Bodenfunde der älteren römischen Zeit
Bodenfunde der älteren römischen Zeit

Melibocus mons -Ptolomaios und die Geographie von Germanien

 

Eine der wichtigsten Werke der antiken Literatur, die uns ein Bild vom alten Germanien vermitteln, sind die Germania des Tacitus (um 55 - 120 n. Chr.) und die „Geogaphike Hyphegesis“ des Klaudios Ptolomaios (um 100 – 170 n. Chr.), im Folgenden kurz „Geographie“ genannt.

Während sich der römische Historiker Tacitus auf die ethnographische Beschreibung der Germanenstämme konzentriert, steht im Mittelpunkt der Darstellung des griechischen Gelehrten Ptolomaios die Kartographie. Er verfasste seine „Geographie“ in der Mitte des 2. Jahrhunderts in Alexandria. Ptolomaios beschreibt in seinem geographischen Werk zunächst die theoretischen Grundlagen für eine maßstabsgetreue kartographische Darstellung der Oikumene.

 

Im Hauptteil der „Geographie“ gibt er die geographischen Koordinaten von mehr als 6300 Orten und topographischen Punkten, wie Flussmündungen, Vorgebirge oder Berge an.

 

Die kartographische Darstellung der gesamten Oikumene teilt Ptolomaios in eine Überblickskarte und 26 Einzelkarten auf: zehn für Europa, vier für Afrika und zwölf für Asien. Im zweiten Buch der „Geographie“ findet sich Ptolomaios Darstellung Germaniens, das heißt das nicht zum Römischen Reich gehörende Siedlungsgebiet germanischer Stämme. Er nennt dieses Gebiet Germania Megale - Großgermanien in der lateinischen Form „Germania Magna“ wiedergegeben.

 

Für uns besonders interessant ist die Erwähnung eines Gebirgszuges mit Umland übergreifender Zusammenfassung unter der Betitelung des Melibocus mons.

Melibocus mons – griechisch Melibokos oros:

Der Melibocus mons, der nach Ptolomaios eine Ausdehnung von 4° in der Länge hat, umfasst wahrscheinlich nicht nur, wie häufig angenommen, den Harz, der nur eine Ausdehnung von 1° hat, sondern zieht sich vielmehr vom Brocken bis zum Mittelsächsischen Hügelland hin.

Der Name Melibocus wird mit dem gotischen -mili („Honig“) und dem mittelhochdeutschen -buoch („Buche“) in Zusammenhang gebracht und als „Honig(buch)wald“ gedeutet.

 

Auszüge aus: Germania und die Insel Thule, Atlas der Oikumene, WBG 2010