Die Sachsen (Volk)


Die Sachsen waren ein westgermanischer Stammesverband, der sich vermutlich im 3. Jahrhundert bildete und seit dem 4. Jahrhundert sicher belegt ist. Die Stämme der Chauken, Angrivarier und Cherusker, die sich zu den Sachsen zusammenschlossen, lebten im 1. Jahrhundert im Nordwesten des heutigen Deutschlands und im Osten der heutigen Niederlande (siehe Niedersächsisch). Seit der Merowingerzeit standen zumindest Teile der Sachsen immer wieder in einer losen Abhängigkeit zum Frankenreich, bis sie von Karl dem Großen endgültig unterworfen wurden.


In Abgrenzung zur meißnisch-osterländischen Bevölkerung im ehemaligen wettinischen Obersachsen bzw. zu den mitteldeutschen Bewohnern des Freistaates Sachsen, die sich heute als „Sachsen“ bezeichnen, wird für die heutigen Bewohner des originären Siedlungsgebiets der Name „Niedersachsen“ verwendet.


In der Geschichtswissenschaft wird der Name „Altsachsen“ für das gesamte Siedlungsgebiet in Westfalen, Niedersachsen und im westlichen Sachsen-Anhalt verwendet.


Siedlungsgebiet


919–1125 Sachsen in Deutschland, von William R. Shepherd. Die germanischen Stämme der Sachsen waren im niederdeutschen Gebiet zwischen Zuiderzee (heute Ijmeer), dem Raum von der Weser bis zur Elbe sowie nördlich der Elbe in Holstein (bis zur Eider) heimisch.


Bis vor kurzem war die Ansicht vorherrschend, die Sachsen seien von ihren Ursitzen im heutigen Holstein seit dem 3. Jahrhundert nach Süden vorgedrungen, hätten dabei zahlreiche andere Stämme unterworfen und sie dem sächsischen Stammesbund einverleibt. Diese Vorstellung gilt heute als überholt. Die wichtigste Quelle, die von jenen Ursitzen berichtet, wird heute in diesem Punkt stark angezweifelt. Auch scheint der Sachsenname anfangs eher als Sammelbezeichnung der Römer für seefahrende Raubscharen gedient zu haben, unabhängig von deren Herkunft. Darüber hinaus war die Auffassung verbreitet, die Sachsen hätten ihr Gebiet nach der Eroberung des Thüringerreiches (um 531) durch die Franken bis zur Unstrut ausgedehnt. Dies gilt nach dem heutigen Kenntnisstand allerdings als sehr unwahrscheinlich. Die Ostgrenze des sächsischen Siedlungsgebietes dürfte lange Zeit am Harz gelegen haben.


In den darauffolgenden Jahrhunderten eroberten sächsische Stämme weite Teile Niederdeutschlands (heute Nordwestdeutschland und östliche Niederlande) und gliederten die dort lebenden germanischen Stämme ihrem Stammesverband ein, zuletzt im 6. und 7. Jahrhundert das Hamaland (heutiges Westmünsterland), das Land der Brukterer (heutiges Münsterland und nördliches Ruhrgebiet) und die Tubanten (heutige Twente, Provinz Overijssel). Später unterschied man drei bzw. vier Stammesgruppen. In Norddeutschland und den östlichen Niederlanden (Groningen, Drenthe, Overijssel, Achterhoek) haben die sich aus dem Altsächsischen entwickelten niedersächsischen Dialekte auch weiterhin ihr traditionelles Sprachgebiet.


Historische Namensverschiebung


Der heutige Freistaat Sachsen, historisch auch Kurfürstentum Sachsen (Kursachsen) bzw. Obersachsen, hat mit dem historischen Volk der Sachsen im niederdeutschen Sprachraum – außer dem Namen – nichts gemein: Die Vorfahren der Bewohner des heutigen Freistaates Sachsen gehör(t)en dem mittelhochdeutschen Dialektraum an.


Die Namenswanderung geschah dadurch, dass der Titel des Herzogs von Sachsen an Fürsten fiel, die außerhalb des alten Stammesgebietes residierten, und der Name auf deren Länder übertragen wurde. Der Herzogstitel von Sachsen fiel nach dem Sturz Heinrichs des Löwen im Jahr 1180 an den Askanier Bernhard, der in Wittenberg residierte. Bereits zu diesem Zeitpunkt verlor im deutschen Reich der Titel eines "Herzogs" seine Bindung an ein Stammesgebiet. Mit dem Aussterben der Askanier ging der sächsische Herzogstitel dann 1423 an die Wettiner über, die die Markgrafschaft Meißen innehatten, die im Gebiet des heutigen Bundeslandes Sachsen lag. Da der Herzogstitel von Sachsen mit der Würde eines Kurfürsten verbunden war, war er der ranghöchste und trat an die erste Stelle der Titulatur. Die Länder unter der Herrschaft des wettinischen Hauses der Herzöge von Sachsen bezeichnete man nun als "Sachsen". Auf diese Weise „wanderte“ mit der Verleihung der sächsischen Kurwürde an Friedrich den Streitbaren auch die Namensbezeichnung „Sachsen“ elbaufwärts.

 

Name


Seit den antiken und spätantiken Autoren, die den Begriff namentlich wiedergaben (lateinisch: Saxones, griechisch: οι Σάξονες), wird der Volks und Stammesname von dem typischen Hiebmesser der Sachsen, dem Sax, abgeleitet. Dieser Zusammenhang spielt auch in der sächsischen Stammessage mehrfach eine Rolle. Eine direkte Beziehung zum Stammesnamen findet sich im Annolied aus dem späten 11. Jahrhundert: „von den mezzerin alsô wahsin, wurdin si geheizzin Sahsi“. Aus einer Handschrift des endenden 8. Jahrhunderts, dem sogenannten sächsischen Taufgelöbnis sollte der Täufling einem Gott Saxnot neben den gemeingermanischen Göttern Wodan und Donar abschwören.

Seit dem 3. Jahrhundert klagten römische Quellen über sächsische Seeräuber. Sachsen, Angeln und Jüten wanderten dann im 5. Jahrhundert in den südöstlichen Teil der britischen Hauptinsel ein (siehe auch Hengist und Horsa): das heutige England (Angelsachsen). Sie wurden dort nach einer gewaltsamen Landnahme zu den dominierenden Kulturen. So wurde im keltischen beziehungsweise irischen Sprachgebrauch der Stammesname (irisch: Sasana, schottisch-gälisch: Sasainn, walisisch für die engl. Sprache: Saesneg) für England verwendet. Der heutige Name England lässt sich klar von den Angeln ableiten, während Landschaftsnamen wie Wessex („Westsachsen“), Essex („Ostsachsen“), Sussex („Südsachsen“) und Middlesex („Mittelsachsen“) auf die sächsischen Einwanderer hinweisen.


Nach Berichten aus dem 4. Jahrhundert war das Siedlungsgebiet der Chauken deckungsgleich mit den Gebieten, in denen etwa zur selben Zeit unter anderem die Sachsen lokalisiert wurden. Da es keinerlei Hinweise auf kriegerische Auseinandersetzungen zwischen beiden Völkern gibt, wird vermutet, die Chauken seien damals ein Teilstamm der Sachsen gewesen bzw. dass sich beide Stämme friedlich zum größeren Stammesverbund der Sachsen vereinigt haben.


Innere Verhältnisse


Von der Völkerwanderung wenig berührt, bewahrten die auf dem Festland verbliebenen Sachsen vermutlich eine relativ ursprüngliche germanische Stammesverfassung und standen bis zur Eroberung durch Karl den Großen nie unter einem gemeinsamen König. Beda Venerabilis ist der einzige, der vor der Zeit Karls des Großen über die inneren Verhältnisse der Sachsen berichtet. Er schreibt, dass die Altsachsen nicht einen König hätten, sondern sehr viele über dem Volk stehende Satrapen. Im Kriegsfalle hätten diese das Los entscheiden lassen, wer das Heer vorübergehend führt. Nach dem Krieg hätten wieder alle Satrapen die gleiche Machtfülle innegehabt.


In der ältesten Lebensbeschreibung des heiligen Lebuin (verfasst nach 840), wird von einer Versammlung der Sachsen in Marklo berichtet, bei der sich die Satrapen mit einem Gefolge von jeweils 36 Mann versammelt hätten. Lange hat man durch eine Missdeutung des Wortes „electi“ angenommen, es wären hier gewählte Volksvertreter zusammen gekommen. Bis in die jüngste Vergangenheit wurde auch in Anlehnung an Tacitus, der von germanischen Monarchien und Republiken berichtet, an eine Art ursächsische republikanische Stammesverfassung gedacht. Dies dürfte aber nicht den Tatsachen entsprechen, wie auch die Ausdeutung des Tacitus heute als verfehlt betrachtet wird.


Ein weiteres Argument für diese Deutung gilt heute ebenfalls als nicht mehr haltbar. Karl der Große ließ im Gesetzeswerk Capitulatio de partibus Saxoniae Versammlungen in Sachsen verbieten. Früher wurde der Gesetzestext so ausgedeutet, dass eine einzige große Versammlung der Sachsen impliziert wurde. Dies wird heute stark angezweifelt und der Markloer Landtag gilt heute überhaupt als erdichtet. Demnach unterstanden die Sachsen bis zur Eroberung durch Karl den Großen mehreren Einzelherrschern, die zumindest zeitweise in einer Art formellem Unterordungsverhältnis zum fränkischen Herrscher gestanden haben dürften. Dies soll wohl durch Bedas Wortwahl Satrape ausgedrückt werden. In Holstein wurden jährliche Versammlungen des Thing bis 1546 fortgesetzt.


Geschichte


Früheste Nennung


Die früheste Nennung der Sachsen wurde lange dem in Alexandria schreibenden Griechen Ptolemäus zugeschrieben, der in der Regierungszeit des Kaisers Mark Aurel (161–180 n. Chr.) starb und in dessen überlieferten Texten der Name des Volkes an mehreren Stellen auftaucht. Seiner Geographie zufolge bewohnten sie das Land an der Nordsee zwischen den Chauken, die bis zur Elbe siedelten, und den Sigulonen, die nordwärts einer Landenge auf der Kimbrischen Halbinsel wohnten. Die Sigulonen sind, wie zahlreiche Völker, die Ptolemäus zusammen mit ihnen nennt, sonst völlig unbekannt.


Lange Zeit hat man aus diesen Angaben auf Ursitze der Sachsen um 150 n. Chr. im heutigen Schleswig-Holstein geschlossen. Die Zuverlässigkeit dieser Angaben wird heute jedoch sehr in Frage gestellt. Insbesondere weil man vermutet, dass Ptolemäus seine Informationen über die Geographie Nordeuropas aus der Zeit um Christi Geburt bezogen haben dürfte, die Sachsen aber in keiner anderen Quelle vor ihm erwähnt sind. Tacitus etwa, der um 98 n. Chr. in seinem bekannten Werk Germania den Anspruch erhob, ein vollständiges Bild der Bewohner Germaniens zu zeichnen, erwähnte die Sachsen nicht. Man nimmt deshalb heute an, dass die Nennung der Sachsen bei Ptolemäus das Resultat einer Textverderbnis ist. Die Geographie des Ptolemäus ist wie viele antike Werke nicht im Original erhalten. Die älteste Handschrift ist etwa 1100 Jahre jünger als das Werk selbst. Vermutlich schrieb Ptolemäus ursprünglich von Avionen „ABIONEΣ“ (sprich Aviones), was von späteren Abschreibern in Sachsen „ΣAΞONEΣ“ (sprich Saxones) verändert wurde. In der Mehrzahl der Handschriften findet sich auch nicht das Wort Sachsen, sondern eine Zwischenform „AΞONEΣ“ (sprich Axones).

