Angeln (Volk)


Die Angeln waren Bewohner des gleichnamigen Landstrichs Angeln im Norden Schleswig – Holsteins und seiner Nachbargebiete. Sie traten mehrfach im Altertum und Mittelalter in das Blickfeld der Geschichte: Um 100 erwähnt der römische Autor Tacitus die Angeln: Reudigni deinde et Aviones et Anglii et Varini et Eudoses et Suardones et Nuithones fluminibus aut silvis muniuntur. Er findet allerdings nur erwähnenswert dass sie alle gemeinsam Nerthus verehrten was die Erde sei. Ab etwa 200 verstärkt ab 450 wanderten Angeln gemeinsam mit Sachsen und Jüten nach Britannien aus. Dort siedelten sie insbesondere in East Anglia (Grafschaften Cambridgeshire Norfolk Suffolk und Teile des südlichen Lincolnshire). Die Namen der Völker verschmolzen zum Begriff der Angelsachsen. Der NameEngland für den südöstlichen Teil Britanniens leitet sich von den Angeln ab. Die angelsächsische Sprache ein Zweig der altniedersächsischen Sprache wurde zur Grundlage der englischen Sprache.

 

Im 3. Jahrhundert wanderten Angeln gemeinsam mit den Warnen nach Süden in das Gebiet der oberen Elbe wo die Hermunduren und Markomannen ihre Reiche hatten. Die Angeln bildeten einen Teil der Oberschicht des Königreiches Thüringen. Auch nach der fränkischen Besetzung blieben Angeln im Land worauf das Lex Angliorum et Werinorum hoc est Thuringorum das Karl der Große um 800 aufzeichnen ließ hinweist. Für die Auswanderung der Angeln werden in der Geschichtsforschung mehrere Gründe genannt. Es gab im3. und 4. Jahrhundert auf der kimbrischen Halbinsel kriegerische Auseinandersetzungen. Außerdem gab es vermutlich klimatische Änderungen. So brechen um 350 die Funde von Getreidepollen in den tiefer gelegenen Gebieten ab während sie auf Geestinseln z.B. Süderbrarup zunehmen. Durch den Abzug desRömischen Heeres aus Britannien entstand eine Sicherheitslücke. Die keltorömische Bevölkerung war durch die Einfälle der keltischen Pikten aus Schottland beunruhigt. So warb der britische König Guorthigirn (auch Vortigern lat. Vertigernus angelsächsisch Wyrtgeorn genannt) um 430 gezielt Angeln Sachsen und Jüten (die bereits früher an der britischen Küste zu Raubzügen aufgetaucht waren) als Schutztruppen (lat. foederati ) an. Unklar ist aber ob tatsächlich alle Angeln ihr Ursprungsgebiet verlassen hatten oder ob ein Teil blieb. Zumindest ist wohl die Oberschicht ausgewandert darunter auch Nachfahren des legendären Angeln-Königs Offa (nicht zu verwechseln mit dem englischen König Offa von Mercia) aus der Zeit vor der Auswanderung. Die heutigen Bewohner der Landschaft Angeln werden Angeliter genannt.

 

Auszug aus: www.uni-protokolle.de/Lexikon/Germanen/Angeln (Volk)

und wikipedia.org/wiki/Angeln (Volk)

 

Bastarnen


Die Bastarnen oder Bastarner waren ein indogermanischer Volksstamm im Südosten Europas. Die genaue Zuordnung ist nicht vollständig geklärt, überwiegend werden sie jedoch den Germanen, insbesondere deren ostgermanischen Stämmen zugerechnet.


Polybios berichtet von Kämpfen der Bastarnen und Skiren mit den Römern im 3. Jh. v. Chr. Um 230 v. Chr. belagerten die Bastarnen mit den germanischen Skiren die Stadt Olbia am Schwarzen Meer; um 180 v. Chr. treten sie an der Unterdonau auf und wenig später kämpfen sie als Söldner Perseus gegen Rom. Einige Siedlungen aus dem 2. und 1. Jh. v. Chr. im Osten Rumäniens und in Moldawien werden den Bastarnen zugeschrieben. Das dortige Fundgut weist vielleicht auf elbgermanische Wurzeln der Bastarnen. Tacitus nennt sie im Jahre 98 n. Chr. nach einem ihrer Teilstämme Peukiner und vergleicht sie in Sprache, Lebensweise, Siedlungsart und Hausbau mit den Germanen. Er lokalisiert sie in den Karpaten. In den Markomannenkriegen gegen germanische, thrakische und sarmatische Stämme ging Marcus Aurelius auch gegen Bastarnen und Peukiner vor. Später treten sie gemeinsam mit den Goten an der Donaumündung auf und setzten 280/95 auf römisches Gebiet über. Um 280 weist Kaiser Probus den Bastarnen in Thrakien Land zu. Südlich der Donau lassen sie sich bis 391 nachweisen; die letzten Spuren verschwanden im 6. Jh. mit dem Kastell Basternai. Durch ihre isolierte Lage bildeten die Bastarnen über fünf Jahrhunderte hinweg eine ethnisch verhältnismäßig konstante Gruppe. Erst die von Osten anrückenden Sarmaten und der Einfall der Goten brachten sie in Bedrängnis. Sie wurden auf Reichsgebiet umgesiedelt und später assimiliert.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Bastarnen

 

Bajuwaren

 

Die Bajuwaren (Boii-avari Baiwaren Baioaren bedeutet Männer aus Baia evtl. Germanen aus Böhmen/Boiohaemum) oder auch Volksstamm der Baiern genannt bilden die Bevölkerung des frühen Bayern. Die Besiedelung von Teilen Österreichs und Einflüsse auf Böhmen sind belegt. Die tatsächlichen Ursprünge der Baiern sind nicht genau bekannt wobei Anklänge an den Namen des keltischen Volkes der Boier in der Wissenschaft kontrovers diskutiert werden jedoch evident sind. Der Name selbst beschreibt wahrscheinlich ein Konglomerat aus größeren und kleineren Teilen der folgenden Gruppen:

 

Reste der keltischen Urbevölkerung verschiedener Stämme der Räter, Vindeliker und Boier; Siedlungsreste der Römerzeit Romanen (z.B. um Salzburg) incl. kleinerer Restgruppen verschiedener Mittelmeervölker die im Gefolge der Römer einwanderten; dem Volk der Alamannen (in größerer Zahl im Westen); verschiedener Germanengruppen aus Böhmen darunter wohl Markomannen; dem Volk der Langobarden; dem Volk der Thüringer (z.B. um Zeusleben); später auch dem Volk der Slawen (in den östlichen Gebieten) und wahrscheinlich vereinzelt auch dem Volk der Awaren. Im Übrigen gilt der Lech als Siedlungsgrenze zwischen den Alemannen und den Bajuwaren die auch heute noch als Sprachgrenze erhalten ist. In diesem Sinne sind die Bajuwaren kein echter Volksstamm sondern vielmehr ein Volks-Konstrukt dass sich aufgrund bestehenden regionalen Herrschafts-Einheit gefügt hat. Als Nachbarvölker der Bajuwaren gelten: Alamannen im Westen; Franken im Norden; Langobarden im Süden hinter den Alpen; Awaren im Südosten; Slawen im Osten. Die Vorgänger in der Region zwischen Donau und Fichtelgebirge die Narisker (auch Naristen Narister oder Varisten) zogen um 534 n. Chr. ab nach Burgund. Ortsnamen mit der Endung -ing insbesondere aus der Zeit um 550 n. Chr. deuten auf bajuwarische Ursprünge hin z.B. Straubing, Greding, Kinding und Sünching. Die Regenten der Baiern wurden vom Herzogsgeschlecht der Agilolfinger gestellt: Herzog Garibald I. 555 - ca. 591; Herzog Odilo 739 legt Bistümer fest; Herzog Tassilo III. 748 - 788 danach Enteignung durch Franken-Kaiser Karl. Regensburg gilt als die Hauptstadt der Baiern und wurde in karolingischer Zeit dann zum Zentrum des ostfränkischen Reiches. Die Baiern waren einer allmählichen Christianisierung unterworfen. Im Benediktinerkloster Niederalteich (gegründet 731 oder 741 n. Chr.) wurde als Gesetzeswerk das sogenannte Lex Baiuvariorum auf 150 Pergamentseiten in Latein niedergeschrieben.

 

Auszug aus: www.uni-protokolle.de/Lexikon/Germanen/Bajuwaren

und wikipedia.org/wiki/Bajuwaren

 

Bataver

 

Die Bataver (lat. Batavi, veraltet auch Batavier) war ein westgermanischer Volksstamm. Aufgrund einer stammesinternen Fehde trennten sie sich von den Chatten und siedelten sich um etwa 50 v.Chr. an der Rheinmündung in der römischen Provinz Belgica an. Im Jahre 12 v.Chr. wurden sie von den Römern unter Drusus unterworfen und galten von da an als treue Bundesgenossen, mit einer Ausnahme: der Bataveraufstand unter Iulius Civillis im Jahre 69 n.Chr. In diesem Zusammenhang gelang den Germanen erstmals die Eroberung eines römischen Legionslagers (Vetera bei Xanten). Erst nach dem Aufstand von 69/70 n. Chr. erfolgte die Einrichtung einer civitas Batavorum, die in der Nachfolge des oppidum Batavodurum seit Trajan der römische Militärstützpunkt Ulpia Noviomagus Batavorum (das heutige Nimwegen) war. Im 4. Jahrhundert gingen die inzwischen romanisierten Bataver in den Franken auf.

