Bauern, die zur See kämpfen, Piraten, die Staaten gründen; Häuptlinge, die Schutzgeld erpressen: Mehr als 250 Jahre geißeln die Wikinger aus Skandinavien Europa. Und prägen es

 

um 3500 v. Chr.: Vorfahren der Wikinger roden in den Küstenregionen des heutigen Dänemark den Urwald, um Getreidefelder und Viehweiden anzulegen. Nach und nach entstehen überall entlang der skandinavischen Küste Höfe und Dörfer.

 

1200 v. Chr.: In Litsleby an der schwedischen Westküste ritzen Künstler Bildnisse in einen Felsen. In den folgenden Jahrhunderten entstehen hier fast 300 Bilder von Tieren, Menschen, Schiffen sowie von einem 2,40m großen, einen Speer schleudernden Riesen. Möglicherweise steht dieser Mann für einen Vorgänger Odins, des gefürchteten Allvaters der nordischen Mythologie. Diesen verehren die Wikinger 2000 Jahre später als Gott des Krieges und der Toten, der Magie, Dichtung und Ekstase.

 

um 600 v. Chr.: Im südlichen Dänemark stellen Schmiede Werkzeuge aus Eisen her.

 

um 300 v. Chr.: Dänische Zimmerleute bauen einen neuartigen seetüchtigen und schnellen Schiffstyp: das sogenannte Hjortspringboot. Solche aus dünnen Planken gefertigten, leichten 15 Meter langen Paddelboote bieten etwa 25 Mann Platz.

 

um 100: n. Chr. Skandinavische Gelehrte entwickeln die aus 24 Zeichen bestehende Runenschrift- wahrscheinlich nach dem Vorbild des lateinischen Alphabets. Sie nutzen Runen vor allem um in kurzen Inschriften göttlichen Schutz zu erflehen oder Verstorbener zu gedenken, nicht jedoch für die Geschichtsschreibung. Deshalb lässt sich die Wikingerzeit lediglich mit Hilfe von archäologischen Funden, Berichten von Missionaren, Chroniken fremder Herrscher sowie lange Zeit nur mündlich überlieferter Sagen rekonstruieren- und auch das nur lückenhaft.

 

ab 550: Angehörige des Stammes der Svear (von dem der römische Historiker Tacitus 98 n. Chr. in seiner Schrift "Germania" berichtet) errichten in Alt- Uppsala drei etwa 20 Meter hohe Grabhügel. Ähnlich repräsentative Gräber entstehen bald auch in benachbarten Orten. Archäologen nehmen an, dass die dort Bestatteten Stammesobere waren und die Erzvorkommen der Region kontrolliert haben - also über mehr Macht verfügten als die meisten skandinavischen Häuptlinge, die wohl vor allem den Oberbefehl im Krieg ausüben und Streitigkeiten schlichten.

 

um 700: Möglicherweise als erster nordischer Herrscher regiert ein Däne namens Angantyr über mehrere Stämme - auf jeden Fall ist er der erste skandinavische König über den Chronisten berichten. Spätestens um diese Zeit erweitern in Skandinavien Stammesobere (wohl meist mit Gewalt) ihre Einflußgebiete und gründen mitunter recht kurzlebige Reiche. Denn anders als im christlichen Europa ist die Herrschaft der heidnischen Regenten nicht vermeintlich göttlich legitimiert, sondern allein auf ein starkes Gefolge gestützt. So können skandinavische Könige etwa bei Streitigkeiten jederzeit gestürzt werden. Sie herrschen zumeist auch nicht über ein fest umrissenes Gebiet, sondern über Menschen denen sie Schutz gegen andere Stämme bieten; im Gegenzug müssen ihnen Untertanen vermiutlich einen Teil der Ernte abtreten. An den skandinavischen Küsten entstehen die ersten Segelschiffe Nordeuropas- die bald Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 15 Knoten erreichen. Mit solchen zudem sehr wendigen Gefährten können die Skandinavier sehr hart am Wind segeln und Flussläufe hinauf rudern. Auch lassen sie sich über Land ziehen.

 

705: In Jütland legen Arbeiter vermutlich auf Geheiß König Angantyrs einen Handelsplatz an, etwa 5 Kilometer von der Nordsee entfernt, am Ufer des Flusses Ribe. Dort bieten Kaufleute zunächst nur in den warmen Monaten Importprodukte etwa aus England und dem Frankenreich an, darunter Glasgefäße und Töpferwaren. Im Laufe der folgenden 100 Jahre wächst der Ort Ribe zu einer 10 Hektar großen, ganzjährig bewohnten Handelsstadt heran, in der wahrscheinlich auch Silbermünzen mit dem Abbild Odins geprägt werden.

 

725: An der Schlei gründen wohl friesische Kaufleute den Ort Haithabu, der später zur führenden Handelsmetropole im Ostseeraum wird.

