DIE HUNNEN

 

Die Geschichte hat selten ein Volk gesehen, dass wie die Hunnen aus dem Nichts kam und, kaum hundert Jahre später, wieder darin verschwand. Dennoch hat kein anderes Volk die Europäer ähnlich beeindruckt, wie die geheimnisvollen Hunnen. Der rasante Hunnensturm und der Siegeszug über die germanischen und romanischen Völker, ist allenfalls vergleichbar mit dem Angriff der Mongolen in Europa, obwohl deren Reich (begründet durch Temudschin, Dschingis-Khan, 1196) wesentlich beständiger und nach dem Tod Timurs (1405) nicht völlig von der geschichtlichen Bildfläche verschwand. Die Hunnen aber, wurden nach ihrer finalen Niederlage gegen die Germanen wieder von den bulgarischen und russischen Steppen, woher sie gekommen waren,erschluckt

 

Woher kamen die Hunnen?

 

Das Volk der Hunnen ist den alten Schriften nur wenig bekannt. Es wohnt jenseits des Mäotischen Sees, nahe dem Eismeer, und lebt im Zustand unbeschreiblicher Wildheit. Der Chronist Jordanis schreibt: Da gleich nach der Geburt in die Wangen der Kinder mit dem Messer tiefe Furchen gezogen werden, damit der zu bestimmter Zeit auftretende Bartwuchs durch die runzligen Narben gehemmt wird, werden sie unbärtig alt und ähneln, jeglicher Schönheit bar, den Eunuchen. Alle besitzen sie gedrungene und starke Glieder und einen muskulösen Nacken und sind so entsetzlich entstellt und gekrümmt, dass man sie für zweibeinige Bestien halten könnte. Bei ihrer reizlosen Menschengestalt sind sie durch ihre Lebensweise so abgehärtet, dass sie keines Feuers und keiner gewürzten Speise bedürfen, sondern von den Wurzeln wilder Kräuter und dem halbrohen Fleisch von jedwedem Getier leben, das sie zwischen ihre Schenkel und den Pferderücken legen und etwas erwärmen. Sie kennen niemals den Schutz von Gebäuden, meiden solche vielmehr wie Gräber.

 

Wer waren ihre Urväter? Eine Frage, die sich nur schwer beantworten lassen. Es gibt viele Berichte über barbarische Nomadenvölker, mit denen sich dass chinesische Reich auseinandersetzen musste, zum Beispiel das Volk der Hung-no, die die Chinesen lange Zeit terrorisierten, bis sie vertrieben werden konnten. Oder aber die Vernichtung eines Nomadenreiches 36/35 v. Chr. durch die Chinesen, welche mit der Vertreibung der Nomaden aus Turkestan und der Dzungarei nach Russland endete. Nach ihrer mutmaßlichen Vertreibung aus ihren angestammten Siedlungsgebieten in der Nähe Chinas, siedelten sie offenbar in den russischen Steppen. Warum sie so plötzlich und mit solcher Gewalt nach Europa drängten, ist ebenso unbekannt, wie die genaue Herkunft ihrer Stammesväter. Es scheint allerdings ein wesentlich einfacheres Motiv zu geben, als zeitgenössische Geschichtsschreiber, die von einer dämonischen Geißelung Gottes ausgingen, vermuteten: sie hatten Hunger. Das Volk der Hunnen war beständig gewachsen und die umherziehenden Nomaden konnten ihre Familien aus den armseligen Steppen Russlands bald nicht mehr ernähren. Ein oder zwei harte Winter sorgten für katastrophale Hungersnöte, welche die Existenz des ganzen Volkes bedrohten. Der für sie sagenhafte Reichtum Europas muss sie angelockt haben; er war Grund genug für sie, alle Brücken hinter sich abzubrechen und mit verzweifelter Wucht nach Europa zu drängen. Im Jahre 374 fegten die Hunnen dann aus der russischen Steppe über die in der Nähe des Schwarzen Meeres ansässigen Alanen und unterwarfen sie. Bei beiden Völkern handelte es sich um kriegerischebNomadenstämme, weshalb die Alanen nur ein Jahr später auf der Seite der Hunnen an derbUnterwerfung der Ostgoten teilnahmen

 

Was aber war nun so erschreckend und "dämonisch" an den Hunnen? Warum waren sowohl Römer, als auch Germanen ihnen gegenüber so wehrlos und ließen sich Opferlämmern gleich von ihnen hinschlachten? Warum waren sie in angstvoller Ehrfurcht diesen "Dämonen" gegenüber erstarrt? Die Art der Kriegsführung der Hunnen war neu und erfolgreich. Sie kämpften vom Rücken ihrer Pferde aus, Infanterie war ihnen unbekannt. Sie waren hervorragende Reiter und vermochten aus ihren Sätteln heraus einen gezielten Pfeilhagel auf den Feind niedergehen zu lassen. Überhaupt waren ihre Sattelkonstruktionen eine Neuheit, denn so sicher wie die Hunnen saß kein anderer zeitgenössischer Kavallerist zu Pferde. Auch ihre neuartigen Bögen waren wesentlich leistungsfähiger und treffsicherer als alles bisher dagewesene.

