Der Harz ist das nördlichste Mittelgebirge Deutschlands. In heidnischer Zeit war er weitestgehend unbewohnt; denn er galt als gerade zu heilig sowie undurchdringlich und unheimlich: Tiefe, schroffe Schluchten. Mystische, dunkle Höhlen. Bizarre Felsen. Märchenhafte, ewige Wälder mit sanften, klaren Bächen. Schauderhafte, nebelige Moore. Kahle, sturm-umpeitschte Berggipfel, auf denen einige wenige Heiligtümer wie z.B. die des Gottes Krodo oder des Gottes Stuffo standen...

 

Aus diesem ewigen Märchen- und Sagenreich erhebt sich in der Mitte ein gewaltiger Berg, der wie ein König über all die umliegenden Wälder thront: der Brocken. Der Brocken ist fast 1150 Meter hoch und somit der höchste Gipfel Norddeutschlands, von dem aus man hunderte von Meilen in das umliegende Land blicken kann. Der oft in mystischen Nebel gehüllte Gipfel beherbergt eine seltene Natur-Welt, die man sonst nur in Nord-Skandinavien vorfindet...

 

Für die Menschen war der Brocken schon immer ein heiliger Berg; und nicht nur, weil der langwierige Aufstieg durch undurchdringliche Moore, finstere Wälder und scharfe Felsen so schwierig war. Die ältesten Sonnen-Observatorien - plump gesagt so etwas Ähnliches wie Stone Henge aus Holz - der Welt (!) finden sich im Harz-Umland. Bei den astronomischen Messungen, die unsere Ahnen bereits in der Steinzeit vornahmen, spielte der Brocken eine wichtige Rolle: Vom Observatorium bei Gehrden (Hannover) aus betrachtet geht die Sonne zur Wintersonnenwende genau zwischen dem markanten Brocken und dem nebenliegenden Wurmberg auf. Und vom Mittelberg, südöstlich des Harzes, aus betrachtet geht die Sonne zur Wintersonnenwende genau über dem Brocken unter! Hier wurde auch die berühmte "Himmelsscheibe von Nebra" gefunden, für deren Verwendung der Brocken elementar war!

 

Im Frühmittelalter dann befand sich auf dem Brocken ein Heiligtum des Woden (Odin). Alljährlich kamen allerlei Zauberkundige, Priester und Hellseher hier auf dem heiligen Gipfel zusammen, um gemeinsam ihre besonderen Riten unter Wodens direkter Obhut abzuhalten. Als die christlichen Franken unter Karl dem Großen in den Harz kamen, zerstörten sie diese uralte, heilige Stätte. Doch obwohl die Tiefen des Harzes danach noch lange gefürchtet blieben, kamen dennoch alljährlich - wenn auch heimlich - die Zauberkundigen aus dem ganzen Lande dort auf dem Berg, den man auch "Blocksberg" nannte, zur Walpurgisnacht zusammen, um die alte heidnische Tradition weiter zu leben.

 

Auch gilt der Brocken als Sammelplatz für allerhand Geisterwesen. Nicht zuletzt wohl deshalb; weil er dauernd von dichtem Nebel umhüllt ist, der die Moore und Wälder dort oben noch unheimlicher macht. So soll heute noch ein geisterhafter Riese dort sein Unwesen treiben; das sog. "Brockengespenst", von dem schon Goethe erzählte, und das heutzutage durch eine Schatten-Spiegelung im Nebel erklärt wird...

 

Der Mystik des Brockens selbst tut das aber keinen Abbruch. Seit vielen Jahrtausenden gilt der Brocken, wie er markant und unübersehbar aus den Wäldern empor ragt, als heilige Stätte der umliegenden Völker. Und seine Sagenhaftigkeit hat er bis heute nicht verloren...

 

Diese Textpassage spiegelt sich in den Büchern des Literaturverzeichnisses wider.