Gepiden

 

Die Gepiden waren ein ostgermanischer Stamm im heutigen Rumänien, der möglicherweise mit den Goten verwandt war. Sie wurden bekannt, als sie unter Ardarich in der Schlacht von Nedao (454 oder 455) die Söhne Attilas aus dem heutigen Ungarn vertrieben. Das danach errichtete Gepidenreich an der mittleren Donau bestand noch bis ins 6. Jahrhundert.

 

Die Quellenlage zur Geschichte der Gepiden ist relativ schlecht. Überlieferte Ausschnitte stammen unter anderem aus den Getica des Jordanes und den Historien des Prokopios von Caesarea, wobei besonders der Bericht des Jordanes problematisch ist.

 

Die Gepiden werden in spätantiken Quellen oft als Verwandte der Goten bezeichnet, doch ist ihre genaue Herkunft unbekannt. Annahmen in der älteren Forschung, sie könnten aus Skandinavien stammen, haben sich als nicht fundiert erwiesen, zumal diesbezügliche Aussagen in manchen Quellen als Topos zu werten sind. Im Rahmen solcher gentiler Erzählungen wurden oft derartige Abstammungen konstruiert. Es ist aufgrund der archäologischen Befunde nicht möglich, eindeutige gepidische Funde aus der frühen römischen Kaiserzeit zu erfassen. Es ist daher gut möglich, dass sich die Gepiden erst im 3. Jahrhundert als eigenständige Gruppe herausbildeten.

Mitte des 3. Jahrhunderts, zur Zeit der Reichskrise des 3. Jh. und der damit einhergehenden Schwächephase des Imperiums, stießen die Gepiden unter ihrem König Fastida über die Weichsel nach Süden vor. Sie sollen in diesem Zusammenhang die Burgunden vernichtend geschlagen haben und erreichten schließlich das nördliche Siebenbürgen. Ein Teil zog dann mit den Goten ans Schwarze Meer. Es ist aber unwahrscheinlich, dass sich die Gepiden an den damit zusammenhängenden Einfällen ins Imperium beteiligten. Nur in der sehr umstrittenen Historia Augusta werden sie diesbezüglich zweimal erwähnt. In den Quellen wird aber berichtet, dass die Gepiden Ende des 3. Jahrhunderts in Kämpfe mit den Goten verwickelt waren.

 

Über Auseinandersetzungen mit den Römern im 4. Jahrhundert liegen keine Berichte vor. Anscheinend waren die Gepiden damit beschäftigt, sich im Konflikt mit ihren gentilen Nachbarn zu behaupten. In der Zeit der Völkerwanderung zog im frühen 5. Jahrhundert vielleicht ein Teil der Gepiden mit den Vandalen nach Gallien Der Großteil der inzwischen unter die Herrschaft der Hunnen geratenen Gepiden blieb aber im Theißraum zurück. In der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern wurden die auf hunnischer Seite kämpfenden Gepiden von den auf römischer Seite stehenden Franken vernichtend geschlagen.

 

Ardarich und sein ostgotischer Gegenpart Valamir waren enge Anhänger Attilas gewesen. Als Attila 453 starb, hinterließ er eine Anzahl jugendlicher Söhne, deren ältester Ellac war. Die neuen, untereinander uneinigen Hunnenführer verteilten dabei kriegserfahrene Könige wie die Dienerschaft eines Hauses und provozierten so einen Aufstand der Skiren, Rugier, Heruler, Goten, Gepiden und anderer Gruppen, an dessen Spitze sich der Gepide Ardarich setzte. Ardarich erlangte die wohlwollende Neutralität Valamirs und siegte am Nedao (454 oder 455). Ellac fiel mit mehreren seiner Krieger. Damit war die hunnische Vorherrschaft in diesem Raum gebrochen und das ohnehin nur locker aufgebaute Hunnenreich zerfiel rasch. Die Gepiden übernahmen das heutige Siebenbürgen. Das so entstandene Gepidenreich unter Ardarichs Führung etablierte sich rasch als wichtiger Machtfaktor in diesem Raum. Doch schon bald begann auch der Verfall ihrer gerade errungenen Machtstellung. Die Ostgoten ließen sich in Pannonien nieder und übten einigen Druck auf ihre Nachbarn aus. 469 unterlag eine Koalitionsstreitmacht, zu der auch die Gepiden gehört hatten, in der Schlacht an der Bolia den Ostgoten. Dennoch gaben diese um 473 ihren pannonischen Herrschaftssitz auf. Einige Teile traten in römische Dienste über, andere bildeten ein römisches Föderatenreich auf dem Balkan. Nach dem Abzug der Ostgoten konnten die Gepiden wieder einigen Einfluss in diesem Raum gewinnen. Sie besetzten auch Sirmium, wo die gepidischen Könige in der Folgezeit residierten.

 

488 stellten sich die Gepiden erfolglos dem Zug des Ostgoten Theoderich entgegen, der mit oströmischer Billigung in Italien einfallen wollte, um dort Odoaker zu stürzen. Der Gepidenkönig Thraustila fiel in diesen Kämpfen. Nach dessen Tod scheint das Gepidenreich geteilt gewesen zu sein: Während Thraustilas Sohn Thrasarich weiter in Sirmium residierte, herrschte ein gewisser Gunderith über die Theißgepiden. 504 wurde Thrasarich von Theoderich, der sich inzwischen in Italien durchgesetzt hatte, aus Sirmium verjagt. Nach dem Tod Theoderichs versuchten die Gepiden, Sirmium zurückzuerobern. Nachdem dies 530 zunächst gescheitert war, gelang die Einnahme schließlich doch noch, nachdem die Goten in Italien gegen oströmische Truppen zu kämpfen hatten. Die Stellung der Gepiden an der mittleren Donau schien wieder gestärkt zu sein, doch wurden gegen Mitte des 6. Jahrhunderts die Langobarden zu Gegenspielern der Gepiden, wobei Ostrom die Langobarden als Gegengewicht zu den Gepiden aufzubauen versuchte.

