Markomannen

 

Die Markomannen waren ein suebischer Volksstamm der Germanen. Der Name setzt sich aus "Mark" (Grenzland) und "Männer" zusammen. Aus dem Norden wanderten sie um 300 v. Chr. in das Maingebiet des heutigen Franken ein und verdrängten die dort ansässigen Kelten. Markomannen sind erstmals im Heere desAriovist 58 v. Chr.bezeugt.

Um 9 v. Chr. wurden sie von den Römern unter Drusus besiegt und wanderten deshalb unter König Marbod nach Böhmen in das Gebiet nördlich der Donau aus. Viele Grabfunde (Fürstengräber) belegen ihr hochstehendes Kunsthandwerk. Marbod etablierte ein starkes Königreich das von Augustus als potenzielle Gefahr für Rom wahrgenommen wurde. Ehe er jedoch reagieren konnte brach der Krieg in Illyrien aus. 3 vor Chr. vereinigte Marbod Hermunduren, Quaden, Langobarden, Semnonen und Wandalen in einem mächtigen Stammesbund. Der Stammesbund war jedoch nur locker gefügt seiner Stärkung stand die Opposition des Sippenadels entgegen.

 

Ein Krieg gegen die Cherusker unter Arminius im Jahre 17 und der Sturz Marbods im Jahre 19 beendeten die Machtstellung der Markomannen die unter römischen Einfluss gerieten. Die Abhängigkeit von Rom wurde nur durch Kämpfe in den Jahren 89 und 92 unterbrochen und dauerte bis zu den Markomannenkriegen. Die Markomannenkriege dauerten (mit Unterbrechungen) von166 bis 180. In ihnen zeigten sich die Markomannen als erbitterte und schlagkräftige Feinde des Römischen Reiches und drangen mehrmals tief in das Imperium ein. Kaiser Mark Aurel musste die meiste Zeit seiner Regierung ihrer Abwehr widmen; er hielt sich im Legionslager Carnuntum in Pannonien nahe Vindobonna dem heutigen Wien auf. Um 396 wurden Teile der Markomannen unter Königin Fritigil im ostösterreichisch-westungarischen Raum als Verbündete der Römer angesiedelt. Fritigil stand im Briefwechsel mit Bischof Ambrosius von Mailand und bewirkte die Christianisierung der Markomannen.

 

Um Christi Geburt hatte sich in Böhmen unter Führung des Maroboduus in kurzer Zeit ein straff organisiertes monarchisches Staatswesen der Markomannen mit einem schlagkräftigen Heer entwickelt die erste Staatsbildung eines germanischen Volkes. Obwohl Maroboduus einen Konflikt bezweckte zu vermeiden war Rom nicht gewillt eine solche Machtkonzentration die eine potentielle Bedrohung sowohl Germaniens als auch der Donaugrenze darstellte zu dulden zumal sich eine Anzahl ostgermanischer Stämme den Markomannen angeschlossen hatte. Die Niederwerfung des Maroboduus war nun das Ziel. Dafür war ein kombinierter Angriff vorgesehen. Es wurden nicht weniger als 12 Legionen zu diesem Zweck mobilisiert das gesamte in Germanien Raetien und Illyrien stehende Heer. Der römische Plan zu dem großangelegten Zangenangriff auf das Reich des Maroboduus setzt voraus daß das übrige Germanien sowie Pannonien militärisch völlig gesichert waren. Bei Gelingen ihres Vorhabens wären die Römer zu den unbeschränkten Herrschern Mitteleuropas geworden.

 

Die eine Heeressäule bewegte sich im Jahre 6 n. Chr. unter dem Legaten C. Sentius Saturninus von ihrer Basis Mogontiacum / Mainz aus in östlicher Richtung durch das Land der Chatten nach Böhmen d.h. durch das Tal des Mains und der Eger ; im Verlauf dieses Feldzuges wies er den Hermunduren ehemals von den Markomannen besiedelte Gebiete zu vermutlich in Franken und Thüringen. Möglicherweise steht das neu entdeckte Legionslager bei Marktbreit (Landkreis Kitzingen Unterfranken) in diesem Zusammenhang . Sentius´ Ziel lag in der Ausschaltung der Verbündeten des Maroboduus. Die andere Heeressäule stieß unter Tiberius von Carnuntum dem natürlichen Einfallstor nach Mähren von Süden her nach Norden vor. Beide Heeresgruppen sollten sich wohl in der Nähe der Residenz des Maroboduus vereinigen.


Die Operationen mußten abgebrochen werden bevor die geplante Vereinigung zustandegekommen war da in Pannonien ein schwerer Aufstand ausbrach. Maroboduus verzichtete darauf diese für Rom prekäre Situation auszunutzen und schloß einen Friedensvertrag condicionibus aequis (zu gleichen Bedingungen). Saturninus kehrte nach dem Abbruch des Feldzuges in das besetzte Germanien zurück und erhielt dort die Ruhe aufrecht. Durch den Pannonischen Aufstand gewarnt betrieb er anscheinend eine vorsichtige Politik.

 

Auszug aus: www.uni-protokolle.de/Lexikon/Germanen

 

Marser (Germanien)

 

Die Marser (lateinisch: Marsi, griechisch Μαρσοί) waren ein kleiner germanischer Volksstamm, der zwischen Rhein (Rhenus), Ruhr und Lippe (Lupia) siedelte. Sie wurden erstmals von Strabon und mehrmals von Tacitus erwähnt, von letzterem insbesondere im Zusammenhang der Feldzüge des, als die Römer sie 14 n. Chr. überfielen. Die ahnungslosen Marser, die gerade in ihren Dörfern ein Fest feierten und zu betrunken waren, um auf diesen Überraschungsangriff reagieren zu können, wurden, ob Männer oder Frauen, ob alt oder jung, von den römischen Soldaten getötet. Die Marser hatten am Aufstand im Jahre 9 n.Chr. gegen die Römer teilgenommen (Varusschlacht) und wurden nun in den Rachefeldzügen des Germanicus vernichtend geschlagen. Nach Tacitus (Annalen 1, 51) wurde neben dem zentralen, nicht genau zu lokalisierenden Tanfana -Heiligtum ein Landraum von 50 römischen Meilen mit Feuer und Schwert völlig verwüstet: „Kein Geschlecht, kein Lebensalter fand Erbarmen.“

