Der Harz ist das bedeutendste Kultgebirge in Deutschland; wahrscheinlich auch darüber hinaus. Der Grund dafür ist einmal in der Lage zu suchen. Als höchstes Gebirge in Norddeutschland erhebt er sich auf eine Höhe über 100 Meter und besitzt auf dem Brocken arktische Vegetation. In der vorletzten Eiszeit schoben sich die Gletscher aus dem Norden um den Harz herum. Er selbst hatte einen eigenen Brockengletscher, als dessen nachlass das Hochmoor am Bruchberg anzusehen ist.


Um den Harz zogen seit der Jungsteinzeit viele Völker, die Spuren ihrer Gottesverehrung hinterlassen haben. In höhlen finden sich geräte und Steinwerkzeuge der steinzeitlichen Jäger und Opferreste von Tier- und Menschenopfern der kulter der „Großen Mutter“. Flüsse, Bäche und quellen zeugen von bislang unbekannten Namen dieser Göttin, die seit der Altsteinzeit über geburt und Tod der Menschen wachte.


In unserer heutigen lebnsfremden Welt haben wir kein Verständnis für den Tod von Tieren, die zu unserer Nahrung geschlachtet werden. Jäger werden als avatistische Mörder angesehen, obwohl die Menschen seit ihrer Entstehung jagen mussten. Das Opfer für unseren Gott besteht aus lächerlichen Spenden und der Zwangskirchensteuer. Wir können uns die Existensnöte früher Menschengruppen in einer feindlichen Natur nicht mehr versetzen. Dass Mädechen und schwangere Frauen als höchstes Gut einer Gemeinschaft der Erd- und Himmelgöttin geopfert wurden, sie sogar verspeist wurden, erscheint uns heute als Perversität, die verschwiegen werden muss. Dabei gab es Bauopfer noch in jüngster Zeit, z. B. Bei der Plesseburg oder einem Stadttor von Höxter. Das christliche Abendmahl nimmt direkt einen Bezug zu einem blutigen Opfer.


Wir stoßen bei den Kultspuren im Harz daher auf Opferhöhlen, Felsabstürze und Steinschalen, bei denen Menschen für das Wohl der Gemeinschaft blutig ihr Leben ließen. Es gab aber auch weniger blutige Kulte, die aber ebenfalls uns verbildetemenschen befremden. Das sind die orgiastischen Fruchtbarkeitsfeiern zu den Jahresfesten der jungsteinzeitlichen Bauern. Zu den Sonnenwenden, den Frühlings- und Herbstfesten, z. B. Den keltischen Beltaine- und Samhainfeiern wurde mit allgemeiner und schamloser Sexualität den Kräften der Erneuerung gedacht. Die „Heilige Ehe“, „Heros gamos“ wurde zwischen einer Priesterin und dem Stammesführer als Vertreter der Erdmutter und des Himmelsgottes vor allem Volk gefeiert. Die Kinder aus diesen Tagen der Sexualität waren Gotteskinder und wurden wie die Tierkinder zur gleichen Zeit geboren. Die Bauern der Megalithzeit bauten nicht nur große Steingräber für ihre Toten, Steinkreise zu heiligen Beratungen, sondern besonders Visuren, mit denen sie das Jahr nach dem Sonnenlauf einteilen konnten.


Von Kultstätten außerhalb des Harzes wurden die Sonnenuntergänge oder auch Monduntergänge über dem Brocken oder Wurmberg anvisiert. Die Umbebung wurde durch Visuren geheiligt. Nach der Herrschaft der „Großen Mutter“ werden männliche Götter bedeutsamer, zunächst als Partner der Muttergottheit, dann überhehmen sie in späterer Zeit als Kriegsgötter die Vorherschaft z. B. Die auf einem Rollsiegel abgebildete kanaanistische Muttergöttin und Baal, der Keltengott Sucellus und Nantosuelta oder in Irland der Gott Nechtan und Boann. Die beiden letzten Namen spielen eine große Rolle bei den Harzkulten.


Götternamen wie „Ram“ erscheinen im Harz, wobei dieser vorindogermanische Gott von Indien „Rama“, über Ägypten „Ramses“, über Frankreich „Rambouillet“, über England „Ramsgate“ und „Ramsey“, besonders in Deutschland mit 64 Ortsnamen ohne die vilen Flurnamen vorkommt. Der Gott „Baal“ oder „Bei“ erscheint nicht nur in der Bibel, sondern auch bei uns als“Balhorn“ oder „Beltaine“.


Zu den ältesten Bauernkulturen gehören die Bandkeramiker, Schnurkeramiker, Glockenbecherleute, Megalithiker, die vorindogermanisch anzusehen sind. Einige werden als venetisch-illyrisch bezeichnet.

Im Harz gab es u.a. die bronzezeitliche Unstrutgruppe, Die Kelten, Thüringer, Germanen, Awaren, Slawen, Franken, Russen und zuvor auch die Römer. Von all diesen Völkern und deren Kulten kann man Spuren im Harz erwarten.


Kultnamen im Harz und in der Umgebung


Gestirnskulte: Bodensteiner Klippen, Großer und kleiner Bakenberg (Hahausen), Radberg, Wurmberg, Hexentreppe, Schalksburg (Quenstedt), Bakenberge, Drakenberg (Westharz)


Göttinnenkultplätze: Bodebäche am Brocken, Bodensteiner Klippe, Nette (Fluss und Ort), Osterstein (Seesen)


Berge, Höhlen, Quellen, Bäche: Jettenhöhle, Osterode, Nathe (Duderstadt), Jethelle (Nesselröden), Rhumequelle, Nüxei, Netzberg, Netzkater (Rothesütte), Hexenaltar (Brocken), Ilsequelle, Ilsestein, Ilsenburg, Kuhberg (Kyffhäuser und bei Nebra), Mägdesprung (Harzgerode)


Männliche Götterverehrungsplätze: Rikkesberg (Osterode), Hattdorf, Hxberg (Herzberg), Rammelsberg (Goslar), Ramsenhöhle (Braunlage), Ramsenberg (Wippra), Rammelburg (Mansfeld), Ramberg (Friedrichsbrunn), Krodotal (Bad Harzburg)


Allgemeine Kultstätten: Bockenem, Heiligenberg, Bockswiese (Clausthal-Zellerfeld), Lonau (Herzberg), Altarklippen (Langelsheim), Teufelsberg (Liebenburg), Radberg (Lutter am Barenberge). 3 Teufelsberge, Spielmannshöhle (Westharz), Teufelskirche (Lamspringe)


Auzug aus: Prähistorische Kultstätten des Harzes und seiner Umgebung, Prof. Dipl. N.Rikus, 1997