 

Sachsen in der Spätantike


Abgesehen von Ptolemäus werden Sachsen erstmals bei Eutrop für das Jahr 285 genannt, wobei Eutrops Text erst zwischen 364 und 380 n. Chr. entstand. Dies ist insofern von Bedeutung, da Autoren des Altertums oft Völkernamen der Gegenwart zur Beschreibung der Vergangenheit benutzten. So ist denkbar, dass der Name um 285 noch nicht bekannt war. Lobreden des 3. Jahrhunderts aus Gallien erwähnen beispielsweise keine Sachsen.


Die früheste zeitgenössische und somit gesicherte Nennung stammt aus dem Jahr 356, wo der Name der Sachsen in einer Rede des späteren Kaisers Julian (regierte 361-363) zusammen mit dem Volk der Franken genannt wird. Franken und Sachsen werden in der Rede als die „streitbarsten Völker am Rhein und am westlichen Meer“ beschrieben. Trotz zahlreicher Nennungen in spätantiken Quellen (z. B. Ammianus Marcellinus) sind die Sachsen bis etwa 450 n. Chr. ansonsten nicht näher geographisch fassbar. Sie treten in den Quellen dieser Zeit nur als kriegerische Seefahrer auf, deren Herkunft in der Regel im Dunkeln bleibt. Demnach könnte es sich bei dem Namen Sachsen anfangs eher um eine Art Sammelbezeichnung für Raubscharen an den gallischen und britischen Küsten gehandelt haben, die übers Meer kamen. Als Antwort auf die häufigen Überfälle errichten die Römer entlang der Süd- und Südostküste Britanniens und an der Kanalküste Galliens um das Jahr 300 den so genannten Litus Saxonicum, eine Kette stark befestigter Militärlager und Flottenstationen.


Wie andere Germanen auch, traten Sachsen in den römischen Militärdienst ein. So ist eine sächsische Schwadron, die Ala prima Saxonum in der Notitia Dignitatum erwähnt. Eine erste Nachricht, die über die Ursitze der Sachsen Auskunft geben könnte, liefert der Kirchenvater Hieronymus (um 347-419 n. Chr.) in seiner Lebensbeschreibung des Hilarion. Ein Leibwächter das Kaisers Constantius II. kam nach dieser Quelle aus dem Gebiet zwischen Sachsen und Alemannen, das im Text als Francia (Franken) bezeichnet wird. Die ersten Erwähnungen Saxonias stammen aus dem späten 4. Jahrhundert, sind aber nicht mit klaren geographischen Vorstellungen verbunden. Einen weiteren Anhaltspunkt liefert Zosimos, der berichtet, dass Sachsen die Salischen Franken um die Mitte des 4. Jahrhunderts aus deren Land, der großen Rheininsel Batavia vertrieben. Verwirrend ist allerdings, dass Zosimos an dieser Stelle vom sächsischen Teilstamm der Quaden spricht, die nie am Niederrhein lebten.


Am Beginn des 5. Jahrhunderts verlor Rom zunehmend die Kontrolle über die britannischen Provinzen. Im Jahr 410 forderte Kaiser Honorius die Inselbewohner auf, sich selbst zu verteidigen. Spätestens in den 440er Jahren wurden Sachsen auf den Britischen Inseln sesshaft. Zuerst wurden sie von den Briten als Söldner angeworben, eroberten aber anschließend große Teile der Hauptinsel und siedelten sich dauerhaft an. Ihre angeblichen Anführer waren Hengest und Horsa. Ursprünglich wurden die Sachsen der britischen Inseln und jene des Festlands unterschiedslos als Sachsen bezeichnet. Erst im Verlauf des frühen Mittelalters wurde der Begriff Angelsachsen (vermutlich von Paulus Diaconus) zur Unterscheidung der britischen Sachsen von denen auf dem Festland eingeführt, bis er sich ab dem 9. Jahrhundert durchsetzte.


Gregor von Tours berichtet vom Einfall des sächsischen Heerführers Adovacrius (seine Identität mit dem bekannten Odoaker ist umstritten und eher unwahrscheinlich) nach Gallien (Angers), wobei er aber von den gallorömischen Truppen zurückgeschlagen wurde. Die Inseln der Sachsen wurden anschließend von den Franken unter Childerich I. eingenommen und verheert (siehe auch Paulus (Comes)). Der sächsische Einfall fand Gregor zufolge nach dem Tod des Aegidius († 464) statt.


Sachsen im 6. und 7. Jahrhundert


Rekonstruktion eines sächsischen Langhauses der Merowingerzeit im Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen. Nicht restlos geklärt ist die Frage, ob die Sachsen maßgeblich an der Unterwerfung des Thüringerreiches (um 531) durch die Franken beteiligt waren. Die drei wichtigsten Quellen, die davon berichten, sind ein Bericht Rudolfs von Fulda (9. Jahrhundert), die Sachsengeschichte des Widukind von Corvey aus dem Jahr 968 und die Quedlinburger Annalen (11. Jahrhundert). Insbesondere, weil alle drei Quellen lange nach der Niederwerfung des Thüringerreiches entstanden, wird ihre Glaubwürdigkeit diesbezüglich stark in Frage gestellt. Auch kann davon ausgegangen werden, dass die zwei letzteren Quellen auf den Bericht des Rudolf von Fulda zurückgriffen, der vermutlich ein persönliches Interesse an der Darstellung einer alten sächsisch-thüringischen Grenze an der Unstrut hatte. An der Unstrut lag zu Rudolfs Zeiten die Grenze zwischen dem Erzbistum Mainz und dem Bistum Halberstadt, während die sächsisch-thüringische Grenze auch im 9. Jahrhundert höchstwahrscheinlich am Harz lag. Vor allem berichtet keine zeitgenössische Quelle (Gregor von Tours, Prokopios von Caesarea) von einer sächsischen Beteiligung.


Ganz im Gegensatz zur Darstellung einer sächsischen Beteiligung an der Eroberung des Thüringerreiches scheinen die Sachsen in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts ihrerseits unter fränkischen Einfluss gelangt zu sein. Als im Jahr 555 der fränkische König Theudebald starb, erhoben sich die Sachsen gegen Chlothar I. Dieser zog gegen die Aufständischen, wobei er Thüringen verwüstete, da diese den Sachsen offenbar Hilfstruppen gestellt hatten. Kurz darauf (vermutlich 556) fand eine erneute sächsische Erhebung statt, wobei sie die auferlegten Zwangsabgaben verweigerten. Gregor von Tours schreibt in diesem Zusammenhang von einer Niederlage Chlothars, während Marius von Avenches von einem erneuten Sieg Chlotars berichtet. Insbesondere weil Gregor von Tours hier ein christliches Beweisziel verfolgt, wird seine Darstellung diesbezüglich in Zweifel gezogen. Unsicherheit besteht auch bezüglich der Erwähnung einer dritten Auseinandersetzung (556 oder 557), bei der Sachsen in die Francia (Franken) eingedrungen und bis in die Nähe von Deutz vorgestoßen sein sollen.

Im Verlauf der Völkerwanderungszeit hatten sich Sachsen nicht nur in Britannien, sondern auch in anderen Gegenden, etwa in Westfrankreich niedergelassen. Gregor von Tours erwähnt Sachsen um Bayeux in der heutigen Normandie, zu denen auch Chulderich zu zählen ist. Chulderich war Gregor persönlich bekannt und stieg zum Herzog im Gebiet links der Garonne auf. Einige Sachsen hatten offenbar die Langobarden im Jahr 568 auf ihrem Zug nach Italien begleitet. Nach Gregor von Tours fielen diese Sachsen später im Gebiet von Riez im südöstlichen Gallien ein, schlossen dann aber mit dem Feldherrn Mummolus einen Vertrag und schworen, dem fränkischen König als Hilfstruppen zu dienen. Sie sollten sich in der Gegend ansässig machen, von der sie einst ausgezogen waren. Als sie dort ankamen, waren nach der Erzählung inzwischen allerdings bereits Sueben angesiedelt worden, die den Sachsen zwei empfindliche Niederlagen zufügten. Von den meisten Forschern werden die Wohnsitze dieser Sachsen und Sueben im heutigen Deutschland im Bereich der Bode vermutet, wo der Suebengau angeblich noch an letztere erinnert. Wahrscheinlicher ist aber, dass es sich eigentlich um sächsische und suebische Gruppen gehandelt hat, die in Gallien angesiedelt wurden.


Eine hohe Stellung erreichte im 7. Jahrhundert der Sachse Aighyna, der vermutlich von der gallischen Atlantikküste, möglicherweise aber auch aus England stammte. Unmittelbar an den Regierungsantritt von Dagobert I. als Teilkönig in Austrasien scheint sich ein sächsischer Aufstand angeschlossen zu haben. Im Zuge eines darauf folgenden fränkischen Angriffs wurde der sächsische Führer Bertoald von Dagoberts Vater Chlothar II. angeblich im Zweikampf besiegt und das Land der Sachsen verwüstet. In den folgenden Jahren entglitt den Merowingern die Herrschaft über sächsische Gruppen zusehends.


Nach der fränkischen Niederlage gegen Samo an der Wogastisburg (ca. 631) unternahmen die Slawen Einfälle nach Thüringen. Daraufhin schickten die Sachsen offenbar Gesandte an Dagobert, mit der Bitte, ihnen die Zwangsabgaben von jährlich 500 Kühen zu erlassen, wenn sie dafür im Ausgleich auf eigene Kosten gegen die Eindringlinge kämpfen und die fränkischen Grenzen schützen würden. Der Tod des Hausmeiers Pippin im Jahr 640 führte zu einer Krise innerhalb des Frankenreiches, die sich zuspitzte, bis das Heer Sigiberts III. unterstützt von Pippiniden in Thüringen einfiel, wo sich Herzog Radulf an der Unstrut verschanzt hatte. Das Heer des Königs musste sich geschlagen zurückziehen, worauf Radulf mit den Wenden und „benachbarten Stämmen“, worunter wohl die Sachsen zu verstehen sind, Frieden schloss.


In der Folgezeit scheinen sächsische Gruppen über Soest und Brilon bis zum Ruhrbuckel, zur Lippe und zur Yssel vorgedrungen zu sein. Dies ist allerdings nur aus archäologischen Funden zu rekonstruieren, da schriftliche Quellen zu diesen Vorgängen schweigen. Allerdings ist die Auswertung archäologischer Funde diesbezüglich problematisch, da die Ausbreitung von Kunststilen und Waffentypen nicht zwangsläufig Rückschlüsse auf die Ausbreitung von Völkern erlaubt. Das Fürstengrab in Beckum beispielsweise wurde lange als das eines sächsischen Landnahmeführers interpretiert. Heute sieht man in dem Toten eher einen fränkischen Adeligen.


Chronik 98: Der römische Autor Tacitus beschreibt die Stämme Germaniens in seiner Schrift „De Origine et situ Germanorum“ und nennt verschiedene Stämme im späteren sächsischen Sprachgebiet, kennt jedoch den Sachsennamen nicht.

um 140: Der in Alexandria schreibende griechische Geograph Ptolemäus stellt seinen Atlas „Geographike Hyphegesis“ zusammen. In seiner überlieferten Form erwähnt dieser die Sachsen als zwischen Chauken und Sigulonen ansässig. Dies galt lange Zeit über als früheste Erwähnung der Sachsen in den antiken Quellen und hat dazu geführt, dass die Sachsen nach wie vor häufig auf modernen Karten Germaniens des 1./2. Jahrhunderts erscheinen. Heute geht die Wissenschaft von einer Textverderbnis aus, bei welcher der ursprünglich bei Ptolemäus vorhandene Name der Avionen (über eine bei Markianos von Herakleia belegte Zwischenform „AΞONEΣ“) mit dem bekannteren Namen der Sachsen ersetzt worden sei.285/286: Für dieses Jahr erwähnt Eutrop einen Aufstand der Sachsen, welche zusammen mit den Franken das Meer vor Belgien und Armorica unsicher machten. Eutrops Text entstand allerdings erst am Ende des 4. Jh. und scheint mit dem Begriff „Saxones“, ähnlich den Namen „Franken“, „Alemannen“ oder „Heruler“, einen geographisch noch nicht definierten Überbegriff darzustellen, der es kaum erlaubt, Kontinuitäten mit älteren Völkerschaften festzustellen. Von "Sachsen" wird ferner berichtet, sie unternähmen Piratenüberfälle auf die Küsten Belgiens, Britanniens und Galliens.

