SOFAKLIPPE BEI BOCKENEM

 

Im Jahre I983 sah ich in einer Freizeitkarte einer Zigarettenfirma auf einem der rückwärtigen Fotos die „Sofaklippe". Sie wurde als Naturerscheinung bezeichnet. Das Wissen um Kultsessel in den Alpen und den Kultbrauch der „Heiligen Ehe" veranlassten mich, die Klippen aufzusuchen und die Abhandlung: „Die Sofaklippe bei Bodenstein im Harzvorland" zu schreiben. Es handelt sich um eine bedeutende Kultstatte, welche besonders zur Feier der „Heiligen Ehe", „Hieros Gamos“, diente. Sie ist im Zusammenhang mit den Brockenbergen zu sehen. Der Wurmberg hat seinen Namen daher, dass von hier aus die Sonne zur Wintersonnenwende unter dem Azimut von 130° um ca.1800 v. Chr. unterging. Weil die Menschen früher befürchteten, in dieser Stellung sei die Sonne besonders gefährdet und könnte u. U. nicht wieder kommen, nannte man diese Berge wegen der Bedrohung Wurmberge oder Drachenberge.

 

Zu dem „Sofa“ gelangt man über uralte Treppen im Fels, an unvermuteten „Wächternischen" vorbei, durch einen halbhohen in den Felsen S-förmig eingeschlagenen Gang. Letzteres weist auf den Sonnenkult hin. Hier befindet, sich die wohl bedeutendste unzerstörte Sammlung von Kultzeichen. Die Vereinigung der Vertreter der Erdmutter mit dem Himmelsgott erfolgte zum 1. Mai, der Zeit des Keltenfestes Beltaine oder der „Walpurgisnacht". Ein eingeritzter Pfeil mit zwei Spitzen weist über das äußerste Sonnenextrem auf das Mondextrem hinaus, ein Beweis für den Mondkult.

 

DER JÄGERHOFFELSEN BEI BOCKENEM

 

Die Sofaklippe muss im Zusammenhang mit dem Jägerhoffelsen gesehen werden. Hier befindet sich eine Kulthöhle wie bei den Externsteinen, die zu einer Kapelle umgestaltet wurde. Außen ist eine bedeutende Darstellung der Hubertusjagd. Adelige Bischöfe jagten in diesem Bannbezirk. Sie hinterließen ihre Inschriften im Felsen. Quer durch den Felsen führt ein Kultgang, der durch eine seitliche Nische bei der Treppe die Wirkung eines „Deus ex machina" ermöglichte. Auf dem Felsen befindet sich heute eine Gaststätte. Von ihm führt ein ca. 1 km langer Weg zur Sofaklippe. Er ist streckenweise in den Felsen unter dem Waldboden vertieft. Nach meiner Meinung diente die Höhle als Wohnung der vorzeitlichen Priester.

 

DIE TEUFELSKIRCHE BEI LAMSPRINGE

 

Bei Lamspringe wurde auf einem Berg eine keltische Anlage ausgegraben. Auch Spuren der ersten christlichen Klosteranlage auf diesem Platz sind zu sehen. Von hier aus waren der Wurmberg und Brocken unter bedeutenden Visuren anzupeilen z. B. zum Samhainfest, dem keltischen Erntefest, unter einem Azimut von 116° bei Sonnenuntergang.

 

DAS WURMBERGHEILIGTUM

 

Während deutsche Archäologen kultische Anlagen nur im Ausland entdecken, bildete der Ausgräber der Kultstätte auf dem Wurmberg, Dr. W. Nowothnig, eine rühmliche Ausnahme. Die Ausgrabungen erfolgten im Jahre 1949. Er fand die exakt von Osten auf das Plateau führende Heidentreppe, verschiedene Terrassen seitlich, zwei Hütten im unteren Bereich. Oben, innerhalb eines Steinkreises ergrub er einen kleinen Tempel. In der Nähe befanden sich ein Grabhügel und eine Opferschale aus Stein. Der Weg führt durch die Anlage weiter zu einem größeren Steinkreis. Die Anlage erweist sich bereits durch den Namen als Sonnenheiligtum. Die Kreise und der Prozessionsweg sind megalithisch, das Tempelchen keltisch. Die Opferschale zeugt von blutigen Kulten. Als Beweis könnte das Opfermesser aus Hornfels dienen, das ich in diesem Jahr dort fand, das bewusst zerschlagen war. Es ist vorbronzezeitlich, nach der Herstellungstechnik viel älter.

