- Die EDDA –

 

 

Die hier vorliegende Edda, basiert auf der Übersetzung von Karl Simrock,

 

geb. in Bonn 28.8.1802, gest. ebenda am 18.7. 1876. Die Edda, die "Großmutter" der germanischen Mythen sollte jedem Menschen frei zugänglich sein.

 

Die ältere Edda, Göttersagen

 

Wöluspa-Der Seherin Ausspruch

Grimnismal-Das Lied von Grimnir

Vafthrudnismal-Das Lied von Wafthrudnir

Hrafnagaldr-Odins Rabenzauber

Vegtamskvida-Das Wegtamslied

Havamal-Des Hohen Lied

Harbardsliod-Das Harbardslied

Hymiskvida-Die Sage von Hymir

Ägisdrecka-Ägirs Trinkgelag

Thrymskvida oder Hamarsheimt-Thryms-Sage oder des Hammers Heimholung

Alvissmal-Das Lied von Alwis

Skirnisför-Skirnirs Fahrt

Grogaldr-Groas Erweckung

Fiölsvinsmal-Das Lied von Fiölswinn

Rigsmal-Das Lied von Rig

Hyndluliod-Das Hyndlalied

 

 

Wöluspa

 

Der Seherin Ausspruch

 

1- Allen Edlen gebiet ich Andacht, Hohen und Niedern von Heimdalls Geschlecht; Ich will Walvaters Wirken künden, Die ältesten Sagen, der ich mich entsinne.

 

2- Riesen acht ich die Urgebornen, Die mich vor Zeiten erzogen haben. Neun Welten kenn ich, neun Äste weiß ich An dem starken Stamm im Staub der Erde.

 

3- Einst war das Alter, da Ymir lebte: Da war nicht Sand nicht See, nicht salzge Wellen, Nicht Erde fand sich noch Überhimmel, Gähnender Abgrund und Gras nirgend.

 

4- Bis Börs Söhne die Bälle erhuben, Sie die das mächtige Midgard schufen. Die Sonne von Süden schien auf die Felsen Und dem Grund entgrünte grüner Lauch.

 

5- Die Sonne von Süden, des Mondes Gesellin, Hielt mit der rechten Hand die Himmelsrosse. Sonne wußte nicht wo sie Sitz hätte, Mond wußte nicht was er Macht hätte, Die Sterne wußten nicht wo sie Stätte hatten.

 

6- Da gingen die Berater zu den Richterstühlen, Hochheilge Götter hielten Rat. Der Nacht und dem Neumond gaben sie Namen, Hießen Morgen und Mitte des Tags, Under und Abend, die Zeiten zu ordnen.

 

7- Die Asen einten sich auf dem Idafelde, Hof und Heiligtum hoch sich zu wölben. (Übten die Kräfte alles versuchend,) Erbauten Essen und schmiedeten Erz, Schufen Zangen und schön Gezäh.

 

8- Sie warfen im Hofe heiter mit Würfeln Und darbten goldener Dinge noch nicht. Bis drei der Thursen-Töchter kamen Reich an Macht, aus Riesenheim.

 

9- Da gingen die Berater zu den Richterstühlen, Hochheilge Götter hielten Rat, Wer schaffen sollte der Zwerge Geschlecht Aus Brimirs Blut und blauen Gliedern.

 

10- Da ward Modsognir der mächtigste Dieser Zwerge und Durin nach ihm. Noch manche machten sie menschengleich Der Zwerge von Erde, wie Durin angab.

 

11- Nyi und Nidi, Nordri und Sudri, Austri und Westri, Althiof, Dwalin, Nar und Nain, Niping, Dain, Bifur, Bafur, Bömbur, Nori; Ann und Anarr, Ai, Miödwitnir.

 

12- Weig, Gandalf, Windalf, Thrain, Theck und Thorin, Thror, Witr und Litr, Nar und Nyrad; nun sind diese Zwerge, Regin und Raswid, richtig aufgezählt.

 

13- Fili, Kili, Fundin, Nali, Hepti, Wili, Hannar und Swior, Billing, Bruni, Bild, Buri, Frar, Hornbori, Frägr und Loni, Aurwang, Jari, Eikinskjaldi.

 

14- Zeit ist's, die Zwerge von Dwalins Zunft Den Leuten zu leiten bis Lofar hinauf, Die aus Gestein und Klüften strebten Von Aurwangs Tiefen zum Erdenfeld.

 

15- Da war Draupnir und Dolgtrasir, Har, Haugspori, Hläwang, Gloi, Skirwir, Wirwir, Skafid, Ai, Alf und Yngwi, Eikinskjaldi.

 

16- Fialar und Frosti, Finnar und Ginnar, Heri, Höggstari, Hliodolf, Moin. So lange Menschen leben auf Erden, Wird zu Lofar hinauf ihr Geschlecht geleitet.

 

17- Gingen da dreie aus dieser Versammlung, Mächtige, milde Asen zumal, Fanden am Ufer unmächtig Ask und Embla und ohne Bestimmung.

 

18- Besaßen nicht Seele, und Sinn noch nicht, Nicht Blut noch Bewegung, noch blühende Farbe. Seele gab Odin, Hönir gab Sinn, Blut gab Lodur und blühende Farbe.

 

19- Eine Esche weiß ich, heißt Yggdrasil, Den hohen Baum netzt weißer Nebel; Davon kommt der Tau, der in die Täler fällt. Immergrün steht er über Urds Brunnen.

 

20- Davon kommen Frauen, vielwissende, Drei aus dem See dort unterm Wipfel. Urd heißt die eine, die andre Werdani: Sie schnitten Stäbe; Skuld hieß die dritte. Sie legten Lose, das Leben bestimmten sie Den Geschlechtern der Menschen, das Schicksal verkündend.

 

21- Allein saß sie außen, da der Alte kam, Der grübelnde Ase, und ihr ins Auge sah. Warum fragt ihr mich? Was erforscht ihr mich? Alles weiß ich, Odin, wo du dein Auge bargst :

 

22- In der vielbekannten Quelle Mimirs. Met trinkt Mimir allmorgendlich Aus Walvaters Pfand! Wißt ihr, was das bedeutet?

 

23- Ihr gab Heervater Halsband und Ringe Für goldene Sprüche und spähenden Sinn. Denn weit und breit sah sie über die Welten all.

 

24- Ich sah Walküren weither kommen, Bereit zu reiten zum Rat der Götter. Skuld hielt den Schild, Skögol war die andre, Gunn, Hilde, Göndul und Geirskögul. Hier nun habt ihr Herjans Mädchen, Die als Walküren die Welt durchreiten.

 

25- Da wurde Mord in der Welt zuerst, Da sie mit Geren Gulweig (die Goldkraft) stießen, In des Hohen Halle die helle brannten. Dreimal verbrannt ist sie dreimal geboren, Oft, unselten, doch ist sie am Leben.

 

26- Heid hieß man sie wohin sie kam, Wohlredende Wala zähmte sie Wölfe. Sudkunst konnte sie, Seelenheil raubte sie, Übler Leute Liebling allezeit.

 

27- Da gingen die Berater zu den Richterstühlen, Hochheilige Götter hielten Rat, Ob die Asen sollten Untreue strafen, Oder. alle Götter Sühnopfer empfahn.

 

28- Gebrochen war der Burgwall den Asen, Schlachtkundge Wanen stampften das Feld. Odin schleuderte über das Volk den Spieß: Da wurde Mord in der Welt zuerst.

 

29- Da gingen die Berater zu den Richterstühlen, Hochheilge Götter hielten Rat, Wer mit Frevel hätte die Luft erfüllt, Oder dem Riesenvolk Odhurs Braut gegeben?

 

30- Von Zorn bezwungen zögerte Thor nicht, Er säumt selten wo er solches vernimmt: Da schwanden die Eide, Wort und Schwüre, Alle festen Verträge jüngst trefflich erdacht.

 

31- Ich weiß Heimdalls Horn verborgen Unter dem himmelhohen heiligen Baum. Einen Strom seh ich stürzen mit starkem Fall Aus Walvaters Pfand: wißt ihr, was das bedeutet?

 

32- Östlich saß die Alte im Eisengebüsch Und fütterte dort Fenrirs Geschlecht. Von ihnen allen wird eins das schlimmste: Des Mondes Mörder übermenschlicher Gestalt.

 

33- Ihn mästet das Mark gefällter Männer, Der Seligen Saal besudelt das Blut. Der Sonne Schein dunkelt in kommenden Sommern, Alle Wetter wüten: wißt ihr, was das bedeutet?

 

34- Da saß am Hügel und schlug die Harfe Der Riesin Hüter, der heitre Egdir. Vor ihm sang im Vogelwalde Der hochrote Hahn, geheißen Fialar.

 

35- Den Göttern gellend sang Gullinkambi, Weckte die Helden beim Heervater, Unter der Erde singt ein andrer, Der schwarzrote Hahn in den Sälen Hels.

 

36- Ich sah dem Baldur dem blühenden Opfer, Odins Sohne, Unheil drohen. Gewachsen war über die Wiesen hoch Der zarte, zierliche Zweig der Mistel.

 

37- Von der Mistel kam, so dauchte mich Häßlicher Harm, da Hödur schoß. (Baldurs Bruder, war kaum geboren, Als einsichtig Odins Erbe zum Kampf ging. Die Hände nicht wusch er, das Haar nicht kämmt er, Eh er zum Bühle trug Baldurs Töter.) Doch Frigg beklagte in Fensal dort Walhalls Verlust: wißt ihr, was das bedeutet?

 

38- In Ketten lag im Quellenwalde In Unholdgestalt der arge Loki. Da sitzt auch Sigyn unsanfter Gebärde, Des Gatten Waise: wißt ihr, was das bedeutet?

 

39- Gewoben weiß da Wala Todesbande, Und fest geflochten die Fessel aus Därmen. Viel weiß der Weise, weit seh ich voraus Der Welt Untergang, der Asen Fall. Gräßlich heult Garm vor der Gnupahöhle, Die Fessel bricht und Freki rennt.

 

40- Ein Strom wälzt ostwärts durch Eitertäler Schlamm und Schwerter, der Slidur heißt.

 

41- Nördlich stand an den Nidabergen Ein Saal aus Gold für Sindris Geschlecht. Ein andrer stand auf Okolnir Des Riesen Biersaal, Brimir genannt.

 

42- Einen Saal seh ich, der Sonne fern In Nastrands, die Türen sind nordwärts gekehrt. Gifttropfen fallen durch die Fenster nieder; Mit Schlangenrücken ist der Saal gedeckt.

 

43- Im starrenden Strome stehn da und waten Meuchelmörder und Meineidige (Und die andrer Liebsten ins Ohr geraunt). Da saugt Nidhögg die entseelten Leiber, Der Menschenwürger: wißt ihr, was das bedeutet?

 

44- Viel weiß der Weise, sieht weit voraus Der Welt Untergang, der Asen Fall.

 

45- Brüder befehden sich und fällen einander, Geschwister sieht man die Sippe brechen. Der Grund erdröhnt, üble Disen fliegen; Der eine schont des andern nicht mehr.

 

46- Unerhörtes ereignet sich, großer Ehbruch. Beilalter, Schwertalter, wo Schilde krachen, Windzeit, Wolfszeit eh die Welt zerstürzt.

 

47- Mimirs Söhne spielen, der Mittelstamm entzündet sich Beim gellenden Ruf des Giallarhorns. Ins erhobne Horn bläst Heimdall laut, Odin murmelt mit Mimirs Haupt.

 

48- Yggdrasil zittert, die Esche, doch steht sie, Es rauscht der alte Baum, da der Riese frei wird. (Sie bangen alle in den Banden Hels Bevor sie Surturs Flamme verschlingt.) Gräßlich heult Garm vor der Gnupahöhle, Die Fessel bricht und Freki rennt.

 

49- Hrym fährt von Osten und hebt den Schild, Jörmungand wälzt sich im Jötunmute. Der Wurm schlägt die Flut, der Adler facht, Leichen zerreißt er; los wird Naglfar.

 

50- Der Kiel fährt von Osten, da kommen Muspels Söhne Über die See gesegelt; sie steuert Loki. Des Untiers Abkunft ist all mit dem Wolf; Auch Bileists Bruder ist ihm verbündet.

 

51- Surtur, fährt von Süden mit flammendem Schwert, Von seiner Klinge scheint die Sonne der Götter. Steinberge stürzen, Riesinnen straucheln, Zu Hel fahren Helden; der Himmel klafft.

 

52- Was ist mit den Asen? Was ist mit den Alfen? All Jötunheim ächzt, die Asen versammeln sich. Die Zwerge stöhnen vor steinernen Türen, Der Bergwege Weiser: wißt ihr, was das bedeutet?

 

53- Da hebt sich Hlins anderer Harm, Da Odin eilt zum Angriff des Wolfs. Belis Mörder mißt sich mit Surtur; Schon fällt Friggs einzige Freude.

 

54- Nicht säumt Siegvaters erhabner Sohn Mit dem Leichenwolf, Widar, zu fechten: Er stößt dem Hwedrungssohn den Stahl ins Herz Durch gähnenden Rachen: so rächt er den Vater.

 

55- Da kommt geschritten Hlodyns schöner Erbe, Wider den Wurm wendet sich Odins Sohn. Mutig trifft ihn Midgards Segner. Doch fährt neun Fuß weit Fiörgyns Sohn Weg von der Natter, die nichts erschreckte. Alle Wesen müssen die Weltstatt räumen.

 

56- Schwarz wird die Sonne, die Erde sinkt ins Meer, Vom Himmel schwinden die heitern Sterne. Glutwirbel umwühlen den allnährenden Weltbaum, Die heiße Lohe beleckt den Himmel.

 

57- Da seh ich auftauchen zum andernmale Aus dem Wasser die Erde und wieder grünen. Die Fluten fallen, darüber fliegt der Aar, Der auf dem Felsen nach Fischen weidet.

 

58- Die Asen einen sich auf dem Idafelde, Über den Weltumspanner zu sprechen, den großen. Uralter Sprüche sind sie da eingedenk, Von Fimbultyr gefundner Runen.

 

59- Da werden sich wieder die wundersamen Goldenen Bälle im Grase finden, Die in Urzeiten die Asen hatten, Der Fürst der Götter und Fiölnirs Geschlecht.

 

60- Da werden unbesät die Äcker tragen, Alles Böse bessert sich, Baldur kehrt wieder. In Heervaters Himmel wohnen Hödur und Baldur, Die walweisen Götter. Wißt ihr, was das bedeutet?

 

61- Da kann Hönir selbst sein Los sich kiesen, Und beider Brüder Söhne bebauen Das weite Windheim. Wißt ihr, was das bedeutet?

 

62- Einen Saal seh ich heller als die Sonne, Mit Gold bedeckt auf Gimils Höhn:, Da werden bewährte Leute wohnen Und ohne Ende der Ehren genießen.

 

63- Da reitet der Mächtige zum Rat der Götter, Der Starke von oben, der alles steuert. Den Streit entscheidet er, schlichtet Zwiste, Und ordnet ewige Satzungen an.

 

64- Nun kommt der dunkle Drache geflogen, Die Natter hernieder aus Nidafelsen. Das Feld überfliegend trägt er auf den Flügeln Nidhöggurs-Leichen - und nieder senkt er sich.

 

Grimnismal

 

Das Lied von Grimnir

 

König Hraudung hatte zwei Söhne: der eine hieß Agnar, der andere Geirröd. Agnar war zehn Winter, Geirröd acht Winter alt. Da ruderten beide auf einem Boot mit ihren Angeln zum Kleinfischfang. Der Wind trieb sie in die See hinaus. Sie scheiterten in dunkler Nacht an einem Strand, stiegen hinauf und fanden einen Hüttenbewohner, bei dem sie überwinterten. Die Frau pflegte Agnars, der Mann Geirröds und lehrte ihn schlauen Rat. Im Frühjahr gab ihnen der Bauer ein Schiff, und als er sie mit der Frau an den Strand begleitete, sprach er mit Geirröd allein. Sie hatten guten Wind und kamen zu dem Wohnsitz ihres Vaters. Geirröd, der vorn im Schiffe war, sprang ans Land, stieß das Schiff zurück und sprach: Fahr nun hin in böser Geister Gewalt. Das Schiff trieb in die See, aber Geirröd ging hinauf in die Burg und ward da wohl empfangen. Sein Vater war eben gestorben, Geirröd ward also zum König eingesetzt und gewann große Macht.

 

Odin und Frigg saßen auf Hlidskialf und überschauten die Welt. Da sprach Odin: ,,Siehst du Agnar, deinen Pflegling, wie er in der Höhle mit einem Riesenweibe Kinder zeugt; aber Geirröd, mein Pflegling, ist König und beherrscht sein Land." Frigg sprach: ,,Er ist aber solch ein Neidling, daß er seine Gäste quält, weil er fürchtet, es möchten zu viele kommen." Odin sagte, das sei eine große Lüge; da wetteten die beiden hierüber. Frigg sandte ihr Schmuckmädchen Fulla zu Geirröd und trug ihr auf, den König zu warnen, daß er sich vor einem Zauberer hüte, der in sein Land gekommen sei, und gab zum Wahrzeichen an, daß kein Hund so böse sei, daß er ihn angreifen möge.

 

Es war aber eine große Unwahrheit, daß König Geirröd seine Gäste so ungern speise; doch ließ er Hand an den Mann legen, den die Hunde nicht angreifen wollten. Er trug einen blauen Mantel und nannte sich Grimnir, sagte aber nicht mehr von sich, auch wenn man ihn fragte. Der König ließ ihn zur Rede peinigen und setzte ihn zwischen zwei Feuer, und da saß er acht Nächte. König Geirröd hatte einen Sohn, der zehn Winter alt war und Agnar hieß nach des Königs Bruder. Agnar ging zu Grimnir, gab ihm ein volles Horn zu trinken, und sagte, der König täte übel, daß er ihn schuldlos peinigen ließe. Grimnir trank es aus; da war das Feuer so weit gekommen, daß Grimnirs Mantel brannte. Er sprach:

 

1- Heiß bist du, Flamme, zuviel ist der Glut: Laß uns scheiden, Lohe! Schon brennt der Zipfel, zieh ich ihn gleich empor, Feuer fängt der Mantel.

 

2- Acht Nächte fanden mich zwischen Feuern hier, Daß mir niemand Nahrung bot Als Agnar allein; allein soll auch herrschen Geirröds Sohn über der Goten Land.

 

3- Heil dir, Agnar, da Heil dir erwünscht Der Helden Herrscher. Für einen Trunk mag kein andrer dir Beßre Gabe bieten.