 

um 737: König Angantyr (oder sein Nachfolger) lässt die Südgrenze seines Reiches durch den Ausbau einer älteren Wallanlage entlang der Schleswiger Landenge (westlich der Schlei) gegen die Sachsen oder Slawen schützen. Diese später "Danewerk" genannte Befestigung wird in den folgenden Jahrhunderten weiter ausgebaut bis sie um 980 Dänemark auf einer Länge von 30 Kilometern zwischen Schlei und Treene gegen Angriffe aus dem Süden sichert.

 

um 750: Im schwedischen Königreich Svealand gründen Kaufleute auf einer Insel im Malärsee den Umschlagplatz Birka. Dort handeln sie bald unter anderem mit Glasperlen und Seide aus Byzanz und Bagdad sowie mit heimischen Roheisen. In Nordrußland errichten Schweden die Siedlung Staraja Ladoga. Wahrscheinlich sind sie vaeringiar (von altnordisch var, Eid): Mitglieder von Schwurbruderschaften, die in der Region Handel treiben und Tribute erpressen.

 

785: Der Frankenkönig Karl der Große unterwarf die heidnischen Sachsen, die zwischen Rhein und Elbe und Nordsee siedeln, und zwingt sie - als letztes großes Volk Mitteleuropas - sich zum Christentum zu bekennen. Die Skandinavier indes huldigen weiterhin den Göttern um Odin.

 

um 789: Norwegische Piraten ermorden an der Küste des englischen Königreichs Wessex einen Amtmann. Auch in den Jahren darauf überfallen skandinavische Seeräuber englische Küstenorte. Deshalb verpflichtet König Offa von Mercia im Jahr 792 Kirchengemeinden, sich an der Abwehr heidnischer Räuber zu beteiligen. England ist um diese Zeit an die angelsächsischen Königreiche Wessex, Sussex, Essex, East Anglia, Mercia, Northumbria und Kent unterteilt. Im Westen Großbritanniens herrschen mehrere walisische, im Norden schottische Fürsten.

 

793: "Am 8. Juli verheerten die Überfälle der Heiden Gottes Kirche in Lindisfarne durch Plünderung und Mord." Diese Notiz in der "Angelsächsischen Chronik" vom Ende des 9. Jahrhunderts beschreibt den Beginn einer mehr als 250 Jahre währenden Epoche in der skandinavische Seefahrer ganz Europa in Angst versetzen. Sie werden getrieben von Abenteuerlust, angelockt vom Reichtum der westeuropäischen Klöster und Marktplätze, organisiert von Königen und Adligen, die durch prestigeträchtige Raubzüge die Schar ihrer Anhänger und damit ihre Macht vergrößern wollen. Vikingar (Teilnehmer einer Beutefahrt) werden die Plünderer - die in der Heimat vielfach Bauernhöfe besitzen - von den Skandinaviern genannt. Dank ihrer schnellen und wendigen Schiffe sind die Wikinger die ersten Seeräuber Europas, die auch die Bewohner weit entfernter Küstenregionen regelmäßig und systematisch ausplündern - und sogar über Flussläufe ins Innere der Reiche vordringen, dort später große Regionen erobern. Die Angegriffenen können die Attacken zumeist nicht abwehren oder gar Vergeltungsschläge gegen die skandinavischen Küsten führen. "Auch mochten wir nicht glauben", notiert ein Zeitgenosse nach dem Angriff auf Lindisfarne, "dass solch ein Überfall von der See gemacht werden konnte."

 

795: Eine vermutlich aus Norwegen stammende Wikingerflotte überfällt die schottische Insel Skye. Auch in den folgenden Jahren greifen Norweger wiederholt Schottland an; später bauen sie in Küstenregionen Siedlungen auf.

 

799: Skandinavier attackieren das auf einer Insel im Mündungsgebiet der Loire gelegene Kloster St. Phlilbert. Es ist der erste Wikingerüberfall auf eine Mönchsgemeinschaft im Frankenreich. Karl der Große lässt daraufhin in Häfen und an Flussmündungen Küstenwachen stationieren, die vor herannahenden nordmanni (wie die Skandinavier in fränkischen Quellen genannt werden) warnen sollen. Dennoch überfallen Wikinger immer wieder fränkische Klöster und Städte. St. Philbert geben die Mönche nach zahllosen Piratenangriffen schließlich auf.

 

um 800: Norwegische Piraten siedeln auf den Orkney- und Shetland Inseln. Die nördlich von Großbritannien gelegenen Eilande werden zu Stützpunkten von Wikingerfahrten nach Schottland und an die Küsten ihrer ehemaligen Heimat Norwegen. Einige Jahre später besetzen Norweger auch die Isle of Man zwischen Irland und England.

 

804: Nach weiteren Eroberungen hat Karl der Große sein Reich bis fast an das Danewerk ausgedehnt. Der in Jüttland herrschende König Göttrik zieht deshalb seine Flotte bei Haithabu zusammen (zum Kampf gegen fränkische Truppen kommt es indes nicht).

