Quintilius Varus war schon zu Lebzeiten verschrien. Er bekam ausnahmslos schlechte Zensuren und war der Verlierer ohne Würde.

 

Varus war der Verwalter der Provinz Afrika, Statthalter in Syrien, zeitweise politischer Berater des Königs Herodes, er schlug den Judenaufstand nieder und besetzte Jerusalem. Jesus wurde unter der Statthalterschaft des Varus geboren. Varus verließ Syrien als reicher Mann. Gekommen war er in ein reiches Land, danach war Syrien arm.

 

Kaiser Augustus befehligte Varus nach Germanien-„in ein Land, über dessen Bewohner man immer wieder siegte, ohne sie zu besiegen“.Das Land zwischen Rhein und Elbe war im 1. Jahrzehnt nach Christus halbwegs befriedet, doch einige Bündnisverträge bröckelten. Immer wieder gab es aufflammende Kämpfe, ganze Dörfer in Flammen, Strafexpeditionen der Römer wurden mit erbarmungsloser Härte geführt, Tausende kamen in Sklaverei, ganze Völker wurden umgesiedelt. Augustus verfolgte damit das Fernziel der Gewinnung der Elblinie! Varus erschien im Jahr 6 nach Christus in Germanien, welches gewaltvoll befriedet worden war. Es herrschte eine trügerische Ruhe in einem unterentwickelten Land, welches wild und rau war. Zu seinen Aufgaben zählten die Bildung einer Provinz, Einführung eines Maß-, Münz- und Gewichtssystems, Aktivierung der Wirtschaft, Ausbeutung von Bodenschätzen, Verbesserung der Landwirtschaft, Einführung eines römischen Rechts- und Steuergesetzes, denn Varus war Verwaltungsfachmann.

 

Das Germanische Recht lebte von ungeschriebenen Gesetzen. Bei Mord, Verrat, Ehebruch und Meineid brauchte man keine Verurteilung zu fürchten, wenn man zu seiner Tat stand. Man musste nur die Blutrache der Sippe fürchten - Gleiches wurde mit Gleichen vergolten oder Gottesurteile waren zu bestehen, welche als Prüfungen oder Freikämpfe mit Urteil der Götter ausgeführt wurden. Varus hingegen vertrat das römische Recht mit brutaler Härte wurde vollstreckt- Stockhiebe, Folter, öffentliche Folterung und Hinrichtungen. Diese Methoden enthielten ein großes Potential für den Hass auf die Römer genauso wie die Rechtsprechung und die Abgabe von Steuern als Entehrung des germanischen Ansehens allgemein angesehen wurden.

 

Arminius war laut Paterculus „ein junger Mann von vornehmer Abstammung, persönlicher Tapferkeit, rascher Auffassungsgabe und einer genialen Klugheit, die normalerweise jenseits eines Barbaren liegt“, schon sein Gesichtsausdruck und seine Augen verrieten das Feuer des Geistes.

 

Er stammte aus einer vornehmen adligen Cheruskerfamilie, die ihre Kinder in römische Obhut gaben, welche dann zur römischen Schule gehen mussten; Arminius trat später in römische Heer ein. Dort lernte er Velleius kennen, diente mit ihm in Germanien und wurde später Führer von germanischen Hilfskorps bei der Niederwerfung des Aufstandes im Balkan. Er wurde mit Ritterehren ausgezeichnet und erhielt die höchste Würde im Bündnis mit Roms Macht, das römische Bürgerrecht.

 

Im Jahre 8 vor Christus kehrte er mit der Überlegenheit der römischen Macht zurück nach Germanien, denn der Tod des Vaters erforderte einen Nachfolger. Arminius war jetzt ausgestattet mit diplomatischen Geschick, psychologischen Einfühlungsvermögen und Raffinesse, er kannte die römische Militärtechnik, Taktik und Strategie und sprach fließend Latein. Er wusste, dass die Römer in offener Feldschlacht nicht zu schlagen waren. Vielmehr waren Partisanenkämpfe erforderlich, wie die Illyrer und Pannonier ihm das während des Balkankrieges vorgemacht hatten. Arminius war verschwiegen, nur Eingeweihte wussten um seine Pläne. Er reiste unter Vorwänden durch die Gaue, verhandelte mit Fürsten vieler Stämme wie zum Beispiel den Chatten, Argriovanern, Chattnariern, Usipetern, Tubautenern, Kalukonen, Marsern und Brukterern. Arminius schaffte es, dass es zu einer Einigung der zerstrittenen Stämme innerhalb weniger Monate kam, auch Druck und die Gefangennahme von Unwilligen waren ihm Recht.

