Eine Einführung in die Vielfalt alter Kultstätten im Harzer

 

Das Bergland

 

Im Bericht der archäologischen und präastronautischen Feldforschung wird oftmals von „ausländischen“ Plätzen berichtet, wobei viele Leser den Eindruck bekommen können, dass im deutschsprachigen Raum kaum „alte Steine“ und Ruinen existieren.

 

Beschränken wir uns lediglich auf die Bundesrepublik, so ist dies hier schonweit gefehlt. In ganz Deutschland findet man mitunter überaus interessante Objekte, die es jedem Interessenten ermöglichen, diese ohne großen Kosten-bzw. Zeitaufwand zu besuchen. Die folgende Zusammenstellung ist auf das Harzer Bergland begrenzt, da dieser Artikel sonst den Rahmen dieser Ausgabesprengen würde.

 

Im Harz, dessen Umgebung und Randlandschaften gibt es unzählige Felsen und Steinformationen, die seit Jahrhunderten oder gar seit Jahrtausenden von Menschen als Kult- bzw. Opferstätten benutzt wurden.

 

Allein im Harz konnte ich mindestens 28 (!)interessante Orte ausmachen, wobei einige auf jeden Fall eine kleine Exkursion wert sind. Im Folgenden stelleich einige interessante Plätze vor. Fangen wir mit Braunlage an:

 

Auf dem Plateau des Wurmbergs entdeckte der hannoversche Archäologe Walter Nowothnig (1907-1971) Fundamente von mindestens zwei tempelartigen Bauwerken. Heute noch stehen die Überreste eines leicht ovalen Steinwalls von 24 bis 26 Meter Durchmesser. Der Archäologe entdeckte weiterhin, dass in den Felsen eingebaute riesige Steinterrassen das Bergplateau unterhalb der Kultstätte wie ein Ring umschließen.

 

Das Alter der Wurmberganlage ist ungewiss; man nimmt heute an, dass die Anlage in die Zeit von Christi Geburt zurückgeht. In der alten Kaiserstadt Goslar liegt der Petersberg mit dem Klusfelsen. Der Klusfelsen besteht aus Hills-Sandstein, welcher vor ca. 120 Mio. Jahren im Unterkreidemeer abgelagert wurde. In dieser weichen, leicht zu bearbeitenden Steinformation ist u.a. die sogenannte Kluskapelle eingehauen worden. Ihr Ursprung geht bis in das Jahr 1167 zurück und wurde im neunzehnten Jahrhundert als Kapelle hergerichtet. Unweit des Klusfelsen befindet sich die Ruine der Stiftskirche St. Petri, deren Existenz in das Jahr 1050 zurückgeht. 1527 wurde die Kirche bis auf die Grundmauern zerstört.

 

Neben den Grundmauern und Säulenresten ist nichts erhalten geblieben. Nach Untersuchungen befindet sich unter dem ehemaligen Gelände der Peterskirche ein großer Hohlraum in dreißig bis vierzig Meter Tiefe, der seine Bestätigung sogar in einer alten Erzählung findet.

 

Demnach gibt es ein Märchen, in dem ein kleines Mädchen am Berg eine blaue Blume pflückte und indem sie pflückte, befand sie sich innerhalb des Berges, trat in einen großen Saal ein und dort saßen Männer schweigend an einer Tafel. Doch einer der Männer gab ihr einen goldenen Pokal von der Tafel. Diesen soll das kleine Mädchen mit heimgenommen und bis an sein Lebensende aufbewahrt haben.

 

Der Brocken oder der Blocksberg, wie er im Volksmund heißt, ist ein weiterer interessanter Schauplatz. Hier trägt die Natur zu einem leichten Schauergefühl nicht ganz unwesentlich bei. Dichte Nebelschwaden, von Stürmen und Schneelasten umgestürzte Bäume und schwer begehbare Wanderwege sind nicht unbedingt eine Einladungskarte für den Brocken. Hinzu kommt, dass der Brocken allgemeiner Treffpunkt für Geister und Hexen ist. Hier wird auch alljährlich in alter Tradition die Walpurgisnacht gefeiert. Ob dies alles der Grund dafür ist, dass der Brocken ein leicht beklemmendes Gefühl bei dem Einzelnen auslöst, möge jeder Besucher für sich selbst beantworten.

