133 v. u. Z.
133 v. u. Z.

113 vor Chr. erreichten Gerüchte Rom, dass weit im Norden, jenseits der Alpenpässe, ein Volk auf Wanderschaft wäre, das riesig an der Zahl sei. Sie hätten alles dabei, Kind, Hund und Vieh und wären in Millionenzahl unterwegs. 300.000 Mann Krieger, wahre Hünen, welche furchterregend aussehen. Sie hätten Langschwerter und Wurfspeere, eichene Buckelschilde dabei. Dieses Volk kam vom Nordmeer herunter, sie hatten ihr Land verlassen wegen Überflutungen und Missernten. Und doch waren die Kimbern fast 10 Jahre unterwegs, bevor sie auf die Römer trafen. Sie kamen aus dem Himmerland, einer bezaubernden Landschaft im dänischen Jütland, zwischen Limfjord und dem Mariagerfjord gelegen. Der Grund ihrer Völkerwanderung waren ausgebeutete Äcker, welche unfruchtbar durch wiederholte Überflutungen geworden waren und Überbevölkerung. Sie sollten dem Volk der Kelten angehören oder auch dem Volk der Skythen, sie selbst bezeichneten sich aber als Kimbern. Das ist die erste nachgewiesene Erwähnung eines germanischen Stammes. Während ihrer Landsuche trafen die Germanen in der Nähe von Noreia (Balkan) auf die Taurisken, einem Volk, welches mit den Römern verbündet war. Nur deswegen entschieden sich die Römer überhaupt, auf die Germanen zu reagieren. Die Römer unter Konsul Papirius Carbo befürchteten, dass die Germanen in Norditalien einfallen würden und griffen zu einer List. Sie forderten die Germanen auf, gen Norden zu ziehen und währenddessen griffen die Römer bei Noreia an. Dieser Plan jedoch schlug fehl und die Römer zogen sich nach schwersten Verlusten in die Wälder zurück. Mit diesem dramatischen Zug der Kimbern traten die Germanen in das Licht der Geschichte! Nach ihrem unfreiwilligen Sieg wanderten die Kimbern nordwestwärts durch das Pustertal über den Brenner zu den keltischen Helvetiern in die heutige Schweiz. Dort wurden sie aufgenommen und blieben eine Zeitlang.

 

Wenn man sich den Zug der Kimbern anschaut, muss man auch die Teutonen erwähnen, sie waren Brudervölker, Cimbri Teutonique. Unklar ist dabei, ob sie überhaupt gemeinsam aufgebrochen sind. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vereinigten sich die Kimbern und Teutonen sowie die mitgezogenen Ambronen und Teile der Helvetier im Helvetierland, um gemeinsam nach Gallien zu ziehen. Sie zogen über den Rhein ins Tal der Rhône, mit den keltischen Sequanern wurden Durchzugsverträge geschlossen. Wieder treffen die Germanen auf römisches Interessengebiet, das Gebiet der Allobroger, wenn dieses Gebiet erobert worden wäre, wäre der Westweg nach Italien frei gewesen.

 

Konsul Junius Silanus trat den Kimbern und Teutonen mit einem Heer entgegen. Die Germanen wollten auch diesmal nur Land, dafür boten sie auch ihre Waffen an gegen gemeinsame Feinde. Germanische Gesandte wurden weiter nach Rom geschickt, um dort zu verhandeln. Doch die Diplomatie versagte, die Römer misstrauten dem Angebot, da gerade zu dieser Zeit gallische Bundesgenossen von ihren Verträgen abfielen. Von Rom wurde der Vorschlag gemacht, dass sie weiter nach Spanien ziehen sollten.

 

Der römische Konsul Silanus überfiel ohne Ermächtigung Roms die Germanen. Doch die Geschichte wiederholte sich und die Römer erlebten eine Niederlage in viel schlimmerem Ausmaß als bei Noreia. Vier Legionen der Römer (über 24.000 Mann) wurden vernichtend geschlagen. Die Germanen zogen nun über vier Jahre plündernd durch Südfrankreich, bevor sich die Kimbern und Teutonen wieder vereinigten.