Die Sachsenküste (Litus Saxonicum) um das Jahr 380 Um 300: Aufgrund häufiger Überfälle der Sachsen auf die römischen Küsten an der Nordsee und am Ärmelkanal befestigen die Römer diese Küsten und errichten entlang der Süd- und Südostküste Britanniens und an der Kanalküste Galliens den Litus Saxonicum, eine Kette stark befestigter Militärlager und Flottenstationen.356: Kaiser Julian erwähnt die Sachsen in einer Rede - die früheste zeitgenössische und somit gesicherte Nennung des Sachsennamens. Ab ca. 400: Nebst Angeln und Jüten lassen sich auch Sachsen in Britannien nieder. Die Ortsnamenkunde lässt dabei vermuten, dass der Hauptteil dieser „Sachsen“ aus dem westlichen Niedersachsen und aus Flandern stammte. Der Begriff Angelsachsen kommt erst gegen Ende des 8. Jahrhunderts auf. Um 450: Der britische Herrscher Vortigern soll Sachsen zum Schutz gegen die schottischen Pikten angeworben haben. Um 469: Nach Gregor von Tours fiel der sächsische Heerführer Adovacrius (seine Identität mit dem bekannten Odoaker ist umstritten und eher unwahrscheinlich) in Gallien (Angers) ein, wurde aber von gallo-römischen Truppen zurückgeschlagen. Die Inseln der Sachsen wurden anschließend von den Franken unter Childerich I. eingenommen und verheert (siehe auch Paulus (Comes). 477: Angebliche Gründung des Königreiches Sussex (= „Süd-Sachsen“). Um 500: Gründung des Königreiches Essex (= „Ost-Sachsen“).Wahrscheinlich im 6. Jahrhundert: Gründung des Königreiches Wessex (= „West-Sachsen“).Um 530: Die Sachsen erreichen den Rhein.531: Die Franken zerschlagen in der Schlacht bei Burgscheidungen das Königreich Thüringen. Die Beteiligung von Sachsen an dieser Schlacht ist umstritten und beruht wahrscheinlich auf einer verfehlten Gewichtung jüngerer Autoren, diente jedoch traditionell zur Erklärung des späteren Grenzverlaufs zwischen Franken und Sachsen. Vielmehr scheinen die Sachsen infolge der Zerschlagung des Thüringer Königreiches in eine lose Abhängigkeit des Frankenreiches gelangt zu sein.568: Viele Sachsen ziehen mit den Langobarden nach Italien, kehren aber bald wieder zurück, worauf es zum Streit mit den in den ehemals sächsischen Wohnsitzen angesiedelten Sueben kommt. Für das Jahr 577 und später erwähnt Gregor von Tours die „Sachsen von Bayeux“. Ab 596: Die britischen Sachsen werden zum Christentum bekehrt. Die Festlands-Sachsen bleiben bei ihrem alten Glauben.7. Jahrhundert: Die Sachsen beginnen, Herzöge zu wählen, angeblich zunächst nur in Kriegszeiten. Diese Verwaltungshierarchie könnte aber durchaus auch auf eine fränkische Oberherrschaft hindeuten, da die Bezeichnungen der Herzöge ausschließlich in fränkischen Quellen überliefert sind. Die wahrscheinlich fränkischen Herzöge versuchten, Autonomie zu erlangen, und stellten sich an die Spitze des Widerstandes gegen die unter den Pippiniden ausgerufene Christianisierung aller Landesteile, so auch der Sachsen.738: Erster Versuch der festeren Unterwerfung unter die Fränkische Krone durch Pippin den Jüngeren772 bis 804: Der Versuch der Einführung des Christentums in die größtenteils schon abhängigen Gebiete führte zu den mehr als dreißig Jahre dauernden Sachsenkriegen Karls des Großen772: Eroberung der sächsischen Eresburg und Zerstörung des wichtigsten religiösen Zentrums der sächsischen Religion, der Irminsul. Der alte Glaube wird von den christlichen Okkupatoren als Heidentum betrachtet.775: Zweiter Feldzug der Franken. Eroberung der strategisch wichtigen sächsischen Sigiburg hoch über der Ruhr.


Taufe des sächsischen Herzogs Widukind, Fresko aus dem 19. Jahrhundert 777: Karl der Große beruft eine fränkische Reichsversammlung nach Paderborn ein, inmitten des Landes der vermeintlich besiegten Sachsen. Das gescheiterte Engagement Karls in Spanien lässt die Sachsen ihren Unabhängigkeitskampf unter Führung Herzogs Widukind wiederaufnehmen.785: Die Taufe des sächsischen Herzog Widukind leitet die Christianisierung der Sachsen ein.794: Entscheidende Schlacht auf dem Sintfeld.799: Als Machtdemonstration Karls findet erneut eine Reichsversammlung in Paderborn statt; die Sachsen sind endgültig besiegt.804: Eingliederung der Sachsen in das Reich Karls des Großen unter Beibehaltung der Things.811: Karl einigt sich mit dem dänischen König auf die Eider als Grenzfluss des Dänischen Reiches. Karls Einfluss auf die Sachsen endet beim Fort Itzehoe in der Marsch; die Sachsen Nordalbingiens halten an ihren Traditionen und ihren Fürsten auf der Geest fest.841–843: Mit dem „Stellinga-Aufstand“ kommt es letztmalig zu Aufständen des sächsischen Volkes, angestachelt durch Lothar I., der Verbündete im Kampf gegen seinen Bruder Ludwig den Deutschen suchte.9. Jahrhundert: Bildung des Herzogtums Sachsen, bestehend aus den Teilen Engern, Westfalen, Ostfalen und Nordalbingien. Der Landesherr hat in Nordalbingien nur in der Marsch etwas zu sagen, auf der Geest regieren nach wie vor die traditionellen sächsischen Fürsten und Fürstenfamilien. Zeitweilig brachten diese ihre Gebiete sogar ins Westfränkische Reich ein.


Mit Heinrich I. wurde 919 ein sächsischer Herzog deutscher König. Ihm folgten die ersten deutschen Kaiser Otto der Große, Otto II. und Otto III. Die Epoche der Kaiser aus dem Hause der Liudolfinger endete mit dem Tod Heinrichs II. 1024. Während dieses Jahrhunderts lag der politische und kulturelle Schwerpunkt des Reichs im Gebiet der Sachsen.


Nach der Achtserklärung Heinrichs des Löwen 1180, wegen dessen Weigerung, dem Kaiser Friedrich Barbarossa Heerfolge nach Italien zu leisten, zerschlug der Kaiser das alte Stammesherzogtum Sachsen. Westfalen wurde in kirchlichen Besitz übergeben; Heinrich dem Löwen blieben Braunschweig und Lüneburg, die Fürsten und Bischöfe wurden für reichsunmittelbar erklärt; der Name Herzogtum Sachsen haftete nur noch einem kleinen Landesteil an der Elbe an.

Am 6. Januar 1423 wurde dieser Teil dem Markgrafen von Meißen, Friedrich dem Streitbaren, verliehen. Da der Herzogtitel die höhere Würde besaß, führte dieser von nun an den Titel „Herzog von Sachsen“, wodurch der heutige Freistaat Sachsen seine Bezeichnung bekam. Die Bewohner dieses Landstriches waren Nachfahren der seit dem 7.Jh. ansässigen Slawen (Sorben, Wenden), vor allem aber der im Zuge der Ostexpansion seit dem 12. Jh. eingewanderten mitteldeutschen Siedler aus den Gebieten des heutigen Thüringens und Hessens und hatten bis zur Namensübertragung keinen historischen Bezug zum ehemaligen sächsischen Stammesverband. Dieses neue Herzogtum Sachsen wurde danach lange als Obersachsen bezeichnet, das historische sächsische Siedlungsgebiet als Niedersachsen. Letztere Bezeichnung wurde bei der Auflösung Preußens nach dem Zweiten Weltkrieg als Name des heutigen Bundeslandes Niedersachsen wiederbelebt.


Sächsische Stammesgruppen


In der historischen Literatur kommen immer wieder die vier Bezeichnungen sächsischer Stammesgruppen vor. Ob es sich dabei nicht auch um die fränkische Einteilung in Verwaltungsprovinzen handelt, ist noch nicht geklärt. Im späten Mittelalter bezeichnete der Name „Ostfalen“ nicht ein Verwaltungsgebiet, sondern ein von „Engern“ (Angrivariern) und „Westfalen“ unterschiedenes Rechtsgebiet.


Trotz der Sachsenkriege wurde die freie Ordnung der sächsischen Teilstämme erhalten. Nie hatten die Sachsen sich einem Fürsten oder gar König unterordnen müssen. Nun wurden sie dazu gezwungen, konnten sich aber zum Teil für viele Jahrhunderte ihr sächsisches Recht und die Rechtsprechung auf dem jährlichen Thing erhalten.


Die Sachsen hatten über Jahrhunderte eine stabile Stammesverfassung mit jährlichen Versammlungen, den Things, bei denen alle politischen Angelegenheiten besprochen und Recht gesprochen wurde, geschaffen. Hierfür wurden Gaufürsten oder Stammesfürsten bestimmt, die auf dieses Thing zusammentrafen, um die Interessen ihrer Stämme zu vertreten. Diese Gaufürsten hatten aber im Gegensatz zu Fürsten oder Herzögen anderer nicht sächsischer Gebiete keinen Anspruch auf das Gebiet oder Land, welches sie vertraten. Lediglich in Kriegszeiten stellten sich die Sachsen unter die Führung eines Herzogs, welcher ein angesehener Krieger war und vom Volk, genau wie die Gau- und Stammesfürsten, bestimmt bzw. gewählt wurde.

Das alte Sachsenland bestand im Ganzen aus den drei Gauen:

1.Westfalen: der westliche Teil des alten Sachsenlandes um die Flüsse Ruhr, Sieg, Lippe und Ems, also das heutige Münsterland über Osnabrück bis zur friesischen Grenze, im Süden einschließlich des heutigen östlichen Ruhrgebietes und Sauerlandes und im Westen die heutigen niederländischen Provinzen Overijssel und Drenthe.


2.Engern: der mittlere Teil des alten Sachsenlandes um die Flüsse Weser, Diemel, Leine bis zur Aller, also das östliche Sauerland bzw. östliche Westfalen an der Weser von Hannoversch Münden bis über Minden um Göttingen bis an die untere Leine in Hannover hinauf bis Holstein und Friesland.


3.Ostfalen: der östliche Teil des alten Sachsenlandes um die Flüsse Aland, Ohre, Saale, Oker, Bode im Osten bis zur Elbe, also die Gegend um Magdeburg, Braunschweig, Hildesheim, Halberstadt im Süden einschließlich des Harzes, im Norden und Osten bis zur Elbe.


Die Bezeichnung Westfalen ist als einzige erhalten geblieben, die Bezeichnungen Engern und Ostfalen sind bei der Auflösung des Herzogtums Sachsen nach der Achtserklärung Heinrichs des Löwen 1180 verlorengegangen. Nur der Name Engern hatte im Titel des Herrschers des jüngeren Herzogtums Sachsen mit dem Titel Herzog von Sachsen, Engern und Westfalen weiterhin Bestand. Ostfalen bestanden darüber hinaus nur als Name des Ostfalengaus.