 

DIE BROCKENKULTSTÄTTE

 

Der berühmteste und höchste Harzberg ist der Brocken. Der Name Harz kommt aus dem Keltischen; „ard“ bedeutet hoch; „ard“ kommt in vielen Bergnamen vor z. B. Ardennen, Ardey, Harthöhe. Auf dem Brocken wurde die „Große Mutter" unter dem Namen „Jette“ oder „Bode“ verehrt, vgl. die Sage von der „Zauberjette" und die vielen Bodebäche. Der verschollene und unterdrückte Name hätte „Bobbert = Bo-ard = Kuhberg“ gewesen sein können, denn das heilige Tier der Göttin war die Kuh. Bode entspricht dem Göttinnennamen der „Beden“ oder „Beten“. Sie erschienen in dreifacher Form. AMBEDE, BORBEDE und WILBEDE. Sie waren schwarz, rot und weiß. Unsere früheren Nationalfarben und das Wort beten haben hier ihren Ursprung. „Die allgemeine große Nationalversammlung der Hexen" in der Nacht zum ersten Mai, Walpurgisnacht, Beltaine, von der Prätorius Anfang des 17. Jahrhunderts berichtete, war nicht seine Erfindung, sondern ein uralter Brauch des Mutterkultes. Sicher ebenso alt wie die megalitischen Kultstatten d. h. ca. 4000 J. v. Chr. Die Frauenopfer bei den „Mägdesprüngen" und den Erdspalten des Kyffhäusers oder bei Osterode sind die nach unserem Verständnis grausamsten, aber auch ältesten Opferriten. Die tiefe Verwurzelung der Mutterkulte im Volk beweisen die 400 Jahre andauernden Hexenverbrennungen. Heute ist überall eine Zunahme der Stellung der Frauen in Wirtschaft und Politik festzustellen.

 

Es gibt sogar wieder eine „Feministische Theologie". Auf dem Brocken gibt es die „Teufelskanzel" und den „Hexenaltar". Unsere Vorfahren suchten Gott in seinen Werken: Bäumen, Quellen, Bergen, Felsen. Alle Kultstätten haben ein besonderes Fluidum. Es sind „Starke Plätze". Viele Menschen suchen sie auf, weil sie sich dort besonders wohlfühlen. Die Externsteine, die Sofaklippe oder der Wurmberg und der Brocken werden von vielen Menschen besucht. Auf dem Brocken sind es bis zu 40000 Menschen pro Tag.

 

DIE ROSSTRAPPE BEI THALE

 

Die „Rosstrappe" ist eine Opferschale des Göttinnenkultes am Abgrund oberhalb der Bodeklamm. Den Namen hat sie daher, dass in der Steinmulde 3 weitere kleine Löcher sind, sodass der Eindruck eines riesigen Hufabdrucks entstehen konnte. Der Sage nach verfolgte ein lüsterner Ritter Bodo auf seinem Pferd eine Jungfrau über die Felsschlucht. Der Abdruck des Hufes seines Pferdes ist die Rosstrappe. Er stürzte dabei aber in den Bodekessel.

 

Die Wahrheit in dieser unwahrscheinlichen Sage liegt darin, dass die BODE-GÖTTIN oder der BODO Jungfrauenopfer fordert. Bei diesem Kultfelsen stürzten sich Jungfrauen als Opfer für die Göttin in die Tiefe vgl. die vielen „Mägde-Sprünge" oder „Prinzessinnenklippen" andernorts.

 

DIE OPFERSCHALE IN DER BODEKLAMM

 

Bei der Gaststätte „Waldkater" befindet sich eine in den Felsen geschlagene Opferschale für die Bodegöttin. Hiervon kann nun wirklich niemand mehr behaupten, sie wäre durch natürliche Erosion entstanden. Heute sollen noch Menschen zur Wintersonnenwende die Gesichter in der immer vollen Schale waschen, weil dies Glück im kommenden Jahr bringen soll.