 

Die Bataver waren als gute Reiter und Schwimmer bekannt und zeichneten sich durch Mut und Tüchtigkeit aus. Sie stellten einen Teil der kaiserlichen Germanischen Leibwache in Rom und waren auch Söldner im germanischen Römerheer. Die Krieger der Bataver, auch als Reiter-Legionäre in römischen Diensten, trugen einen speziellen Helm, von denen bisher nur wenige am Niederrhein im Gebiet zwischen Nimwegen und Xanten gefunden wurden. Er bestand aus Eisen und hatte einen dichten geflochtenen Besatz aus Pferdehaar, der mit Pechkleber befestigt war. Außerdem besaß er ein Scharnier, innen aus Eisen, außen aus Silber, das das Gesicht vollständig bedeckte. Ein solcher Helm wurde 2008 im Museum Het Valkhof in Nimwegen mit Hilfe von Kollegen aus Bonn und Mannheim rekonstruiert. Dabei entdeckte man auch die Zusammensetzung des Klebers, der Eisen- und Silberschicht verband: Baumteer, Bitumen und Rindertalg. 69 n. Chr., nach dem Aufstand der Bataver, verschwand dieser Helmtyp. Er tauchte erst hundert Jahre später als Metallnachbildung im gesamten Römischen Heer wieder auf. Die geflochtenen Zöpfe wurden nun in Metall getrieben. Das rekonstruierte Exemplar wird im Römermuseum Xanten dauerausgestellt. Unter niederländischen Humanisten war der Mythos verbreitet, die Batavier seien nicht unterworfen, sondern freie Verbündete der Römer gewesen. Als Beleg diente vor allem eine angeblich um 1500 bei Zoeterwoude gefundene Inschrift „Gens Batavorum amici et fratres Romani Imperii“ = „Volk der Batavier, Freunde und Brüder des Römischen Reiches“. Arnoldus Buchelius (1565–1641) beurteilte diese Inschrift als Fälschung und schloss aus römischen Legionsstempeln und Münzen, die er zusammen mit Johannes de Witt (1565–1622) in der Umgebung von Utrecht gefunden hatte, dass die Nordgrenze des Römischen Reiches entlang der römischen Militärlager Arenacum, Vada, Grinnes und Batavodorum am Rhein verlief.


Batavia ist eine im humanistischen Latein gängige Bezeichnung für die Niederlande. Während der niederländischen Kolonialzeit hieß die heutige Hauptstadt Indonesiens, Jakarta, ebenfalls Batavia. Die am „nassen Teil“ des Rätischen Limes im 1. Jahrhundert stationierte Bataver-Cohorte gilt heute als Namensgeberin für die Stadt Passau.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Bataver

 

Brukterer

 

Die Brukterer (auch Boruktuarier, Boruakter, Borchter, lateinisch: Bructeri, Boructuarii, griechisch: οι Βρούκτεροι) waren ein bedeutender germanischer Volksstamm und siedelten anfangs zwischen mittlerer Ems und oberer Lippe. Zur damaligen Zeit war das Gebiet dünn besiedelt und in weiten Gebieten mit dichten Wäldern bewachsen. Die Brukterer lebten teils von der Jagd, vor allem aber von Ackerbau und Viehzucht.


Sie wurden im Jahre 12 v.Chr. von Drusus besiegt und gehörten zu den germanischen Stämmen, die sich im Jahre 9 n.Chr. in der Varusschlacht erfolgreich gegen die römische Expansion zur Wehr setzten. L. Stertinius schlug im Sommer 15 n. Chr. mit einer Abteilung Leichtbewaffneter im Auftrag des Germanicus die Brukterer, die ihr eigenes Land verheerten. Zwischen den Leichen der Gefallenen und der Beute fand Stertinius das Feldzeichen der 19. Legion, das in der Varusschlacht erbeutet worden war. Von dort wurde der Heereszug in die abgelegensten Gebiete der Brukterer (wohl im Nordosten) geführt und alles Land zwischen Ems und Lippe verwüstet, haud procul Teutoburgiensi saltu („nicht weit weg vom Teutoburger Wald“), wo die sterblichen Überreste des Varus und der Legionen noch unbestattet liegen sollten. Die bekannteste Persönlichkeit aus dem Stamm der Brukterer war die bei den Germanen hoch geachtete Seherin Veleda. In den Jahren 69/70 n. Chr. nahmen die Brukterer mit Unterstützung von Veleda am Bataveraufstand unter Civilis teil. Im Jahre 77 n. Chr. führte der niedergermanische Statthalter Rutilius Gallicus Krieg gegen die Brukterer. Bei diesem Feldzug wurde auch Veleda gefangengenommen. Ende des 1. Jahrhunderts (98 n. Chr.) wurden sie von den Angrivariern und Chamaven vernichtend geschlagen und fast ausgerottet. Reste flüchteten in das Gebiet der mit ihnen verbündeten Tenkterer und ließen sich südlich der Lippe nieder. Im 3. Jahrhundert breiteten sie sich rechtsrheinisch von etwa Köln, aber nicht nördlicher als Neuss, bis südlich Koblenz aus.

 

Die Brukterer zählten ab dem 3. Jahrhundert zum Stammesverband der Franken. Ein großer Teil der im 4. und 5. Jahrhundert überlieferten Frankeneinfälle ist von den Brukterern ausgegangen. Der spätantike Geschichtsschreiber Sulpicius Alexander, von dessen Werk nur Auszüge in den Historien des Grgor von Tours erhalten sind, berichtet von Angriffen verschiedener Kleinkönige (siehe auch Sunno, der möglicherweise ein Brukterer war). Die am Rhein siedelnden Brukterer erneuerten jedoch ihr Bündnis mit Rom, wenngleich sich Mitte des 5. Jahrhunderts einige Brukterer den Zügen des Hunnenkönigs Attila anschlossen. Die Brukterer, die zu den gefährlichsten germanischen Gegnern Roms zählten, werden um die Mitte des 5. Jahrhunderts auch Köln und einen großen Teil des linken Rheinufers in Besitz genommen haben. Nach ihrem Aufgehen im fränkischen Reichsverband lebte ihr Name in ihrem alten Stammesgebiet zwischen Lippe und Ruhr in dem Gaunamen Borahtra fort. Dass er im 7. und 8. Jahrhundert noch lebendig war, geht auch daraus hervor, dass der Heilige Suitbert bei den Boructuarii im Bereich Recklinghausen/ Dortmund missionierte. Beda Venerabilis zufolge vertrieben die Sachsen bei einem Einfall im Jahr 694 oder 695 diese christianisierten Bevölkerungsteile. Papst Gregor III. richtete 738 einen Brief an die Borthari. In den Sachsenkriegen Karl der Großen gerieten die Borchter (jüngste Schreibweise für Brukterer, Boructuarii, Boruakter) zwischen die Franken und Sachsen. Einige Indizien sprechen dafür, dass sie nach Beendigung der Kriege auf Geheiß Karls das Sauerland und große Teile des Bergischen Landes besiedelten.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Brukterer

 

Burgunder (Volk)

 

Das Volk der Burgunder (bzw. Burgunden) wird den Ostgermanen zugerechnet. Die ältere Forschung ging auf Grund der viel späteren Herkunftssage von einem Ursprung der Burgunder in Skandinavien aus. Aus heutiger Sicht muss dies aber als Topos antiker Historiographie zurückgewiesen werden. Die wichtigste historische Nachricht über die ursprünglichen Siedlungsgebiete der Burgunder (oder besser Burgunden) überlieferte der Geograph Ptolemaios für die Mitte des 2. Jh. Danach lebten sie östlich der Semnonen und nördlich der Lugier zwischen der Vistula (Weichsel) und dem die westliche Grenze bildenden Fluss Suebus (Oder – Spree – Havel Oberlauf). Archäologisch gesehen sind die frühesten Siedlungsgebiete der Burgunden vermutlich in einer Kulturgruppe fassbar die als Lebus-Lausitz-Gruppe oder Luboszyce-Kultur bezeichnet wird und die ihren Schwerpunkt an der mittleren Oder im heutigen Brandenburg und der Lausitz hatte.

