Die Hasel ist fast durch ganz Europa in Wäldern, Gebüschen und Hecken verbreitet und darf wohl (neben Holunder und Wacholder) als der volkstümliche Strauch bezeichnet werden. Haselnuss-schalen fehlen vom Neolithikum an selten unter den vegetabilischen Überresten der vorgeschichtlichen Niederlassungen Mitteleuropas. Im Volksglauben des klassischen Altertums scheint die Hasel keine nennenswerte Rolle gespielt zu haben. Dagegen ist sie auf germanischem Boden eine uralte Zauberpflanze, die viele kultische Beziehungen aufweist. Alte Kultstätten sind nach der Hasel benannt. Im Volkslied usw. erscheint der Strauch als »Frau Hasel«, eine Personifizierung, die das innige Verhältnis der Hasel zum Menschen zeigt. Die Häufigkeit der Hasel, ihr frühes Blühen, die Essbarkeit der fettreichen Früchte, die auf der Sammelstufe der Völker gewiss noch viel mehr beachtet wurden als heutzutage, die Verwendbarkeit der biegsamen Zweige zu Flechtwerk, all das musste den Strauch dem Primitiven besonders vertraut machen. Die Haselhecke umgibt schützend die Siedelung und lässt den Strauch dem Menschen immer vor Augen sein. Der alten Verehrung der Hasel entspricht es, wenn ihr im Volke vielfach apotropäische Eigenschaften zugeschrieben werden. Der Bauer, der sich weiter vom Haus entfernt oder einen gefährlichen Weg zu gehen hat, nimmt einen Haselstock mit, ebenso wer zur Nachtzeit an einem verrufenen Ort vorbei muss. Wer eine Haselstaude bei sich trägt, die er in der Walpurgisnacht um 12 Uhr abgeschnitten hat, wird nie in eine Schlucht oder über eine Felswand stürzen. Der Soldat, der in den Krieg muss, teilt einen an Johanni geschnittenen Haselzweig zwischen 11 und 12 Uhr Mitternacht in sieben, etwa 1–2 Zoll lange Stückchen, die er immer bei sich trägt, dann bekommt er keine Schusswunde (Siebenbürgen). Um sich festzumachen trägt man eine Haselnuss, in der auf Papier geschrieben das Evangelium Johannis verborgen ist, an einem Bande um den Hals. Die Hasel schützt vor bösen Geistern, so vor dem »Wuetenheer«, der »Teufelsjagd«, den »feurigen Männern«, vor der Berchta. Auch bei nichtgermanischen Völkern ist die Hasel ein Mittel für Schutzzauber.

So heißt es bei den Rumänen, dass, wer nachts einem Vampir begegne, einen am Georgstag geschnittenen Haselstock in die Erde stecken müsse. Dadurch werde der Vampir gebannt. Ganz allgemein dient die Hasel gegen Hexen und Hexenwerk. Aus dem Holz bereitet man einen Spiritus und ein Öl, die in der schweren Not (Epilepsie), so von der Hexerei herkommt, große Kräfte besitzen. Das Holz dazu muss gesammelt werden, wenn die Sonne im Widder steht, oder 2–3 Tage vor dem Neumond. Am Walpurgisabend steckt man Haselgerten auf den Düngerhaufen zum Schutz gegen Hexen. Mit »Haselzwicklein« (Haselruten) soll die Hexe gebunden werden, denn diese Ruten vermöchten über Teufelsleute mehr als Stricke und Ketten, oder die Hexe muss damit geschlagen werden. Der Wechselbalg (Wechselbutt) wird mit einer Haselrute geschlagen. Die Hasel vertreibt auch »elbisches« Ungeziefer und sonstiges schädliches Getier, wie den Kornwurm, die Maulwürfe, die Ratten, das Ungeziefer im Haus. Um das Wild vom Getreide fernzuhalten, schneidet man am Karfreitag vor Sonnenaufgang stillschweigend eine einjährige Haselrute, macht einen Ring daraus und legt diesen