 

4- Heilig ist das Land, das ich liegen sehe Den Asen nah und Alfen. Dort in Thrudheim soll Thor wohnen Bis die Götter vergehen.

 

5- Ydalir heißt es, wo Uller hat Den Saal sich erbaut. Alfheim gaben dem Freyr die Götter im Anfang Der Zeiten als Zahngebinde.

 

6- Die dritte Halle hebt sich, wo die heitern Götter Den Saal mit Silber deckten. Walaskialf, heißt sie, die sich erwählte Der As in alter Zeit.

 

7- Sökkwabeck heißt die vierte, kühle Flut Überrauscht sie immer; Odin und Saga trinken alle Tage Da selig aus goldnen Schalen.

 

8- Gladsheim heißt die fünfte, wo golden schimmert Walhalls weite Halle: Da kiest sich Odin alle Tage Vom Schwert erschlagne Männer.

 

9- Leicht erkennen können, die zu Odin kommen, Den Saal, wenn sie ihn sehen: Aus Schäften ist das Dach gefügt und mit Schilden bedeckt, Mit Brünnen die Bänke bestreut.

 

10- Leicht erkennen können, die zu Odin kommen, Den Saal, wenn sie ihn sehen: Ein Wolf hängt vor dem westlichen Tor, Über ihm dräut ein Aar.

 

11- Thrymheim heißt die sechste, wo Thiassi hauste, Jener mächtige Jote. Nun bewohnt Skadi, die scheue Götterbraut Des Vaters alte Veste.

 

12- Die siebente ist Breidablick: da hat Baldur sich Die Halle erhöht Zu jener Gegend, wo der Greuel ich Die wenigsten lauschen weiß.

 

13- Himinbiörg, ist die achte, wo Heimdall soll Der Weihestatt walten. Der Wächter der Götter trinkt in wonnigem Hause Da selig den süßen Met.

 

14- Volkwang ist die neunte: da hat Freyja Gewalt Die Sitze zu ordnen im Saal. Der Walstatt Hälfte wählt sie täglich, Odin hat die andre Hälfte.

 

15- Glitnir, ist die zehnte; auf goldnen Säulen ruht Des Saales Silberdach. Da thront Forseti den langen Tag Und schlichtet allen Streit.

 

16- Noatun ist die elfte: da hat Niördr Sich den Saal erbaut. Ohne Mein (Fehl) und Makel der Männerfürst Waltet hohen Hauses.

 

17- Mit Gesträuch begrünt sich und hohem Grase Widars Land Widi. Da steigt der Sohn auf den Satell der Mähre Den Vater zu rächen bereit.

 

18- Andhrimnir läßt in Eldhrimnir Sährimnir sieden, Das beste Fleisch; doch erfahren wenige, Was die Einherjer essen.

 

19- Geri und Freki füttert der krieggewohnte Herrliche Heervater, Da nur von Wein der waffenhehre Odin ewig lebe.

 

20- Hugin und Munin müssen jeden Tag Über die Erde fliegen. Ich fürchte, daß Hugin niche nach Hause kehrt; Doch sorg ich mehr um Munin.

 

21- Thundr ertönt, wo Thiodwitnirs Fisch in der Flut spielt; Des Stromes Ungestüm dünkt zu stark Durch Walglaumir zu waten.

 

22- Walgrind heißt das Gitter, das auf dem Grunde steht Heilig vor heilgen Türen. Alt ist das Gitter; doch ahnen wenige Wie sein Schloß sich schließt.

 

23- Fünfhundert Türen und viermal zehn Wähn ich in Walhall. Achthundert Einherier ziehn aus je einer, Wenn es dem Wolf zu wehren gilt.

 

24- Fünfhundert Stockwerke und viermal zehn Weiß ich in Bilskirnirs Bau. Von allen Häusern, die Dächer haben, Glaub ich meines Sohns das größte.

 

25- Heidrun heißt die Ziege vor Heervaters Saal, Die an Lärads Laube zehrt. Die Schale soll sie füllen mit schäumendem Met; Der Milch ermangelt sie nie.

 

26- Eikthyrnir heißt der Hirsch vor Heervaters Saal, Der an Lärads Laube zehrt. Von seinem Horngeweih tropft es nach Hwergelmir: Davon stammen alle Ströme.

 

27- Sid und Wid, Sökin und Eikin, Swöll und Gunthro, Fiörm und Fimbultul, Rin und Rennandi, Gipul und Göpul, Gömul und Geirwimul. Um die Götterwelt wälzen sich Thyn und Win, Thöll und Höll, Grad und Gunthorin.

 

28- Wina heißt einer, ein anderer Wegswinn, Ein dritter Diotnuma. Nyt und Nöt, Nönn und Hrönn, Slid und Hrid, Sylgr und YIgr, Wid und Wan, Wönd und Strönd, Giöll und Leiptr: diese laufen den Menschen näher Und von hier zur Hel hinab.

 

29- Körmt und Örmt und beide Kerlaug Watet Thor täglich, Wenn er reitet Gericht zu halten Bei der Esche Yggdrasil; Denn die Asenbrücke steht all in Lohe, Heilige Fluten flammen.

 

30- Gladr und Gyllir, Gler und Skeidbrimir, Silfrintopp und Sinir, Gisl und Falhofnir, Gulltopp und Lettfeti: Diese Rosse reiten die Asen Täglich, wenn sie reiten Gericht zu halten Bei der Esche Yggdrasil.

 

31- Drei Wurzeln strecken sich nach dreien Seiten Unter der Esche Yggdrasil: Hel wohnt unter einer, unter der andern Hrimthursen, Aber unter der dritten Menschen.

 

32- Ratatösk heißt das Eichhorn, das auf und ab rennt An der Esche Yggdrasil: Des Adlers Worte oben vernimmt es Und bringt sie Nidhöggern nieder.

 

33- Der Hirsche sind vier, die mit krummem Halse An der Esche Ausschüssen weiden: Dain und Dwalin, Duneyr und Durathror.

 

34- Mehr Würme liegen unter den Wurzeln der Esche Als einer meint der unklugen Affen.

 

Goin und Moin, Grafwitnirs Söhne, Grabak und Grafwöllud, Ofnir und Swafnir sollen ewig Von der Wurzeln Zweigen zehren.

 

35- Die Esche Yggdrasil duldet Unbill Mehr als Menschen wissen. Der Hirsch weidet oben, hohl wird die Seite, Unten nagt Nidhöggr.

 

36- Hrist und Mist sollen das Horn mir reichen, Skeggöld und Skögul, Hlöck und Herfiötur, Hild und Thrud, Göll und Geirölul; Randgrid und Rathgrid und Reginleif Schenken den Einherjern Ael.

 

37- Arwak und Alswid sollen immerdar Schmachtend die Sonne führen.Unter ihre Bugen bargen milde Mächte, Die Asen, Eisenkühle.

 

38- Swalin heißt der Schild, der vor der Sonne steht, Der glänzenden Gottheit. Brandung und Berge verbrennten zumal, Sänk er von seiner Stelle.

 

39- Sköll heißt der Wolf, der der scheinenden GottheitFolgt in die schützende Flut; Hati der andre, Hrodwitnirs Sohn, Eilt der Himmelsbraut voraus.

 

40- Aus Ymirs, Fleisch ward die Erde geschaffen, Aus dem Schweiße die See, Aus dem Gebein die Berge, die Bäume aus dem Haar, Aus der Hirnschale der Himmel.

 

41- Aus den Augenbrauen schufen gütge Asen Midgard den Menschensöhnen; Aber aus seinem Hirn sind alle hartgemuten Wolken erschaffen worden.

 

42- Ullers Gunst hat und aller Götter, Wer zuerst die Lohe löscht, Denn die Aussicht öffnet sich den Asensöhnen, Wenn der Kessel vom Feuer kommt.

 

43- Iwalts Söhne, ging in Urtagen Skidbladnir zu schaffen, Das beste der Schiffe, für den schimmernden Freyr, Niörds nützen Sohn,

 

44- Die Esche Yggdrasil, ist der Bäume erster, Skidbladnir der Schiffe, Odin der Asen, aller Rosse Sleipnir, Bifröst der Brücken, Bragi der Skalden, Habrok der Habichte, der Hunde Garm.

 

45- Mein Antlitz sahen nun der Sieggötter Söhne, So wird mein Heil erwachen: Alle Asen werden Einzug halten Zu des Wütrichs Saal, Zu des Wütrichs Mahl

 

46- Ich heiße Grimr und Gangleri, Herjan und Hialmberi, Theck und Thridi, Thudr und Udr, Helblindi und Har,

 

47- Sadr und Swipal und Sanngetal, Herteitr und Hnikar, Bileig, Baleig, Bölwerk, Fiölnir, Grimur und Glapswid,

 

48- Sidhött, Sidskegg, Siegvater, Hnikud, Allvater, Walvater, Atrid und Farmatyr; Eines Namens genüge mir nie Seit ich unter die Völker fuhr.

 

49- Grimnir hießen sie mich bei Geirröd, Bei Asmund Jalk; Kialar schien ich, da ich Schlitten zog; Thror dort im Thing; Widr den Widersachern; Oski und Omi, Jafnhar und Biflindi, Göndlir und Harbard bei den Göttern.

 

50- Swidur und Swidrir hieß ich bei Söckmimir, Als ich den alten Thursen trog, Und Midwitnirs, des mären Unholds, Sohn Im Einzelkampf umbrachte.

 

51- Toll bist du, Geirröd, hast zuviel getrunken, Der Met ward dir Meister. Viel verlorst du, meiner Liebe darbend: Aller Einherjer und Odins Huld.

 

52- Viel sagt ich dir: du schlugst es in den Wind, Die Vertrauten trogen dich. Schon seh ich liegen meines Lieblings Schwert Vom Blut erblindet.

 

53- Die schwertmüde Hülle hebt nun Yggr auf, Da das Leben dich ließ: Abhold sind dir die Disen, nun magst du Odin schauen: Komm heran, wenn du kannst.

 

54- Odin heiß ich nun, Yggr hieß ich eben, Thund hab ich geheißen. Wak und Skilfing, Wafud und Hroptatyr, Gaut und Jalk bei den Göttern, Ofnir und Swafnir: deren Ursprung weiß ich Aller aus mir allein. König Geirröd saß und hatte das Schwert auf den Knien halb aus der Scheide gezogen. Als er aber vernahm, daß Odin gekommen sei, sprang er auf und wollte ihn aus den Feuern führen. Da glitt ihm das Schwert aus den Händen, der Griff nach unten gekehrt. Der König strauchelte und durch das Schwert, das ihm entgegenstand, fand er den Tod. Da verschwand Odin und Agnar war da König lange Zeit.

 

Vafthrudnismal

 

Das Lied von Wafthrudnir

 

Odin: 1- Rat du mir nun, Frigg, da mich zu fahren lüstet Zu Wafthrudnirs Wohnungen; Denn groß ist mein Vorwitz über der Vorwelt Lehren Mit dem allwissenden Joten zu streiten.

 

Frigg: 2- Daheim zu bleiben, Heervater, mahn ich dich Zu der Asen Gehegen, Da vom Stamm der Joten ich stärker keinen Als Wafthrudnirn weiß.

 

Odin : 3- Viel erfuhr ich, viel versucht ich, Befrug der Wesen viel; Nun will ich wissen wie's in Wafthrudnirs Sälen beschaffen ist.

 

Frigg : 4- Heil denn fahre, heil denn kehre, Heil dir auf deinen Wegen! Dein Witz bewähre sich, da du, Weltenvater, Mit Riesen Rede tauschest. -5 Fuhr da Odin zu erforschen die Weisheit Des allklugen Joten. Er kam zu der Halle, die Ims Vater hatte; Eintrat Yggr alsbald.

 

Odin : 6- Heil dir, Wafthrudnir! In die Halle kam ich Dich selber zu sehen. Zuerst will ich wissen ob du weise bist Und ein allwissender Jote.

 

Wafthrudnir: 7- Wer ist der Mann, der in meinem Saal Das Wort an mich wendet? Aus kommst du nimmer aus unsern Hallen, Wenn du nicht weiser bist.

 

Odin : 8- Gangrad heiß ich, die Wege ging ich Durstig zu deinem Saal. Bin weit gewandert, des Wirts, o Riese, Und deines Empfangs bedürftig.

 

Wafthrudnir : 9- Was hältst du und sprichst an der Hausflur, Gangrad? Nimm dir Sitz im Saale: So wird erkannt wer kundiger sei, Der Gast oder der graue Redner.

 

Gangrad : 10- Kehrt Armut ein beim Überfluß, Spreche sie gut oder schweige. Übeln Ausgang nimmt Übergeschwätzigkeit Bei mürrischem Manne.

 

Wafthrudnir: 11- Sage du, so du von der Flur versuchen willst, Gangrad, dein Glück, Wie heißt der Hengst, der herzieht den Tag Über der Menschen Menge?

 

Gangrad : 12- Skinfari heißt er, der den schimmernden Tag zieht Über der Menschen Menge. Für der Füllen bestes gilt es den Völkern, Stets glänzt die Mähne der Mähre.

 

Wafthrudnir: 13- Sage denn, so du von der Flur versuchen willst, Gangrad, dein Glück, Den Namen des Rosses, das die Nacht bringt von Osten Den waltenden Wesen?

 

Gangrad : 14- Hrimfaxi heißt es, das die Nacht herzieht Den waltenden Wesen. Mehltau fallt ihm am Morgen vom Gebiß Und füllt mit Tau die Täler.

 

Wafthrudnir: 15- Sage denn, so du von der Flur versuchen willst, Gangrad, dein Glück, Wie heißt der Strom, der dem Stamm der Riesen Den Grund teilt und den Göttern?

 

Gangrad : 16- Ifing heißt der Strom, der dem Stamm der Riesen Den Grund teilt und den Göttern. Durch alle Zeiten zieht er offen, Nie wird Eis ihn engen.

 

Wafthrudnir : 17- Sage denn, so du von der Flur versuchen willst, Gangrad, dein Glück, Wie heißt das Feld, wo zum Kampf sich finden Surtur und die selgen Götter?

 

Gangrad : 18- Wigrid heißt das Feld, da zum Kampf sich finden Surtur und die selgen Götter. Hundert Rasten zählt es rechts und links: Solcher Walplatz wartet ihrer.

 

Wafthrudnir: 19- Klug bist du, Gast: geh zu den Riesenbänken Und laß uns sitzend sprechen. Das Haupt stehe hier in der Halle zur Wette, Wandrer, um weise Worte.

 

Gangrad : 20- Sage zum ersten, wenn Sinn dir ausreicht Und du es weißt, Wafthrudnir, Erd und Überhimmel, von wannen zuerst sie Kamen? kluger Jote!

 

Wafthrudnir: 21- Aus Ymirs Fleisch, ward die Erde geschaffen, Aus dem Gebein die Berge, Der Himmel aus der Hirnschale des eiskalten Hünen, Aus seinem Schweiße die See.

 

Gangrad : 22- Sag mir zum andern, wenn der Sinn dir ausreicht Und du es weißt, Wafthrudnir, Von wannen der Mond kommt, der über die Menschen fährt, Und so die Sonne?

 

Wafthrudnir: 23- Mundilföri heißt des Mondes Vater Und so der Sonne. Sie halten täglich am Himmel die Runde Und bezeichnen die Zeiten des Jahrs.

 

Gangrad : 24- Sag mir zum dritten, so du weise dünkst Und du es weißt, Wafthrudnir, Wer hat den Tag gezeugt, der über die Völker zieht, Und die Nacht mit dem Neumond?

 

Wafthrudnir: 25- Delling heißt des Tages Vater, Die Nacht ist von Nörwi gezeugt. Des Mondes Mindern und Schwinden schufen milde Wesen Die Zeiten des Jahrs zu bezeichnen.

 

Gangrad : 26- Sag mir zum vierten, wenn du's erforscht hast Und du es weißt, Wafthrudnir, Wannen der Winter kam und der warme Sommer Zuerst den gütgen Göttern?

 

Wafthrudnir : 27- Windswalt heißt des Winters Vater, Und Swasud des Sommers. Durch alle Zeiten ziehn sie selbander Bis die Götter vergehen.

 

Gangrad : 28- Sag mir zum fünften, wenn du's erforscht hast Und du es weißt, Wafthrudnir, Wer von den Asen der erste, oder von Ymirs Geschlecht Im Anfang aufwuchs?

 

Wafthrudnir: 29- Im Urbeginn der Zeiten vor der Erde Schöpfung Ward Bergelmir geboren. Drudgelmir war dessen Vater, Örgelmir sein Ahn.

 

Gangrad : 30- Sag mir zum sechsten, wenn du sinnig dünkst Und du es weißt, Wafthrudnir, Woher Örgelmir kam den Kindern der Riesen Zuerst? allkluger Jote.

 

Wafthrudnir: 31- Aus den Eliwagar fuhren Eitertropfen Und wuchsen bis ein Riese ward. Dann stoben Funken aus der südlichen Welt Und Lohe gab Leben dem Eis.

 

Gangrad : 32- Sag mir zum siebenten, wenn du sinnig dünkst Und du es weißt, Wafthrudnir, Wie zeugte Kinder der kühne Jötun, Da er der Gattin irre ging?

 

Wafthrudnir: 33- Unter des Reifriesen Arm wuchs, rühmt die Sage, Dem Thursen Sohn und Tochter. Fuß mit Fuß gewann dem furchtbaren Riesen Sechsgehäupteten Sohn.

 

Gangrad : 34- Sag mir zum achten, wenn man dich weise achtet, Daß du es weißt, Wafthrudnir, Wes gedenkt dir zuerst, was weißt du das älteste? Du bist ein allkluger Jötun.

 

Wafthrudnir: 35- Im Urbeginn der Zeiten, vor der Erde Schöpfung Ward Bergelmir geboren. Des gedenk ich zuerst, daß der allkluge Jötun Im Boot geborgen ward.

 

Gangrad : 36- Sag mir zum neunten, wenn man dich weise nennt Und du es weißt, Wafthrudnir, Woher der Wind kommt, der über die Wasser fährt Unsichtbar den Erdgebornen.

 

Wafthrudnir: 37- Hräswelgr heißt der an Himmels Ende sitzt In Adlerskleid ein Jötun. Mit seinen Fittichen facht er den Wind Über alle Völker.

 

Gangrad : 38- Sag mir zum zehnten, wenn der Götter Zeugung Du weißt, Wafthrudnir, Wie kam Niörd aus Noatun Unter die Asensöhne? Höfen und Heiligtümern hundert gebietet er Und ist nicht asischen Ursprungs.