Im Zuge der Südbewegung verschiedener germanischer Stämme haben auch Großteile der Burgunden ihre Siedlungsgebiete an der Oder verlassen. Die erste sichere Erwähnung von Burgunden im Rhein - Donau Gebiet stammt aus dem Jahre 278 als sie mit Wandalen verbündet unter dem Anführer Igillos (Igilo) von den Römern unter Kaiser Probus am Fluss Ligys (wohl der Lech bei Augsburg) geschlagen wurden. Diese Niederlage drängte die Burgunder in das Neckargebiet und das alemannische Dekumatenland ab. Im Jahre 286 fallen Burgunder gemeinsam mit Alemannen Herulern und Chaibonen in Gallien ein. Als im 4. Jh. die Feindseligkeiten zwischen Römern und Alamannen zunahmen traten die Burgunder zunehmend als Verbündete der Römer gegen die Alamannen auf. Nach dem Abzug der römischen Truppen vom Rhein im Jahr 401 war der Weg über den Fluss frei. Der Übergang bei Mainz im Jahre 406 setzte die Landnahme des nördlichen Alamannenlandes bis zum unteren Neckarbergland voraus. Die Burgunden unter ihrem Anführer Gundohar (auch als Gundihar oder Guntiar überliefert) wurden im Einvernehmen mit Kaiser Honorius vor allem in dem Gebiet um Worms Mainz und Alzey angesiedelt. Gundohars Bemühungen sein Reich nach Westen (Belgica I) auszudehen brachte die Burgunder in Konflikt mit den Römern. Im Jahre 435 wurde ein burgundisches Heer vom römischen Heermeister Aetius besiegt. Ein Jahr darauf wurde das Burgunderreich von Hunnen und Herulern die im Auftrag Roms handelten endgültig besiegt. Dieses Ereignis war der historische kern des Nibelungenepos.

 

Die burgundische Niederlage durch die Römer unter Aetius war der Anlass ihrer nach römischen Einquartierungsrecht vollzogenen Umsiedlung im Jahre 443 als Föderaten in die Südschweiz ( Sapaudia - das heutige Savoyen). Unter dem König Gundobad gelang den Burgunden eine Ausweitung des Herrschaftsgebietes entlang der Rhone. Unter den folgenden Königen Sigismund und Gundomar wurde das Burgunderreich zunehmen in den Interessenkonflikt zwischen Franken und Ostgoten verwickelt. Im Jahre 532 verloren die Burgunden bei Autun endgültig gegen die Franken und mussten die politische Selbstständigkeit aufgeben. Das Reich teilten die Frankenkönige Chlotahar, Childebert und Theudebert unter sich auf.

 

Auszug aus: www.uni-protokolle.de/Lexikon/Burgunder_Volk

 

Chatten


Der Name Hessen ist auf die allmähliche Wortwandlung des Stammesnamens der germanischen Chatten, über mehrere Zwischenschritte hin, zum heutigen Namen Hessen zurückzuführen. Die Chatten sollen sich aus mehreren germanischen Bevölkerungsgruppen und Resten keltischer Ethnien entwickelt haben und waren vor der Zeitenwende hauptsächlich im heutigen Nord- und Mittelhessen ansässig. Zentrum der chattischen Siedlungszone war die Gegend von Fritzlar-Gudensberg-Wabern, das Kasseler Becken sowie die westhessische Senkenlandschaft. Nach Süden griff das Siedlungsgebiet bis in den Raum zwischen Gießen und Marburg über, wie neuere Ausgrabungen (zum Beispiel Niederweimar) belegen. Althessen entspricht damit in etwa der Nordhälfte des heutigen Bundeslandes Hessen. Neben den Friesen sind die Chatten der einzige germanische Volksstamm, dessen vermutliche Nachkommen noch heute auf dem historischen Territorium ansässig sind und ihren Namen behalten haben. Da die letzte Erwähnung des Stammes ins Jahr 213 n. Chr. fällt, lässt sich diese Abstammung jedoch nicht zweifelsfrei belegen. Es ist denkbar, dass die Chatten im Laufe der Völkerwanderungszeit durch andere Stämme verdrängt wurden oder in diesen aufgingen.

 

In der Bronzezeit dominierten Grabfunde, häufig Hügelgräber, wie man sie zum Beispiel in Wetzlar (im Finsterloh) findet, Siedlungsfunde dieser Epoche sind wesentlich seltener. Aus Wölfersheim liegen mehrere Grabfunde dieser Zeit vor, von denen ein Frauengrab eponymer Fundort war für die Stufe Wölfersheim. Auf Wetzlarer Gemarkung bestanden drei keltische Siedlungen. Der in der Nähe liegende Dünsberg war eine keltische Fluchtburg, ein sogenanntes "Oppidum". Hier ereignete sich um das Jahr 6. v. Chr. eine Schlacht, wie Funde u. a. von Schleuderbleien der römischen Hilfstruppen belegen. Nach der Schlacht erfolgte die Zerstörung des Oppidums. Über das Schicksal der übriggebliebenen Kelten ist nichts bekannt, aber es ist anzunehmen, dass sie sich mit den zuziehenden Germanen vermischten. Weitere Siedlungen werden gegenwärtig im Rahmen von Forschungsgrabungen des Bereichs für Ur- und Frühgeschichte der Universität Jena in Wetzlar freigelegt, sie haben germanischen Ursprung. Deren Grubenhäuser waren ebenfalls mit Graben und Wall versehen. Sie stammen zum Teil aus der Zeit um Christi Geburt und waren ca. 1400 Jahre lang besiedelt. Die Keramik- und Metallfunde deuten auf einen regen Kontakt zu dem nahe gelegenen römischen Limes hin.


Die Römer hatten in Dorlar ein Militärlager, und in Waldgirmes unmittelbar an der östlichen Stadtgrenze von Wetzlar befand sich eine zivile Siedlung im Aufbau. Hier war vermutlich die Provinzverwaltung für die besetzten Gebiete des rechtsrheinischen Germaniens geplant. Es ist anzunehmen, dass der Statthalter Germaniens zumindest zeitweise hier residiert hat. Die Siedlung scheint aber nach der für die Römer vernichtend ausgefallenen Varusschlacht im Jahre 9 n. Chr. aufgegeben worden zu sein. Das Ortsnamen-Grundwort „-lar“ verweist möglicherweise auf eine Siedlung keltischen Ursprungs mit einem Gründungsdatum bis zum 3. Jahrhundert (vgl. auch Wetzlar, Fritzlar, Dorlar usw.). Eine weitere Deutung der Ortsnamensendung „-lar“: - altfränkisch „hlar / hlari“ und bedeutet etwas Ähnliches wie „Hürde“ oder „Gerüst / Gestell“.


Durch das spätere Hessen verlief dann der Obergermanisch-Raetische Limes, von dem vor allem im Taunus noch zahlreiche Reste zu sehen sind (Saalburg). Bis zum Ende des 1. Jahrhunderts wurde das spätere Südhessen römisch, während der Norden (Nieder- und Oberhessen) im Einflussbereich der Chatten verblieb. Im Hinterland der Kastellkette entwickelte sich seit dem Ende des 1. Jahrhundert n. Chr. eine zivile Besiedlung, von der besonders zahlreiche villae rusticae bekannt sind. Auf heutigem hessischen Gebiet befanden sich zwei Verwaltungshauptorte: Nida-Heddernheim, Hauptort der Civitas Taunensium und das römische Dieburg (Hauptort der Civitas Auderiensium).

 

Im Lauf der römischen Besatzung von Teilen Germaniens kam es zu mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen mit den germanischen Chatten. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus stellt sie als Prototypen des wehrhaften Germanen dar und als den römischen Legionen ebenbürtig. Die Chatten waren unter anderem am Aufstand des Arminius um 9 n. Chr. siehe auch Varusschlacht) und 69 n. Chr. am Bataveraufstand beteiligt. Das politische und kulturelle Zentrum der Chatten wird auf der Mader Heide bei Gudensberg südlich von Kassel vermutet. Die politische Kontinuität dieser Örtlichkeit wird noch 1654, also in der Neuzeit wirksam, als hier die Hessischen Landstände sich von ihrem Landgrafen zum letzten Mal am Ort des germanischen Things der Chatten unter freiem Himmel einberufen lassen.

Die Chatten sind die Stammväter der Hessen, wobei genau genommen der Name Hessen lediglich eine abgewandelte Form des Stammesnamens der Chatten darstellt.

 

In Hessen konnte sich nicht wie in Sachsen, Bayern und Schwaben ein eigenes Stammesherzogtum etablieren. Hessen wurde weitgehend von den Franken kolonialisiert und als Königsland annektiert. Es wurde in Gaue aufgeteilt und von Gaugrafen im Auftrag des jeweiligen Königs verwaltet. Bereits im 6. Jahrhundert kam Hessen unter fränkischen Einfluss. Bevor Bonifatius, der „Apostel der Deutschen“ (aus Sicht der Katholischen Kirche) im Auftrag des Papstes eine neue Kirchenorganisation nach römischem Vorbild aufbaute, hatten bereits seit Anfang des 7. Jahrhunderts Missionare aus Irland und Schottland in Hessen und Thüringen missioniert (siehe Chatten, Missionierung der Chatten) und dort Kirchen und Stützpunkte aufgebaut (u.a. Hersfeld, Fulda, Büraberg, Amöneburg, Wetter, Schotten und in der Wetterau). In Sendschreiben des Papstes an Bonifatius wird auf bereits zum Christentum mehr oder weniger bekehrte Hessen und Thüringer hingewiesen. Bonifatius traf bei seiner erneuten, durch den fränkischen Adel stark unterstützten Mission, daher bereits auf eine iro-schottische Kirchenorganisation, als er 723 die Donareiche bei Fritzlar fällte. 724 gründete er das Kloster Fritzlar und das benachbarte Bistum Büraburg, 744 ließ er das Kloster Fulda durch Sturmius gründen. Seit dem 8. Jahrhundert entwickelte sich im späteren südöstlichen Landesteil die Via Regia, die das fränkische Stammesherzogtum um Mainz mit der Königspfalz Frankfurt, den Abteien Fulda und Hersfeld sowie dem Handels- und Missionsstützpunkt Erfurt verband.