 

810: Eine Flotte König Göttriks greift die zum Frankenreich gehörende Provinz Friesland an. Gleichzeitig rüstet der Herrscher zum Angriff auf Aachen, die Residenz Karls des Großen. Doch dann wird der Däne von Gefolgsleuten erschlagen. Göttriks Nachfolger bricht die Operation ab und schließt Frieden mit Karl.

 

813: Vermutlich norwegische Wikinger überfallen erstmals die Südwestküste Irlands. In den folgenden Jahren erobern Nordmänner einige Stützpunkte im Osten der in mehrere Reiche unterteilten Insel, die zumeist unter der Oberhoheit eines Hochkönigs stehe.

 

819: Mit Unterstützung Ludwigs des Frommen (des Nachfolgers Karls des Großen) erobert Harald Klak einen Teil Dänemarks. Er ist einer jener Prätenden, die dort seit dem Tod König Göttriks um die Macht kämpfen. Er hat das Land schon einmal für kurze Zeit regiert, ehe ihn Konkurrenten 814 vertrieben - woraufhin er sich unter den Schutz des Frankenkaisers stellte.

 

829: Der aus dem Westen des Frankenreiches stammender Missionar Ansgar tauft im zentralschwedischen Svealand mehrere Heiden. Drei Jahre später wird er erster Erzbischof des Bistums Hamburg und ist damit auch für die Missionierung Skandinaviens zuständig.

 

830: Wikinger zerstören den stark befestigten Handelsplatz Dorestad an der Rheinmündung. Der auch von skandinavischen Kaufleuten besuchte Ort wird wieder aufgebaut und in den folgenden Jahren mehrfach angegriffen (ehe ihn die Nordsee vermutlich 864 überflutet).Im norwegischen Oseberg am Oslo- Fjord, wird der Leichnam einer über 70- jährigen Frau (sowie einer zweiten Toten) auf eine sonst wohl nur Herrschern vorbehaltene Art beigesetzt. Sie ist in einem mit Schnitzereien verzierten Wikingerschiff aufgebahrt, das zusammen mit kostbaren Grabbeigaben, darunter auch Pferde und Hunde, unter einem Erdhügel begraben wird. Altertumsforscher vermuten, dass die Frau Priesterin war. Sie litt wahrscheinlich unter dem Morgagni- Syndrom, das Halluzinationen verursachen kann; möglicherweise haben die Menschen ihre rätselhaften Äußerungen für Weissagungen oder gar göttliche Botschaften gehalten.

 

837: Skandinavische Seeräuber greifen Irland erstmals mit großen Flotten an: sie erscheinen mit jeweils 60 Schiffen in der Mündung der Flüsse Boyne und Liffey und verwüsten weite Gebiete. Kaiser Ludwig der Fromme lässt die friesische Küste durch Burgen gegen Plünderfahrten der Wikinger schützen.

 

839: Eine Delegation des byzantinischen Kaisers Theophilus besucht Ludwig den Frommen. In ihrem Gefolge sind auch Skandinavier, wahrscheinlich Händler, die als Angehörige des Volks der Rhos vorgestellt werden. Auf Nachfrage Ludwigs sagen sie, dass sie zur "Völkerschaft der Schweden" gehören. In die byzantinische Hauptstadt Konstantinopel sind sie wohl über den Ladoga- und den Ilmensee, sowie über die Flüße Wolchow oder Dnjepr gefahren. Die Slawen, die an diesen Gewässern siedeln, nennen die Nordmänner Rus - wohl in Anlehnung an das Wort ruotsi, mit dem Finnen die Schweden bezeichnen.

 

840: Karl, Ludwig und Lothar, die Söhne das verstorbenen Frankenkaisers Ludwig des Frommen streiten um das Erbe. Drei Jahre später teilen sie das Reich: Karl erhält den Westteil mit der Stadt Paris. Ludwig wird König über die Gebiete östlich des Rheins (das später Römisch- deutsche Reich); Lothar erhält den mittleren Teil (der 850 fast völlig an das östliche Reich angegliedert wird). Schon seit einigen Jahren häufen sich die Wikingerüberfälle auf das Frankenreich.

 

841: Norweger erobern die irische Siedlung Ath Cliath und richten dort einen Seestützpunkt ein, den sie Dylfinni (Dublin) nennen. hier gründen sie einen der größten europäischen Sklavenmärkte. Von nun an plündern Wikingerflotten mindestens zweimal pro Jahr westfränkische Städte und Dörfer entlang der großen Flußläufe.

 

843: Nordmänner stürmen die westfränkische Bischofsstadt Nantes. Sie erschlagen Geistliche, plündern Gotteshäuser und lagern ihre Beute auf der Insel Noirmoutier in der Loiremündung, wo sie einen Stützpunkt eingerichtet haben. Auch an anderen Orten legen die Piraten solche Lager an.

 

844: Erstmals wagen sich Wikinger bis zur iberischen Halbinsel vor. Als sie an der Nordküste von der christlichen Bevölkerung vertrieben werden, weichen sie nach Süden aus und rudern den Fluß Guadalquivir hinauf; ins Zentrum des muslimisch beherrschten Andalusien. Dort setzen sie sich in Sevilla fest, nehmen Geiseln, verwüsten die Stadt und deren Umland - bis sie von den Truppen des Emirs vertrieben werden.

