Überwachung und Abwehr

 

In Europa nutzten die Römer natürliche Barrieren, vor allem den Lauf der großen Ströme Rhein und Donau, die sie effizienter mit ihren Flottenverbänden sowie deren Ufer mit Infanterie- und Reitertruppen überwachen konnten. In den Provinzen des Vorderen Orients bestimmten die natürlichen Gegebenheiten der Wüste die Grenzsicherung. Kontrolliert wurden hier vor allem die Flüsse Euphrat und Tigris sowie Schlüsselpositionen (z.B. Wasserstellen) an Oasen und Karawanenrouten. Dasselbe galt im Wesentlichen auch für die Provinzen in Nordafrika. Wo es nichts Derartiges gab, mussten zusätzlich Gräben oder Sperrmauern (clausurae) errichtet werden. An manchen Punkten an den südlichen und östlichen Regionen des Reiches verzichtete man gänzlich darauf. Solche Stützpunkte ähnelten eher heutigen Polizei- oder Grenzstationen. Diejenigen, die versuchten, illegal die Grenze zu überschreiten, wurden als Kriegsgefangene behandelt. Ein weiteres wichtiges Element des Limessystems war auch das gut ausgebaute Straßennetz, das mit den großen Hauptverkehrsstraßen verbunden war und bei Bedarf rasche Truppenverlegungen zu potentiellen Gefahrenpunkten ermöglichte.

 

tubae und lilia

 

Das Risiko, beim unerlaubten Grenzübertritt ertappt zu werden, war an bestimmten Abschnitten des Limes (z.B. Britannien und an Rhein und Donau) relativ hoch, denn er wurde hier mit einem ausgeklügelten System überwacht. Die direkt an den Waldschneisen platzierten Wachtürme fungierten als erste Vorposten des Reiches. Sie standen stets in Sichtverbindung zueinander, damit die Soldaten bei Gefahr ungehindert den Alarm mit Posaunenstößen (tubae), Spiegel, Rauch oder Feuersignalen (Fackeln) an die Nachbartürme und den Kastellen im Hinterland weitermelden konnten, ein einfaches aber wirksames Frühwarnsystem. Bis zu acht Mann Hilfstruppen (auxilia) gehörten zur Besatzung eines solchen Turmes. Sie blieben mehrere Wochen auf ihren Posten. Ihre wichtigsten Aufgaben waren, bei einem Angriff die Alarmsignale weiterzugeben und in ihrem Abschnitt kontinuierlich Patrouillen durchzuführen. Um auch das Vorfeld gut übersehen zu können, wurde versucht, es auf einigen Metern Breite von Vegetation freizuhalten. Vor den Grenzbefestigungen (z.B. am Antoninuswall) wurden Annäherungshindernisse angelegt, wie z.B. in Gruben platzierte, zugespitzte Holzpflöcke, die sogenannten Lilia.

 

Eine effektive militärische Verteidigung der langen römischen Grenzen war logistisch unmöglich, Angriffe plündernder Gruppen konnten ebenso wenig völlig unterbunden werden wie Invasionen großer Heere. Viele Jahrhunderte wendete Rom bei seinen Nachbarn daher mit wechselnden Erfolg eine Mischung aus militärischer Abschreckung, Drohungen und Bündnissen (foedera) an, um den Frieden und den römischen Einfluss jenseits der Grenzen zu bewahren. Politisch verfügte das Reich über eine Reihe von Instrumenten, um die Stämme unter Kontrolle zu halten. Seine Abgesandten standen in stetigen Kontakt mit den Völkern jenseits seiner Grenzen, wodurch im Laufe der Zeit rund um das Reich Pufferzonen entstanden, die von romtreuen Vasallenkönigen und Stammesführern beherrscht wurden. Mit ihrer Hilfe sollten die sie umgebenden, feindlich gesinnten Stämme überwacht und von den Reichsterritorien ferngehalten werden. Sie wurden dafür mit Waffen, militärischer Unterstützung und vor allem Geld belohnt. Dennoch war auf sie nicht immer Verlass, zumal sie deswegen immer mächtiger wurden. Agierten diese Stammesfürsten aber nicht im Sinne Roms, wurden die Hilfslieferungen wieder eingestellt und die Armee in Marsch gesetzt. Mit Rom verbündete Gruppen konnten diese Pufferzonen auf ihrem Weg zu den Märkten in die römischen Siedlungen problemlos durchqueren, weniger zuverlässige durften sie nur unter strenger Bewachung passieren. Zahlreiche Barbaren traten auch als Soldaten in römische Dienste und erwarben sich so nach 25 Jahren das römische Bürgerrecht und die Niederlassungsfreiheit auf dem Reichsgebiet. Einige kehrten aber wieder in ihre ursprüngliche Heimat zurück und nahmen dabei ihre Waffen, aber vor allem ihr Wissen über die Organisationsstrukturen und Kampftaktiken der römischen Armee, mit sich.