 

DER HEXENTANZPLATZ ÜBER DER BODE

 

Gegenüber der Rosstrappe liegt der Hexentanzplatz. Hier trafen sich die Verehrerinnen der Muttergöttin Jette-Bode, um über Frauenangelegenheiten zu referieren, wie Heilen, Drogen, Geburts- und Sexualprobleme. Seit ewigen Zeiten waren Frauen hierfür zuständig. Dies Steinzeitwissen machte die Bedeutung der heiligen Hildegard von Bingen aus, die bei Kaiser und Kirche angesehen war. Der Höhepunkt der Tagung waren orgiastische Tänze, bei denen nackt, durch Alkohol und Drogen berauscht, zur Ehre der Großen Mutter getanzt wurde. Berauschend war das Getränk der Mutter. Es bestand aus Met, Drogen des Fliegenpilzes und des Bilsenkrautes. In vielen Religionen werden Drogen benutzt, um in übermenschliche Bereiche vorzudringen, um das Bewusstsein zu erweitern. Gegenüber dem Tanzplatz von der „Rosstrappe" aus wurden Opfer dargebracht. Jungfrauenopfer, die der Göttin am Genehmsten waren, aber auch schwarze Opfertiere wie Hähne, Böcke, Hunde. Die Bode war vor dem Bau der Talsperren ein gefährlicher Fluss, der das Harzvorland mit den Siedlungen immer bedrohte. Zurzeit steht eine große Flutkatastrophe an der Oder und Neiße bevor. Stündlich können die Deiche brechen und Menschen, Tiere, Haus und Hof vernichten. In derartigen Notlagen ist der Wunsch nach göttlicher Hilfe und die Bereitschaft zu opfern früher wie heute vorhanden.

 

DIE KÄSTEKLIPPEN UND DIE „ALTE VOM BERGE"

 

Steil oberhalb der Oker liegt ein großes Kultzentrum, welches durch eine riesige Naturplastik beherrscht wird. Es ist das Gesicht einer betenden alten Frau, die in das Tal blickt. Dahinter liegt eine steinerne große Fläche mit einem Altarfelsen in der Mitte und einer großen Opferschale mit Blutrinne am Rande. Gewaltige Steinblöcke und die „Mausefalle" sorgen für ein sakrales Panorama.

 

DAS RINGHEILIGTUM VON QUENSTEDT ASCHERSLEBEN

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg gruben Archäologen ein stichband-keramisches Ringheiligtum auf einem Hügel bei Quenstedt aus. Die Bandkeramiker gehören zu den ersten Bauernkulturen, die aus Süd-Osteuropa einwanderten. Man hält sie für venetisch-illyrisch und die Vorläufer der Kelten. Die Anlage aus riesigen Kreisen, die konzentrisch angeordnet waren und aus Baumstämmen bestanden, hatten zwei sich kreuzende Wege in der Mitte, sodass ein Sonnensymbol entstand. In Irland wurde bei dem Zentralheiligtum aller Stämme eine ähnliche Anlage ausgegraben. Dort, in TARA, war ein so großer Holzpfahl in der Mitte, dass er aus großer Entfernung sichtbar war. Das Heiligtum bei Quenstedt war in Sichtweite des Brockens erbaut und himmelsrichtungsmäßig orientiert.

 

DER OPFERSPALT IM KYFFHÄUSER

 

Das berühmte Kyffhäusermassiv am Harzrande besitzt eine Opferspalte, in der Reste von mehreren Tausend Opfertieren und hundert Menschen gefunden wurden. Bei den Menschen handelt es sich hauptsächlich um Frauen, darunter schwangere. Sie wurden rituell verzehrt. Dies größte Opfer einer menschlichen Gemeinschaft ist heute schwer nachzuvollziehen. Mutterkulte waren blutig. „HEL“ war die Göttin der Unterwelt. Die Kelten im Rheinland wollten lieber von römischen Männern, als von eigenen Frauen beherrscht werden. So ist es vielerorts geblieben. In der „Walpurgishalle“ befindet sich ein Kultstein mit einer Opferschale und dem Sonnenzeichen „Hakenkreuz“ und dem Gesetz-Zeichen.

 

DIE OPFERHÖHLE VON OSTERODE

 

In diesem Jahr erforschte ein junger Archäologe eine rußgeschwärzte, z. T. nur 40 cm niedrige, 50 m lange Opferhöhle. Die Skelette von 34 Männern, Frauen und Kindern konnten mit ihrem Schmuck geborgen werden. Sie wurden in der Bronzezeit der Göttin geopfert. Dies ist ca. 2000 v. Chr. gewesen. Der Name Osterode weist auf den anderen Namen der Göttin, „OSTARA“, hin.