Niedersächsisch oder Niederdeutsch ist eine eigenständige Sprache mit einer eigenen Grammatik. Danach gliedert sich das Niedersächsische in folgende Sprachuntergruppen:

1. Nordniedersächsisch

2. Westfälisch

3. Ostfälisch


Hier tauchen die alten sächsischen Stammes- oder Gaunamen wieder auf.

Das nordelbische Gebiet untergliederte sich in Dithmarschen, Holstein und Stormarn.

 

Westfalen


Die Westfalen lebten hauptsächlich zwischen dem Rheinvorland (Münsterland, mittlere Ruhr, Sauerland) und der Weser. Ihr Name hat die Bedeutung „Westmänner“ oder „Westsachsen“ und ist erstmals zur Zeit Karls des Großen bezeugt. In der letzten Zeit wurde die ethnische Zugehörigkeit der Westfalen zu den Sachsen überzeugend in Frage gestellt. Auffällig ist, dass die archäologischen Funde aus Westfalen belegen, dass die dort ansässige Bevölkerung schon im 6. Jahrhundert unter starkem fränkischen Einfluss stand, ohne jedoch dem Frankenreich zugerechnet werden zu können.


Eine Zugehörigkeit zur sächsischen Ethnie kann ebenso nicht nachgewiesen werden. Wohl erst der Druck der fränkischen Eroberung hat die westfälische Bevölkerung zum Zusammengehen mit den Sachsen genötigt. In der Betrachtung durch die erfolgreiche fränkische Seite wurden dann auch die eigenständigen Bevölkerungsteile Westfalens unter dem Begriff der Sachsen subsumiert.


Ostfalen (Saxoniae Orientalis)


Die Ostfalen („Ostmänner“) lebten zwischen Weser und Elbe. Dieses ursprünglich thüringische Gebiet wurde erst im 7. bis 10. Jahrhundert besiedelt.

 

Engern


Die Engern nahmen in Sachsen offenbar eine zentrale Stellung ein. Sie lebten an der Weser, zwischen Ostfalen und Westfalen. In ihrem Gebiet liegt die Stätte der jährlichen Versammlung von Marklo an der Weser. Der Name der Engern (lateinisch „Angarii“) scheint die verkürzte Form des Namens der Angrivarier zu sein, die demnach einen wichtigen Stamm der Sachsen bildeten.

 

Nordalbingier


Wie der Name (lateinisch albis Elbe) aussagt, lebten die Nordalbingier nördlich der Elbe. Der östliche Teil dieses Gebietes ging im 8. Jahrhundert größtenteils an die von Osten einwandernden Slawen verloren (Ostholstein) und wurde erst im Hochmittelalter von den Holsteiner Grafen erneut unterworfen. Das sächsische Gebiet wurde nach Norden von Eider und Levensau (westlich von Kiel), nach Osten durch die Schwentine begrenzt und stieß nur an der Kieler Förde an die Ostsee. Dithmarschen, Holstein und Stormarn waren im Zuge der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem dänischen Königreich und dem deutschen Kaiserreich vom restlichen Sachsen getrennt. Oft regierten hier landflüchtige dänische Könige mit Duldung des Kaisers, die in Dänemark vom Thron gestürzt worden waren – wie auch in einigen Teilen Nordwestniedersachsens. Zweimal wurde dieses Gebiet vom Kaiser dem dänischen Königshaus zuerkannt und viele Male erkannten die Adeligen den dänischen König als ihren Lehnsherrn an.


Die Sprache im sächsischen Stammesverband wird dem Nordseegermanischen zugeordnet und bildete gemeinsam mit den verwandten Sprachen der Angeln und Jüten die Grundlage des Angelsächsischen. Das Festlandsächsische stand bis zum 10. Jh. dem Altenglischen näher als dem Althochdeutschen. Bis heute gibt es einen kleinen, gemeinsamen Grundwortschatz zwischen dem Englischen und dem Niederdeutschen. Erst durch den Einfluss des normannischen Französisch bekam das Englische seine germanisch-romanische Gestalt.


2. Auch das als Sprache der Hanse verbreitete Niederdeutsche geht vor allem auf das Sächsische zurück. In Schleswig-Holstein und den nördlichen Teilen des Bundeslandes Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern wird bis heute neben Hochdeutsch Nordniederdeutsch gesprochen. Auch Westfälisch, Ostfälisch und das in Brandenburg und im Norden von Sachsen-Anhalt bis ins 20. Jh. in ländlichen Gebieten gebräuchliche „Platt“ sind niederdeutsche Dialekte. Selbst die heutige berlinerisch-brandenburgische Mundart hat ein deutlich niederdeutsches Substrat.


3. Der heute umgangssprachlich als „Sächsisch“ bezeichnete Dialekt Obersachsens (Kursachsen), des heutigen Freistaates Sachsen, Ost-Thüringens sowie des südlichen Sachsen-Anhalts, geht auf Ostmitteldeutsche Sprachen zurück und gehört zur thüringisch-obersächsischen Dialektgruppe.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Sachsen_Volk

 

Semnonen

 

Die Semnonen (lateinisch: Semnones, griechisch: οι Σέμνωνες, Σέμνονες) galten nach Tacitus (Germania, 39) als das Stammvolk der elbgermanischen Sueben - vetustissimi Sueborum . Um 6 v. Chr. schlossen sich die Semnonen den Markomannen unter Marbod an. Im Jahre 5 n. Chr. besiegte Tiberius mit der römischen Flotte die Langobarden an der Unterelbe. Er zog daraufhin weiter elbaufwärts und gelangte an der mittleren Elbe zu den Semnonen und schließlich zu den Hermunduren, wo er ein Lager aufschlug und germanische Gesandte empfing. Der Feldzugteilnehmer Velleius Paterculus beschrieb die Situation zu diesem Zeitpunkt folgendermaßen: Nichts blieb mehr in Germanien, das hätte besiegt werden können, außer dem Stamm der Markomannen. 17 n. Chr. fielen die Semnonen und Langobarden von Marbod ab und traten dem Cheruskerbund bei. Um 100 n. Chr. lag ihr Siedlungsgebiet im Raum zwischen Elbe und Oder von der böhmischen Grenze bis an die Havel, zeitweise auch jenseits von Oder und Warthe. Die Semnonen hatten im Gegensatz zu den meisten westgermanischen Stämmen zu dieser Zeit bereits Könige.

 

Nach Tacitus hatten sie 100 Gaue, (eine Angabe, die Gaius Iulius Caesar bereits rund 150 Jahre früher über die Sueben als Gesamtstamm machte), in denen der "Heilige Hain", das kultische Zentrum der Sueben, in dem Menschenopfer gebracht wurden, befand. Ab dem 3. Jahrhundert verließen die Semnonen, bis auf Restgruppen ihre Heimat an Havel und Spree in Richtung Oberrhein und gingen in den Alamannen, den späteren Schwaben auf. Die Semnonen werden zum letzten Mal 260 n. Chr. in einer Inschrift auf dem 1992 aufgefundenen Augsburger Siegesaltar als Synonym zu Juthungen, einem alamannischen Teilstamm, erwähnt. Damals war ein großer Teil der Semnonen bereits nach Südwestdeutschland gewandert.

 

Heiliger Hain der Semnonen

 

„Vetustissimos se nobilissimosque Sueborum Semnones memorant; fides antiquitatis religione firmatur. Stato tempore in silvam auguriis patrum et prisca formidine sacram omnes eiusdem sanguinis populi legationibus coeunt caesoque publice homine celebrant barbari ritus horrenda primordia. Est et alia luco reverentia: nemo nisi vinculo ligatus ingreditur, ut minor et potestatem numinis prae se ferens. Si forte prolapsus est, attolli et insurgere haud licitum: per humum evolvuntur. Eoque omnis superstitio respicit, tamquam inde initia gentis, ibi regnator omnium deus, cetera subiecta atque parentia. Adicit auctoritatem fortuna Semnonum: centum pagi iis habitantur magnoque corpore efficitur ut se Sueborum caput credant.“

 

„Als die ältesten und vornehmsten Sueben betrachten sich die Semnonen. Den Glauben an ihr hohes Alter bestätigt ein religiöser Brauch. Zu bestimmter Zeit treffen sich sämtliche Stämme desselben Geblüts, durch Abgesandte vertreten, in einem Haine, der durch die von den Vätern geschauten Vorzeichen und durch uralte Scheu geheiligt ist. Dort leiten sie mit öffentlichem Menschenopfer die schauderhafte Feier ihres rohen Brauches ein. Dem Hain wird auch sonst Verehrung gezeigt: niemand betritt ihn, er sei denn gefesselt, um seine Unterwürfigkeit und die Macht der Gottheit zu bekunden. Fällt jemand hin, so darf er sich nicht aufheben lassen oder selbst aufstehen; auf dem Erdboden wälzt er sich hinaus. Insgesamt gründet sich der Kultbrauch auf den Glauben, dass von dort der Stamm sich herleite, dort der allbeherrschende Gott wohne, dem alles unterworfen, gehorsam sei. Der Reichtum der Semnonen steigert ihr Ansehen: sie bewohnen hundert Gaue, und die Größe ihres Stammes veranlasst sie, sich für den Hauptstamm der Sueben zu halten.“

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Semnonen

 

Sueben

 

Die Sueben (oder Sweben, Sueven, Suawen, lateinisch Suebi oder Suevi, griechisch So(u)ēboi Σούηβοι/Σόηβοι) waren eine Stammesgruppe germanische Völker. Die Bezeichnung Sueben (lateinisch: Suebi, Suabi oder Suevi) bezieht sich auf eine germanische Stammesgruppe, die einst im Nordosten der Magna Germania an der Ostsee bis zu den deutschen Mittelgebirgen lebte. In römischen Quellen wurde nach den Sueben die Ostsee als „Mare Suebicum“ benannt. Der antike Geograf Claudius Ptolemäus (* um 100, † um 175) lokalisierte in seiner Geographike Hyphegesis an der Stelle der heutigen Swine und Oder den Fluss Συήβος (Suebos, lat.: Suevus). Damit lässt sich der Stammesname Suebi passend zum ursprünglichen Siedlungsgebiet als „Oderleute“ deuten oder der Flussname Suevus als „Suebenfluss“.

Wie der Historiker Reinhard Wenskus dargelegt hat, prägten anfänglich Tradition und Erscheinung der Sueben die ethnografische Wahrnehmung und Beschreibung zahlreicher germanischer Stämme in der antiken Welt, bevor diese Dominanz auf die gotischen Stämme überging. Viele germanische Stämme legten Wert darauf, als suebisch betrachtet zu werden. Etymologisch leitet sich vom Begriff Sueben der spätere Stammesname der Schwaben ab. Als suebisch bezeichnete Stämme waren zur Zeit Tacitus die Semnonen, Markomannen, Hermunduren, Quaden und Langobarden, manchmal werden auch die Angeln dazugezählt. Archäologisch lassen sie sich am ehesten in den Elbgermanen wiederfinden. In den Quellen verliert sich die Spur der Sueben im 2. Jahrhundert, bevor ihr Name in späteren Quellen wieder auftaucht. Sie nahmen an der sogenannten Völkerwanderung teil und Teile von ihnen gelangten bis auf die Iberische Halbinsel. Tacitus bezeugt in Germania, 39, dass die Semnonen als das Stammvolk der Sueben, vetustissimi Sueborum, galten.

 

Caesar besiegte die unter Führung von Ariovist nach Gallien eingedrungenen Sueben im Jahr 58 v. Chr. in einer Schlacht am Rhein. In seinen Berichten begreift er als Sueben die östlich der Ubier und Sigambrer wohnenden Germanen und berichtet, dass sie 100 Gaue mit je 1000 streitbaren Männern gezählt, aber sich bei seinem Rheinübergang weit, nach dem Wald Bacenis (die deutschen Mittelgebirge, die nach Caesar die Sueben von den Cheruskern trennten), zurückgezogen hätten. Diese Lokalisierung gilt aber als unsicher. Sie sollen keine festen Wohnsitze gehabt haben, sondern alljährlich zum Teil auf kriegerische Unternehmungen ausgezogen sein. Die Größe des suebischen Stammesverbandes ist wahrscheinlich in der Mehrzahl auf eine Selbstzuordnung anderer Stämme aufgrund des Kriegsruhmes der Sueben zurückzuführen. Cassius Dio berichtet jedenfalls, dass auch „viele andere Anspruch auf die Bezeichnung ‚Sueben‘ erheben“.

