Der Harz, bis ins Mittelalter Hart (‚Bergwald‘) genannt, ist ein Mittelgebirge in Deutschland. Er stellt das höchste Gebirge Norddeutschlands dar und liegt am Schnittpunkt von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Anteil am Harz haben im Westen die Landkreise Goslar und Osterode am Harz, im Norden und Osten die Landkreise Harz und Mansfeld-Südharz und im Süden der Landkreis Nordhausen. Der Brocken ist mit 1141,1 m der höchste Berg des Harzes. Vom Harzrand bis 700 m dominieren Buchenwälder, insbesondere die Hainsimsen-Buchenwälder (Luzulo-Fagetum) der schwach nährstoffversorgten Standorte mit Rotbuche (Fagus sylvatica) häufig als alleiniger Baumart. In tieferen, trockenen Lagen kommen Stieleiche (Quercus robur) und Traubeneiche (Quercus petraea) hinzu. Auf feuchteren Standorten tritt Bergahorn (Acer pseudoplatanus) auf. In den lichtreichen Zerfalls- und Verjüngungsphasen spielen auch lichtbedürftige Pioniere wie Eberesche (Sorbus aucuparia), Hänge-Birke (Betula pendula) und Sal-Weide (Salix caprea) eine Rolle. Der Perlgras-Buchenwald ist an den wenigen nährstoff- und basenreicheren Standorten über Diabas und Gneis zu finden und weist eine arten- und blütenreichere Krautschicht auf. Auch hier dominiert die Rotbuche, beigemischt Bergahorn, Gewöhnliche Esche (Fraxinus excelsior), Hainbuche (Carpinus betulus) und Bergulme (Ulmus glabra). Durch das zunehmende Kontinentalklima am östlichen Harzrand wird dort die Rotbuche zugunsten von Traubeneichen-Mischwäldern verdrängt.

 

Buchen-Fichtenmischwälder

 

In den mittleren Lagen zwischen 700 und 800 m würde man unter natürlichen Bedingungen von Fichte (Picea abies) und Rotbuche dominierte Mischwälder antreffen. Diese sind jedoch bewirtschaftungsbedingt seit langem bis auf Reste Fichtenbeständen gewichen. Weiterhin tritt in diesen Wäldern der Bergahorn auf.

 

Fichtenwald im Harz

 

In den höchsten Lagen von etwa 800 m bis zur Waldgrenze bei 1000 m gedeihen Fichtenwälder, in denen auch Laubgehölze wie Ebereschen, Hänge- und Moorbirke (Betula pendula und Betula pubescens) sowie Weiden (Salix spec.) zu finden sind. Die hohe Luftfeuchtigkeit ist die Ursache für eine reiche Moos- und Flechtenflora. Trotz der Naturnähe findet man nur noch wenige heimische, genetisch angepasste (autochthone) Fichten. Wollreitgras-Fichten-Wälder (Calamagrostio villosae-Piceetum) dominieren. Auf frischen, aber keineswegs nassen und nur mäßig gesteinsreichen Böden gedeiht eine gut entwickelte Bodenvegetation, die in ihrem Erscheinungsbild vor allem durch Gräser wie Wolliges Reitgras (Calamagrostis villosa) und Draht-Schmiele (Avenella flexuosa) geprägt ist. Die Böden in den Hochlagen sind wie auch im überwiegenden Teil des gesamten Harzes vergleichsweise nährstoff- und basenarm, so dass nur wenige krautige Pflanzen wie das Harzer Labkraut (Galium saxatile) vorkommen. Dafür sind es eher Farne, Moose, Flechten und Pilze, die neben der Fichte die Eigenart dieser Wälder bestimmen. Im Bereich verwitterungsresistenter Gesteine in der hochmontanen und montanen Stufe kommen häufig Felsen und Blockhalden vor – Extremstandorte der Vegetation. Aufgrund des Mangels an Erdmaterial gedeihen auf ihnen nur schwachwüchsige, sehr licht stehende Block-Fichtenwälder. Sie zeichnen sich durch einen besonders hohen Strukturreichtum aus und lassen mehr Raum für lichtliebende Arten wie Hänge-Birke, Eberesche, Bergahorn, Weiden und Zwergsträucher wie die Heidelbeere (Vaccinium myrtillus). Auch Moose und Farne sind hier häufig. Als Besonderheit ist die Karpatenbirke (Betula carpatica) zu nennen. In der Umgebung der Hochmoore auf Sumpf- und Moorböden finden sich die Moor-Fichtenwälder. Auf diesen Standorten können Fichtenwälder ausnahmsweise auch in tieferen Lagen die natürliche Waldgesellschaft bilden. Diese durch besondere Nässe geprägten Moorwälder weisen bereits einen hohen Anteil an Torfmoosen (Sphagnum spec.) auf. Die Bodenvegetation kann aber auch durch ein reiches Vorkommen von Zwergsträuchern wie Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) geprägt sein. Ebenso sind umfangreiche Bestände des Blauen Pfeifengrases (Molinia caerulea) für diese Waldgesellschaft typisch. Charakteristische Pilzarten der natürlichen Fichtenwälder sind der Dünne Feuerschwamm (Phellinus viticola) und der Olivgelbe Holzritterling (Tricholomopsis decora).

