Holzfiguren von Braak
Holzfiguren von Braak

Nach R. Simek[1] lässt sich die germanische heidnische Religion anhand des reichen Materials und authentischer Quellen gut darstellen. Mythen und Kultbräuche zeugen von den germanisch religiösen Vorstellungen im 1. Jhd. unserer Zeitrechnung. Es gab keine einheitliche Religion der Germanen, da es zu große räumliche, zeitliche und kulturelle Unterschiede innerhalb der germanischen Stämme auf verschiedenen Entwicklungsstufen gab. Große Unterschiede gab es zwischen romanisierten Ubiern (Mittelrhein2.Jhd) und den archaisch lebenden Friesen und Sachsen (8. Jhd.) oder die enormen zivilisatorischen Unterschiede zwischen den oberitalienischen Langobarden und den isländischen Stämmen (9.Jhd). Große Übereinstimmung herrschte über die Verehrung der Götter in Form von Pfahlgötzen, den Namen der Hauptgötter Odin (Wotan, Wodan, Frigg) oder die Schlachtung von Pferden und Rindern bei Opferfeiern. So gibt es heute 1500 Jahre greifbare Religion, aber keine festgehaltene gemeinsame Basis. Nur auf Grund von langen Wanderungen und großer ethnischer Durchmischung und dazu ab dem 3.Jhd die Berührung und Auseinandersetzung mit dem Christentum ergibt ein Bild der gemeinsamen Religion.

 

Die germanische Religion ging spätestens zum Ende des 1.Jahrtausends, mit der Christianisierung Skandinaviens, unter. Im Volksglauben und insbesondere im Aberglauben sind bei uns noch bis heute einzelne Elemente anzutreffen.

 

Heidnische Rituale finden vorrangig in der freien Natur, am besten in Wäldern, auf Wiesen und Lichtungen, am Wasser oder bei heiligen Bäumen oder Steinen statt. Tacitus erfuhr von den Germanen, dass sie es "für unter der Würde der Götter" hielten, sie "in Wände zu sperren." Der ideale Platz für die meisten Rituale ist ein natürlicher Kraftort in einem Wald. "Bäume sind Heiligtümer. Wer mit ihnen zu sprechen, wer ihnen zuzuhören weiß, der erfährt die Wahrheit", sagt Hermann Hesse. Im Keltischen sind die Wörter für wissen, vid, und Wald, vidu, fast gleich. Im Germanischen heißt wissen vita und Wald widu. Der Wald ist ein Ort von Wissen und Weisheit und als solcher auch ein Ort Wodans, der im Wald, engl. wood, verehrt wird. Der lateinische Begriff nemus, heiliger Hain, der mit keltisch nemeton identisch ist, kommt vom selben Stamm wie numen, das heilige Geheimnis.

 

[1] R.Simek, Götter und Kulte der Germanen, S.7-9.

 

Keramik Ost- und Westgermanen 2./3. Jhd.
Keramik Ost- und Westgermanen 2./3. Jhd.

Die Wasserweihe

 

Diese besondere Weihe eine Art Pendant zur christlichen Taufe bei den heidnischen Germanen. Es ist nicht ganz bewiesen, dass es sie gab - aber es gibt viele Hinweise und Indizien, die dafür sprechen, so dass es doch nicht unwahrscheinlich ist. Man darf die Wasserweihe aber nicht mit der Taufe des Christenvolkes gleichsetzen! Es gibt einige grundlegende Unterschiede; so wurde mit der Weihe nicht der Eintritt in einen Verein (wie der Kirche) gefeiert, sondern der Eintritt in die Sippe. Auch verstand man die Weihe eben als Weihe, und nicht wie die Taufe auch noch als Reinigung.

 

Das Leben des germanischen Kindes begann - natürlich - mit der Geburt. Obwohl man in jener Zeit sehr viel Wissen über Heilkräuter und andere medizinische Sachen hatte, das aber heute leider zu großen Teilen verloren ist, kam es recht häufig vor, dass die Mutter bei der Geburt oder kurz danach verstarb. Daher erbat man sich zuvor den Beistand der großen Muttergöttin Frigg. Sie sollte nicht nur der Mutter beistehen, sondern auch über das Kind, dessen Erziehung und die Sippe wachen. Aber auch Nornen (denn es gibt ja bekanntlich mehr als die drei "Berühmten") und andere weibliche Geisterwesen begleiteten die Geburt, quasi als Hebammen der Geisterwelt.