 

Germanicus führte im Feldzug gegen die Marser neben 12.000 Legionssoldaten auch 26 Kohorten Hilfstruppen (sociae cohortes) und 8 Reiterschwadrone (equitum alae) mit sich. Auch wegen dieser Gräueltaten, die Germanicus nicht nur bei den Marsern, sondern auch bei den Chatten im Frühjahr 15n.Chr. angerichtet hatte, fanden sich die sonst oft untereinander zerstrittenen Germanen wieder zusammen, um gegen die Römer vorgehen zu können. Germanicus hatte eine doppelt so starke Armee unter Waffen wie seinerzeit Varus. Die Feldzüge des Germanicus wurden dennoch nach zwei Jahren intensiver, aber nicht entscheidender Kämpfe abgebrochen, und die Römer zogen sich hinter den Rhein zurück. Über die weitere Geschichte der Marser berichten die Quellen nichts; vielleicht gingen sie in der Folgezeit in anderen Stämmen auf. Die Marser in Germanien sind nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Volk in Italien.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/marser Germanien

 

Nervier

 

Die Nervier (lateinisch Nervii, französisch Nerviens) waren in der Antike ein großer belgischer Volkstamm. Sie bewohnten in der Gallia Belgica ein ausgedehntes Gebiet zwischen Maas und Schelde im Norden und Westen des heutigen Belgien. Benachbart lebten die Menapier, Eburonen, Remer, Bellovaker, Viromanduer und Atrebaten. Sie hatten mehrere Klientelstämme. Die Hauptstadt der Nervier war Bagacum (heute Bavay in Frankreich), das der spätere Kaiser Tiberius wahrscheinlich um 4 n. Chr. besuchte. Hinweise bei Strabon legen einen früheren Wohnsitz der Nervier auf der rechten Rheinseite nahe. Hinsichtlich ihrer politischen Selbstordnung wird von einem senatus berichtet.

 

Die Nervier spielten eine herausragende Rolle in Caesar Berichten über seine gewaltsame Unterwerfung Galliens. Im Winter 58/57 v. Chr. beteiligten sich 50.000 Nervier an einer antirömischen Koalition von insgesamt 300.000 Mann aus zahlreichen anderen belgischen Völkerschaften unter der Führung des Suessionenkönigs Galba. 57 v. Chr. wurden sie zwar von Caesars Truppen nach einer hochdramatischen Schlacht vernichtend geschlagen, nahmen aber im Winter 54/53 v. Chr. erneut an einem Aufstand teil, wobei unter der Ägide des eburonischen Anführers Ambiorix etwa ein Fünftel der belgischen Krieger gegen die Römer dieser Völkerschaft entstammten. Kurz darauf konnten sie sich mit etwa 6000 Kriegern Vercingetorix bei Alesia anschließen.


Die Nervier galten für Caesar als der wohl kriegerischste Stamm unter den Belgern, nicht zuletzt wegen der ihnen zugeschriebenen germanischen Abstammung. Dies hinderte die Nervier nicht, sich nach ihrer blutigen Unterwerfung schnell römischen Einflüssen zu öffnen, ihre Hauptstadt Bagacum zu einem Verkehrsknotenpunkt mit sieben von ihr ausgehenden stratae calciatae auszubauen und zu einem bedeutenden Handelszentrum zu entwickeln, in dem Ackerbau und Viehzucht, Flachs- und Tuchgewerbe, Metallurgie und Keramik florierten. Soldaten der Nervier erlangten auch große Bedeutung als Auxiliartruppen für das römische Heer, insbesondere im Verlauf des Bataveraufstandes. Für Britannien sind eine ala II Nerviorum Fidelis milliaria sowie ein n(umerus) sagit(t)ariorum Ner(viorum) erwähnt. Ihre recht frühe Christianisierung dokumentiert der Besuch eines eigenen Bischofs beim Konzil in Colonia Agrippinensis (Köln) des Jahres 346 n. Chr.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Nervia

 

Nordfriesen

 

Nordfriesen sind im weiteren Sinne die Bewohner des Kreises Nordfriesland in Schleswig Holstein. Im engeren Sinne ist es jene in Nordfriesland und auf Helgoland beheimatete Volksgruppe der Friesen. Auf dem Wappen der Nordfriesen lautet der Leitspruch „Lever duad as Slav“ (Lieber tot als Sklave!). Diese Volksgruppe verwendet zum Teil noch die unterschiedlichen Dialekte der nordfriesischen Sprache, die zur Gruppe der ingowäonischen Sprachen gehört. Die Friesen wanderten um das Jahr 800 in die später zum Herzogtum Schleswig gehörenden Uthlande ein. Zunächst besiedelten sie nur die vorliegenden Inseln, in einer zweiten Einwanderungswelle um 1100 auch den anliegenden Küstenstreifen zwischen den Flüssen Eider und Vida (deutsch: Wiedau) an der heutigen deutsch-dänischen Grenze.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Nordfriesen

 

Nordwestblock


Als Nordwestblock wird mangels einer besseren Bezeichnung eine historische Gruppe von Völkern in Mitteleuropa zwischen Main Werra und Aller Unterweser und Rhein benannt die der alteuropäischen Gruppe angehörte und noch 200 v. Chr. mit Sicherheit nicht germanisiert war. Zu den Völkern des Nordwestblocks gehörten auch die (später germanischen) Cherusker Hermunduren und Chatten. Erst um Christi Geburt wurden die Stämme des Nordwestblocks von einer germanischen Oberschicht dominiert (zu der z.B. auch Arminius /Hermann der Cherusker gehörte). Im Unterschied zu den wanderlustigen Germanen waren die Stämme des Nordwestblocks bodenständig und sollten es sogar die ganze Völkerwanderung über bleiben.

