DIE FRANKEN

 

Sie schlugen die Brücke von der Antike zum Mittelalter – ihre Heerkönige besiegten die Römer und eroberten ganz West- und Mitteleuropa – mit Karl dem Großen stellten sie den ersten Kaiser Europas. Hans Wagner

 

Die Franken waren von allen Völker und Volksgruppen, die unser Gebiet während der Schreckenszeit der Völkerwanderung heimgesucht hatten, die letzten und diejenigen, die unsere Gegend bisher am meisten geprägt haben. Schließlich zogen sie nicht nur durch das Land sondern machten sich hier breit und blieben sesshaft. Sie vermischten sich mit der einheimischen Bevölkerung, die zum größten Teil noch aus Gallo-Römer und Nachkommen von Kelten so wie aus Germanen bestand, die während dem Durchzug der germanischen Völker „hängen geblieben“ waren. Eine ganze Reihe Ortschaften unseres Landes sind fränkischen Ursprungs. Endungen wie –ingen, -heim, -dorf und -weiler weisen auf fränkische Gründungen hin. Eine große Zahl Familiennamen kommen ebenfalls aus dem fränkischen. Aus dem Moselfränkischen ist bekanntlich unsere luxemburgische Mundart hervorgegangen. (nach Gérard Thill, Vor und Frühgeschichte Luxemburgs) In unserer Gemeinde entstanden die Ortschaften Imbringen, Gonderingen, Beidweiler und Eschweiler aus fränkischen Siedlungen. Die fränkische Stammesbildung erfolgte zur Völkerwanderungszeit. Verschiedene Gruppen der Rhein- Weser-Germanen, wie Chamaven, Chattuarier, Brukterer, Ampsivarier, Usipeter, Tubaten, Chasuarier und weiterer schlossen sich zusammen und nannten sich Franken, später kamen noch die Chatten (Hessen) dazu. Der Vorgang war für Germanen einigermaßen ungewöhnlich. Im Allgemeinen kämpften die einzelnen germanischen Stämme eher gegeneinander, als sich zu verbünden. Der Eintritt der Franken in die Geschichte war zwar nicht ganz so spektakulär wie jener der Wikinger, die ein paar Jahrhunderte später von sich reden machte. Aber für die Römer in Gallien war das plötzliche Auftreten eines germanischen Großstammes im Rhein-Weser-Gebiet nicht weniger überraschend als das Auftauchen der bis dato unbekannten Wikinger vor der englischen Küste. In römischen Quellen wurden die „Franci“ zum ersten Mal um 259 n. Chr. erwähnt. Der Grund dafür war denkwürdig: die Franken drangen nach Gallien vor und fügten der linksrheinischen römischen Besatzung schwere Niederlagen bei. In den folgenden 50 bis 60 Jahren wiederholten sich diese Einfälle ein ums andere Mal. Die Franken suchten Siedlungsland und sie wollten die römische Vorherrschaft brechen.

 

Eine der ersten kriegerischen und für die Römer katastrophal endenden Auseinandersetzungen ist für den Raum Krefeld am Niederrhein bezeugt. Hier war es, wo im Jahr 259 fränkische Truppenverbände erstmals in die römische Besatzungszone vorstießen. Sie nahmen das Kastell Gellep beim heutigen Krefeld am Niederrhein ein. Die Römer fanden nicht einmal mehr die Zeit, ihre Toten zu verscharren. Der überraschende Angriff hatte eine verheerende Wirkung, durchaus vergleichbar mit dem der Wikinger auf das englische Lindisfarne im Frühsommer 793. Rom hatte die neue Macht am Rhein mit einem Schlag kennen gelernt und musste sich nun darauf einstellen. Es war übrigens das Jahr, in dem auch die Alemannen aus dem Norden vordrangen und den Limes zu Fall brachten. Rom konnte nicht mehr verhindern, dass seine Herrschaft am Rhein und in ganz Gallien Schritt für Schritt durch die Franken abgelöst wurde. Für das Imperium brachen schlechte Zeiten an. Zunächst gestand das Römerreich den einrückenden fränkischen Verbänden die Rolle von sogenannten Föderaten zu. Fränkische Völkerschaften wurden als Bundesgenossen zwischen Niederrhein und Flandern angesiedelt. Sie übernahmen Aufgaben der Reichsverteidigung für die Römer. Die Siedlungsgebiete der Franken innerhalb der römischen Grenzen dehnten sich dabei rasch aus. Teile des fränkischen Stammes der Salier (vom Althochdeutschen sala = Herrschaft) setzten sich um die Mitte des vierten Jahrhunderts in Toxandrien (Nordbrabant) fest. Sie rückten dann ab 406 nach Flandern bis zur Nordsee vor. Die Besiedlung weiter westlich gelegener Gebiete Galliens durch die Salier begann ebenfalls im 5. Jahrhundert und erreichte schließlich die Flüsse Seine und Loire. Der Stamm der Ripuarier setzte sich im Raum von Köln fest, und siedelte ab 455 im Moselgebiet und bis zu den Ardennen.