 

549 brach zwischen Gepiden und Langobarden ein offener Krieg aus. Der oströmische Kaiser Justinian I. war offenbar vor allem daran interessiert, die Gepiden als störenden Machtfaktor in diesem Raum auszuschalten, wobei er teils vorgab, die Gepiden zu unterstützen, aber heimlich den Langobarden half. 552 erlitten die Gepiden in einer entscheidenden Schlacht eine schwere Niederlage, der Sohn ihres Königs Turisind fiel. Daraufhin kam ein Friedensvertrag zustande, doch blieben die Spannungen bestehen. Im Jahr 567 wurden die Gepiden unter ihrem König Kunimund von den Langobarden unter Alboin vernichtend geschlagen und dieser getötet. Vorher hatte Alboin ein Bündnis mit den Awaren, dem neuen Machtfaktor in diesem Raum, vereinbart, wodurch die Gepiden von zwei Seiten bedroht wurden. Um einen Zweifrontenkrieg zu vermeiden hatten die Gepiden die Langobarden angegriffen, wobei sie unterlagen. Angeblich wurde der Gepidenkönig eigenhändig von Alboin erschlagen. Bereits diese Niederlage brachte das Gepidenreich zum Einsturz, weshalb die Awaren gar nicht in die Kämpfe eingreifen mussten. Der Untergang des Gepidenreichs hing auch mit dem Tod Justinians und der veränderten oströmischen Außenpolitik unter dessen Nachfolger Justin II: zusammen. Bereits im Jahr 565 lehnte dieser ein Hilfsgesuch der Gepiden ab. Die Langobarden wiederum überließen nach ihrem Sieg den Awaren das Gepidenreich, sowie auch ihr eigenes Stammesgebiet in Westpannonien und zogen 568 nach Italien ab.

 

Der Hauptteil der überlebenden Gepiden zog mit den Langobarden nach Italien ab, andere verblieben unter awarischer Herrschaft zurück oder traten auf oströmisches Reichsgebiet über. Denkbar ist, dass Alboin mit der vereinbarten Besetzung der Gepidia durch die Awaren erreichen wollte, dass sich ein Großteil der Gepiden ihm anschloss. Möglicherweise plante er bereits zur Zeit des Gepidenkrieges den Marsch nach Italien, wobei es von Vorteil war, möglichst viele Kriegerverbände des Karpatenbeckens in seinen langobardischen Verbund zu integrieren.

 

Die gepidische Königsstadt Sirmium fiel nach der Niederlage gegen die Langobarden anscheinend kampflos in oströmische Hand. Ihr gepidischer Kommandant Usdibad sowie Kunimunds Neffe Reptila und der arianische Bischof Thrasarich hatten den Königsschatz der Gepiden an Ostrom ausgeliefert und waren ins Exil gegangen. Als die Awaren das Gepidenland in Besitz nahmen, belagerten sie erfolglos die Stadt und forderten die Herausgabe Usidbads. 599 und 601 wurden viele gepidisch besiedelte Landstriche im Rahmen der Balkanfeldzüge des Maurikios durch die oströmischen Feldherren Priskos, Petros und Komentiolos verwüstet. Danach verlieren sich die Spuren der Gepiden.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Gepiden

 

Goten

 

Die Goten waren ein ostgermanisches Volk, das seit dem 3. Jahrhundert mehrfach in militärische Konflikte mit den Römern verwickelt war. Während der spätantiken Völkerwanderungszeit bildeten zunächst die West- und dann auch die Ostgoten eigene Reiche auf dem Boden des Imperium Romanum, die 711 bzw. 553 untergingen. Umstritten ist der Ursprung der Goten. Zur Zeitenwende siedelte im Bereich der Weichselmündung ein Volk, das antiken Autoren wie Tacitus unter dem Namen Gotonen (Gutonen; goisch Gutans) bekannt war. Der Name wird oft vom gotischen Wort giutan („gießen“) bzw. gutans („gegossen“) abgeleitet und als „Ausgießer“ gedeutet. Ob diese Völker die Vorfahren der späteren Goten waren, wie man früher annahm, ist heute umstritten. Nach Berichten von Jordanes stammten die Goten ursprünglich aus Skandinavien, doch stellt dies nach Ansicht der meisten heutigen Historiker eine Fiktion dar, die der Prestigeerhöhung der Goten diente.

 

Geht man davon aus, dass die Gutonen die Vorfahren der Goten waren, kann man annehmen, dass in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts ein Teil des Volkes nach Südosten zum Schwarzen Meer zog. Andere Forscher vertreten hingegen die Ansicht, dass die Goten erst im Schwarzmeerraum und damit im Vorfeld der römischen Grenze als eigene Völkerschaft entstanden seien. Nach ersten Auseinandersetzungen mit dem Römischen Reich in Südosteuropa um die Mitte des 3. Jahrhunderts kam es am Ende des 3. Jahrhunderts zur Spaltung in eine östliche (Greutungen) und eine westliche Gruppe (Terwingen), aus denen sich später – vereinfachend gesagt – die Ost- und Westgoten (Ostrogothi, „östliche Goten“, und Visigothi, „edle Goten“) entwickelten. Die Greutungen bzw. Ostgoten wurden um 375 von den Hunnen unterworfen. Nach deren Niedergang wurden sie zunächst römische foederati (Verbündete), eroberten aber 488 unter Theoderich Italien, formal im Auftrag Ostroms. Nach Theoderichs Tod zerfiel das Ostgotenreich um 550 unter dem Ansturm der oströmischen Truppen Kaiser Justinians. Die Terwingen bzw. Westgoten, die im Jahre 378 das oströmische Heer unter Kaiser Valens in der Schlacht von Adrianopel vernichtend schlugen, wurden 382 römische foederati und gründeten Anfang des 5. Jahrhunderts ein Reich in Gallien, das von den Franken nach Hispanien verdrängt wurde. Das Westgotenreich unterlag 711 den muslimischen Mauren.

