Ein in Deutschland im Aussterben begriffener Nadelbaum, der sich von der ziemlich ähnlichen Tanne (Abies pectinata) dadurch unterscheidet, dass die Nadeln eine einfache- nicht geteilte Spitze haben und auf der Unterseite grün- nicht weißlich sind. Das Hauptmerkmal sind die roten, beerenartigen Früchte. Hin und wieder kommt die Eibe eingesprengt in Wäldern vor, größere Bestände sind jedoch sehr selten. Häufig werden die Eiben in Anlagen, in Parken und auf Friedhöfen angepflanzt. Alte Eiben kenne ich persönlich nur von Parks und Friedhöfen. Die Eibe wurde anscheinend besonders bei den alten Kelten hoch verehrt. Sie soll auch der »Totembaum« der Eburonen (germanischer Volksstamm an der Maas) gewesen sein. Jedenfalls spielte sie im Totenkult eine bedeutende Rolle, sie ist im ehemaligen Keltengebiet (besonders auf den britischen Inseln) ein sehr häufiger Friedhofsbaum. Das dunkle, düstere und immergrüne Nadelkleid (und vielleicht auch die Giftigkeit) lassen die Eibe als Baum der Toten erscheinen. Andrerseits galt aber auch die Eibe schon früh als Dämonen verscheuchend. Ein Stückchen Eibenholz auf dem nackten Körper getragen, half gegen Behexung. Laut der römischen Sagenwelt ist der Weg in die Unterwelt mit Eiben gesäumt, in denen Furien hausen. Die alten Griechen sahen die Eibe ebenfalls als Tor zur Unterwelt und als Wächterin der Seele.

 

Immer wieder taucht die Vermutung auf, das es sich bei Yggdrasil nicht um eine Esche, sondern um eine Eibe handelt (immergrüner Baum) oder genannt als Baum der Göttin Rinda (Seelenklärerin), Erd- und Fruchtbarkeitsgöttin, der Hel und der Hekate. Die Zwerge in den "Kammerlöchern" bei Angelrode (Thüringen) wurden dadurch vertrieben, dass man Eibenzweige vor die Eingänge ihrer Höhlen legte. Noch Ende des vorigen Jahrhunderts wanderte dort die Bevölkerung am Trinitatissonntag nach dem »weißen Stein« und zu den Kammerlöchern, brach Eibenzweige und steckte diese kreuzweise in Keller, Küchen, Stuben und Ställe, damit Zwergen und Hexen der Eintritt verwehrt würde. Der Brauch blieb, nachdem der sich daran knüpfende Aberglaube verschwunden war. Im Spessart galt der Spruch: Vor Eiben kann kein Zauber bleiben.

 

Auch in anderen Ländern gilt die Eibe. als zauberwehrend. In Spanien sollen die Eibenzweige vor dem Blitz schützen. Eibenholz ist ein Bestandteil von Schutzzaubern und Schutzamulette werden aus Eibe gefertigt. Eiben Zauberstäbe spielen bei der Beschwörung von Geistern eine Rolle. Eibenholz hat heute seine Bedeutung verloren - aber von der Steinzeit bis ins Mittelalter wurden viele Waffen und Werkzeuge aus Eibenholz gefertigt. Am bekanntesten sind wohl die Langbögen, aber auch Armbrustbögen und Holzspeere. Die ältesten erhaltenen Holzspeere bestehen aus Eibenholz. Die Kelten sollen Eibengift für Ihre Pfeile verwendet haben. Auch der Schlaf unter einer Eibe soll prophetische Träume bringen, aber hier gilt Vorsicht - bei heißem Wetter "dampft" die Eibe aus und gibt einen Teil ihres Giftes an die Umgebung ab. In einem Buch über Giftpflanzen wird geraten Kinder im Sommer nicht unter Eiben spielen zu lassen..., Rune Eihwaz = Eibe.

 

Auszug aus: Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens, Butzmann Verlag, 1927