 

Eine herausragende Stellung in den neuen von Franken besiedelten römischen Gebieten erreichte die Adelsdynastie der Merowinger. Ihre Könige Chlodio und Merowech standen um 450 an der Spitze von Verbänden der Salier (Salfranken). Mit ihnen begann die Reichsbildung der Merowinger. Chlodio nahm Cambrai ein (im Ostteil des Artois) und drang bis zur Somme vor. Merowech begründete die Herrschaft Tournai (heute belgische Provinz Hennegau). König Merowech war Vater von Childerich (457- 482), der ihm als König der Franken im Militärsprengel von Tournai nachfolgte. Childerich kämpfte als römischer Verbündeter gegen die Westgoten. Bei seinem Tod wurde er in einem Grabhügel beigesetzt.

 

Mit dem Herrschaftsantritt von Childerichs Sohn Chlodwig im Jahre 482 begann die expansive Phase der fränkischen Zeit. Der erst 16-jährige König mußte um seine Autorität kämpfen. Nicht alle salfränkischen Adeligen sind ihm zum Beispiel beim Angriff auf das autonome Restreich des Römers Sygarius gefolgt, der zwischen Somme und Loire herrschte. Er hatte sich als letzter römischer Statthalter gesehen. Syagrius wurde 486 geschlagen und floh zu Alarich II., dem Goten-König in Toulouse. Frankenkönig Chlodwig verlegte seine Residenz von Tournai nach Soissons und nahm die Truppen des geschlagenen Gegners in seinen Dienst. Der Sieg brachte ihm die Herrschaft über die Lande bis zur Seine ein. Chlodwig festigte damit seine noch junge Herrschaft. Er wurde bald darauf - 496 und 497 - in einen Krieg mit den Alemannen verwickelt. Nach einem lange unentschiedenen Ringen wurden die Alemannen schließlich besiegt.

 

Chlodwig erhielt vom Burgunder-König Gundobad die Hand seiner Nichte Chrodechilde, die sich zum katholischen Glauben bekannte. Der fränkische Hof kam durch diese Heirat unter katholischen Einfluss. Chlodwig schloss sich dem katholischen Christentum seiner gallischen Bischöfe an.. So konnte er Kirche und romanische Gesellschaft integrieren.

 

Er verlegte seine Residenz von Soissons nach Paris, wo er am 27. November 511 starb. Er wurde in der dortigen Apostelbasilika begraben. Chlodwigs Söhne Theuderich, Chlodomer, Childebert I. und Chlothar führten die Eroberung Galliens fort und nahmen es fast ganz in Besitz. Theuderich eroberte außerdem das seinerzeit mächtige Königreich Thüringen und rundete damit das Frankenreich nach Osten ab. Chlodwig und nach ihm seine Söhne und Enkel hatten ein gewaltiges Reich geschaffen, das von der Nordsee bis zum Thüringer Wald und an die Ufer der Donau reichte. Es erstreckte sich damit über einen Großteil des westlichen und mittleren Europas. Unter Chlodwig begann auch endgültig die Verschmelzung von Gallo-Romanen und Franken, auch hier bei uns. Außerdem entstand aus dieser Erschmelzung im Laufe der Jahrhunderte immerhin die französische Kultur.

 

Das merowingische Frankenreich war ein Vielvölkerstaat. Aber trotz „der gewaltsamen Art und Weise kein ‚Völkergefängnis‘, denn die Franken schonten die gentile Substanz und das Stammesbewusstsein der unterworfenen Völkerschaften, ließen ihnen ihre Eigenart in Sprache und Recht, Sitte und Brauchtum, Tracht und Bewaffnung“, schreibt Hans K, Schulze in seinem Werk „Vom Reich der Franken zum Land der Deutschen – Merowinger und Karolinger“. Das habe für die germanischen Volksgruppen genauso gegolten wie für die Burgunder und die unter fränkische Herrschaft geratenen Volksteile der Westgoten, für Alemannen und Bayern, Thüringer und Friesen.