 

845: Wikinger zerstören den Bischofssitz Hamburg. Im Westfränkischen Reich plündern sie Ortschaften an der Seine. Der Frankenkönig Karl zieht zwar Truppen zusammen, lässt die Nordmänner jedoch gewähren - wohl weil er einen Kampf für aussichtslos hält. In Paris übergibt er dem Wikingerführer Ragnar sogar 700 Pfund Silber, damit dieser die Stadt verschone.

 

um 850: Erzbischof Ansgar reist nach Dänemark und lässt mit Billigung König Horiks in Ribe und Haithabu Kirchen errichten. Wahrscheinlich will der heidnische Herrscher seine Handelsplätze durch die Gotteshäuser für christliche Kaufleute attraktiver machen.

 

850: König Karl von Westfranken nimmt den Wikingerführer Horik zum Lehnsmann "weil er nicht verjagt werden konnte" wie es in einer Chronik heißt - unter der Bedingung, dass Horik das westfränkische Reich gegen die Überfälle anderer Nordmänner unterstützt. Ähnliche Abkommen schließt Karl mit weiteren Wikingern.

 

851: Im Frühjahr rudert eine Wikingerflotte die Themse hinauf. Die Eindringlinge nehmen Canterburry sowie London ein. Obwohl sie bald darauf von Truppen König Ethelwulfs von Wessex geschlagen werden, setzen sie sich unter anderem in Kent fest - und überwintern zum ersten Mal in England.

 

859: Der im Dienste Karls des Kahlen stehende Wikinger Weland belagert an der Seine die Flotte des Dänen Björn Eisenseite, um sie aus dem Westfränkischen Reich zu vertreiben. In die Enge gedrängt zahlt Björn 6000 Pfund Silber für den freien Abzug aus Karls Reich und segelt mit seinen 62 Schiffen nach Spanien. Doch am Guadalquivir schlägt eine maurische Flotte die Nordmänner in die Flucht, die sodann ein kleines Reich in Marokko überfallen. Dort rauben sie unter anderem die Haremsdamen eines Emirs sowie schwarzafrikanische Sklaven. Die Frauen geben sie dem Herrscher gegen Lösegeld zurück, die anderen Gefangenen verkaufen sie auf Sklavenmärkten. Um 860 plündert Björn unter anderem Pisa und verheert die Stadt Luna, die er - so eine Überlieferung - für Rom hält. 862 kehrt er mit nur noch 20 Schiffen, aber reiche Beute in westliches Frankenreich zurück.

 

862: Nach der halb legendenhaften Nestor - Chronik sollen slawische Stämme der Schweden Rurik gebeten haben sie zu regieren, weil sie - untereinander zerstritten - dazu nicht in der Lage seien. Tatsächlich haben Krieger der skandinavischen Rus um die Zeit das Gebiet um den Handelsplatz Nowgorod zu einem Fürstentum vereint.

 

865: Eine von "Heerkönigen" geführte dänische (bald "Großes Heer" genannt) landet an der Ostküste Englands und besetzt weite Gebiete der Insel. Aus den skandinavischen Plünderern sind Eroberer geworden die im Jahr darauf York einnehmen und bis 870 ihre Herrschaft auf die Königreiche Northumbria, Mercia und East Anglia ausdehnen.

 

ab 866: Von Dublin aus unternehmen norwegische Wikinger ausgedehnte Plünderzüge nach Schottland.

 

869: Edmund, der letzte englische König von East Anglia kommt in einer Schlacht gegen Wikinger ums Leben. Seither herrscht dort Guthrum, ein Führer des 865 auf der Insel gelandeten Großen Heeres.

 

um 870: Norweger sowie Bewohner skandinavischer Siedlungen in Irland und Schottland wandern nach Island aus. Wikingische Seefahrer haben die Insel - die damals nur von einigen irischen Mönchen bewohnt war - mehr als ein Jahrzehnt zuvor entdeckt.

 

871: Alfred, der König von Wessex, besiegt das Große Heer der Dänen, das sein Reich seit einem Jahr bestürmt.

 

874: Als Wikingerverbände ins englische Reich Mercia einfallen, flieht König Burhred nach Rom. Die Invasoren machen den Angelsachsen Ceolwulf (II.) zu seinem Nachfolger. Der schwört den neuen Herren Treue und übergibt ihnen Geiseln. Auch in anderen Teilen Mittel-und Westenglands setzen die Dänen Vasallenherrscher ein.

 

875: Harald Schönhaar, König eines Teiles von Norwegen, erobert die Orkney- und Shetlandinseln und unterwirft die dort lebenden norwegischen Siedler. Damit beendet er deren regelmäßige Überfälle auf die Küsten ihrer alten Heimat.