 

Die Westgoten hießen auch Tervingi (hauptsächlich in ihren Siedlungsgebieten nördlich der Donau) oder Vesi- bzw. Visigothi (hier jeweils die lat. Formen). Terwingen bedeutet „Waldleute“ (gotisch triu „Baum“); Vesi ist eine prunkende Selbstbezeichnung, die so viel bedeutet wie „die Edlen/Guten“. Für die Ostgoten bestehen grundsätzlich zwei Namensformen: Ostrogot(h)i, Ostrogotae und Greutungi (Nebenformen: Greothingi, Grutungi, Grauthungi), wobei Greutungen frei übersetzt Steppen- oder Strandbewohner heißt. Die älteste überlieferte Form von Ostgoten ist Austrogoti (Historia Augusta, Vita Claudii 6,2). Es handelt sich um eine Selbstbezeichnung aus der Ableitung vom durch Wulfila überlieferten Lexem, einem Kompositum, Austra-gutans. Austra bedeutet im germanischen Vergleich östlich; anderweitige Deutungen wie unter anderen „die durch den Sonnenaufgang glänzenden Goten“ (Fehldeutung von austr(o)-a als glänzend, strahlend von germ. ausra siehe auch Ostern) oder „Sonnenaufgangsgoten“ sind etymologisch nicht beweisbar. Später wurden die Namen Vesi- und Ostrogothi von Cassiodor, einem hohen römischen Beamten des Ostgotenkönigs Theoderich, in anachronistischer Weise in West- und Ostgoten umgedeutet. Die Trennung der Stämme war von nun an deutlich. Die Gepiden, die sich dem Südzug der Goten angeschlossen hatten, waren ursprünglich wohl ein eigenes Volk, auch wenn Cassiodor sie neben Ost- und Westgoten als dritte Volksgruppe nennt. Sie blieben größtenteils im Hinterland, nahe der Karpaten – sie sollten von da an eine politisch eher untergeordnete Rolle spielen. Die Westgoten siedelten nördlich der Donau, und die Ostgoten breiteten sich an der Mündung des Dnjepr aus, unter anderem auch auf der Krim. Die Westgoten konstituierten sich in einer von vielen Kleinkönigen beherrschten Oligarchie, während sich das Königshaus der Amaler bei den Ostgoten (angeblich) seine Macht erhalten konnte; historisch bezeugt sind die Amaler jedoch erst seit dem späten 4. Jahrhundert nach Christus, der uralte Stammbaum, den Jordanes angibt, ist konstruiert. Jordanes nennt neben West- und Ostgoten eine weitere, angeblich zahlreiche Gruppe, die er als Kleingoten bezeichnet. Diese Kleingoten, denen auch der gotische Bischof Wulfila angehörte, sollen zu Jordanes Zeiten die Gegend von Nikopolis in Mösien besiedelt haben.

 

Die ersten Erwähnungen der Goten finden sich bei den antiken Geschichtsschreibern Tacitus, Strabon und Ptolemäus als Gotonen. Aus deren Nachrichten ergibt sich das Bild eines Stammesverbandes mit einem für germanische Verhältnisse bemerkenswert starken Königtum, der zur Zeitenwende nördlich des Weichselknies im Machtbereich der Markomannen siedelte. Westliche Nachbarn an der Ostseeküste waren die Rugier. Ob die südwestlichen Nachbarn, also Vandalen und Lugier, zwei Stammesverbände waren oder einer, ist unklar. Als Cassiodor im ersten Drittel des 6. Jahrhunderts im Auftrag Theoderichs die Historia Gothorum („Geschichte der Goten“) abfasste, griff er zeitlich viel weiter zurück. Da Cassiodors zwölfbändige Fassung nicht erhalten ist, steht nur die verkürzte Überarbeitung durch Jordanes (um 550, De origine actibusque Getarum, kurz Getica) als Quelle für die frühen Stammeslegenden zur Verfügung – Stammeslegenden, die zwar vielleicht mündlich überliefert worden waren, aber von Cassiodor zumindest nach einflussreichen historiografischen Modellen (Tacitus’ Germania) geordnet und zum Teil erfunden wurden. Cassiodor trug zahlreiche skandinavische und skytische Völkerschaften, deren Namen der klassisch-antiken Geografie und Ethnografie teils schon seit Herodot bekannt waren (insbesondere die häufig mit den Goten verwechselten Geten), und offenbar auch ihre Königslisten zu einer Gotengeschichte zusammen. Erschwert wird die Auswertung der Getica zudem dadurch, das unklar ist, wie viel von Cassiodors Werk in ihnen überhaupt bewahrt worden ist.

 

Gemäß der von Jordanes überlieferten Ursprungsgeschichte stammten die Goten vom sagenhaften Stammesgründer Gapt auf der Insel Scandza (Skandinavien) ab. Von dort seien sie unter König Berig mit drei Schiffen in Gothiscandza an der baltischen Küste gelandet und hätten sich nach fünf Generationen unter Filimer auf den Weg Richtung Süden gemacht. Die Spaltung des Volkes in West- und Ostgoten habe sich ereignet, als während der Überquerung eines großen Flusses die Brücke eingestürzt sei. Diese Darstellung, die auch erst im 6. Jahrhundert bei dem oft wenig zuverlässigen Jordanes auftaucht, lässt sich jedoch nicht bestätigen. Sie ist wahrscheinlich vielmehr als ein topischer Herkunftsmythos anzusehen. So konnte durch die archäologische Forschung für die oft den frühen Goten zugerechnete Willenberg-Kultur (auch Wielbark-Kultur) keine signifikante Zuwanderung aus Skandinavien festgestellt werden. Der neueren Forschung zufolge ist eher davon auszugehen, dass diese Kultur östlich der Weichsel entstanden ist und sich von dort aus seit dem 1. Jahrhundert langsam nach Südosten verschob, während an der Weichselmündung einige Siedlungen noch bis ins 4. Jahrhundert fortbestanden. Heute wird oft angenommen, dass die Goten aus dem Zusammenschluss unterschiedlicher Stämme entstanden. Denkbar ist, dass dem Namen „Goten“ besonderes Prestige anhaftete, weshalb er von ganz verschiedenen Gruppen geführt wurde. Gemeinsam ist den traditionell den Goten zugerechneten Gruppen auch, dass sie ihren Verstorbenen keine Waffen ins Grab legten, was für Germanen untypisch ist. Die Aussagekraft dieser Beobachtung ist aber inzwischen umstritten. Einige Forscher bestreiten inzwischen jeden Zusammenhang zwischen der Willenberg-Kultur und den Goten und nehmen an, es habe überhaupt keine Wanderung der Goten vor dem 3. Jahrhundert gegeben, da sich erst damals die Ethnogenese des Stammes vollzogen habe – und zwar an der Donau, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Imperium Romanum. Genau wie Franken und Alamannen seien die Goten also als neuer Großstamm erst an der römischen Grenze entstanden. Der Ausgang der Debatte ist derzeit offen. Von einer einigermaßen gesicherten gotischen „Geschichte“ kann man eigentlich erst sprechen, als die Goten mit Überschreitung der Donau 238 in den Horizont der römischen und griechischen Geschichtsschreiber traten.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Goten


Hermunduren

 

Die Hermunduren waren ein germanischer Volksstamm, der zur Gruppe der Elbgermanen (Herminonen) zählt und am Oberlauf der Elbe siedelte. Die Römer rechneten sie zur großen Stammesgruppe der Sueben und bezeichneten sie als treu ergebene Freunde der Römer. In Nachbarschaft zu den Hermunduren siedelten nach Tacitus die Narister, Markomannen und Quaden (Tacitus, Germania 42).

