Die Wikinger

 

 Die Bewohner Skandinaviens im 9.-11. Jahrhundert, die auf dem Kontinent und den Britischen Inseln als Krieger, Händler und Siedler auftraten, werden als Wikinger bezeichnet.

793
Wikinger aus Norwegen plündern das englische Kloster Lindisfarne; der Überfall gilt als Beginn der Wikingerzeit.

804
Erste Erwähnung des Ortes „Sliesthorp“ an der Schlei; von Skandinaviern „Hedeby“ genannt, von den Slaven „Schleswig“.

808
Gotfrid, König der Dänen gründet bei „Sliesthorp“ den Handelsplatz Haithabu und ordnet zu dessen Schutz einen Ausbau des Dannewerkes an.

823
Erzbischof Ebbo von Reims, von Papst Paschal I. dazu ermächtigt, predigt das Evangelium bei den Dänen.

832
Weihe Ansgars zum Bischof des in Hamburg frisch geschaffenen Bischofssitzes, der bald darauf vom Papst in ein Erzbistum umgewandelt wird; von hier aus sollen die heidnischen Länder im Norden und Osten bekehren.

 

Dank ihrer Überlegenheit als Seefahrer beherrschten sie seit dem 9. Jahrhundert die Handelswege in vielen Teilen Europas. Sie begründeten Handelsstädte wie Birka und Haithabu.

 

845
Plünderung Hamburgs durch Wikinger, Verlegung des Bischofssitzes nach Bremen; heidnischer Überfall auf Birka lässt die Missionare fliehen.

848
Ansgar erhält zusätzlich zu Hamburg den Bischofssitz in Bremen.

ca. 850
Horik I., König der Dänen, gestattet Ansgar in Haithabu und Ribe Kirchen zu bauen.


ca. 870
Beginn der norwegischen Landnahme auf der menschenleeren Insel Island, die von keltischen Mönchen an wenigen Orten besiedelt wird.


ca. 900
Durch seinen Sieg über andere Wikingerkönige in der Schlacht im Hafrsfjord weitet Harald Schönhaar seine Macht in Norwegen aus; er wird zum Reichsgründer in „Nordvegen“; schickt seinen Sohn zwecks Förderung durch den christlichen König Athelstan nach England; erkennt, das Kontakte zum Christentum seinem neuen Königreich eine wertvolle Unterstützung sind.

930
Entstehung des Althings auf Island: das älteste Parlament der Welt, das an einer besonders markanten Stelle des Kontinentalgrabens vor nun bald 1100 Jahren begründet wurde.

ca. 931
Tod Harald Schönhaars.

958
Gorm der Alte stirbt und wird in Jelling unter einem riesigen Grabhügel begraben. Sein Sohn Harald Blauzahn wird Nachfolger.

ca. 965
Bekehrung Harald Blauzahns zum Christentum durch Druck des deutschen Kaisers Otto I.; Taufe durch Bischof Poppo (Eisenprobe laut Widukind).

Harald lässt zwischen den Grabhügeln in Jelling eine Kirche bauen und die Gebeine seines Vaters darunter christlich bestatten; er setzt einen neuen großen Runenstein mit der Inschrift „…der die Dänen zu Christen machte.“ Politische Botschaft, mit der Harald seine Unabhängigkeit unterstrich. Spektakulärstes Beispiel für die Christianisierung des Nordens

ca. 970
Aufstand in Norwegen gegen den dänischen Herrscher wird von Harald Blauzahn niedergeschlagen; Norwegen wird durch Haralds Statthalter Haakon, den Jarl von Lade, regiert. Durch seine Taufe erkennt er die Oberherrschaft Harald Blauzahns an.

Um 987
Norwegen wird in der Schlacht von Hjorunga-Vaag wieder eigenständig.

 

Den letzten großen Wikingerüberfall über Frankreich befehligte Fürst Rollo, dessen genaue Herkunft unklar ist. Der französische König Karl der Einfältige sprach ihm 911 die Normandie als Lehen zu, denn er erhoffte sich dadurch den Schutz Frankreichs vor weiteren Überfallen. Aufgrund ihrer Herkunft nannte man sie Nordmänner oder Normannen. Im Verlauf der Zeit nahmen die Normannen die französische Sprache an. Im Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung entstand eine neue kulturelle Identität.


974
Nach dem Tod des deutschen Kaisers Otto I. 973 wird Harald Blauzahn übermütig und rückt nach Süden über die Eider bis an die Elbe vor. Die Dänen werden von Deutschen unter Otto II. besiegt und verlieren Land in Südjütland. Es ist der Krieg um Haithabu.