 

DIE KLUS VON GOSLAR

 

Bei Goslar gibt es den „Petersbergfelsen". Hier stand eine Kirche, die dem Petrus geweiht war. Er ist der kultische Nachfolger von „WOTAN“, ebenso wie St. Michael und St. Georg. Dieser zerrissene Kultfelsen besitzt eine große Höhle, die der Mutter Gottes geweiht war. Die Statue wurde besonders von Zigeunern verehrt. Die Gottesmutter ist die letzte in der langen Reihe der Vertreterinnen des weiblichen Prinzips. In vielen Bereichen hat sie die Nachfolge der Göttinnen angetreten. Die Klus beweist, dass nur durch einen christlichen „Wachposten" die heidnischen Kulte unterbunden werden konnten.

 

DER HURKUTSTEIN BEI REINHAUSEN

 

Hier handelt es sich um einen riesigen, gespaltenen Felsen mit einer künstlichen kleinen Höhle in der Mitte. Auf dem Felsen sind Reste von Treppen und ein Steinkreis zu sehen. Vor dem Felsen befindet sich ein kleiner Teich. Huren waren wie die Hexen weise Frauen. Ich halte die Anlage für eine Orakelkultstatte wie Delphi. In der Spalthöhle konnten betäubende Kräuter verbrannt werden, die oben in einem Zelt aufgefangen wurden und die Priesterin betäubten. Auch hier sorgte eine Klus des Klosters Reinhausen für den Abbruch der uralten Praktiken.

 

DIE STEINKIRCHE BEI SCHARZFELD

 

In der kahlen Felsregion am Harzrand bei Scharzfeld befindet sich die großräumige Höhle der „Steinkirche". Sie wurde zeitweilig christlich genutzt. Zuvor war sie sicher heidnische Kulthöhle und nachweislich Lagerplatz von Jägern der „Hamburger Kultur" während der letzten Eiszeit d. h. vor ca. 15000 Jahren.

 

DIE RHUMEQUELLE BEI PÖLDE

 

Die Rhumequelle ist eine der größten Quelltöpfe Deutschlands. Ein ganzer Fluss strömt mit 5000 l/sec aus den Quellen, von denen eine 10 m tief ist und einen so starken Druck aufweist, dass der Wasserspiegel angehoben wird. Diese Quelle wurde verehrt. Eine Nixe Roma soll darin gelebt haben. Taucher fanden eine eiserne Christusfigur darin. Im Zusammenhang mit der Steinkirche trug die Quelle zur Bedeutung von Pölde bei, wo auf dem „Vogelherd" Heinrich I. ersucht wurde, König zu werden.

 

DER „DRECKSTEINBORN" VON VAAKE

 

Der verunglimpfende Name veranlasste mich, die Anlage aufzusuchen. Ich fand eine schön eingefasste Heilquelle unter einem Abri mit Vulvendarstellungen, einen großen, schiefen Felsen mit einer „Fruchtbarkeitsrutsche" und Stufen, Vulven, einem Kreuz zur Entsühnung und Binderunen, die angaben, dass es sich um eine Mutterkultstätte handelte. = Lagu, Gesetz = Zeichen der Mütter, Malkreuz Oberhalb der schrägen Steinplatte, von der unfruchtbare Frauen hofften, Kinder empfangen zu können, ist ein Podium mit drei Stufen und einer Steinbank, worauf Verwandte Platz nehmen konnten. Noch heute schöpfen Frauen das Wasser der Quelle. Es fault nicht, ist wohl schwach sauer.

 

DER „HEISSE STEIN VON MOLMERSWENDE"

 

Mitten in der Feldmark von Molmerswende, bei Harzgerode, steht eine ca. 1 m hohe, abgerundete, oben glatte Steinsäule, die „Heißer Stein" heißt. Bekanntlich sind dies Kultsteine, die den gleichen Zweck erfüllen sollten, wie die Rutschen. Durch den Gebrauch über Jahrtausende sind sie poliert. Wie bei der Einsetzung der Äbtissin an der Nethequelle von Neuenheerse wurde mittels des Steinkontaktes die Kraft der „Großen Mutter" erfleht.

 

DER REGENSTEIN BEI BLANKENBURg

 

Der hochaufragende Sandsteinfelsen trägt die Zeugnisse menschlicher Spuren aus 6000 Jahren. Ich fand Vulven und eine Rutsche. Hier sind Kavernen und gewaltige Gräben der mittelalterlichen Burg zu finden. Tief unter dem Fels lagerten in sicheren Bunkern russische Atomraketen.

 

Auszug aus: Eine Einführung in die Vielfalt alter Kultstätten im Harzer, Roland Roth, 1999