 

1 n. Chr. wurden Teile der Hermunduren durch den römischen Oberbefehlshaber Lucius Domitius Ahenobarbus in das von den Markomannen verlassene Gebiet am Main umgesiedelt. Sie gerieten unter die Oberhoheit des markomannischen Königs Marbod. Nach dem Krieg mit Arminius wird Marbod vom Goten Katualda gestürzt und geht daraufhin ins römische Exil. Für 51 n. Chr. sind Kämpfe an der Donau belegt, in denen die Hermunduren unter ihrem Fürsten Vibilius den Usurpator Katualda stürzten. Im Jahre 58 n. Chr. wird von einem hermundurischen Sieg über die Chatten in der legendären Salzschlacht berichtet, in der es wahrscheinlich um die Salzquellen an der Werra oder der Saale ging. Zuletzt erhält man 166 n. Chr. bis 180 n. Chr. Kenntnis von der Teilnahme der Hermunduren an den Markomannenkriegen auf Seiten der aufständischen Markomannen und Quaden gegen Marcus Aurelius.

 

In Thüringen werden archäologische Funde von Fibeln, eisernen Waffen, Terrinen, Schalenurnen und rädchenverzierten Keramikteilen als hermundurisch gedeutet. Diese wanderten vermutlich von der Elbe her allmählich nach Süden und Südwesten und drängten die dort siedelnden Kelten über den Thüringer Wald ab, sofern sie sich nicht mit ihnen vermischten. Ca. 300 Jahre bestehen keinerlei Nachrichten über das Gebiet, so dass stark angenommen werden muss, dass Hermunduren abgewandert sind. Im 4./5. Jahrhundert n. Chr. wanderten Angeln und Warnen von Norden in das ehemalige Siedlungsgebiet der Hermunduren ein. Auch aus anderen Gegenden kamen neue Stämme in dieses Gebiet, die später den Stammesverband der Thüringer bildeten. Noch um 800 wird das von den fränkischen Besatzern aufgezeichnete Gesetzeswerk der Thüringer als Lex Angliorum et Werinorum hoc est Thuringorum bezeichnet.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Hermunduren

 

Heruler

 

Die Heruler (lateinisch Eruli bzw. [etymologisch nicht korrekt] Heruli) waren ein ostgermanischer Stamm, der in den 60er Jahren des 3. Jahrhunderts n. Chr. am Schwarzen Meer zum ersten Mal geschichtlich in Erscheinung trat und bis ins 6. Jahrhundert in den Quellen belegt ist. Die ältere Forschung ging von einer Herkunft der Heruler aus Skandinavien aus. Diese Annahme beruhte jedoch wohl auf einer fehlerhaften Lesung einer Passage in den (um 551/52 veröffentlichten) Getica des romanisierten Goten Jordanes, der eine Ursprungsgeschichte der Heruler (Origo gentis) erzählt. Demnach seien diese von den Dänen aus ihren Stammsitzen vertrieben worden, doch ist die Erzählung historisch nicht glaubhaft. Die Ethnogenese der Heruler fand vielmehr sehr wahrscheinlich auf dem Kontinent statt, möglicherweise sogar erst in der Region, in der die Römer sie erstmals wahrnahmen, an der Nordküste des Schwarzen Meeres.

Neben der Legende über die Herkunft der Heruler zirkulierte auch eine über ihr Ende. Der spätantike Geschichtsschreiber Prokop berichtet im 6. Buch seiner Historien (um 550 veröffentlicht) davon, dass die schließlich in oströmische Dienste übergetretenen Heruler sich nochmals gespalten hätten, bevor sie die Donau überschritten und sich ein Kontingent nach Norden wandte, um in Thule, dem sagenhaften Ende der Welt, wie es Prokop nennt, Zuflucht zu suchen. Worin genau der Kern dieser Nachricht besteht, ist unklar. Möglich ist, dass Prokop hier eine literarische Anspielung darauf macht, wie mit den Goten (gegen die die Oströmer zu diesem Zeitpunkt in Italien noch Krieg führten) nach deren Niederlage umzugehen sei, und er zu diesem Zweck gotische Erzählungen in seinem Sinne umwandelte. Ähnlichkeit der Funde der Sösdalagruppe in Südschweden, wo zerbrochenes Sattel- und Zaumzeug in der Nähe von Begräbnisstätten flach unter der Erde vergraben gefunden wurde, mit entsprechenden Funden in Untersiebenbrunn und Pannonhalma wurde von einigen Forschern als Beleg für Prokops Bericht gewertet, was aber umstritten ist.

 

Die auch für andere germanische gentes oft in Anspruch genommene Herkunft aus Skandinavien muss als Topos angesehen werden; gleiches gilt für die eben erwähnte Annahme einer Rückkehr in die „Urheimat“. Von der Schwarzmeerregion aus nahmen Heruler in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts, zur Zeit der sogenannten Reichskrise des 3. Jh.an den Seezügen der Goten teil und gelangten so bis nach Griechenland. Der zeitgenössische Geschichtsschreiber Dexippos berichtete in seinen (nur fragmentarisch erhaltenen) Skythika von den Raubzügen dieser germanischen Invasoren, die er in Anlehnung an die „klassizistisch“ orientierten griechischen Autoren und im Rückgriff auf die traditionelle Ethnogenese als Skythai bezeichnete. Dexippos schildert, wie Skythai im Jahr 267/68 vom Schwarzen Meer aus in die Ägäis eindrangen und mehrere Inseln angriffen. Die Invasoren landeten dann auf der Peloponnes und drangen weiter landeinwärts vor. Sie griffen unter anderem Dexippos' Heimatstadt Athen an und plünderten sie, erlitten aber kurz darauf eine Niederlage. An diesen erfolgreichen Abwehrkämpfen einer athenischen „Miliz“ war Dexippos vielleicht selbst beteiligt, der auch die Leistungen der Bürger Athens hervorhob, die ohne Unterstützung durch kaiserliche Truppen gegen die Angreifer vorgegangen waren. Traditionell werden diese Angreifer mit den Herulern identifiziert, und Jordanes setzte später die von Dexippos erwähnten Erouloi mit den Herulern des 6. Jahrhunderts gleich. Die sich zurückziehenden Angreifer wurden im Frühjahr 268 von Kaiser Gallienus am Fluss Nestos in Thrakien geschlagen; ihr Anführer Naulobatus erhielt nach vollzogener deditio die Insignien eines römischen Konsuls, möglicherweise wurden auch Heruler in das römische Heer übernommen. Die Einfälle der Skythai aus der Schwarzmeerregion, die von der damaligen Schwächephase des Imperiums profitierten, hielten aber noch bis 275/76 an.