 

Unter König Konrad II. erhielt die Grafenfamilie Werner aus Schwaben Einfluss im Reich. Ab 1027 waren sie Inhaber der Grafschaft Maden in Niederhessen und gewannen andere Grafschaften an der Lahn hinzu. Graf Werner I. fiel als königlicher Bannerträger 1040 in Böhmen, sein Sohn Werner II. 1053 in Civitate während der Normannenschlacht, ebenfalls als Bannerträger der Reichstruppen. In den Annalen Lamperts von Hersfeld heißt es, Werner III. sei, zusammen mit Erzbischof Adalbert von Bremen, mächtiger als Heinrich IV. gewesen. Die Grafen Werner waren außerdem Vögte einer Reihe von Klöstern, so u.a. von Hasungen und Kaufungen sowie des von Werner IV. 1113 gegründeten Klosters Breitenau. Damit waren sie teilweise fast so mächtig wie es die Konradiner zuvor in Hessen gewesen waren. 1121 starb Werner IV., der auch noch Burggraf von Worms geworden war.


Durch Erbschaft fielen die hessischen Grafschaften (Maden/Gudensberg, Raum Marburg, bis zum Westerwald) zunächst an die Gisonen, die bereits ausgedehnten Besitz an der Lahn hatten und durch Heirat und Erbschaften auch erhebliche Teile des Bilsteiner Besitzes erworben hatten. Schließlich fielen all diese Gebiete durch Heirat an die Ludowinger Grafen, die 1131 zu Landgrafen von Thüringen erhoben wurden. Die regierenden Ludowinger Landgrafen überantworteten die Verwaltung ihrer hessischen Gebiete ihren jüngeren Brüdern, die als „Grafen von Gudensberg“ oder „Grafen von Hessen“ in Gudensberg residierten. Bekanntester unter ihnen war Konrad von Thüringen, der spätere Hochmeister des Deutschen Ordens.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Geschichte Hessens

Chauken

 

Die Chauken (Aussprache [çaukən], „ch“ also wie in „Licht“ [liçt], lateinisch: Chauci, griechisch: οι Καύχοι) waren ein germanischer Stamm, der beidseits der unteren Weser (westlich: lat. chauci minores, östlich: lat. chauci maiores) lebte. Die Chauken gehörten nach Tacitus zur Gruppe der Ingaevonen.

 

Die Chauken waren seit 12 v. Chr. durch Nero - Claudius - Drusus den Römern bekannt. Sie waren, nach Berichten des Historikers Velleius Paterculus, um 4 bis 5 n.Chr. bei einem Germanienfeldzug des Tiberius unter die Oberherrschaft der Römer geraten. Eine Vexilliar - Einheit unter dem Lagerpräfekten Maenius war im Sommer des Jahres 14 n. Chr. bei den Chauken stationiert, zog sich aber in ein Winterlager zurück. Da die Chauken dem Germanicus die Stellung von Hilfstruppen zusagten, wurden sie 15 n. Chr. in die Bundesgenossenschaft (Föderaten) mit Rom aufgenommen. Nach dem friesischen Aufstand um 28 n. Chr. schieden sie wieder aus dem Reichsverband aus. Im Jahre 41 wurden die „Cauchi“ (Chauken) von P. Gabinius Secundus, dem Legaten der Germania inferior, und seinem Heer besiegt. Die Rückgewinnung des letzten Legionsadlers, der seit der Niederlage des Varus bei den Chauken war, wurde dabei offensichtlich für so bedeutend gehalten, dass Gabinius das Führen des Beinamens Cauchius erlaubt wurde. Dass dieser Sieg keine endgültige „Befriedung“ oder Unterwerfung bedeutet hatte, zeigte sich im Jahr 47 n.Chr.: Die Chauken überfielen unter der Führung des Cananefaten Gannascus, der zuvor aus einer Auxiliareinheit desertiert war, mit Booten die gallische Küste. Der neue niedergermanische Legat Gnaeus Domitius Corbulo vernichtete die Schiffe der Chauken mit Hilfe der Rheinflotte. Nach anderen Quellen waren sie jedoch auch als Seeräuber berüchtigt; sie vertrieben auch die Ampsivarier im Jahr 58 aus dem Gebiet der Emsmündung.

 

77 n. Chr. beschrieb der römische Chronist Plinius das Volk, das auf künstlich aufgeworfenen Erdhügeln im Küstenbereich, den Warften lebte, wie folgt:

 

„… Gesehen haben wir im Norden die Völkerschaften der Chauken, die die größeren und die kleineren heißen. In großartiger Bewegung ergießt sich dort zweimal im Zeitraum eines jeden Tages und einer jeden Nacht das Meer über eine unendliche Fläche und offenbart einen ewigen Streit der Natur in einer Gegend, in der es zweifelhaft ist, ob sie zum Land oder zum Meer gehört. Dort bewohnt ein beklagenswertes Volk hohe Erdhügel, die mit den Händen nach dem Maß der höchsten Flut errichtet sind. In ihren erbauten Hütten gleichen sie Seefahrern, wenn das Wasser das sie umgebende Land bedeckt, und Schiffbrüchigen, wenn es zurückgewichen ist und ihre Hütten gleich gestrandeten Schiffen allein dort liegen. Von ihren Hütten aus machen sie Jagd auf zurückgebliebene Fische. Ihnen ist es nicht vergönnt, Vieh zu halten wie ihre Nachbarn, ja nicht einmal mit wilden Tieren zu kämpfen, da jedes Buschwerk fehlt. Aus Schilfgras und Binsen flechten sie Stricke, um Netze für die Fischerei daraus zu machen. Und indem sie den mit den Händen ergriffenen Schlamm mehr im Winde als in der Sonne trocknen, erwärmen sie ihre Speise und die vom Nordwind erstarrten Glieder durch Erde.“ [Gekocht und geheizt wurde also mit Torf.] „Zum Trinken dient ihnen nur Regenwasser, das im Vorhof des Hauses in Gruben gesammelt wird…“

– Plinius: Naturalis historia XVI 1, 2–4

 

Ca. 98 n. Chr. wurden die Chauken erneut schriftlich erwähnt im 35. Kapitel der Germania von Tacitus. Er bezeichnet sie als östliche Nachbarn der Friesen und schildert sie als wehrhaftes, aber friedliches Volk, das ein großes Gebiet bewohne und bei seinen Nachbarn hoch angesehen sei.

Aus der deutschen Übersetzung der Werke des Publius Cornelius Tacitus von H. Gutmann und von W. S. Teuffel:

 

„… So weit kennen wir nun Germanien gegen Westen hin. Gegen Norden tritt es in einer starken Ausbuchtung zurück. Gleich zuerst kommt das Volk der Chauken, das zwar bei den Friesen beginnt und einen Teil der Küste einnimmt, sich dann aber allen vorher erwähnten Stämmen zur Seite hinzieht und endlich bis ins Chattenland hinein einen Winkel bildet. Diese riesige Landfläche besitzen die Chauken nicht bloß, sondern füllen sie auch aus: das vornehmste Volk unter den Germanen, das seine Größe lieber durch Gerechtigkeit erhalten will. Ohne Habgier, ohne Herrschsucht, ruhig und abgeschieden fordern sie nicht zum Krieg heraus, schaden nicht durch Raub- und Plünderungszüge. Der beste Beweis ihrer Tapferkeit und Stärke ist, dass sie ihre überlegene Stellung nicht der Beeinträchtigung anderer verdanken. Trotzdem haben alle ihre Waffen bereit und, wenn es die Lage erfordert, ein Heer; Männer und Pferde im Überfluss. Auch wenn sie sich nicht rühren, bleibt ihr Ruf derselbe…“

– Tacitus: Germania, Kapitel 35, Die Chauken

 

Um ca. 100 n. Chr. drangen die dithmarscher Reudigner über die Elbe in das Elbe-Weser-Dreieck ein. Trotz der ingowänischen Stammesverwandtschaft kam es zu Kämpfen mit den dort ansässigen Chauken. Ab 150 n. Chr. wurden die Seeräubergruppen der Chauken, Reudigner und eventuell auch der Avionen im Elbe-Weser-Dreieck zusammenfassend als Sachsen bezeichnet. Im Jahre 173 wurde die Legio I Minerva gegen seeräuberische Chauken in der Provinz Gallia Belgica eingesetzt. Im 4. Jahrhundert. wurden sie letztmals namentlich erwähnt.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Chauken

 

Cherusker

 

Die Cherusker (gesprochen: „Kerusker“, lateinisch: Cherusci, griechisch: οι Χηρούσκοι, Χαιρουσκοί), waren ein Stammesverband im antiken Germanien, der im Gebiet beidseitig der oberen Weser im heutigen Ostwestfalen und in Niedersachsen bis zur Elbe lebte. Über seine Geschichte sind nur wenige Informationen überliefert.

