Verwendet im Sinne von Grenzwall wurde der Begriff "limes" das erste Mal von Tacitus. Ursprünglich bedeutete "limes" so viel wie Pfad, Rain oder Steig. Damit bezeichnete man einen Feldweg oder eine Furche zwischen zwei Grundstücken genauso wie eine Strasse zur Verbindung von Militärstützpunkten. Erst durch die wachsende Zahl von Lagern und Wachposten und nachdem einzelne Grenzabschnitte zusätzlich mit Graben, Wall und Palisaden oder Mauern gesichert wurden, wandelte sich die Bedeutung des Wortes "limes" in Grenzwall. An Flüssen fehlten diese zusätzlichen Sicherungen oft, man spricht dann von einem Flusslimes.

 

Lippe-Limes

 

Vom Legionslager Vetera I (Xanten) ausgehend gab es vermutlich (siehe das Buch "Römer an Lippe und Weser" von Rolf Bökemeier) eine feste Römerstrasse nördlich der Lippe bis zum Lager Anreppen und dann südlich des Flusses bis nach Schloß Neuhaus/Paderborn. Die Lager entlang der Strasse und die Strasse selbst bildeten den sogenannten "Lippe-Limes". Nacheinander entstanden die Lager in Oberaden (11 - 9/8 v.Chr.), Haltern (um 5 v.Chr.- 9 n.Chr.), Anreppen (1. Jahrzehnt n.Chr.), kurzzeitig ein Lager in Holsterhausen aber auch das legendäre Lager Aliso, das bis heute noch nicht lokalisiert werden konnte aber bei Paderborn vermutet wird. Die Lippe war die hauptsächliche Aufmarsch-, Versorgungs- und Rückzugslinie in den germanischen Eroberungsfeldzügen. Spätestens nach der verlorenen Varusschlacht wurden die Lager entlang der Lippe aber bereits wieder aufgegeben.

 

Niedergermanischer Limes

 

Als Niedergermanischer Limes bezeichnet man die zahlreiche Reihe von Kastellen und Legionslagern entlang des Rhein auf linksrheinischer Seite vom Anfang des Obergermanisch- Raetischen Limes bis an die Rheinmündung in die Nordsee. Den Windungen des Rhein folgend verband die Limesstasse die einzelnen Militärlager. Über Anschlussstrecken wurden schnelle Verbindungen ins Provinzinnere oder ins gesamte Imperium ermöglicht. Die Standortwahl der militärischen Anlagen und die Truppenstärke wurde durch die geologischen Gegebenheiten zu beiden Seiten des Rhein bestimmt. Anders als der Obergermanisch-Raetische Limes mit Gräben, Wallanlagen, Palisaden oder Mauern war der Niedergermanische Limes ein typischer Flusslimes.

 

Die Ursprünge

 