 

Auszug aus: www.uni-protokolle.de/Lexikon/Nordwestblock

 

Normannen

 

Das Wort Normanne bezeichnet zwei regional verschiedene Gemeinschaften: Zum einen handelt es sich um Nordgermanen, d.h. die germanischsprachigen Einwohner Skandinaviens und Islands, die zwischen dem späten 8. und dem 11. Jahrhundert Raubzüge in Richtung Süden (England, Irland, Frankenreich, Mittelmeerraum und heutiges Russland) unternahmen, zum anderen wurden damit romanisierte Normannen bezeichnet, die sich ab dem 9.Jahrhundert von der Normandie ausbreiteten. Die Normannen waren keine geschlossene Volksgruppe. Vielmehr handelt es sich um kulturell, ethnisch und sprachlich zum Teil verschiedene Gruppen (Dänen, Schweden, Norweger, Isländer, seit dem frühen 10. Jahrhundert Einwohner der Normandie), die häufig auch gegeneinander kämpften.

 

Der Begriff Normanne wird manchmal als Synonym für Wikinger verwendet. Eigentlich handelt es sich dabei aber um einen Oberbegriff, der auch die Wikinger, wenigstens zum großen Teil, umfasst. In mittelalterlichen Chroniken werden die Bezeichnungen Dani und Nortmanni oft als Synonyme für Wikinger, Skandinavier oder Waräger verwendet. In den lateinischen Quellen des 9. und 10.Jahrhunderts werden sie auch als piratae (Seeräuber) oder pagani (Heiden) bezeichnet. Ermoldus Nigellus schreibt (übersetzt): „Dieses Volk nannte man früher mit einem Namen, der alt ist, Dänen (Deni) und auch jetzt noch nennt man sie stets so; doch Normannen benennt sie oft die fränkische Sprache, schnell und rasch sind sie, die Waffen brauchen sie geschickt.“ Auch in anderen Quellen erscheinen die Begriffe Dänen und Normannen als austauschbar, was daher rührt, dass sich die modernen skandinavischen Völkerschaften noch nicht herausgebildet hatten. Die fränkischen Reichsannalen schreiben von einem Land „Normannia”, womit nicht Norwegen, sondern Dänemark und alles, was nördlich davon liegt, gemeint ist. Adam von Bremen sagt, dass die Piraten Ascomanni genannt würden, nach der Art ihrer Schiffe. Liutprand von Cremona nennt Rusii/Rusi als zweiten Namen der nordmanni. Bis heute hat sich dieser Name als Ruotsi im Finnischen für Schweden erhalten. Später ging der Name Rus von der skandinavischen Oberschicht des Kiewer Reichs auf die slawische Bevölkerung über, woraus unser Wort Russe abgeleitet ist. Hrabanus Maurus nennt die Normannen Marcomanni.

 

Die Stämme, die von den Franken um 800 n.Chr. als Nordmani bezeichnet wurden, siedelten nördlich der Eider bis ins nördliche Skandinavien. Es war das nördlichste bekannte Volk, daher Nordmänner gleich Normannen. Sie waren hervorragende Schiffbauer und Seefahrer. Die Nordgermanen betrieben Handel vom Ostseeraum bis ins Mittelmeer, was Funde in Haithabu beweisen. Für den Handel nutzten sie hauptsächlich bauchige Schiffe. Die Normannen lebten meist im Familienverbund zusammen, betrieben Ackerbau und Viehzucht. Die räuberischen Seefahrer der Normannen werden auch mit dem neuhochdeutschen Wort Wikinger bezeichnet, von ihren Raubzügen kehrten sie oft beutebeladen in die Heimat zurück. Das altnordische Wort víkingar bezeichnete dagegen nicht nur die nordgermanischen Seeräuber, sondern alle, auch die westslawischen und estnischen. Die nordischen Reiche wurden selbst von 'Wikingern' heimgesucht. Aber es gab auch in der Vorwikingerzeit solche Überfälle aus dem Norden. Aus dem ausgehenden Altertum gibt es Berichte über diese Überfälle seit dem 3. Jahrhundert. Sie werden in den Berichten Franci oder Saxones genannt. Diese hatten auch Leute aus dem hohen Norden in ihren Reihen. So sagen römische Quellen, dass sie von den fernsten Ufern des Barbarenreiches gekommen seien. Gregor von Tours berichtet von einem Überfall der Dänen in Gallien im 6. Jahrhundert. Das östliche Mittelmeer wurde Ende des 3. Jahrhunderts von östlichen Germanenstämmen heimgesucht. Sie kamen über das osteuropäische Flusssystem, was einen Zusammenhang mit den Normannen nahelegt. Aber diese Überfälle waren vereinzelt, während sie ab dem 9. Jahrhundert häufig und fast regelmäßig auftraten. Deshalb lässt man mit dieser neuen Entwicklung ein neues Zeitalter, die Wikingerzeit (800 bis 1100 n. Chr.) beginnen.

 

Die Wikinger kamen zunächst an die Küste der britischen Inseln und an das gallische Festland. Später kamen die Küste Frieslands (810), die spanische Südküste und Marokko (844) hinzu. 859 gelangten sie ins Mittelmeer, wo sie die Küsten Spaniens, Südgalliens und einige Stellen Italiens plündernd heimsuchten. Seit 840 fuhren sie auch flussaufwärts ins Landesinnere, z.B. 856 nach Orleans. Zu dieser Zeit begannen sie auch, weitere Strecken zu Lande zu überwinden. Den Mittelmeerraum erreichten sie dann auch über die Ostsee und die osteuropäischen Flussläufe. So kamen sie bis nach Konstantinopel. Im Jahre 839 kamen Gesandte des byzantinischen Kaisers Theophilus nach Ingelheim zu König Ludwig dem Frommen. In seinem Gefolge waren Leute, die von sich sagten, sie werden Rhos genannt (siehe oben Ruotsi und Rus). Sie baten, durch sein Reich nach Hause ziehen zu dürfen, weil der Weg, durch den sie gekommen waren, zu unsicher sei. Aus den Annalen von St. Bertin geht hervor, dass es sich um Schweden handelte (gentis esse Sueonum). Neben der Plünderung von Sachgütern stand auch der Menschenraub. So kamen viele als Sklaven nach Skandinavien. Ein anderer Zweck des Menschenraubes war die Erpressung von Lösegeld. Dies konnte nur durch Verhandlungen geschehen, die eine geregelte Unterbrechung der Feindseligkeiten voraussetzten. Aber auch aus anderen Gründen kam es zu Waffenstillständen. Damit kam auch der Handel ins Spiel. Man hängte am Lager ein Schild in der Höhe auf und öffnete die Tore, was zeigte, dass das Lager dem Handel offenstand, oder sie handelten Zeiten für den Marktverkehr aus. Als die Normannen nicht mehr im gleichen Jahr heimkehrten, sondern in der Fremde Winterlager errichteten, führte das allmählich zu Herrschaftsbildungen. Ein besonderes Beispiel ist die Niederlassung der Normannen am Unterlauf der Seine unter Herzog Rollo, der Vasall des westfränkischen Königs Karls des Einfältigen wurde.