 

Wafthrudnir: 39- In Wanaheim schufen ihn weise Mächte Und gaben ihn Göttern zum Geisel. Am Ende der Zeiten soll er aber kehren Zu den weisen Wanen.

 

Gangrad : 40- Sag mir zum elften, wenn der Asen Geschicke Du weißt, Wafthrudnir, In Heervaters Halle was die Helden schaffen Bis die Götter vergehen?

 

Wafthrudnir: 41- Die Einherjer alle in Odins Saal Streiten Tag für Tag; Sie kiesen den Wal und reiten vom Kampf heim Mit Asen Ael zu trinken, Und Sährimnirs satt Sitzen sie friedlich beisammen.

 

Gangrad : 42- Sag mir zum zwölften, wenn der Götter Zukunft Du alle weißt, Wafthrudnir, Von der Joten und aller Asen Geheimnissen Sag mir das Sicherste, Allkluger Jötun.

 

Wafthrudnir : 43- Von der Joten und aller Asen Geheimnissen Kann ich Sicheres sagen, Denn alle durchwandert hab ich die Welten, Neun Reiche bereist ich bis Nifelheim nieder; Da fahren die Helden zu Hel.

 

Gangrad : 44- Viel erfuhr ich, viel versucht ich, Befrug der Wesen viel. Wer lebt und leibt noch, wenn der lang besungne Schreckenswinter schwand?

 

Wafthrudnir: 45- Lif und Lifthrasir leben verborgen In Hoddmimirs Holz. Morgentau ist all ihr Mahl: Von ihnen stammt ein neu Geschlecht.

 

Gangrad : 46- Viel erfuhr ich, viel versucht ich, Befrug der Wesen viel. Wie kommt eine Sonne an den klaren Himmel, Wenn diese Fenrir fraß?

 

Wafthrudnir: 47- Eine Tochter entstammt der strahlenden Göttin Eh der Wolf sie würgt: GIänzend fährt nach der Götter Fall Die Maid auf den Wegen der Mutter.

 

Gangrad : 48- Viel erfuhr ich, viel versucht ich, Befrug der Wesen viel. Wie heißen die Mädchen, die das Meer der Zeit Vorwissend überfahren?

 

Wafthrudnir : 49- Drei über der Völker Vesten schweben Mögthrasirs Mädchen, Die einzigen Huldinnen der Erdenkinder, Wenn auch bei Riesen auferzogen.

 

Gangrad : 50- Viel erfuhr ich, viel versucht ich,Befrug der Wesen viel. Wer waltet der Asen des Erbes der Götter, Wenn Surturs Lohe losch?

 

Wafthrudnir : 51- Widar und Wali walten des Heiligtums, Wenn Surturs Lohe losch. Modi und Magni sollen Miölnir schwingen Und zu Ende kämpfen den Krieg.

 

Gangrad : 52- Viel erfuhr ich, viel versucht ich, Befrug der Wesen viel. Was wird Odins Ende werden, Wenn die Götter vergehen?

 

Wafthrudnir: 53- Der Wolf erwürgt den Vater der Welten: Das wird Widar rächen. Die kalten Kiefern wird er klüften Im letzten Streit dem starken.

 

Gangrad : 54- Viel erfuhr ich, viel versucht ich, Befrug der Wesen viel: Was sagte Odin ins Ohr dem Sohn Eh er die Scheitern bestieg?

 

Wafthrudnir: 55- Nicht einer weiß was in der Urzeit du Sagtest dem Sohn ins Ohr. Den Tod auf dem Munde meldet ich Schicksalsworte Von der Asen Ausgang. Mit Odin kämpft ich in klugen Reden: Du wirst immer der Weiseste sein.

 

4. Hrafnagaldr Odins

 

Odins Rabenzauber

 

1- Allvater waltet, Alfen verstehn, Wanen wissen, Nornen weisen, Iwidie nährt, Menschen dulden, Thursen erwarten, Walküren trachten.

 

2- Die Asen ahnten übles Verhängnis, Verwirrt von widrigen Winken der Seherin. Urda sollte Odhrärir bewachen, Wenn sie wüßte so großem Schaden zu wehren.

 

3- Auf hub sich Hugin den Himmel zu suchen; Unheil fürchteten die Asen, verweil er. Thrains Ausspruch ist schwerer Traum, Dunkler Traum ist Dains Ausspruch.

 

4- Den Zwergen schwindet die Starke. Die Himmel Neigen sich nieder zu Ginnungs Nähe. Alswid läßt sie oftmals sinken, Oft die sinkenden hebt er aber empor.

 

5- Nirgend haftet Sonne noch Erde, Es schwanken und stürzen die Ströme der Luft. In Mimirs klarer Quelle versiegt Die Weisheit der Männer. Wißt ihr, was das bedeutet?

 

6- Im Tale weilt die vorwissende Göttin Hinab von Yggdrasils Esche gesunken, Alfengeschlechtern Idun genannt, Die Jüngste von Iwalts älteren Kindern.

 

7- Schwer erträgt sie dies Niedersinken Unter des Laubbaums Stamm gebannt. Nicht behagt es ihr bei Nörwis Tochter, An heitere Wohnung gewöhnt so lange.

 

8- Die Sieggötter sehen die Sorge Nannas Um die niedre Wohnung: sie geben ihr ein Wolfsfell. Damit bekleidet verkehrt sie den Sinn, Freut sich der Auskunft, erneut die Farbe.

 

9- Wählte Widrir den Wächter der Brücke, Den Giallarertöner, die Göttin zu fragen Was sie wisse von den Weltgeschicken. Ihn geleiten Loptr und Bragi.

 

10- Weihlieder sangen, auf Wölfen ritten Die Herrscher und Hüter der Himmelswelt. Odin spähte von Hlidskialfs Sitz Und wandte weit hinweg die Zeugen.

 

11- Der Weise fragte die Wächterin des Tranks, Ob von den Asen und ihren Geschicken Unten im Hause der Hel sie wüßten Anfang und Dauer und endlichen Tod.

 

12- Sie mochte nicht reden, nicht melden konnte sie's: Wie begierig sie fragten, sie gab keinen Laut, Zähren schossen aus den Spiegeln des Haupts, Mühsam verhehlt, und netzten die Hände.

 

13- Wie schlafbetäubt erschien den Göttern Die Harmvolle, die des Worts sich enthielt. Je mehr sie sich weigerte, je mehr sie drängten; Doch mit allem Forschen erfragten sie nichts.

 

14- Da fuhr hinweg der Vormann der Botschaft, Der Hüter von Herjans gellendem Horn. Den Sohn der Nal nahm er zum Begleiter; Als Wächter der Schönen blieb Odins Skalde.

 

15- Gen Wingolf kehrten Widrirs Gesandte, Beide von Forniots Freunden getragen. Eintraten sie jetzt und grüßten die Asen, Yggrs Gefährten beim fröhlichen Mahl.

 

16- Sie wünschten dem Odin, dem seligsten Asen, Lang auf dem Hochsitz der Lande zu walten; Den Göttern, beim Gastmahl vergnügt sich zu reihen, Bei Allvater ewiger Ehren genießend.

 

17- Nach Bölwerks Gebot auf die Bänke verteilt, Von Sährimnir speisend saßen die Götter. Skögul schenkte in Hnikars Schalen Den Met und maß ihn aus Mimirs Horn.

 

18- Mancherlei fragten über dem Mahle Den Heimdal die Götter, die Göttinnen Loki, Ob Spruch und Spähung gespendet die Jungfrau -Bis Dunkel am Abend den Himmel deckte.

 

19- Übel, sagten sie, sei es ergangen, Erfolglos die Werbung, und wenig erforscht. Nur mit List gewinnen ließe der Rat sich Daß ihnen die Göttliche Auskunft gäbe.

 

20- Antwort gab Omi, sie alle hörten es: ,,Die Nacht ist zu nützen zu neuem Entschluß. Bis Morgen bedenke wer es vermag Glücklichen Rat den Göttern zu finden.''

 

21- Über die Wege von Wallis Mutter Nieder sank die Nahrung Fenrirs. Vom Gastmahl schieden die Götter entlassend Hroptr und Frigg, als Hrimfari auffuhr.

 

22- Da hebt sich von Osten aus den Eliwagar Des reifkalten Riesen dornige Rute, Mit der er in Schlaf die Völker schlägt, Die Midgard bewohnen, vor Mitternacht.

 

23- Die Kräfte ermatten, ermüden die Arme, Schwindelnd wankt der weiße Schwertgott. Ohnmacht befallt sie in der eisigen Nachtluft, Die Sinne schwanken der ganzen Versammlung.

 

24- Da trieb aus dem Tore wieder der Tag Sein schön mit Gestein geschmücktes Roß; Weit über Mannheim glänzte die Mähne: Des Zwergs Überlisterin zog es im Wagen.

 

25- Am nördlichen Rand der nährenden Erde Unter des Urbaums äußerste Wurzel Gingen zur Ruhe Gygien und Thursen, Gespenster, Zwerge und Schwarzalfen.

 

26- Auf standen die Herrscher und die Alfenbestrahlerin; Die Nacht sank nördlich gen Nifelheim. Ulfrunas Sohn stieg Argiöl hinan, Der Hornbläser, zu den Himmelsbergen.

 

5. Vegtamskvida

 

Das Wegtamslied

 

1 Die Asen eilten all zur Versammlung Und die Asinnen all zum Gespräch: Darüber berieten die himmlischen Richter, Warum den Baldur böse Träume schreckten?

 

2 (Ihm schien der schwere Schlaf ein Kerker, Verschwunden des süßen Schlummers Labe. Da fragten die Fürsten vorschaunde Wesen, Ob ihnen das wohl Unheil bedeute?

 

3 Die Gefragten sprachen: ,,Dem Tode verfallen ist Ullers Freund, so einzig lieblich." Darob erschraken Swafnir und Frigg, Und alle die Fürsten sie faßten den Schluß:

 

4 "Wir wollen besenden die Wesen alle Frieden erbitten, daß sie Baldurn nicht schaden." Alles schwur Eide, ihn zu verschonen; Frigg nahm die festen Schwür in Empfang-

 

5 Allvater achtete das ungenügend, Verschwunden schienen ihm die Schutzgeister all. Die Asen berief der Rat zu heischen;Am Mahlstein gesprochen ward mancherlei.)

 

6 Aufstand Odin der Allerschaffer, Und schwang den Sattel auf Sleipnirs Rücken-.Nach Nifelheim hernieder ritt er; Da kam aus Hels Haus ein Hund ihm entgegen,

 

7 Blutbefleckt vorn an der Brust, Kiefer und Rachen klaffend zum Biß, So ging er entgegen mit gähnendem Schlund Dem Vater der Lieder und bellte laut-. Fort ritt Odin, die Erde dröhnte,Zu dem hohen Haus kam er der Hel-.

 

8 Da ritt Odin ans östliche Tor, Wo er der Wala wußte den Hügel. Das Wecklied begann er der Weisen zu singen, (Nach Norden schauend schlug er mit dem Stabe, Sprach die Beschwörung Bescheid erheischend) Bis gezwungen sie aufstand Unheil verkündend-. Wala :

 

9 Welcher der Männer, mir unbewußter, Schafft die Beschwere mir solchen Gangs? Schnee beschneite mich, Regen beschlug mich, Tau beträufte mich, tot war ich lange. Odin :

 

10 Ich heiße Wegtam, bin WaItams Sohn. Wie ich von der Oberwelt, sprich von der Unterwelt. Wem sind die Bänke mit Baugen (Ringen) bestreut,Die glänzenden Betten mit Gold bedeckt? Wala :

 

11- Hier steht dem Baldur der Becher eingeschenkt, Der schimmernde Trank, vom Schild bedeckt. Die Asen alle sind ohne Hoffnung. Genötigt sprach ich, nun will ich schweigen-Wegtam :

 

12- Schweig nicht, Wala, ich will dich fragen Bis alles ich weiß. Noch wüßt ich gerne: Welcher der Männer ermordet Baldurn, Wird Odins Erben das Ende fügen?Wala :

 

13- Hierher bringt Hödur den hochberühmten, Er wird der Mörder werden Baldurs, Wird Odins Erben das Ende fügen. Genötigt sprach ich, nun will ich schweigen. Wegtam :

 

14- Schweig nicht, Wala, ich will dich fragen Bis alles ich weiß. Noch wüßt ich gerne: Wer wird uns Rache gewinnen an Hödur, Und zum Bühle bringen Baldurs Mörder? Wala :

 

15- Rinda im Westen gewinnt den Sohn, Der einnächtig, Odins Erbe, zum Kampf geht. Er wäscht die Hand nicht, das Haar nicht kämmt er Bis er zum Bühle brachte Baldurs Mörder. Genötigt sprach ich, nun will ich schweigen. Wegtam :

 

16- Schweig nicht, Wala, ich will dich fragen Bis alles ich weiß. Noch wüßt ich gerne: Wie heißt das Weib, die nicht weinen will Und himmelan werfen des Hauptes Schleier? Sage das eine noch, nicht eher schläfst du. Wala :

 

17- Du bist nicht Wegtam, wie erst ich wähnte, Odin bist du der Allerschaffer. Odin :

 

18- Du bist keine Wala, kein wissendes Weib, Vielmehr bist du dreier Thursen Mutter. Wala :

 

19- Heim reit nun, Odin, und rühme dich: Kein Mann kommt mehr mich zu besuchen Bis los und ledig Loki der Bande wird Und der Götter Dämmerung verderbend einbricht.

 

6. Havamal

 

Des Hohen Lied

 

1- Der Ausgänge halber bevor du eingehst Stelle dich sicher, Denn ungewiß ist, wo Widersacher Im Hause halten.

 

2- Heil dem Geber! Der Gast ist gekommen: Wo soll er sitzen? Atemlos ist, der unterwegs Sein Geschäft besorgen soll.

 

3- Wärme wünscht der vom Wege kommt Mit erkaltetem Knie; Mit Kost und Kleidern erquicke den Wandrer, Der über Felsen fuhr.

 

4- Wasser bedarf, der Bewirtung sucht, Ein Handtuch und holde Nötigung. Mit guter Begegnung erlangt man vom Gaste Wort und Wiedervergeltung.

 

5- Witz bedarf man auf weiter Reise; Daheim hat man Nachsicht. Zum Augengespött wird der Unwissende, Der bei Sinnigen sitzt.

 

6- Doch steife sich niemand auf seinen Verstand, Acht hab er immer. Wer klug und wortkarg zum Wirte kommt Schadet sich selten: Denn festern Freund als kluge Vorsicht Mag der Mann nicht haben.

 

7- Vorsichtiger Mann, der zum Mahle kommt, Schweigt lauschend still. Mit Ohren horcht er, mit Augen späht er Und forscht zuvor verständig.

 

8- Selig ist, der sich erwirbt Lob und guten Leumund. Unser Eigentum ist doch ungewiß In des andern Brust.

 

9- Selig ist, wer selbst sich mag Im Leben löblich raten, Denn übler Rat wird oft dem Mann Aus des andern Brust.

 

10- Nicht beßre Bürde bringt man auf Reisen Als Wissen und Weisheit. So frommt das Gold in der Fremde nicht, In der Not ist nichts so nütze.

 

11- Nicht üblern Begleiter gibt es auf Reisen Als Betrunkenheit ist, Und nicht so gut als mancher glaubt Ist Ael den Erdensöhnen, Denn um so minder je mehr man trinkt Hat man seiner Sinne Macht.

 

12- Der Vergessenheit Reiher überrauscht Gelage Und stiehlt die Besinnung. Des Vogels Gefieder befing auch mich In Gunnlöds Haus und Gehege.

 

13- Trunken ward ich und übertrunken In des schlauen Fialars Felsen. Trunk mag taugen, wenn man ungetrübt Sich den Sinn bewahrt.

 

14- Schweigsam und vorsichtig sei des Fürsten Sohn Und kühn im Kampf. Heiter und wohlgemut erweise sich jeder Bis zum Todestag.

 

15- Der unwerte Mann meint ewig zu leben, Wenn er vor Gefechten flieht. Das Alter gönnt ihm doch endlich nicht Frieden. Obwohl der Speer ihn spart.

 

16- Der Tölpel glotzt, wenn er zum Gastmahl kommt, Murmelnd sitzt er und mault. Hat er sein Teil getrunken hernach, So sieht man welchen Sinns er ist.

 

17- Der weiß allein, der weit gereist ist, Und vieles hat erfahren, Welches Witzes jeglicher waltet, Wofern ihm selbst der Sinn nicht fehlt.

 

18- Lange zum Becher nur, doch leer ihn mit Maß, Sprich gut oder schweig. Niemand wird es ein Laster nennen, Wenn du früh zur Ruhe fährst.

 

19- Der gierige Schlemmer, vergißt er der Tischzucht, Schlingt sich schwere Krankheit an; Oft wirkt Verspottung, wenn er zu Weisen kommt, Törichtem Mann sein Magen.

 

20- Selbst Herden wissen, wann zur Heimkehr Zeit ist Und gehn vom Grase willig; Der Unkluge kennt allein nicht Seines Magens Maß.

 

21- Der Armselige, Übelgesinnte Hohnlacht über alles Und weiß doch selbst nicht was er wissen sollte, Daß er nicht fehlerfrei ist.

 

22- Unweiser Mann durchwacht die Nächte Und sorgt um alle Sachen; Matt nur ist er, wenn der Morgen kommt, Der Jammer wahrt wie er war.

 

23- Ein unkluger Mann meint sich alle hold, Die ihn lieblich anlachen. Er versieht es sich nicht, wenn sie Schlimmes von ihm reden So er zu Klügern kommt.

 

24- Ein unkluger Mann meint'sich alle hold, Die ihm kein Widerwort geben; Kommt er vor Gericht, so erkennt er bald, Daß er wenig Anwälte hat.

 

25- Ein unkluger Mann meint, alles zu können, Wenn er sich einmal zu wahren wußte. Doch wenig weiß er was er antworten soll, Wenn er mit Schwerem versucht wird.

 

26- Ein unkluger Mann, der zu andern kommt, Schweigt am besten still. Niemand bemerkt, daß er nichts versteht, So lang er zu sprechen scheut. Nur freilich weiß wer wenig weiß Auch das nicht, wann er schweigen soll.

 

27- Weise dünkt sich schon wer zu fragen weiß Und zu sagen versteht; Doch Unwissenheit mag kein Mensch verbergen, Der mit Leuten leben muß.

 

28- Der schwatzt zuviel, der nimmer geschweigt Eitel unnützer Worte. Die zappelnde Zunge, die kein Zaum verhält, Ergellt sich selten Gutes.

