Obwohl die Kiefer ein bei uns allgemein verbreiteter und bekannter Nadelbaum ist, spielt sie in Sage und Aberglauben keine nennenswerte Rolle. Ab und zu ist eine Hexen- oder Wunderkiefer bekannt oder eine »Heiligenföhre«. Nach einer finnischen Sage stammt die Kiefer (wohl wegen der rötlichen Rinde!) aus dem Blute des Erlösers). Die Rumänen in der Bukowina erzählen, die Kiefer sei deswegen so knotig, weil die Kreuzesnägel Christi aus dem Holz der Kiefer waren. Wird das Holz der Kiefer gegen »Altschein« (abnehmender Mond) gehauen, so trocknet es besser aus, wird leichter und bekommt später keinen Wurm. Dionysios und Baccus tragen Zepter mit Kiefernzapfen, ein Goldener Kiefernzapfen dient als Glückssymbol, die Nadeln werden in magischen Schutzbädern verwendet oder sind Teil von Schutzräucherungen. Das Holz ist vielseitig verwendbar, besonders für Möbel - in früheren Tagen als Mittel zur Beleuchtung (Kienspan) und die vergorenen Nadeln wurden einst als Polsterfüllungen verwendet (Waldwolle).

 

Auszug aus: Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens, Butzmann Verlag, 1927