Alles begann mit einer notdürftig befestigten Wegtrasse aus der die spätere Limesstrasse entstand. Der Ausbau dieser Trasse geht wahrscheinlich auf Agrippa in seiner Funktion als Statthalter Galliens zurück und begann 20/19 v.Chr. Eine erste Phase bei der Entstehung des Niedergermanischen Limes war die Einrichtung von Standlagern und Versorgungsstützpunkten zur Vorbereitung und Durchführung der Eroberungsfeldzüge gegen die Germanen zwischen Rhein und Elbe (15 v.- 15 n.Chr.). Erst der Bau von weiteren festen Legionslagern, Kastellen und Wachtürmen unter Kaiser Augustus machte aus der Versorgungslinie der Eroberungszeit eine feste Verteidigungslinie. So bekamen die Militäranlagen immer mehr defensiven Charakter nach der Abberufung von Germanicus aus Germanien durch Tiberius und dem damit verbundenen Ende der Eroberungsfeldzüge. Das Kernstück dieser Verteidigungslinie bildeten die Legionslager in Colonia Agrippina/Köln, Bonna/Bonn, Novaesium/Neuss Vetera/Xanten und Noviomagus/Nijmegen. In der Zeit zwischen 10 n.Chr. und dem Ende des 1.Jrh. waren 4 Legionen am Rhein stationiert. Unter Kaiser Hadrian wurde die Anzahl dann auf 2 Legionen reduziert. Zur Vorbereitung seines Britannienfeldzuges wurde die Rheinlinie unter Kaiser Claudius (41-54) in größerem Umfang ausgebaut und es wurden neue Militärlager (wie die Kastelle von Rigomagus/Remagen, Carvium/Herwen en Aerdt, Traiectum/Utrecht oder Laurum/Woerden z.B.) errichtet. In dieser Zeit wurde der 39 noch ausgebaute Flottenstützpunkt Flevum/Velsen geräumt und der im Gebiet der Friesen operierende Domitius Corbulo musste sich auf Anordnung von Kaiser Claudius hinter die Rheinlinie, die neue Grenze, zurückziehen. Der endgültige Ausbau des Niedergermanischen Limes war Ende des 1.Jrh. weitgehend abgeschlossen. Insgesamt gab es nun ca. 30 Lager und Kastelle an diesem Limes. Vom Ende der Germanienfeldzüge 16 n.Chr. bis zur Mitte des 3.Jrh. wurde der Frieden am Niedergermanischen Limes nur wenige Mal gestört, während des Bataveraufstandes (69-70) in dessen Folge viele Militäranlagen zerstört und wieder neu errichtet wurden, dem Angriff der Chauken während der Regierungszeit von Kaiser Marcus Aurelius, der Auflösung des Gallischen Sonderreiches (274) sowie dem Frankeneinfall um 275. Kaiser Diokletian (284-305) kümmerte sich um die Reorganisation des Rheinlimes. Vom Ende des Limes im 5.Jrh. sind bisher keine Details bekannt. Der Abzug zahlreicher Truppen aus Gallien 402 durch Stilicho war wahrscheinlich der Anfang vom Ende. Spätestens mit der Eroberung Kölns durch die Franken Mitte des 5.Jrh waren auch die letzte Kastelle am Niedergermanischen Limes geräumt.

 

Odenwaldlimes

 

Zur Sicherung ihrer Besitzungen in der Oberrheinebene und am unteren Main und Neckar legten die Römer unter Kaiser Domitian (81-96) eine erste bewachte Grenze entlang der Flüsse Main und Neckar mit einigen Limeskastellen an. Spätestens ab 100 bauten die römischen Truppen zur Verbindung der beiden Flusslimites den Odenwaldlimes (siehe Karte "Älterer Limes"). Entgegen dem späteren Obergermanisch-Raetischen Limes gab es hier keinen Wall und keinen Graben. Die Grenzlinie wurde lediglich durch Kastelle und Türme gesichert. Dieser Limes bestand nur etwa 50 Jahre. Zwischen 148 und 161 verließen die römischen Hilfstruppen diese Grenze, um das Gebiet der Provinz Germania Superior zu erweitern. Sie bauten weiter östlich eine neue Grenzlinie, den Obergermanisch-Raetischen Limes.

 

Obergermanisch-Rätischer Limes

 

Der Obergermanisch-Rätische Limes war die mehr als 500 km lange Grenzbefestigung, die den Rhein mit der Donau verband. Er reichte von Rheinbrohl/Bad Hönningen am Rhein bis nach Hienheim bei Eining an der Donau. Am Limes standen mindestens 900 Wachtürme und rückwärtig der Grenzlinie über sechzig größere Kastelle, wobei drei davon Legionslager waren, sowie einige hundert sogenannte Kleinkastelle (weniger als 100 Mann Besatzung). Er ist damit das größte archäologische Geländedenkmal Mitteleuropas.

 

Norischer – Pannonischer Limes

 

Der Norische Limes zog sich entlang der Donau durch das heutige Ober- und Niederösterreich und schließt an den Pannonischen Limes im heutigen Ungarn an. Auch dies war aufgrund fehlender Befestigungsanlagen ein Flusslimes. Es wurden größtenteils nur kleinere Kleinkastelle oder Wachtürme errichtet, da die Donau als Grenze einfach zu verteidigen war.