 

878: König Alfred von Wessex besiegt das Wikingerheer Guthrum. Der Däne muß sich daraufhin taufen lassen und den angelsächsischen Namen Ethelstan annehmen. Im Gegenzug, darf er nun als legitimer König in East Anglia herrschen. Alfreds Sieg und die Taufe Guthrums müssen für viele Wikinger deprimierend gewesen sein: Ein neues Großes Heer, das im Herbst die Themse hinauffährt, beginnt die Kämpfe nicht wieder, sondern schlägt ein Lager in Fulham (nahe London) auf.

 

879: Das in Fulham lagernde Wikingerheer fährt im Sommer über die Nordsee an die Küste des führungs- und schutzlosen Westfränkischen Reiches: Seit im Frühjahr König Ludwig der Stammler gestorben ist. ringen dort die Großen des Landes um die Macht. Die Wikinger überrennen zuerst Flandern und Brabant.

 

um 880: König Harald Schönhaar bildet eine Fürstenallianz um Norwegen zu einen. Im Süden des Landes besiegt er ein Heer oppositioneller Häuptlinge, die oft nicht mehr als den schmalen Streifen Land am Rand eines Fjordes beherrschen. Nach dem Triumph erhoben ihn seine Anhänger zum König von ganz Norwegen. Rurik, der in Nowgorod herrschende Fürst der Rus, stirbt. Sein Nachfolger Oleg (skandinavisch; Helgi unterwirft bald die Region um den Handelsplatz Kiew und schließt sie mit Nowgorod zum Fürstentum Kiew zusammen. Er und seine Nachfolger dehnen ihre Herrschaft auf ein Gebiet aus, das ausschließlich von der Ostgrenze des heutigen Polen bis an den Oberlauf der Wolga reicht. Die Führungsschicht des von Kiew aus regierten Reichs bilden noch lange Zeit vor allem Amtmänner, Kaufleute und Krieger skandinavischer Herkunft.

 

881: Das zwei Jahre zuvor ins Frankenreich eingefallene Große Heer verwüstet unter anderem die Picardie, überschreitet die Somme und zieht raubend bis ins 80 Kilometer von Paris entfernte Beauvais. Vom Dezember bis weit ins folgende Frühjahr überfällt das Wikingerheer auch Städte im ostfränkischen Reich, unter anderem Lüttich, Bonn, Köln, Koblenz, Trier und Aachen (wo die Nordmänner die Kaiserpfalz verwüsten.).

 

882: Im Sommer zieht der ostfränkische Kaiser Karl III. ("der Dicke" mit einem Heer zum Wikingerstützpunkt Asselt an der Maas. Weil er die Plünderer nicht bezwingen kann, schließt er mit ihnen einen von Zeitgenossen als schmählich empfundenen Frieden: ihrem Anführer Gottfried gibt er Friesland zum Leihen. Der lässt sich im Gegenzug taufen. Einem anderen Heerkönig zahlt Karl einen hohen Tribut, damit er das Reich verlässt.

 

884: Nach dem Tod des westfränkischen Königs Karlmann wählen die Großen des Reiches den ostfränkischen Kaiser Karl III. zu dessen Nachfolger, der beide Reiche bis kurz vor seinem Tod 888 regiert.

 

885: Ab November belagert das Große Heer Paris. Ein Jahr später leistet Karl der Dicke den Eindringlingen einen hohen Tribut und lässt sie stromaufwärts ziehen. Bald darauf plündern sie Burgund

 

886: In England erobert König Alfred von Wessex einen Teil der dänisch besetzten Gebiete zurück, darunter London und schließt mit den Wikingern einen Vertrag, der deren Herrschaftsgebiet definiert: Das sogenannte "Danelag" umfasst Northumbria, East Angkia und Teite von Mercia. Dort gilt dänisches Recht. Die Angelsachsen in den nicht von Wikingern besetzten Landesteilen erkennen Alfred nun als König Englands an.

 

891: Reichstruppen unter Führung des ostfränkischen Königs Arnulf schlagen das Große Heer in Flandern. Als bald darauf Seuchen und Missernten das Reich heimsuchen, gehen viele der Überlebenden der 879 aus Fulham gekommenen Wikingerkrieger zurück nach England. Es ist das Ende des Großen Heeres.

 

um 900: Ein schwedischer Krieger namens Olaf bringt einen großen Teil Dänemarks unter seine Herrschaft, darunter die Handelsmetropole Haithabu. Westfränkische Chroniken verzeichnen nur noch wenige Wikingerüberfälle - unter anderem deshalb, weil in den Jahrzehnten zuvor immer mehr Nordmänner in den Dienst der Krone getreten sind.

 

902: Der irische König Cearbhell von Leinster erobert Dublin von den Skandinaviern. Die Familie des gestürzten Herrschers Ivar II. flieht nach Schottland.

