Das Legionslager

 

Die Legionen waren die Kerntruppen des römischen Heeres. In ihren Lagern waren die rund 6000 Mann sowie die zugeteilten Hilfstruppen untergebracht. Daher hatten die Legionslager eine Größe zwischen 18 und 25 ha. Die Lager der römischen Armee der Kaiserzeit waren zum großen Teil im Grundriss identisch. Sie bestanden aus den Kasernen der Soldaten, dem Verwaltungsbau sowie einigen Speichern. Bei Legionslagern unterscheidet man zwischen Stand- und Marschlagern.

 

Das Marschlager

 

Befanden sich die Legionen außerhalb befriedeter Provinzen, dann wurde jede Nacht ein Marschlager errichtet. Dieses war meist nahezu rechteckig mit abgerundeten Ecken. Nach dem Vermessen wurde ein Graben (fossa) von ca. 1 m Tiefe ausgehoben und die Erde nach innen aufgeschichtet. Auf die Krone dieses ca. 60 cm hohen Erdwalls wurden die pila muralia (Schanzpfäle) befestigt und mit Seilen verbunden, so dass eine ca. 100 - 120 cm hohe Palisade entstand. Die Außenseite des Walls wurde nach Möglichkeit durch Rasensoden abgedeckt. Die Schanzpfähle waren 150 - 180 cm lange Eichenpfähle, die an einem Ende angespitzt waren und in der Mitte eine Einkerbung für die Seile hatten. Pro Legionär wurden auf dem Maultier einer Gruppe 2 Schanzpfähle mitgeführt.

 

Bei der Errichtung eines Doppellegionslagers musste jeder Legionär z.B. ca. 25 cm Graben und Wall ausheben. Die Schanzarbeiten wurden von einem Teil der Soldaten erledigt, der Rest arbeitete an der Errichtung der Zelte und Gebäude. Stand genügend Zeit zur Verfügung, so konnte der Graben eines Marschlager auch schon mal eine Tiefe von 3 m und eine Breite von bis zu 7 m erreichen. Der Wall wurde dann entsprechend auf eine Höhe von 2 - 3 m aufgeschüttet.

 

Bei einem Marschlager waren die Tore einfache Unterbrechungen im Wall, die von vorgesetzten Wällen geschützt wurden. diese vorgesetzten Wallstücke konnten auch mehrfach gestaffelt sein und auch auf der Innenseite des Hauptwalls ergänzt werden. Wurde das Lager längere Zeit genutzt, so wurden richtige Torflügel flankiert von Türmen errichtet. In diesem Fall wurde dann auch die Palisade durchgängig aus Holz errichtet und die Wallkrone zu einem echten Wehrgang ausgebaut (so z.B. durch Caesar's Legionen vor Alesia im Gallischen Krieg)

 

Das Standlager

 

Den zentralen Punkt eines Legionslager der Kaiserzeit bildet das Verwaltungsgebäude (principia). Vor diesem lag das Vorderlager (praetentura) mit der Ausfallstraße (via praetoria), die zum Ausfalltor (porta praetoria) führte. Vor dem Verwaltungsgebäude wurde diese Straße rechtwinklig von der Lagerhauptstraße (via principalis), die linkes und rechtes Lagertor (porta sinistra bzw. dextra) verband, geschnitten. Im vorderen Teil des Lagers lagen meist neben Kasernen einige Wirtschaftsgebäude sowie die Unterkünfte der Stabsoffiziere. Hinter den principia durchquerte die via decumana den rückwärtigen Teil des Lagers (retentura) und führt zur porta decumana. In der retentura waren die restlichen Truppen sowie meist ein Lazarett, Unterkunft des Kommandanten und wiederum einige Wirtschafts- und Spezialgebäude untergebracht. Das ganze wurde von der Wallinnenstraße (via sagularis) umschlossen. Nach außen waren die Lager mit einer Mauer aus Stein oder aus einer Holz-Lehm-Konstruktion befestigt, die mit Türmen bestückt war. Vor der Mauer verlief in den meisten Fällen ein Doppelgraben. Da Standlager für den dauerhaften Gebrauch errichtet wurden, wurden zusätzlich zu den Holz-, Fachwerk- wesentlich mehr Steinbauten errichtet. Es wurde hierbei auch mehr Wert auf repräsentative Gestaltung der Gebäude gelegt. Bei diesen Legionslagern aber auch bei den größeren Kastellen entwickelten sich sogenannte vivi. Der vicus war ein Lagerdorf mit zivilem Charakter. Dort wohnten die Familienangehörigen, aber es gab hier auch ein mehr oder weniger umfangreiches Angebot an Händlern und Handwerkern. Zu Zwecken der Hygiene gab es zudem Thermenanlagen und zur Unterhaltung Amphitheater. Die Verwaltung und die Gerichtsbarkeit eines Kastell- oder Lagervicus unterlag dem Kommandanten des angrenzenden Lagers. Im Laufe der Zeit entwickelten sich gerade im Umfeld der Legionslager in der Folge viele Städte. wie z.B. Bonna (Bonn, D), Castra Regina (Regensburg, D), Argentorate (Straßburg, F), Mogontiacum (Mainz, D), Ulpia Noviomagus (Nijmegen, NL), Vindobona (Wien. A), Camulodunum (Colchester, GB), Eburacum (York, GB), Aquincum (Budapest, Ungarn), Singidunum (Belgrad, Serbien), Legio (Léon, Spanien).