 

Donau-Iller-Rhein- Limes

 

Juthungen und Alamannen stoßen 270 nach Italien vor und bedrohen auch die Stadt Rom. Im Jahre 275 fallen Franken und Alamannen in Gallien ein. Kaiser Probus vertreibt 277-278 Franken und Alamannen aus Gallien sowie die Burgunder, Goten und Vandalen aus Raetien und stellt die Rhein-Donau-Grenze wieder her. Aber erst unter Kaiser Diocletian wird auf der Kaiserkonferenz 290/291 in Mailand beschlossen, die Rhein- und Donaugrenze (inklusive Bodensee und Iller) wieder zu befestigen. Neben Kastellen und Burgi (Kleinkastelle) gab es auch am Donau-Iller-Rhein-Limes zahlreiche Wachtürme. Aufgrund des Fehlens von Gräben, Wallanlagen, Palisaden und Mauern spricht man auch hier von einem typischen Flusslimes (siehe Niedergermanischer Limes). Unter Kaiser Valentinianus I. (364-375) wurden noch ein letztes Mal zahlreiche Kleinkastelle errichtet.

 

Obere Donau, Iller und Rhein bleiben bis um die Mitte des 5.Irh. römische Reichsgrenze. Die größte Gefahr für den Bestand des Limes an der unteren Donau ging in der ersten Hälfte des 5.Jrh. von den Hunnen unter Führung des Attila aus. Wiederholt fielen sie in die Donauprovinzen ein und forderten immer höhere Tribute. Als Kaiser Theodosius II. (408–450) ihnen diese verweigerte, verwüstete Attila weite Landstriche. In der Folge wurden die allermeisten Militärstationen in der Grenzregion von Moesia secunda und den Nachbarprovinzen zerstört. Von den schweren Verwüstungen erholte sich die Region nur sehr langsam. Erst unter Kaiser Anastasius (491–518) wurden in größerem Umfang Limesfestungen (wie Iatrus in Bulgarien) wieder instandgesetzt und neu besiedelt. Kaiser Iustinian (527–565) ließ den Limes wieder wiederaufbauen. Aber in den Jahren 600/602 wurde der Limes an der unteren Donau erneut überrannt. Dieses Mal waren es die Awaren, Slawen und andere Fremdvölker. Die Oströmer mussten alle Stützpunkte zwischen der Donau und dem Balkangebirge räumen und sich bis ins heutige Südbulgarien zurückziehen. Das war das endgültige Ende der letzten Reste des Donaulimes

 

Hadrianswall

 

Der Hadrianswall war 120 Kilometer lang und trennte das Keltenland (das heutige Schottland) von der damaligen römischen Provinz Britannia. Er erstreckte sich zwischen dem Solwaybusen und der Tynemündung (an der schmalsten Stelle der britischen Insel zwischen Irischer See und Nordsee) und wurde vom Jahr 122 bis etwa 410 (Abzug der römischen Truppen aus Britannien) verwendet. Drei Legionen arbeiteten 14 Jahre gleichzeitig an der Errichtung des Walls, der ungefähr dem heutigen Grenzverlauf zwischen England und Schottland folgt.

 

Der Wall wurde in zwei verschiedenen Bauweisen ausgeführt. Der etwa 45 Kilometer lange Teil im Westen wurde in Holzbauweise mit vorgelagerten Gräben errichtet. Den längeren Ostabschnitt zwischen Newcastle und der Brücke über den Irthing prägten dagegen eine massive Steinmauer auf drei Meter breitem Fundament und bis zu 5 Meter Höhe. Deren Reste sind noch heute in der Landschaft zu finden. Der Wall war mit 80 Toren versehen. Zwischen 7000 und 9000 Soldaten waren in den 320 Wachtürmen und 17 Kastellen stationiert und sicherten die Grenzbefestigung gegen die Pikten.

