Germanen in ihrer Tracht
Germanen in ihrer Tracht

Die Namensdeutung des Wortes „Germane“ gestaltet sich nicht ganz so einfach. So gibt es verschiedene Namensdeutungen z.B. nach R. Simek, geografische Beschreibungen oder auch nur solche Beschreibungen, damit der Feind einen Namen bekam. So waren die Gallier unmittelbare Nachbarn der Germanen und mussten fürchten, dass sie von ihnen vertrieben wurden. Deshalb gaben sie dem Feind einen Namen. Das Wort „Germane“ selbst kommt nicht aus dem Lateinischen oder dem Keltischen. Lateinisch „germanus“ bedeutet verschwistert, leiblich oder echt. Keltisch „garmen“ bedeutet Geschrei.

 

Danach wären die Germanen Schreier gewesen. Und im Illyrisch-thrakischischen „germos“ bedeutet es „warm“, dass heißt die Germanen wären Hitzköpfe. Nach anderen Deutungen kamen die Germanen in den Genuss Waldleute, Nachbarn, Speermänner, die Begehrten, die Willkommenen zu sein. Es gibt eine interessante Deutung aus dem Alt-Englischen „geormenleaf“ (Malvenart mit spitzen, zackigen, hervorstechenden Blättern). Daraus könnte sich die Erschließung von geormenleaf zu germana ergeben haben, welche übersetzt hervorragend und groß bedeutet! So wären also die Germanen die Hohen und die Großen, was man in physischer wie in psychischer Beziehung verstehen kann. Die Germanen selbst empfanden sich nicht als Nation, doch waren sie sich ihrer Verwandtschaft bzw. ihrer gemeinsamen Abstammung bewusst.

 

In alten Liedern, welche die einzige Art geschichtlicher Überlieferung darstellt, feiern die Germanen einen erdentsprossenen Sohn Tuisto. Ihm schreiben sie einen Sohn Mannus zu (Mann, Mensch), den sie als Stammvater und Begründer ihres Volkes preisen. Dieser soll drei Söhne gehabt haben; die allerdings keine Stämme, sondern Kulturgemeinschaften bezeichneten. Der erste Sohn stellt die an der Nordsee lebenden Ingovänen dar. Für die Fruchtbarkeit der Felder und die Ernte war der Gott Ing-Wane zuständig, welche von den Hünengräbern eingebracht wurde. Der zweite Sohn stand den Erminonen vor. Ermin, der Erhabene war die oberste Gottheit im Binnenland. Der dritte Sohn führte die Istovänen am Rhein. Diese drei Gemeinschaften sprachen die gleiche Sprache und das Bewusstsein für eine Zusammengehörigkeit. Man sprach vom sogenannten Gemeingermanischen.

Caesar (Gallische Kriege um 52 vor Chr.) versuchte keineswegs das erste Mal, den Germanen einen Namen zu geben. Schon ca. 200 v.Chr. waren die Germanen in Rom bekannt. Bei der Unterwerfung der im heutigen Frankreich, Belgien, des linksrheinischen Deutschlands, in der Schweiz siedelnden Gallier durch Caesar waren eigentlich Germanen gemeint. „Germanische Stämme“ stellten eine Bedrohung dar und waren ein Unruhefaktor für die unterworfenen Gallier des römischen Imperiums. Betitelt wurden die Germanen erst durch die Kimbern und Teutonen.

 

Auszug aus: "Germania", C. Tacitus. Ursprung, Lage, Sitten und Völker der Germanen, ca. 98 n. Ch., „Die Germanen“, Rudolf Simek, Reclam Verlag Stuttgart, 2006 und
„de Bello Gallico“ , Gaius I. Caesar, Die gallischen Kriege 58 bis 51/50 v. Chr.