Allerdings gab es nach Ausweis der archäologischen Quellen am Main und nördlich davon durchaus feste Siedlungen, sogar keltische Oppida waren in diesem Gebiet noch kurz nach der germanischen Einwanderung besiedelt. Diese sogenannten Mainsueben, die 10/9 v. Chr. von Drusus unterworfen wurden, gehörten nach dem Fundgut zu einer Mischung des elbgermanischen und des rheinwesergermanischen Kulturkreises. Nach Inschriftenfunden lebten in der Gegend von Lopdunum (heute Ladenburg) im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. unter römischer Herrschaft die Suebi Nicrenses, die Neckarsueben. Nach ihnen wurde die Civitas Ulpia Sueborum Nicretum in der Gegend von Ladenburg benannt. Es handelt sich wahrscheinlich um Reste, die nach der Vertreibung oder auch freiwilliger oder zwangsweiser Umsiedlung hier und in Diersheim zurückgeblieben waren. In der spätantiken Tabula Peutingeriana, einer römischen Straßenkarte, ist zwischen Alamania und den Burcturi (=Brukterer) auch der Name Suevia eingetragen, der sich wahrscheinlich auf das Siedlungsgebiet der Neckarsueben bezieht. Laut 38.Kapitel der Germania von Tacitus aus dem Jahre 98 n.Chr., zählten alle elb- und ostgermanischen Stämme südlich des Mare Suebicum (Ostsee) zwischen Elbe und Weichsel (von der Donau bis zur Ostsee) zu dem Stammesbund der Suebi. Er zählte die Semnonen, Langobarden, Reudinger, Avionen, Anglier, Variner, Suardonen, Nuitonen, Hermunduren, Naristen, Markomannen, Quaden, Marsigner, Burer und die Lugier zu ihnen. Die Hermunduren galten ihm als das "vorderste", die als das "edelste, angesehenste und älteste" und die Langobarden als das kühnste unter den suebischen Völkern. In der Einleitung seiner Schrift erwähnt Tacitus, dass die Sueben möglicherweise direkt von Mannus abstammen, dem Stammvater aller Germanen und Sohn des der Erde entsprossenen Gottes Tuisto.

 

Ptolemäus beschreibt um 150 n.Chr. die Sueben ebenfalls als ein Sammelbegriff für viele Stämme in Magna Germania. Zu den Syeboi zählt er Angiler, Semnonen, große Brukterer, Angrivarier und Teutonoaren (an der Unterelbe). Außerdem nannte er zwischen Oder und jütischer Halbinsel einen Fluss Syebos. Am 31. Dezember 406 überquerte ein Stamm mit Namen Suebi, begleitet von Vandalen und Alanen, den Rhein bei Mogotiacum (Mainz). Sie drangen 409 nach Hispanien vor. Hier wurde ihnen durch das Los die Provinz Gallaecia zugeteilt. Über die genaue Herkunft dieser suebischen Gruppe, die 585 von den Westgoten unterworfen wurde, kann nur spekuliert werden. Am ehesten jedoch kommen die Donausueben bzw. Quaden in Betracht. Der erste Suebenkönig auf der Iberischen Halbinsel war Hermerich († 440). Sein Sohn Rechila (440-448) eroberte die Baetica mit Sevilla.

 

Sein katholischer Sohn und Nachfolger Rechiar verlor 456 gegen den westgotischen König Theoderich II. am Fluss Órbigo in der Nähe des heutigen Astorga Schlacht und Leben. Damit gingen die meisten suebischen Eroberungen außerhalb der Gallaecia verloren. Die nordwestlichen Sueben ernannten daraufhin Maldras (456-460) zu ihrem König, während in der Hauptstadt Braga nacheinander Aiulf (456-457) und Framta (457-458) in westgotischer Abhängigkeit regierten. Nach Frumtanes Tod schlossen sich die Nordwestsueben Maldras Sohn Remismund an. Maldras Nachfolger Remismund wurde von Eurich zur Anerkennung der Oberhoheit der Westgoten gezwungen und trat zum arianischen Christentum über. König Theodemir (um 560) trat vom Arianismus zum Katholizismus über. 585 wurde das suebische Reich dem westgotischen einverleibt. Einige wenige suebische Wörter fanden Eingang in die und, so z.B. suebisch lawerka zu portugiesisch und galicisch laverca "Lerche". Die Quaden erscheinen seit dem 5. Jahrhundert in den Quellen häufig allgemeiner als Suebi (archäologische Bezeichnung Donausueben). Auch bei den 406 nach Iberien ausgewanderten Sueben dürfte es sich um Stammesteile der Quaden gehandelt haben. Andere Teile verblieben in Pannonien, waren nach König Hunimunds Niederlage in der Schlacht an der Bolia (469) mit den Alamannen verbündet, wanderten in deren Siedlungsgebiet und gingen in diesen um 480 schließlich auf. Man spricht hier von einer zweiten Ethnogenese der Alamannen, weil diese seit Beginn des 6. Jahrhundert auch Sueben hießen. Dennoch verblieben Reste an der mittleren Donau zurück, die um 540 von den Langobarden unter Wacho unterworfen wurden und danach als Stamm unter eigenem Namen verschwanden. Jordanes unterschied noch um 550 Sueben und Alamannen, wobei er die Sueben in der eigentlichen Alamannia, die Alamannen aber in den Alpen lokalisierte. Bei den Alamannen hat sich der Name der Sueben bis in die Neuzeit gehalten: Er blieb im späteren Schwabenstreiche erhalten. Suebisieren war im 19. Jh. ein Ausdruck für "Schwabenstreiche machen". Möglicherweise waren die Sueben, die ab etwa 570 südlich des Flusses Bode anstatt der mit den Langobarden nach Italien gewanderten Sachsen siedelten, Alamannen.

 

Der Kult der Nerthus war nach Tacitus besonders bei den nördlichen Sueben verbreitet. Außerdem berichtet Tacitus von einem heiligen Hain im Land der Semnonen. Bekannt ist die eigenartige Haartracht, der Suebenknoten, der die Freien von den Sklaven und den übrigen Germanen unterschied. Aber es kann bezweifelt werden, dass nur die Sueben diese Haartracht trugen. In Martials Epigrammen 3,9 heißt es: „Mit zu Knoten geflochtenen Haaren kamen die Sugambrer“.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Sueben

 

Sugambrer

 

Die Sugambrer (auch: Sigambrer, Sygambrer, lateinisch: Sigambri, Sicambri, griechisch οἱ Σύγαμβροι) waren ein westgermanischer Stamm, der ursprünglich vom Niederrhein oder dem Gebiet zwischenRhein und Lippe stammte und der, vollständig oder nur zum Teil, unter Tiberius im Jahre 7 v. Chr. in linksrheinische Gebiete an die Maas in das Gebiet der Sunuker umgesiedelt wurde. Strabon zählte die Sugambrer gemeinsam mit den Kimbern zu einer germanischen Stammesgruppe, die zwischen Rheinnähe und Nordsee ansässig war. Die Sugambrer sollen als erste der germanischen Stammesverbände Könige gehabt haben. Die Entstehung des Stammes ist nicht endgültig geklärt. Um 55 v. Chr. werden sie erwähnt, weil sie den den Römern unterlegenen Usipetern und Tenkterern Aufnahme gewähren und den Römern unter Berufung auf die Rheingrenze die Auslieferung verwehren. 53 v. Chr. griffen sie das römische Militärlager bei Atuatuca an, das unter der militärischen Führung von Quintus Tullius Cicero stand. Im Jahre 16 v. Chr. töteten Sugambrer, Usipeter und Tenkterer Römer im rechtsrheinischen Germanien, führten anschließend einen Plünderungszug nach Gallien durch und besiegten die sie verfolgenden römischen Truppen des Statthalters Marcus Lollius, darunter dieV. Legion (clades Lolliana). Diese Niederlage war unzweifelhaft ein schwerer Schlag für das imperiale Prestige des Augustus. Die Germanen entzogen sich der Auseinandersetzung und gingen einen (Schein-)Frieden ein.

Das Legionslager Vetera kontrollierte gegenüber der Lippemündung die Siedlungsgebiete der rechtsrheinischen Stämme der Sugambrer, Brukterer, Tenkterer und Usipeter. Es waren genau diese Völkerschaften, auf deren Konto die Einfälle in Gallien gingen. Durch das Lippetal war eine Verbindung Veteras mit der Westfälischen Bucht gegeben. Sugambrer unter ihrem König Maelo (oder Melo) und mit ihnen verbündete Tenkterer und Usipeter brachen im Jahre 12 v. Chr. erneut in Gallien ein, als dort aufgrund des ersten Provinzialcensus schwere Unruhen herrschten. Drusus drängte mit einem Truppenaufgebot die Eindringlinge zurück und eröffnete auf der anderen Rheinseite unmittelbar nach dem 1. August 12 v. Chr. eine Strafexpedition. Der Einmarsch in Germanien ging von niederrheinischem Gebiet zunächst in das Land der Usipeter (Südosten der heutigen Provinz Gelderland), dann gegen die zwischen Lippe und Ruhr siedelnden Sugambrer (die Strabon als Verursacher für den Kriegsausbruch bezeichnet). Die endgültige Unterwerfung der Sugambrer gelang aber erst Tiberius im Jahr 7 v. Chr., der Stammesteile in linksrheinisches Gebiet in etwa ins Land der Sunuker umsiedelte. In der Gegend von Xanten gründeten sie dort eine Siedlung, aus der die Colonia Ulpia Traiana hervorging. Deudorix, Neffe des früheren Königs Maelo, wurde 17 n. Chr. im Triumphzug des Germanicus in Rom als Gefangener mitgeführt.

 

Der Name der Sugambrer erhielt sich in der späteren Stammestradition der Franken, so wurde Chlodwig I. bei seiner Taufe vom Bischof von Reims noch als „tapferer Sugambrer“ angesprochen. Der im Gebiet der späteren Colonia Ulpia Traiana ansässige Stamm der Cugerner (evtl. „die Kuhreichen oder Kuhgierigen“) oder Cuberner ging vermutlich aus den dort angesiedelten Sugambrern hervor. Des Weiteren sind einige Forscher der Meinung, die Sugambrer seien mit den bei Tacitus erwähnten Gambriviern oder Gamabriviern identisch, einem der Stämme, die gemeinsam mit Marsern, Sueben und Vandiliern behaupteten, vom Gott Mannus abzustammen. Plinius der Ältere berichtete, dieser Stamm siedelte direkt am Rhein, während Strabon ihn gemeinsam mit Cheruskern und Chatten an der Weser lokalisiert. Daneben existiert die Auffassung, die Marser seien mit den Sugambrern zu identifizieren, die an der Umsiedlung auf die linke Rheinseite nicht teilgenommen hatten.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Sigambrer

 

Suionen

 

Die Suionen (auch Suonen, Sueonen, Sweonen oder Swionen; lateinisch Suiones) waren ein von dem römischen Historiker und Ethnographen Cornelius Tacitus im 1. Jahrhundert erwähntes nordgermanisches bzw. nordeurasisches Volk. Tacitus nannte sie in seiner Germania im Zusammenhang mit den Sueben und Sithonen. Tacitus' geographische Angaben lassen sich jedoch mit späteren Überlieferungen von den Svear bzw. den Schweden nur schwer in Einklang bringen.