 

Antoniuswall

 

Nach Hadrians Tod im Jahre 138 wurde dessen Adoptivsohn Antoninus Pius neuer römischer Kaiser. Es gelang ihm kurzzeitig, die Provinz Britannien um etwa 160 Kilometer nach Norden auszuweiten. Zur Sicherung ließ er ab 42 n.Chr eine neue Befestigungslinie, den sogenannten Antoninuswall, errichten. Sie bestand aus einer Rasensodenmauer, die über einem unvermörteltem Fundament aus Steinen errichtet wurde. Ein tiefer Graben auf der Außenseite des Wall und eine parallel verlaufende Militärstraße auf der Innenseite des Walls vervollständigten die Grenzanlage. Der Wall wurde vermutlich durch 19 Auxiliarkastelle gesichert, von denen 16 nachgewiesen werden konnten. Wahrscheinlich gab es dazwischen wie auch am Hadrianswall zahlreiche Wachttürme (sogenannte "Meilenkastelle"). Obwohl der Grenzwall zwischen dem Firth of Forth und dem Firth of Clyde nur rund 60 Kilometer lang war, wurde er durch eine etwa 7000 Mann starke Truppe gesichert. Aber schon 163 musste der Antoninuswall unter dem Druck der Pikten wieder aufgegeben werden und die Römer zogen sich erneut hinter den Hadrianswall zurück und die Kastelle am Antoninuswall wurden zerstört, entweder planmäßig durch die Römer selbst beim Abzug oder durch Feindeinwirkung. Das ist nicht genau zu sagen, aber wahrscheinlicher ist die erste Variante

 

Trajanswall

 

Der Trajanswall ist eine unter Kaiser Trajan errichtete Grenzlinie nördlich der Donaumündung, die das Eindringen der Steppennomaden in das Römische Imperium verhindern sollte. Sie verlief ist west-östlicher Richtung über 120 km von Pruth bis zur Küste des Schwarzen Meeres bzw. bis zum Dnjestr. Damit liegen die Überreste heute auf dem Gebiet Moldawiens und der Ukraine.

 

Limes Arabicus – Limes Palaestiniae

 

Im Jahre 64 v.Chr. machte Rom das seleukidische Syrien zur Provinz Syria. Das war auch das Entstehungsdatum des Limes Arabicus zum Schutz gegen der reichen Provinzen Syria und später (ab 106 n.Chr.) auch Arabia gegen die Normaden und vor allem die Parther. Der Limes lag damit im Gebiet des heutigen Syrien und Jordanien und schützte über mehrere Jahrhunderte die Grenzen

 

Der Bau der Kastelle und der Unterhalt der Truppen kostete die Römer sicher ein Vermögen. Doch es muss sich gerechnet haben, denn die Provinzen Arabia und Syria galten neben Ägypten als die reichsten im ganzen Imperium Romanum und versorgten es mit Getreide, Olivenöl und anderen Luxusgütern. Die Zeugnisse der 1500 Kilometer langen Verteidigungslinie quer durch die Wüste sind noch lange nicht alle entdeckt und damit auch nicht erforscht. In den holzarmen Steppenlandschaften des Orient war der Bau eines Limes nach dem Vorbild des Obergermanisch-Rätischen Limes mit Wällen, Gräben und Holzpalisaden nicht möglich. Sie wurden bei Vorhandensein von Stein auch aus Stein errichtet, ansonsten kam ungebrannter Lehm zum Einsatz. Im wasserarmen Grenzgebiet gab es keine andere Möglichkeit. In Folge des Krieges gegen die Parther unter Marc Aurel (161-180) und Lucius Verus (161-169) wurde die Grenze vom Euphrat auf den Habur vorverlagert. Zur Zeit des Diokletian (284-305) wurde zur Abwehr der Sassaniden (Nachfolger der Parther) zahlreiche Kastelle in der Lehmbauweise errichtet. An der Strasse zwischen Palmyra und dem Euphrat konnten bisher drei unter Diokletian errichtete Legionslager, zwei größere und sechs kleinere Kastelle sowie zahlreiche Wachtposten nachgewiesen werden. Ihre Entfernung voneinander ermöglichte eine Kommunikation untereinander mittels Signalsytemen. Sie sind Teil der überlieferten "Strata Diocletiana", der neuen Militärstrasse und Verteidigungslinie, die Bostra im Süden und Soura im Norden verbunden haben soll.

 

Limes Mauretaniae

 

Grenzbefestigungs- und Grenzsicherungslinie zwischen Anzia (Anmale, Algerien) und Numerus Syrorum (Lalla Marnia, Marokko).

 

Auszug aus: www.antikefan.de/staetten/deutschland/limes/limes.html