeichnet, die getrocknete Rinde (Droge) trägt die lateinische Bezeichnung Hamamelidis cortex.

 

Inhaltsstoffe

 

Gerbstoffe, insbesondere Hamamelitannin, Gallotannine

Flavonoide

ätherisches Öl

 

Zubereitungen

 

Während Blätter und Rinde zu Tee aufgebrüht werden, entsteht über die Wasserdampfdestillation der Kaltwasserauszüge von frischen oder getrockneten Zweigen und Blättern Hamameliswasser (lat. Hamamelidis aqua).

 

In modernen Phytopharmaka (Salben, Cremes, Zäpfchen) sind gerbstoffhaltige Auszüge aus den Blättern und der Rinde der Zaubernuss enthalten, die mit Hilfe eines wässrig-alkoholischen Extraktionsmittels gewonnen werden.

 

Pharmakologische und medizinische Wirkung

 

Gegen akuten Durchfall hilft traditionell Tee aus 0,1 bis 1 g Blättern und Rinde täglich. In Umschlägen pur oder im Verhältnis 1:3 mit Wasser verdünnt heilt die Volksmedizin mit Hamameliswasser schlecht heilende Wunden sowie akute und subchronische entzündliche Hautausschläge (Ekzeme).

Moderne Salben, Cremes und Zäpfchen helfen bei leichten Hautverletzungen, lokalen Entzündungen der Haut und der Schleimhäute, Hämorrhoiden sowie Krampfadern.

 

Bei Hämorrhoiden und Entzündungen der Analschleimhaut macht man sich die in der Zaubernuss enthaltenen Gerbstoffe zunutze, die eiweißfällend und zusammenziehend wirken und eine dichte Lage oberflächlicher Zellschichten auf Wunden der Haut und Schleimhaut bilden. Das Zellgefüge schrumpft, die Durchblutung wird herabgesetzt, Entzündungen heilen. Durch die leichte Betäubung der Haut- und Schleimhautoberfläche wird der Juckreiz gestillt.

 

Klinische Studien belegen eine Wirkung vergleichbar der corticoidhaltiger Arzneimittel. Die Kommission E empfiehlt mehrmals täglich den Auftrag einer zaubernusshaltigen Zubereitung mit 0,1 bis 1 g Zaubernussdroge. Zaubernusshaltige Phytopharmaka gelten als gut verträglich.


Auszug aus: www.arzneipflanzen.fnr.de/arzneipflanzen