 

„Hierauf der Suionen Staaten, für sich im Ocean, nebst Mannschaft und Waffen durch Flotten mächtig. Die Gestalt ihrer Schiffe ist dadurch eigen, daß ein Vordertheil an beiden Enden die zur Landung stets bereite Stirne bietet. Sie werden nicht mit Segeln bedient und haben ihre Ruder nicht in einer Reihe den Norden angefügt: ein loses Ruderwerk, wie auf manchen Flüssen, und nach Erforderniß von beiden Seiten wechselbar. Bei ihnen hat auch das Vermögen Ehre, und darum ist nur Einer Herr, mit durchaus keinen Ausnahmen, bei unwiderruflichem Rechte auf Gehorsam, Auch sind die Waffen nicht, wie bei den andern Germanen, in Jedes Hand, sondern verschlossen unter einem Wächter und zwar einem Sklaven, weil plötzlichen Einbruch des Feindes der Ocean wehrt, ruhende Hände der Bewaffneten überdieß leicht ausgelassen sind. Und in der That, weder Adelige noch Freigeborene noch Freigelassene über die Waffen zu setzen, ist eines Königs vortheilhafte Rechnung. Ueber die Suionen hinaus ist ein anderes Meer, träge und fast bewegungslos, welches den Erdkreis umgibt und umschließt, wie daraus glaubwürdig ist, daß dort der letzte Glanz der eben sinkenden Sonne bis zum Aufgang anhält, so hell, daß er die Sterne bleicht. Daß überdieß ein Schall der emportauchenden gehört, Göttergestalten und ein Strahlenhaupt erblickt werden, fügt der feste Glaube bei. Bis dorthin nur (und wahr ist die Sage) reicht die Natur... Der Suionen Fortsetzung sind die Stämme der Sitonen; im Uebrigen ähnlich, unterscheiden sie sich nur durch das Eine, daß da ein Weib Herr ist; bis so weit sind sie nicht bloß von der Freiheit, sondern auch von der Knechtschaft abgeartet. Hier ist Suevenlandes Ende.“

– Tacitus: Germania

 

Eine modernere Übersetzung liest sich folgendermaßen

 

„Dann kommen, schon im Meere, die Stämme der Suionen; sie haben außer Männern und Waffen auch starke Flotten. Die Gestalt ihrer Schiffe zeichnet sich dadurch aus, daß beide Enden einen Bug haben und stets eine Stirnseite zum Landen bereit ist. Auch benutzen sie keine Segel, noch machen sie Ruder in Reihen an den Schiffswänden fest: lose, wie manchmal auf Flüssen, und je nach Bedarf hier und dort verwendbar ist das Ruderwerk. Bei den Suionen steht auch Reichtum in Ehren, und deshalb herrscht einer, schon ohne jede Beschränkung, mit unwiderruflichem Anrecht auf Geshorsam. Auch sind die Waffen nicht, wie bei den übrigen Germanen, in freiem Gebrauch, sondern eingeschlossen, und zwar unter Aufsicht eines Sklaven. Denn plötzliche Überfälle von Feinden verhindert das Meer; außerdem neigen bewaffnete Scharen im Frieden leicht zu Ausschreitungen. Und wahrhaftig, daß kein Adliger oder Freigeborener, die Waffen unter sich habe, ist ein Gebot der königlichen Sicherheit. Nördlich der Suionen liegt abermals ein Meer, träge und nahezu unbewegt. Daß es den Erdkreis ringsum begrenze und einschließe, ist deshalb glaubwürdig, weil der letzte Schein der schon sinkenden Sonne bis zum Wiederaufgang anhält, und zwar so hell, daß er die Sterne überstrahlt. Die Einbildung fügt noch hinzu, man vernehme das Tönen der emportauchenden Sonne und erblicke die Umrusse der Pferde und das strahlenumkränzte Haupt. Dort liegt - und die Kunde ist wahr - das Ende der Welt... Den Suionen schließen sich die Stämme der Sitonen an. Im allgemeinen den Suionen ähnlich, unterscheiden sie sich dadurch, daß eine Frau die Herrschaft hat; so tief sind sie nicht nur unter die Freiheit, sondern selbst unter die Knechtschaft hinabgesunken. Hier ist Suebien zu Ende.“

– Tacitus: Germania

 

In Schonen, der möglicherweise nach den Suionen benannten Region Südschwedens, wurden Felsritzungen der Bronzezeit gefunden, die Schiffsbau und Seefahrt zeigen. Dies paßt zu Tacitus' Beschreibung der Suionen als Seevolk. Weiter nördlich hingegen, in das Gebiet der Svear, sind römische Reisende niemals vorgedrungen. Tacitus' geographische Lokalisierungen und ethnologische Beschreibungen der Suionen konnten nicht verifiziert werden, und ihre Spur verlor sich spätestens seit der Völkerwanderung. Jordanes‘ Getica erwähnte stattdessen im 6. Jahrhundert die Suehans im Zusammenhang mit den Goten. Dennoch wurden die Suionen ab dem Mittelalter (u.a. von Adan von Bremen) - mehr als 1.000 Jahre nach Tacitus - zunächst mit den Sueben, dann mit den erst nach der Völkerwanderung überlieferten Svear gleichgesetzt. Diese teilweise noch heute anzutreffende Zuordnung ist seit der Neuzeit ebenso umstritten wie die Gleichsetzung von Goten und Gauten.

 

Auzug aus: www.wikipedia.org/wiki/Suionen


Tenkterer

 

Die Tenkterer (lateinisch: Tencteri, griechisch: οι Τέγκτηροι, Τέγκτεροι) waren ein germanischer Volksstamm, der ursprünglich am Niederrhein, nördlich von den Usipetern, siedelte. Von den Sueben verdrängt, überschritten sie zusammen mit den Usipetern im Winter 56/ 55 v. Chr. den Rhein, wurden aber von gaius Iulius Caesar zurückgeschlagen (vgl. Caes. Gall. IV 1 ff.). Sie waren für ihre vorzügliche Reiterei bekannt.


In einem Bündnis mit den germanischen Stämmen der Usipeter und der Sugambrer überquerten sie etwa 17 v. Chr. den Rhein erneut und besiegten den römischen Statthalter marcus Lollius (clades Lolliana). Später wurden sie in einer Gegenoffensive durch Drusus besiegt. Die rhein- und wesergermanischen Stämme Brukterer, Tenkterer, Sugambrer, Usipeter, Chattuarier, Chamaven, und Ampsivarier schlossen sich ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. zu den Franken zusammen. Später kamen noch die Chatten (Hessen) dazu.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Tenkterer

 

Thüringer

 

Die Thüringer (lat. Thuringi, T(h)ueringi oder Thoringi) waren ein westgermanischer Stamm, auf den das spätere Thüringen zurückgeht. Für die Etymologie des Namens „Thüringer“ existieren zahlreiche Theorien. Die lange Zeit übliche Ableitung des Namens von den elbgermanischen Hermunduren wird in jüngster Zeit vereinzelt in Zweifel gezogen, da sie lautgeschichtlich nicht haltbar sei. Stattdessen wird eine Ableitung von einem germanisch-keltischen Stamm der in Erwägung gezogen. Nach einer vielbeachteten Theorie, die 2002 von Heike Grahn-Hoek vorgelegt wurde, leitet sich der Name der Thüringer (auch Tueringi) von dem der gotischen Terwingen (auch Teruingi) ab. Schon in der Spätantike wurden die beiden Gruppen häufig verwechselt. Fest steht zumindest, dass die Westwärtswanderung verschiedener Gruppen von gotischen Terwingen ab etwa 375 den Anstoß zur Ethnogenese der späteren Thüringer geliefert hat. Zumindest lässt auch die Archäologie einen solchen Schluss zu.

 

Das Siedlungsgebiet der Thüringer umfasste vor allem Teile des heutigen Mitteldeutschlands, das heißt den Raum zwischen Thüringer Wald, Werra, Harz und Elbe. In der älteren Forschung wurde oft angenommen, sie seien zum Teil aus Gruppen der Hermunduren entstanden, doch wurde dies in jüngerer Zeit bestritten. Die Thüringer werden erstmals als Toringi um 400 im Werk Mulomedicina des Flavius Vegetius Renatus erwähnt. Über die weitere Geschichte der Thüringer ist bis ins späte 5. Jahrhundert faktisch nichts bekannt; trifft der Bericht bei Sidonius Apolinaris aber zu, so dienten Mitte des 5. Jahrhunderts thüringische Kontingente dem Hunnenkönig Attila. Nach dem Zusammenbruch der Hunnenherrschaft konnten die Thüringer im Raum zwischen Donau, Main und Elbe einen eigenen Herrschaftsraum errichten. Das angebliche Exil des Frankenkönigs Childerich I. in Thüringen ist eher eine sagenhafte Erzählung und daher kaum historisch. Allerdings können Ende des 5. Jahrhunderts durchaus gewisse Kontakte zwischen Franken und Thüringern bestanden haben, wenngleich aufgrund der dünnen Quellenlage vieles offen bleiben muss. Eugippius zufolge unternahmen die Thüringer im Verbund mit den Alamannen um 480 Raubzüge gegen Passau und andere Städte an der Donau.

 

Der erste namentlich bekannte und historisch gesicherte Thüringerkönig war Bisinius, der um 500 herrschte. Sein Reich erstreckte sich nach Süden vermutlich über den Main hinaus möglicherweise fast bis zur Donau. Bis zum Beginn des 6. Jahrhunderts lag die ostfränkische Region im Spannungsfeld zwischen Thüringern und Alamannen. Der Geograph von Ravenna schreibt im 7. Jahrhundert, dass die Flüsse Naab und Regen (in der heutigen Oberpfalz) im Land der Thüringer in die Donau münden. Die vermutete Ausdehnung des thüringischen Machtbereiches in die Maingebiete ist allerdings nicht sicher nachzuweisen. In Oberfranken scheinen bis zur Eroberung durch die Franken eher Beziehungen zu böhmischen Kulturgruppen bestanden zu haben. Möglicherweise war hier eine einheimische elbgermanische Bevölkerungsgruppe als Traditionsträger vorherrschend. Heike Grahn-Hoek geht allerdings davon aus, dass sich das Thüringerreich auf seinem Höhepunkt im frühen 6. Jahrhundert über weite Teile der rechtsrheinischen Germania erstreckt habe und die Thüringer damit in diesem Raum eine Vormachtstellung ausgeübt haben.[5] Das Thüringerreich war jedenfalls um 500 das mächtigste germanische Reich außerhalb der alten römischen Reichsgrenzen und somit ein wichtiger Machtfaktor im Raum zwischen Rhein und Donau. Gregor von Tours schrieb Ende des 6. Jahrhunderts in seinen Historien von Thoringern, welche linksrheinisch und in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Franken lebten. Daraus wurde geschlossen, dass um 500 neben dem ostrheinischen Thüringerreich noch ein kleineres linksrheinisches Thüringerreich existiert habe. Ob es jedoch ein solches Thüringerreich am Rhein gegeben hat, ist sehr fraglich. In der neueren Forschung wird die Existenz eines linksrheinischen Thüringerreiches eher abgelehnt, da es sich um eine Fehldeutung Gregors gehandelt habe.