Wohl um die Mitte des 4. Jahrhunderts wurden die am Asowschen Meer siedelnden Heruler von den Goten unterworfen. Über die folgenden Jahre berichten die Quellen kaum etwas. Als das Reich des greutungisch-gotischen Königs Ermanarich um 375 n. Chr. von den Hunnen erobert wurde, die in dieser Zeit nach Westen vorstießen und damit die „Völkerwanderung“ auslösten, wurden auch die „gotischen“ Heruler zu hunnischen Vasallen. Erst nach dem Untergang des hunnischen Reiches um das Jahr 454 gelang es Herulern, ein eigenes Reich im Raum der südlichen heutigen Slowakei und des östlichen Weinviertels zu errichten. In verstreuten Quellenaussagen wird auch in der Folgezeit auf die Heruler eingegangen, die unter anderem um 480 die Region um Batavia (Passau) angriffen. Heruler im Dienste des weströmischen Reiches nahmen an der Erhebung Odoakers 476 in Italien teil und dienten ihm anscheinend bis zu seiner Niederlage gegen den (mit oströmischer Billigung) 489 in Italien eingefallenen Gotenkönig Theoderich.

Um 508 wurde das von König Rudolf (Rodulf) regierte Reich der Heruler, das zu Theoderich gute Beziehungen unterhielt, von den Langobarden vernichtet. Die verbleibenden Heruler teilten sich in mehrere Gruppen, von denen sich eine den Langobarden anschloss und in ihnen aufging, eine andere bei den Ostgoten in Italien Zuflucht fand und eine dritte nach längerer Wanderung zunächst zu den Gepiden floh, dann aber schließlich im Jahr 512 Aufnahme im Oströmischen Reich fand. Beim heutigen Belgrad wurde ihnen gestattet, ein kleines Föderatenreich zu errichten. Diese Heruler spielten eine nicht geringe Rolle bei der restauratio imperii des oströmischen Kaisers Justinian I, da sie vielfach in römischen Armeen dienten, aber einen schlechten Ruf genossen. Sie sollen zum Christentum konvertiert sein, doch mag dies nur für einen Teil der Heruler gegolten haben. Bald nach der Mitte des 6. Jahrhunderts verschwinden auch diese Heruler aus den Quellen.

 

Neben den eben behandelten, an der Nordküste des Schwarzen Meeres und später in Pannonien siedelnden Herulern, werden in den Quellen noch andere Heruler erwähnt, die in der Forschung oft als „West-Heruler“ bezeichnet und als unabhängige Gruppe angesehen werden, wenngleich in den Quellen keine solche Trennung vorgenommen wird. Man sollte sich diese Heruler daher auch nicht unbedingt als Gruppe vorstellen, die irgendwo im nordwestlichen Barbaricum angesiedelt war. Heruler werden jedenfalls in westlichen Quellen im Zusammenhang mit Einfällen in Gallien im Jahr 286 erwähnt, wobei sie von Kaiser Maximian abgefangen wurden und anschließend wohl als römische Hilfstruppen gedient haben. Herulische Hilfstruppen werden auch in der Folgezeit erwähnt, ebenso wie herulische Seeüberfälle im Westen an der spanischen Küste im frühen 5. Jahrhundert. Heruler waren möglicherweise auch am Rheinübergang von 406 beteiligt.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Heruler

 

Juthungen

 

Juthungen (griechisch Iouthungi, lateinisch Iuthungi) waren ein wahrscheinlich alamannischer Stamm nördlich von Donau und Altmühl. Die Juthungen werden bereits vom Geschichtsschreiber Dexippos zur Zeit der Reichskrise des 3. Jh. sowie von dem spätantiken römischen Historiker Ammanius Marcellinus (330–395) erwähnt. Im Gegensatz zu anderen alamannischen Stämmen wie den Breisgauern (lat. Brisgavi), Bucibanten (lat. Bucinobantes) und den Lentiesern (lat. Lentienses) bezeichnet der Stammesname Juthungen nicht deren Herkunftsgebiet, sondern den Stamm selbst. Der Name bedeutet so viel wie „Abkömmlinge, Nachkommen“; diese Wortbedeutung bezieht sich auf eine Verbindung mit dem suebischen Stamm der Semnonen. In den Jahren 259/260 fielen die Juthungen in Italien ein, wurden allerdings beim Rückmarsch am 24./25. April 260 von Marcus Simplicinius Genialis in der Nähe von Augsburg geschlagen, wie der 1992 gefundene, so genannte Augsburger Siegesaltar bezeugt. Die Inschrift auf dem Stein lautet übersetzt:

 

„DIE VIII VII KAL MAIAR, 8 bzw. 7 Tage vor den Kalenden des Mai [24./25. April] hatte der raetische Statthalter M. Simplicinius Genialis die Juthungen geschlagen und tausende gefangene Italiker befreit. Den Stein setzte er III IDUS SEPTEMB IMP D N POSTVMO AVG ET HONORATIANO COS, 3 Tage vor den Iden des September unter dem Konsulat des Kaisers Postumus und Honoratianus [11. September 260].“

 

In diesen Jahren ging das Limesgebiet für das Römische Reich verloren bzw. wurde von den Römern infolge interner Machtkämpfe im Imperium selbst geräumt. 270/71 fielen die Juthungen in Italien ein, wurden schließlich von Kaiser Aurelian besiegt. Zwischen 356 und 358 erfolgte zusammen mit den Alamannen ein Einfall in die Provinz Raetien, bei dem das Legionslager Regensburg zerstört wurde. Beim erneuten Vorstoß nach Raetien 383 wurden die Juthungen durch ein Heer von Alanen und Hunnen zurückgeschlagen. Der weströmische magister militum (Heermeister) Aetius kämpfte zwischen 429 und 431 in den Provinzen Raetien und Noricum erfolgreich gegen die Juthungen. Danach verschwinden sie aus den historischen Quellen.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Juthungen

 

Krimgoten

 