 

Bei den Romanen handelt es sich um die romanisierten Bewohner des französischen Herzogtums „Normandie“ und deren Nachfahren in Süditalien und in England. Dieses Gebiet im Norden des heutigen Frankreich wiederum erhielt seinen Namen nach den „Normannen“ oder „Nordmännern“, (vgl. norwegisch nordmann = ‚Norweger‘), die in der zweiten Hälfte des 9.Jahrhunderts in Nordfrankreich eindrangen und im Jahr 911 unter Herzog Rollo durch den Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte das untere Seinebecken von Karl III. von Frankreich als Lehen empfingen. Der Friedensvertrag wurde aber nicht eingehalten. Rollo und sein Nachfolger Wilhelm Langschwert eroberten weitere angrenzende Gebiete, die dann als Belehnung König Rudolfs von Burgund ausgegeben wurden. Ganz allmählich verdrängte die kriegerische normannische Oberschicht den fränkischen Adel. In der Folge nahmen die Normannen die Langues d‘ oil an und entwickelte eine eigenständige kulturelle Identität, die sie sowohl von ihren skandinavischen Vorfahren als auch von ihren frankogallischen Nachbarn unterschied. Das Herrschaftsgebiet wird erst im 11.Jahrhundert in den Quellen in seiner Ausdehnung klar. Die Christianisierung schritt schnell voran und die Kirche wurde eine Quelle der Identität. In der Folgezeit wurden viele Klöster gegründet (oder wiedergegründet, weil die meisten existierenden Abteien von den Wikingern zerstört worden waren) und Kirchen erbaut. Um das Jahr 1000 kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, in dem die normannischen Herzöge den Bauern Privilegien gewährten und die Leibeigenschaft ablehnten. 1034 gründete Herluin die Abtei von Bec. Es wurde zu einem Zentrum des Geisteslebens, als Lanfac und später Anselm, die späteren Erzbischöfe von Canterbury, dort Prior und Abt waren.

 

Rollo und seine Nachfolger bauten in der Normandie einen modernen Lehnsstaat auf. Rollo verschmolz das nordische Gefolgschaftsrecht mit dem fränkischen Lehnsrecht. Er führte eine neue Form der Vasallität ein, die ligisch genannt wurde und dem Vasallen größte Freiheiten einräumte, ihm sogar Bündnisse mit Nachbarn ermöglichte, ohne die Lehnstreue zu beeinträchtigen. In den süditalienischen Gebieten herrschten sie seit ungefähr 1030. Einzelne Normannengruppen dehnten mit dem beginnenden 11. Jh. ihre Streifzüge bis in den Mittelmeer-Raum aus und setzten sich in der Gegend um Neapel, bei Aversa und Capua fest. Schließlich erlangten sie in beinahe ganz Süditalien und Sizilien die Herrschaft, das sie von den Sarazenen eroberten.

 

Im Jahr 1066 eroberte der normannische Herzog Wilhelm England nach der Schlacht bei Hastings.

 

Edgar Aetheling, einer der Konkurrenten Wilhelms um den englischen Thron, floh schließlich nach Schottland. König Malcolm III . heiratete Margaret, die Schwester Edgars, und stand damit in Opposition zu Wilhelm, der schon die südliche Grenzen von Schottland in Frage gestellt hatte. Im Jahre 1072 überfiel Wilhelm Schottland und ritt bis Abernethy, wo er sich mit seiner Flotte traf. Malcolm unterwarf sich Wilhelm und huldigte ihm, er gab ihm seinen Sohn Duncan als Geisel. Seitdem gab es immer wieder Streit darüber, ob die schottische Krone dem König von England Gehorsam schulde. Normannen kamen nach Schottland, bauten Burgen und begründeten Adelsfamilien die künftige Könige wie Robert I. stellten. Sie gründeten auch einige schottische Klane. Alexander I., der ältere Bruder von König David I. heiratete Sybilla von Normandie. David I. stellte normannische Kultur den Schotten vor und verbrachte Zeit auf dem Hof von König Heinrich I., der selbst Edith von Schottland, die Schwester Davids heiratete. Um das Königreich von seinem Halbbruder, Máel Coluim mac Alaxandair wegzunehmen, musste David viele Menschen mit Ländereien belohnen. Das Verfahren wurde unter den Nachfolgern Davids fortgesetzt, am meisten unter Wilhelm I.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Normannen

 

Ostfalen

 

Der Ausdruck Ostfalen bezeichnet den östlichen Teil des alten Sachsens zwischen den Flüssen Leine, Elbe, Saale und Unstrut. Ostfalen ist zu unterscheiden von Ostwestfalen, das im alten Sachsen im sich westlich anschließenden Engern lag. Am Ende der Sachsenkriege Karls des Großen stand die Niederlage der Sachsen 785 und die Taufe Herzog Widukinds. Die Zwangschristianisierung der Sachsen folgte. Dazu wurden um 815 die Bistümer Hildesheim und Halberstadt eingerichtet, zur gemeinsamen Grenze wurde dabei die Oker. Die sächsischen Lande wurden in das Frankenreich integriert und in die Herrschaften Westfalen, Engern und Ostfalen aufgeteilt. Die Endung -falen ist germanischen Ursprungs und bezieht sich auf die Ebene, die (anfangs) durch die Weser in Ostfalen und Westfalen geteilt wurde.