 

Mit dem Tod Chlodwigs, des Reichsgründers, trat das alte salfränkische Erbrecht in Kraft, das jedem Sohn einen Anteil am Erbe zuwies. Das Land der Franken wurde in vier Teile geteilt. und den Söhnen vermacht Zunächst schafften es die Nachkömmlinge noch, das thüringische und das burgundische Reich in die fränkische Gesamtmonarchie einzuverleiben. Theudebert I. weitete das Reich sogar bis zur mittleren Donau aus. Doch unter den Enkeln Chlodwigs begann der Zerfall. Nach erbitterten Kämpfen unter Mitgliedern der merowingischen Dynastie wurden sogenannte Hausmeier eingesetzt. Sie regierten als höchste Beamte des Staates anstelle des Königs. Allmählich stiegen sie sogar zu den eigentlichen Herrschern des Reiches auf, hatten bald mehr Macht als der König. Chlodwig

 

Im Jahre 614 bekommen einige Teile des Reiches eine Selbstständigkeit (Austrien, Neustrien, Burgund). Sie werden geführt von einem Hausmeier (Majordomus). Da die Merowinger-Könige immer schwächer werden, erhalten die Hausmeier immer mehr Macht. Vor allem ist dies der Fall unter den Hausmeiern aus dem Geschlecht der Karolinger (ab 679 Pippin II.) Um 714 - 741 n.Chr. tritt Karl Martell, ein unehelicher Sohn Pippins auf die Weltbühne. Er unterwirft die Alemannen und Thüringer und kämpft erfolgreich gegen die Sachsen und Bayern. 732 schlägt Karl Martell seine wichtigste Schlacht: Bei Tour und Poitiers schlägt er die aus Spanien vordringenden Araber. Der Hausmeier Pippin III., der Jüngere, schickte die letzten merowingischen Könige ins Kloster und erhob sich selbst im Jahr 754 zum König der Franken. Er wurde von Papst Stephan II. gesalbt. Damit waren ab Pippin III., dem Jüngeren, auch seine Nachkommen Könige von Gottes Gnaden. 768 n.Chr. teilt Pippin das Reich auf seine Söhne Karl und Karlmann. Nachdem Karlmann stirbt, wird Karl König des Frankenreichs

 

Karl der Grosse 748-814

 

Unter Karl, später „der Große“ genannt, erreichte das Frankenreich seine höchste Machtentfaltung. Karl trat 768 das Erbe seines Vaters in den ihm vererbten Reichsteilen von Aquitanien bis Thüringen an. Sein Bruder Karlmann hatte den kleineren Teil erhalten, der sich von Burgund bis Alemannien erstreckte. .Als Karlmann 771 überraschend starb, zog Karl unter Missachtung des Erbanspruchs der Söhne das gesamte Reich an sich. Karl der Große unterwarf ab 772 die noch heidnischen Sachsen in den 32 Jahre dauernden Sachsenkriegen. Diese wurden mit größter Härte geführt. Massenhinrichtungen und Zwangsdeportationen brachen den Widerstand der sächsischen Unterschichten, die sich hartnäckig gegen die Christianisierung wehrten.

 

Schon vorhergegangene Christianisierungsversuche der Friesen hatten sich als äußerst schwierig erwiesen. So wurde der angelsächsische Mönch Winfried (genannt Bonifatius) bei einer Missionsreise 754 von heidnischen Kriegern erschlagen. Nicht nur da die Christianisierung Unterwerfung unter Fremdherrschaft bedeutete sondern auch, weil die komplizierte Schriftreligion im Gegensatz zu den animistischen Traditionen weniger greifbar war, war sie schwer zu vermitteln. Auch waren die Methoden der Christianisierung brutal, es wurden harte Strafen etwa gegen Sonntagsarbeit eingeführt, was einem agrarisch orientierten Volk, welches den Arbeitsablauf von Witterungsbedingungen abhängig machte, absurd vorkommen musste. Besonderen Widerstand provozierte auch die Abgabe des „ Zehnten“, also des zehnten Teils des Besitzes an die Kirche. Schließlich wandte sich Karl den beiden ungelösten Problembereichen seiner Vorgänger zu. Das Langobardenreich wurde 774 erobert sowie das Herzogtum Benevent 787 unter fränkische Oberhoheit gebracht, also die gesamte italienische Halbinsel unter Kontrolle gebracht. Bayern entzog er die Autonomie indem er den Herzog Tassilo (III.) 788 absetzte. Zuletzt schwächte er 796 das Awarenreich durch die Eroberung des Zentrums. Thron im Dom von Aachen Krönung zum römischen Kaiser durch Papst Leo III am Weihnachtstag 800.