 

Bei Gregor von Tours werden nach Bisinus als Könige der Thüringer die Brüder Baderich, Herminafried und Bertchar erwähnt. Baderich wurde eventuell vor Beginn der folgenden fränkischen Invasion getötet, doch ist dies unsicher. Möglicherweise sind er und Berthachar erst während der fränkischen Invasion (531) gefallen. Schließlich blieb nur noch Herminafried als eigenständiger König übrig. Er war wohl schon zuvor der mächtigste der drei Brüder und heiratete die Gotin Amalaberga, eine Nichte des Ostgotenkönigs Theoderich. Mit dem Tod Theoderichs 526 endete dis bisherige Ausgleichspolitik unter den Germanenreichen im Westen. Für die Franken ergab sich eine günstige Gelegenheit, die Thüringer anzugreifen. Das Thüringerreich scheint zudem durch die vorherigen Bruderkämpfe geschwächt worden zu sein. In einer Reihe von Schlachten, wobei die letzte 531 an der Unstrut stattgefunden haben soll (siehe Schlacht bei Burgscheidungen ), besiegten die merowingischen Franken schließlich die Thüringer unter König Herminafried. Eventuell wurden die Franken dabei von den Sachsen militärisch unterstützt. Durch Flucht, Deportation und Mord fand die thüringische Königsfamilie ihr Ende. Die letzte Angehörige des Königshauses, Radegundis, starb 587 im fränkischen Exil und wurde später heiliggesprochen.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Thüringer(Volk)

 

Vandalen

 

Die Vandalen (auch Wandalen, Vandali, Vandili, Vandilier und Vanduli genannt; griechisch Ο ανδαλοί Vandaloi, Βανδ λοι Wandeloi, Βανδίλοι Wandiloi) waren ein germanisches Volk, das zur ostgermanischen Sprachgruppe gezählt wird. Zur Zeit des Tacitus siedelten die Vandalen zunächst im nordöstlichen Germanien, breiteten sich später aber weiter aus und wanderten im 5. Jahrhundert im Zuge der Völkerwanderung größtenteils nach Spanien und schließlich nach Nordafrika aus. Mit der Zerschlagung des Vandalenreichs im 6. Jahrhundert durch oströmische Truppen verlieren sich ihre Spuren. Über die Ursprünge der Vandalen werden in den schriftlichen Quellen nur verstreute Aussagen gemacht, in der Forschung werden sie intensiv diskutiert. Nach Plinius dem Älteren und Tacitus siedelten Vandalen in den ersten Jahrhunderten nach Beginn der christlichen Zeitrechnung östlich der Oder, aber südlich der damals dort siedelnden Burgunden.

 

Eine Zugehörigkeit zum Kultverband der Lugier ist möglich, wenigstens werden die frühen Vandalen in den Quellen mit diesen oft gleichgesetzt. Im 2. Jahrhundert sind unterschiedliche Teilstämme der Vandalen nachweisbar: Die Silingen in Schlesien und die Asdingen oder auch Hasdingen im späteren Ungarn und Rumänien, von wo sie unter Mark Aurel während der Markomannenkriege ins Römische Reich eindrangen. Allerdings ist – wie bei fast allen germanischen gentes der Völkerwanderungszeit – unklar, welche Verbindungen zwischen den Völkern dieses Namens und jenen Verbänden, die dann in der Spätantike in den Quellen erscheinen, bestanden. Unter Konstantin ist jedenfalls eine Ansiedlung der Hasdingen in Pannonien bezeugt. Herkunft und Abstammung der Völkergruppe der Vandalen sind nicht restlos geklärt. Im Gegensatz zur älteren Forschung versucht man heute, die Prozesse zu verstehen, die zur Bildung ethnischer Identitäten führten, und geht nicht mehr von „wandernden“, fertig ausgebildeten Völkern aus. Von Plinius, Tacitus und Ptolemaios werden die Vandilier als Völkergruppe im Weichselgebiet erwähnt, aber verschieden definiert. Wie bei den „Gotonen“/“Gutonen“/“Goten“ ist zwar eine Namenskontinuität bekannt, jedoch kann über die ethnischen Prozesse hinter diesen Namen keine Aussage gemacht werden. Um das Jahr 400 kann man nördlich der unteren und mittleren Donau große Wanderungen und Umwälzungen feststellen, wahrscheinlich ausgelöst durch das Eindringen der Hunnen. Die Vandalen zogen gemeinsam mit den Alanen und Sueben westwärts nach Gallien.

 

Seit dem 1. Jahrhundert versuchte die römische Politik, die Hegemonie des Römischen Reiches außerhalb der Reichsgrenzen auf friedlichem Wege zu erreichen: durch Verträge mit Föderaten , durch die Anwerbung von Soldaten und durch den Handel mit Gewerbe- und Luxusgütern. Das Imperium Romanum war ein wirtschaftlich und politisch stabiler Raum mit einer enormen Sogwirkung auf „barbarische“ Gesellschaften. Langsam entstanden spezialisierte Krieger, soziale Unterschiede und innere Konflikte. Stämme zerfielen, und es bildeten sich neue Einheiten wie eben die in historischen Texten erwähnten Völker der Vandalen und Sueben. Nicht, wie in der spätantiken Literatur häufig gemutmaßt, Flucht vor Hunger und Kälte war der Grund für die Aufgabe alter und den Aufbau neuer Identitäten, sondern der Aufbruch zu neuen Möglichkeiten in der mediterranen Städtelandschaft. In der Silvesternacht 406 überschritt ein vandalischer Verband gemeinsam mit einer großen Gruppe von Alanen und Sueben den Rhein und fiel in die römische Provinz Gallien ein Grund war vermutlich Flucht vor den weiter vordrängenden Hunnen. Fränkische Foederati, die sich ihnen entgegenstellten, wurden geschlagen. Die Geschichte des 5. Jahrhunderts ist eine Folge von Machtkämpfen, und jedes Mal wurden nichtrömische Truppen gegeneinander aufgeboten. Die unabhängig operierenden Gruppen der Goten unter Alarich I. . in Italien und der Vandalen, Alanen und Sueben stellten einen eigenen Machtfaktor dar.

 

Im Jahre 409 zog der alanisch-vandalisch-suebische Verband nach Spanien und begründete dort verschiedene kurzlebige Staatswesen. Das suebische Königreich in Galicien bestand bis ins späte 6. Jahrhundert. In der Vergangenheit wurde vermutet, dass der arabische Name für Spanien, Al-Andalus (der sich bis heute in der Landschaftbezeichnung Andalusien erhalten hat) eine arabische Bezeichnung für das „Land der Vandalen“ sei. Diese Auffassung ist heute umstritten. Nach einem römischen Feldzug, in dessen Verlauf auch westgotische Heere eingesetzt worden waren, brachen diese politischen Gebilde in Spanien zusammen; die silingischen Vandalen wurden in der Baetica fast restlos vernichtet, die asdingischen Vandalen vereinigten sich mit den Alanen. Gemeinsam setzten sie im Mai 429 nach Africa über. Der junge König Geiserich führte die Vandalen (rund 15.000 bis 20.000 Krieger und ihre Familien – Prokopios spricht von insgesamt 80.000 Menschen) 429 nach Nordafrika. Nach Prokopios hatte der römische General Bonifatius die Vandalen „eingeladen“, um sich mit ihrer Hilfe einer noch nicht offenbaren Intrige des Kaiserhauses zu erwehren, habe sich dann aber den Invasoren entgegengestellt. Allerdings ist diese Darstellung umstritten, zumal Bonifatius zu diesem Zeitpunkt wieder in gutem Einvernehmen mit Ravenna stand. Sicher ist, dass die Vandalen auf die Reichtümer der römischen Provinz Africa aus waren, des Herzstücks des westlichen Restreiches, welches Italien mit Getreide versorgte und einen nicht geringen Teil der Steuereinkünfte erwirtschaftete. Die Vandalen marschierten durch das heutige Marokko und Algerien und belagerten bzw. plünderten mehrere Städte. Dabei kam in Hippo Regius Augustinus ums Leben. Einige Berberstämme schlossen sich ihnen an. Auch Vertreter der christlichen Glaubensströmung des Donatismus unterstützten die Vandalen, da sie sich unter deren Herrschaft Schutz vor der Verfolgung durch die römische Staatskirche versprachen. Bonifatius, der sich mit dem Kaiserhaus arrangiert hatte, bekämpfte sie nun, wurde aber nach Italien abberufen, um gegen Aetius zu kämpfen. Dabei fand er den Tod. Nach der Eroberung größerer Gebiete durch Geiserich schloss die Reichsregierung 435 einen Vertrag mit den Eroberern, der ihnen Gebiete in Mauretanien und Numidien zugestand. 439 wurde unter Bruch des Vertrags Karthago erobert, die größte Stadt des Westens nach Rom, wobei den Vandalen die dort stationierte römische Flotte in die Hände fiel. Die Vandalen und Alanen errichteten ein Königreich in den reichen afrikanischen Provinzen Byzacena und Proconsularis (etwa im Gebiet des heutigen Tunesien), das 442 auch von Valentinian III. . anerkannt wurde. Mit Hilfe der erbeuteten Schiffe (die Vandalen unterhielten als einziger germanischer Verband eine nennenswerte Flotte) gelang ihnen die Eroberung Sardiniens, Korsikas und der Balearen. In Nordafrika übernahm Geiserich die Kaisergüter als eigenen Besitz, tastete römisches Privateigentum jedoch kaum an. Schnell übernahmen die Vandalen den römischen Lebensstil, schotteten sich jedoch durch ihren arianischen Glauben von der Oberschicht der Region ab.

 

455 plünderten die Vandalen und Alanen unter ihrem König Geiserich Rom. Der im 18. Jahrhundert aus dieser Begebenheit hergeleitete Begriff Vandalismus als Bezeichnung für „fanatisches Zerstören um seiner selbst willen“ ist dabei historisch sowie sachlich unkorrekt. Die Vandalen plünderten die Stadt Rom zwar gründlich und nicht ohne Brutalität (wobei die Bewohner aber auf Bitten des Papstes weitgehend geschont wurden), doch ohne blinde Zerstörungswut; vielmehr wurden systematisch Wertgegenstände geraubt. Dies war auch kein reiner Beutezug, sondern auch ein Eingreifen in die höchste Ebene der Reichspolitik: Kaiser Valentinian III. hatte seine Tochter Eudocia als Braut für den vandalisch-alanischen Thronfolger Hunerich versprochen und die Hauptstadt wurde angegriffen, um diese vorteilhafte dynastische Verbindung nach der Ermordung Valentinians zu sichern. Die Vandalen brachten wertvolle Beute nach Hause. Ebenso wurden zahlreiche Menschen, darunter die Witwe Valentinians und vor allem Handwerker, die im vandalischen Königreich benötigt wurden, entführt. Gleichzeitig wurden Sardinien, Korsika, die Balearen und schließlich auch Sizilien (wenn auch nur kurzfristig) in den vandalischen Herrschaftsraum einbezogen. Zudem kontrollierten die Vandalen nun endgültig die Getreideversorgung des Westreiches. Während der Plünderung von Rom kam auch Kaiser Petronius Maximus zu Tode. Dies geschah jedoch nicht, wie oft behauptet, durch die Hand der Vandalen (beispielsweise gibt es ein Bild aus dem 19. Jahrhundert, auf welchem seine Enthauptung gezeigt wird): Petronius Maximus wurde in Wirklichkeit auf der Flucht aus Rom, als einfacher Bürger verkleidet, erkannt und von burgundischen Hilfstruppen gesteinigt. Der weströmische Kaiser Majorian stellte neue Truppen auf und verlegte sie mit einer gewaltigen Flotte nach Cartagena. Als die römische Flotte jedoch unbewacht im Hafen von Alicante ankerte, wurde sie 461 von den Vandalen überrascht und vernichtet. Das römische Landheer fiel beim Rückmarsch nach Italien auseinander, Majorian wurde auf Befehl Ricimers getötet.