 

29- Mach nicht zum Spott der Augen den Mann, Der vertrauend Schutz will suchen. Klug dünkt sich leicht, der von keinem befragt wird Und mit heiler Haut daheim sitzt.

 

30- Klug dünkt sich gern, wer Gast den Gast Verhöhnend, Heil in der Flucht sucht. Oft merkt zu spät, der beim Mahle Hohn sprach, Wie grämlichen Feind er ergrimmte.

 

31- Zu oft geschiehts, daß sonst nicht Verfeindete Sich als Tischgesellen schrauben. Dieses Aufziehn wird ewig währen: Der Gast grollt dem Gaste.

 

32- Bei Zeiten nehme den Imbiß zu sich, Der nicht zu gutem Freunde fährt. Sonst sitzt er und schnappt und will verschmachten Und hat zum Reden nicht Ruhe.

 

33- Ein Umweg ist's zum untreuen Freunde, Wohnt er gleich am Wege; Zum trauten Freunde führt ein Richtsteig Wie weit der Weg sich wende.

 

34- Zu gehen schickt sich, nicht zu gasten stets An derselben Statt. Der Liebe wird leid, der lange weilt In des andern Haus.

 

35- Eigen Haus, ob eng, geht vor, Daheim bist du Herr, Zwei Ziegen nur und dazu ein Strohdach Ist besser als Betteln.

 

36- Eigen Haus, ob eng, geht vor, Daheim bist du Herr. Das Herz blutet jedem, der erbitten muß Sein Mahl alle Mittag.

 

37- Von seinen Waffen weiche niemand Einen Schritt im freien Feld: Niemand weiß unterwegs, wie bald Er seines Speers bedarf.

 

38- Nie fand ich so milden und kostfreien Mann, Der nicht gerne Gab empfing, Mit seinem Gute so freigebig keinen, Dem Lohn wär leid gewesen.

 

39- Des Vermögens, das der Mann erwarb, Soll er sich selbst nicht Abbruch tun: Oft spart man dem Leiden was man dem Lieben bestimmt; Viel fügt sich schlimmer als man denkt.

 

40- Freunde sollen mit Waffen und Gewändern sich erfreun, Den schönsten, die sie besitzen: Gab und Gegengabe begründet Freundschaft, Wenn sonst nichts entgegen steht.

 

41- Der Freund soll dem Freunde Freundschaft bewähren Und Gabe gelten mit Gabe. Hohn mit Hohn soll der Held erwidern, Und Losheit mit Lüge.

 

42- Der Freund soll dem Freunde Freundschaft bewähren, Ihm selbst und seinen Freunden. Aber des Feindes Freunde soll niemand Sich gewogen erweisen.

 

43- Weißt du den Freund, dem du wohl vertraust Und erhoffst du Holdes von ihm, So tausche Gesinnung und Geschenke mit ihm, Und suche manchmal sein Haus heim.

 

44- Weißt du den Mann, dem du wenig vertraust Und erhoffst doch Holdes von ihm, Sei fromm in Worten und falsch im Denken Und zahle Losheit mit Lüge.

 

45- Weißt du dir wen, dem du wenig vertraust, Weil dich sein Sinn verdächtig dünkt, Den magst du anlachen, und an dich halten: Die Vergeltung gleiche der Gabe.

 

46- Jung war ich einst, da ging ich einsam Verlaßne Wege wandern. Doch fühlt ich mich reich, wenn ich andere fand: Der Mann ist des Mannes Lust.

 

47- Der milde, mutige Mann ist am glücklichsten, Den selten Sorge beschleicht; Doch der Verzagte zittert vor allem Und kargt verkümmernd mit Gaben.

 

48- Mein Gewand gab ich im Walde Moosmännern zweien. Bekleidet dauchten sie Kämpen sich gleich, Während Hohn den Nackten neckt.

 

49- Der Dornbusch dorrt, der im Dorfe steht, Ihm bleibt nicht Blatt noch Borke. So geht es dem Mann, den niemand mag: Was soll er länger leben?

 

50- Heißer brennt als Feuer der Bösen Freundschaft fünf Tage lang; Doch sicher am sechsten ist sie erstickt Und alle Lieb erloschen.

 

51- Die Gabe muß nicht immer groß sein: Oft erwirbt man mit wenigem Lob. Ein halbes Brot, eine Neig im Becher Gewann mir wohl den Gesellen.

 

52- Wie Körner im Sand klein an Verstand Ist kleiner Seelen Sinn. Ungleich ist der Menschen Einsicht, Zwei Hälften hat die Welt.

 

53- Der Mann muß mäßig weise sein, Doch nicht allzuweise. Das schönste Leben ist dem beschieden, Der recht weiß, was er weiß.

 

54 Der Mann muß mäßig weise sein, Doch nicht allzuweise. Des Weisen Herz erheitert sich selten Wenn er zu weise wird.

 

55- Der Mann muß mäßig weise sein, Doch nicht allzuweise. Sein Schicksal kenne keiner voraus, So bleibt der Sinn ihm sorgenfrei.

 

56- Brand entbrennt an Brand, bis er zu Ende brennt, Flamme belebt sich an Flamme. Der Mann wird durch den Mann der Rede mächtig Im Verborgnen bleibt er blöde.

 

57- Früh aufstehen soll, wer den andern sinnt Um Haupt und Habe zu bringen: Dem schlummernden Wolf glückt selten ein Fang, Noch schlafendem Mann ein Sieg.

 

58- Früh aufstehen soll, wer wenig Arbeiter hat, Und schaun nach seinem Werke. Manches versäumt, wer den Morgen verschläft: Dem Raschen gehört der Reichtum halb.

 

59- Dürrer Scheite und deckender Schindeln Weiß der Mann das Maß, Und all des Holzes, womit er ausreicht Während der Jahreswende.

 

60- Rein und gesättigt reit zur Versammlung Um schönes Kleid unbekümmert. Der Schuh und der Hosen schäme sich niemand, Noch des Hengstes, hat er nicht guten.

 

61- Zu sagen und zu fragen verstehe jeder, Der nicht dumm will dünken. Nur einem vertrau er, nicht auch dem andern, Wissens dreie, so weiß es die Welt.

 

62- Verlangend lechzt, eh er landen mag Der Aar auf der ewigen See. So geht es dem Mann in der Menge des Volks, Der keinen Anwalt antrifft.

 

63- Der Macht muß der Mann, wenn er klug ist, Sich mit Bedacht bedienen, Denn bald wird er finden, wenn er sich Feinde macht, Daß dem Starken ein Stärkerer lebt.

 

64- Umsichtig und verschwiegen sei ein jeder Und im Zutraun zaghaft. Worte, die andern anvertraut wurden, Büßt man oft bitter.

 

65- An manchen Ort kam ich allzufrüh; Allzuspät an andern. Bald war getrunken das Bier, bald zu frisch; Unlieber kommt immer zur Unzeit.

 

66- Hier und dort hätte mir Labung gewinkt, Wenn ich des bedurfte. Zwei Schinken noch hingen in des Freundes Halle, Wo ich einen schon geschmaust.

 

67- Feuer ist das Beste dem Erdgebornen, Und der Sonne Schein; Nur sei Gesundheit ihm nicht versagt Und lasterlos zu leben.

 

68- Ganz unglücklich ist niemand, ist er gleich nicht gesund: Einer hat an Söhnen Segen, Einer an Freunden, einer an vielem Gut, Einer an trefflichem Tun.

 

69- Leben ist besser, auch Leben in Armut: Der Lebende kommt noch zur Ruh. Feuer sah ich des Reichen Reichtümer fressen, Und der Tod stand vor der Tür.

 

70- Der Hinkende reite, der Handlose hüte, Der Taube taugt noch zur Tapferkeit. Blind sein ist besser als verbrannt werden: Der Tote nützt zu nichts mehr.

 

71- Ein Sohn ist besser, ob spät geboren Nach des Vaters Hinfahrt. Gedenksteine stehn am Wege selten, Wenn sie der Freund dem Freund nicht setzt.

 

72- Zweie gehören zusammen und doch schlägt die Zunge das Haupt. Unter jedem Gewand erwart ich eine Faust.

 

73- Der Nacht freut sich wer des Vorrats gewiß ist, Doch herb ist die Herbstnacht. Fünfmal wechselt oft das Wetter am Tag: Wie viel mehr im Monat!

 

74- Wer wenig weiß, der weiß auch nicht, Daß einen oft der Reichtum äfft; Einer ist reich, ein andrer arm: Den soll niemand narren.

 

75- Das Vieh stirbt, die Freunde sterben, Endlich stirbt man selbst; Doch nimmer mag ihm der Nachruhm sterben, Welcher sich guten gewann.

 

76- Das Vieh stirbt, die Freunde sterben, Endlich stirbt man selbst; Doch eines weiß ich, daß immer bleibt: Das Urteil über den Toten.

 

77- Volle Speicher sah ich bei Fettlings Sprossen, Die heuer am Hungertuch nagen: Überfluß währt einen Augenblick, Dann flieht er, der falscheste Freund.

 

78- Der alberne Geck, gewinnt er etwa Gut oder Gunst der Frauen, Gleich schwillt ihm der Kamm, doch die Klugheit nicht; Nur im Hochmut nimmt er zu.

 

79- Was wirst du finden befragst du die Runen, Die hochheiligen, Welche Götter schufen, Hohepriester schrieben? Daß nichts besser sei als Schweigen.

 

80- Den Tag lob abends, die Frau im Tode, Das Schwert, wenn's versucht ist, Die Braut nach der Hochzeit, eh es bricht, das Eis, Das Ael, wenn's getrunken ist.

 

81- Im Sturm fällt den Baum, stich bei Fahrwind in See, Mit der Maid spiel im Dunkeln: manch Auge hat der Tag. Das Schiff ist zum Segeln, der Schild zum Decken gut, Die Klinge zum Hiebe, zum Küssen das Mädchen.

 

82- Trink Ael am Feuer, auf Eis lauf Schrittschuh, Kauf mager das Roß, und rostig das Schwert, Zieh den Hengst daheim, den Hund im Vorwerk.

 

83- Mädchenreden vertraue kein Mann, Noch der Weiber Worten. Auf geschwungnem Rad geschaffen ward ihr Herz, Trug in der Brust verborgen.

 

84- Krachendem Bogen, knisternder Flamme, Schnappendem Wolf, geschwätziger Krähe, Grunzender Bache, wurzellosem Baum, Schwellender Meerflut, sprudelndem Kessel;

 

85- Fliegendem Pfeil, fallender See, Einnächtgem Eis, geringelter Natter, Bettreden der Braut, brüchigem Schwert, Kosendem Bären und Königskinde;

 

86- Siechem Kalb, gefälligem Knecht, Wahrsagendem Weib, auf der Walstatt Besiegtem, Heiterm Himmel, lachendem Herrn, Hinkendem Köter und Trauerkleidern;

 

87- Dem Mörder deines Bruders, wie breit wär die Straße, Halbverbranntem Haus, windschnellem Hengst, (Bricht ihm ein Bein, so ist er unbrauchbar): Dem allen soll niemand voreilig trauen.

 

88- Frühbesätem Feld trau nicht zu viel, Noch altklugem Kind. Wetter braucht die Saat und Witz das Kind: Das sind zwei zweiflige Dinge.

 

89- Die Liebe der Frau, die falschen Sinn hegt, Gleicht unbeschlagnem Roß auf schlüpfrigem Eis, Mutwillig, zweijährig, und übel gezähmt; Oder steuerlosem Schiff auf stürmender Flut, Der Gemsjagd des Lahmen auf glatter Bergwand.

 

90- Offen bekenn ich, der beide wohl kenne, Der Mann ist dem Weibe wandelbar; Wir reden am schönsten, wenn wir am schlechtesten denken So wird die Klügste geködert.

 

91- Schmeichelnd soll reden und Geschenke bieten Wer des Mädchens Minne will, Den Liebreiz loben der leuchtenden Jungfrau: So fängt sie der Freier.

 

92- Der Liebe verwundern soll sich kein Weiser An dem andern Mann. Oft fesselt den Klugen was den Toren nicht fängt, Liebreizender Leib.

 

93- Unklugheit wundre keinen am andern, Denn viele befällt sie. Weise zu Tröpfen wandelt auf Erden Der Minne Macht.

 

94- Das Gemüt weiß allein, das dem Herzen innewohnt Und seine Neigung verschließt, Daß ärger Übel den Edlen nicht quälen mag Als Liebesleid.

 

95- Selbst erfuhr ich das, als ich im Schilfe saß Und meiner Holden harrte. Herz und Seele war mir die süße Maid; Gleichwohl erwarb ich sie nicht.

 

96- Ich fand Billungs Maid auf ihrem Bette, Weiß wie die Sonne, schlafend. Aller Fürsten Freude fühlt ich nichtig, Sollt ich ihrer länger ledig leben.

 

97- "Am Abend sollst du, Odin, kommen, Wenn du die Maid gewinnen willst. Nicht ziemt es sich, daß mehr als Zwei Von solcher Sünde wissen."

 

98- Ich wandte mich weg Erwidrung hoffend, Ob noch der Neigung ungewiß; Jedoch dacht ich, ich dürft erringen Ihre Gunst und Liebesglück.

 

99- So kehrt ich wieder: da war zum Kampf Strenge Schutzwehr auferweckt, Mit brennenden Lichtern, mit lodernden Scheitern Mir der Weg verwehrt zur Lust.

 

100- Am folgenden Morgen fand ich mich wieder ein, Da schlief im Saal das Gesind; Ein Hündlein sah ich statt der herrlichen Maid An das Bett gebunden.

 

101- Manche schöne Maid, wer's merken will, Ist dem Freier falsch gesinnt. Das erkannt ich klar, als ich das kluge Weib Verlocken wollte zu Lüsten. Jegliche Schmach tat die Schlaue mir an Und wenig ward mir des Weibes.

 

102- Munter sei der Hausherr und heiter bei Gästen Nach geselliger Sitte, Besonnen und gesprächig: so schein er verständig, Und rate stets zum Rechten.

 

103- Der wenig zu sagen weiß, wird ein Erztropf genannt, Es ist des Albernen Art.

 

104- Den alten Riesen besucht ich, nun bin ich zurück: Mit Schweigen erwarb ich da wenig. Manch Wort sprach ich zu meinem Gewinn In Suttungs Saal.

 

105- Gunnlöd schenkte mir auf goldnem Sessel Einen Trunk des teuern Mets. Übel vergolten hab ich gleichwohl Ihrem heiligen Herzen, Ihrer glühenden Gunst.

 

106- Ratamund ließ ich den Weg mir räumen Und den Berg durchbohren; In der Mitte schritt ich zwischen Riesensteigen Und hielt mein Haupt der Gefahr hin.

 

107- Schlauer Verwandlungen Frucht erwarb ich, Wenig mißlingt dem Listigen. Denn Odhrörir ist aufgestiegen Zur weitbewohnten Erde.

 

108- Zweifel heg ich, ob ich heim wär gekehrt Aus der Riesen Reich, Wenn mir Gunnlöd nicht half, die herzige Maid, Die den Arm um mich schlang.

 

109- Die Eisriesen eilten des andern Tags Des Hohen Rat zu hören In des Hohen Halle. Sie fragten nach Bölwerk ob er heimgefahren sei Oder ob er durch Suttung fiel.

 

110- Den Ringeid, sagt man, hat Odin geschworen: Wer traut noch seiner Treue? Den Suttung beraubt er mit Ränken des Mets Und ließ sich Gunnlöd grämen. Loddfafnir's-Lied

 

111- Zeit ist's zu reden vom Rednerstuhl. An dem Brunnen Urdas Saß ich und schwieg, saß ich und dachte Und merkte der Männer Reden.

 

112- Von Runen hört ich reden und vom Ritzen der Schrift Und vernahm auch nütze Lehren. Bei des Hohen Halle, in des Hohen Halle Hört ich sagen so:

 

113- Dies rat ich, Loddfafnir, vernimm die Lehre, Wohl dir, wenn du sie merkst. Steh nachts nicht auf, wenn die Not nicht drängt, Du wärst denn zum Wächter geordnet.

 

114- Das rat ich, Loddfafnir, vernimm die Lehre, Wohl dir, wenn du sie merkst. ln der Zauberfrau Schoß schlaf du nicht, So daß ihre Glieder dich gürten.

 

115- Sie betört dich so, du entsinnst dich nicht mehr Des Gerichts und der Rede der Fürsten, Gedenkst nicht des Mahls noch männlicher Freuden, Sorgenvoll suchst du dein Lager.

 

116- Das rat ich, Loddfafnir, vernimm die Lehre, Wohl dir, wenn du sie merkst. Des andern Frau verführe du nicht. Zu heimlicher Zwiesprach.

 

117- Das rat ich, Loddfafnir, vernimm die Lehre, Wohl dir, wenn du sie merkst. Über Furten und Felsen so du zu fahren hast, So sorge für reichliche Speise.

 

118- Dem übeln Mann eröffne nicht Was dir Widriges widerfährt: Von argem Mann erntest du nimmer doch So guten Vertrauns Vergeltung.

 

119- Verderben stiften einem Degen sah ich Übeln Weibes Wort: Die giftige Zunge gab ihm den Tod, Nicht seine Schuld.

 

120- Gewannst du den Freund, dem du wohl vertraust, So besuch ihn nicht selten, Denn Strauchwerk grünt und hohes Gras Auf dem Weg, den niemand wandelt.

 

121- Das rat ich, Loddfafnir, vernimm die Lehre, Wohl dir, wenn du sie merkst. Guten Freund gewinne dir zu erfreuender Zwiesprach; Heilspruch lerne so lange du lebst.

 

122- Altem Freunde sollst du der erste Den Bund nicht brechen. Das Herz frißt dir Sorge, magst du keinem mehr Deine Gedanken all.

 

123- Das rat ich, Loddfafnir, vernimm die Lehre, Wohl dir, wenn du sie merkst. Mit ungesalznem Narren sollst du Nicht Worte wechseln.

 

124- Von albernem Mann magst du niemals Guten Lohn erlangen. Nur der Wackere mag dir erwerben Guten Leumund durch sein Lob.

 

125- Das ist Seelentausch, sagt einer getreulich Dem andern alles, was er denkt. Nichts ist übler als unstet sein: Der ist kein Freund, der zu Gefallen spricht.

 

126- Das rat ich, Loddfafnir, vernimm die Lehre, Wohl dir, wenn du sie merkst. Drei Worte nicht sollst du mit dem Schlechten wechseln: Oft unterliegt der Gute, Der mit dem Schlechten streitet.