 

Nachdem 1180 über Heinrich den Löwen die Reichsacht verhängt wurde, folgte die Aufteilung Ostfalens in kleinere Herrschaftsgebiete, so zum Beispiel das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, welcher Otto dem Kind 1235 als Reichslehen verliehen wurde. Weitere Herrschaftsbereiche Ostfalens waren zu dieser Zeit die weltlichen Gebiete der Bischöfe von Halberstadt und Hildesheim, des Erzbischofs von Magdeburg sowie das Stiftsgebiet Quedlinburg. Auch der Reichsbezirk Goslar und die Grafschaften Blankenburg und Wernigerode waren Teil Ostfalens. Durch Erbteilung wurden die Herrschaftsgebiete immer kleiner und zahlreicher. So zerfiel auch das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg. Als größtes Einzelteil ging daraus das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel hervor.

 

Das damals schon schwach ausgeprägte „Ostfalen-Bewusstsein“ ging völlig verloren. Während das westlich der Weser gelegene Gebiet die offizielle Bezeichnung Westfalen führt, sind Ostfalen nicht mehr geläufig. Der Begriff erscheint inzwischen auf Sprachwissenschaft und Heimatkunde reduziert. Der Name wurde zeitweise als Bezeichnung für den Ostfalengau um Hildesheim geführt. In jüngster Zeit versucht man in Südniedersachsen und im westlichen Sachsen-Anhalt den Namen neu zu beleben. So wird er heute je nach Interessenlage auf verschiedene Gebietsgrößen und Zusammensetzungen bezogen, dabei wird z. T. vom historischen Ostfalen abgewichen. Das Ostfalen-Portal definiert Ostfalen in Anlehnung an die Brockhaus-Definition (1. Hälfte 20. Jahrhundert):

 

Ostfalen bezeichnet im Allgemeinen den durch den frühmittelalterlichen Stamm der „Ostfalen“ beherrschten Raum, der am Ende des 8. Jahrhundert im Kern durch die karolingischen Bistümer Verden, Hildesheim und Halberstadt umschrieben wurde. Dieses Land um den Harz herum war die Heimat des ottonischen Königs- und Kaiserhauses (königsnahe Landschaft) und wurde durch zahlreiche Stiftsgründungen und Burgenorte geprägt. Romanik, Stadtrecht und Reformation, Bergwerks- und Technikgeschichte schufen Weltkulturerbe in Hildesheim, Goslar, Quedlinburg, Dessau-Roßlau und Eisleben. Als Kulturlandschaft bezeichnet Ostfalen heute einen Raum, der von drei Bundesländern erfasst wird: Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Das Ostfalen-Portal verbindet die Menschen von Hannover bis Magdeburg, Göttingen bis Halle mit ihrer gemeinsamen Kulturlandschaft.

 

Die zwischen Braunschweig und Magdeburg liegenden Landkreise Helmstedt, Bördekreis und Ohrekreis (letztere fusionierten am 1. Juli 2007 zum Landkreis Börde) etablierten den Verein „Deuregio Ostfalen“. Die satzungsgemäße Aufgabe ist im § 2 der Satzung definiert und lautet: "Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke mit dem Ziel, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitglieder und ihrer Einwohner durch geeignete Maßnahmen zu stärken und die kommunalen Lebensbedingungen zu verbessern". Insofern kommt der Deuregio Ostfalen die Rolle eines Moderators für eine Region zu. Daneben besteht das Ostfälische Institut. Dieses befasst sich mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Ostfälischen Platt. Dieses schließt auch die Förderung der Sprache ein. Dazu wird jährlich ein Literaturwettbewerb ausgerufen. Im Jahr 2010 geschieht dieses zum 17. Mal.

 

Auszug aus: wikipedia.org/wiki/Ostfalen

Pruzzen; Porussen oder Preussen (Preußen)

 

Die archäologischen Funde haben ergeben, dass das ostpreußische Gebiet vom Ende der Jungsteinzeit bis zum Mittelalter durchgehend von einer Kultur besiedelt war. Dies bedeutet, dass die altpreußische Bevölkerung von jeher in diesem Gebiet gesiedelt hat. Die Pruzzen gehörten zum baltischen Zweig der Indogermanen. Das Siedlungsgebiet der Pruzzen zog sich von der unteren Weichsel bis zur Memel hin und gliederte sich in elf Landschaften.

 

Der römische Schriftsteller Tacitus erwähnte zuerst in seiner Germania 100 n.Chr. den hier lebenden Volksstamm als Aestier. Weitere Beschreibungen folgen erst rund 900 Jahre später als Adalbert von Prag mit seiner Heidenmission in dieser Gegend beginnt, bei der er von den Pruzzen erschlagen wurde und von Brun von Querfurt, der allerdings ebenfalls 1009 erschlagen wurde. Erst mit der Christianisierung Livlands kommt auch die Pruzzenmission wieder in Gang. Dem Abt Christian gelingen hierbei im Jahre 1210 erste Erfolge. Nähere Beschreibungen folgen dann erst zur Ordenszeit. Die Pruzzen werden als groß und blond beschrieben, die preußische Sprache stirbt erst im 17. Jh. aus. Über die Gebräuche ist bekannt, dass ein Mann bis zu drei Frauen heiraten konnte, überzählige Mädchen wurden umgebracht, ebenso wie Kranke und Behinderte. Mord hatte Blutrache zur Folge.

