Allgemein bekannter und überall auf Wiesen usw. häufiger Korbblütler mit röhrigem Schaft und stark gezähnten, zu einer Rosette angeordneten Blättern. Die gelben Blütenköpfe verwandeln sich nach dem Verblühen in federige Kugeln (Teufelslichter der Kinder), die Fruchtstände. Der Löwenzahn hat im Volksmund etwa 500 verschiedene Bezeichnungen. Einige davon sind Milchstöck, Kettenblume, Ringelblume, Lichtbloom, Hundeblume, Teufelsblume, Pfaffenplatte und, seiner harntreibenden Wirkung wegen, auch Pissblume. Heutzutage nennt man ihn auch Pusteblume, Butterblume sowie Kuhblume. Den Namen Löwenzahn erhielt die Pflanze ihrer gezähnten Blätter wegen. Der Gattungsname Taraxacum stammt aus dem arabischen; die Pflanze soll von den damaligen Ärzten Tarakshagan genannt worden sein. Der Artname officinale weist auf die Verwendung als Arzneipflanze hin. Im Kinderspiel dient das Wegblasen der gefiederten Früchte vom Fruchtboden zu allen möglichen Orakeln. Die nach dem Anpusten stehengebliebenen Früchte (oder so oft man blasen muss, um alle Früchte zu entfernen) geben an, wie viel Uhr es ist, wie viele Jahre man noch leben wird, wie viel Jahre man noch zur Hochzeit hat. Wenn man die Früchte auf einmal wegblasen kann, bekommt man ein neues Kleid, gibt es zu Hause eine gute Suppe. So viele Früchte an den Kleidern des Angeblasenen hängen bleiben, so viele Sünden hat er. Ist nach dem Wegblasen der Fruchtboden weiß, so kommt der Bläser in den Himmel, ist er schwärzlich, in das Fegfeuer. Ähnlich wie bei der Wucherblume im Liebesorakel die Strahlblüten ausgezupft werden mit den Worten: »Er liebt mich, er liebt mich nicht« usw., werden beim Fruchtstand des Löwenzahns die Früchte weggeblasen. Nach dem Glauben der Kinder darf man die Lichter des Löwenzahns nicht ausblasen oder ihn mit nach Hause nehmen, sonst uriniert man ins Bett.

 

In früheren Zeiten wendete man die Pflanze gegen das Bettnässen an (wohl wegen der gelben Blütenfarbe; Similia similibus!) genannt, weil sie vor die Knäblein tauget, die unter dem Schlaffen ins Bett laufen lassen, wenn man ihnen des morgens und abends dieser Wurtzel Decoct gibt. Der wirkliche Grund für die Benennung Betturinierer und den sich daran knüpfenden Aberglauben dürfte die harntreibende Wirkung der Pflanze sein. In der Sympathiemedizin werden sieben oder neun Wurzeln, die an Bartholomaei vor Sonnenaufgang gegraben sind, in einem Säckchen als Amulett gegen Augenbeschwerden (daher auch Augenblume) umgehängt. Bei Zahnweh soll man Löwenzahnblätter solange anhängen, bis sie trocken sind. Wem die Fruchthaare in die Augen kommen, der erblindet), vgl. Bovist. Wenn man den Löwenzahn (Schwärenblume) angreift, so bekommt man Schwären. Man glaubt wohl, dass der etwas ätzende Milchsaft der Pflanze die Haut angreift. Mit dem Milchsaft kann man Warzen vertreiben, wenn man ihn am dritten Tag im abnehmenden Mond anwendet. Um die Milchsekretion zu fördern, trinken die Wöchnerinnen in Schwaben Absud vom Löwenzahn, wohl deswegen, weil die Pflanze einen Milchsaft besitzt. Wer die drei ersten Löwenzahnknospen verschluckt, bleibt das ganze Jahr gesund. Wegen des reichlichen Milchsaftes gilt der Löwenzahn als wirksames Mittel bei den Kühen, denen die Hexen die Milch geraubt haben. Man mischt das Kraut mit Kleie und Salz und gibt es ihnen zu fressen. In Dänemark glaubt man, dass böse Menschen mit Hilfe des Löwenzahns die Kühe anderer melken können. So lang die Stängel des Löwenzahns im Frühjahr sind, so lang wird in diesem Jahr der Lein. Im Frühjahr soll das Feld aussehen wie ein Postkittel (d.h. gelb vom blühenden Löwenzahn, dann gibt es ein fruchtbares Jahr. Nach einer Legende fiel ein Tropfen des Menstruationsblutes der hl. Maria, wie sie ihrer Base Elisabeth die freudenreiche Empfängnis mitteilte, als Zeichen der unbefleckten Empfängnis auf den Löwenzahn Seit dieser Zeit hat die Pflanze neben ihren grünen Blättern immer auch ein blutrotes. Ähnliche Legenden gehen auch vom Knöterich und der (Ähren-) Teufelskralle.

 

Auszug aus: Die Hexenküche- Das Kräutereckchen, Heilkräuter und -pflanzen im Volksglauben