DIE WANDALEN

 

Die ursprünglichen Sitze dieses (ost-)germanischen Volksstammes werden in Skandinavien und Dänemark verortet. Im ersten Jahrhundert verließen sie ihre Heimat und zogen nach Ostmitteleuropa, etwa in das Gebiet zwischen Oder und Weichsel, Netze-Warte und Karpaten. Dort bildeten die Wandalen das Hauptvolk der Kultgenossenschaft der Lugier. Im 2. Jahrhundert waren sie in die Hauptstämme Hasdingen und Silingen geteilt; im 4. Jahrhundert saßen sie in Ungarn an der Theiß als westliche Nachbarn der Westgoten. Erst die erneute Völkerbewegung, ausgelöst durch den Hunnensturm (um 400) und den Gotenzug, beendete diese Ära und die Wandalen zogen, begleitet von Sueben und Alanen, in Richtung Westeuropa, setzten am 31. 12. 406 bei Mainz über den Rhein, plünderten gemeinsam mit den Alanen und Sueben drei Jahre lang Gallien, bevor sie 409 mit ihren Bundesgenossen in Spanien einfielen.

 

407 eroberten die Wandalen Reims, wobei Bischof Nikasius den Tod gefunden haben soll. Die Daheimgebliebenen führten die wandalische Kultur fort und entfalteten reiche Blüte, von der archäologische Zeugnisse erhalten sind. So fand man Gräberfelder, Münzhorte, landwirtschaftliches Gerät und Eisenschmelzen in großer Zahl. Häufige Funde sind Keramiken, geschmückt mit Mäandern, Tiergestalten und Hakenkreuzen. Seit dem zweiten Jahrhundert ist der Gebrauch der Töpferscheibe belegt, dank der sich eine regelrechte Töpfereiindustrie entwickelte. Funde römischer Erzeugnisse und Münzen lassen auf regen Handel schließen, wobei den Wandalen der von den Römern begehrte Bernstein der Ostseeküste ein wichtiges Tauschgut war.

 

Vor den Römern, Westgoten und Sueben weichend, setzten 429 die hasdingischen Wandalen, in denen die Reste der Silingen und Alanen aufgingen, mit insgesamt 80 000 Menschen unter ihrem König Geiserich von Spanien nach Afrika über und gründeten ein rasch aufstrebendes Reich rund um Karthago (erst 439 erobert), das später um 442 von Rom anerkannt wurde. Die wandalische Flotte schlug die römische, beherrschte das Mittelmeer und plünderte die Küstengebiete, Nach erfolgreicher Eroberung des Gebietes schloss die Reichsregierung 436 einen Vertrag mit den Eroberern, der diesem Gebiete in Mauretanien und Numidien zugestand. 439 wurde aber unter Bruch des

 

Vertrags Karthago von den Wandalen und Alanen erobert. Sie errichteten nun ein Königreich in den reichen afrikanischen Provinzen Byzacena und Proconsularis (etwa Gebiet des heutigen Tunesien). Durch die folgenden Eroberungen von Sardinien, Korsika und den Balearen erreichte das Vandalisch- Alanische Reich die Hegemonie im westlichen Mittelmeer. 455 plünderten die Vandalen und Alanen unter ihrem König Geiserich Rom (unter anderem deshalb Vandalismus als Bezeichnung für verwüstendes Zerstören). Das war aber kein Piratenzug, sondern ein Eingreifen in die höchste Ebene der Reichspolitik. Der Kaiser Valentinian III. hatte seine Tochter als Braut dem vandalisch-alanischen Thronfolger, den Sohn Geiserichs versprochen. Um diese vorteilhafte dynastische Verbindung zu sichern, wurde die Hauptstadt angegriffen. Es war das Ziel der Krieger aus dem Barbarenland gewesen, in der Macht- und Geldelite des römischen Reichs einen Platz einzunehmen. Dies hatten die vandalischen und alanischen Krieger damit für kurze Zeit erreicht.

 

Gegend 533/34 zerstörten byzantinische Truppen unter Belisar (Feldherr Kaiser Justinians) das wandalische Königreich. König Gelimer geht ins Exil. In den Quellen gibt es von da an keine Vandalen und Alanen als selbstständiges Volk mehr. Sie wurden wohl kaum alle hingeschlachtet, nur gingen sie in der Geschichte unter. Vandalische Kämpfer und Soldaten waren in den römischen Legionen wegen ihrer kämpferischen Fähigkeiten hochwillkommen. Einer von Ihnen, Stichlio, brachte es sogar zum römischen Heerführer. Die rassigen vandalischen Mädchen wurden wegen ihrer Schönheit von der römischen und Byzantinischen Oberschicht als Sklavinnen begehrt.

 

Die Könige der Vandalen waren alle Arianer und unterdrückten die katholische Kirche. Dies führte 484 sogar zu einer blutigen Katholikenverfolgungen unter Hunerich, dem Sohn von König Geiserich. Erst im Jahr 523, unter König Hilderich wurde der Katholizismus erlaubt. Die Wandalen, Sweben und Alanen, die 406 in Gallien einfielen zogen teilweise auch brandschatzend durch unsere Gegend. Von Mainz her kommend standen die Horden auch bald vor Trier. Die Stadt wurde kampflos genommen. Die römische Besatzung war bis auf die Notbesatzung zur Zeit abgezogen und die verängstigten Bewohner retteten sich in die befestigte und von den Römer verteidigte Arena. Von hier konnten sie zusehen wie ihre Stadt zerstört wurde. Nachdem auch das ganze Landgebiet inklusiv unsere Gegend weiträumig geplündert war zog die Meute weiter gegen Paris.

 

Auszug aus:Teil 4 Die Völkerwanderung und das frühe Mittelalter, Commission Culturelle de la Commune de Junglinster, www.artlenster.com