 

Die Kleidung wird als einfach und schlicht beschrieben. Ein enger Rock aus Tuch oder Leinwand, von einem Gürtel gehalten, reichte bis zum Knie. Darunter wurden Beinkleider getragen. Im Winter trugen sie eine Pelzmütze. An den Füssen Leder- oder Bastsandalen. In früherer Zeit lebten sie in Schilfhütten, später in Holzhütten, ihre Führer teilweise in Steinburgen. Dörfliche Gemeinschaften sind im Gegensatz zu Städten bekannt. Sie lebten hauptsächlich vom Ackerbau, aber auch Fischfang, Fleisch ist rar.

 

Tote werden verbrannt und die Asche in einer Urne in einem Grabhügel beerdigt. Die Pruzzen hatten einen Naturglauben. An der Spitze der Hierarchie standen die drei Hauptgötter Perkunos, Patrimpe und Pekollos. Perkunos war der Gott des Donners und des Feuers, vergleichbar mit dem germanischen Thor. Sein Wohnsitz war das heilige Romowe, wo auch ein Bildnis von ihm stand. Er hatte ein zorniges Antlitz mit feurigem Gesicht, das von einem krausen Bart umrahmt war. Patrimpe war der Kriegsgott, dargestellt als Jüngling, dessen Kopf mit einem Kranz Getreideähren geschmückt ist. Ihm wurden auch Menschenopfer dargebracht. Pekellos, ein düster dreinblickender Greis, war der Gott des Verderbens und des Todes. Ein weiterer freundlicher Gott war Kurche, der für Speisen und Trank zuständig war. Weiterhin gab es noch Untergötter wie Okopirn, der für Winde zuständig war, Bangputtys, der Wellengott, Puskaitis, der Wald- und Baumgott.

 

Pekollos, Perkunos und Petrimpe

 

Als weibliche Gottheiten sind zu nennen, Jawinne, die die Saat keimen ließ, Melletele, die segensreich in Gärten und Auen wirkt. Weniger segensreich waren Giltine, die einen schmerzvollen Tod bringt, Magilla, die qualvolle Strafen verhängte, Laumene, die die Leute piesackte und unschuldige Kinder entführte. Weiterhin gab es noch Schutzgeister und auch Tiere konnten göttliche Kräfte haben. Es gab zur Verehrung der Götter eine Priesterklasse.

 

Auszug aus: www.preussenweb.de/pruzzen

Quaden

 

Vor Drusus ausweichend führte Marbod die Markomannen und einen Teil der Quaden in den Jahren 8–6 v.Chr. aus dem Maingebiet nach Böhmen, ins nördliche Niederösterreich und in die Südwestslowakei, wo er die Nachbarstämme (Boier, Langobarden, Lugier, Semnonen) unterwarf und das erste germanische Reich schuf, das etwa Böhmen, Mähren und Schlesien umfasste und unter starkem römischen Einfluss stand. Catualda stürzte und vertrieb im Jahre 18 n. Chr. Marbod, konnte sich aber nicht behaupten.


Vannius (19–50 n.Chr.), der erste namentlich bekannte Quaden-König, wurde darauf von Drusus dem Jüngeren als römischer Klientelkönig der Quaden und Markomannen eingesetzt. Zu Beginn seiner Herrschaft war er bei seinem Volk beliebt und geachtet, doch entwickelte er sich später zu einem Tyrannen. Vannius' Neffen (Schwestersöhne) Sido und Vangio verbündeten sich im Jahr 50 n. Chr. mit Vibillius, dem König der Hermunduren gegen ihn. Vannius wandte sich mehrmals an Kaiser Claudius, der ihm militärische Unterstützung verweigerte, jedoch Publius Atellius Hister, den Statthalter von Pannonien anwies, Vannius aufzunehmen und zu schützen. Die Truppen des Vannius (Quaden als Infanterie und Jazygen als Kavallerie) waren zu schwach gegen die zahlreichen Feinde (Ligier, Hermunduren u.a.), so dass er sich an einem befestigten Platz verschanzte. Im Kampf verwundet, musste er mit seinen Anhängern zur Donau fliehen, wo Schiffe bereitlagen. In Pannonien wurde ihnen Land im Gebiet des Leithagebirges zugewiesen. Seine Neffen und Nachfolger Sido und Vangio teilten das Königtum und verhielten sich den Römern gegenüber loyal. Zunächst waren sie beim Volk beliebt, doch entwickelten auch sie sich zu verhassten Despoten. Kaiser Antonius Pius setzte bei den Quaden um die Mitte des 2. Jh. einen romfreundlichen König ein (Münzprägungen "rex Quadis datus"), um auf diese Weise Einfluss auszuüben.


