Allbekannte, wohl aus dem Orient stammende Nutzpflanze, die bei uns häufig in Gärten gebaut wird. Kennzeichnend für den Knoblauch ist die zusammengesetzte Zwiebel; die Nebenzwiebeln, »Zehen« genannt, sind von einer weißen Haut eingeschlossen. Der Knoblauch spielte schon in der Volkskunde des alten Ägyptens sowie des klassischen Altertums eine bedeutsame Rolle. In älteren Berichten lässt sich nicht immer unterscheiden, ob unter der Bezeichnung »Lauch« wirklich der Knoblauch zu verstehen ist. Andere Namen sind Knofel, Knöblich, Knuflook, Knuflauk. Alterwurtz, Magenwurtz, Stinkwurtz, Gruserich und Stinkerzwiebel.

 

Der Knoblauch galt wohl wegen seines starken Geruches schon im Altertum als Apotropaeum. Man hing ihn den Kindern als Präservativ gegen die Strix um den Hals. Knoblauchstängel ohne Köpfe, im Garten verbrannt, vertreiben die Raupen. Damit die Vögel nicht an den Baum gehen, hängt man Lauch (σκόροδον) im Baume auf. In den beiden letztgenannten Anwendungen ist der Übergang vom empirischen (der starke Geruch soll die Raupen bzw. die Vögel abhalten) zum dämonischen Mittel zu beobachten. Als Amulett für Kinder erscheint der Knoblauch (»allacum« auch bei Bernard v. Siena (1388–1444). Die Zwerge werden vertrieben, wenn man ihnen Milch vorsetzt, in die Knoblauch geworfen wurde. Dem neugeborenen Kinde werden drei Knoblauchzwiebeln in die Wiege gelegt. Besonders wirksam ist der Knoblauch gegen das »Verrufen«. Wenn man ein kleines Kind lobt, muss man gleich »Knoblauch! Knoblauch! « rufen, sonst wird es behext, ebenso wenn man das Vieh oder das Getreide rühmt. Beim Einführen des Getreides legt man in die erste Garbe zwei oder drei Knoblauchköpfe hinein gegen die Hexen.

 

Knoblauch schützt vor dem Behexen und macht hieb- und stichfest. Mit Knoblauch in der Tasche sieht man in der Neujahrsnacht in der Kirche die Truden, er bewahrt überhaupt vor Zauberei, auch legt man ihn zum Gelde, dann können es die Truden nicht entwenden. Wenn das Ausbuttern nicht geht, dann legt man an Dreikönig geweihten Knoblauch ins Butterfass. Das hilft gegen die Hexen. Auf die apotropäischen Eigenschaften des Knoblauchs bezieht es sich wohl, wenn man ihn einsteckt, »um gut gehen zu können«, vgl. Beifuß. Am Tage St. Paul Bekehrung gegessener Knoblauch schützt vor Schlangenbiss. Vielfach wird der Knoblauch im Viehzauber verwendet. Man hängt ihn über der Stalltür auf, bestreicht (am Abend des 30. April) damit die Stalltüren oder gibt ihn dem Vieh zu fressen. Ins Trinkwasser der jungen Gänschen legt man Knoblauch, damit sie nicht verrufen werden. Damit die Pferde nicht verhext werden, hält man einen von Knoblauch geflochtenen Zopf im Stall. Beim erstmaligen Austrieb des Viehes bestreicht man dessen Hörner mit Knoblauch, »dann stoßen die Tiere nicht«. Wenn dem Vieh der Nutzen genommen ist, stößt man Weihrauch, Myrrhen und roten Knoblauch an einem Donnerstag zu gleichen Teilen zusammen und gibt es dem Vieh aufs Brot. In Ostdeutschland gibt man an Weihnachten Knoblauch den Hähnen, Gänsen (Gänserich) oder den Haushunden, damit sie »scharf«, bissig bzw. wachsam werden und sich nicht fürchten, ebenso bei den Tschechen. Der Ausgangspunkt dieses Aberglaubens ist wohl weniger im Dämonischen als im Empirischen zu suchen: der scharfe Knoblauch soll die Haustiere »scharf« machen. So fütterten schon die alten Griechen die zum Wettkampf bestimmten Hähne mit Knoblauch, und in den »Rittern« des Aristophanes ruft der Chorführer dem Wursthändler zu: »Ein Knoblauch-Frühstück mache hitz'ger dich zum Streit«. Auch bei vielen anderen Völkern gilt der Knoblauch als antidämonisch (als Mittel gegen den »bösen Blick«, gegen das Beschreien der Kinder usw., so besonders bei den Slaven, dann in Bosnien u. d. Hercegowina, in Macedonien, bei den Esten, den Türken, den heutigen Griechen, den Ungarn, den Rumänen, in Palästina, bei den Zigeunern, den Italienern, den Franzosen, den Angelsachsen, den Skandinaviern. Auch der Glaube, dass man das Glück weggibt, wenn man (Salz und) Knoblauch aus dem Hause gibt, gehört wohl hierher. In manchen Gegenden kommt der Knoblauch auch in den an Mariae Himmelfahrt geweihten Kräuterbüsche. »Knoblauchsmittwoch« heißt der Mittwoch in der Pfingstwoche, wo man Knoblauch isst, um das ganze Jahr gesund (ursprünglich wohl Hexenschutz) zu sein.