 

In den Kulturen der meisten Völker, die außerhalb der Grenzen Roms siedelten, waren Kriege und Überfälle auf benachbarte Völker etwas Alltägliches. Die Anführer erfolgreicher Beutezüge erwarben sich dadurch großes Ansehen unter den Stämmen. Das Plündergut wurde wiederum unter den Gefolgsleuten verteilt, was für zukünftige Unternehmungen noch mehr Krieger anlockte. Kleinere Übergriffe auf das Reichsgebiet standen deswegen auf der Tagesordnung. In manchen Quellen wird auch von Einfällen tausender Invasoren berichtet, die oft tief in die Provinzen vordringen konnten, bevor sie entweder wieder in die Flucht geschlagen oder vernichtet wurden. Die meisten kriegerischen Aktionen der Barbarenstämme im 1. und 2. Jahrhundert n.Chr. hatten aber aufgrund ihrer unzulänglichen Logistik und Organisation nur sehr beschränkte Auswirkungen und umfassten wohl nicht mehr als einige hundert Krieger. Diese Angriffe waren für Rom noch nicht existenzbedrohend, aber sie mussten rasch eingedämmt werden, um den Provinzialen auch weiterhin ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln (für die sie ja ihre Steuern bezahlten) und andere Barbaren nicht zu weiteren und noch größeren Aktionen zu ermutigen. Die Aktivitäten der Armee beschränkten sich hier aber nicht ausschließlich auf das unmittelbare Reichsgebiet. Der diplomatische und militärische Einfluss der Römer reichte weit über ihre Grenzen hinaus. Römische Offiziere waren häufig bei Stammestreffen der nordöstlichen Völker präsent, um den Einfluss Roms auf dort gefällte Entscheidungen zu sichern. Germanische Adelige erhielten z.B. auch deswegen finanzielle Zuwendungen um ihre Machtbasis weiter ausbauen zu können und als Gegenleistung eine romfreundliche Politik bei den Stämmen durchzusetzen. Oft konnte die römische Diplomatie so größere Angriffe auf die Grenzen verhindern oder wurde zumindest noch rechtzeitig vorgewarnt.

 

Die Abwehrmöglichkeiten der römischen Armee waren aber – wie schon gesagt – aufgrund der riesigen Ausmaße des zu überwachenden Territoriums nur beschränkt. Waren die Angriffe mit herkömmlichen diplomatischen und militärischen Mitteln nicht einzudämmen, marschierte eine Invasionsarmee in das Siedlungsgebiet des Feindes ein und besetzte es. Nach Konsolidierung der römischen Herrschaft wurde das neu eroberte Land zur Provinz erklärt und in das Reich eingegliedert. Wirtschaftliche Entwicklung und Romanisierung erledigten mit der Zeit den Rest und befriedeten das neue Territorium meist auf Dauer. Solche Eroberungsfeldzüge waren jedoch teuer, banden viele Truppen und mussten von den Herrschern streng überwacht werden. Konnten die Übergriffe dennoch nicht gestoppt werden, musste dafür gesorgt werden, dass die Schuldigen nicht jedes Mal ungeschoren davonkamen. Diejenigen Angreifer, die ohne größere Verluste wieder in ihr eigenes Territorium entkommen konnten, genossen großes Prestige bei ihren Stammesangehörigen und waren deswegen auch bald wieder zu neuen Aktionen bereit. Bei den Vergeltungsangriffen der Römer wurden daher die Barbarensiedlungen niedergebrannt, die Ernte vernichtet, das Vieh zusammengetrieben und beschlagnahmt. Obwohl solche Maßnahmen nur begrenzt durchgeführt werden konnten, war es trotzdem eine ernste Warnung für die umliegenden Stämme, dass die Römer jederzeit in der Lage waren, derartige Übergriffe auf ihre Provinzen grausam und blutig zu ahnden. Da auch eine kleinere, aber gut geführte römische Truppe den oft weitaus größeren Stammesaufgeboten überlegen war, mussten die Barbaren neben der Vernichtung ihrer Lebensgrundlagen auch noch eine militärische Niederlage hinnehmen.