Die Goten verdrängten die Burgunder nach Westen, die Vandalen und die im böhmischen Raum siedelnden Markomannen und Quaden, die zeitweilig tributpflichtig wurden, nach Süden und lösten dadurch die Markomannenkriege (166–180) aus. Das Römische Reich geriet durch diese Kriege, an denen die Quaden neben zahlreichen anderen Stämmen teilnahmen, in große Bedrängnis. Kaiser Commudus beendete den Krieg durch einen Friedensvertrag der den status quo ante wieder herstellte. Im Jahr 254 fielen die Quaden erstmals in die römische Provinz Pannonien ein. Von 357–359 n.Chr. musste sie Kaiser Constantius II. (337–361) mit den verbündeten Sarmaten erneut in Pannonien und auch in Moesia bekämpfen, wobei ihm mehrere Erfolge gelangen. Zur Politik des Kaiser hatte es gehört, neue Grenzbefestigungen entlang der Donau zu errichten. Insbesondere während der zweiten Regierungshälfte Kaiser Valentinians I. (364-375) wurde der pannonische Donaulimes sehr zügig mit einem dichten Netz aus Burgi und Kastellen gesichert. Neu angelegte Schiffsländen im Barbaricum garantierten einen abgesicherten Übergang der römischen Truppen im Ernstfall. Hinzu kam die Vorverlegung des der Provinz Valeria am Donauostufer gegenüberliegenden Limes Sarmatiae. Hierzu annektierten die Römer vertragsbrüchig quadisches Land, vertrieben die Einwohner und begannen 373 mit dem Bau einer mächtigen Festung (Kastell Göd-Bocsaujtelep) hinter der neuen vorgeschobenen Grenzlinie, gleichfalls auf dem Stammesgebiet der Quaden. Die aufgrund dieser Anmaßungen ausgelösten quadischen Proteste führten dazu, dass der besonnene und erfahrene Oberkommandeur von Valeria, Frigeridus, einen mit seinem Vorgesetzten abgestimmten Baustopp bewirkte. Dies wiederum führte in Rom zu einem Intrigenspiel, an dessen Ende Frigeridus 273/374 abgesetzt wurde und der unerfahrene, arrogante Marcellianus an seine Stelle trat. Der neue Befehlshaber ließ die Bauarbeiten sofort wieder aufnehmen. Zeitgleich wurde der quadische König Gabinius unter Vorspiegelung falscher Voraussetzungen zu Gesprächen nach Valeria eingeladen und unter Missachtung des Gastrechts am Ende eines Banketts heimtückisch niedergestochen. Je nach Quelle war für diese Tat ein Celestius oder Marcellianus selbst dafür verantwortlich. Darauf kam es zu einem Rachefeldzug der erzürnten Quaden, gemeinsam mit dem sarmatischen Stamm der Jazygen, die bis dahin als römische Verbündete gegolten hatten. Im Juni 374 bekämpfte Valentinian I. im pannonischen Raum und in Moesien ihre Einfälle. Sein Hauptquartier schlug der Kaiser im Legionslager Brigetio auf. Nach einem erfolgreichen Brückenschlag über die Donau gelang es den Römern auf sarmatischem Gebiet alle Gegner mit einer äußerst grausam geführten Strafexpedition niederzwingen. Während der Friedensverhandlungen in Brigetio verstarb der Kaiser am 17. November 375 nach einem offenbar im Jähzorn ereilten Schlaganfall. Die Folge des quadisch-sarmatischen Angriffs war, dass die vor kurzem erst wieder angelaufenen Arbeiten am Kastell Göd-Bócsaújtelep schlagartig und diesmal endgültig gestoppt wurden und der römische Expansionswille einen Dämpfer erhalten hatte. Mit dem kurze Zeit später auf dem Balkan tobenden Zweiten Gotenkrieg des Ostkaisers Valens (364–378) und der sich daraus für Rom ergebenden verheerenden Niederlage bei der Schlacht von Adrianopel (378), musste alle römischen Kontrollstationen und Maßnahmen, wie der Limes Sarmatiae östlich und nördlich der pannonischen Donau, endgültig aufgegeben werden. Um 400 n. Chr. gerieten die Quaden unter hunnische Herrschaft.

 

Am 31. Dezember 406 setzten die Wandalen unter König Gunderich bei Mainz über den Rhein, plünderten gemeinsam mit Alanen, Sueben, Teilen der Quaden und Gepiden drei Jahre lang Gallien. Um 408/409 fielen die "Barbaren" in Spanien ein, wo die Sueben und Quaden in Galicien ein Reich gründeten. Als Attila 453 starb, hinterließ er eine Handvoll jugendlicher Söhne, deren ältester, Ellac im Mannesalter stand. Die neuen, untereinander uneinigen Hunnenführer verteilten dabei kriegserfahrene Könige wie die Dienerschaft eines Hauses und provozierten so einen Aufstand (Skiren, Rugier, Quaden/Sueben, Langobarden, Heruler, Ostgoten, Gepiden, Alanen), an dessen Spitze sich der Gepide Ardarich setzte. Ardarich erlangte die wohlwollende Neutralität Walamirs und siegte in der Schlacht am Nedao 454. Ellac fiel mit 30.000 Leuten, die Hunnen zogen ab. Die Quaden schufen ein Reich auf dem Gebiet der heutigen Südwestslowakei zwischen den Flüssen Waag und Gran, das sich bis zum Zug der Langobarden nach Italien (568 n. Chr.) hielt, dem sich die Quaden anschlossen. Man nimmt an, dass sie größtenteils in den Langobarden aufgegangen sind. Ein Teil der Quaden war im 5. Jahrhundert als Donausueben bekannt und ging in den Alamannen auf. Auch die Sueben in Portugal dürften Reste der Quaden aufgenommen haben.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Quaden

 

Die Rus (Waräger); Russen oder Reussen (Reußen)

 

Obwohl eigentlich nicht so ganz klar ist, was "Wikinger" heißt, also woher das Wort kommt, und obwohl anfangs die Wikinger eher Bauerngruppen waren, von denen nur einige gelegentlich mit den Schiffen die Küsten unsicher machen, kann man die Wikinger in drei große Gruppen teilen. Während die Norweger sich vor allem auf den Norden Englands, Irland und Island spezialisierten, und später sogar Grönland und Amerika erreichten, hatten es die Dänen auf die Küsten des Festlands abgesehen. Sie suchten das heutige Deutschland, Frankreich, Spanien und Sizilien in Italien heim. Und die Dänen siedelten auch im Westen Englands. Die Dänen wurden später bekannt als "Normannen". Etwas ruhiger und mit weniger Kriegsgeschrei ging die Besiedlung durch die Schweden im Osten vor sich.

 

