Nach antiker Überlieferung soll Rom im Jahre 753 v. Chr. gegründet worden sein. Legendärer Gründungsvater und erster König der Stadt war Romulus. Mit der Vertreibung des letzten Königs der Etrusker Tarquinius Superbus (509 v. Chr.) und der Errichtung der Republik begann der allmähliche, aber unaufhaltsame Aufstieg der Stadt am Tiber, zunächst in Italien, dann im gesamten Mittelmeerraum. Die lange Auseinandersetzung mit den Karthagern (»Punische Kriege«) endete 146 v. Chr. mit der vollständigen Zerstörung der Stadt Karthago und der Zerschlagung der Macht der Karthager. Im selben Jahr wurde auch Griechenland römische Provinz. Rom war nun zur führenden Großmacht der Alten Welt aufgestiegen.

 

Das republikanische Rom

 

Zur Zeit des Gaius Julius Caesar (* 100, † 44 v. Chr.), um die Mitte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts, dürfte Rom etwa 700 000 Einwohner gehabt haben. Die republikanische Stadt, aus Tonziegeln, Holz und Stein gebaut, hatte noch nichts von der späteren kaiserlichen Pracht. Die Menschen drängten sich in engen, überwiegend dunklen Gassen, die von planlos errichteten mehrstöckigen Mietshäusern (»Insulae«) gesäumt wurden. Das Forum Romanum war der Knotenpunkt der Römischen Republik. Hier standen die wichtigsten Bauwerke der Stadt: Kaufhallen, Amtsgebäude, Rednerbühnen, Ehrenstatuen und Tempel. Großkaufleute und Finanziers wickelten in den Markthallen (»Basilicae«) weltweite Geschäfte ab. Die Häuser für Handel und Wirtschaft waren sogar stattlicher als die Regierungsgebäude. Der Kurie, dem Versammlungsraum für die Senatoren und Konsuln, sah man ihre überragende Bedeutung für das Gemeinwesen hingegen kaum an. Aber sie war das politische Zentrum der Länder am Mittelmeer. Neben der Kurie versammelte sich das Volk (»Populus romanus«) und verhandelte über die wichtigsten Angelegenheiten des Staates. Hier wurde auch zum Krieg gerufen, wenn die Priester den Sieg prophezeiten.

 

Der griechische Geschichtsschreiber Polybios (* um 200, † 120 v. Chr.) geht in seiner »Universalgeschichte in 40 Büchern« der Frage nach, was die Stärke der Römer ausmache und sie zur Weltherrschaft befähige. Der Grieche wusste die (aus seiner Sicht) fremden Römer scharfsinnig zu beobachten und rühmte ihre staatserhaltenden Tugenden – ihre Tapferkeit (»Virtus«) und ihre Fähigkeit, sich im gesellschaftlichen Leben Ansehen (»Dignitas«), Ehre (»Honor«) und Autorität (»Auctoritas«) zu verschaffen. Im Heer, das sich aus freien Bürgern sowie den Hilfstruppen der Bundesgenossen rekrutierte, herrsche Disziplin (»Disciplina«). Vor allem aber sei die Verfassung der Römer ein Garant ihrer Staatskunst: Man könne, so Polybios, »unmöglich ein besseres Verfassungssystem finden. « Leitendes Prinzip dieser römischen Verfassung war eine vielfach gegliederte Gewaltenteilung. Hatten anfänglich nur die vornehmen Patrizier Zugang zu den höchsten Ämtern der Republik, so vermochten die Plebejer in der Volksversammlung durch ihre Führer, die Volkstribunen, schon bald den Zugang zu den wichtigsten Staatsämtern durchzusetzen. Seit 287 v. Chr. hatte ein Beschluss der Plebs (»Plebiszit«) Gesetzeskraft. Die höchsten Beamten (»Magistrate«) waren die Konsuln, die jeweils für ein Jahr gewählt wurden und die obersten Staatsgeschäfte leiteten. Ihnen zur Seite trat das Gremium der 300 Senatoren im Senat, das die Beamten in allen ihren öffentlichen Aufgaben beriet. Römische Beamte – das waren neben den soeben genannten Konsuln vor allem die »Quaestoren« (zuständig für die Staatskasse) sowie die »Praetoren« (zuständig für die Rechtsprechung). Seit 180 v. Chr. war die politische Laufbahn der Römer (»Cursus honorum«) genau festgelegt. Danach konnte niemand sofort in die höchsten Staatsämter berufen werden; und wer sie innehatte, stellte anschließend seine Regierungserfahrung durch Mitgliedschaft im Senat zur Verfügung. Man erkennt unschwer: Die Römer unterließen nichts, ihre durch und durch auf Herkommen, Tradition und Erfahrung basierende Republik (»Res publica«) zu bewahren.

 

Am Ende herrscht Bürgerkrieg

 

Aber Rom war der Mittelpunkt der Alten Welt geworden. Das fein abgestimmte Verfassungsgefüge geriet allmählich ins Wanken, weil die Verantwortung, die die Stadt nach innen wie nach außen wahrzunehmen hatte, die politischen Erfahrungen der Römer bei weitem überstieg. In den letzten Jahrzehnten der römischen Republik herrschte erbitterter Bürgerkrieg. Die vielen Kriege schwächten die freien Kleineigentümer, während die Großgrundbesitzer die nach Rom mitgeführten Sklaven auf ihrem Landsitz einsetzen konnten und deshalb zu einer »rationalen« und marktorientierten Produktionsweise übergingen. Den großen politischen Feldherren des Zeitalters wie Marius (* 156, † 86 v. Chr.), Sulla, (* 138, † 78 v. Chr.), Pompeius (* 106, † 48 v. Chr.) oder Caesar war bewusst, dass sie für die große Masse ihrer länger dienenden, zumeist Land- und besitzlos gewordenen Soldaten etwas tun mussten. Die Römer befanden sich in spätrepublikanischer Zeit in einem Teufelskreis: Ihre Kriege führten zur Konzentration der Reichtümer in den Händen weniger, während die Lage der freien und wehrfähigen, aber verarmten Schichten die Heerführer zur Forcierung der Siedlungs- und Kolonisationspolitik, das heißt: zu weiteren Kriegen antrieb und antreiben musste. Die Tore des Janustempels auf dem Forum Romanum, die nach uralter römischer Tradition nur in Friedenszeiten geschlossen werden durften, blieben nun fast ständig geöffnet.

 

Auszug aus: Römer und Germanen, Rom – Mittelpunkt der Alten Welt, S. 4