 

In der Unterharzregion bei Blankenburg liegt die sogenannte Teufelsmauer. Zwar sind die aufgeschichteten Felsbrocken der Sage nach vom Teufel selbst errichtet worden doch handelt es sich hier um eine wohl beeindruckende, jedoch rein geologische Formation. Hier und da nur scheint man im Fels mit ein bisschen Fantasie die ein oder andere Figur oder Gesichter zu erkennen.

 

Ein besonders interessantes Exkursionsziel verspricht die Ruine der BurgRegensteinbei Blankenburg, ebenfalls im Unterharz. Die Burg und deren Felsräume wurden überwiegend aus dem Sandstein herausgehauen. Überdreißig dieser Felsräume findet man hier, z.B. das sogenannte Teufelsloch, indessen Innerem eine grabenförmige Vertiefung sowie mehrere wannenartige Löcher zu entdecken sind. Werner Betz vermutet, dass es sich um einen vor Jahrtausenden ausgehauenen Raum aus der prähistorischen Zeit handelt; dieser wurde im Mittelalter in die Burgruine integriert.

 

Außerdem gibt es in der nördlichen Felswand eine Felsnische, wo sich eine fensterartige Öffnung nach Nordosten befinden soll, durch die am 21. Juni zur Sommersonnenwende das Sonnenlicht auf eine Felswand trifft, die mit diversen Symbolen verziert ist. Ein weiteres Rätsel der Burg Regenstein zeigt sich in Form von Rillen und Rinnen, die sich über die gesamte Anlage ziehen. Einige Rillen verlaufen im Rechteck, andere parallel und weitere haben einen schrägen Verlauf.

 

Ob diese Rillen für Transporte von Gegenständen gedient haben oder nach anderen Vermutungen als „Resonanzlinien“ für kultische Handlungen ihren Zweck hatten, bleibt ungewiss. Die Entstehungszeit der Burg ist ebenfalls nicht rekonstruierbar.

 

Nachfolgend möchte ich noch weitere Plätze nennen, die sich in der Harzregion befinden:

 

Da sind z.B. die Elfensteine bei Bad Harzburgoder die Käste-Klippen mit Zyklopenmauer. Auch bei Bad Harzburgfindet man die Rabenklippenundim Eckertal sogenannte Säulen des Irmin. Bei den Thekenbergen und unweit bei Halberstadt mehrere Kultstätten und Klusberge, weitere Kultplätze in Timmenrode und Westerhausen sowie eine weitere Teufelsmauerbei Weddersleben. Bei Thale befindet sich das Bodetal mit der Rosstrappe und dem Hexentanzplatz. In Schierke gleich mehrere Kultplätze, wie die Schierker Feuersteine, die Richtstätte, der Drachenstein, der Mäusestein sowie die Schnarcherklippe. Außer dem Wurmbergtrifft man bei Braunlageauch auf den Jermerstein, in Bad Grund auf den Hübichenstein und in Düna auf eine angebliche Kultgrube. Bei Scharzfeld ist die Steinkirche und der Schulenberg, bei Bartolfeide die Westersteine und eine andere Kultstätte am Klärwerk. In Bad Sachsader Römerstein und das Kuckanstal sowie bei Torfhaus die Schubensteinklippen

 

Eine eingehende Untersuchung dieser Kultstätten ist ohne Zweifel notwendig und interessant, zumal diese kaum bekannt sind.

 

Auszug aus: Eine Einführung in die Vielfalt alter Kultstätten im Harzer, Roland Roth, 1999