In der Sympathiemedizin findet der Knoblauch häufige Anwendung. Vielfach glaubt man, dass der Knoblauch die Krankheit an sich zieht (vgl. Zwiebel), man hängt ihn deswegen in der Stube auf. »Knoblauchzehen« hängt man gegen Gelbsucht an einem Faden um den Hals. Wie die Schalen vertrocknen, so verschwindet die Gelbsucht; sehr interessant ist, dass dies Mittel gegen Gelbsucht auch auf der Insel Kuba bekannt ist. Auf ähnliche Weise werden die Würmer (der Knoblauch ist ein altes empirisches Mittel gegen Eingeweidewürmer) vertrieben und der Harnstein. Ein ähnlicher Brauch ist auch das »Knoblauch-Absprechen« der galizischen Juden. Gegen »Essen« wird Knoblauch im Sacke (Hosentasche) herumgetragen und zwar so viel »Zehen« als man »Essen« hat. Den »angewachsenen« (rachitischen) Kindern legt man Knoblauch auf die Herzgrube. Knoblauch mit Essig und Lehm wird gegen Hexenschuss aufgelegt. Lauchblätter (ob Knoblauch?) sollen mit den Worten des Fiebersegens beschrieben und gegessen werden. Wenn zwei in einem Bett schlafen, wovon der einen Knoblauch genießt, der andere nicht, so wird letzterer nach und nach in Siechtum verfallen und sterben. Der Knoblauch wird manchmal im Bibernell-Pestspruch genannt. In der Nacht vor Johannis muss man die Blätter des Knoblauchs zusammenbinden, da sonst der Knoblauch in der Erde verschwindet. An Johanni muss man in den Knoblauch schlüpfen, damit er nicht ins Kraut wächst. Knoblauch soll man im Dreißigst stupfen. In der »tauben« Woche (vor Ostern) setzt man keinen Knoblauch.

 

Die Truden kann man am Georgentag sehen, wenn man vor dieser Zeit eine Schlange erschlägt, in den Kopf eine Knoblauch-»Zehe« setzt, beides unter die Dachrinne legt und mit dem herausgewachsenen Knoblauch in der Hand abends die Truden erwartet; an Stelle des Knoblauchs wird auch eine Erbse genommen. Damit dir ein Dieb im Traume erscheint, binde Knoblauch und Brot beim Zubettgehen auf den linken Arm, dann erscheint dir der Dieb im Traum; beim Aufwachen darf man aber das Hinterhaupt nicht mit der Hand reiben, sonst vergißt man den Traum. In den Ostkarpaten schmiert man mit dem auf den Weihnachtstisch gelegten Knoblauch, den Klöppel der Kirchenglocke ein und läutet an drei aufeinander folgenden Tagen, dann findet man den Dieb. Knoblauch den eigenen Pferden aufs Gebiss gebunden (oder eingegeben), schwächt die nachkommenden Pferde, so dass sie ermüden, wenn sie auch noch so stark sind, das gleiche glaubt man von der Eberwurz. Wer mit Knoblauch füttert, nimmt den Tieren des Nachbarn das Gedeihen.

 

Diese Textpassage spiegelt sich in den Büchern des Literaturverzeichnisses wider.