UNBEKANNTE NAMEN DER GROSEN GÖTTIN

 

Beim Damenstift Neuenheerse im Eggegebirge stieß ich auf Besonderheiten, die mich veranlassten, nach den Gründen zu forschen. In der Untersuchung „Auf den Spuren der Nethegöttin" habe ich im Einzelnen darüber berichtet. Im Jahre 868 wurde hier ein „Hochadeliges kaiserliches freiweltliches Damenstift" an der Quelle der Nethe errichtet. Es handelte sich, offenbar um ein Quellheiligtum. Bestätigt wurde meine Vermutung von einer vorchristlichen Kultstätte durch den heidnischen Brauch der Amtsübernahme der neuen Äbtissin. Sie musste auf einem Schimmel an einen Stein herangeführt werden. Nachdem sie sich darauf gesetzt hatte, „besaß" sie die „Besitzungen". Dieses Ritual bezieht sich auf die „Erdmutter".

 

1947 wurde bei Erdarbeiten nahe des „Eggedomes" ein hohler Baumstamm gefunden, der mit großen Tongefäßen gefüllt war, worin sich die Schalen von Tausenden Eiern befanden. Ich habe dies als einen Ritualschacht gedeutet. Einer der unbekannten Namen der Muttergöttin ist „NETHE“. Besonders im Bereich der frühkeltischen Bevölkerung gibt es „NETHEN“ und „NETTEN“. Bei Bockenem, im Rheinland, Nettetal; in Holland, Belgien, Große und kleine Nethe; in England ,Netherby. In Ägypten hieß Gott „NETER“.

 

Da die Vokale nicht geschrieben wurden, kann dies auch „NATUR“ bedeuten. Der höchste Berg der Pyrenäen heißt „Pic de Nethou“. Im Harz heißt die Göttin auch „JETTE“. Bei Osterode gibt es die Jettenhöhle. Hier wurde die Göttin verehrt.

 

Der Kultname des Brockens ist unbekannt; er wurde sicher verfemt. In einer Sage wird von der „Zauberjette" erzählt, die auf dem Brocken wohnte. Ihre Dienerinnen mussten ihr täglich aus den Quellen, den Bodequellen, Wasser holen, damit sie ihre Zauberkraft nicht verlor. Sie war auch eine Wassergöttin. „METTE“ ist ein weiterer Name der Göttin. Danach wurde der Göttertrank „Met“ benannt. In Irland erscheint sie unter dem Namen „MEDB“. Sie ist auch eine Kriegs- und Todesgöttin. Das heilige Tier der Göttin war das Rind.

 

Auf dem Tympanon in Altenhasungen ist dies neben einem Hirsch dargestellt. Auf einem Evangeliar von Echternach wurde ebenfalls das heilige Rind der Göttin abgebildet. „Bo“ heißt keltisch „Kuh“. Die Kuhberge beim Kyffhäuser und anderswo sind Kultberge der Kuhgöttin. In vielen Orten des Nethetales, aber auch im Ostharz und Hessen, heißen die Kühe noch „NETTE“.

 

Wir sprechen noch heute vom „MUTTER-BODEN". „BODE“ war offensichtlich ein weiterer Name der Muttergöttin. Was sollte sonst der Bodenstein bei den „Bodensteiner Klippen" bedeuten? Die Brockenbäche Große Bode, Kleine Bode, Warme Bode, Kalte Bode, Luppbode und Rappbode sind Bäche der Göttin Bode. Der unterdrückte Name des Brockens könnte „Board = BOBBERT“ keltisch gelautet haben, Berg der Göttin „Nette“, „Jette“, „Mette“, deren Tier die Kuh war.

 

Bei der bedeutenden Kultstätte am Harzrand, der „Sofaklippe" von Bockenem, gibt es neben dem Nettebach den Ort Nette. Der Ort Holle trägt den bekannteren Namen der Gottin. Ebenso die Osterklippe ist ein Hinweis auf die Göttin Ostara. Ein weiterer Name ist „ANNA“. In Irland „Bo-Ann“. Bei ihr kann man verfolgen, wie die Göttin entmachtet wurde.

 

Der Gott Dagda nannte sich auch „Nechtan = Nethegott“. Seine Gattin war die Boann, ursprünglich die Herrin über die Quellen. Ihr wurde verboten, sich dem Wasser zu nähern. Als sie es trotzdem tat, wurde sie ertränkt. Nach ihr wurde der Fluss Boyne benannt. Hier zeigt sich das Ende des Matriarchats.

 

Auszug aus: Eine Einführung in die Vielfalt alter Kultstätten im Harzer, Roland Roth, 1999