 

Die Hunnen kämpften in kleinen, beweglichen Einheiten von 500-1000 Mann und fielen unter schrecklichem Kriegsgeheul über die geordneten Truppen ihrer Gegner her, so dass diese auseinander spritzten und der Vernichtung preisgegeben waren. Ein Teil der weißen Hunnen überquerte den Kaukasus und fiel über die oströmischen Provinzen in Kleinasien her. Antiochia, eine der Metropolen der spätantiken Mittelmeerwelt, fiel ihnen zum Opfer und wurde geplündert, die Einwohner ermordet und die Frauen verschleppt. Einer der Überlebenden hat die Gräuel festgehalten, die die Hunnen über die Einwohner Antiochiasbgebracht haben:

 

"Sie waren unter uns, ohne dass wir wussten, woher sie kamen. In den Brunnen der Götter tränkten sie ihre Pferde. Auf den Stufen der Tempel nahmen sie unsere Frauen. An den Säulen unserer Stadt zerschmetterten sie die Häupter unserer Kinder. Nackt über die Hälse der Pferde geworfen, so verließen unsere Töchter Antiochia. Wir werden sie nie wiedersehen." Sowohl West- als auch Ostrom wurde Schauplatz fürchterlicher Ereignisse. Die Hunnen drängten über die Donau und verwüsteten Griechenland. Die vor ihnen davonziehenden Westgoten unter Alarich hatten vorher auf dem Balkan gewütet und fielen 401-403 in Italien ein. Stilicho konnte sie abwehren, aber nach seinem Tode eroberte Alarich, wie vorher gesehen, nach wechselhaften Kriegsgeschehen 408-410 Rom und verwüstete ganz Italien.

 

Die Hunnen, ihrerseits nicht faul, verheerten dass zurückgelassene Thrakien und Koenig Rugila, der Onkel Attilas, schloss bald einen Friedensvertrag mit Byzanz/Konstantinopel. In diesem Vertrag verpflichteten sich die Oströmer Unsummen an Tributen an die Hunnen zu zahlen und erkauften sich so den Frieden. Die Hunnen hatten ein gutes Geschäft gemacht: sie waren nicht interessiert an der langwierigen Belagerung Konstantinopels, wie sie überhaupt bei Belagerungen eine unglücklich Figur machten (siehe Belagerung von Orleans). Gold schien die hochgeborenen Hunnenfürsten jedoch zu faszinieren und muss eine mystisch/religiöse Bedeutung gehabt haben. Es wurde offenbar nicht als Zahlungsmittel verwendet, sondern zu kultischen Gegenständen verarbeitet, oder aber zu Gebrauchsgegenständen, wie z.B. Geschirr. Bis zu Attilas Zeiten konnten die Hunnen ihre Tributforderungen beständig erhöhen.

 

ATTILA ( ETZEL)

 

„Attila, Flagellum dei"- Attila, die Geißel Gottes.

 

Über das genaue Geburtsdatum des Hunnenkönigs sind sich die Historiker nicht einig. Es liegt wohl um das Jahr 396 n. Chr. Sein Onkel Rugila ist amtierender König. Seinen Namen Attila (gotisch "Väterchen") haben ihm die Germanen gegeben, wie es heißt, weil sie großen Respekt vor dem gefürchteten Eroberer hatten.

 

Im Alter von 14 Jahren anno 410 n. Chr. wird Attila als vornehme Geisel an den Hofe Kaisers von Honorius nach Ravenna (norditalienische Kaiserstadt) gesandt. Dort erlernte er die lateinische Sprache und wurde zum ersten Mal mit dem Christentum und der westlichen Zivilisation konfrontiert. Als Rugila 434 n. Chr. stirbt, besteigt Attila gemeinsam mit seinem Bruder Bleda den Königsthron. Attila lässt Bleda 445 n. Chr. ermorden und ist nun Alleinherrscher. Nie handelte er übereilt. Er liebte über alles den Kampf, dennoch handelte er wohlüberlegt. Er zeigte sich gnädig, denen gegenüber die um seine Gnade flehten und sich ihm unterwarfen. Er war weise und schlau, und griff niemals dort an, wo er es vorher angedroht hatte.