um den Arm, mit dem man das Getreide aussät. Besonders wird die abwehrende Wirkung der Hasel im Stallzauber benutzt. Das verhexte Vieh wird mit einer Haselgerte geschlagen. Haselblüten gibt man vor Sonnenaufgang dem behexten Vieh ein, die (aus dem »Palm« genommenen) Haselzweiglein gibt man kleingeschnitten dem Vieh zwischen zwei Broten zu fressen. Wenn eine junge Fahrkuh aus dem Stalle geführt wurde, so musste sie über eine vor die Stalltür gelegte frisch geschnittene Haselgerte schreiten. Mit einem am Sonntag während des Kirchenläutens in den drei heiligen Namen geschnittenen Hasel stecken rührt man den Pferden den Hafer um, dass sie gegen das Verhexen geschützt seien. Die Tauben werden nicht vom »Hack« (Habicht) geholt, wenn man in den Taubenschlag einen am Karfreitag vor Sonnenaufgang, hinter dem Rücken auf drei Schnitte abgetrennten Haselzweig legt. Wenn das Vieh mit einer Haselrute auf die (erste) Weide getrieben wird, so liegt wohl nicht nur ein apotropäischer Brauch, sondern auch die Vorstellung von der fruchtbar machenden »Lebensrute« zugrunde. Das gleiche gilt von der Verwendung der Hasel im Milch- und Butterzauber. Mischt man den Kühen gedörrte Haselkätzchen unter das Salz, so geben sie reichlich Milch. Die Milch der verhexten Kuh schlägt man mit drei Haselruten, bis die Milch blutrot geworden ist. Dann wird die Hexe kommen und etwas verlangen. Auch das Butterfass wird mit einer am Palmsonntag um den »Palmen« gelegten Haselrute geschlagen. Wenn der Rahm nicht buttern will, schlägt man ihn mit drei Haselzweigen. Will die Kuh keine Milch geben, schlägt man sie dreimal mit einem Haselstecken. Der Kräuterbüschel, der an Maria Himmelfahrt geweiht wird, enthält einen Haselzweig mit drei Nüssen. Wenn sich die Milch nicht buttern lässt, so lässt man die drei geweihten Nüsse ins Butterfass fallen.


Schließlich dient die Hasel, wie viele zauberwehrende Pflanzen zum Erkennen der Hexen. Wenn man am Christabend eine Haselrute bricht, sie während der Mette am Leib trägt oder wenigstens mit in die Kirche nimmt, dann sieht man mit einer derartigen Rute ausgerüstet am Dreifaltigkeitstag beim Umgang um die Felder vor Sonnenaufgang die Hexen und den »Bilmesschneider«. Um die Drud zu sehen, sucht man im Frauendreißiger eine Haselstaude, die drei Zweige auf dem Stamm hat, schneidet den mittleren mit einem Schnitte heraus und legt ihn unter das Bett. Die Felder schützt man vor allem durch die im Karsamstagsfeuer (»Judasfeuer«) angekohlten Haselzweige, die auf die Felder gesteckt werden. Auch zum ersten Austreiben des Viehs auf die Weide werden diese im Karsamstagsfeuer angekohlten Haselruten benutzt, was wieder deutlich auf einen Fruchtbarkeitsritus hinweist. Sehr alt scheint, der weiten Verbreitung nach zu schließen, der Glaube zu sein, dass die Hasel den Schlangen und ähnlichem Getier besonders feind sei. Es scheinen hier uralte mythische Beziehungen vorzuliegen. Thors (ihm war die Hasel heilig) Kampf mit der Midgardschlange dürfte hier heranzuziehen sein. Vielleicht darf man auch an den häufigen Vergleich »Schlange = Blitz« denken, den ja die Hasel abhalten sollte. Auch wurden wohl oft tatsächlich mit der elastischen Haselrute Giftschlangen im Walde erschlagen. Mit einer Haselgerte werden dem Drachen die sieben Köpfe abgeschlagen.