 

Die Römer konzentrierten deswegen fast ihre gesamte Armee an der Grenze; die Soldaten betrieben hier eine weitreichende Vorfeldaufklärung, die Rom eine Einschätzung drohender Gefahren für die Grenzprovinzen ermöglichte, um noch rechtzeitig Gegenmaßnahmen einzuleiten. Eine Ausnahme bildeten nur die in Syrien und Ägypten stationierten Legionen, die auf die großen Städte verteilt waren. Erkannte man erste Anzeichen einer Gefahr, stießen die Truppen ins Feindesland vor und bereinigten dort die Situation. Falls es den Eindringlingen dennoch gelang, den Limes zu durchbrechen, alarmierten die Turmwächter die Besatzungen der rückwärtigen Kastelle. Berittene Eingreiftruppen aus diesen Kastellen, in denen meist 500–1000 Mann stationiert waren, versuchten dann die Angreifer entweder abzufangen oder wieder über die Grenze zurückzudrängen. Meist ging man dabei so vor, dass die am Gefahrenpunkt stationierten Einheiten versuchten, ihre Stellungen so lange zu halten, bis die Besatzungen der flankierenden Kastelle den Feind an beiden Seiten umgangen hatten, um ihm in den Rücken zu fallen. Dieses Abfangsystem funktionierte zwar einigermaßen, aber nur solange kleinere Beutegemeinschaften kurze Abschnitte der Grenze angriffen. Einem Ansturm auf breiter Front konnten die Grenztruppen auf Dauer nicht standhalten.

 

Diese Unzulänglichkeiten des Limes zeigten sich bereits nach dem Tod Trajans, noch bevor er sich unter seinem Nachfolger Hadrian endgültig etabliert hatte. In der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts vereinigten sich z.B. sämtliche Sarmatenstämme für einen Großangriff auf Pannonien und brannten dabei zahlreiche Lager und Siedlungen nieder. Diese Invasion war aber in ihren Auswirkungen bei weitem noch nicht so verheerend wie die späteren Markomannenkriege, die die römische Grenzverteidigung erstmals bis in ihre Grundfesten erschüttern sollten. Das Gegenrezept der römischen Strategen auf die stetig wachsenden Übergriffe war eine noch stärkere Vorfeldkontrolle. Man ging dazu über auch im Feindgebiet feste Standlager zu errichten, um so die Anmarschwege zum Limes noch besser kontrollieren zu können. Solche Kastelle sind z.B. in Mähren und der Slowakei ausgegraben worden. Angedacht wurde von Mark Aurel auch die Schaffung von zwei neuen Provinzen (Marcomannia und Sarmatia) jenseits der Donau, um durch das bewährte System der Romanisierung hier dauerhaft für Ruhe zu sorgen. Sein Nachfolger Commodus verwarf jedoch diese weitgespannten Pläne wieder und versuchte die Stämme weiter mit Geldzahlungen, Luxuswaren und Waffenlieferungen ruhig zu halten.