 

127- Schuhe nicht sollst du noch Schäfte machen Für andre als für dich: Sitzt der Schuh nicht, ist krumm der Schaft, Wünscht man dir alles Übel.

 

128- Das rat ich, Loddfafnir, vernimm die Lehre, Wohl dir, wenn du sie merkst. Wo Not du findest, deren nimm dich an; doch gib dem Feind nicht Frieden.

 

129- Das rat ich, Loddfafnir, vernimm die Lehre, Wohl dir, wenn du sie merkst. Dich soll andrer Unglück nicht freuen; Ihren Vorteil laß dir gefallen.

 

130- Das rat ich, Loddfafnir, vernimm die Lehre, Wohl dir, wenn du sie merkst. Nicht aufschaun sollst du im Schlachtgetöse: Ebern ähnlich wurden oft Erdenkinder; So aber zwingt dich kein Zauber.

 

131- Willst du ein gutes Weib zu deinem Willen bereden Und Freude bei ihr finden, So verheiß ihr Holdes und halt es treulich: Des Guten wird die Maid nicht müde.

 

132- Sei vorsichtig, doch sei's nicht allzusehr, Am meisten sei's beim Met Und bei des andern Weib; auch wahre dich Zum dritten vor der Diebe List.

 

133- Mit Schimpf und Hohn verspotte nicht Den Fremden noch den Fahrenden. Selten weiß, der zu Hause sitzt Wie edel ist, der einkehrt.

 

134- Laster und Tugenden liegen den Menschen In der Brust beieinander. Kein Mensch ist so gut, daß nichts ihm mangle, Noch so böse, daß er zu nichts nütze.

 

135- Haarlosen Redner verhöhne nicht: Oft ist gut was der Greis spricht. Aus welker Haut kommt oft weiser Rat; Hängt ihm die Hülle gleich, Schinden ihn auch Schrammen, Der unter Wichten wankt.

 

136- Das rat ich, Loddfafnir, vernimm die Lehre, Wohl dir, wenn du sie merkst. Den Wandrer fahr nicht an, noch weis ihm die Tür: Gib dem Gehenden gern.

 

137- Stark wär der Riegel, der sich rücken sollte Allen aufzutun. Gib einen Scherf; dies Geschlecht sonst wünscht Dir alles Unheil an.

 

138- Dies rat ich, Loddfafnir, vernimm die Lehre, Wohl dir, wenn du sie merkst: Wo Ael getrunken wird, ruf die Erdkraft an: Erde trinkt und wird nicht trunken. Feuer hebt Krankheit, Eiche Verhärtung, Ähre Vergiftung, Der Hausgeist häuslichen Hader. Mond mindert Tobsucht, Hundsbiß heilt Hundshaar, Rune Beredung; Die Erde nehme Naß auf. Odins Runenlied

 

139- Ich weiß, daß ich hing am windigen Baum Neun lange Nächte, Vom Speer verwundet, dem Odin geweiht, Mir selber ich selbst, Am Ast des Baums, dem man nicht ansehn kann Aus welcher Wurzel er sproß.

 

140- Sie boten mir nicht Brot noch Met; Da neigt ich mich nieder Auf Runen sinnend, lernte sie seufzend: Endlich fiel ich zur Erde.

 

141- Hauptlieder neun lernt ich von dem weisen Sohn Bölthorns, des Vaters Bestlas, Und trank einen Trunk des teuern Mets Aus Odhrörir geschöpft.

 

142- Zu gedeihen begann ich und begann zu denken, Wuchs und fühlte mich wohl. Wort aus dem Wort verlieh mir das Wort, Werk aus dem Werk verlieh mir das Werk.

 

143- Runen wirst du finden und Ratstäbe, Sehr starke Stäbe, Sehr mächtige Stäbe. Erzredner ersann sie, Götter schufen sie, Sie ritzte der hehrste der Herrscher.

 

144- Odin den Riesen, den Alfen Dain, Dwalin den Zwergen, Alswid aber den Riesen; einige schnitt ich selbst.

 

145- Weißt du zu ritzen? Weißt du zu erraten? Weißt du zu finden? Weißt zu erforschen? Weißt du zu bitten? Weißt Opfer zu bieten? Weißt du wie man senden, weißt wie man tilgen soll?

 

146- Besser nicht gebeten, als zu viel geboten: Die Gabe will stets Vergeltung. Besser nichts gesendet, als zu viel getilgt; So ritzt es Thundr zur Richtschnur den Völkern. Dahin entwich er, von wannen er ausging.

 

147- Lieder kenn ich, die kann die Königin nicht Und keines Menschen Kind. Hilfe verheißt mir eins, denn helfen mag es In Streiten und Zwisten und in allen Sorgen.

 

148- Ein andres weiß ich, des alle bedürfen, Die heilkundig heißen.

 

149- Ein drittes weiß ich, des ich bedarf Meine Feinde zu fesseln. Die Spitze stumpf ich dem Widersacher; Mich verwunden nicht Waffen noch Listen.

 

150- Ein viertes weiß ich, wenn der Feind mir schlägt In Bande die Bogen der Glieder, So bald ich es singe, so bin ich ledig, Von den Füßen fällt mir die Fessel, Der Haft von den Händen.

 

151- Ein fünftes kann ich: fliegt ein Pfeil gefährdend Übers Heer daher, Wie hurtig er fliege, ich mag ihn hemmen, Erschau ich ihn nur mit der Sehe.

 

152- Ein sechstes kann ich, so wer mich versehrt Mit harter Wurzel des Holzes: Den andern allein, der mir es antut, Verzehrt der Zauber, ich bleibe frei.

 

153- Ein siebentes weiß ich, wenn hoch der Saal steht Über den Leuten in Lohe, Wie breit sie schon brenne, ich berge sie noch: Den Zauber weiß ich zu zaubern.

 

154- Ein achtes weiß ich, das allen wäre Nützlich und nötig: Wo unter Helden Hader entbrennt, Da mag ich schnell ihn schlichten.

 

155- Ein neuntes weiß ich, wenn Not mir ist Vor der Flut das Fahrzeug zu bergen, So wend ich den Wind von den Wogen ab Und beschwichtge rings die See.

 

156- Ein zehntes kann ich, wenn Zaunreiterinnen Durch die Lüfte lenken, So wirk ich so, daß sie wirre zerstäuben Und als Gespenster schwinden.

 

157- Ein elftes kann ich, wenn ich zum Angriff soll Die treuen Freunde führen, In den Schild fing ich's, so ziehn sie siegreich Heil in den Kampf, heil aus dem Kampf, Bleiben heil wohin sie ziehn.

 

158- Ein zwölftes kann ich, wo am Zweige hängt Vom Strang erstickt ein Toter, Wie ich ritze das Runenzeichen, So kommt der Mann und spricht mit mir.

 

159- Ein dreizehntes kann ich, soll ich ein Degenkind In die Taufe tauchen, So mag er nicht fallen im Volksgefecht, Kein Schwert mag ihn versehren.

 

160- Ein vierzehntes kann ich, soll ich dem Volke Der Götter Namen nennen, Asen und Alfen kenn ich allzumal; Wenige sind so weise.

 

161- Ein fünfzehntes kann ich, das Volkrörir der Zwerg Vor Dellings Schwelle sang: Den Asen Stärke, den Alfen Gedeihn, Hohe Weisheit dem Hroptatyr.

 

162- Ein sechzehntes kann ich, will ich schöner Maid In Lieb und Lust mich freuen, Den Willen wandl ich der Weißarmigen, Daß ganz ihr Sinn sich mir gesellt.

 

163- Ein siebzehntes kann ich, daß schwerlich wieder Die holde Maid mich meidet. Dieser Lieder, magst du, Loddfafnir, Lange ledig bleiben. Doch wohl dir, weißt du sie, Heil dir, behältst du sie, Selig, singst du sie!

 

164- Ein achtzehntes weiß ich, das ich aber nicht singe Vor Maid noch Mannesweibe Als allein vor ihr, die mich umarmt, Oder sei es, meiner Schwester. Besser ist was einer nur weiß; So frommt das Lied mir lange.

 

165- Des Hohen Lied ist gesungen In des Hohen Halle, Den Erdensöhnen not, unnütz den Riesensöhnen. Wohl ihm, der es kann, wohl ihm, der es kennt, Lange lebt, der es erlernt, Heil allen, die es hören.

 

Harbardsliod

 

Das Harbardslied

 

Thor kam von der Ostfahrt her an einen Sund; jenseits stand der Fährmann mit dem Schiffe. Thor rief:

 

1- Wer ist der Gesell der Gesellen, der überm Sunde steht? Harbard:

 

2- Wer ist der Kerl der Kerle, der da kreischt überm Wasser? Thor:

 

3- Über den Sund fahr mich, so füttre ich dich morgen. Einen Korb hab ich auf dem Rücken, beßre Kost gibt es nicht Eh ich ausfuhr aß ich in Ruh Hering und Hafermus: davon hab ich noch genug. Harbard :

 

4- Allzuvorlaut rühmst du dein Frühmahl; Du weißt das Weitre nicht: Traurig ist dein Hauswesen, tot wird deine Mutter sein. Thor:

 

5- Das hör ich nun hier, was das Schlimmste scheint Jedem Mann, daß meine Mutter tot sei. Harbard:

 

6- Du hältst dich nicht, als hättest du guter Höfe drei: Barbeinig stehst du in Bettlersgewand, Nicht einmal Hosen hast du an. Thor:

 

7- Steure nur her die Eiche, die Stätte zeig ich dir, Doch wem gehört das Schiff, das du hütest am Land? Harbard:

 

8- Hildolf heißt er, der mich's zu halten bat, Der ratkluge Recke, der in Radsei-sund wohnt. Er widerriet mir, Strolche und Roßdiebe zu fahren: Nur ehrliche Leute und die mir lange kund sein. Sag deinen Namen, wenn du über den Sund willst. Thor:

 

9- Den sag ich dir frei, obgleich ich hier friedlos bin, Und all mein Geschlecht. Ich bin Odins Sohn, Meilis Bruder und Magnis Vater, Der Kräftiger der Götter; du kannst mit Thor hier sprechen. Ich habe zu fragen nun: wie heißest du? Harbard:

 

10- Harbard heiß ich, ich hehle den Namen selten. Thor:

 

11- Was solltest du ihn hehlen, wenn du schuldlos bist? Harbard:

 

12- Obschon ich nicht schuldlos bin, schütz ich mich doch leicht Vor einem wie du bist; mein Ende wüßt ich denn nah. Thor:

 

13- Es dünkt mich beschwerlich zu dir hinüber Durchs Wasser zu waten: und mein Gewand zu netzen; Sonst, Lotterbube, lohnt ich wahrlich Deinen Stachelreden, stünd ich überm Sund. Harbard:

 

14- Hier will ich stehen und dich erwarten. Du fandst wohl keinen dir härtern seit Hrungnirs Tod. Thor:

 

15- Des gedenkst du nun, daß ich mit Hrungnir stritt, Dem starkherzigen Riesen, dem von Stein das Haupt war; Doch ließ ich ihn stürzen, in Staub sinken. Was tatest du derweil, Harbard? Harbard:

 

16- Ich war bei Fiölwar fünf volle Winter Auf einem Eiland, das Allgrün heißt. Wir fochten und fällten die Feinde da, Versuchten manches und freiten Mädchen. Thor:

 

17- Wie ward es da mit euern Weibern? Harbard:

 

18- Wir hatten zierliche Weiber, wären sie zahmer gewesen; Wir hatten hübsche Weiber, wären sie uns holder gewesen. Aber Stricke wanden sie am Strand aus Sand, Gruben den Grund Aus tiefem Tal. Ich allein war allen überlegen mit List, Lag bei sieben Schwestern und genoß im Scherz ihre Gunst. Was tatest du derweil, Thor? Thor:

 

19- Ich tötete Thiassi, den übermütigen Riesen, Auf warf ich die Augen des Sohnes Ölwalts An den heitern Himmel: Die wurden meiner Werke größte Wahrzeichen, Allen Menschen sichtbar seitdem. Was tatest du derweil, Harbard? Harbard:

 

20- Allerlei Liebeskünste übt ich bei den Nachtreiterinnen, Die ich mit List ihren Männern entlockte. Ein harter Riese, halt ich, ist Hlebard gewesen: Er gab mir seine Wünschelrute, damit raubt ich ihm den Witz. Thor:

 

21- Gute Gabe galtst du mit üblem Lohn. Harbard:

 

22- Eine Eiche muß fallen, sonst fertigt man den Kahn nicht; Jeder sorgt für sich. Was tatest du derweil, Thor? Thor:

 

23- Ich war im Osten, überwand der Riesen Böswillige Bräute, da sie zum Berge gingen. Übermächtig würden die Riesen, wenn sie alle lebten, Mit den Menschen war es in Mitgard aus. Was tatest du derweil, Harbard? Harbard:

 

24- Ich war in Walland, des Kampfs zu warten, Verfeindete Fürsten, dem Frieden wehrend. Odin hat die Fürsten, die da fallen im Kampf, Thor hat der Thräle (Knechte) Geschlecht. Thor:

 

25- Unter die Asen teiltest du ungleich die Menschen, Hättest du der Wünsche Gewalt. Harbard:

 

26- Thor hat Macht genug, aber nicht Mut. Aus feiger Furcht fuhrst du in den Handschuh, Trautest nicht mehr Thor zu sein. Nicht wagtest du nur, so warst du in Not, Zu niesen noch zu furzen, daß es Fialar hörte. Thor:

 

27- Harbard, Schändlicher! Zu Hel schickt ich dich, Möcht ich über den Sund setzen. Harbard:

 

28- Was solltest du überm Sund, Was tatest du weiter, Thor? wo du nichts zu schaffen hast? Thor:

 

29- Ich war im Osten und wehrt einem Fluß; Da griffen Swarangs Söhne mich an. Sie schlugen mich mit Steinen und schadeten mir nicht. Sie mußten bald zuerst mich bitten um Frieden. Was tatest du derweil, Harbard? Harbard:

 

30- Ich war im Osten mit einer zu kosen, Spielte mit der Schneeweißen und sprach lange mit ihr. Ich erfreute die Goldschöne; der Scherz gefiel der Maid. Thor:

 

31- Da hattet ihr willige Weiber. Harbard:

 

32- Da hätt ich bedurft, Thor, deiner Hilfe, Die Schleierweiße zu entwenden. Thor:

 

33- Die hätt ich dir gewährt, wär dazu Zeit gewesen. Harbard:

 

34- Ich hätte dir auch vertraut; oder hättest du mich betrogen? Thor:

 

35- Bin ich denn ein Fersenzwicker wie ein alter Schuh im Frühjahr? Harbard:

 

36- Was tatest du weiter, Thor? Thor:

 

37- Berserkerbräute bändigt ich auf Hlesey: Das Ärgste hatten sie getrieben, betrogen alles Volk. Harbard:

 

38- Unrühmlich tatest du, Thor, daß du Weiber tötetest. Thor:

 

39- Wölfinnen waren es, Weiber kaum. Sie zerschellten mein Schiff, das ich auf Pfähle gestellt, Trotzten mir mit Eisenkeulen und vertrieben Thialfi. Was tatest du derweil, Harbard? Harbard:

 

40- Ich war beim Heere, das eben hierher Kriegsfahnen erhob den Speer zu färben. Thor:

 

41- Des gedenkst du nun, Wie du auszogst uns zur Überlast. Harbard:

 

42- Das büß ich dir gern mit goldnen Handringen Nach Schiedsrichterspruch, der uns versöhnen mag. Thor:

 

43- Woher hast du nur die Hohnreden all? Ich hörte niemals so höhnische. Harbard:

 

44- Von den alten Leuten lernt ich sie, Die in den Wäldern wohnen. Thor:

 

45- Du gibst den Gräbern zu guten Namen, Wenn du sie Wälder-Wohnungen nennst. Harbard:

 

46- So denk ich von der Art Dingen nun. Thor:

 

47- Deine Wortklugheit kommt dir noch übel, Wenn ich durchs Wasser wate. Lauter als ein Wolf wirst du aufschrein, Wenn ich dich mit dem Hammer haue. Harbard:

 

48- Sif hat einen Buhlen, du wirst ihn bei ihr finden: Der erfahre deine Kraft, das frommt dir mehr. Thor:

 

49- Du redest nach deines Mundes Rat, nur recht mich zu kränken. Verworfner Wicht! Ich weiß, daß du lügst. Harbard:

 

50- Und ich sage, so ist's! Säumig betreibst du die Fahrt. Schon wärst du weit, Thor, wenn du verwandelt fuhrst. Thor:

 

51- Harbard, Schändlicher! Du hast mich hier so lang verweilt. Harbard:

 

52- Dem Asathor, wähnt ich, wehrte so leicht nicht Ein Viehhirt die Fahrt. Thor:

 

53- Einen Rat will ich dir raten; rudre die Fähre hierher. Hab ein Ende der Hader! Hole den Vater Magnis. Harbard:

 

54- Fahr nur weg vom Sund, verweigert bleibt dir die Fahrt. Thor:

 

55- Weise mir nur den Weg, willst du mich nicht Über den Sund setzen. Harbard:

 

56- Geringes verlangst du, doch lang ist der Weg: Eine Stunde zum Stocke, zum Stein eine andre. Den linken Weg wähle bis du Werland erreichst. Da trifft Fiörgyn Thor ihren Sohn: Die wird ihm der Verwandten Wege zeigen Zu Odins Land. Thor:

 

57- Komm ich heute noch hin? Harbard:

 

58- Du erreichst es mit Eil bei noch obenstehender Sonne, Wenn ich erst von dannen ging. Thor:

 

59- Kurz wird noch unser Gespräch, da du nur spöttisch sprichst. Die verweigerte Überfahrt lohn ich ein andermal. Harbard:

 

60- Fahr immer zu in übler Geister Gewalt!

 

Hymiskvida

 

Die Sage von Hymir

 

1 Einst nahmen die Walgötter die erwaideten Tiere Zu schlemmen gesonnen noch ungesättigt: Sie schüttelten Stäbe, besahen das Opferblut, Und fanden, Ägirn fehle der Braukessel.

 

2 Saß der Felswohner froh wie ein Kind, Doch ähnlich eher der dunkeln Abkunft. Ihm in die Augen sah Odins Sohn: "Gib alsbald den Göttern Trank."

 

3 Der Ungestüme schuf Angst dem Riesen; Doch rasch erdachte der Rach an den Göttern: Er ersuchte Sifs Gatten: "Schaff mir den Kessel, So brau ich alsbald das Bier euch darin."