Im Grimmschen Märchen stürzt sich auf die im Wald sammelnde Muttergottes eine Natter. Die hl. Maria versteckt sich hinter einer Haselstaude. Darum ist seit den ältesten Zeiten ein grüner Haselzweig gegen Nattern, Schlangen, und was sonst noch auf der Erde kriecht, der sicherste Schutz. Schon eine leichte Berührung mit einer Haselgerte genügt, die Natter zu töten. Begegnet man einer Kreuzotter, so soll man dieser ein Haselnussblatt hinwerfen, dann wird man von ihr nicht verfolgt. Um sich gegen Schlangen zu sichern, ziehe man mit einem einjährigen Haselstecken einen Kreis um die Schlange. An Haselspieße steckt man die Kröten. In der Sage gibt die weiße Jungfrau den Rat, mit einem Haselstecken die Schlange zu schlagen. Auch in Frankreich, in England und in Bosnien ist die HASEL als Feindin der Schlangen bekannt. Übrigens wurden auch in der Antike der Haselnuss giftwidrige Eigenschaften zugeschrieben. Nach Plutarch bindet man an die Bettfüsse eine Haselnuss, damit der Skorpion nicht herankomme, und Cassius Felix (5. J n. Chr.) empfiehlt die Haselnuss gegen den Biss der Giftspinne (phalangion). Besonders im Oberdeutschen ist der Glaube verbreitet, dass die Hasel vor Gewitter schütze. Der Strauch war wohl dem Gewittergott Donar geweiht, zu dem die Hasel auch als Umhegung der Gerichtsstätten und als Fruchtbarkeitssymbol (Donar als Ehegott!) Beziehungen hatten. In der christlichen Legende wird die gewitterwehrende Kraft der Hasel fast allgemein damit erklärt, dass die Muttergottes mit dem Jesuskinde (auf der Flucht nach Ägypten) bei einem heftigen Gewitter Zuflucht unter dem Strauch gefunden habe. Auch in Flandern, Italien, Polen, Bosnien erzählt man sich die Legende. Bei den Weißrussen bleibt die Hasel deswegen vom Blitz verschont, weil sich Jesus, als er auf Erden wandelte, zuweilen von Haselnüssen ernährte. Ebenso gebrauchen die Zigeuner die in der Karwoche geschnittenen Haselruten gegen Blitzgefahr. Nach modernen naturwissenschaftlichen Forschungen gehört übrigens die Hasel zu den Baumarten, bei denen Blitzbeschädigungen nicht vorzukommen scheinen). Der Grund ist vielleicht darin zu suchen, dass die Hasel keine Borke bildet und dass die glatte Rinde sehr leicht benetzbar ist (guter Leiter für Elektrizität!). Vielfach werden Haselzweige bei einem Gewitter an die Fenster gesteckt. Am Tag vor Fronleichnam werden auf jedes Getreidefeld drei Haselschösslinge gesteckt, damit der Hagel die Früchte verschone. Wirft man sieben Haselkätzchen ins Feuer, so bleibt das Haus vor Wetterschaden verschont.

Die Haselnuss ist ein uraltes Fruchtbarkeitssymbol, sie tritt daher ebenso wie der Strauch selbst vielfach in der Volkserotik auf. Der Fruchtreichtum der Hasel, die hodenähnliche Gestalt der Haselnüsse und wohl auch der Umstand, dass es beim Nüsse sammeln im Wald bei jungen Leuten beiderlei Geschlechts nicht gerade immer ehrbar zuging, all das mag zusammengewirkt haben, die Hasel bzw. ihre Frucht in der Volkserotik hervorzuheben. Für »liebeln« sagt man hie und da »in die Haseln gehen«. Wer von seinem Schätzchen das Jawort nicht erlangen kann, der mache nur, dass er sie bei der Hasel treffe, so ist der Bund geschlossen. Haselnüsse schenkt man zu Weihnachten und Neujahr als Zeichen der Liebe. Als sexuelles Symbol macht die als »Maien« gesetzte Hasel das Mädchen anrüchig, vgl. Kirsche. Wenn es im Herbst viele Haselnüsse gibt, so gibt es im kommenden Jahre viele (uneheliche) Kinder. In der Mettennacht werden die Haselstauden »gebeutelt« (geschüttelt). Um den künftigen Gatten zu erkunden, gehen Burschen und Dirnen in der Christnacht zu dem Gartenzaun, fassen einen Pfahl, womöglich von der Haselstaude, und sprechen: »Gartenzaun, ich schüttl dich, Feines Lieb, ich witt'r dich«. Dann sehen sie entweder die Gestalt oder hören den Namen des oder der Zukünftigen. Möchte ein Mädchen gern den Aufenthalt seines Schatzes wissen, so nimmt es in der 10000 Ritternacht ein Zweiglein von der Haselstaude und umtanzt es mit den Worten: »I spring umanä Haslis Zwei, I suach mi Büabli, wo es sei!« Wo sich nun der Geliebte herumtreiben mag, so muss er mit einem Jauchzer antworten. Das Mädchen, das sechs Haselnüsse an einem Stiel findet, wird bald Braut. In Frankreich (Haute-Bretagne) verheiratet man sich noch im Laufe des Jahres, wenn man mit dem kleinen Finger einen Haselzweig abbricht.