 

Sonderformen

 

Nur kleinflächig treten Schlucht-, Au- und Quellwälder auf. Die Rotbuche tritt hier zugunsten anspruchsvollerer Laubbaumarten wie Bergahorn, Sommer-Linde (Tilia platyphyllos), Berg-Ulme oder Gewöhnliche Esche zurück. Die Krautschicht ähnelt der von besser nährstoffversorgten Buchenwäldern. Auffällige Vertreter der hier beheimateten Pflanzengesellschaften sind Alpen-Milchlattich (Cicerbita alpina), Mondviole (Lunaria rediviva), Dorniger Schildfarn (Polystichum aculeatum) und Buchenfarn (Phegopteris connectilis).

 

Hochmoore

 

Die Harzer Moore zählen zu den besterhaltenen Mitteleuropas. Ihre Entstehung geht zurück bis auf das Ende der letzten Eiszeit vor über 10.000 Jahren. Wesentlichen Anteil an der Vegetation der Hochmoore haben die Torfmoose. Die feuchteren Bereiche (Schlenken) und die höherliegenden trockeneren Bulten werden von unterschiedlichen Arten besiedelt. In Schlenken findet sich das Spieß-Torfmoos (Sphagnum cuspidatum), auf den Bulten Magellans Torfmoos (Sphagnum magellanicum). Die Torfmoospolster werden von den Zwergsträuchern Heidelbeere, Preiselbeere und weiteren Zwergsträuchern durchwachsen. Die Rosmarinheide (Andromeda polifolia) ist ein Eiszeitrelikt. Weitere Eiszeitrelikte sind Zwerg-Birke (Betula nana) oder Wenigblütige Segge (Carex pauciflora). Von Mai bis Juni blüht die Gewöhnliche Moosbeere (Vaccinium oxicoccus). An den schwarzen Früchten ist die Schwarze Krähenbeere (Empetrum nigrum) zu erkennen. Auf den trockeneren .Bulten ist die Besenheide (Calluna vulgaris) zu finden. Vereinzelt tritt die Glockenheide (Erica tetralix) auf. Typische Gräser sind das Scheiden-Wollgras (Eriophorum vaginatum), bekannt durch die leuchtend weißen Fruchtstände und die Rasige Haarsimse (Scirpus cespitosus), die im Herbst rostrot ist. Die faszinierendste Moorpflanze ist der Rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia). Am trockeneren Moorrand ist die Moor- oder Rauschbeere (Vaccinium uliginosum) zu finden.