 

4 Den mochten nicht die mächtigen Götter Irgendwo finden, die Fürsten des Himmels, Bis Tyr dem Hlorridi getreulich sagte, Ihm allein, Auskunft und Rat:

 

5 "Im Osten wohnt der Eliwagar Der hundweise Hymir an des Himmels Ende. Einen Kessel hat mein kraftreicher Vater, Ein räumig Gefäß, einer Raste tief."

 

6 Meinst du, den Saftsieder sollten wir haben.? - "Mit List gelingt es ihn zu erlangen." Sie fuhren schleunig denselben Tag Von Asgard hin zu des Übeln Haus.

 

7 Selbst stallt er die Böcke, die stattlich gehörnten; Sie eilten zur Halle, die Hymir bewohnte.

 

Der Sohn fand die Ahne, die er ungern sah; Sie hätte der Häupter neunmal hundert.

 

8 Eine andre kam allgolden hervor, Weißbrauig, und brachte das Bier dem Sohn.

 

9 "Verwandte der Riesen, ich will euch beide, Ihr kühnen Männer, unter Kesseln bergen. Manches Mal ist mein Geselle Gästen gram und grimmen Mutes."

 

10 Der übel Gesinnte spät abends kam, Der hartmutge Hymir, heim von der Jagd. Er ging in den Saal, die Gletscher dröhnten; Ihm war, als er kam, der Kinnwald gefroren.

 

11 "Heil dir, Hymir, sei hohen Muts: Der Sohn ist gekommen in deinen Saal, Den wir erwartet von langem Wege. Ihm folgt hierher der Freund der Menschen, Unser Widersacher, Weor genannt.

 

12 Du siehst sie sitzen an des Saales Ende, So bangen sie, daß die Säule sie birgt", Die Säule zersprang von des Riesen Sehe, Und entzweigebrochen sah man den Balken.

 

13 Acht Kessel fielen, und einer nur, Ein hart gehämmerter, kam heil herab. Vorgingen die Gäste; der graue Riese Faßt ins Auge den Feind sich scharf.

 

14 Wenig Gutes sagte der Geist ihm voraus, Als der Thursenbetrüber in den Vorsaal trat. Da sah man Stiere drei geschlachtet, Die alsbald zu braten gebot der Riese.

 

15 Man ließ um den Kopf sie kürzen beide Und setzte sie zum Sieden ans Feuer. Sifs Gemahl, eh er schlafen ging, Zwei Ochsen Hymirs verzehrt er allein.

 

16 Da schien dem grauen Gesellen Hrungnirs Hlorridis Mahlzeit so mäßig nicht: "Nun müssen wir drei uns morgen Abend Mit des Waidwerks Gewinn selber bewirten."

 

17 Bereit war Weor ins Wasser zu rudern, Wenn der kühne Jötun den Köder gäbe. "Geh hin zur Herde, wenn du das Herz hast, Zerschmetterer des Berggeschlechts, und suche den Köder.

 

18 Ich weiß gewiß, dir wird nicht schwer Die Lockspeise vom Stier zu erlangen." Zum Walde wandte sich Weor alsbald: Da fand er stehen allschwarzen Stier.

 

19 Der Thursentöter, abbrach er dem Tiere Der beiden Hörner erhabnen Sitz. "Im Schaffen scheinst du schlimmer um vieles, Lenker der Kiele, als in bequemer Ruh."

 

20 Da bat der Böcke Gebieter den Affengott, Ferner in die Flut das Seeroß zu führen. Aber der Jötun gab ihm zur Antwort, Ihn lüste wenig noch länger zu rudern.

 

21 Da hob am Haken Hymir der starke Zwei Walfische aus den Wellen allein. Am Steuer inzwischen Odins Erzeugter, Festigte listig ein Fischseil Weor.

 

22 An die Angel steckte der Irdischen Gönner Als Köder den Stierkopf zum Kampf mit dem Wurm. Gähnend haschte der gottverhaßte Erdumgürter nach solcher Atzung.

 

23 Tapfer zog Thor der gewaltige Den schimmernden Giftwurm zum Schiffsrand auf. Das häßliche Haupt mit dem Hammer traf er, Das felsenfeste, dem Freunde des Wolfs.

 

24 Felsen krachten, Klüfte heulten, Die alte Erde fuhr ächzend zusammen: Da senkte sich in die See der Fisch.

 

25 Nicht geheuer war's auf der Heimkehr dem Riesen: Der starke Hymir verstummte ganz; Wider den Wind nur wandt er das Ruder:

 

26 "Willst du die Hälfte haben der Arbeit: Entweder die Walfische zur Wohnung tragen, Oder das Boot fest binden am Ufer?"

 

27 Hlorridi ging und ergriff am Steven, Ohn erst auszuschöpfen das Schiff erfaßt er Allein mit Rudern und Schöpfgerät; Trug auch die Fische des Thursen heim In das kesselgleiche Berggeklüft.

 

28 Aber der Jötun wie immer trotzig, Mit Thor um die Stärke stritt er aufs neu: Der Macht ermangle der Mann, wie er rudre, Könn er dort den Kelch nicht zerbrechen.

 

29 Als der dem Hiorridi zu Händen kam, Zerstückt er den starrenden Stein damit: Sitzend schleudert er durch Säulen den Kelch; In Hymirs Hand doch kehrt er heil.

 

30 Aber die freundliche Frille lehrt ihn Wohl wichtgen Rat: sie wußt ihn allein: "Wirf ihn an Hymirs Haupt: härter ist das Dem kostmüden Jötun als ein Kelch mag sein."

 

31 Der Böcke Gebieter bog die Knie Mit aller Asenkraft angetan: Heil dem Hünen blieb der Helmsitz; Doch brach alsbald der Becher entzwei.

 

32 "Die liebste Lust verloren weiß ich, Da mir der Kelch vor den Knien liegt. Oft sagt ich ein Wort; nicht wieder sag ich's Von heut an je; zu heiß ist der Trank!

 

33 Noch mögt ihr versuchen ob ihr Macht habt, Aus der Halle hinaus zu heben die Kufe." Zwei Mal ihn zu rücken mühte sich Tyr: Des Kessels Wucht stand unbewegt.

 

34 Aber Modis Vater erfaßt ihn am Rand, Stieg vom Estrich in den untern Saal. Aufs Haupt den Hafen hob sich Sifs Gemahl; An den Knöcheln klirrten ihm die Kesselringe.

 

35 Sie fuhren lange eh lüstern ward Odins Sohn sich umzuschauen: Da sah er aus Höhlen mit Hymir von Osten Volk ihm folgen vielgehauptet.

 

36 Da harrt er und hob den Hafen von den Schultern, Schwang den mordlichen Miölnir entgegen Und fällte sie all, die Felsungetüme, Die ihn anliefen in Hymirs Geleit.

 

37 [Sie fuhren nicht lange, so lag am Boden Von Hlorridis Böcken halbtot der eine. Scheu vor den Strängen schleppt er den Fuß: Das hatte der listige Loki verschuldet.

 

38 Doch hörtet ihr wohl (wer hat davon Der Gottesgelehrten ganze Kunde?), Welche Büß er empfing von dem Bergbewohner: Den Schaden zu sühnen gab er der Söhne zwei.]

 

39 Kraftgerüstet kam er zum Göttermahl Und hatte den Hafen, den Hymir besessen. Daraus sollen trinken die seligen Götter Ael in Ägirs Haus jede Leinernte.

 

Ägisdrecka

 

Ägirs Trinkgelag

 

Ägir, der mit anderm Namen Gymir hieß, bereitete den Asen ein Gastmahl, nachdem er den großen Kessel erlangt hatte, wie eben gesagt ist. Zu diesem Gastmahl kam Odin und Frigg, sein Weib. Thor kam nicht, denn er war auf der Ostfahrt. Sif war zugegen, Thors Weib, desgleichen Bragi und Idun sein Gemahl. Auch Tyr war da, der nur eine Hand hatte, denn der

 

Fenriswolf hatte ihm die andre abgebissen, als er gebunden wurde. Da war auch Niörd und Skadi, sein Weib, Freyr und Freyja, und Widar, Odins Sohn. Auch Loki war da und Freyrs Diener Byggwir und Beyla. Da waren noch viele Asen und Alfen. Ägir hatte zwei Diener, Fimafeng und Eldir. Leuchtendes Gold diente statt brennenden Lichtes. Das Ael trug sich selber auf. Der Ort hatte sehr heiligen Frieden. Alle Gäste rühmten, wie gut Ägirs Leute sie bedienten. Loki, der das nicht hören mochte, erschlug den Fimafeng. Da schüttelten die Asen ihre Schilde und rannten wider Loki und verfolgten ihn in den Wald und fuhren dann zu dem Mahl. Loki kam wieder und sprach zu Eldir, den er vor dem Saale fand:

 

1 Sage mir, Eldir, eh du mit einem Fuße vorwärts schreitest, Was für Tischgespräche tauschen hier innen Der Sieggötter Söhne? Eldir:

 

2 Von Waffen reden und ruhmvollen Kämpfen Der Sieggötter Söhne. Asen und Alfen, die hier innen sind, Keiner weiß von dir ein gutes Wort. Loki:

 

3 Ein will ich treten in Ägirs Hallen, Selber dies Gelag zu sehn. Schimpf und Schande schaff ich den Asen Und mische Gift in ihren Met. Eldir:

 

4 Wisse, wenn du eintrittst in Ägirs Halle, Selber dies Gelag zu sehn, Und die guten Götter übergießest mit Schmach,Gib acht, sie trocknen sie ab an dir. Loki:

 

5 Wisse das, Eldir, wenn miteinander wir In scharfen Worten streiten, Üppiger werd ich in Antworten sein, Was du auch zu reden weißt. Da ging Loki in die Halle. Jene aber, die darinnen waren, als sie ihn eingetreten sahen, schwiegen alle still. Loki:

 

6 Durstig komm ich in diese Halle Loptr den langen Weg Die Asen zu bitten, mir einen Trunk Zu schenken ihres süßen Mets.

 

7 Warum schweigt ihr still, verstockte Götter, Und erwidert nicht ein Wort? Sitz und Stelle sucht mir bei dem Mahl, Oder heißt mich hinnen weichen. Bragi:

 

8 Sitz und Stelle suchen dir bei dem Mahl Die Asen nun und nimmer. Die Asen wissen wohl wem sie sollen Anteil gönnen am Gelag. Loki:

 

9 Gedenkt dir, Odin, wie in Urzeiten wir Das Blut mischten beide? Du gelobtest, nimmer dich zu laben mit Trank, Würd er uns beiden nicht gebracht. Odin:

 

10 Steh denn auf, Widar, dem Vater des Wolfs Sitz zu schaffen beim Mahl, Daß länger Loki uns nicht lästere Hier in Ägirs Halle. Da stand Widar auf und schenkte dem Loki. Als er aber getrunken hatte, sprach er zu den Asen:

 

11 Heil euch. Asen, Heil euch Asinnen, Euch hochheiligen Göttern all, Außer dem Asen allein, der da sitzt Auf Bragis Bank. Bragi:

 

12 Schwert und Schecken aus meinem Schätze zahl ich Und einen Baug (Ring) zur Buße, Daß du den Asen nicht Ärgernis gebest: Mache dir nicht gram die Götter. Loki:

 

13 Roß und Ringe, nicht allzureich doch Weiß ich dich, Bragi, der beiden! Von Asen und Alfen, die hier innen sind, Scheut keiner so den Streit, Flieht Geschosse keiner feiger. Bragi:

 

11 Ich weiß doch, war ich draußen, wie ich drinnen bin Hier in Ägirs Halle, Dein Haupt hätt ich in meiner Hand schon; Also lohnt ich dir der Lüge. Loki:
 

15 Sitzend bist du schnell, doch schwerlich leistest du's, Bragi, Bänkehüter! Zum Zweikampf vor, wenn du zornig bist: Der Tapfre sieht nicht um und säumt. Idun:

 

16 Ich bitte dich, Bragi, bei deiner Gebornen Und aller Wünschelsöhne Wohl, Sprich zu Loki nicht mit lästernden Worten Hier in Ägirs Halle. Loki:

 

17 Schweig, Idun! Von allen Frauen Mein ich dich die Männertollste: Du legtest die Arme, die leuchtenden, gleich Um den Mörder eines Bruders. Idun:

 

18 Zu Loki sprech ich nicht mit lästernden Worten Hier in Ägirs Halle; Den Bragi sänft ich, den bierberauschten, Daß er im Zorn den Zweikampf meide. Gefion:

 

19 Ihr Asen beide, was ist's, daß ihr euch Mit scharfen Worten streitet? Loptr träumt sich nicht, daß er betrogen ist, Ihn hier die Himmlischen hassen. Loki:

 

20 Schweig du, Gefion! sonst vergeß ich's nicht Wie dich zur Lust verlockte Jener weiße Knabe, der dir das Kleinod gab, Als du den Schenkel um ihn schlangst. Odin:

 

21 Irr bist du, Loki, und aberwitzig, Wenn du Gefion gram dir machst: Aller Lebenden Lose weiß sie Ebenwohl als ich.Loki:

 

22 Schweig nur, Odin, ungerecht zwischen Den Sterblichen teilst du den Streit:Oftmals gabst du, dem du nicht geben solltest, dem schlechtem Manne den Sieg. Odin:

 

23 Weißt du, daß ich gab, dem ich nicht geben sollte, Dem schlechtem Manne den Sieg, Unter der Erde acht Winter warst du Milchende Kuh und Mutter [Denn du gebarest da: Das dünkt mich eines Argen Art]. Loki:

 

24 Du schlichest, sagt man, in Samsö umher Von Haus zu Haus als Wala. Vermummter Zauberer trogst du das Menschenvolk: Das dünkt mich eines Argen Art. Frigg:

 

25 Euer Geschicke solltet ihr nie Erwähnen vor der Welt, Was ihr Asen beide in Urzeiten triebet: Die frühsten Taten bergt dem Volk. Loki:

 

26 Schweig du, Frigg! Fiörgyns Tochter bist du Und den Männern allzumild, Die Wili und We als Widrirs Gemahlin Beide bargst in deinem Schoß. Frigg:

 

27 Wisse, hätt ich hier in den Hallen Ägirs Einen Sohn wie Baldur schnell, Nicht kämst du hinaus von den Asensöhnen, Du hättest schon zu fechten gefunden. Loki:

 

28 Und willst du, Frigg, daß ich ferner gedenke Meiner Meintaten, So bin ich schuld, daß du nicht mehr schauen wirst Baldur reiten zum Rat der Götter. Freyja:

 

29 Irr bist du, Loki, daß du selber anführst Die schnöden Schandtaten. Wohl weiß Frigg alles was sich begibt, Ob sie schon es nicht sagt. Loki:

 

30 Schweig du, Freyja, dich vollends kenn ich; Keines Makels mangelst du; Der Asen und Alfen, die hier inne sind, Bist du jedes Buhlerin. Freyja :

 

31 Deine Zunge frevelt; doch fürcht ich, daß sie dir Wenig Gutes gellt. Abhold sind dir die Asen und die Asinnen, Unfröhlich fährst du nach Haus. Loki:

 

32 Schweig du, Freyja, Gift führst du mit dir, Bist alles Unheils voll. Vor den Göttern umarmtest du den eigenen Bruder: So böser Wind entfuhr dir, Freyja! Niördr:

 

33 Die Schöngeschmückten, das schadet nicht, Wählen Männer wie sie mögen; Des Verworfnen Weilen bei den Asen wundert nur, Der Kinder konnte gebären. Loki:

 

34 Schweig du, Niörd, von Osten gesendet Als Geisel bist du den Göttern. Hymirs Töchter nahmen dich da zum Nachtgeschirre Und machten dir in den Mund. Niördr:

 

35 Des Schadens tröstet mich, seit ich gesendet ward Fernher als Geisel den Göttern, Daß mir erwuchs der Sohn, wider den niemand ist, Der für den Ersten der Asen gilt. Loki:

 

36 Laß endlich, Niörd, den Übermut, Ich hab es länger nicht hehl: Mit der eignen Schwester den Sohn erzeugtest du, Der eben so arg ist wie du. Tyr:

 

37 Freyr ist der beste von allen, die Bifröst Trägt zu der hohen Halle: Keine Maid betrübt er, keines Mannes Weib, Einen jeden nimmt er aus Nöten. Loki:

 

38 Schweig du, Tyr! Du taugst zum Kampfe nicht Zu gleicher Zeit mit zweien. Deine rechte Hand ist dir geraubt, Fenris fraß sie, der Wolf. Tyr:

 

39 Der Hand muß ich darben; so darbst du Fenris. Eins ist schlimm wie das andre; Auch der Wolf ist freudenlos: gefesselt erwartet er Der Asen Untergang. Loki:

 

40 Schweig du, Tyr! Deinem Weibe geschah's, Daß sie von mir ein Kind bekam. Nicht Pfenningsbuße empfingst du für die Schmach: Habe dir das, du Hahnrei! Freyr:

 

41 Gefesselt liegt Fenris vor des Flusses Ursprung Bis die Götter vergehen. So soll auch dir geschehn, wenn du nicht schweigen wirst Endlich, Unheilschmied. Loki:

 

42 Mit Gold erkauftest du Gymirs Tochter Und gabst dem Skirnir dein Schwert. Wenn aber Muspels Söhne durch Myrkwid reiten, Womit willst du streiten. Unselger?

