DIE LANGOBARDEN

 

Ein weiteres Volk, das der Europäischen Geschichte ihren Stempel aufgedrückt hatte war das umstrittene Volk der LANGOBARDEN. Sie waren bekannt für ihre Disziplinlosigkeit und ihre Brutalität. So schillernd ihr Auftreten war, so unspektakulär war ihr Untergang. Ihren Namen haben die Langobarden der Legende nach von einer Schlacht. Dabei hatten sich ihre Frauen die Haare ums Gesicht gebunden, um wie Männer auszusehen. Als der Obergott Wodan erstaunt fragte, wer denn diese „Langbärte“ seien, hatte der Stamm so seinen Namen erhalten. Obwohl sich dieser Mythos einiger Beliebtheit erfreute, ist die Deutung, dass der Name sich von einer langstieligen Axt ableitet – ähnlich der Hellebarde – allerdings wahrscheinlicher.

 

Die Langobarden waren fanatische Krieger. Ihre eigentliche Eliteeinheiten, die Gefolgschaften, waren junge Burschen, die sich mit nichts anderes beschäftigten wie ihren Waffen und Pferde. In der Schlacht steigerten sie sich in wilder Ekstase in einen Blutrausch. Besonders trat hier die unheimliche Odinsgefolgschaft, die Harier, hervor. Für sie war der Kampf die einzige lebenswerte Form des Daseins.

 

Das historische Volk der Langobarden trat zum ersten Mal im 1. Jahrhundert vor Christus an der Niederelbe in Erscheinung – um sogleich auch wieder im Dunkel der Geschichte zu verschwinden. Auf Dauer sind sie dann im 6. Jahrhundert in Pannonien, dem heutigen Niederösterreich und Ungarn, wiederzufinden. Dort wurden sie zunächst noch durch oströmische Truppen in Schach gehalten. Die große Stunde der Langobarden schlug schließlich unter ihrem König Alboin. Die Art und Weise, wie Alboin Politik betrieb, entsprach dann auch dem Bild, das man von den Langobarden hatte. In einer Art antikem Pakt verbündete er sich mit dem Reitervolk der Awaren und überfiel das benachbarte Volk der Gepiden. Sie wüteten derart, dass das ehemals großen Volk der Gepiden fast ausgerottet wurde. Als Beute nahm er die Tochter des Gepidenkönigs, Rosemund, zur Frau und ließ sich aus dem Schädel seines besiegten Schwiegervaters einen Trinkbecher machen. Die mit den Langobarden verbündeten Awaren aber standen während des ganzen schaurigen Dramas Lanze bei Fuß und waren dann lachender Dritte. Ohne auf Widerstand zu stoßen überfluteten sie plündernd und mordend das Land der Gepiden.

 

Aber auch die Langobarden waren vom Krieg so geschwächt dass sie den Awaren, die jetzt auch in ihr Gebiet strömten keinen Wiederstand leisten konnten und Alboin erkannte zu spät auf was er sich eingelassen hat. Als Alboin allerdings feststellen musste, dass ihm die Reiter der kriegerischen Awaren nun ihrerseits immer mehr auf die Pelle rückten, sah er sich nach einem neuen Land um. Da Italien gerade von einem Jahrzehnte langen Krieg entvölkert war, zog er mit seinem Volk nach Süden und „eroberte“ Italien. Ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen, hatte er ein ganzes Land eingenommen. In Rom saß der Bischof, der sich Papst und Stellvertreter Gottes auf Erde nannte. Die Langobarden wussten nicht so recht was sie mit ihm anfangen sollten.

 

Auch hier finden sie in den zweihundert wichtigsten Jahre in dem sich das Papsttum festigt keine klare Linie. Schließlich wird ihnen ihre Unentschlossenheit und ihre Fehleinschätzung des Papstes als geistlicher Oberhirte zum Verhängnis. König Alboin aber wurde am 28. Juni 572 durch ein Komplott der Königin, die ihm nie verzieh dass er aus dem Schädel ihres Vaters, den er erschlagen hatte, einen Trinkbecher gemacht hatte und den er bei jeder Gelegenheit benutzte, umgebracht. Das Problem der Langobarden war ihre Diziplinlosigkeit und die Uneinigkeit der einzelnen Herzöge unter sich, die sich sogar noch untereinander befehdeten als die Nation gleichzeitig von den Franken und den Byzantiner angegriffen wurden. Sehr oft liessen sich einzelne Herzöge bestechen und wechselten zum Feind über. Die meist schwachen Könige der Langobarden , waren mit einigen herausragenden Ausnahmen, hauptsächlich mit der Vergrößerung ihrer eignen Latifundien beschäftigt. Im Gegensatz zu anderen Germanenreichen versäumten es die Langobarden in der Folgezeit aber, eine eigene Kultur zu prägen. So spricht der Kunsthistoriker Prof. Dr. Rupert Gebhard eher von einer „frühgermanischen Kunst langobardischer Prägung“. Für eine eigene Kultur fehle es bei den Langobarden an dem „Eigenimpuls“, mit dem sie schöpferisch tätig wurden. Die Langobarden waren zwar in unserer Gegend nicht aufgetaucht, sind aber wichtig weil sie Italien maßgeblich geprägt haben und durch ihre Politik gegenüber dem Papst das frühe Christentum sowie die vormittelalterlichen Stellung des Papstes beeinflusst haben.

 

Auszug aus:Teil 4 Die Völkerwanderung und das frühe Mittelalter, Commission Culturelle de la Commune de Junglinster, www.artlenster.com