 

Das vandalische Königreich wurde 468 Ziel einer großangelegten gemeinsamen Militäroperation des Westreiches unter Athemius und des Oströmischen Reiches unter Leo I., die jedoch grandios scheiterte. Geiserich gelang es, die gewaltige römische Flotte in Brand zu setzen und zu vernichten. Nach dem Scheitern eines weiteren römischen Feldzugs 470 wurde daher 474 den Vandalen in einem Vertrag zwischen dem oströmischen Kaiser und Geiserich der Besitz der Provinz Africa und der Inseln garantiert, doch waren die Vandalen wohl schon bald nicht mehr in der Lage, diese Regionen immer effektiv zu kontrollieren. Im Inneren ergaben sich unter Geiserichs Nachfolgern mehrere Problemen, da die Vandalen Arianer waren, die Mehrheit der römischen Bevölkerung jedoch katholisch blieb; es kam zu mehreren Verfolgungen, wobei eine wichtige Quelle das (freilich tendenziöse) Werk des Victor von Vita ist. Vor allem aber mussten sich die Vandalen der immer heftigeren Angriffe der Mauren bzw. Berber erwehren, die unter Masties rasch die Kontrolle über das Bergland erlangten. Zudem kam es zu dynastischen Auseinandersetzungen um die Herrschaftsnachfolge. Ob hingegen der von spätantiken Quellen erhobene Vorwurf der massiven Dekadenz der Vandalen zutrifft, darf bezweifelt werden - schließlich mussten sich diese permanent äußerer Angriffe erwehren. Das Ende kam erst, als Ostrom Thronstreitigkeiten innerhalb des Vandalenreiches zum Anlass für eine erneute Militärexpedition nahm: Nach Ansicht der Römer hatte der Vertrag von 474 nur für Geiserich und seine rechtmäßigen Nachfolger gegolten; als der Usurpator Gelimer 530 widerrechtlich den Thron bestieg, verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Karthago und Konstantinopel daher rasant. 533/34 eroberten oströmische Truppen unter Belisar, einem Feldherren des Kaisers Justinian I., das vandalische Königreich. Die Zahl der vandalischen Krieger war zu gering, um die beiden schweren Niederlagen, die ihnen Belisar mit Glück und Geschick zufügte, verkraften zu können. Gelimer wurde nach Konstantinopel gebracht und musste sich im Rahmen des Triumphzuges dem Kaiser unterwerfen, verbrachte seinen Lebensabend aber komfortabel auf einem Landgut in Galatien. Eine große Zahl vandalischer Kriegsgefangener wurde im Sommer 534 nach Konstantinopel verbracht und später von Ostrom in den Perserkriegen eingesetzt. Nordafrika wurde wieder in das Imperium Romanum integriert. Der letzte bewaffnete, vandalische Widerstand unter Guntarith erlosch 546. In den Quellen erscheinen von da an keine Vandalen mehr. Die Reste der geringen germanischen Zivilbevölkerung wurden wohl größtenteils nach Osten deportiert, während mehrere Vandalen in der kaiserlichen Armee dienten. Über die mit dem Gotischen nah verwandte Vandalische Sprache ist wenig bekannt. Den Asdingen standen anfangs zwei, später nur noch ein aus adligem Geschlecht stammende Könige vor. Sie waren mit den Sueben verschwägert. In Nordafrika ersetzten die Vandalen die Elite des römischen Afrika und profitierten von dem Reichtum dieser Provinz. Die Vandalen scheinen in Afrika einen in jeder Hinsicht römischen Lebensstil gepflegt zu haben, was sich aus der Kunst und Architektur dieser Zeit, aber auch aus den Schriftquellen erschließen lässt. Im Wesentlichen integrierten sich die vandalischen Herren in die ökonomischen Strukturen der spätantiken Mittelmeerwelt, und auch die Kultur des Altertums wurde im vandalischen Nordafrika gepflegt. Die vandalische Münzprägung ist Gegenstand von Diskussionen.

 

In mittelalterlichen Überlieferungen wurde die Bezeichnung Vandali mit der Bezeichnung Wenden bzw. Slawen gleichgesetzt. Die Vermischung dieser Bezeichnungen konnte in der Forschung bisher nicht abschließend geklärt werden. Seit dem 8. Jahrhundert war der Name der Vandalen in Bezug auf die Slawen vor allem im süddeutschen Raum gebräuchlich. Im europäischen Raum kam im 12. Jahrhundert eine Diversifizierung und Nationalisierung der Geschichtsforschung auf. Auch in den slawischen Königreichen machte die Geschichtsschreibung diese Entwicklung mit. Die polnischen Beispiele solcher Geschichtswerke, die Chronica Polonorum des Vincentius Kadlubek, wobei er aber in seiner Wanda (Sage) erklärt, dass Wanda am Fluss Wandalus unter den Wandalen wohnt. Die Fortsetzung derselben Sage durch Dierszwa und die Chronik des Baszko/Boguphal beinhalten eine Geschichtsschreibung, die die Polen (angeblich) von den Vandalen abstammen lässt.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Vandalen

 

Walser

 

Die Walser ist eine alemannische Volksgruppe im Alpenraum. Sie sprechen einen höchstalemannischen Dialekt, das Walserdeutsch. Im Mittelalter besiedelten sie aus dem heutigen Kanton Wallis heraus weitere Alpengebiete in der Schweiz, Norditalien, Liechtenstein, Österreich und Bayern. Vor etwa 1000 Jahren erreichten die Alemannen auf ihrer Wanderung vom berner Oberland her das Goms im Wallis und besiedelten nach und nach das obere Rhonetal. Um das 13. Jh. bis 14 Jh. begannen einzelne Gruppen von Wallisern oder eben Walsern, nach und nach das Rhonetal zu verlassen; sie zogen in alle Himmelsrichtungen, vor allem aber nach Osten.

 

Eine Ursache für die mittelalterlichen Walserwanderungen war der wachsende Bevölkerungsdruck und die Suche nach neuen landwirtschaftlichen Anbauflächen. Die Walserwanderungen stehen hier in einem ähnlichen Kontext wie die deutsche Ostsiedlung. Die Walser entwickelten Techniken, die auch das Bewirtschaften von hoch gelegenen Bergregionen ermöglichten. Die Herrscher der betreffenden Gebiete förderten diese Besiedlung durch Steuerbefreiung und Vergabe besonderer Kolonistenrechte. Somit bot die Neuerschließung von Land den Walsern die Möglichkeit zur Befreiung aus der feudalen Leibeigenschaft. Die Walser wurden wegen ihrer eigenen Rechtsverfassungen auch „Freie Walser“ genannt. Insbesondere aus dem Walserdorf Gressoney stammende Walser wurden seit dem 16. Jahrhundert auch als erfolgreiche Hausierer und Wanderhändler bekannt. Sie belieferten ihre Kundschaft in den tiefer gelegenen Regionen Mitteleuropas.

 

Auszug aus: www.wikipedia.org/wiki/Walser

 

Westfalen

 

Als Westfalen wird heute der östliche Landesteil von Nordrhein-Westfalen bezeichnet, der im Wesentlichen das Gebiet der ehemaligen preußischen Provinz Westfalen umfasst. Historisch, sprachlich und kulturell ist Westfalen dagegen eine Landschaft, die, insbesondere im Norden und Nordwesten, weit über die Gebiete des heutigen Landesteils hinausreicht. Das Westfälische zählt zu den niedersächsischen Mundarten.

 

Erstmalig taucht der Name Westfalai im Jahre 775 in den Fränkischen Reichsannalen auf als Bezeichnung eines Teilstamms der Sachsen westlich der Weser. Die alten Sachsen nannten den westlichen Teil ihres Stammeslandes Westfalen, den mittleren Engern, den östlichen Ostfalen. Es taucht in alten Texten über das Sachsenland auch ein Gau namens Fahala auf, aber kein Teilstamm namens Falen. Das altnordische Wort „fal(ah)“ bedeutet Feld, Land, flach und niedrig. Im Nationalismus des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurde der wissenschaftlich unhaltbare Begriff „fälische Rasse“ gebraucht.

 

Im Jahre 955 erhielt ein Graf des Lerigaus den Titel Graf von Westfalen. Er kann als Vorfahre der Grafen von Werl angesehen werden. Politisch bedeutsam wurde der Name Westfalen erst 1076, als die westfälischen Sachsen sich am Aufstand gegen Heinrich IV. beteiligten, und 1178/80, als Sachsenherzog Heinrich der Löwe zur Strafe für seine Auflehnung gegen Kaiser Friedrich I. Barbarossa die Herzogswürde für den Westen des Herzogtums Sachsen an den Erzbischof von Köln abtreten musste. Seitdem trugen die Erzbischöfe von Köln auch den Titel „Herzog von Westfalen“.

 

Als Ausdruck gemeinsamer Vergangenheit ist das Sachsenross noch heute gleichermaßen das Wappentier Westfalens und Niedersachsens. Gemeinsam blieb auch die ländliche Bautradition, das norddeutsche Fachhallenhaus, das sowohl als Westfalenhaus als auch als Niedersachsenhaus bekannt ist: Um eine zentrale Halle („Deele“) mit giebelseitigem Tor gruppierten sich rechts und links Ställe und andere Wirtschaftsräume, während sich die Wohnräume der Bauernfamilie am hinteren Ende befanden.

 

Während Adam von Bremen im 11. Jahrhundert noch die Ems als den östlichen Grenzfluss Westfalens betrachtete, charakterisierte im ausgehenden Spätmittelalter die Schedel’sche Weltchronik Westvalen als Gebiet zwischen Niederrhein und Weser, im Norden an Friesland grenzend, im Süden an das hessische Mittelgebirge. In einem Vertrag zwischen dem Erzbistum Köln und dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg wurden im Jahr 1260 die Interessengebiete beider Territorien voneinander abgegrenzt. Die Grenze verlief dem Vertrag zufolge bis nördlich von Nienburg entlang der Weser. Der südliche Teil des Weser-Ems-Gebiets wurde dem Einflussbereich Kurkölns zugerechnet.

 

Als 1512 auf dem Reichstag von Köln das Heilige Römische Reich in zehn Reichskreise eingeteilt wurde, nahm der Niederrheinisch-Westfälische Reichskreis das heutige Nordrhein-Westfalen vorweg, umfasste aber auch das heutige Niedersachsen westlich der Weser bis zur Nordsee. Westfälische Herrschaften wie der Territorialbesitz des Bistums Münster reichten weit nach Norden (Schloss Clemenswerth im Hümmling als bedeutendes Werk des westfälischen Barock.).

 

Das von Napoleon I. für seinen Bruder Jérôme geschaffene Königreich Westphalen (1807–1813) umfasste nur die Südosthälfte Westfalens, dazu aber große Teile der heutigen Bundesländer Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Hessen.

 

Seit dem Wiener Kongress 1815 beschränkte sich der Name Westfalen zunehmend auf dort dem Königreich Preußen zuerkanntes Gebiet. Bis dahin zu Westfalen gerechnete Gebiete nördlich davon kamen an das Königreich Hannover (Osnabrück, Bentheim und Emsland) und das Großherzogtum Oldenburg (Oldenburgisches Münsterland). Für den östlichen Teil der preußischen Provinz Westfalen, der dem Regierungsbezirk Minden entsprach, entwickelte sich der Begriff Ostwestfalen. Das Fürstentum Lippe (heute Kreis Lippe) blieb selbständig und wurde später ein eigenes Land im Deutschen Reich. Dieser zur historischen Landschaft Westfalen gehörende Landstrich behielt daher auch eine begriffliche Sonderstellung, seit er 1947 dem 1946 aus Teilen Preußens (Provinz Westfalen und Nordteil der Rheinprovinz) gegründeten heutigen Bundesland Nordrhein-Westfalen beitrat: die Lippische Rose in dessen Landeswappen, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe sowie zusätzlich ein Landesverband Lippe und die Bezeichnung Ostwestfalen-Lippe (OWL) für den Regierungsbezirk Detmold.

 

Dass gleichwohl die alte, den Südwesten des heutigen Niedersachsens einbeziehende Bedeutung des Begriffs „Westfalen“ nicht völlig aus dem Sprachgebrauch verschwunden ist, zeigt der 1993 in Cloppenburg herausgegebene Buchband mit dem Titel Westfalen in Niedersachsen.

 

Auszug aus: wikipedia.org/wiki/Westfalen