 

Nun standen ihnen an der Rhonelinie drei starke römische Heere gegenüber, in die Geschichte eingegangen als die Schlacht bei Arausio. Prokonsul Caepio am Westufer, Konsul Maximus am Ostufer und Konsul Scaurus im Norden. Es kam zu einer Schlacht auf der Ebene zwischen Aurasio und der Rhône am 6. Oktober 105 v. Chr.. Der genaue Ablauf der Schlacht ist nicht bekannt, aber man weiß, dass Caepio den Oberbefehl seines Heeres nicht an Mallius Maximus abtreten wollte, weil dieser, wie er meinte, von zu geringem Stand gewesen wäre. Die Spaltung führte dazu, dass drei etwa gleich starke römische Heere, die nicht zusammenarbeiteten, gegen die Feinde geführt wurden. Nach Angaben des Valerius Antias wurden etwa 80.000 Legionäre und 40.000 Trossknechte und Marketender erschlagen. So sollen die Gewänder der Gefallenen in Kot gewälzt worden sein, Gold und Silber wurde in den Strom geworfen, Panzer zerhauen, der Schmuck der Pferde vernichtet und die Pferde selbst im Fluss ertränkt, die Menschen wurden an Stricken erhängt. Die Germanen machten keinerlei Beute, der Sieger kannte kein Erbarmen mit dem Besiegten, die Erhängten wurden dem Gott Wodan geweiht, Wodan war neben Vater der Götter und Menschen auch Kriegs- und Totengott und der Gott der Gehängten. Angaben über die Verluste auf Seiten der Kimbern und Teutonen gibt es nicht. Wider Erwarten und entgegen allen Befürchtungen zogen die Sieger nicht weiter in Richtung Rom. Die Kimbern wanderten stattdessen westwärts nach Spanien, die Teutonen dagegen ins Innere Galliens auf der Suche nach Land und Siedlungsraum.[1]

 

Rom musste auf diese Niederlage antworten! Gaius Marius wurde der Oberbefehlshaber und designierter Retter Roms, er war ungewöhnlich tapfer und in seinen Adern floss kaltes Blut, aber er entstammte keiner adligen Familie. Somit war er ein geduldeter Emporkömmling! Aber er war bescheiden und unbestechlich. Seine neue Armee bestand aus Soldaten, die aus den Slums Roms kamen, sie waren Sklaven, Asoziale, Glücksritter, Gescheiterte und Proletarier.

 

Im Frühjahr 104 v. Chr. erfolgte der Auszug aus Rom an die Rhône, doch kein Germane war mehr vor Ort. Marius drillte seine Soldaten, die alte Schlachtordnung wurde beseitigt, es gab keine Adligen, keine Bürger und keine Plebejer, nur noch Krieger. An der Tagesordnung waren nun Gewaltmärsche und Schanzarbeiten bis in das Jahr 103 v. Chr. hinein. Marius erwartete die Kimbern und Teutonen in einem stark befestigten Lager, im Flusswinkel der Misere und der Rhône, was gleichzeitig die Pässe über den St. Bernard und den Mont Genévre sperrte. Die Teutonen waren in den vergangenen Jahren durch den Norden Frankreichs gezogen, um sich schließlich mit den Kimbern in der Normandie zu vereinigen. Beide Stämme hatten inzwischen immense Beute gemacht, aber ihr eigentliches Ziel nie erreicht. Die Landnahme war gescheitert, da es viele undurchdringliche Wälder, Hochmoore oder sumpfige Niederungen gab. Bei dem Einfall in Italien ließ man den Großteil des Trosses mit ca.6000 Kriegern in Belgien zurück. Sie wurden später zum Stamm der Aduatuker. Die Kimbern gingen wieder über den Rhein und marschierten auf die Ostalpen zu.

 

