In frühgeschichtlicher Zeit war die Sicherung des Imperiums untrennbar verbunden mit Eroberung und Expansion. Diese Politik entsprach auch den Sicherheitsinteressen Roms. Dem entsprechend begann 58 v. Chr. Caesar mit der Eroberung Galliens. In einem Zeitfenster von ca. 40 Jahren wurde Gallien von der Atlantikküste bis zum Rhein erobert und Römische Provinz. In augusteischer Zeit, im Jahr 16 v. Chr., setzten germanische Heerbanne über den Rhein und brachten den Römischen Legionen schwere Verluste bei. Dies war den Römern Anlass, Feldzüge gegen die rechtsrheinischen Germanen zu unternehmen, mit dem Ziel der Befriedung und Annexion. Den ersten nachgewiesenen Feldzug unternahm Drusus im Jahr 12 v. Chr. um das Volk der Sugambrer zu unterwerfen, was bekanntlich misslang. Im Jahr 11 v. Chr., bei seinem 2. Feldzug gegen die Germanen, stieß Drusus erstmals mit den Cheruskern zusammen, 9 v. Chr. zog Drusus bis zur Elbe um Chatten, Sueben und Cherusker zu bekämpfen. Alle diese Eroberungsfeldzüge rund um den Harz bis zur Elbe waren für die Römischen Legionen nicht von nachhaltigem Erfolg gekrönt. Trotzdem, oder gerade darum, errichteten die Römer rechtsrheinisch Kastelle und begannen die kaiserliche Provinz "Germania Magna " aufzubauen. Belegt ist auch, dass die Römer zwischen Weser, Harz und Elbe wenigstens teilweise anwesend und aktiv waren. Leider haben es die antiken Chronisten unterlassen, uns in ihren Schriften über die Örtlichkeiten der Geschehnisse aufzuklären. Da die Wissenschaft auch über die Militärstrategien der Römer bestens informiert ist, weiß man, dass die Römer auf ihren Märschen niemals übernachteten, ohne ein Lager aufzuwerfen, das mit Graben und Wällen gesichert wurde. Die Römischen Legionen legten etwa 20- 30 km am Tag zurück, was bedeutet, dass bei ihren Exkursionen zwischen Weser und Elbe zahlreiche Tagesmärsche erforderlich waren und somit auch zahlreiche Lager existent sein müssen. Dank der modernen Luftbildarchäologie sind in der Region zwischen Harz und Elbe einige Örtlichkeiten identifiziert worden, die auf Römische Lager schließen lassen. Und wo solche Lager waren, gibt es hinterlassene Kulturreste. Leider sind bisher noch keine Grabungen durchgeführt worden, die an Hand von Artefakten die Theorie untermauern oder beweisen.

Germanische Waffen der vorrömischen und römischen Zeit
Germanische Waffen der vorrömischen und römischen Zeit

Die Römer in Mitteldeutschland sind nichts Neues. Zu viele Funde römischer Herkunft wurden in den letzten 200 Jahren an den unterschiedlichsten Orten geborgen, um nur über Kriegsbeute und Handelsgut zu spekulieren. Auch ist uns vom römischen Chronisten Vellejus Paterculus überliefert, das im Jahr 5 n. Chr. Tiberius einen Feldzug durch Mitteldeutschland vornahm. Zum Einen durchquerten seine Legionen vom Oberrhein her die mitteldeutsche Landschaft. Zum Anderen fand die wohl bis dahin gewaltigste Flottenfahrt statt. Über tausend Schiffe kamen durch die Nordsee mit größter Wahrscheinlichkeit die Elbe flussaufwärts. Landheer und Flotte trafen sich dann an einem bisher nicht lokalisierten Ort. Anzunehmen ist, dass dieses Treffen an der Elbe zwischen Magdeburg und Wittenberg stattgefunden hat. Beweise gibt es bis heute dafür aber nicht.

 

Auszug aus: „Die Harz-Geschichte", Band 1, B.Sternal, L. Berg, S. 92f.