 

Das Kastell

 

Das römische Kastell war keine Festung sondern eine Kaserne. Allerdings waren diese Kasernen immer auch gesichert, aber diese sollte nicht einer längeren Belagerung standhalten können. Die Hauptzweck der Kastelle war es, Soldaten an einem bestimmten Ort bereitzuhalten, um bei Bedarf recht schnell außerhalb der Mauern gegen den Feind anzutreten zu können. Die Kastelle wurden im wesentlichen immer demselben Grundriss folgend angelegt. Er sollte rechteckig sein und ein Kantenverhältnis von 2:3 haben. Die vier Tore (abgesehen vom Kleinkastell mit nur einem Tor) lagen sich jeweils gegenüber und wurden durch Strassen verbunden, die sich rechtwinklig im Mittepunkt des Kastells schnitten. Jeder Soldat kannte aufgrund des einheitlichen Grundriss der Kastelle seinen Platz und die Besatzung konnte schnell und geordnet ihr Quartier beziehen oder verlassen. Blieben die Römer nur kurz an einem Ort, genügten ihnen als Schutz Wall und Graben wobei die Soldaten dann in Zelten schliefen. Ansonsten wurden wetterfeste Unterkünfte und Mauern aus Stein (so verfügbar) gebaut.

 

Kleinkastell

 

Kleinkastelle hatten im Durchschnitt nur eine Größe von 0,03 ha. Sie hatten in der Urform nur ein Tor und waren oft von nur einem Graben, manchmal aber auch von einem Doppelspitzgraben, umgeben. Der Innenausbau war U-förmig angeordnet. Es gab aber auch Kleinkastelle mit zwei gegenüberliegenden Toren und Mannschaftsbaracken links und rechts der Straße. Kleinkastelle mußten Platz bieten für eine Centurie bzw. für eine Halbcenturie, das bedeutet jeweils Unterkünfte für 80 bzw. 40 Mann. Es gab aber in der Spätantike auch noch kleinere Besatzungsstärken. Diese Anlagen dienten oftmals mehr der Kontrolle des Menschen- und Warenverkehrs als militärischen Zwecken und befanden sich oft an günstigen Eintrittsstellen in das Limesgebiet. Ab der Mitte des 2. Jrh. kam der Verhinderung von illegalen Geld- und Waffenlieferungen eine verstärkte Bedeutung zu.

 

Numeruskastell

 

Die numeri waren kleine Aufklärungs- und Beobachtungseinheiten von ca. 130 - 150 Mann Stärke und wurden vor allem in schwer zugänglichen Gebieten zur Entlastung der Alen und Kohorten eingesetzt. Numeruskastelle hatten etwa eine Größe von 0,6 - 0,8 ha. Für ein Numeruskastell waren vier Baracken, die principia, das praetorium, Speicher, eventuell Ställe und eine Schmiede (fabrica) üblich.

 

Kohortenkastell

 

In einem solchen Kastell waren etwa 500 Mann Besatzung untergebracht und sie brachten es auf eine Größe von ca. 1,5 - 3 ha. Wahrscheinlich waren auch in der Nähe dieser Kastelle nach neuesten Erkenntnisse Amphitheater (wahrscheinlich in Holz- Erdebauweise wie das Amphitheater von Birten) und zumindestens im naheliegenden Kastellvicus auch Thermenanlagen vorhanden. In einem Kohortenkastell waren mindestens sechs Centurienbaracken, die principia (Verwaltungs- und Kultzentrum), das praetorium (Kommandantenwohnhaus) und mindestens ein horreum (Speicher) und ein Valetudinarium (Lazarett) vorhanden. Für eine cohors equitata waren schon acht Baracken, zwei Ställe und eventuell eine Schmiede (fabrica) notwendig.

 

Alenkastelle

 

Alenkastelle waren Reiterkastelle mit bis zu 1000 Mann Besatzung und hatten eine Größe zwischen 4 - 6 ha (das Kastell in Aalen erreichte die Größe von 6 ha), da für die Pferde ein zusätzlicher Platzbedarf vorhanden war. Auch hier kann von dem Vorhandensein von Amphitheatern und Kastellbädern ausgehen. Ein Alenkastell mit 16 Türmen (Zügen) Besatzung bestand aus acht Baracken, acht Ställen, der principia, dem praetorium, einem Lazarett, mindestens einem Speicher und einer fabrica.

 

Auszug aus:www.antikefan.de/staetten/deutschland/limes/limes.html