 

Umstrukturierungen

 

Im 3. Jahrhundert brachten jedoch die immer besser koordinierten Beutezüge der Germanen über Rhein und Donau und die endlosen Angriffe der Perser im Osten den Limes erneut ins Wanken. Wichtiger als der Druck von außen war dabei der Umstand, dass sich die Römer fatalerweise auch noch jahrzehntelange Bürgerkriege lieferten, in deren Verlauf die Grenzüberwachung sträflich vernachlässigt wurde. Auch Abschreckungs- und Vergeltungsfeldzüge blieben nach 235 für längere Zeit aus. All dies ermunterte die benachbarten Völker, zum Plündern auf Reichsgebiet vorzustoßen. Aufgrund der Konzentration der römischen Armee an der Grenze konnten sie sich nach einem erfolgreichen Durchbruch des Limes im Landesinneren nahezu ungestört bewegen. Trotzdem bestanden danach gute Chancen, sie bei der Rückkehr in ihre Stammesgebiete abzufangen und zu vernichten. Zahlreiche Versteckhorte ermöglichen heute eine ungefähre Rekonstruktion ihrer Durchzugsrouten. Wenn die Germanen reich mit Beute beladen, zu welcher oft auch römische Gefangene zählten, den Rückweg in ihre Heimatgebiete antraten, wurden sie mancherorts von den Grenztruppen schon erwartet und am Limes in die Zange genommen. Dieses Risiko war den Germanen wohl bewusst. Es gibt deutliche Hinweise im diesbezüglichen Fundgut (z.B. zerhackte Metallgegenstände), dass die Beute vor der Rückkehr in ihre Stammesgebiete noch auf dem Reichsgebiet aufgeteilt wurde. Weitere Zeugnisse hierfür liefern unter anderem der Augsburger Siegesaltar, die Gründung des „Gallischen Sonderreiches“ durch Postumus und insbesondere der Hortfund von Neupotz am Oberrhein. Bei Letzterem wird angenommen, dass eine Konfrontation der Barbaren mit der römischen Rheinflotte (Classis Germanica) zu seinem Verlust führte. Ein Teil der Beute ging dabei in den Fluten unter, so manches dürfte in den Besitz römischer Soldaten gelangt sein, doch das Meiste wurde wohl in die germanischen Gebiete verschleppt.

 

Die Römer reagierten darauf mit einer schrittweisen Änderung des Grenzsicherungssystems. Mitte des 3.Jahrhunderts wurden zunächst fast alle Reiterverbände aus den Grenztruppen herausgezogen und weiter nach hinten ins Landesinnere verlegt, eine Vorstufe auf die spätere Trennung in mobile und stationäre Truppen. Nach planmäßiger Räumung der Kastelle am obergermanisch-rätischen Limes wurde an den Ufern von Donau, Iller und Oberrhein eine neue Befestigungslinie aufgebaut. In Britannien und Gallien entstand an den Küsten von Nordsee und Ärmelkanal die Festungskette des sogenannten Litus Saxonicum (Sachsenküste), der Landungsversuche von Angeln und Sachsen abwehren sollte. Entlang der Donau, im Osten und in Nordafrika wurden entweder neue Kastelle errichtet oder die schon vorhandenen mit Fächer- und Hufeisentürmen verstärkt. All diese Maßnahmen ermöglichten auch eine tiefere Staffelung der Truppenverbände im Hinterland. Die größeren Städte und Siedlungen wurden entweder mit Mauern umgeben oder gleich ganz aufgegeben. In so einem Fall wurde die Bevölkerung in befestigte und schwerer zugängliche Höhensiedlungen umgesiedelt.

 