 

Das Jahr 800 stellte den Höhepunkt der Macht Karls des Großen dar. Erneut bat der umstrittene Papst Leo III einen Karolinger um Hilfe, diesmal gegen eine Verschwörung des römischen Stadtadels. Beim anschließenden Weihnachtsgottesdienst krönte dieser Karl zum Kaiser nach byzantinischem Ritus. Der Kaisertitel symbolisierte die konkreten Machtverhältnisse. Um seine Machtbasis zu sichern, setzte Karl seine Söhne als Könige in den Reichsteilen ein, wobei er seinen ersten Sohn Pippin aufgrund dessen körperlicher Missbildung (“Pippin der Bucklige“) überging. Karl der Jüngere wurde Frankenkönig (800), Karlmann, der nach der Entmachtung seines älteren Bruders in der Familientradition in Pippin umbenannt worden war, wurde 781 König von Italien und Ludwig der Fromme König von Aquitanien. Die noch minderjährigen Statthalter waren in zweierlei Hinsicht vorteilhaft: Durch die Familienbande war eine Legitimation für das Volk deutlich, die reale Regierungsgewalt dagegen konnte Karl von loyalen Beratern erledigen lassen. Die feudale Struktur zeigt aber auch eine Schwäche des Großreiches. Aus Mangel an Infrastruktur und Kommunikationsmitteln war die Macht des feudalen Adels sehr groß und schwer zu kontrollieren. Zur Kompensation war der König/Kaiser Karl der Große ständig auf Reisen durch sein Reichsgebiet und rastete auf königlichen/kaiserlichen Pfalzen und Höfen, um vor Ort Recht zu sprechen und Gesandte zu empfangen. Karls Lieblingspfalz wurde Aachen. Karl wurde damit zum Vorbild des Wander- oder Reisekönigtums des Mittelalters.

 

Als Gegengewicht zum lokalen Adel hatten die fränkischen Könige schon lange Grafen eingesetzt. Dieses System konnte sich jedoch niemals voll durchsetzen. Nachdem der Hochadel 614 erzwungen hatte, dass nur Adelige aus der jeweiligen Region ein Grafenamt bekleiden durften, setzten die Grafen vor allem regionale Interessen durch. Karl etablierte dagegen das System der Königsboten (missi dominici). Doch auch dieses System wurde vom Hochadel unterminiert. Seit 802 durften nur noch hohe Amtsträger (Bischöfe, Äbte, Grafen) Königsboten sein. Die herrschende Schicht konnte sich so selbst kontrollieren. Karl der Große verstarb am 28. Januar 814 72jährig in Aachen. Sein Sohn Ludwig der Fromme konnte als Nachfolger das Reich noch zusammenhalten. Dieser wiederum teilte das Reich nach germanischem Erbrecht unter seinen Söhnen auf. Da diese die Aufteilung nicht akzeptieren wollten, brach ein Bürgerkrieg aus (840-843). Äußere Invasoren (Normannen, Dänen, Wikinger) nutzten die innere Schwäche des Reiches zu permanenten Überfällen.

 

Im Vertrag von Verdun (843) wurde die Teilung des Karolingerreiches nach dem Tode Ludwigs des Frommen (840) in Westfranken (Karl der Kahle), Ostfranken (Ludwig der Deutsche) und ein Mittelreich (Lothar I.) manifestiert. Letzterer erhielt die Kaiserkrone. 855 starb Kaiser Lothar I. Das Mittelreich wurde wiederum unter den Söhnen dreigeteilt in Italien (Kaiser Ludwig II.), Lotharingen (Lothar II.) und Provence mit Südburgund (Karl). Nach dem Tode Lothars II. (869) wurde Lotharingen zwischen Westund Ostfranken im Vertrag von Meersen (870) aufgeteilt. 875 starb mit Kaiser Ludwig II. die Dynastie der Karolinger in Italien aus.

 

Ein Jahr später wurde Ostfranken nach dem Tode Ludwig des Deutschen in vier Teile aufgeteilt. 880 legte der Vertrag von Ribemont im Wesentlichen die mittelalterliche Grenze zwischen Frankreich (Westfranken) und Deutschland (Ostfranken) fest. Karl dem III. (der Dicke) gelang es von 885 bis 887 noch einmal kurzfristig, das Frankenreich zu einen, 888 zerbrach es endgültig. In der Folge wurde 987 aus Westfranken (Francia) das französische Königreich mit Ablösung der Karolinger durch die Capetinger. In Ostfranken starb der letzte Karolinger 911, 919 ging die Königswürde an Heinrich I., den mächtigen Sachsenherzog. Sein Sohn Otto I. beendete 955 in der Schlacht bei Augsburg die Landnahme der Ungarn und wurde 962 zum Kaiser des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen“ gekrönt. Dieses bestand im Prinzip bis 1806, als der letzte Kaiser Franz II. unter Druck Napoleons abdanken musste.

 

Auszug aus:Teil 4 Die Völkerwanderung und das frühe Mittelalter, Commission Culturelle de la Commune de Junglinster, www.artlenster.com