 

907: Nach dem Bericht der Nestor - Chronik greift Oleg, Fürst von Kiew, mit seiner Flotte Konstantinopel an. Doch er kann die stark befestigte Metropole nicht einnehmen. Stattdessen lässt er deren Umgebung verheeren. Nach vier Jahre andauernden Kämpfen schließen Oleg und Kaiser Leo VI. einen Friedensvertrag der unter anderem den skandinavischen Kaufleuten Handelsprivilegien in Konstantinopel einräumt.

 

911: Der westfränkische König Karl der Einfältige belehnt den Wikingerführer Rollo mit der nordfranzösischen Hafenstadt Rouen und einem Gebiet an der unteren Seine. Als Gegenleistung muss dieser dem König Treue schwören und sich taufen lassen. Nach und nach übertragen die französischen Könige Rollo und dessen Nachfolgern weitere Gebiete. "Normandie" wird ihr Territorium nach der Herkunft des ersten Herrschers bald genannt. Anders als die Wikinger auf den britischen Inseln tauschen die "Normannen" ihr hergebrachtes Recht gegen das ihrer neuen Heimat und nehmen die Landessprache an.

 

912: Der Norweger Sigtrygg, Sohn der 902 aus Irland vertriebenen Ivar erobert Dublin zurück. Sigtryggs Bruder Ragnald entreißt zwei Jahre später den Dänen in der englischen Wikingerkapitale York die Herrschaft.

 

918: Der englische König Eduard hat alle von den Dänen besetzten englischen Regionen zurückerobert - nur in York herrscht noch der Norweger Ragnald. Nun werden viele Skandinavier zu Untertanen des englischen Königshauses. In den folgenden acht Jahrzehnten leben sie vor allem als Bauern, aber auch als Händler und Handwerker friedlich neben den Angelsachsen.

 

927: Der englische König Ethelstan erobert York und vertreibt Ragnalds Nachfolger Guthfrith (der zugleich König Dublins ist nach Irland.

 

Am isländischen See Thingvallavatn finden sich erstmals freie Männer aus allen Regionen des Landes zu einer Versammlung ein, dem Althing, um Gesetz zu beschließen und Streitigkeiten zwischen den Siedlern zu schlichten. Solche Versammlungen halten auch Dänen, Schweden und Norweger ab, jedoch nur als Regionaltreffen (Thing). In Island - wo anders als in Skandinavien kein König herrscht- entwickelt sich aus dem Althing später das Parlament.

 

930: Nach dem Tod König Harald Schönhaars von Norwegen wird dessen Sohn Erik gekrönt. Fünf Jahre später wird Erik, den seine Untertanen "Blutaxt" nennen, weil er sieben Brüder ermordet hat - von Haakon. seinem einzig überlebenden Bruder, gestürzt und flieht nach England. Mittlerweile ist das Reich wieder in Kleinfürstentümer zerfallen.

 

934: Der ostfränkische Herrscher Heinrich I. besiegt den dänischen Regenten nahe Haithabu, annektiert die Stadt und macht den Dänenkönig zum tributpflichtigen Vasallen.

 

ca. 936: Hardegon, ein dänischer Heerführer, vertreibt den letzten König der um 900 von Olaf begründeten schwedischen Dynastie. Kurz darauf wird sein Sohn Gorm zum König von Dänemark proklamiert.

 

939: Olaf - der König von Dublin, Sohn des 927 aus England vertriebenen Guthfrith - erobert mit schottischer Unterstützung York zurück.

 

948: Erik Blutaxt, der abgesetzte norwegische Monarch wird von Skandinaviern in York zum König erhoben.

 

954: Der englische König Eadred vertreibt Erik Blutaxt aus York. Damit endet die Wikingerherrschaft in der Region Northumbria.

 

um 965: Dänemarks Herrscher Harald Blauzahn, Sohn des 958 verstorbenen Königs Gorm, läßt sich taufen- mit ihm muß auch seine Leibwache Odin abschwören. Möglicherweise will er der gewaltsamen Christianisierung durch Kaiser Otto I. zuvorkommen. Bald darauf lässt Harald sich auf einen Runenstein auch als Herrscher Norwegens bezeichnen - wahrscheinlich eine Übertreibung, da er wohl nut Teile des Landes kontrolliert.

 

um 980: Wikingerverbände beginnen erneut England zu plündern und Tribut zu erpressen. Um die geforderte Summe aufzutreiben, zieht König Ethelred von allen Landesbesitzern das sogenannte "Danegeld" ein, eine Abgabe, die später immer wieder erhoben wird.. Ein Heer norwegischer Fürsten besiegt Harald Blauzahns Truppen. Damit endet dessen Einfluß in Norwegen. Seine Herrschaft in Dänemark sichert er mit mächtigen Burgen; kreisrunden Wallanlagen. die symmetrisch angeordnete Kasernenhallen für Hunderte Krieger umschließen, teils als Zwingburgen im Binnenland, teils als Grenzfesten oder als Basis für Überfälle auf England. Olaf Skötkunang erbt von seinem Vater Svealand. In den folgenden Jahren bringt er weitere Teile Schwedens unter seine Kontrolle. Zu seiner Hauptstadt macht er die Siedlung Sigtuna am Malärsee. Der kultische Mittelpunkt Schwedens ist jedoch Alt- Uppsala - wo Priester - so jedenfalls ein christlicher Chronist - Odin und anderen Göttern Menschen und Tiere opfern.