 

43 War ich so edeln Stamms als Ingunar Freyr, Und hätte so erhabnen Sitz, Morscher als Mark malmt ich dich, freche Krähe, Und lähmte dir alle Gelenke. Loki:

 

44 Was ist Winziges dort, das ich wedeln sehe Nach Speise schnappend? Dem Freyr in die Ohren bläst es immerdar, Und müht sich mit Mägdearbeit. Byggwir:

 

45 Byggwir bin ich, bieder rühmen mich Die Asen all und Menschen. Behende helf ich hier, daß Hropts Freunde trinken Ael in Ägirs Halle. Loki:

 

46 Schweig du, Byggwir, übel verstehst du Der Männer Mahl zu ordnen. Unterm Bettstroh verbargst du dich feige, Wenn es zum Kampfe kam. Heimdal:

 

47 Trunken bist du, Loki! vertrankst den Verstand: Laß endlich ab, Loki, Denn im Rausche reden die Leute viel Und wissen nicht was. Loki:

 

48 Schweig du, Heimdal! In der Schöpfung Beginn Ward dir ein leidig Los. Mit feuchtem Rücken fängst du den Tau auf Und wachst der Götter Wärter! Skadi:

 

49 Lustig bist du, Loki; doch lange magst du nicht Spielen mit losem Schweif, Da auf die scharfe Kante des kalten Vetters bald Mit Därmen dich die Götter binden. Loki:

 

50 Wenn auf die scharfe Kante des reifkalten Vetters Sie mich mit Därmen binden bald, So war ich der erste und auch der eifrigste, Als es Thiassi zu töten galt. Skadi:

 

51 Warst du der erste und auch der eifrigste, Als es Thiassi zu töten galt, So soll aus meinem Hof und Heiligtum Immer kalter Rat dir kommen. Loki:

 

52 Gelinder sprachst du zu Laufeyjas Sohn, Als du mich auf dein Lager ludst. Dessen gedenk ich nun, da es genauer gilt Unsre Meintaten zu melden. Da trat Sif vor und schenkte dem Loki Met in den Eiskelch und sprach:

 

53 Heil dir nun, Loki, den Eiskelch lang ich dir Firnen Metes voll, Daß du mich eine doch von den Asenkindern Ungelästert lassest. Jener nahm den Kelch, trank und sprach:

 

54 Du einzig bliebest verschont, wärest du immer keusch Und dem Gatten ergeben gewesen. Einen weiß ich und weiß ihn gewiß, Der auch den Hlorridi zum Hahnrei machte. [Und das war der listige Loki.] Beyla:

 

55 Alle Felsen beben, von der Bergfahrt kehrt Hlorridi heim. Zum Schweigen bringt er den, der hier mit Schmach belädt Die Götter all und Gäste. Loki:

 

56 Schweig du, Beyla! du bist Byggwirs Weib Und aller Untat voll. Kein ärger Ungeheuer ist unter den Asenkindern, Ganz bist du mit Schmutz besudelt. Da kam Thor an und sprach:

 

57 Schweig, unreiner Wicht, sonst soll mein Hammer Miölnir den Mund dir schließen. Vom Halse hau ich dir die Schulterhügel, Daß dich das Leben läßt. Loki:

 

58 Der Erde Sohn ist eingetreten: Nun kannst du knirschen, Thor; Doch wenig wagst du, wenn du den Wolf bestehen sollst, Der den Siegvater schlingt. Thor:

 

59 Schweig, unreiner Wicht, sonst soll mein Hammer Miölnir den Mund dir schließen. Oder auf gen Osten werf ich dich, Daß kein Mann dich mehr erschaut. Loki:

 

60 Deine Ostfahrten würden unbesprochen Allzeit besser bleiben, Seit im Däumling du, Kämpe, des Handschuhs kauertest Und selbst nicht meintest Thor zu sein. Thor:

 

61 Schweig, unreiner Wicht, sonst soll mein Hammer Miölnir den Mund dir schließen. Mit Hrungnirs Töter trifft diese Hand dich Und bricht dir alle Gebeine. Loki:

 

62 Noch lange Jahre zu leben denk ich Trotz deiner Hammerhiebe. Hart schienen dir Skrymirs Knoten; Du mußtest der Mahlzeit darben, Ob du vor Heißhunger vergingst. Thor:

 

63 Schweig, unreiner Wicht, sonst soll mein Hammer Miölnir den Mund dir schließen. Hrungnirs Töter schickt dich zu Hel hinab Hinter der Toten Gittertor.Loki:

 

64 Ich sang vor Asen, sang vor Asensöhnen Was ich auf dem Herzen hatte. Nun wend ich mich weg: dir weich ich allein, Denn ich zweifle nicht, daß du zuschlägst.

 

65 Ein Mahl gabst du, Ägir; nicht mehr hinfort Wirst du die Götter bewirten. All dein Eigentum, das hier innen ist, Frißt die Flamme Und raschelt dir über den Rücken. Darauf nahm Loki die Gestalt eines Lachses an und entsprang in den Wasserfall Franang. Da fingen ihn die Asen und banden ihn mit den Gedärmen seines Sohnes Nari. Sein anderer Sohn Narfi aber wurde in einen Wolf verwandelt. Skadi nahm eine Giftschlange und hing sie auf über Lokis Antlitz. Der Schlange entträufelte Gift. Sigyn, Lokis Weib, setzte sich neben ihn und hielt eine Schale unter die Gifttropfen. Wenn aber die Schale voll war, trug sie das Gift hinweg: unterdessen träufelte das Gift in Lokis Angesicht, wobei er sich so stark wand, daß die ganze Erde zitterte. Das wird nun Erdbeben genannt.

 

Thrymskvida oder Hamarsheimt .

 

Thryms-Sage oder des Hammers Heimholung

 

1 Wild ward Wingthor als er erwachte Und seinen Hammer vorhanden nicht sah. Er schüttelte den Bart, er schlug das Haupt, Allwärts suchte der Erde Sohn.

 

 

2 Und es war sein Wort, welches er sprach zuerst: "Höre nun, Loki, und lausche der Rede: Was noch auf Erden niemand ahnt, Noch hoch im Himmel: mein Hammer ist geraubt."

 

3 Sie gingen zum herrlichen Hause der Freyja, Und es war sein Wort, welches er sprach zuerst: "Willst du mir, Freyja, dein Federhemd leihen, Ob meinen Miölnir ich finden möge?" Freyja :

 

4 "Ich wollt es dir geben und war es von Gold, Du solltest es haben und war es von Silber." -

 

5 Flog da Loki, das Federhemd rauschte, Bis er hinter sich hatte der Asen Gehege Und jetzt erreichte der Joten Reich.

 

6 Auf dem Hügel saß Thrym, der Thursenfürst, Schmückte die Hunde mit goldnem Halsband Und strählte den Mähren die Mähnen zurecht. Thrym:

 

7 "Wie steht's mit den Asen? wie steht's mit den Alfen? Was reisest du einsam gen Riesenheim? Loki: "Schlecht steht's mit den Asen, mit den Alfen schlecht; Hältst du Hlorridis Hammer verborgen?" Thrym:

 

8 "Ich halte Hlorridis Hammer verborgen Acht Rasten unter der Erde tief, Und wieder erwerben fürwahr soll ihn keiner, Er brächte denn Freyja zur Braut mir daher."

 

9 Flog da Loki, das Federhemd rauschte, Bis er hinter sich hatte der Riesen Gehege Und endlich erreichte der Asen Reich. Da traf er den Thor vor der Türe der Halle, Und es war sein Wort, welches er sprach zuerst:

 

10 "Hast du den Auftrag vollbracht und die Arbeit? Laß hier von der Höhe mich hören die Kunde. Dem Sitzenden manchmal mangeln Gedanken, Da leicht im Liegen die List sich ersinnt." Loki:

 

11 "Ich habe den Auftrag vollbracht und die Arbeit: Thrym hat den Hammer, der Thursenfürst; Und wieder erwerben fürwahr soll ihn keiner, Er brächte denn Freyja zur Braut ihm daher." -

 

12 Sie gingen Freyja, die schöne, zu finden, Und es war Thors Wort, welches er sprach zuerst: "Lege, Freyja, dir an das bräutliche Linnen; Wir beide wir reisen gen Riesenheim."

 

13 Wild ward Freyja, sie fauchte vor Wut, Die ganze Halle der Götter erbebte; Der schimmernde Halsschmuck schoß ihr zur Erde: "Mich mannstoll meinen möchtest du wohl, Reisten wir beide gen Riesenheim."

 

14 Bald eilten die Asen all zur Versammlung Und die Asinnen all zu der Sprache: Darüber berieten die himmlischen Richter, Wie sie dem Hlorridi den Hammer lösten.

 

15 Da hub Heimdall an, der hellste der Asen, Der weise war den Wanen gleich: "Das bräutliche Linnen legen dem Thor wir an, Ihn schmücke das schöne, schimmernde Halsband.

 

16 Auch laß er erklingen Geklirr der Schlüssel Und weiblich Gewand umwalle sein Knie; Es blinke die Brust ihm von blitzenden Steinen, Und hoch umhülle der Schleier sein Haupt."

 

17 Da sprach Thor also, der gestrenge Gott: "Mich würden die Asen weibisch schelten, Legt ich das bräutliche Linnen mir an."

 

18 Anhub da Loki, Laufeyjas Sohn: "Schweig nur, Thor, mit solchen Worten. Bald werden die Riesen Asgard bewohnen, Holst du den Hammer nicht wieder heim."

 

19 Das bräutliche Linnen legten dem Thor sie an, Dazu den schönen, schimmernden Halsschmuck. Auch ließ er erklingen Geklirr der Schlüssel, Und weiblich Gewand umwallte sein Knie; Es blinkte die Brust ihm von blitzenden Steinen, Und hoch umhüllte der Schleier sein Haupt.

 

20 Da sprach Loki, Laufeyjas Sohn: "Nun muß ich mit dir als deine Magd: Wir beide wir reisen gen Riesenheim."

 

21 Bald wurden die Böcke vom Berge getrieben Und vor den gewölbten Wagen geschirrt. Felsen brachen. Funken stoben, Da Odins Sohn reiste gen Riesenheim.

 

22 Anhob da Thrym, der Thursenfürst: "Auf steht, ihr Riesen, bestreut die Bänke, Und bringe Freyja zur Braut mir daher, Die Tochter Niörds aus Noatun.

 

23 Heimkehren mit goldnen Hörnern die Kühe, Rabenschwarze Rinder, dem Riesen zur Lust. Viel schau ich der Schätze, des Schmuckes viel: Fehlte nur Freyja zur Frau mir noch."

 

24 Früh fanden Gäste zur Feier sich ein, Man reichte reichlich den Riesen das Ael. Thor aß einen Ochsen, acht Lachse dazu, Alles süße Geschleckt, den Frauen bestimmt, Und drei Kufen Met trank Sifs Gemahl.

 

25 Anhob da Thrym, der Thursenfürst: "Wer sah je Bräute gieriger schlingen? - Nie sah ich Bräute so gierig schlingen, Nie mehr des Mets ein Mädchen trinken."

 

26 Da saß zur Seite die schmücke Magd, Bereit dem Riesen Rede zu stehn: "Nichts genoß Freyja acht Nächte lang, So sehr nach Riesenheim sehnte sie sich."

 

27 Kußlüstern lüftete das Linnen der Riese; Doch weit wie der Saal, schreckt er zurück: "Wie furchtbar flammen der Freyja die Augen, Mich dünkt es brenne ihr Bild wie Glut."

 

28 Da saß zur Seite die schmucke Magd, Bereit dem Riesen Rede zu stehn: "Acht Nächte nicht genoß sie des Schlafes, So sehr nach Riesenheim sehnte sie sich."

 

29 Ein trat die traurige Schwester Thryms, Die sich ein Brautgeschenk zu erbitten wagte. "Reiche die roten Ringe mir dar, Eh dich verlangt nach meiner Liebe, Nach meiner Liebe und lautern Gunst."

 

30 Da hob Thrym an, der Thursenfürst: "Bringt mir den Hammer, die Braut zu weihen, Legt den Miölnir der Maid in den Schoß Und gebt uns zusammen nach ehlicher Sitte."

 

31 Da lachte dem Hlorridi das Herz im Leibe, Als der hartgeherzte den Hammer erkannte. Thrym traf er zuerst, den Thursenfürsten, Und zerschmetterte ganz der Riesen Geschlecht.

 

32 Er schlug auch die alte Schwester des Joten, Die sich das Brautgeschenk zu erbitten gewagt. Ihr schollen Schläge an der Schillinge Statt Und Hammerhiebe erhielt sie für Ringe. So holte Odins Sohn seinen Hammer wieder.

 

Alvissmal .

 

Das Lied von Alwis

 

Alwis:

 

1 Gedeckt sind die Bänke: so sei die Braut nun Mit mir zu reisen bereit. Für allzuhastig hält man mich wohl; Doch daheim wer raubt uns die Ruhe? Thor:

 

2 Wer bist du, Bursch? Wie so bleich um die Nase? Hast du bei Leichen gelegen? Vom Thursen ahn ich etwas in dir: Bist solcher Braut nicht geboren. Alwis:

 

3 Alwis heiß ich, unter der Erde Steht mein Haus im Gestein. Warnen will ich den Wagenlenker: Breche niemand festen Bund. Thor:

 

4 Ich will ihn brechen: die Braut hat der Vater Allein zu gewähren Gewalt. Ich war nicht daheim, da sie dir verheißen ward; Kein anderer gibt sie der Götter. Alwis:

 

5 Wer ist der Recke, der sich rühmt zu schalten Über die blühende Braut? Als Landstreicher lästert dich niemand: Wer hat dich mit Ringen beraten? Thor:

 

6 Wingthor heiß ich, der weitgewanderte, Sidgranis Sohn. Wider meinen Willen erwirbst du das Mädchen nicht Noch das Jawort je. Alwis:

 

7 So wünsch ich denn deine Bewilligung Und das Jawort zu gewinnen. Besser zu haben als zu entbehren Ist mir das mehlweiße Mädchen. Thor:

 

8 Des Mädchens Minne mag ich dir, Weiser Gast, nicht weigern, Kannst du aus allen Welten mir kund tun Was ich zu wissen wünsche. Alwis:

 

9 Versuch es, Wingthor, da du gesonnen bist An des Zwerges Wissen zu zweifeln. Alle neun Himmel hab ich durchmessen Und weiß von allen Wesen. Thor:

 

10 So sage mir, Alwis, da alle Wesen, Kluger Zwerg, du erkennst, Wie heißt die Erde, die allernährende, In den Welten allen? Alwis:

 

11 Erde den Menschen, den Asen Feld, Die Wanen nennen sie Weg, Allgrün die Joten, die Alfen Wachstum, Lehm heißen sie höhere Mächte. Thor:

 

12 Sage mir, Alwis, da alle Wesen, Kluger Zwerg, du erkennst, Wie heißt der Himmel, der hoch sich wölbt, In den Welten allen? Alwis:

 

13 Himmel den Menschen, den Himmlischen Dach, Windweber den Wanen, Riesen Überwelt, Elfen Glänzhelm, Zwergen Träufeltor. Thor:

 

14 Sage mir, Alwis, da alle Wesen, Kluger Zwerg, du erkennst, Wie heißt der Mond, den die Menschen schaun, In den Welten allen? Alwis:

 

15 Mond sagen Sterbliche, Scheibe Götter, Bei Hel sagt man rollendes Rad, Sputer bei Riesen, Schein bei Zwergen, Jahrzähler aber bei Alfen. Thor:

 

16 Sage mir, Alwis, da alle Wesen, Kluger Zwerg, du erkennst, Wie heißt die Sonne, die den Geschlechtern leuchtet, In den Welten allen? Alwis:

 

17 Sonne sagen Menschen, Gestirn die Seligen, Zwerge Zwergs Überlisterin, Lichtauge Joten, Alfen Glanzkreiß, Allklar der Asen Freunde. Thor:

 

18 Sage mir, Alwis, da alle Wesen, Kluger Zwerg, du erkennst, Wie nennt man die Wolken, die nebelfeuchten, In den Welten allen? Alwis:

 

19 Menschen sagen Wolken, Wässerer Götter, Windschiff die Wanen, Riesen Regenbringer, Alfen Naschwetter, Bei Hel heißen sie Nebelhelm. Thor:

 

20 Sage mir, Alwis, da alle Wesen, Kluger Zwerg, du erkennst, Wie heißt der Wind, der weithin fährt, In den Welten allen? Alwis:

 

21 Wind bei den Menschen, Wehn bei den Göttern, Wieherer höhern Wesen, Greiner bei Joten, bei Alfen Lärmer, Bei Hel heißt er Heuler. Thor:

 

22 Sage mir, Alwis, da alle Wesen, Kluger Zwerg, du erkennst, Wie heißt die Luftstille, die liegen soll Über allen Welten? Alwis:

 

23 Den Menschen Luft, Lager den Göttern, Windflucht sagen die Wanen, Schwüle die Riesen, Alfen Morgenruhe, Zwerge, heißen sie Heiterkeit. Thor:

 

24 Sage mir, Alwis, da alle Wesen, Kluger Zwerg, du erkennst, Wie heißt das Meer, das Männer berudern, In den Welten allen? Alwis:

 

25 See sagen Menschen, Spiegler die Götter, Wanen nennen es Woge, Riesen Aalheim, Alfen Wasserschatz, Zwerge heißen es hohes Meer. Thor:

 

26 Sage mir, Alwis, da alle Wesen, Kluger Zwerg, du erkennst, Wie heißt das Feuer, das den Völkern brennt, In den Welten allen? Alwis:

 

27 Den Menschen Feuer, Flamme den Göttern, Woger sagen Wanen, Riesen Raschler, Zwerge Zünder, Bei Hel heißt es Wüster. Thor:

 

28 Sage mir, Alwis, da alle Wesen, Kluger Zwerg, du erkennst, Wie heißt der Wald, der ewig wachsen soll, In den Welten allen? Alwis:

 

29 Wald heißt er Menschen, Göttern Haar der Berge, Bei Hel Hügelmoos, Bei Riesen Indieglut, bei Alfen Schönverzweigt, Wanen heißt er Heister. Thor:

 

30 Sage mir, Alwis, da alle Wesen, Kluger Zwerg, du erkennst, Wie heißt die Nacht, die Nörwis Tochter ist, In den Welten allen? Alwis:

 

31 Nacht bei den Menschen, Nebel den Göttern, Hülle höhern Wesen, Riesen Ohnelicht, Alfen Schlummerlust, Traumgenuß nennen sie Zwerge. Thor:

 

32 Sage mir, Alwis, da alle Wesen, Kluger Zwerg, du erkennst, Wie heißt die Saat, die da gesät wird, In den Welten allen? Alwis:

 

33 Bei Menschen Saat, Samen bei Göttern, Gewächs bei den Wanen, Bei Riesen Atzung, bei Alfen Stoff, Bei Hel heißt sie wallende See. Thor:

 

34 Sage mir, Alwis, da alle Wesen, Kluger Zwerg, du erkennst, Wie heißt das Ael, das alle trinken, In den Welten allen? Alwis:

 

35 Bei Menschen Ael, bei Asen Bier, Wanen sagen Saft, Bei Hel heißt es Met, bei Riesen helle Flut, Geschlürf bei Suttungs Söhnen. Thor:

 

36 Aus einer Brust alter Kunden Vernahm ich nie so viel. Mit schlauen Lüsten, verlorst du die Wette, Der Tag verzaubert dich, Zwerg: Die Sonne scheint in den Saal.

 

Skirnisför .