Die etymologische Herkunft des Begriffs „Cherusker/Herusker“ ist unbekannt. Spätestens im 16. Jahrhundert wurde darüber spekuliert, bis hin zu gewagten Mutmaßungen, Cherusker sei mit Härzer (von Harz) zu übersetzen. Dies glaubte bereits Martin Luther, der in seinen Tischgesprächen von Arminius meinte, er sei „ein Hartzer oder Hartzlender nomine Hermannus“ gewesen.

 

Erstmalige Erwähnung fand das Volk der Cherusker in der Schrift De Bello Gallico des römischen Feldherren Gaius Iulius Caesar. Er berichtete, dass die Cherusker und Sueben durch den großen Wald bacenis silva voneinander getrennt seien. Es liegen nur wenige andere Hinweise auf ihr geographisches Siedlungsgebiet vor. Strabon erwähnte sie nur als eines der kleineren germanischen Völker, während Plinius der Ältere sie neben den Sueben, Chatten und Hermunduren zu den Herminonen zählte. Tacitus betrachtete sie als Nachbarn der Chatten und Chauken. Die genauesten Angaben hinterließ Claudius Ptolemäus, der schrieb, dass die Cherusker südlich der an der Elbe lebenden Caluconen wohnten und sich ihr Gebiet bis zum Harz erstreckte. Man geht deshalb davon aus, dass sich das Siedlungsgebiet der Cherusker zwischen Weser, Elbe und Harz befand. Allerdings weisen andere Berichte darauf hin, dass sich dieses Gebiet auch westlich der Weser erstreckte. Im Norden trennte de Angrivarierwall die Cherusker von den Angrivariern.

 

In den Jahren zwischen 12 v. Chr. und 16 n. Chr. führten die Römer unter Drusus, Tiberius, Varus und Germanicus Kriege gegen die Cherusker. Den Höhepunkt dieser Auseinandersetzungen bildete die Schlacht im Teutoburger Wald (9 n. Chr.), in deren Verlauf drei römische Legionen aufgerieben wurden. In diesen Kämpfen standen die Cherusker unter ihrem Anführer Arminius an der Spitze eines Stämmebundes aus Brukterern, Usipetern, Chatten, Chattuariern, Tubanten, Angrivariern, Mattiakern und Landern. Im Jahre 17 n. Chr. schlug dieses Bündnis auch das Heer des Markomannischen Königs Marbod zurück. Den inneren Fehden nach dem Tod des Arminius (21 n. Chr.) fiel fast die gesamte Fürstenschicht der Cherusker zum Opfer, sodass sie im Jahre 47 n. Chr. in Rom darum baten, Italicus, den letzten aus dem Geschlecht des Arminius, zum König ernennen zu dürfen. Doch auch dessen Erfolg bei der Befriedung des Stammes war begrenzt. Einer seiner Nachfolger, König Chariomerus, wurde um das Jahr 88 n. Chr. von den Chatten vertrieben und rief Kaiser Domitian vergeblich um Hilfe an. Die weitere Geschichte der Cherusker ist größtenteils unbekannt. Obwohl Tacitus angab, dass die Chatten die Cherusker unterwarfen, wurden sie von anderen Geschichtsschreibern auch für die spätere Zeit noch erwähnt. Erst im 4. Jahrhundert scheint ihr Stamm im Volk der Sachsen aufgegangen zu sein.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Cherusker

 

Engern

 

Die Angrivarier (auch Angrevarier, Angarier, Engern, lateinisch: Angrivarii, griechisch: οι Αγγριουάριοι) waren ein germanisches Volk, das an der Weser, vornehmlich auf dem rechten Ufer, vom Zufluss der Aller bis zum Steinhuder Meer, wohnte und nördlich an die Chauken, südlich an die Cherusker, südöstlich an die Dulgubnier und westlich an die Ampsivarier grenzte. 

Als Germanicus 16 n. Chr. gegen die Cherusker vorrückte, erregten die Angrivarier in seinem Rücken einen Aufstand, wurden aber durch Stertinius bald zur Ruhe gebracht und blieben seitdem den Römern ergeben. Nach Auflösung des cheruskischen Bundes erweiterten sie ihre Grenzen südwärts und entrissen unter Kaiser Nerva mit den Chamaven den Brukterern die Gegend nördlich der Lippe und an der Quelle der Ems. Später breiteten sie sich noch weiter nach Süden und Westen aus, schlossen sich unter dem auch auf das Land (Angaria, Engern) übergegangenen Namen der Angrivarier oder Engern dem Sachsenbund an und bildeten deren mittleren Teil. Widukind von Corvey berichtet, dass der sächsische Stamm in drei große Teilstämme aufgeteilt war, nämlich die Westfalen, die Ostsachsen (Ostfalen) und die Engern. Diese Dreiteilung wird dadurch bestätigt, dass in den Sachsenkriegen, nach den Reichsannalen, die Teilstämme unter ihrem jeweiligen Heerführer separate Vereinbarungen trafen. Im Jahr 775 unterwarfen sich die Engern im Raum Bückeburg mit ihrem Anführer Bruno nach einer Niederlage Karl dem Großen und nahmen das Christentum an. Aus dem Siedlungsgebiet der Angrivarier (deutsch Engern) formte sich im Mittelalter die Provinz Angaria (deutsch: Engern), eine der drei großen Provinzen im Stammesherzogtum Sachsen, neben Westfalen und Ostfalen.

Die Provinz Engern war der zentrale, beiderseits der Weser gelegene Teil des Herzogtums. Die Provinz lag zwischen Westfalen im Westen und grenzte im Osten an Ostfalen. Es umfasste in etwa das gesamte Einzugsgebiet der Weser ab der Vereinigung von Werra und Fulda, abzüglich Aller und Leine (oberhalb ihres Zusammenflusses) im Osten. Im nördlichen Westen war die Hunte Grenzfluss. Im Jahr 1180 wurden während des Reichstages von Gelnhausen, nach der Achtserklärung gegen Heinrich dem Löwen durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa wegen Verweigerung der Heeresfolge nach Italien, die Herzogtümer Westphalen und Engern geteilt. Das Bistum Paderborn und jene Teile, die im Bereich des Erzbistums Köln lagen, wurden dabei zu einem neuen Herzogtum zusammengefasst und unterstanden zunächst dem Erzbistum Köln. Der andere Teil kam als Herzogtum Westphalen und Engern an den Askanier Bernhard III.

Die Bezeichnung „Engern“ wurde bis 1806 im Titel des Herrschers des jüngeren Herzogtums Sachsen („Herzog von Sachsen, Engern und Westfalen“) geführt, siehe Geschichte Sachsens. Mit der Übernahme Westphalens 1815 kam die Titulatur „Westfalen und Engern“ an den preußischen König Friedrich Wilhelm III. Der Gau Engern, der in der sächsischen Provinz Westfalen lag, ist mit der Provinz historisch verbunden, jedoch nicht mit ihr identisch. Der Name Engern hat sich als Name des Mittelteils des Herzogtums Sachsen nur bis in das ausgehende Mittelalter erhalten. Auch könnte der Name der Stadt Enger damit in Verbindung stehen, wenn auch einiges gegen diese Vermutung spricht.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Angrivarier

Eburonen

 

Die Eburonen (lat.. Eburones) waren ein wahrscheinlich keltischer Volksstamm, der im Jahr 53/51 v. Chr. weitgehend vernichtet wurde. Iulius Caesar zählt die Eburonen zwar zu den vier cisrhenanischen (linksrheinischen) Germanenstämmen, aber die Stammesbezeichnung (nach keltisch eburo „Eibe“), die überlieferten Personen- und Ortsnamen (Ambiorix, Atuatuca) sowie der archäologische Befund, der der keltischen Spätlatene -Kultur zuzurechnen ist, sprechen für die Zugehörigkeit zu den Kelten. Vielleicht waren die Eburonen eine Konföderation zweier verwandter Stammesverbände, die jeweils durch Könige repräsentiert wurden. Die Eburonen hatten einen eigenen Dialekt und eine eigene Tracht. Das Gebiet der Eburonen lag zwischen Rhein, Maas, Rheinland, Nordardennen und Eifel. Das Verbreitungsgebiet eburonischer Münzen aus den Jahren 55/54 v. Chr. lässt die Annahme zu, dass das eburonische Gebiet bis in die Gegend von Brüssel reichte. Sie waren Klienten des südlicher lebenden Stammes der Treverer, aber (bis zu dessen Niederlage gegen Caesar 57 v. Chr.) auch dem westlich an der Maas lebenden Stamm der Aduatuker zu ständiger Tributzahlung und Geiselstellung verpflichtet.