983
Die Dänen erlangen das im Jahr 974 an die Deutschen verlorene Land zurück.

986 / 87
Harald Blauzahn erliegt den Verletzungen, die er in einem gegen ihn gerichteten (heidnischen) Aufruhr erlitten hat. Nachfolger wird der Anstifter dieses Aufstands: Sven Gabelbart, der sein eigener Sohn ist. In Norwegen führt der Jarl von Lade, Haakon, eine heidnische Erneuerungsbewegung an, obwohl er in Dänemark getauft worden ist. Er bekräftigt damit seine politische Unabhängigkeit.

994
Eine Flotte unter der Führung von Dänenkönig Sven Gabelbart, dem Norweger Olaf Tryggvasson und anderen belagert London und zwingt die Engländer wie in den Jahrzehnten zuvor schon andere Wikingerheere, einen Tribut zu entrichten, das so genannte Danegeld; diesmal sind es 16000 Pfund Silber.

995
Olaf Tryggvasson, Spross eines norwegischen Jarlsgeschlechtes, der ein Schicksal als Sklave hinter sich hat, verbündet sich mit dem englischen König Ethelred und kehrt nach seiner Taufe, bei der Ethelred Pate gestanden hat, nach Norwegen zurück, um die dänische Oberherrschaft herauszufordern.

996
Ermordung des Jarls Haakon in Norwegen; Olaf Tryggvasson wird König und beendet damit die Oberherrschaft des Dänenkönigs Sven in Norwegen.
Olaf macht sich daran, das Land mit dem Schwert zu bekehren und benutzt das Christentum als Instrument der Machtpolitik, die Menschen sich gefügig zu machen; er entsendet seinen Missionar Tangbrand nach Island, der dort keinen Erfolg hat und in Totschlagsfälle verwickelt ist.

997-1002
Jährliche Wikingerüberfälle der Dänen auf England, die zur Zahlung von 24000 Pfund als Tribut führen.

1000
Das isländische Althing nimmt das Christentum an, allerdings mit Ausnahmen, die eine heidnische Reaktion sind: Opfer an die heidnischen Götter sind weiter erlaubt, wenn sie im privaten Rahmen stattfinden.

Tod Olaf Tryggvassons in der Seeschlacht von Svold gegen Sven Gabelbart und Erik Jarl, die dänische Oberherrschaft über Norwegen wird wiederhergestellt.

1002
König Ethelred befiehlt die Ermordung aller Dänen in England


1003 – 1012
Unentwegte Kriegs- und Beutezüge der Dänen unter Sven Gabelbart und seinem Kontrahenten Thorkild gegen England; Tributzahlung von bis zu 45000 Pfund Silber.

1013
Sven fällt in England ein, Ethelred flieht ins Exil in die Normandie, Sven wird von den Engländern als König anerkannt und stirbt kurz darauf an seinen Verletzungen.

 

Seit ungefähr 1030 herrschten die Wikinger in beinahe ganz Süditalien und Sizilien. Der normannische Herzog Wilhelm der Eroberer nahm 1066 England ein. Das Nebeneinander von normannischem, französischsprachigem Adel und einheimischer, altenglischsprachiger Bevölkerung hat die englische Sprache bis auf den heutigen Tag geprägt.


1014
Ethelred wird wieder König und zwingt Svens Sohn Knut zur Rückkehr nach Dänemark.

1015
Svens Sohn Knut kehrt nach England zurück und startet einen heftigen Eroberungsfeldzug.

1016
Nach dem Tod Ethelreds und dessen Sohn Edmund wird Knut von den Engländern als König anerkannt, die einer Zahlung von 82000 Pfund Tribut zustimmen.

1019
Knut folgt seinem Bruder Harald als König der Dänen nach.

1026
Invasion Dänemarks durch eine Koalition aus Norwegern unter Olaf II. und Svear unter Anund Jakob. Knut tritt ihnen in der Schlacht vom Heiligen Fluss entgegen und siegt.

1028
Knut vertreibt Olaf aus Norwegen.

1030
Olaf II. kehrt nach Norwegen zurück und fällt in der Schlacht bei Stiklestad.

1053
Papst Leo IX. verleiht dem Erzbistum Hamburg-Bremen formell die Autorität über Norwegen, Island und Grönland sowie über die Dänen und Svear.

1066
Ende der Wikingerzeit in England mit der Schlacht von Stamfordbrigde und der Schlacht bei Hastings;
Krönung Wilhelm, Herzog der Normandie und Enkel Rollos, zum König der Engländer.



Zusammenstellung von Wilfried Hauke, Autor der Dokumentation "Götterdämmerung"