Wenn es im Herbst viele Haselnüsse gibt, so gibt es an Fastnacht viele Hochzeiten. Beim Hochzeitsmahl bewirft man sich gegenseitig mit Haselnüssen, findet sich darunter eine mit doppeltem Kern, so werden Bursche und Mädchen ein Paar. In Frankreich werden dem Brautpaar Haselnüsse angeboten, auch setzte man neben das Brautbett ein Körbchen mit Haselnüssen. Als Aphrodisiakum (»Wenn einer nit mynnen mag«) erscheint die zu Pulver gebrannte Haselrinde in einem Rezept des 15. Jh. Ein steriles Weib soll man mit einer Haselrute schlagen (Anhalt). Auch die vegetabilische Fruchtbarkeit fördert die Hasel: damit die Pilze im Wald gut wachsen, schlägt man den Schwammplatz mit einer einjährigen Haselrute. Im Flachs wird von den Mädchen als Maie eine Haselrute gesteckt. Schlägt diese aus, so sagt man zur Magd: »Bei dir ist's au(ch) (n)et sauber, bei dir ka(nn)s heuer no(ch) ebbes gebe(n)«. In derartigen Bräuchen erscheint die Hasel deutlich als »Lebensrute«. Aus dem Blühen der Hasel schließt man auf die Fruchtbarkeit des Jahres. Hierher gehört wohl auch das Füttern der Kuh mit (an drei Freitagen im März gesammelten) gedörrten Haselblüten, um den Milchreichtum zu erhöhen, und das Schmücken des letzten Erntewagens mit einer Haselstaude. Besonders im landwirtschaftlichen Aberglauben dient die Hasel bzw. die Haselnuss als Orakel. Viele Haselnüsse verkünden einen strengen, schneereichen Winter, was auch von einer reichen Ernte an anderen Wildfrüchten behauptet wird. Wenn die Haselnüsse geraten, so geraten auch die Eicheln, dagegen gibt es dann wenig Kartoffeln und wenig Hafer. Wenn es in die dürren Haselstauden donnert, kriegen die Weiber kein Schmalz. Jedes Zäpfchen am Haselstrauch nach Michaelis, wo zwei und zwei zusammengewachsen sind, bedeutet einen Groschen Aufschlag am Brot. Nach einem alten Aberglauben geraten die Haselnüsse nicht (werden wurmig), wenn es am Johannistag regnet. Das gleiche gilt vom Margarethentag, vom Magdalenentag, vom Peter- und Paulstag. Naturwissenschaftlich könnte dieser Glaube etwa damit begründet werden, dass Regen im Hochsommer, wenn die Haselnüsse noch zart sind, deren Verderben bewirke. Ab und zu erscheint die Hasel auch als böser Strauch; es waren wohl die christlichen Glaubensboten, die den in der Heidenzeit so hoch verehrten Strauch dazu stempelten. In Haseln verwandelt einmal der Teufel alle Bäume. Unter den Haselstauden begegnet der Teufel den Hexen. Einer Hexe wird eine Rippe aus Haselholz eingesetzt. Ein Teufel überreicht einer Hexe einen Haselstab und heißt sie damit in einen Bach zu schlagen, worauf ein Platzregen erfolgt. Ein »Hexenbub« peitschte mit einer Haselgerte das Wasser, bis ein Wölkchen davon aufstieg. Nicht lange darauf ging ein Gewitter nieder und der Hagel richtete großen Schaden an. Nach Hexenprozessakten v. J. 1546 befreiten die Schläge mit drei Haselgerten den durch Frauenhaare gefesselten Teufel. Ochsen, mit einem Haselstecken getrieben, schwinden und ebenso die Hand, die den Haselstecken führt oder Handhaben aus anfasst. Um Kühe zu verhexen, schneidet man von drei durch einen Zaunring aus Weide gewachsenen Haselruten