Die Krimgoten waren Nachkommen jenes Teils derOstgoten, der sich im Jahre 257 n. Chr. am Schwarzen Meer auf der Halbinsel Krim niedergelassen hatten; dort wurden sie zu Verbündeten Roms. Sie machten Dori zu ihrer Hauptstadt. Die Überreste von Dori sind unter dem tatarischen NamenMangup Kale bekannt und befinden sich südlich der heutigen ukrainischen Stadt Baschtschyssaraj. Im Verbund mit Sarmaten waren die Goten in den Jahren 255-257 auf die Krim vorgedrungen und unternahmen Raubzüge gegen Städte an den Schwarzmeerküsten. Bereits 256 waren gotisch- boranische Schiffe aus den Häfen des Kimmerischen Bosporus ausgelaufen. Die Krimgoten waren früh christianisiert und standen in enger Verbindung zu Byzanz. Im Jahre 404 wandten sich die Krimgoten an den Bischof von Konstantinopel und baten um einen Nachfolger des bereits von ihm eingesetzten Bischofs.

 

Theoderich der Große soll die Krimgoten aufgefordert haben, mit ihm nach Italien zu ziehen, was diese allerdings ablehnten. Im Jahr 548 baten sie Konstantinopel abermals um einen Nachfolger für einen verstorbenen Bischof und verlangten gleichzeitig militärische Hilfe gegen ihre hunnischen Nachbarn. Eine Gruppe der Krimgoten wurde in den spätantiken Quellen als Tetraxiten bezeichnet. Prokop von Caesarea berichtet, dass die utigurischen Hunnen, die sich nach dem Ende des Attila -reiches 454/455 n. Chr. nach Osten zurückzogen, am westlichen Ufer des Kimmerischen Bosporus auf Tetraxiten (Krimgoten) stießen. Die Tetraxiten hinderten diese daran, das östliche Ufer zu erreichen. Allerdings gingen die beiden Völker schließlich ein Bündnis ein und verließen den Kimmerischen Bosporus, um sich gemeinsam nordöstlich des Schwarzen Meeres, am Fuß des Kaukausus, niederzulassen. Demnach erscheint es als wahrscheinlich, dass die Tetraxitischen Goten mit dem Volk der Eudosen, die von Pseudo – Arrian als Bewohner der nordöstlichen Schwarzmeerzone beschrieben wurden, identisch sind. Die Wanderung germanischer Gruppen aus dem Südwesten der Krim zum Kimmerischen Bosporus wird archäologisch durch die Aufgabe einiger germanischer Gräberfelder (Aj-Todor) in der Mitte des 5. Jahrhunderts gestützt. Die letzte Nachricht über die Tetraxiten stammt aus dem Jahr 551, als sie die utigurischen Hunnen gegen kutrigurische Hunnen unterstützten. Damals plünderten die Utiguren unterstützt von 2000 krimgotischen Kriegern im Auftrag Ostroms das Land der Kutriguren, nachdem diese ihrerseits (von den Gepiden gerufen) oströmisches Gebiet verheert hatten.

Nach der Mitte des 6. Jahrhunderts dürften sich die tetraxitischen Goten allmählich in anderen kaukasischen Völkern aufgelöst haben. Die Eudosen, die um 480 an der Kaukasischen Küste lebten, sprachen offenbar gotisch. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass es sich bei dieser Gruppe in Wahrheit nicht um Goten handelte, sondern eher um Euten der kimbrischen Halbinsel, die wohl mit den Herulern ans Schwarze Meer kamen. Noch lange existierten gotische Fürstentümer auf der Krim, die Bevölkerung vermischte sich jedoch auch hier bald vor allem mit sarmatischen Gruppen. Funde germanischen Charakters, die Parallelen in der Donau-Balkan-Region und im ostgotischen Italien haben, sind in der Stadt Bosporus und auf der Halbinsel Taman zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert nachweisbar. Heiko Steuer zufolge lassen sich allerdings etwa ab dem späten 6. Jahrhundert bereits keine eindeutig gotischen Funde mehr im Schwarzmeergebiet nachweisen. Die bekannten gotischen Funde auf der Krim konzentrieren sich auf zwei Gebiete im südlichen Teil der Halbinsel. Eines liegt nördlich des Krimgebirges, ein zweites südlich davon entlang der Schwarzmeerküste. Gräberfelder mit typisch gotischen Grabfunden im Umkreis byzantinischer Festungen wie Chersones, Eski - Kermen und Mangup deuten auf den Foederatenstatus der Krimgoten hin. Der oströmische Kaiser Justinian I veranlasste sie, lange Mauern zu bauen, um den Zugang zu ihren Siedlungsgebieten zu sperren.

 

Auf der östlichen Seite des kimmerischen Bosporos enthält etwa der Bestattungsplatz von Djurso bei Noworossijsk Gräber mit typisch ostgermanischen Elementen. Die Bestattungssitten gleichen sich im 6. und 7. Jahrhundert immer mehr den byzantinischen aber auch kaukasischen an. Seit dem 8. Jahrhundert können in Djurso keine tetraxitischen Spuren mehr nachgewiesen werden. Die Vermischung mit den Nachbarvölkern setzte sich nach einer weitgehenden Unterwerfung von aufständischen Krimgoten durch die Chasaren in der Mitte des 8. Jahrhunderts fort. Von der Sprache der Krimgoten sind nur wenige Reste mit teils ungesicherter Überlieferung erhalten. Trotz deutlicher Unterschiede zum Gotischen der Wulfila - Bibel besteht kein Zweifel, dass die beiden Sprachen zusammenhängen. Die Zahl sieben heißt im krimgotischen etwa sevene, während sie in bibelgotischen sibun heißt. Seit dem 13. Jahrhundert bestand um Mangup das Fürstentum Theodoro, das auch Gothia genannt wurde. Mit der Eroberung der Hauptstadt im Jahr 1475 durch die Osmanen endete die politische Eigenständigkeit der Krim endgültig. Erst im 18. Jahrhundert scheint die krimgotische Sprache ausgestorben zu sein. Dennoch gab es keine Verbindung oder gar Vermischung zwischen den letzten Krimgoten und den ersten Schwarzmeerdeutschen, wie z. B. von nationalsozialistischer Seite behauptet worden war, um Eroberungspläne zu rechtfertigen.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Krimgoten

 

Kimbern

 