 

Zusammen mit den Condrusern, Caerosern und Paemanen bildeten sie einen Stammesverbund, den Caesar als linksrheinische Germanen bezeichnet. Caesar bezeichnet das "castellum" Atuatuca als Mittelpunkt des eburonischen Stammesgebietes, aber trotz zahlreicher Versuche ist es bis heute nicht gelungen, den Ort zu lokalisieren. Im Norden begrenzte das Stammesgebiet der Menapier das eburonische Gebiet. Die heutigen historischen Kenntnisse von den Eburonen beruhen hauptsächlich auf De Bello Gallico von Gaius Iulius Caesar und auf archäologischen Befunden. Da es sich bei Cäsars Büchern um einseitig gefärbte Kriegsberichte handelt, muss deren historischer Wahrheitsgehalt stets stark hinterfragt werden. Strabon teilte frühestens 7 v. Chr. mit, dass die Eburonen (ebenso wie die Manepier und Atrebaten) in einem vorwiegend von Wald bedeckten Gebiet leben. Dieser Wald namens "Arduenna" messe insgesamt 4.000 Stadien (rd. 800 km- Ardennen).

 

Caesar erwähnt für das Jahr 54 v. Chr., dass die Eburonen unter der Herrschaft (sub imperio) von Ambiorix und Catuvolcus standen, Beleg für ein keltisches Doppelkönigtum, für das Caesar die alte römische Bezeichnung rex gebraucht. Livius nennt Ambiorix Eburonem rege. Umrisshaft wird eine Aufgabenverteilung für ein solches Doppelkönigtum erkennbar. Offenbar konnten nur beide gemeinsam den Krieg erklären. Auch deutet Caesar an, dass jeder für eine Hälfte der Eburonen König war. Die Verbreitung der dem Ambiorix zugeschriebenen Münzen deutet dessen Herrschaftsgebiet in der Gegend von Brüssel an; Catuvolcus' Herrschaftsgebiet könnte demnach Bereich der Ardennen/Nordeifel zwischen Maas und Rhein gelegen haben. Es scheint sich um eine Art von konstitutioneller Monachrchie gehandelt zu haben. Ambiorix selbst charakterisiert sie so: Er habe nicht mehr Recht gegen den Stamm, als der Stamm gegenüber ihn selbst. Im Verlauf der nachfolgenden Kriegshandlungen tritt nur noch Ambiorix hervor. Caesar skizziert ihn als listigen Verhandlungsführer und umsichtigen Feldherrn. Eine eigenständige Rolle fällt dem zweiten, schon alten König Catuvolcus nur einmal zu. Er verflucht nach der Niederlage seinen Mitkönig als Anstifter des Krieges und vergiftete sich mit dem „Saft der Eibe“. Dies kann als Hinweis auf eine sakrale Rolle des zweiten (alten) Königs gewertet werden. Darüber hinaus deutet die Stelle die große kultische Bedeutung des namengebenden Eibenbaumes für die Eburonen an.

 

Die Eburonen beteiligten sich 57 v. Chr. am Krieg Caesars gegen die Belger, der zu einer vollständigen Unterwerfung der belgischen Stämme führte. Die Eburonen wurden in dieser Zeit von zwei Königen, Ambiorix und Catuvolcus, angeführt. Im Herbst 54 v. Chr. legte Caesar eine Legion und 5 Kohorten (= 15 Kohorten) unter dem Kommando der Legaten Quintus Tuturius Sabinus und Lucius Aurunculeius Cotta in ihr Winterlager bei Atuatuca, dem befestigten Platz mitten im Gebiet der Eburonen. Der bildlichen Darstellung einer eburonischen Münze soll durch Anlehnung an Münzmotive der rechtsrheinischen Ubier gezielt zur Vorbereitung des Ambiorix-Aufstands gedient haben. Nachdem durch eine schlechte Ernte Versorgungsengpässe und Hunger zu befürchten waren, griffen die Eburonen Mitte November 54 v. Chr. das Winterlager an. Die Römer wurden durch eine List des Ambiorix getäuscht, verließen ihr Lager fluchtartig und wurden auf dem Marsch in einem langgestreckten Tal - ähnlich wie 60 Jahre später bei der Varusschlacht - vollständig aufgerieben. Etwa 10.000 römische Legionäre fielen, rund ein Fünftel der in Gallien stationierten, römischen Verbände. Ambiorix gewann die Aduatuker und Nervier sowie rechtsrheinische Germanen für einen weiteren Angriff auf ein im Gebiet der Nervier - vielleicht bei Brüssel - gelegenes, weiteres Winterlager, das unter dem Kommando des Quintus Tullius Cicero stand. Cicero entging durch das Eingreifen Cäsars nur knapp einer Niederlage. Die Eburonen und die mit ihnen verbündeten Nervier, Menapier und Aduatuker wurden durch Caesar vernichtet oder flohen.

 

In den Jahren 53 und 51 v. Chr. verwüstete Caesar in mehreren brutalen Rachefeldzügen das gesamte Gebiet der Eburonen, das er darüber hinaus zur vollständigen Plünderung durch alle umliegenden Stämme freigab. Die Einwohner wurden niedergemetzelt, die Gehöfte eingeäschert, das Vieh weggetrieben. König Catuvolcus beging Selbstmord (53 v. Chr.), König Ambiorix konnte mit knapper Not über den Rhein zu den Germanen entkommen. Über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt. Archäologisch lässt sich für die Zeit um 50 v. Chr. in eburonischen Siedlungen tatsächlich oftmals ein Siedlungsabbruch erkennen. Nach der Zerschlagung des eburonischen Stammesverbandes durch die Römer ließen sich in deren östlichen Siedlungsgebiet die Ubier und im westlichen Gebiet die Tungerer nieder, die der Stadt Tongern ihren Namen gaben. Der Stamm scheint jedoch von Caesar nicht vollständig vernichtet worden zu sein. Strabon kennt die Eburonen in seiner Geographica, die frühestens 7 v. Chr. niedergeschrieben wurde, als einen befriedeten und unterworfenen Stamm, ohne von seiner Vernichtung zu wissen.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Eburonen

 

Franken

 

Heutiges Verbreitungsgebiet der Fränkischen Sprachen. Die Franken (wörtlich ‚die Kühnen‘, später auch ‚die Freien‘; auch Hugen von ae. Hugas) stellen einen der germanischen Großstämme dar, die durch Zusammenschluss mehrerer germanischer Kleinstämme entstanden. Sie wurden erstmals Ende der 50er Jahre des 3. Jahrhunderts als Franci in römischen Quellen erwähnt und schufen unter Chlodwig I. das Fränkische Reich, aus dem schließlich das ostfränkische (also das spätere Heilige Römische Reich) und das westfränkische Reich (Frankreich) hervorgingen. Zahlreiche Dialekte im hoch- und niederdeutschen Sprachraum im heutigen Deutschland, Belgien und den Niederlanden werden zu den fränkischen Mundarten gerechnet. Heute bezeichnen sich zumeist nur noch die Bewohner der Region Franken im südöstlichen Deutschland als Franken.

 

Seit etwa 200 n. Chr. begannen sich einige der kleinen westgermanischen Stämme entlang der römischen Grenze, etwa die Usipiter, Tenkterer, Sugambrer und Brukterer, zu einem größeren Stammesverband zusammenzuschließen, der sich selbst als Franken („die Mutigen, Kühnen“; wohl erst später „die Freien“) bezeichnete. Die Franken wurden erstmals in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts als Franci in römischen Quellen erwähnt, anlässlich eines ihrer vielen Raubzüge über die Grenze in die römische Provinz Gallien hinein. Sie bedrängten in der Spätantike wiederholt römisches Gebiet und unternahmen sogar Seeräuberfahrten. Vom späteren Kaiser Julian wurden Franken 358 in Toxandrien als Föderaten angesiedelt.

 

Während der Völkerwanderung und der Eroberungen der Merowinger drangen diese Stämme in Gebiete ein, die heute dem fränkischen Sprachraum zugeordnet werden (Region Franken in Nord-Bayern, Nord-Württemberg und Süd-Thüringen, aber auch Hessen, Nord-Baden, Rheinland-Pfalz, das nördliche Elsass, Lothringen, Saarland, Luxemburg, das Rheinland, die deutschsprachigen Gebiete Ostbelgiens, der Niederrhein, Limburg, Holland, Seeland, Brabant sowie Flandern).