die eine ab und jagt damit das betreffende Tier durch die Hecke. Ein Schwein, das mit einer Haselrute geschlagen wird, wird nichts. Nach alten Berichten schlagen Hexen Menschen und Vieh mit Haselruten, so dass sie sterben müssen. Die Hasel wird oft mit unterirdischen Schätzen in Verbindung gebracht. Die allgemeine Stellung der Hasel im Zauberglauben und wohl auch der Umstand, dass die männlichen Blüten goldgelb stäuben »O seht, vorbei ist Winters Weh – Die Hasel streut Goldstaub auf den Schnee«, waren dafür maßgebend. Die Schätze zeigende und hebende Wünschelrute wird meist als eine Haselrute bezeichnet. Unter Haselstauden liegen Schätze verborgen, Hasel zeigen den Eingang zur Schatzhöhle.


In der Sympathiemedizin findet die Hasel vor allem zum Übertragen von Krankheiten Verwendung. Wer Warzen hat, knicke junge Hasel, so viel er Warzen hat, dann verschwinden diese. Man schneidet in einen Haselstock, den sogenannten »Warzenstecken«, so viel Einkerbungen als man Warzen hat und wirft dann, ohne umzusehen, den Stock hinter sich auf die Straße. Wer den Stock aufhebt, bekommt die Warzen. Überbeine bestreicht man jeden Morgen mit einer frischen Haselgerte und reibt dann nüchternen Speichel ein. Kontusionen und Frakturen können durch bloßes Berühren mit Haselstöcken geheilt werden. Gegen Nabel- oder Leistenbruch werden Haselnüsse aufgebunden. Das rotlaufkranke Glied wird hinter einer Haselstaude in die Erde gegraben, eine halbe Stunde darin belassen, worauf die Grube wieder eingefüllt wird1. Gegen Därr- und Lungensucht harne der Kranke in ein neues Töpfchen, binde es zu und vergrabe es unter einer Haselstaude mit den Worten: »Ma Krankat vagrob i – An Herrgott, dean lob i«. Hat sich ein Pferd verletzt, so schneidet man unter Aussprechen der drei höchsten Namen drei Haselruten ab, taucht sie mit der Schnittfläche in die blutende Wunde und hängt die Ruten auf die Ofenstange oder an den Rauchfang. Sobald die Haselruten abdorren, heilt auch die Wunde. In der Nacht auf Petri und Pauli von unten nach oben geschnittenen Haselstöcken betupft man mit dem Blut der Schnittwunde und bindet einen Lappen von einem Mannshemd herum. Die Haselstöcke müssen von dem Verbinder solange am Leib getragen werden, bis die Wunde ganz geheilt, sonst bricht sie wieder auf. Gegen Fieber legt man einen ohne zu feilschen gekauften oder vor Sonnenaufgang im Wald gebrochenen Haselstock in der Kirche nieder. Wer den Stock aufhebt, bekommt das Fieber und verliert es erst, wenn er den Stock in drei Stücke zerbricht und verbrennt. Gegen Rosskieferstellung verwende man ein am Karfreitag gebrochenes, einjähriges Haselschoß. Haselblüten werden dem Vieh gegen Seuchen, den Pferden gegen Kehlsucht und um sie fest und mutig zu machen, gegeben. In diesem Mittel ist wohl die magische Heilkraft der Frühlingspflanzen zu suchen. Als Präservativ gegen Wadenkrämpfe soll man drei Haselzweiglein, deren Kätzchen noch geschlossen sind, ins Bett zu Füßen legen. Wenn ein Kranker in die Kapelle von Bertischwil wallfahret und dort einen Haselzweig opfert, so wird er geheilt. Vom Genuss grüner Haselnüsse bekommt man Läuse - immer wieder Ungeziefer im Volks- und Aberglaube. Weitverbreitet ist der Aberglaube, dass man mit einem Haselstecken einen Entfernten prügeln könne. Zu diesem Zwecke schlägt man auf ein Kleidungsstück des »Gemeinten« oder auf ein eigenes los. Damit wäre etwa ein Schadenzauber der Eingeborenen von Victoria zu vergleichen, wo der Platz, auf dem der Feind saß, mit einem zugespitzten Stück eines Kasuarbaumes (Casuarina leptoclada) geschlagen wird. Damit der Dieb das gestohlene Gut wiederbringt, macht man ein Feuer aus Haselholz, stellt Wasser darüber, wirft drei Eier von einer ganz schwarzen Henne hinein und schlägt das kochende Wasser unter Beschwörungsworten. Die Schläge treffen dann den Dieb, und er wird das Gestohlene an seinen Ort zurückbringen. Ein »Orgicht boecke« des Braunschweiger Stadtarchivs (16. J.) gibt ein Rezept, Eier vom Teufel zu erhalten.


Man muss einen Stein nehmen, unter einen Haselbusch gehen, mit dem linken Fuß vor dem Busch ein Loch kratzen, den Stein in aller Teufels Namen hineinwerfen, dann dreimal um den Busch herumgehen, still stehen und sprechen: »Belsebuck, ich sta hir inth westen, Kum, bring mich hier eier in dath nest«! Streicht man mit dem an Georgi zum Austreiben des Viehs benutzten Haselstab (Lebensrute!) über eine Milchkuh und denkt dabei an die Kühe des Nachbarn, so geht deren Milch in diese Kuh über. Damit die Tauben am heimatlichen Schlag bleiben, nagle man vor diesen einen am Freitagmorgen vor Sonnenaufgang unter Hersagung der drei höchsten Namen geschnittenen Haselzweig. Wenn jemand im Hause stirbt, muss man den Wein im Keller mit einer Haselrute umrühren, sonst steht er ab. Am Christtag darf man keine Haselnüsse essen, damit man im folgenden Jahr kein irdenes Geschirr zerbricht (Odenwald, 18. Jhd.). Für manche Zauberhandlungen wird ausdrücklich die »weiße« Hasel vorgeschrieben. Sie hat (nach der Beschreibung eines Sennen) eine weiße Wurzel, treibt etwa 14 Tage früher als die gewöhnliche Haselknospen und Blätter, wird nicht so hoch, ihre Blätter sind heller und auf der Unterseite weiß, die Nuss ist länglich statt rund usw.. Offenbar existiert aber diese »weiße« Hasel nur in der Volksphantasie, botanisch lässt sie sich nicht feststellen. Da diese »weiße« Haselnusswurzel als antikonzeptionelles Mittel genannt wird, liegt die Vermutung nah, dass es sich z.T. um eine Verwechslung mit dem als volkstümliches Abortivum bekannten Kraute, der Hasel wurz (Asarum europaeum) handelt. Vor allem wird die weiße Hasel im Schatzzauber genannt. Zusammenfassend lässt sich schließlich noch sagen, dass die Zauberwirkung der Hasel durch folgende Momente gehoben wird: Beschaffenheit (einjähriger Zweig, drei Zweige), Sammelzeit (an drei Freitagen im März, vor Sonnenaufgang, Christabend, Karfreitag, Johanni, Dreißiger), Sammelritus (rücklings zur Hasel gehen, Zweig von unten nach oben, mit drei Schnitten abtrennen, Beschwörungsworte beim Abschneiden), Herkunft (Hasel, die durch einen Zaunring gewachsen ist, Hasel aus dem »Palm«, Haselnuss aus dem Kräuterbüschel.

 

Diese Textpassage spiegelt sich in den Büchern des Literaturverzeichnisses wider.