Kimbern (auch Cimbern geschrieben, lat. Cimbri, griechisch Kimbroi Κίμβροι) waren ein germanischer Volksstamm, der vermutlich aus dem nördlichen Jütland (Kimberland, das heutige Himmerland in Dänemark) stammte. Gemeinsam mit den Teutonen und Ambronen zogen sie um das Jahr 120 v. Chr. aus ihrem Siedlungsgebiet im Norden Mitteleuropas nach Süden. Wesentliche Informationen über die Kimbern, Teutonen und Ambronen stammen aus dem Leben des Marius, einer Biographie des Marius vom griechischen Geschichtsschreiber Plutarch. Die Römer benutzen um 100 v. Chr. das Wort Germanen nicht für die Kimbern und Teutonen, auch wenn wir sie heute zu selbigen zählen. Sie sprachen von den Cimbri Teutonique. Der Begriff Germanen wurde wahrscheinlich zuerst von dem Griechen Poseidonius im 30. Buch seiner Historien (ca. 80 v. Chr.), später dann von Gaius Julius Caesar für die Stämme jenseits des Rheins verwendet. Plutarch hatte sein Kimbernbild wahrscheinlich aus den Memoiren des Sullas, des Catulus, des Rutilius Rufus sowie den Historien des Poseidonios.

 

Nach Plutarch waren 300.000 kampffähige Männer im Tross. Allerdings wird diese Zahl von vielen heutigen Historikern angezweifelt. Bei 300.000 kampffähigen Männern müsste das gesamte ziehende Volk der Kimbern über eine Million Menschen betragen haben. Es wird aber für das gesamte Gebiet zwischen Rhein und Elbe nur eine Bevölkerung von drei bis vier Millionen angenommen. Viele Forscher gehen deshalb davon aus, dass die römischen Geschichtsschreiber stark übertrieben haben und die Kimbern insgesamt nur eine Kopfstärke von 150.000 hatten. Viele historische Quellen zu den Kimbern gelten als unglaubwürdig, dienten sie doch dazu, den Feldherrn Marius als Retter Italiens darzustellen. Die antiken Quellen geben eine Sturmflut als Ursache für die Auswanderung der Kimbern, Teutonen und Ambronen an. Doch vermutlich kamen Klimaveränderungen hinzu. Nach einer Wärmephase zwischen 2000 und 800 v. Chr. kühlte sich das Klima in Nordeuropa ab. Als Folge davon kam es zu Ernteausfällen und Hungersnöten, die die Bevölkerung dazu zwang, nach fruchtbarem Land zu suchen. Ihr Zug nach Süden führte sie nach Böhmen, wo sie auf die Boier gestoßen sein müssen, Schlesien und Mähren, dann ins Gebiet der Skordisker im Donau-/Savegebiet und schließlich in die Ostalpen, wo Noriker und Taurisker ansässig waren.

 

Im Jahre 113 v. Chr. trafen Kimbern, Teutonen und Ambronen in der heutigen Steiermark zum ersten Mal auf Römer. Der römische Konsul Gnaeus Papirius Carbo ließ die Alpenpässe sperren, um die Germanen am Marsch in Richtung Rom zu hindern. Obwohl die Germanen versprachen, friedlich weiterzuziehen und nach Siedlungsland zu suchen, lockten die Römer sie in eine Falle: Carbo gab ihnen Führer mit, die ihnen angeblich behilflich sein sollten, geeignetes Siedlungsland zu finden. Von Carbo hatten die Führer jedoch die Anweisung, einen längeren Umweg zu machen, damit er sie aus dem Hinterhalt angreifen konnte. Während die Kimbern in der Nähe von Noreia rasteten, griffen zwei römische Legionen mit einer Stärke von 12.000 Mann an. Sie wurden in der Schlacht von den Germanen vernichtend geschlagen. Nur ein einsetzendes Gewitter konnte das römische Heer vor der totalen Vernichtung retten: Aus Angst, der Gott Donar könnte den Himmel einstürzen lassen, flohen die Germanen. Historische Quellen hierfür sind insbesondere Appian und Strabo. Darauf zogen die Kimbern, Teutonen und Ambronen über Helvetien nach Gallien, wo sie im Jahre 109 v. Chr. nahe der italienischen Grenze wiederum siegreich waren, diesmal gegen Marcus Iunius Silanus. Die Tiguriner, ein helvetischer Stamm, der sich ihnen angeschlossen hatte, schlugen 107 v. Chr. die Römer unter Lucius Cassius Longinus 105 v. Chr. folgte ein weiterer Sieg gegen Quintus Servilius Caepio in der Nähe von Arausio.

 

Eine mehrere Jahre dauernde Wanderung nach Westen brachte die Stämme bis auf die Iberische Halbinsel, bevor sie sich wieder Richtung Italien wandten. Hier trennten sich die Teutonen und Ambronen von den Kimbern. Erstere zogen von Westen, letztere von Norden nach Italien ein. Diese Trennung sollte das Schicksal der Stämme besiegeln. 102 v. Chr. wurden die Teutonen Ambronen von Gaius Marius bei Aquae Sextiae, 101 v. Chr. unterlagen die Kimbern in der Poebene bei Vercellae den Truppen des Marius und denen des Quintus Latatius Catulus mit über 50.000 Soldaten. Die Kimbern stellen mit ihrem Zug durch Europa die erste einer langen Reihe von Konfrontationen zwischen den Germanen und dem römischen Reich dar. Zu dieser Zeit brachte Rom sie aber eher mit den Galliern als mit den Germanen in Verbindung. Erst Caesar, der alle Völker östlich des Rheins als Germanen ansah, verwendete diesen Begriff ca. 50 Jahre später in seinem Werk De Bello Gallico. Dies kann jedoch durchaus als nachträgliche politische Namensgebung aufgefasst werden. Die Beschreibung der Kimbern prägte das antike, aber auch das moderne, klischeehafte Germanenbild vom blonden, großen und wilden Volk. Zeitzeugenberichte existieren nicht. Plutarch beschreibt sie jedoch als überaus zahlreich, schrecklich anzuschauen und mit lauter Stimme, beinahe tiergleich. Der Zug der Kimbern wird in der Antike durchweg als barbarischer Raubzug beschrieben. Dies muss aus heutiger Sicht allerdings kritisch betrachtet werden. So sieht die moderne Forschung den Zug der Kimbern eher als Migrationsbewegung einzelner Stämme auf der Suche nach Siedlungsland, denn als Raubzug.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Kimbern

 

Langobarden

 

Die Langobarden (lateinisch: Langobardi, griechisch: Λαγγοβάρδοι, auch Winniler) waren ein Teilstamm der Stammesgruppe der Sueben, eng mit den Semnonen verwandt, und damit ein elbgermanischer Stamm, der ursprünglich an der unteren Elbe siedelte.

