Die Weißbirke, die an ihrer weißen Rinde und an den rautenförmigen Blättern ohne weiteres zu kennen ist, wird bei uns fast überall, besonders auf trockenem Boden, angetroffen. Die verwandte Moorbirke (Betula. pubescens, Betula odorata) unterscheidet sich von der Weißbirke dadurch, dass die jungen Zweige und Blätter weich behaart sind. Die Birke ist ein klassischer Baum der Heiden, Germanen etc. da sie nur in nördlichen Breiten vorkommt. Die Birke ist ein von den nördlichen Indogermanen (besonders auch von den Slaven) seit alters hochverehrter Baum. In Skandinavien wurde Birken geopfert. Die von der Axt verletzte Birke jammert wie ein menschliches Wesen. Als Baum des Frühlings liefert sie die Lebensrute. Diese verleiht dem Vieh Gesundheit, vertreibt Ungeziefer und schützt vor Hexen. Die Birke ist der Baum der Großen Göttin, Baum der Ostara, des Lebens, des Frühlings und des Neuanfangs. Der Baum der Liebe und der Fruchtbarkeit und auch der Baum von Mutter Frigg. Die Berkana Rune steht auch für die Birke.

 

Birkenholzamulette und Stäbe können für Rituale der Neuerung, der Reinigung und gegen Krankheit verwendet werden. Kerzen aus Birkenrinde gedreht sollen zur magischen Reinigung verbrannt werden. Ab und zu tritt der Birkenbesen an die Stelle der Birkenzweige. Vielfach steckt man am Walpurgisabend Birkenzweige an die Stalltüren oder auf die Düngerstätten, um den Hexen den Eintritt zu verwehren. Im Volk wird diese hexenabwehrende Wirkung der Birke öfter damit begründet, daß die Hexen die Blättchen der aufgestellten Birkenzweige zählen müssten und es dabei Tag wird. Wenn eine Kuh gekalbt hat, nagelt man drei Birkenzweige an die Stalltür (Mittelfranken) oder man schlägt einen Nagel aus Birkenholz auf die Stelle, auf die das Kalb gefallen ist, so tief in die Erde, daß er nicht gesehen wird; das schützt gegen die Hexen. Bei den Südslaven wird unter dem Lager der Kuh, deren Milch versiegt ist, ein Birkenkeil in den Boden geschlagen. Ebendort wird die auf frischer Tat ertappte Hexe mit einem Birkenbesen geschlagen, dann kann sie nicht mehr zaubern. Wenn die Milch der verhexten Kuh mit Birkenruten geschlagen wird, dann kommt am nächsten Tag die Hexe13). Wenn eine junge Fahrkuh aus dem Stalle geleitet wird, so muss sie über eine vor die Stalltür gelegte Birkenrute schreiten.

 

Besonders im Bayerischen und Böhmerwald wird am 1. Mai das Vieh mit einer Birkenrute ausgetrieben, die mit Palmzweigen usw. geschmückt ist. Der Schlag mit dieser Rute (Lebensrute) soll das ganze Jahr ein Haustier vor tödlicher Verwundung schützen. In Finnland wird vor allem ein Birkenzweig als Peitsche für das Vieh benutzt, im Herbst wird er in die Decke des Kuhstalls gesteckt, um die Kühe zu beschützen. Fegt man mit einem Birkenbesen, der am Weihnachtsabend beim Geläut der Glocken geschnitten ist, den Kühen den Rücken, so bleiben alle Läuse und Krankheiten dem Vieh fern. Mit einem in den Zwölften aus Birkenreisern gebundenen Besen fegt man das Ungeziefer aus der Stube. Mit Birkenwedeln versprengt man geweihtes Wasser zu Reinigung von Räumen. Steckt man in der Fastnacht Birken in den Hof, dass das Vieh sich daran reibt, so bleibt es vom Ungeziefer frei. Mit den an Petri Kettenfeier vor Sonnenaufgang geschnittenen Birkenbesen wird die Stube gekehrt, dann kommen keine Flöhe hinein. Wer an Aschermittwoch mit Birkenruten recht viele Hiebe bekommt, hat das ganze Jahr keine Flöhe. Übrigens sind auch die frischen Birkenblätter ein Mittel gegen Flöhe und in Pommern dienen Räucherungen mit den Blättern, um angehextes Ungeziefer zu vertreiben. Damit der Kohl nicht von Erdflöhen befallen wird, steckt man »Maien«, über die der Segen dreimal gesprochen ist, an Pfingsten ins Kappesland (Kohlfeld). Ähnlich nimmt man gegen die Raupen auf dem Kohl einen Birkenzweig, der an Pfingsten als Maie gedient hat, umgeht damit dreimal das Feld und spricht:

 

Rupen packt ju.

