Am Harz sind schon in uralter Zeit verschiedenste Völker vorbeigezogen und haben zeitweise ihre Wohnsitze an seinen Randlagen aufgeschlagen. Von ihrem Dasein und Verweilen sind keine Denkmäler und schriftliche Überlieferungen als wissenschaftlicher Beweis aufzuzeigen. Nur Grabstellen, Artefakte in Form von Werkzeugen, Waffen, und Gebrauchsgegenständen zeugen von ihrer Existenz und das rund um den Harz. Zu den verschiedensten Zeiten sind die großen Kämpfe, die auf lange Zeit die Geschichte Deutschlands geprägt haben, am Rande des Harzes oder in seinen Vorlanden geschlagen und entschieden worden. Schon das bloße Vorhandensein dieses Gebirges und seine exponierte Lage, die gleichsam einer Bastion aus dem großen diagonalen Gebirgszug vom Teutoburger Wald bis zum Böhmerwald weit nach Osten hin verlaufen lässt, sind häufig für die Geschichte unseres Volkes von entscheidender Bedeutung gewesen. Als im 1. Jahrtausend v. Chr. die germanischen Völker, die ursprünglich nur in Skandinavien, Dänemark sowie im nördlichen Deutschland, in Pommern, Mecklenburg und Schleswig-Holstein saßen, gegen die südlich wohnenden Kelten vorstießen und diese langsam aber stetig zurückdrängten, leisteten die Kelten am nördlichen Unterharz in der Gegend von Blankenburg und Thale nochmals kräftigen Widerstand. Erst als dieser endgültig gebrochen war, drangen die germanischen Völker unaufhaltsam weiter vor und machten erst an Rhein und Donau halt. Als Ursache für ihren Halt an diesen beiden großen Flüssen kann angenommen werden, dass sie dort mit der überlegenen Macht der Römer zusammentrafen.

 

Auch nehmen frühere Altertumsforscher an, dass sich von den ältesten germanischen Völkern zu dieser Zeit drei ihren Wohnsitz am Harz einrichteten: Die Brukterer, von denen Onomastiker mitunter den Namen des Brockens, mons Bructerus, hergeleitet haben. Die Cherusker, deren Namen zahlreiche Etymologen in dem Wort "Härzer" wieder finden wollen. Nach Cäsar (Caesar de Bello Gall.VI., 10.) saßen die Cherusker auf der Westseite des Harzes, der sie von den suevischen Chatten trennte; die Chatten, an welche noch manche Stätte im Harz erinnern soll, z.B. ist der Sage nach Cattenstedt (bei Blankenburg / Harz) nach einer Schlacht benannt, welche dort von ihnen geschlagen worden war. Auch die Katlenburg zwischen Northeim, Herzberg und Osterode und der Kattenberg bei Goslar sollen ihren Namen den Chatten verdanken. Nach neueren Erkenntnissen ist außerdem davon auszugehen, dass auch die Hermunduren am östlichen Harzrand ansässig waren und die Langobarden ihren Einflussbereich weit ins nördliche Harzvorland ausdehnen konnten. Somit kann festgestellt werden: In keiner anderen Region in Deutschland treffen derart viele germanische Stämme gebiets - und einflussmäßig aufeinander wie in der Harzregion.

 

Die Vertreibung der Kelten aus dem Harz und die Ansiedlung der germanischen Völker zogen sich über viele vorchristliche Jahrhunderte hin, von denen uns kaum Zeugnisse überliefert wurden. Nur ständige Funde von Archäologen in neuester Zeit, insbesondere auch bei dem Bau der neuen B 6n, bringen etwas Licht ins Dunkel dieser Epoche.

 

Der Ort und die Befestigungsanlage Isingerode bei Schladen wurden schon in der jüngeren Bronzezeit erwähnt. Grabungen aus dem Jahr 2006 haben zweifelsfrei folgendes bewiesen: Die Befestigungsanlage wurde etwa 700 v. Chr. durch einen oder mehrere Brände vollständig zerstört und dann auch aufgegeben. Aber etwa 700 Jahre später, also um die Zeitenwende, erneut befestigt. Wichtige historische Fragen nach funktionaler Nutzung und Befestigungsweise sowie Bebauung konnten noch nicht geklärt werden. Vergleichsobjekte gleicher Art können auch nicht herangezogen werden, da solche Befestigungen in der Germania libra nahezu unbekannt sind. Die gefundenen Tonscherben lassen eine genaue Datierung zu, etwa 30-20 v. Chr. bis 50-60 n. Chr. Und sie lassen auch eine genaue Zuordnung zu einem Kulturgebiet zu, dem der Hermunduren, deren Stamm zu den Elbgermanen zählt. Somit tangieren sich im nördlichen Vorharz die Cherusker im Westen, die Langobarden im Norden und die Hermunduren im Osten. Vielleicht waren Grenzstreitigkeiten der germanischen Fürsten der Grund für den Wideraufbau der Befestigungsanlage.

 

Auszug aus: „Die Harz-Geschichte", Band 1, B.Sternal, L. Berg, S. 77f.