 

Einen Bericht über fränkische Raubzüge und daran anschließende römische Strafexpeditionen im Jahr 388 fertigte Sulpicius Alexander an; ein Auszug ist im Geschichtswerk des Gregor von Tours erhalten (Greg. Tur. II 9, vgl. Marcomer, Sunno, Gennobaudes). Zu Beginn des 5. Jahrhunderts befand sich das Zentrum der Frankensiedlungen in und um Köln. Nach dem Kollaps der römischen Rheingrenze 406/07 kam es wohl zu einem engeren Zusammenschluss fränkischer Gruppen (siehe Rheinfranken, Salfranken). Der Zug der Franken nach Südwesten wurde vermutlich auch durch die Wanderung der Sachsen nach England um 440/50 über die heutige niederländische Küste und entsprechende Konflikte mit den fränkischen Bewohnern ausgelöst. Der erste historisch wirklich fassbare Merowinger Childerich I. fungierte wohl teils noch als römischer Militärkommandeur und unterstützte die Rebellion des römischen Heermeisters Aegidius. Trier, wo der romanisierte Franke Arbogast der Jüngere residierte, fiel erst um 475 an die Franken.

 

Ausdehnungsphasen des Frankenreiches im Frühmittelalter. Zur Großmacht wurden die Franken durch die Eroberungen des salfränkischen Merowingers Chlodwig I. (ca. 500 n. Chr.), der nacheinander das nordgallische Reich des Syagrius, mehrere fränkische Kleinreiche, die Alamannen und teilweise auch die Westgoten besiegte und somit die Grenze des Frankenreichs bis zu den Pyrenäen vorschob. Entscheidend war auch der Übertritt Chlodwigs und weiter Teile seines Volkes zum katholischen Christentum. Seine Söhne setzten seine Eroberungen fort, indem sie Burgund und das Thüringerreich dem Frankenreich angliederten, so dass ihr Reich im Wesentlichen die Gebiete des heutigen südwestlichen Deutschlands, der Beneluxstaaten und Frankreichs umfasste. Chlothar I. vereinigte noch einmal das Frankenreich, unter seinen Söhnen kam es dann zur Bildung der fränkischen Teilreiche Austrasien und Neustrien.

 

Durch die Macht der Hausmeier schwand die königliche Autorität immer mehr, ab dem späten 7. Jahrhundert regierten die Merowinger nur noch formal. 751 erfolgte die Übernahme der Königsherrschaft durch die Karolinger. Die spätere Teilung im Vertrag von Verdun 843 führte zur Entstehung der Staaten Frankreich und Deutschland (Ostfrankenreich, deutscher Sprachraum), wobei die politischen Grenzen bis in die Neuzeit zumeist Mundartgrenzen (Sprachgrenzen) waren. Ein letztes Mal waren alle Franken in den Jahren 882 bis 887 unter einem König vereint, Karl III., der Dicke. Danach blieb es bei den oben erwähnten Aufspaltungen.

 

Lediglich die Kreuzzüge ins Heilige Land brachten noch einmal ein gesamtfränkisches Bewusstsein hervor, als die insgesamt vier Kreuzfahrerstaaten gegründet wurden. Nicht nur, dass dieses Bewusstsein aus christlicher Sicht existierte, sondern auch die Moslems nahmen die westlichen Eroberer als Franken wahr und nannten sie إفرنج-"Ifrinj" oder فرنجة-"Firinja". Davon abgeleitet entstanden Bezeichnungen für Europäer, Westeuropäer oder Weiße in vielen anderen Sprachen, zum Beispiel das griechische φράγκοι und das persische farangi.

 

Franken heute. In großen Teilen Frankreichs und dem eher romanisch-keltisch geprägten Südteil Belgiens (Wallonien) ging die fränkische Sprache verloren, da - anders als im deutschen Siedlungsgebiet - die eingewanderten fränkischen Bauern neben der alteingesessenen gallo-romanischen Bevölkerungsschicht in der Minderheit geblieben waren, und die Franken ansonsten nur die herrschende adlige Oberschicht bildeten. In einem sprachlichen Ausgleichsprozess bildete sich aus der fränkischen und der gallorömischen Sprache das Altfranzösische, bei der neben dem Namen für die neue Sprache sowie einem schwer definierbaren fränkischen Einfluss auf Grammatik, Aussprache und Intonation nur ungefähr hundert fränkische Lehnwörter, vor allem aus dem militärtechnischen Bereich und den Farbnamen für Braun=brun, Blau=bleu, Weiß = blanc erhalten blieben. Von der fränkischen Kultur blieb nur wenig übrig, unter anderem das "Fränkische Gehöft" (Ernhaus). Allerdings kann man die Theorie Wilhelm Peßlers, wonach "Volksstämme" sich in typischen Bauformen manifestieren, durchaus anzweifeln, da die Hausforschung gezeigt hat, dass ländliche Bauformen schon seit dem späten Mittelalter durch obrigkeitliche Bauvorschriften dominiert wurden und regionaltypische Bauweisen eben kein Ausdruck von Ethnizität, sondern von vordringender Landesherrschaft sind.

 

Diejenigen, die heute die fränkischen Mundarten (deutscher Dialekt, vom Rheinland über Hessen und Pfalz bis nach Franken in Bayern) sprechen, bezeichnen sich allgemein selbst nicht mehr als Franken; dies tun nur noch die Bewohner der Region Franken (Südthüringen, Nordbayern und Teile Baden-Württembergs).

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Franken_Volk

Friesen

 

Die Friesen sind eine Bevölkerungsgruppe, die an der Nordseeküste in den Niederlanden und Deutschland lebt. In beiden Ländern sind die Friesen als nationale Minderheit anerkannt. In Deutschland wird dabei auf die Friesen der Terminus Volksgruppe angewandt, ohne dass dies den Status als nationale Minderheit berührt. Ein germanischer Volksstamm der Friesen (lateinisch: Frisii, griechisch: οι Φρίσσιοι oder Φρείσιοι) ist seit der Antike belegt. Das älteste schriftliche Zeugnis vom Gebiet der Friesen stammt von dem Griechen Pytheas von Massilia, der um 325 v. Chr. das Gebiet der heutigen Deutschen Bucht und Mittelnorwegen erreichte. „An einem Wattgebiet des Ozeans namens Metuonis, das eine Ausdehnung von 6000 Stadien hat, liegt von diesem entfernt die Insel Abalus, wo im Frühjahr Bernstein angetrieben wird.“ Dies ist die erste Erwähnung von Helgoland (Abalus) und der südlichen Nordseeküste. (E.H. Berger: Geschichte der wissenschaftlichen Erdkunde der Griechen). Bernstein gehört zu den ältesten Fernhandelsgütern.

 

Die große Verlandung, die im 1. Jahrhundert v. Chr. begann, hatte eine große Siedlungswelle zunächst in das Marschgebiet zur Folge. Spätere Siedler begannen auch Land zu besiedeln, das zweimal am Tag von der Flut bedeckt wurde, indem sie Hügel aufschütteten, die höher als die höchste Flut lagen, die Warften.

 

Die antiken Friesen („Frisii“) wurden vom römischen Historiker Tacitus in seiner Germania der Gruppe der Ingaevones zugeordnet, zu denen noch die Chauken und Sachsen gezählt wurden. Das Land der Friesen lag an der Küste der Nordsee von der Mündung des Rheins bis etwa zur Ems. Ostwärts der Ems siedelten nach diesen römischen Angaben die Chauken. Die erste Erwähnung der Friesen stammt von Plinius dem Älteren und steht in Zusammenhang eines Feldzugs des römischen Feldherren Drusus, der im Jahre 12 vor Christus in den Friesen Verbündete fand. Doch bereits in den Jahren von 28 bis 47 lehnten sich die Friesen gegen die Ausbeutung durch die Römer auf, wie Tacitus berichtet. In seinen Annalen berichtete er über das Jahr 28: „Im selben Jahr brachen die Friesen, ein Volk jenseits des Rheins, den Frieden, mehr infolge unserer Habsucht als aus Trotz gegen unsere Herrschaft. Drusus hatte ihnen in Rücksicht auf ihre dürftigen Verhältnisse einen mäßigen Tribut auferlegt: Sie sollten für Heerzwecke Rinderhäute liefern.