Die Teutonen zogen die Rhône abwärts. Es erfolgte ein sofortiger Angriff auf die Römer in dem Flusswinkel Misere/Rhône. 3 Tage kämpften sie, am vierten Tag zogen die Teutonen weiter; angeblich zog der Tross 6 Tage an den Römern vorbei. Dadurch konnten sich die Römer ein Bild von den Germanen machen. Die Römer zogen den Germanen tagelang nach und suchten bei Aquae Sextiae die Entscheidung mit der Vorhut der Teutonen, den Ambronen. Es kam zur 1. großen Schlacht der Ambronen gegen die Trossknechte der Römer bei den heißen Quellen der Arc. Die Tage darauf stürmten wütende Germanen hinauf in die Römerlager. Die Römer waren mit ihren Wurfspeeren im Vorteil. Die Germanen wurden in die Ebene bei Montaigquet abgedrängt. Der Kampf Mann gegen Mann dauerte eine ganze Nacht und den nächsten Tag, die Römer fielen den Teutonen mit 3000 Legionären in den Rücken. Geschichtsschreiber streiten sich um die Anzahl der Toten. Laut Vellerius waren es 150tausend Tote, laut Plutarch 100tausend Tote und gefangene Teutonen. Mit der Asche der Toten sollen die Marseiller für Jahre ihre Weinberge gedüngt haben, was ihnen eine überschwengliche Fülle von Früchten eintrug. Teutobod (König der Teutonen) wurde gefangen genommen, als er bei den Sequanern im Norden mit seinem Gefolge Zuflucht suchte. Er wurde an die Römer ausgeliefert, diese wiederum krümmten ihm kein Haar, sondern er wurde mit Vorzug behandelt, um ihn für den Triumphzug in Rom aufzuheben. Das war die Sternstunde für Marius Gaius, die Schmach von Aurasio war getilgt!

 

Die Kimbern dagegen zogen über den Brenner und ließen sich in Norditalien nieder, wo es fruchtbares Land, Fleisch und Wein gab. Sie hatten das ewige Reisen und kaltes Wasser satt. Ein Jahr waren sie in der Poebene, dann kam Marius Gaius, doch die Kimbern wollten nicht kämpfen. Sie wollten eine Sanktionierung der Landnahme und warteten auf die Teutonen. Sie konnten nichts wissen von dem Untergang der Teutonen. Zu damaligen Zeiten gab es schlechte Nachrichtendienste. Marius Gaius zeigt den Kimbern, dass die Teutonen längst da waren und präsentiert ihnen den Gefangenen Teutobod. Boiorix, König der Barbaren, möchte, dass die Römer Ort und Zeitpunkt der Schlacht bestimmen. Marius Gaius schlägt ihm Vercellae vor, Hauptstadt der römischen Provinz Piemont. Dieser Platz ist eine weite Ebene mit sengender Sonne und die Kimbern müssen gegen die Sonne kämpfen. Auch von den Staubaufwirbelungen zur Mittagshitze wissen die Kimbern nichts. Dies war der entscheidende Vorteil von Marius Gaius. Die Kimbern hatten zwar bessere Ausrüstungen als die Teutonen vor einem Jahr, trotzdem wurden die Germanen von der römischen Kavallerie zurückgeworfen. Die Germanen stießen voran, trafen auf das römische Zentrum und drangen in einer Rechtsschwenkung in die Nahtstelle zwischen Zentrum und Linkem Flügel ein. Die Römer hielten das für Flucht und verfolgten die Germanen, doch sie stießen ins Leere. Daraufhin entstand ein Chaos, beißender Staub, Sonnenglut und Waffenlärm und dumpfes Getöse aus der Wagenburg der Germanen, welches die Frauen der Germanen veranstalteten mit Trommeln und Stöcken. Der 30.Juli 101 v. Chr. wurde auch für die Römer ein langer blutiger Tag, bis sie es endlich schafften, die Germanen mit 2 Flanken zu umfassen. Panik brach bei den Germanen aus. Als Boiorix fiel, wateten die Legionäre bereits durch ein Meer aus Blut und stiegen über aneinander gefesselte Germanen, bis sie zu der Wagenburg vorstießen, die von den germanischen Frauen verteidigt wurde. Circa 300 Frauen überlebten die Schlacht; Gaius widersprach ihrer Bitte, sie zu schonen, sie waren Beute der Legionäre. Die Frauen richteten sich selbst, indem sie sich und ihre Kinder erhängten, oder sie erstachen sich, oder erwürgten sich gegenseitig. Gaius Marius kehrte mit einem Triumphzug nach Rom zurück, Teutobod lag in Ketten, Rom war vorerst gerettet.

 

Der Massenselbstmord der Frauen, der Freitod der Herzöge, das Aneinanderfesseln der Vorkämpfer und die Aufforderung an die Römer, den Schlachtort- und –tag zu bestimmen, zeugt von einer gewaltigen religiösen Kraft der Kimbern. Sie sahen es als Gottesurteil an, entweder Sieg oder Untergang!

 


[1]www.wikipedia.org/w/index.php?title=Provence&oldid=65906064