Die hervorragende Erhaltung des Bodenarchivs im Harz profitiert besonders von zwei Faktoren. Landwirtschaft war – erst recht nach der Klimaverschlechterung im späten Mittelalter – nur sehr beschränkt möglich, neben Forstwirtschaft ist die Weidewirtschaft beherrschend. Dies hat zur Folge, dass die im Boden verborgenen Urkunden – die archäologischen Befunde – nur wenig von der in anderen Regionen oft zerstörend wirkenden Landwirtschaft beeinträchtigt sind und sich oft direkt unter den Humusschichten des Forsts die originalen Befunde verbergen.

 

Eine schonende und verständnisvolle Forstwirtschaft hilft mit zur Erhaltung dieses hervorragenden Bodenarchivs für die Nachwelt. Darüber hinaus wirken sich die aus anderem Blickwinkel so schädlichen Schwermetalle für die Archäologie besonders günstig aus. Schwermetallgehalte in den Böden um 6% gewährleisten die Erhaltung organischer Materialien, wie sie sonst nur in Mooren oder anderen seltenen geschlossenen Systemen möglich sind. Dieser Glücksfall für die Montanarchäologie ist verantwortlich dafür, dass während der Ausgrabungen von Hüttenplätzen nicht nur hervorragend erhaltene Konstruktionshölzer geborgen werden konnten sondern auch die Reste der natürlichen Vegetation so, als wäre es die Vegetation des vergangenen Jahres und die es dem Botaniker erlaubt, Vegetation und Umwelt der vergangenen Jahrtausende im Wechselspiel mit den menschlichen Eingriffen zu rekonstruieren. Neben Untersuchungen der Lagerstätten und Hüttenplätze ziehen Studien der natürlichen Ressourcen und klima-, umwelt- und vegetationsgeschichtliche Aspekte immer mehr Aufmerksamkeit auf sich. Die bis heute sichtbaren Auswirkungen der intensiven Montanwirtschaft sind im Harz mit archäologischen Funden und Befunden weit über die mit historischen Quellen erkundbare Zeit dokumentiert.

 

Sie lassen bei zielgerichteten Forschungen modellhafte Aussagen zur Entwicklung des Menschen und der Kulturlandschaft Harz mit ihrer über 3000-jährigen Geschichte des Wechselspiels zwischen Mensch, Technik und Umwelt zu. Dazu ist ein Vergleich mit den Ergebnissen archäologischer Untersuchungen in anderen Regionen notwendig. Die historische Bedeutung der Montanregion Harz wird so auch unter aktuellen Fragestellungen verständlich. Die Montanarchäologie kann dadurch wie kaum ein anderes Fach ihren Bezug für Fragestellungen selbst unserer Zeit unter Beweis stellen und nicht nur im Netzwerk der Denkmalpflege sondern auch in der Verbindung mit den Umweltforschungen eine wesentliche Rolle spielen.

 

Auszug aus:www.harzarchaeologie.de