 

In der Nacht nach der Geburt dann, wenn alles still wurde auf dem Hofe, traten ein paar Nornen an die Kinds-Wiege heran und blickten auf das Neugeborene hinab. Dabei berieten sie sich und beschlossen das künftige Schicksal des Kindes - und "schlechten Nornen" machte man dann selbst im Erwachsenenalter für üble Schicksalsschläge verantwortlich.

 

Die Zeit der Geburt war keine wirklich sichere für das Kind. Neben vielen Krankheiten und Gefahren, die die neue Welt mit sich brachte, war ihm das Stammesrecht nicht sonderlich gewogen. Von manchen Stämmen wissen wir, dass der vermeintliche Vater des Kindes vorerst das Recht inne hatte, das Kleine auszusetzen und in der rauen Natur des Nordens verkommen zu lassen. Möglicherweise machten etwa jene davon Gebrauch, die sich sicher waren, nicht der Vater zu sein, und dass ihre Frau sie betrogen hatte. Mit dem Verfall des Aussetz-Rechtes musste dann für ein getötetes Kind das volle Wergeld (bedeutet etwa "Menschen-Geld") als Strafe bezahlt werden. Doch wann verfiel dieses Recht? Entweder mit dem ersten Stillen des Kindes durch die Mutter, oder eben durch die Wasserweihe. Bei diesem Fest kam die Sippe im feierlichen Kreis zusammen. Der Vater setzte sich hin und nahm das Kind auf den Schoß - war er verhindert, so konnte der Onkel mütterlicherseits oder gar der Fürst als Pate einspringen - er hatte dann auch noch ein Geschenk mit zu bringen. Wie dem auch sei, dann tauchte der Vater seine Hand in eine Schüssel geweihten Wassers und besprenkelte damit die Stirn des Kindes. Das mag an dieser Stelle vielleicht von den Christen abgeschaut erscheinen, doch noch bis in das Mittelalter hinein verliefen christliche Taufen so, dass der Getaufte dabei gänzlich im Fluss, See oder Taufbecken untertauchte; immerhin war es ja eine Reinigung.

 

Die heidnische Weihe dagegen war dagegen lediglich eine Weihe; ergo wurde das Kind der Sippe "geweiht". Aufgrund dessen verfiel eben das Recht des Aussetzens, der Vater erkannte das Kind als seinen Erben an. Besiegelt wurde dies mit der nun endgültig festgelegten Namensvergabe an das Kind. Dadurch, dass der Name des Vaters an den Sohn/der Mutter an die Tochter weitergegeben wurde, entstand eine enge spirituelle Bindung an die Sippe. Sowas nennt man ein "Patronym" (bzw. bei der Mutter Matronym) und das ist bis heute etwa auf Island noch recht beliebt.

 

Um ein Beispiel zu nennen: Der Sohn von Holger Friedrichsen hieße Bruno Holgersen. Oder die Tochter von Elke Hilddottir hieße Frieda Elkdottir.

 

Somit war das Kind nun gänzlich in die Sippe aufgenommen, ein Mitglied einer uralten Blutlinie, die sich durch den ganzen Stamm zog und sich auf einen Urahnen zurück berief. Die Bindung zwischen Ahnen und Erben war bei den Germanen eine sehr wichtige, tiefgreifende und spirituelle. Das nächste Fest, was dem Kinde bevor stand, war die erste Zahnung. Hierbei wurde ihm erneut ein großes Geschenk gemacht, was auch in den alten Sagen festgehalten ist: Der Fruchtbarkeits-Gott Freyr erhielt - als er seinen ersten Zahn bekam - als Geschenk die Herrschaft über das Land der wunderschönen Elfen; Alfheim. Seit dem wacht er über diese Licht-Geister wie Thor über uns Menschen wacht.

 

Auszug aus: www.facebook.com/GermanischeGoetterwelt