Die Bronzezeit im Harz

 

Allgemein gliedert man die Bronzezeit in Deutschland in drei Abschnitte: Frühe Bronzezeit 2.200 bis 1.700 vor Christus, Ältere und mittlere Bronzezeit 1.700 bis 1.200 vor Christus, Jüngere Bronzezeit 1.200 bis 800 vor Christus. Daten zur Geschichte der Harzregion: seit 1.000 vor Christus erste Hinweise auf die Nutzung von Rammelsberger Kupfer (Funde von Müllingen).


Zu Beginn der Bronzezeit blieb die Temperaturhöhe wie in der jüngeren Steinzeit. Gegen Ende der Bronzezeit wurde es kälter und erheblich feuchter. Dies sind die maßgeblichen Ursachen für die Entwicklung des Waldes im Harz und seiner Ausbreitung. Dabei nimmt die Buche mit ihren Begleitpflanzen eine dominierende Rolle ein. In der Bronzezeit entwickelte sich maßgeblich die germanische Kulturstufe. Ackerbau und Viehzucht bilden weiter die Grundlagen der Kultur. Zu den bekannten Getreidearten kommt der Hafer hinzu. Die Techniken der Flachs- und Wollgewinnung und -verarbeitung werden entwickelt.


Der wesentliche Kulturfortschritt ist die Gewinnung und Verarbeitung der Metalle Kupfer, Zinn, Gold und Silber. Daraus entsteht die nordisch/germanische Formgebung als Beginn künstlerischen Schaffens. Dies kann auch als Ursache für das Aufblühen des Handels angesehen werden. Es entsteht der Kult der Sonnenverehrung im Harz, was zur Schaffung von Weiheplätzen führt. Auch kann angenommen werden, dass in jener Zeit des Übergangs von der Jungsteinzeit in die Bronzezeit der Kult der Naturgötter aufkam. Schritt für Schritt kamen aus dem Norden neue Völker und mit ihnen Odin, Thor, Tyr, Frigga und die anderen germanisch-nordischen Gottheiten in das Leben der Menschen und nahmen Anteil an ihm.


Am Ende der steinzeitlichen Völkerwanderungen der Indogermanen begannen auch im Harzvorland neue kulturhistorische Entwicklungen. Die Stammesreste der verschiedensten Kulturgruppen begannen zu einheitlichen Völkern zu verschmelzen. Aus kleinen Bevölkerungsinseln erwuchsen Kulturgruppen mit gleichförmigem Kulturgut. Der Übergang von der Steinzeit zur Metallzeit vollzog sich allmählich, beginnend um 2.200 vor Christus bis zur Zeitenwende. Dieser für uns „Sterbliche" große Zeitraum, der aber für die Entwicklungsgeschichte des Harzes und seiner Bewohner nur einen Wimpernschlag bedeutete, stellte gleichzeitig einen der größten bis dato stattgefundenen Kultursprünge dar. Endgültig wurde der Mensch vom Jäger und Sammler zum Ackerbauer, Viehzüchter und Handwerker.


Durch modernste Metallanalyseverfahren ist wissenschaftlich erwiesen, dass die in Mitteldeutschland gefundenen Metallartefakte, nicht wie früher angenommen aus dem Morgenland, sondern größtenteils von mitteldeutschen und Harzer Kupfererzen stammen. Durch wissenschaftliche Untersuchungen der Gräberinhalte der Jungsteinzeitleute ist auch festgestellt worden, das die Schnurkeramiker (Kulturgruppe des nördlichen Mitteleuropa, die ihre Toten in Rundhügelgräbern bestatteten und mit Abdrücken geflochtener Schnüre verzierte Tongefäße als Grabbeigabe benutzten) die Entdecker des Kupfererzes und der Erzlagerstätten waren. Wahrscheinlich waren es auch sie, die das Einschmelzen und Verarbeiten der Erze in unserer Region erfunden oder eingeführt hatten. Es ist daher auch mit Sicherheit anzunehmen, dass schon zu dieser Zeit zumindest die am südlichen Harzrand liegenden Kupferlagerstätten von Eisleben bis Bad Lauterberg sowie von Hohegeiß und Thale bekannt waren und auch genutzt wurden.


Die Schnurkeramiker, auch Streitaxtleute genannt, waren ein kriegerisches Nomadenvolk aus dem Schwarzmeerraum, das über die Zwischenstation Thüringen in den norddeutschen Raum einfiel. Ein neues Volk hatte also die Vorzeitbühne betreten, ein Volk mit neuen Riten, neuen Waffen, neuen Techniken, ein Kriegsvolk mit ganz andersartigen religiösen und sprachlichen Wurzeln. In dieser Zeit bildete sich durch Vermischung der verbliebenen endsteinzeitlichen Bevölkerung am Harz, mit wehrhaften bäuerlichen Hochkulturen aus nördlichen Gefilden eine neue Kulturgruppe - die Aunjetitzer (benannt nach dem ersten Fundort Unêtice in Böhmen). Kenntnis aus dieser Zeit (2.000 bis 1.700 vor Christus) haben wir von zahlreichen Grabstätten. Beigesetzt wurden die Toten dieser Kulturgruppe in Hockergräbern und Steinpackungsgräbern. Den geltenden Ritualen entsprechend, wurden die Verstorbenen mit gefesselten Gliedmaßen beigesetzt. Wohl aus Furcht vor der Wiederkehr der Toten? Die körperlichen Überreste dieser frühbronzezeitlichen Menschen zeigen in ihren Rassemerkmalen den Typus nordischer Rassen.


In dichter Besiedlung wie zuvor die Bandkeramiker (so genannt nach den eingeritzten Verzierungen ihrer auf den ersten Blick erkennbaren Keramik), bevölkerten die Aunjetitzer als Ackerbauern und Viehzüchter die Harzregion. Eine wichtige Erscheinung innerhalb der mitteldeutschen Aunjetitzer Kultur stellen die Fürsten- und Häuptlingsgräber dar, wie sie vor allem in Helmsdorf bei Hettstedt und Nienstedt bei Sangerhausen ausgegraben worden sind. Als weiteren wichtigen Grabfund im nördlichen Harzvorland kennen wir das Familiengrab von Werla-Burgdorf-Liet, im Landkreis Wolfenbüttel, das sieben Tote in Hockerstellung enthielt.

 

Auszug aus Harz Geschichte Band 1, S. 66Ff, B. Sternal, 2011