Aus dem südöstlichen Europa stammender Zierstrauch mit herzförmigen Blättern und duftenden violetten (auch blauen oder weißen), in pyramidenförmigen Rispen angeordneten Blüten. Der türkische Flieder wird auch sehr häufig in Bauerngärten gezogen. In der Benennung wird er manchmal vom Holunder nicht auseinandergehalten. Wer eine Fliederblüte mit fünfteiliger Blumenkrone (in der Regel ist diese vierteilig) findet und diese isst, hat Glück oder bleibt gesund. Der gleiche Glaube (bzw. das bloße Finden einer solchen Blüte) gilt im Baltikum, in Frankreich und in den USA. Eine »Holunderblüte« (es ist wohl Syringa gemeint) steckt man in eine Hautfalte des Daumens und bewegt diesen hin und her. So oft dies geschieht, ohne daß die Blüte herunterfällt, so viele Jahre lebt man noch. Mit getrocknetem blauem Flieder, der am Karfreitag vor Sonnenaufgang (aber nicht mit bloßer Hand) gepflückt ist, räuchere man am Ostersonntag vor Sonnenaufgang alle Kammern, und die Ratten werden verschwinden.

 

Auszug aus: Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens, Butzmann Verlag, 1927