Ihre Ausdehnung nach Osten erfolgte nicht mit Kriegs-, sondern mit Handelsschiffen. Von den slawischen Bewohnern des Ostens wurden sie Rus genannt. Mehrere Wikinger schlossen sich in Genossenschaften, die auch Lage genannt wurden, um gemeinsam Handelsreisen oder andere Unternehmen zu begehen und sich gemeinsam ein Schiff für die Fahrten zu leisten, was die Sache dann etwas billiger für jeden Einzelnen macht. Jedenfalls im Einflussgebiet im Norden, Nowgorod, hatten die Wikinger bereits im 9. Jahrhundert einen Handelsposten mit den Namen Holmgàrd. Was erstaunlich war, der Sage nach riefen die slawischen Stämme selbst die Rus dazu auf, die Herrschaft über das Gebiet zu übernehmen, weil diese in Staatgeschäften begabter und erfahrener seien. Wahrscheinlich konnten die Slawen sich nicht auf einen König aus ihren eigenen Reihen einigen. Wie es aber genau vor sich ging, ob die Wikinger nicht auch im Osten plündernd durch die Gegend zogen, und die Schwäche der zerstrittenen Slawischen Stämme ausnutzen, ist unbekannt. Die Wikinger fuhren im Jahre 860 den Fluss Don runter und dann über die Wolga in das Kaspische Meer. Dann standen sie vor den Toren des Byzantischen Reiches, dessen Hauptstadt Konstantinopel war. Zwei Gefährten des Rurik (Hrodrekr), der ab 862 als König das Land der Rus in Nowgorod regierte, gründeten im Süden den Posten Kiew. Im Jahre 882 wurde die Reiche Kiew und Nowgorod von Ruriks Nachfolger Helgi (Oleg) vereint, wobei er die beiden Herrscher Kiews töten ließ. Aus dem Land der Rus holte er sich Schweden, die er zu einem Bund vereinte, die Wargärer (nordisch "væringjar", was Eidgenossen meint). Sie bildeten eine Garde aus gleichzeitig Handelsleuten und Kriegern. Im Jahre 911 griff Helgi mit seinen Wargärern Konstaniopel an. Plündernd fuhren die Wikinger von Kiew aus durch das Kaspische Meer. 944 kommt es zum Friedensvertrag zwischen Byzanz und Kiew. Die Wargärer werden zu Söldnern des Byzantischen Reiches und bildeten das Kernstück der Armee. Kiew und Nowgorod dehnten sich weiter aus. Nach dem Tode Igors, dem Nachfolger von Helgi, übernahm dessen Frau Olga im Jahr 954 die Regierungsgeschäfte für ihren Sohn, der noch etwas zu jung dazu war. Olga besuchte den Byzantischen Kaiser, um sich dessen Religion genauer anzusehen, fand die Orthodoxe Kirche aber nicht so gut.

 

Zwar holte sie Missionare ins Land, aber dann einigte sie sich mit dem deutschen Kaiser Otto I, katholische Geistliche nach Kiew kommen zu lassen. Das Rittertum des Westens ersetzte dann auch im Osten den Kriegerglauben der Wikinger an Odin und Thor. Kiew- Nowgorod wurde dann vor allem durch Heirat immer größer. Die unmittelbare Nähe zu Byzanz sorgte dann auch dafür, dass der kulturelle Einfluss aus Byzanz stärker wurde. Im Jahre 990 lässt sich der Großfürst Wladimir I, der beide Reiche 980 vereinte, im orthodoxen Glauben taufen und heiratete Anna, die Schwester des byzantischen Kaisers Basileios II. Die Geschichte ging natürlich weiter. Aus Kiew-Nowgorod wurde dann, nach dessen Zerfall, nach Überfällen durch die "Goldene Horden" des Dschingis-Khan, und nach Kriegen gegen Schweden, Mongolen bzw. Tartaren, das russische Zarenreich. In Nowgorod wird eine Stadt Namens Moskau gegen 1147 gegründet. Sie ist heute die Hauptstadt Russlands. Kiew wurde zur Hauptstadt der heutigen Ukraine.

 

Auszug aus: www.blinde-kuh.de/wikinger/osten


Räter

 

Die Räter waren ein antikes Volk des Alpenraumes. Sie sind die Namensgeber der späteren römischen Provinz Raetia ( Rhaetia ).Vermutlich um 800 v. Chr. kamen die Räter in den Alpenraum. Aus Ausgrabungen ist bekannt dass sie Ackerbau und Viehzucht betrieben. Einige römische Geschichtsschreiber bezeichneten sie als besonders kriegerisch eine Beschreibung die wohl auch politisch geprägt war. 107 v. Chr. versuchten die Römer erstmals in rätisches Territorium vorzudringen was ihnen aber aufgrund des schwierigen Terrains nicht nachhaltig gelang. Im Jahre 15 v. Chr. wurden die Räter von Tiberius und Drusus unterworfen und verloren ihre Unabhängigkeit an das Römische Imperium. Die Provinz Raetia entstand. Aus römischen und griechischen Quellen ist bekannt dass die Räter in Nachbarschaft zu Vindelikern Helvetiern und Boïern lebten. Ihr Gebiet soll sich im Süden bis nach Verona und Como erstreckt haben. Da sich in der Antike weder Griechen noch Römer besonders für die Räter interessierten ist wenig über sie bekannt. Einige Erwähnungen beziehen sich jedoch auf kriegerische Aktivitäten vermutete Herkunft und Verwandtschaftsbeziehungen der Räter und den offenbar guten rätischen Wein. Griechischen Quellen zufolge wurden die Räter nach dem etruskischen Führer Rätus benannt. Eine Blütezeit erlebte die rätische Kultur als die Macht der benachbarten Etrusker abnahm. Dies die geographische Nähe und die Verwendung der etruskischen Schrift nährten lange Zeit Vermutungen die Räter seien mit den Etruskern verwandt. Diese Vermutung die sich schon bei Titus Livius Pompejus Trogus und Plinius fand wird heute weitgehend als falsch angesehen. Auch ob die Räter Indogermanen waren ist nicht klar.

 

Die rätische Sprache war einst über die alpinen Regionen Italiens Österreichs der Schweiz und Deutschlands verbreitet. Sie ist durch eine Anzahl von Inschriften bekannt die im nordetruskischen Alphabet gehalten sind. Aus den Inschriften sind auch einige etruskische Lehnworte im Rätischen bekannt. Eine direkte Abstammung des Rätischen vom Etruskischen oder eine gemeinsame Abstammung von einer Ursprache scheint jedoch nicht existiert zu haben. Einige Wissenschaftler sehen in der rätischen Sprache ein Bindeglied zwischen dem Keltischen und dem Illyrischen. Möglicherweise spielt hier die kaum erforschte venetische Sprache eine Mittlerrolle. Denkbar sind auch slawische Einflüsse da das Venetische möglicherweise slawisch beeinflusst war.

 

Auszug aus: www.uni-protokolle.de/Lexikon/Räter