Woher der Name der Langobarden stammt, ist unklar. Der langobardische Chronist Paulus Diaconus berichtet im 8. Jh. von einer alten Sage. Demnach hießen die Langobarden einstmals Winniler. Diese wurden von den Vandalen bedroht, und beide Völker rüsteten zum Kampfe. Die Vandalen beteten zu Wodan, und er sagte ihnen, dass jene den Sieg erhielten, die er frühmorgens als erste erspähe. Gambara, die Mutter der winnilischen Herzöge Ebor und Agio, riet aber, zur Göttin Frea, der Frau Wodans, zu beten. Frea gab die Anweisung, dass die Frauen der Winniler frühmorgens sich im Osten aufstellen und ihre langen Haare wie Bärte vor das Gesicht binden sollten. Frühmorgens stand Frea zeitig auf und wendete das Bett Wodans nach Osten, und als er erwachte, sah er die Winnilerinnen und fragte erstaunt: „Wer sind diese Langbärte?“ Da entgegnete Frea: „Du hast ihnen den Namen gegeben, nun gib ihnen den Sieg!“ So siegten die Winniler über die Vandalen, und seither nennen sie sich Langobarden.

Auch in der Forschung ist die Herleitung des Namens umstritten. Klar ist, dass die Schilderung des Paulus Diaconus topische Elemente enthält, zumal lange Barttracht kein besonderes Kennzeichen nur der Langobarden war. Dennoch wird auch in der neueren Forschung die Herleitung Langobarden von Langbärten aus philologischen Gründen für durchaus wahrscheinlich gehalten, wobei von einer ursprünglichen Fremdbezeichnung ausgegangen wird. Eine in der Forschung erwogene alternative Bezeichnung nach einer stammestypischen Streitaxt wird hingegen als problematischer angesehen.

 

Die Frühgeschichte der Langobarden ist problematisch, gesichert ist erst ihre Präsenz an der unteren Ebe im späten 1. Jahrhundert v. Chr. Die Langobarden wurden bereits 3 v. Chr. als Teil des Marbod -Bundes erwähnt. Während eines Feldzuges des Tiberius im Jahre 5 n. Chr. zur Elbe werden die Langobarden erneut erwähnt: Der Geschichtsschreiber Velleius Paterculus schrieb „Die Macht der Langobarden wurde gebrochen, eines Stammes, der noch wilder als die germanische Wildheit ist.“ Im weiteren Verlauf des Berichtes wird beschrieben, wie die eigentlich auf dem linken (südlichen) Elbufer siedelnden Langobarden auf das rechte (nördliche) Elbufer übersiedelten. Dies scheint auch durch den Abbruch der Belegung von lokalen Friedhöfen unterstützt. Durch den anschließenden Rückzug der Römer an den Rhein verschwanden die Langobarden für die nächsten ca. 150 Jahre aus der Historie. Die Archäologie zeigt eine als elbgermanisch bezeichnete Fundgruppe beiderseits der unteren und mittleren Elbe und in Böhmen. Langobarden drangen 166 n. Chr. zu Beginn der Markomannenkriege als Teil eines Plünderungszuges ins Römische Reich ein und besetzten ab 485 das Gebiet an der mittleren Donau, in dem vorher die Rugier siedelten. Um 490 zog eine Gruppe, die die Quellen als Langobarden bezeichnen, nach Mähren und zu Beginn des 6. Jahrhunderts nach Pannonien. Im Jahr 510 vernichteten sie endgültig das von Rudolf regierte Herulerreich. 552 begleiteten viele langobardische Krieger den oströmischen Heerführer Narses nach Italien, um gegen die Ostgoten zu kämpfen. Sie wurden aber aufgrund ihrer Disziplinlosigkeit bald entlassen.

 

Im Jahr 567 vernichteten die Langobarden nach langen Kämpfen zusammen mit den Awaren das Gepidenreich. Bereits im folgenden Jahr zogen die meisten Langobarden nach Italien. Ob sie, wie man früher zumeist annahm, awarischem Druck weichen mussten, ob sie von vornherein die reiche Halbinsel im Blick hatten oder gar von Narses eingeladen wurden, ist umstritten. Sie eroberten jedenfalls ab 568 unter König Alboin große Teile Italiens, das sie ja 552 als immer noch relativ reiches Land kennengelernt hatten. Gemeinsam mit anderen germanischen Stämmen drangen sie weiter nach Süden vor, konnten aber nicht die ganze Halbinsel erobern: Etwa die Hälfte des Landes blieb unter der Kontrolle des oströmischen Reiches. Die langobardische Landnahme in Italien gilt als der letzte Zug der spätantiken Völkerwanderung und mithin als ein mögliches Datum für das Ende der Antike und den Beginn des Frühmittelalters in diesem Raum. Anhand der Gräberfelder lassen sich die wichtigsten langobardischen Siedlungsgebiete in Italien festmachen. Diese konzentrierten sich vor allem auf die Gebiete nördlich des Po von Piermont bis Friaul, in dem Gebiet zwischen Lago Maggiore und Gardasee (hier hatte sich bereits vor 550 die ostgotische Besiedlung konzentriert). Nach Süden hin stößt man auf bedeutend weniger Gräberfelder. Der Großteil der in Italien ansässigen Langobarden nahm das arianische Christentum an. Das Langobardenreich mit der Hauptstadt Pavia umfasste Norditalien und Teile Mittel- und Süditaliens. Es gliederte sich in mehrere Dukate (Teilherzogtümer).

 

Wie groß die Zahl der nach Italien eingewanderten Langobarden war, lässt sich angesichts der ungünstigen Quellenlage nicht exakt bestimmen. Schätzungen gehen von etwa 100.000 bis ca. 150.000 Menschen aus, eingeschlossen andere ethnische Gruppen, die sich dem langobardischen Stammeskern angeschlossen hatten. Die vom langobardischen Geschichtsschreiber Paulus Diaconus genannte Zahl von 500.000 Menschen ist vollkommen unrealistisch, wie das bei Zahlenangaben antiker und mittelalterlicher Autoren nicht selten der Fall ist. Schon die Versorgung einer derart gewaltigen wandernden Menschenmenge wäre auf unüberwindliche Hindernisse gestoßen.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Langobarden