 

980: Die Iren vertreiben den Wikingerregenten Dublins. Die auf der Insel lebenden Skandinavier, sind fortan eine politisch bedeutungslose Minderheit.

 

983: Während sich Kaiser Otto II. in Italien aufhält (wo er Ende des Jahres stirbt), besetzt Harald Blauzahn Haithabu - und macht die Stad wieder zum Bestandteil seines Reiches. Damit endet die seit 934 bestehende ostfränkische Vorherrschaft über Dänemark

 

986: Erik, genannt "der Rote", bricht mit einigen Siedlern von Island aus zur rund 300 Kilometer nordwestlich gelegenen Insel Grönland auf. Er hat auf dem Eiland bewohnbare Gebiete entdeckt, als er 982 wegen Totschlags für drei Jahre aus Island verbannt wurde.

 

988: Basileios II.- durch innere Unruhen bedrängter Kaiser von Byzanz - erhält von Wladimir, dem Fürsten von Kiew, militärische Hilfe. Als Gegenleistung für 600 Krieger gibt der Kaiser ihm seine Schwester zur Frau: ein gewaltiger Prestigegewinn für den Nachfahren schwedischer Wikinger. Wladimir lässt sich taufen und unterstellt sein Reich der geistlichen Führung der orthodoxen Kirche. Basileios bildet aus Kiewer Söldnern eine Elitetruppe, die später "Warägergarde" genannt wird - wohl in Anlehnung an die einst in Nordrußland vorstoßenden Vaeringiar.

 

994: Dänische Wikinger unter Führung von Harald Blauzahns Nachfolger Sven Gabelbart und Olaf Tryggvason, einem Urenkel Harald Schönhaars, belagern London und erpressen Tribut.

 

995: Olaf Tryggvason, der sich in England hat taufen lassen, wird zum König Norwegens gekrönt. er ist so, eine Legende von estnischen Seeräubern erzogen worden. Unter seiner Herrschaft wird das Reich gewaltsam christianisiert.

 

1000: Ein vom Althing in Island ernannter Vermittler erklärt das Christentum zu einer allgemeinen Religion des Landes. Einige Jahre zuvor hat der norwegische König Olaf Tryggvason Missionare auf die Insel gesandt - wohl weil er fürchtete, sie könne zur Basis für Widerstand gegen die Unterdrückung heidnischer Kulte in seinem Reich werden. Doch die Isländer wollten sich nicht taufen lassen. Darüber erbost, drohte ihnen Olaf, alle isländischen Händler und Seeleute, die sich in Norwegen aufhalten, zu töten, wenn sich nicht alle Inselbewohner zum Christentum bekennen. Daraufhin fügt sich nun das Althing - verbietet aber nicht die heidnischen Kulte. Kurz darauf lassen sich auch die Grönländer taufen. Dänemarks König Sven Gabelbart verbündet sich mit dem schwedischen Herrscher Olaf Skötkonung gegen Olaf Tryggvason um - wie schon sein Varter - auch in Norwegen zu regieren. Als Tryggvason während einer Seeschlacht ums Leben kommt, lässt sich Sven in dessen Reich zum Oberkönig proklamieren.

 

1001: Der Grönländer Leif Eriksson landet an der Küste Neufundlands und betritt als erster Europäer amerikanischen Boden. Er bleibt dort fast ein Jahr. Zuvor hatte bereits ein anderer Seefahrer, der Grönländer Bjarne Herjulfsson, die Küste des Kontinents gesichtet. Wenige Jahre später wird eine zweite Wikingerexpedition von Einheimischen vertrieben. Erst um 1010 gelingt es norwegischen Abenteurern, für mehrere Jahre in Amerika zu siedeln und mit den Küstenbewohnern Waren zu tauschen - bis auch sie nach Streitigkeiten vertrieben werden. Doch nach 1347 segeln Leift Nachfahren nach Neufundland um Bauholz zu schlagen, das auf Grönland knapp und teuer wird.

 

1002: Angesichts wiederholter Wikingerüberfälle auf England lässt König Ethelred II. zahlreiche aus Skandinavien stammenden Untertanen ermorden. Daraufhin schickt der Dänenkönig Sven Gabelbart eine Flotte nach England um Vergeltung zu üben. Es ist der Auftakt zu einem neuen Eroberungskrieg.

 

um 1006: Der westfränkische König Robert II. erhebt Rollos Urenkel Richard II. zum Herzog der Normandie. Warum ihm der König diese Würde verleiht, ist unbekannt.

 

1013: Sven Gabelbart erobert London und wird zum englischen König proklamiert. Ethelred II. flieht zu seinem Schwager, dem Herzog der Normandie.