 

451 n.Chr. Das größte Heer der Spätantike aus Gepiden, Ostgoten, Rugiern, Skiren, Herolern, Sweden, Alemanen und Thüringern vereint mit den Hunnen. In Gallien beginnt ein entsetzlicher Feldzug und zugleich führen die Hunnen 4000 km östlich Krieg in Persien. Mehr denn je ist Attila auf seine germanischen Verbündeten angewiesen. Raubend, mordend und plündernd wälzt sich das Heer der 500.000 durch das heutige Frankreich. Metz wird bis auf die Grundmauern niedergebrannt, Orleans monatelang belagert bevor es fällt. Der Bischof von Reims bittet um Schonung für seine Stadt und zieht Psalmen singend den Hunnen entgegen. Mitten im Gesang wird ihm der Kopf vom Rumpf abgetrennt, andere ihn begleitende Geistliche werden als Geisel genommen. Kurz vor Paris hält Attila inne, doch niemand weiß warum er die Stadt verschont. Es heißt die heilige Genoveva wäre ihm erschienen und habe ihm prophezeit, dass Unheil ihn in der Stadt erwarte. Attila wendet sich ab und zieht in das offene Gelände der Champagne und richtet sich dort ein Feldlager ein. Ein Tag um den 20. Juni 451 ist der Beginn einer der entscheidenden entsetzlichsten Schlacht der Weltgeschichte. In der Nähe von Troix beginnt die Schlacht, in der sich das Schicksal Europas entscheidet, es beginnt die Schlacht auf den Katalaunischen Feldern. (die bis heute nicht genau lokalisiert werden konnte, aber meist bei Chalons-sur-Marne vermutet wird) Attilas Vielvölkerheer wurde von Römern und Westgoten zurückgeschlagen, aber nicht vernichtet. Attila zog sich zurück, was der römische Feldherr Aëtius zuließ, (um dann 452 in Italien einzufallen). Es soll eine der schrecklichsten Schlachten des Altertums gewesen sein. Die Römer wurden unterstützt von den Westgoten unter ihrem König Theodoros I. (er regierte 419-451). Zeitgenössische Geschichtsschreiber geben die Verluste unter Attilas Truppen mit 200 000 bis 300 000 Mann an, eine Zahl, die heute als stark übertrieben gilt. Teilweise von der Schlacht erholt, richtete Attila im folgenden Jahr seine Aufmerksamkeit auf Italien, wo er Aquilèia, Mailand, Padua und andere Städte verwüstete und gegen Rom vorrückte. Dieser Sachverhalt für sich genügt um festzustellen, dass es eine wirkliche Niederlage der Hunnen bei den Katalaunischen Feldern gegeben haben kann! Weshalb es damalszu Attila Abzug kam bevor er vernichtend geschlagen werden konnte , bleibt im Dunkel der Geschichte verborgen.

 

Rom entging jetzt der Vernichtung nur dank der Vermittlung von Papst Leo I., der den Hunnenkönig durch sein erhabenes Auftreten tief beeindruckt haben soll. 453 rüstete Attila erneut zu einem Angriff auf Italien, starb jedoch, bevor er seinen Plan in die Tat umsetzen konnte Attila starb 453 n.Chr. in seiner Hochzeitsnacht mit der Gotin Ildiko. Vermutlich wurde er ermordet Andere Quellen berichten dass er nach einem Saufgelage an seinem Erbrochene erstickt ist. Acht Jahre herrschte Attila .Acht Jahre Wahnsinn und Vernichtung, die die Welt veränderten Nach seinen Tod zerfiel sein Reich sehr schnell.

 

Die Hunnen in unserer Gegend

 

Mit seinem Heer, in dem auch sehr viele Ostgoten kämpften, fiel Attila 451 im Bund mit Geiserich, dem König der Wandalen, in Gallien ein. Er durchquerte mordend und brennend unsere Gegend, die sich von dem Germanendurchzug 406 noch nicht erholt hatte. Attila schlug damals für kurze Zeit sein Heerlager auf dem Hügel zwischen Beidweiler und Eschweiler auf. Ungefähr an der Stelle wo sich heute eine Kapelle befindet. Auch soll er zwischen Schieren und Ettelbrück eine Brücke über die Sauer geschlagen haben. Die vielen Hinweise auf die Hunnen im ganzen Land lässt darauf hinweisen dass sie sich hier schon etwas länger aufgehalten haben. Auf jeden Fall war es für die einheimische Bevölkerung eine schwere blutige Zeit.

 

Auszug aus:Teil 4 Die Völkerwanderung und das frühe Mittelalter, Commission Culturelle de la Commune de Junglinster, www.artlenster.com