 

Fauna

 

In den Harzer Buchenwäldern findet eine Vielzahl von Tieren Lebensraum. Über 5.000 Tierarten, die meisten davon Insekten, sind auf den Buchenwald angewiesen. Darunter befinden sich viele Arten, die im Boden und in der Streuschicht für die Zersetzung und Einarbeitung des Laubes sorgen, wie zum Beispiel Springschwänze, Hornmilben, Asseln, Fadenwürmer, Tausendfüßer, Regenwürmer und Schnecken. Charakteristische Brutvögel der altholzreichen Buchenwälder sind Schwarzspecht (Dryocopus martius) und Hohltaube (Columba oenas). Zeichen für die Naturnähe der Buchenwälder im Harz ist auch die Rückkehr des Schwarzstorchs (Ciconia nigra). Dieser scheue und störanfällige Bewohner reich strukturierter Laub- und Mischwälder war durch Beeinträchtigungen seines Lebensraums (fehlende Altbäume, Mangel an naturnahen Bächen) in Mitteleuropa sehr selten geworden. Durch Lebensraumverbesserungen infolge der Renaturierung von Fließgewässern sowie der Förderung von störungsarmen Ruhezonen hat sich der Schwarzstorchbestand heute erholt. Eine typische Säugetierart dieser Laubwälder ist die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris), die über eine stabile Population im Harz verfügt. Sie bevorzugt die strukturreicheren Waldgebiete, die ein reiches Nahrungsangebot aufweisen.

 

Auch die Tierwelt der Buchen-Fichtenmischwälder ist vielfältig. Besonders Arten, die auf strukturreiche Wälder angewiesen sind, kann man hier antreffen. So ist der Bergmischwald der natürliche Lebensraum des Auerhuhns (Tetrao urogallus). Lebensraum findet hier auch der Raufußkauz (Aegolius funereus). Er brütet fast ausschließlich in Schwarzspechthöhlen in alten Buchen und braucht den im Vergleich zum Fichtenwald lichteren Buchenwald mit seiner höheren Kleinsäugerdichte für seine Nahrungssuche. Zur Deckung bevorzugt er jedoch die dunkleren Fichten.

 

Ein großer Teil der in den natürlichen Fichtenwäldern lebenden Tierarten ist an die besonderen Lebensbedingungen in den Harzhochlagen angepasst. Für die Vogelwelt gelten Haubenmeise (Lophophanes cristatus), Winter- und Sommergoldhähnchen (Regulus regulus und Regulus ignicapillus), Erlenzeisig (Carduelis spinus), Waldbaumläufer (Certhia familiaris), Tannenmeise (Periparus ater) und Fichtenkreuzschnabel (Loxia curvirostra) als typische Bewohner. Besonders hervorgehoben werden soll hier noch der vom Aussterben bedrohte Sperlingskauz (Glaucidium passerinum), der die submontane bis subalpine Stufe mit struktur- und nadelbaumreichen Wäldern sowie eingestreuten Freiflächen bewohnt. Als Brutbaum wird die Fichte bevorzugt, als Nahrungsgebiete dienen lichte Waldbestände oder Moorbereiche. Ähnlich wie für den Schwarzstorch gilt auch für den vor langer Zeit aus dem Harz verschwundenen Sperlingskauz, dass er Ende der 1980er Jahre ganz von selbst zurückgekehrt ist, als sich sein angestammter Lebensraum wieder zu mehr Naturnähe entwickelt hatte, so dass für ihn außer genügender Nahrung (Insekten, Kleinsäuger, Kleinvögel) auch stehendes Totholz (Fichten mit Spechthöhlen) vorhanden waren.

 

Neben vielen Vogelarten gibt es in den verschiedenen Fichtenwäldern auch eine Reihe von Großschmetterlingen, die außerhalb des Harzes stark gefährdet sind oder gar nicht vorkommen. Beispielhaft seien hier zwei Arten genannt. In alten, lichten Wollreitgras-Fichtenwäldern, zum Teil in Verbindung mit Blockhalden oder Moor-Fichtenwäldern, tritt der Braungraue Bergwald-Steinspanner (Elophos vittaria) auf. In heidelbeerreichen Moor-Fichtenwäldern dagegen eher der Bläuliche Heidelbeer-Blattspanner (Entephria caesiata).