 

um 1015: Normannische Adelige verdingen sich in Süditalien als Söldner miteinander verfeindeter Herrscher. Einige von ihnen unterwerfen dort bald ganze Fürstentümer, die sie selbst regieren.

 

1015: Olaf Haraldsson wird zum norwegischen König erhoben. Er baut nach englischem Vorbild eine Hofverwaltung auf und entsendet Beamte in die Provinzen, um seine Herrschaft zu sichern. Nach dem Tod Sven Gabelbarts im Jahr zuvor rufen englische Adelige Ethelred II. aus der Normandie zurück und erklären ihn erneut zum König.

 

1016: Nach dem Tod Ethelreds II. erobert Sven Gabelbarts Sohn Knut der Große den englischen Thron - und heiratet Ethelreds Witwe Emma, die Schwester des Herzogs der Normandie. In Dänemark regiert schon seit Svens Tod 1014 Knuts Bruder Harald (II.). Als der zwei Jahre später stirbt, empfängt Knut auch die dänische Krone

 

1028: Knut der Große stürzt den norwegischen König Olaf, der mit seiner Familie an den Hof des Großfürsten von Kiew flieht, eines Verwandten seiner schwedischen Frau.

 

1035: als Knut der Große stirbt, zerfällt dessen Reich: Sein Sohn Harald Hasenfuß wird zum König von England proklamiert, die dänische Krone erbt dessen Bruder Hardeknut.. Knuts dritter Sohn soll Norwegen regieren. Doch die Bewohner verweigern ihm die Gefolgschaft und erheben Magnus den Guten - den Sohn Olaf Haraldssons - zum Herrscher.

 

1036: Der Schwede Ingvar dringt mit einer Wikingerflotte über die großen Flüsse Rußlands bis ans Kaspische Meer und weit nach Zentralasiens vor. Wahrscheinlich um 1041 kommen Ingvar und fast alle seine Begleiter an einem unbekannten Ort in Asien ums Leben. Zahlreiche Runensteine erinnern an die Verstorbenen der Expedition.

 

1040: Hardeknut folgt seinem verstorbenen Bruder Harakld auf den englischen Thron. Als er zwei Jahre später ums Leben kommt, besteigt mit Eduard dem Bekenner - einem Sohn des 1016 gestürzten Ethelred II. und dessen Frau Emma - wieder ein Angelsachse den englischen Thron.

 

1066: Ein Heer Slawen brennt Haithabu nieder. Wohl daraufhin verlegen die Kaufleute den Handelsplatz ins nahe Schleswig. Als in England König Eduard stirbt, wird dessen Schwager Harold Godwinson in London zum Herrscher gewählt. Doch bald darauf erhebt Norwegens König Harald der Harte Anspruch auf dessen Krone - aufgestachelt von Tostig Godwinson, dem missgünstigen Bruder des soeben gekrönten König Harold. Doch der fügt dem Norweger an der Stamford Bridge bei York eine vernichtende Niederlage zu, bei der Harald getötet wird - und vereitelt so den letzten Versuch eines Wikingerherrschers in England eine eigene Dynastie zu etablieren. Die Rückschläge des Jahres 1066 markieren das Ende der Wikingerzeit. Nur drei Wochen nach der Schlacht von Siamford Bridge aber besiegt Wilhelm, der Herzog der Normandie und ein Nachfahre des Wikingerführers Rollo, König Harold Godwinson und begründet in England das normannische Königshaus.

 

1072: Der normannische Söldnerführer Robert Guiskard aus der Familie der Hauteville erobert Palermo und macht seinen Bruder Roger zum Grafen von Sizilien.

 

um 1220: Der isländische Geschichtsschreiber Snorri Sturluson fasst sämtliche nordische Mythen in der sogenannten "Prosa - Edda" zusammen. Schon seit fast einem Jahrhundert wächst das Interesse der christlichen Skandinavier am heidnischen Erbe ihrer Vorfahren. Im Prolog seines Werks verbindet Snorri die nordische Überlieferung mit der biblischen Schöpfungsgeschichte, indem er die skandinavischen Königsgeschlechter auf Adam und Eva zurückführt. Odin, den Gott seiner Ahnen, beschreibt er darin als Seher, ihn lässt er die Stammväter der Wikinger in den Norden führen - von Troja aus, jenem mythischen Ort, den auch Römer Angelsachsen und Franken als ihre Urheimat ansehen.

 

um 1450: Die Nachfahren der Wikinger auf Grönland sterben aus. Die Gründe dafür sind rätselhaft, möglicherweise sind sie nach einer Verschlechterung des Klimas, und anschließend den Missernten verhungert.

 

10 Jahre nach dem Ende der Wikingerzeit macht ein Kostümbildner Richard Wagners eine folgenschwere Erfindung: In dem Opernzyklus "Der Ring des Nibelungen" lässt er Nordmänner auftreten, die Helme mit Rinderhörnern tragen. Bis heute prägt dieser - frei erfundene - Kopfschutz das Bild der Wikinger.

 

Auszug aus: GEO- EPOCHE, Die Wikinger, S. 172 ff.