De Man geit weg

De Sunn kümmt

 

Zu dem gleichen Zweck wird der Kohl mit Ruten geschlagen (Provinz Sachsen, Nordthüringen), oder die Maie wird um das Feld getragen. Luther verspottet den Aberglauben, mit den bei der Prozession am Markustag (25. April) herumgetragenen »Maien« über die Erbsen- und Bohnenäcker zu fegen, damit die Vögel den Früchten nicht schaden können. Die Ratten vertreibt man, indem man während des Glockenläutens um das Haus läuft, mit einer Birkenrute an jede Tür klopft und dabei ruft: Hallo, Hallo, zur Kirche! (im brandenburgischen). Auch vor dem Einschlagen des Blitzes sollen die Fronleichnams- bzw. Pfingstbirken schützen. Die Birke war sozusagen der Zauberbaum der Bauern. In der Volksmedizin werden Krankheiten wie Gicht und Fieber auf die Birke übertragen bzw. darin verknotet. 1678 verknotete ein Hexenmeister Zettel in eine Birke, so dass eine Frau in 14 Tagen sterben musste. Seinem Feinde kann man schaden, wenn man zur Mitternachtsstunde drei neue Nägel in eine Birke einschlägt (Nassau im 17. Jh.). Gegen das kalte Fieber uriniert man auf Blätter einer Hängebirke, sind diese verdorrt, so ist auch die Krankheit geschwunden. Mit Birkenruten werden die Warzen vertrieben; sobald die Reißer verfault sind, sind auch die Warzen verschwunden. Gegen Warzen bricht man von einer Birke neun Zweigchen weg und schlägt damit die Warzen, wenn es zur Kirche läutet. Mit einem Holzsplitter von einer Fronleichnamsbirke stochert man den schmerzenden Zahn und vergräbt den Splitter auf einem Kreuzweg. Gegen irgendwelche Schäden wird eine Birke angebohrt, der Saft getrunken und das Bohrloch mit einem Zapfen verspundet. Wie dieser anwächst, so heilt der Schaden. Um die verlorene Manneskraft wieder zu erhalten, uriniert man auf einen Kranz aus Birkenzweigen. Das Trinken des Birkensaftes macht gesund und in der Ehe fruchtbar. Dagegen bekommen die Kinder, die den Birkensaft viel lecken, Kopfläuse, sagt man. Die Birke als Orakelbaum. Drei vor dem Johannistag geholte Birkenzweige, von denen der erste seine Rinde behält, der zweite halb und der dritte ganz geschält sind, werden von den Mädchen am nächsten Morgen unter dem Kopfkissen hervorgezogen und zeigen dann, ob sie einen reichen, mittelmäßig begüterten oder einen armen Mann erhalten (Posen). Das in der Neujahrsnacht als Eheorakel aus dem Holzstoß gezogene Birkenscheit, bedeutet, daß das Mädchen einen Soldaten als Mann bekommt. Wessen Pfingstmaie in der Kirche umfällt, der stirbt im gleichen Jahr. Als Witterungsorakel bedeutet es einen strengen Winter, wenn die Birkenblätter lang am Baum bleiben. Viel ging wohl in den christlichen Aberglauben über, abschließend kann man sagen, die Birke ist der Fruchtbarkeitsbaum schlechthin. Ansonsten ist Birkenholz ein gutes Schnitzholz und wird vielseitig verwendet. Finnmesser haben meist Griffe aus Birkenholz, manchmal noch die traditionellen Holzscheiden, Becher und Tassen lassen sich aus Birkenholz machen. Die Namensgebung der Birke geht auf ihren hellen Stamm zurück und wird indogermanisch als glänzend oder schimmernd bezeichnet. In keltischen Kreisen war die Birke der Göttin Birgit geweiht, die Patronin für Ärzte, Schmiede und Dichter. Man vermutet, dass sich der Name des Baumes dem Namen der Göttin Birgit herleitet. Als Symbol für das Fruchtbare, Unberührte, das Reine holte man in einigen Dörfern zu Frühlingsbeginn Birkenstämme, um die fruchtbare Jahreszeit willkommen zu heißen. Aus dieser Tradition entwickelte sich das heute noch bekannte Brauchtum der Maibäume, die man verziert und am ersten Mai aufstellt.

 

Auszug aus: www.lenormand-lernen.de/forum/Birke