 

“Obwohl die Rinder der Friesen damals klein waren, forderten die römischen Beamten Häute in der Größe von Auerochsen. Tacitus führt aus: „Die Bedingung, die auch andere Völker nur schwer hätten erfüllen können, war um so drückender für die Friesen; denn wenn auch ihre Wälder reich an mächtigen Ungetümen sind, sind ihre zahmen Rinder jedoch klein. So lieferten die Friesen am Anfang ihre Rinder; dann mussten sie auch ihre Frauen und Kinder oder beides an Tribut leisten. … Die römischen Soldaten, die zur Erhebung des Tributes nach Friesland kamen, wurden daher von den Friesen angegriffen und ans Kreuz geschlagen.“

 

In Folge gelang es den römischen Legionen zwar den Aufstand niederzuschlagen, aber sowohl der Feldzug als auch die gewonnene Entscheidungsschlacht führten zu außerordentlichen Verlusten. So gerieten nahe dem heiligen Hain der Friesen, Baduhenna, einige römische Verbände in einen Hinterhalt und wurden ausgelöscht, wobei nach den Berichten 900 Römer den Tod fanden. Die Angehörigen eines weiteren Truppenverbandes von 400 Legionären wurden ebenfalls eingeschlossen und gaben sich überwiegend selbst den Tod, indem sie sich in ihre Schwerter stürzten, nachdem ihre Lage aussichtslos war. Tacitus berichtete: „Seither hat der Name der Friesen bei den Germanen einen hellen Klang.“

 

Auch wird für das Jahr 16 die Anwesenheit eines großen römischen Heeres an der Ems bei Jemgum angenommen. Die Quellenlage zu den Friesen wird vom 4. bis 7. Jahrhundert sehr dünn. Archäologische Funde lassen darauf schließen, dass um 300 die Bevölkerung stark zurückgegangen war, allerdings um das Jahr 500 wieder sprunghaft anstieg. Im Zusammenhang mit diesen Ereignissen wird vermutet, dass die Friesen um diese Zeit einen starken Zuzug aus den umliegenden angelsächsischen Stammesgruppen zu verzeichnen hatten. Dabei kann bis heute nicht ganz geklärt werden, ob die „Ur-Friesen“ überhaupt germanischen Ursprungs waren oder erst durch den Zuzug „germanisiert“ wurden, im Gegenzug den Neuankömmlingen allerdings auch ihren Stempel aufdrückten. Eine Kontinuität der „Frisii“ des Tacitus zu den Friesen ab dem Jahr 500 ist jedenfalls nur sehr bedingt gegeben. Zudem waren in den Randgebieten Frieslands sächsische und fränkische Bewohner durchaus nicht selten. Ins Licht der Geschichte traten die Friesen zurück, als sie mit den Merowingern und Karolingern in Kontakt kamen.

 

Im 5. Jahrhundert, während der geschichtlichen Ruhe um die Friesen, haben sich wohl viele Friesen den Angeln und Sachsen angeschlossen, die über friesisches Land marschierten, um in Britannien einzufallen. Man vermutete bis etwa 1950, dass ein Teil der Friesen sich mit den Jüten in Kent niedergelassen habe. Als Begründung diente, dass das „Kentische“ bis heute eine große Ähnlichkeit mit dem Westfriesischen aufweist. Doch ist es geschichtlich überliefert, dass die Jüten über Friesland nach Britannien einfielen, und so dürfte es wahrscheinlicher sein, dass sie sich dort eine längere Zeit aufgehalten haben und sich sprachlich den dortigen Friesen anpassten.

 

Am Ende des 6. Jahrhunderts besetzten die Friesen die Küste bis zur Mündung der Weser. Dabei assimilierten oder vertrieben sie den Stamm der Chauken. Im Süden breiteten sie sich bis ins 7. Jahrhundert weiter südwärts bis nach Dorestad und sogar bis nach Brügge aus. Herrschaft der Franken.

 

Danach eroberte jedoch Karl Martell den westlichen Teil Frieslands, und der letzte Gesamtherzog der Friesen Poppo fiel in einem Kampf gegen einen fränkischen Adeligen. Diese größte Ausbreitung des friesischen Territoriums ist bekannt als Frisia Magna. Das, was heute von der Frisia Magna übriggeblieben ist, ist klein und verstreut. Das meiste ist von den sich ausbreitenden Nachbarn erobert worden, von den Sachsen, die in den Norden und Westen vordrangen und den Franken, die den Norden und Osten besetzten. Karl der Große eroberte 785 nach dem Sieg über die Sachsen ganz Friesland einschließlich der östlichen Gebiete bis zur Weser für das fränkische Reich. Er vertrat eine Politik, die den einzelnen Stämmen im Reich eine gewisse Autonomie sicherte. Aus diesem Grund ließ er gegen Ende des 8. Jahrhunderts die überlieferten germanischen Stammesgesetze aufzeichnen, so auch die Lex Frisionum, das alte Gesetz der Friesen.

 

Etwa um 800 besiedelten Friesen die heutigen nordfriesischen Inseln zwischen Eiderstedt und Sylt. Die in den Uthlanden wohnenden Friesen unterstanden als Königsfriesen direkt der dänischen Krone. Deutlich später, vermutlich im 11. Jahrhundert, wurde in einer zweiten Welle dann auch die Westküste Südjütlands (das spätere Herzogtum Schleswig) zwischen den Flüssen Eider und Vidå besiedelt. Möglicherweise bestand bei dieser Auswanderung ein Zusammenhang mit der Ausdehnung der fränkischen Herrschaft, denn die Nordfriesen siedelten außerhalb des karolingischen Machtbereichs, der an der Eider endete.

 

Unter der Frankenherrschaft wurden die Friesen im alten Kernland christianisiert. Bis zum Jahr 800 war die Oberschicht zum Christentum konvertiert, bei der einfachen Bevölkerung dauerte der Prozess deutlich länger. Die an die jütische Küste in Schleswig ausgewanderten Friesen wurden dagegen erst im 11. Jahrhundert Christen, nachdem die Annahme dieser Religion für sie nicht mehr automatisch die Unterwerfung unter die fränkische Herrschaft bedeutete. Unter Karl dem Großen wurden die Friesen von der Heerfolge (d. h. vom fränkischen Militärdienst) befreit und mussten nunmehr nur das Kirchen-Zehntel (Vorläufer der Kirchensteuer) zahlen.

 

Nachdem die Friesen schließlich die von den Frankenkönigen eingesetzten Grafen wieder vertreiben konnten, begann die häufig romantisch überhöht dargestellte, aber dennoch bemerkenswerte Zeit der Friesischen Freiheit. Diese Form der friesischen Selbstverwaltung bedeutete einen deutlichen Unterschied zu anderen Territorien in Europa. In Friesland von der Zuidersee bis zur Weser bildeten sich zahlreiche kleine Landesgemeinden, die häufig freiheitlich und genossenschaftlich organisiert waren und eigene Ratsverfassungen besaßen. Die Friesen beriefen sich auf Freiheitsrechte, die der Legende nach von Karl dem Großen, tatsächlich wohl aber von einem seiner Nachfolger an die Friesen verliehen wurden. Im Gegensatz zum übrigen Europa etablierte sich kein feudalistisches System.

 

Nach dem Zerfall des Frankenreiches unter den Erben Karls des Großen gehörte das Gebiet der Friesen ab 843 zum Mittelreich Lothars I. und nach dessen Zerschlagung zum Ostfränkischen Reich. Dort wurden sie lose dem „Herzogtum Niederlothringen“ zugeordnet.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Friesen

Färinger


Die Färinger (färöisch: føroyingar] Einzahl føroyingur) werden auf zwei verschiedene Arten definiert: Färinger ist aus dem dänischen færing entlehnt, welches wiederum auf das altnordische færeyingr zurückgeht, aus dem sich auch das neufäröische føroyingur gebildet hat, jeweils gleichbedeutend mit Bewohner der Färöer. Das altnordische Wort zerlegt sich so: fær-ey-ingr = „Fär-insel-ling(er)“ wahrscheinlich sogar „Schaf-insel-ling(er)“. Analog ist es im Färöischen: før-oy-ingur. Auf den Färöern heißt ein Bewohner des Ortes Klaksvik auch klaksvíkingur – „Klakswikinger“. Das hat mit dem Begriff Wikinger nichts zu tun, wenn auch die Wurzel „vík“ = weichen sowohl der Bucht, wo das Land zurückweicht, als auch dem „víkingr“ = Einer, der von zu Hause in die Fremde geht, zu Grunde liegt. Zunächst wurden die Färöer um 625 von irischen Mönchen besiedelt, die dort als Einsiedler lebten und die Schafe auf die Insel brachten. Als die heidnischen Wikinger nach 825 dorthin kamen, trafen sie vielleicht noch die irischen Mönche an, welche spätestens dann vertrieben wurden, oder flüchteten. Oft wird aber davon ausgegangen, dass die Färöer zur Zeit der Landnahme nur noch von Schafen bewohnt waren. Die nordischen Siedler kamen im Zuge der Landnahme als Emigranten aus Norwegen und den norwegisch eroberten Gebieten Schottlands, Irlands und der Isle of Man. Dadurch kamen auch keltische Einflüsse ins Land, die sich nach Meinung vieler Färinger nicht nur an einigen Ortsnamen auf Suduroy nachweisen lassen, sondern auch an einem gewissen Menschenschlag.

 

Ab 999 wurden die Färinger christianisiert, die Wikingerzeit auf den Färöern war vorbei, und die Inseln gerieten ab 1035 unter norwegische Herrschaft. Seit der Aufkündigung der Personalunion zwischen den Königreichen Norwegen und Dänemark 1814 im Kieler Vertrag sind die Färinger endgültig Untertanen der dänischen Krone. Seit 1948 sind sie als sich selbst regierende Volksgemeinschaft innerhalb des Dänischen Reichs (dänisch: „Selvstyrende Folkesamfund i Det Danske Rige“) anerkannt. In den färöischen Personaldokumenten steht als Nationalität hinter Danmark deshalb Føroyingur, also: „Nationalität: Dänemark, Färinger“.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Färinger