Liebespaar auf Goldplättchen
Liebespaar auf Goldplättchen

Die Edda erzählt von längst versunkenen nordischen Welten: was es mit Odins Raben und dem Fenrirwolf auf sich hat; wie sich die Midgardschlange als Weltenmeer um das Reich des Menschen legt und beim Weltuntergang den Helden Thor besiegt.

 

Die Heldengesänge führen sprachgewaltig mitten in die Hunnenschlacht oder den Drachenhort. Die Edda umfasst den ganzen Kosmos altnordischen Glaubens und Dichtens. Sie ist zugleich Götterkunde und Heldenepos, Spruchweisheit und Sittengedicht, Zauberlied und Vision von poetischer Kraft. Die Übertragung durch den Altgermanisten Felix Gezmer gilt in ihrer Originaltreue und sprachlichen Schönheit als unübertroffen.

 

Mit dem Begriff Edda verbindet man oft die Vorstellung von Dichtungen, die in eine graue germanische Vorzeit zurückreichen, von urtümlichen Heldenliedern, alten, germanischen Mythen oder von geheimnisvollem Wissen.

Zunächst muß man die Lieder Edda als Schöpfungen des Hochmittelalters betrachten, und erst in zweiter Linie kann man untersuchen, wieweit ihre Stoffe oder ihre Formen oder auch ihre geistige Haltung weiter zurückreichen und Vorstellungen viel früherer Epochen wiedergeben. Denn unter dem Namen Edda faßt man Dichtungen zusammen, die vor allem im 13. Jahrhundert in Island niedergeschrieben worden sind, also zu einer Zeit, als die Bwohner der Insel seit mehr als zwei Jahrhunderten Christen waren und gewiß nicht mehr einfach an die alten heidnischen Götter des Nordens glaubten.

Dabei ist der Name Edda selbst erklärungsbedürftig, denn zu Recht kommt er nur einem großen poetologischen Handbuch von Snorri Sturluson (1178/79–1241) zu, das gewöhnlich als Jüngere Edda bezeichnet wird (vgl. Sammlung Thule, Bd. 20).

 

Eine Handschrift dieses Werkes enthält die Überschrift: „Dieses Buch heißt Edda, Snorre Sturlas Sohn hat es zusammengesetzt, so wie es hier geordnet ist“

Allerdings ist die Bedeutung des Namens Edda nicht gesichert: möglicherweise bezieht es sich auf den Ort Oddi in Südwestisland, an dem Snorri erzogen wurde; dann würde der Name „Buch von Oddi“ bedeuten. Vielleicht – so meinte man vor allem in früherer Zeit und vereinzelnd auch noch heute – ist es zu einem altnordischen Wort Edda, „Urgroßmutter“, zu stellen.

 

Der Name kann aber auch zu einem Wort odr, „Gesang, Dichtung“, gehören und seine eigentliche Bedeutung wäre dann einfach „Buch von der Dichtung, Poetik“.


Auszug aus: "Die Edda: Götterdichtung, Spruchweisheit und Heldengesänge der Germanen,F. Genzmer, 1981"