 

Arminius täuschte Varus. Er traf ihn in seiner größten Schwäche, seiner Eitelkeit bezüglich seiner juristischen Fähigkeiten des römischen Rechts. Laut Vecellius “seien die Barbaren trotz aller Wildheit äußerst gerissen, geradezu geboren zur Verstellung“. Kurz vor dem Verlassen des Sommerlagers von Varus hatte Arminius die Empörung eines „entfernt wohnenden Stammes“ melden lassen. Varus nahm den Köder an und wollte auf dem Rückmarsch zum Winterlager den Aufstand niederschlagen. Damit konnte Arminius Ort und Zeitpunkt einer Schlacht diktieren. Segestes enthüllte das Komplott und verriet Varus bis ins Detail den Verrat, doch Varus glaubte ihm nicht. Arminius, als Sohn des Varus mit Ritterehre, würde ihn nie verraten. Varus entsendet die Auxilien, dann rücken drei Legionen durch die „porta praetoria“, das Tor des Glücks, des Sommerlagers aus. Es war ein besonders großer Tross. Auf Grund der Bequemlichkeit der Offiziere wurde mit vielen Sklaven, Freigelassenen, Ehefrauen, Prostituierten, Marketendern und Hasardeuren gereist. In 6er Reihen bewegten sich die Kolonnen vorwärts, keine Gefechtsbereitschaft war vorhanden, wie ein Heerwurm oder Lindwurm in der Landschaft waren sie, unbeweglich und langsam.

 

Es war kein Hinterhalt geplant, da germanische Stammesfürsten den Tross im Gefolge des Varus selbst begleiteten, um dann gemeinsam den Aufstand niederzuschlagen. Es war aber so dass die germanischen Truppen längst vor Ort waren, eine Geisterarmee. Arminius hatte es geschafft, dass sich zwischen Mittelrhein und Mittelweser immer mehr Stämme dem Aufstand anschlossen, und so mussten auch die römerfreundlichen Fürsten nun mitmachen. Die bei den Stämmen positionierten Kommandos der Römer waren längst niedergemacht und das Terrain wurde unwegsamer und waldiger. Viele Schluchten mussten passiert werden und ein tagelanger Regen setzte ein. Die erste Angriffswelle erfolgte ausgerechnet von den germanischen Auxiliar Reitern, dem eigenen Flankenschutz des Varus. Die germanischen Krieger zu Fuß waren schnell und beweglich mit ihren leichten Waffen und kurzen Angriffen in unwegsamem Gebiet. Es waren vernichtende Angriffe, die die Marschordnung der Römer zerstörten. Varus gab keine Order, den Feind zu verfolgen. Bei Einbruch der Nacht errichteten die Römer ein Feldlager mit Gräben, Wall und Palisaden. Die Moral der Römer war hier schon stark erschüttert und Varus hoffte auf Arminius. Am nächsten Morgen gab Varus den Befehl, den Tross zurückzulassen und alles zu verbrennen. Während des Weitermarsches öffnete sich das Gelände zeitweise, doch die nun wieder gewonnene Schlachtordnung wartete vergebens auf die Keilformation der Germanen, denn Arminius bleibt bei seiner Guerillataktik. Die Angriffe wurden an Zahl und Häufigkeit immer grösser, und das zweite Nachtlager glich eher einem Verhau, Gräben gab es nicht mehr.

 

Am dritten und letzten Tag führte der Weg weiter in versumpftes Waldgebiet. Die Römer besaßen nur noch ein stark zusammengeschmolzenes Heer, in welchem ohne Moral marschiert wurde und Angst und Tragödien an der Tagesordnung waren. Sturzflutartiger Regen, Sicht nur auf wenige Meter, und die Schlachtgesänge der Germanen waren jetzt überall zu hören, insbesondere durch den Zuzug von Stämmen, die Beute witterten. Die Römer wehrten sich mit dem Mut der Verzweiflung, doch die römische Kavallerie floh und wurde vernichtet. Varus stürzte sich in sein eigenes Schwert. Tausende von verstümmelten Leichen bedecken den Waldboden. Von Varus Leichnam (verkohlt, da von den Römern selbst verbrannt, um nicht geschändet zu werden) wird der Kopf zu Marbot dem Markomannenkönig gebracht, damit sich dieser dem Aufstand anschließen soll, der aber lehnt ab und schickte den Kopf weiter nach Rom. Arminius spricht auf einem Hügel zu den germanischen Kriegern und dankte ihnen für den vollkommenden Sieg. Nur einige versprengte Römer konnten sich in das Kastell Aliso retten.

 

6 Jahre später suchte der römische Feldherr Germanicus das Schlachtfeld. Das erste Lager des Varus mit seinen gewaltigen Ausmaßen von 3 Legionen war noch deutlich erkennbar, ein halbfertiger Wall mit flachem Graben, überall lagen Knochen verstreut oder zu Hügeln gehäuft oder an die Bäume genagelt. Die Legionäre, die damals fliehen konnten, erklärten Germanicus, was passierte. Germanicus ließ alle Knochen beerdigen, damit erwies er den gefallenen Soldaten die letzte Ehre.

 

Die Namen der 17., 18. und 19.Legionen wurden für immer aus den Heereslisten getilgt. Den Überlebenden der Katastrophe war es verboten, jemals wieder Italien zu betreten. Man wollte keine Zeugen vom erneuten furor teutonicus!

 

Diese Textpassage spiegelt sich in den Büchern des Literaturverzeichnisses wider.