Der alte Limes in Germanien war im Wesentlichen eine Friedensgrenze gewesen. In der Zeit der Tetrarchie war den Verantwortlichen aber klar geworden, dass ein an den Grenzen aufgereihtes Heer nicht mehr den neuen Anforderungen für die Verteidigung des Reiches genügte und zudem auf lange Sicht unfinanzierbar wurde. Auch standen dafür nicht mehr genug Soldaten zur Verfügung. Die Grenze musste daher von Grund auf reorganisiert werden. Zu stark exponierte Gebiete wie das Dekumatland oder Dakien wurden geräumt, die Verteidigungslinien an Rhein und Donau zurückverlegt. An besonders gefährdeten Brennpunkten des Limes wurden zusätzlich stark gepanzerte Reitereinheiten (Kataphrakten) stationiert (z. B. Britannien, Pannonien, Naher Osten), die Sassanidenkavallerie und Reitervölker abwehren sollte. Anfang des 4. Jahrhunderts ging man daher dazu über, das Heer neu zu organisieren. Es wurden hierfür eigene Grenztruppen, die Limitanei, und ein Feld- oder Bewegungsheer ohne feste Standorte aufgestellt (Comitatenses), die im Bedarfsfall die Grenzeinheiten unterstützen und vor allem schon bis ins Reichsinnere eingedrungene Feinde verfolgen und schlagen sollten. Dies war bis dahin ebenfalls die Aufgabe der Grenztruppen gewesen, was aber wiederum eine gefährliche Entblößung des Limes mit sich brachte. Außerdem konnten die neuen Feldarmeen auch bei Usurpationen wesentlich rascher eingesetzt werden, zu deren Bekämpfung früher auch wieder Limestruppen abgestellt werden mussten, was in weiterer Folge wieder zum altbekannten Problem der unterbesetzten Grenzkastelle zurückführte und barbarische Invasoren und Plünderern neuerliche Einfälle ins Reich ermöglichte. Die Limitanei oder Ripenses an den Flussgrenzen wurden aber –im Gegensatz zu den Comitatenses– nicht im Hinterland, sondern auf Dauer in den Kastellen an der Grenze stationiert.

 

limitanae und comitatenses

 

Neu war auch die Verteidigungsstrategie, die sich daraus entwickelte. Die Limitanei hatten am Limes für Ruhe und Ordnung zu sorgen sowie kleinere Überfälle in Eigenregie abzuwehren. Bei einem größeren Einbruch sollten sie versuchen die wichtigsten Kastelle und Städte oder Schlüsselstellungen wie z. B. Passübergänge zu halten, um später zusammen mit den Comitatenses den Feind zu vernichten. Die größte Schwierigkeit hierbei bestand darin, die meist kleinen Beutegemeinschaften aufzuspüren und dann überraschend über sie herzufallen, um sie mit geringstmöglichen Verlusten niedermachen zu können. Dafür war ein präzises Vorgehen der Spähtrupps (exploratores) und Koordinierung der Gegenmaßnahmen durch die Offiziere auf allen Kommandoebenen notwendig. Ein weiteres erfolgversprechendes Konzept für den Grenzschutz an Rhein und Donau bot auch die dezentrale Vorwärtsverteidigung durch die römischen Flottenverbände. Durch die Abschaffung der zentralen Massierung der Kriegsschiffe an einigen wenigen großen Stützpunkten und ihre Verteilung auf kleinere Kastelle und sogenannte Ländeburgi konnten im Ernstfall innerhalb weniger Stunden zahlreiche Einheiten an Brennpunkten der Grenze zusammengezogen werden. Auch waren dabei die benachbarten Kastelle oder Wachtürme rasch zu alarmieren. Dies war am besten mit einem neuen Schiffstyp, der kleineren und beweglicheren Navis Lusoria, zu bewerkstelligen, mit der man Eindringlingen entweder gleich auf dem Strom oder in koordinierten Operationen mit dem Landheer, entgegentreten konnte.

 

Die Tatsache, dass die Armee meist erst dann aktiv wurde, wenn die Gegner sich schon tief im Inneren der Provinzen befanden, war aber nicht das Ergebnis einer ausgeklügelten Strategie, sondern zeigt wohl vielmehr die Unfähigkeit der Römer, solche Durchbrüche schon im Ansatz zu ersticken. Hatten die Comitatenses aber einmal den Feind aufgespürt und die Verfolgung aufgenommen, hetzten sie mit großer Ausdauer auch die kleinste Plünderergruppe systematisch zu Tode. Bei dieser Art von Kriegsführung waren die Römer klar im Vorteil, da es ihre gut organisierte Logistik erlaubte, die Truppen zu jeder Jahreszeit ausreichend mit Nachschub zu versorgen. Diese Vorgangsweise wurde im Wesentlichen bis weit in das 5. Jahrhundert beibehalten, nach dem Untergang der westlichen Reichshälfte in Ostrom noch weiterentwickelt und schließlich im Byzantinischen Reich des 7. Jahrhunderts von der Themenorganisation abgelöst

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Limes_(Grenzwall)