 

Nur wenige Tierarten konnten sich an die extremen Bedingungen in Hochmooren anpassen. Beispiele dafür sind die Alpen-Smaragdlibelle (Somatochlora alpestris), die im Harz ihr einziges Vorkommen in Niedersachsen hat und in Deutschland stark gefährdet ist, und die vom Aussterben bedrohte Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica).

 

Felsen und Blockhalden sind wesentlicher Bestandteil des Lebensraumes von Wanderfalke (Falco peregrinus) und Ringdrossel (Turdus torquatus). Der Wanderfalke ist vom Aussterben bedroht. Er braucht steile, aus der Landschaft herausragende, wenig bewachsene Felsen. Nachdem seine Population im Harz erloschen war, gibt es nun wieder Brutpaare im Harz. Entscheidend dazu beigetragen haben umfangreiche Maßnahmen zur Förderung von Ruheräumen in angestammten Brutgebieten dieser scheuen Vogelart. Bereits 1980 siedelte sich im Ostharz ein Brutpaar aus einem Auswilderungsprojekt an. Die Ringdrossel bevorzugt halboffene Blockhalden und locker bewaldete Übergangsbereiche zwischen baumfreien Hochmooren und Wald. Im Harz liegt eines ihrer wenigen isolierten Brutvorkommen Mitteleuropas. Ihr Hauptverbreitungsgebiet erstreckt sich auf Nordwesteuropa einschließlich großer Teile Englands und Schottlands sowie auf die Hochgebirge Süd- und Osteuropas.

 

Die Fließgewässer mit ihrem ausgeprägten Bergbachcharakter spielen eine bedeutende Rolle im gesamten Harz. Im Vergleich zu anderen naturräumlichen Regionen in Niedersachsen sind sie noch sehr naturnah und zeichnen sich durch hohe Strukturvielfalt und sauberes Wasser aus. Aufgrund der zumindest zeitweise hohen Fließgeschwindigkeit der Harzbäche können Blütenpflanzen in den Gewässern nur sehr selten Fuß fassen. Auch die Tiere der Harzer Fließgewässer müssen sich an die hohen Fließgeschwindigkeiten anpassen. Nur wenige Arten, zum Beispiel Fische, schwimmen aktiv gegen die Strömung an. Häufigste Arten sind Bachforelle (Salmon trutta fario) und Groppe (Cottus gobio). Weit vielfältiger ist dagegen das Artenspektrum des Lückensystems unter der Gewässersohle. Neben sich hier entwickelnden Insekten- und Fischlarven findet man Einzeller, Strudelwürmer und Wassermilben. Andere Tierarten haften an Steinen fest, Köcherfliegenlarven und Schnecken, oder können durch extrem abgeflachte Körperform die verringerte Strömungsgeschwindigkeit am Grund des Gewässers oder an Steinen ausnutzen, Steinfliegenlarven. In strömungsberuhigten Bereichen hinter Steinen oder in Moospolstern findet man außerdem Wasserkäfer und Flohkrebse.

 

An den Fließgewässern des Harzes kann man vereinzelt die Großlibelle Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii) sowie die Blauflügel-Prachtlibelle (Calopteryx virgo), eine Kleinlibelleart, antreffen.

Die Wasseramsel (Cinclus cinclus), die überall an den Harzgewässern zu finden ist, kommt fast ausschließlich im Bergland vor. Ihr Lebensraum sind schnell fließende, klare und mit Ufergehölzen bestandene Gebirgsbäche. Sie kann tauchen und unter Wasser auf dem Grund entlang laufen. Zur Nahrungssuche dreht sie dort Steine um. Auch die Gebirgsstelze (Motacilla cinerea) nutzt die reichen Nahrungsvorräte der Bergbäche.

 

Seit 2000 werden vom Nationalpark Harz erfolgreich Eurasische Luchse ausgewildert, die sich mittlerweile gut in die Ökologie einpassen. Durch gezielte Schutzmaßnahmen der vergangenen Jahre konnte ein Rückgang der Fledermausbestände im Harz gestoppt werden. Von den jagdbaren Säugetieren sind Rothirsch, Reh, Wildschwein und Europäischer Mufflon zu nennen.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Harz_Mittelgebirge