 

Skirnirs Fahrt

 

Freyr, der Sohn Niörds, hatte sich einst auf HIidskialf gesetzt und überschaute die Welten alle. Da sah er nach Jötunheim und sah eine schöne Jungfrau aus ihres Vaters Haus in ihre Frauenkammer gehen. Daraus erwuchs ihm große Gemütskrankheit. Skirnir hieß Freyrs Diener. Niordr bat ihn, Freyr zum Reden zu bringen. Da sprach: Skadi:

 

1 Steh nun auf, Skirnir, ob du unsern Sohn Magst zu reden vermögen Um das zu erkunden, wem der kluge wohl So bitterböse sei. Skirnir:

 

2 Übler Antwort verseh ich mich von euerm Sohne, Wenn ich die Red an ihn richte Um das zu erkunden, wem der kluge wohl So bitterböse sei.

 

3 Sage mir, Freyr, volkwaltender Gott, Was ich zu wissen wünsche: Was weilst du allein im weiten Saal, Herr, den heilen Tag? Freyr:

 

4 Wie soll ich sagen dir jungem Gesellen Der Seele großen Gram? Die Alfenbestrahlerin leuchtet alle Tage, Doch nicht zu meiner Liebeslust. Skirnir:

 

5 Dein Gram mag so groß nicht sein, Daß du ihn mir nicht sagen solltest. Teilten wir doch die Tage der Jugend: So mögen wir zwei uns Zutraun schenken. Freyr:

 

6 In Gymirs Gärten sah ich gehen Mir liebe Maid. Ihre Arme leuchteten und Luft und Meer Schimmerten von dem Scheine.

 

7 Mehr lieb ich die Maid als ein Jüngling mag Im Lenz seines Lebens. Von Asen und Alfen will es nicht einer, Daß wir beisammen seien. Skirnir:

 

8 Gib mir dein rasches Roß, das mich sicher Durch die flackernde Flamme führt; Gib mir das Schwert, das von selbst sich schwingt Gegen der Reifriesen Brut. Freyr:

 

9 Nimm denn mein rasches Roß, das dich sicher Durch die flackernde Flamme führt; Nimm mein Schwert, das von selbst sich schwingt In des Beherzten Hand. Skirnir (sprach zu dem Rosse):

 

10 Dunkel ist's draußen: wohl dünkt es mich Zeit Über feuchte Berge zu fahren. Wir beide vollführen's, fängt uns nicht beide Jener kraftreiche Riese. Skirnir fuhr gen Jötunheim zu Gymirs Wohnung. Da waren wütige Hunde an die Türe des hölzernen Zaunes gebunden, der Gerds Saal umschloß. Er ritt dahin, wo der Viehhirt am Hügel saß und sprach zu ihm:

 

11 Sage mir, Hirt, der am Hügel sitzt Und die Wege bewacht, Wie mag ich schauen die schöne Maid Vor Gymirs Grauhunden? Der Hirt:

 

12 Bist du dem Tode nah oder tot bereits (Mann auf der Mähre Rücken?) Zu sprechen ungegönnt bleibt dir immerdar Mit Gymirs göttlicher Tochter. Skirnir:

 

13 Kühnheit steht besser als Klagen ihm an, Der da fertig ist zur Fahrt, Bis auf einen Tag ist mein Alter bestimmt Und meines Lebens Länge. Gerd:

 

14 Welch Getöse ertönen hör ich Hier in unsern Hallen? Die Erde bebt davon und alle Wohnungen In Gymirsgard erzittern. Die Magd:

 

15 Ein Mann ist hier außen von der Mähre gestiegen Und läßt im Grase sie grasen. Gerd:

 

16 Bitt ihn einzutreten in unsern Saal Und den milden Met zu trinken, Obwohl mir ahnt, daß hier außen sei Meines Bruders Mörder.

 

17 Wer ist es der Alfen oder Asensöhne, Oder weisen Wanen? Durch flackernde Flamme was fuhrst du allein Unsre Säle zu schauen? Skirnir:

 

18 Bin nicht von den Alfen noch den Asensöhnen, Noch den weisen Wanen; Durch flackernde Flamme doch fuhr ich allein Eure Säle zu schauen.

 

19 Der Äpfel elf hab ich allgolden, Die will ich, Gerd, dir geben, Deine Liebe zu kaufen, daß du Freyr bekennst, Daß dir kein liebrer lebe. Gerd:

 

20 Der Äpfel elf nehm ich nicht an Um eines Mannes Minne, Noch mag ich und Freyr, dieweil wir atmen beide, Je zusammen sein. Skirnir:

 

21 Den Ring geb ich, der in der Glut lag Mit Odins jungem Erben. Acht entträufeln ihm ebenschwere In jeder neunten Nacht. Gerd:

 

22 Den Ring verlang ich nicht, der in der Lohe lag Mit Odins jungem Erben. In Gymirsgard bedarf ich Goldes nicht: Mir schont der Vater die Schätze. Skirnir:

 

23 Siehst du, Mädchen, das Schwert, das scharfe, zaubernde, Das ich halt in der Hand? Das Haupt hau ich vom Hals dir ab, So du dich ihm weigern willst. Gerd:

 

24 Zu keiner Zeit werd ich Zwang erdulden Um Mannesminne. Wohl aber wähn ich, gewahrt dich Gymir, Daß ihr Kühnen zum Kampfe kommt. Skirnir:

 

25 Siehst du, Mädchen, das Schwert, das scharfe, zaubernde, Das ich halt in der Hand? Seine Schneide erschlägt den alten Riesen, Fällt deinen Vater tot.

 

26 Mit der Zauberrute zwingen werd ich dich, Maid, zu meinem Willen. Dahin wirst du kommen, wo Kinder der Menschen Dich nicht mehr sollen sehen.

 

27 Auf des Aaren Felsen in der Frühe sollst du sitzen, Weg von der Welt gewandt zu Hel. Speise sei dir widriger als wem auf Erden Der menschenleide Midgardswurm.

 

28 Ein scheußliches Wunder wirst du draußen, Daß Hrimnir dich angafft, dich alles anstarrt. Weitkunder wirst du als der Wächter der Götter: Gaffe denn hervor am Gitter.

 

29 Einsamkeit und Abscheu, Zwang und Ungeduld Mehren dir Trübsinn und Tränen. Sitze nieder, so sag ich dir Des Leides schwellenden Strom, Den zweischneidigen Schmerz.

 

30 Trolle sollen dich ängsten all den Tag Hier im Gehege der Joten. Vor der Hrimthursen Hallen sollst du den heilen Tag Dich krümmen kostberaubt, Dich krümmen kostverzweifelt. Leid für Lust wird dir zum Lohn, Mit Tränen trägst du dein Unglück.

 

31 Mit dreiköpfigem Thursen teilst du das Leben Oder alterst unvermählt. Sehnsucht scheut dich Von Morgen zu Morgen; Wie die Distel dorrst du, die sich gedrängt hat In des Ofens Öffnung.

 

32 Zum Hügel ging ich, ins tiefe Holz, Zauberruten zu finden: Zauberruten fand ich.

 

33 Gram ist dir Odin, gram ist dir der Asenfürst, Freyr verflucht dich. Flieh, üble Maid, bevor dich vernichtet Der Götter Zauberzorn.

 

34 Hört es, Joten, hört es, Hrimthursen, Suttungs Söhne, ihr Asen selber! Wie ich verbiete, wie ich banne Mannes Gesellschaft der Maid, Mannes Gemeinschaft.

 

35 Hrimgrimnir heißt der Riese, der dich haben soll Hinterm Totentor, Wo verworfene Knechte in knotige Wurzeln Dir Geißenharn gießen. Anderer Trank wird dir nicht eingeschenkt, Maid, nach deinem Willen, Maid, nach meinem Willen!

 

36 Ein Thurs schneid ich dir und drei Stäbe: Ohnmacht, Unmut, Ungeduld. So schneid ich es ab wie ich es einschnitt, Wenn es Not tut so zu tun. Gerd:

 

37 Heil sei dir vielmehr, Held, und nimm den Eiskelch Firnen Metes voll. Ahnte mir doch nie, daß ich einen würde Vom Stamm der Wanen wählen. Skirnir:

 

38 Meiner Werbung Erfolg wüßt ich gesichert gern Eh ich mich hinnen hebe. Wann meinst du in Minne dem mannlichen Sohn Des Niörd zu nahen? Gerd:

 

39 Barri heißt, den wir beide wissen, Stiller Wege Wald: Nach neun Nächten will Niörds Sohne da Gerd Freude gönnen. Da ritt Skirnir heim. Freyr stand draußen, grüßte ihn und fragte nach der Zeitung:

 

40 Sage mir, Skirnir, eh du den Sattel abwirfst Oder vorrückst den Fuß, Was du ausgerichtet hast in Riesenheim Nach meiner Meinung und deiner. Skirnir:

 

41 Barri heißt, den wir beide wissen, Stiller Wege Wald: Nach neun Nächten will Niörds Sohne da Gerd Freude gönnen. Freyr:

 

42 Lang ist eine Nacht, länger sind zweie: Wie mag ich dreie dauern? Oft daucht ein Monat mich minder lang Als eine halbe Nacht des Harrens.

 

Grogaldr .

 

Groas Erweckung

 

1 Wache, Groa, erwache, gutes Weib, Ich wecke dich am Totentor. Gedenkt dir des nicht? Zu deinem Grab Hast du den Sohn beschieden.

 

2 "Was bekümmert nun mein einziges Kind? Welch Unheil ängstet dich, Daß du die Mutter anrufst, die in der Erde ruht, Menschliche Wohnungen längst verließ?"

 

3 Zu übelm Spiel beschiedst du mich. Arge: Die mein Vater umfing Lud an den Ort mich, den kein Lebender kennt, Eine Frau hier zu finden.

 

4 "Lang ist die Wanderung, die Wege sind lang, Lang ist der Menschen Verlangen. Wenn es sich fügt, daß sich erfüllt dein Wunsch, So lacht dir günstiges Glück."

 

5 Heb ein Lied an, das heilsam ist, Kräftige, Mutter, dein Kind. Unterwegs fürcht ich den Untergang, Allzujung eracht ich mich.

 

6 "So heb ich zuerst an ein heilkräftig Lied, Das Rinda sang der Ran: Hinter die Schultern wirf was du beschwerlich wähnst, Dir selbst vertraue selber.

 

7 Zum ändern sing ich dir, da du irren sollst Auf weiten Wegen wonnelos: Der Urd Riegel sollen dich allseits wahren, Wo du Schändliches siehst.

 

8 Zum dritten sing ich dies, wenn wo verderblich Flutende Flüsse brausen, Der reißende, rauschende rinne dem Abgrund zu, Vor dir Versand er und schwinde.

 

9 Dies sing ich zum vierten, so Feinde dir dräuend Am Galgenweg begegnen, Ihnen mangle der Mut, die Macht sei bei dir Bis sie zum Frieden sich fügen.

 

10 Dies sing ich zum fünften, so Fesseln sich dir Um die Gelenke legen, Lösende Glut gießt dir mein Lied um die Glieder, Der Haft springt von der Hand, Von den Füßen die Fessel.

 

11 Dies sing ich zum sechsten, stürmt die See Wilder als Menschen wissen, Sturm und Flut faß in den Schlauch, Daß sie frohe Fahrt gewähren.

 

12 Dies sing ich zum siebenten, wenn dich schaurig umweht Der Frost auf Felsenhöhen, Kein Glied verletze dir der grimme Hauch, Noch soll er die Sehnen dir straff ziehn.

 

13 Dies sing ich zum achten, überfällt dich Die Nacht auf nebligem Wege, Nichts desto minder mag dir nicht schaden Ein getauftes totes Weib.

 

14 Zum neunten sing ich dir, wird dir Not mit dem Joten, Dem schwertgeschmückten, zu reden, Wortes und Witzes sei im bewußten Herzen Fülle dir und Überfluß.

 

15 Nun fahre getrost der Gefahr entgegen, Dich mag kein Hindernis hemmen. Ich stand auf dem Stein an der Schwelle des Grabs Und ließ mein Lied dir erklingen.

 

16 Nimm mit dir, Sohn, der Mutter Worte Und behalte sie im Herzen: Heils genug hast du immer Dieweil mein Wort dir gedenkt."

 

Fiölsvinsmal .

 

Das Lied von Fiölswinn

 

1 Vor der Veste sah er den Fremdling nahn, Den Riesensitz ersteigen.

 

Wächter (Fiölswinn): Welch Ungetüm ist's, das vor dem Eingang steht, Die Waberlohe umwandelnd?

 

2 Wes verlangt dich hier, was erlauerst du? Was willst du. Freudenloser, wissen? Auf feuchten Wegen hebe dich weg von hier, Hier ist deines Bleibens nicht, Bettler! Fremdling:

 

3 Welch Ungetüm ist's, das vor dem Eingang steht, Und weigert dem Wanderer Gastrecht? Gönnst du nicht Gruß und Wort, so bist du gar nichts wert: Hebe dich heim von hinnen. Fiölswinn:

 

4 Fiölswinn heiß ich und habe klugen Sinn, Bin meines Mahls nicht milde. Zu diesen Mauern magst du nicht eingehn: Rechtloser, hebe dich hinnen. Fremdling:

 

5 Von Augenweide wendet sich ungern Wer Liebes sucht und Süßes. Die Gürtung scheint zu glühen um goldne Säle: Hier möcht ich Frieden finden. Fiölswinn:

 

6 Welcher Eltern Kind bist du, Knabe, geboren; Welchem Stamm entstiegen? Fremdling:

 

Windkald heiß ich, Warkald hieß mein Vater, Des Vater war Fiölkald.

 

7 Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will Und zu wissen wünsche: Wer schaltet hier das Reich besitzend Mit Gut und milder Gabe? Fiölswinn:

 

8 Menglada heißt sie, die Mutter zeugte sie Mit Swaf, Thorins Sohne. Die schaltet hier das Reich besitzend Mit Gut und milder Gabe. Windkald:

 

9 Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will Und zu wissen wünsche: Wie heißt das Gitter? Nie sahn bei den Göttern So üble List die Leute. Fiölswinn:

 

10 Thrymgialla (Donnerschall) heißt es, das haben drei Söhne Solblindis gemacht. Die Fessel faßt jeden Fahrenden, Der es hinweg will heben. Windkald:

 

11 Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will Und zu wissen wünsche: Wie heißt die Gürtung? Nie sahn bei den Göttern So üble List die Leute. Fiölswinn:

 

12 Gastropner heißt sie, ich habe sie selber Aus des Lehmriesen Gliedern erbaut Und so stark gestützt, daß sie stehen wird So lange Leute leben. Windkald:

 

13 Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will Und zu wissen wünsche: Wie heißen die Hunde? Ich hatte so grimmige Lange nicht im Land gesehen. Fiölswinn:

 

14 Gif heißt einer und Geri der andre, Weil du's zu wissen wünschest. Elf Wachten müssen sie wachen Bis die Götter vergehen. Windkald:

 

15 Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will Und zu wissen wünsche: Ob einer der Menschen eingehn möge Dieweil die Schnaufenden schlafen. Fiölswinn:

 

16 Abwechselnd zu schlafen war ihnen auferlegt Seit sie hier Wächter wurden: Einer schläft tags, der andre nachts, Und so mag niemand hinein. Windkald:

 

17 Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will Und zu wissen wünsche: Gibt es keine Kost, sie kirre zu machen Und einzugehn, weil sie essen? Fiölswinn:

 

18 Zwei Flügel siehst du an Windofnirs Seiten, Weil du's zu wissen wünschest. Das ist die Kost, sie kirre zu machen Und einzugehn, weil sie essen. Windkald:

 

19 Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will Und zu wissen wünsche: Wie heißt der Baum, der die Zweige breitet Über alle Lande? Fiölswinn:

 

20 Mimameid heißt er, Menschen wissen selten Aus welcher Wurzel er wächst. Niemand erfährt auch wie er zu fällen ist, Da Schwert noch Feur ihm schadet. Windkald:

 

21 Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will Und zu wissen wünsche: Welchen Nutzen bringt der weltkunde Baum, Da Feur noch Schwert ihm schadet? Fiölswinn:

 

22 Mit seinen Früchten soll man feuern, Wenn Weiber nicht wollen gebären. Aus ihnen geht dann was innen bliebe: So wird er der Leute Lebensbaum. Windkald:

 

23 Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will Und zu wissen wünsche: Wie heißt der Hahn auf dem hohen Baum, Der ganz von Golde glänzt? Fiölswinn:

 

24 Windofnir heißt er, der im Winde leuchtet Auf Mimameidis Zweigen. Beschwerden schafft er, und schwerlich raubt Den Schwarzen wer sich zur Speise. Windkald:

 

25 Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will Und zu wissen wünsche: Ist keine Waffe, die Windofnir möchte Zu Hels Behausung senden? Fiölswinn:

 

26 Häwatein heißt der Zweig, Lopt hat ihn gebrochen Vor dem Totentor. In eisernem Schrein birgt ihn Sinmara Unter neun schweren Schlössern. Windkald:

 

27 Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will Und zu wissen wünsche: Mag lebend kehren, der nach ihm verlangt Und will die Rute rauben? Fiölswinn:

 

28 Lebend mag kehren, der nach ihm verlangt Und will die Rute rauben, Wenn das er schenkt was wenige besitzen, Der Dise des leuchtenden Lehms. Windkald:

 

29 Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will Und zu wissen wünsche: Gibt's einen Hort, den man haben mag, Der die fahle Vettel freut? Fiölswinn:

 

30 Die blinkende Sichel birg im Gewand, Die in Windofnirs Schweife sitzt, Gib sie Sinmara, so wird sie gerne Die blutige Rute dir borgen. Windkald:

 

31 Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will Und zu wissen wünsche: Wie heißt der Saal, der umschlungen ist Weise mit Waberlohe? Fiölswinn:

 

32 Glut wird er genannt, der weifend sich dreht Wie auf des Schwertes Spitze. Von dem seligen Hause soll man immerdar Nur von Hörensagen hören. Windkald:

 

33 Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will Und zu wissen wünsche: Wer hat gebildet, was vor der Brüstung ist Unter den Asensöhnen? Fiölswinn:

 

34 Uni und In, Bari und Ori, Warr und Wegdrasil, Dori und Uri, Delling und Atward, Lidskialf und Loki. Windkald:

 

35 Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will Und zu wissen wünsche: Wie heißt der Berg, wo ich die Braut, Die wunderschöne, schaue? Fiölswinn:

 

36 Hyfiaberg heißt er, Heilung und Trost Nun lange der Lahmen und Siechen. Gesund ward jede, wie verjährt war das Übel, Die den Steilen erstieg. Windkald:

 

37 Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will Und zu wissen wünsche: Wie heißen die Mädchen, die vor Mengladas Knien Einig beisammen sitzen? Fiölswinn:

 

38 Hlif heißt eine, die andere Hlifthursa, Die dritte Dietwarta, Biört und Blid, Blidur und Frid, Eir und Örboda. Windkald:

 

39 Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will Und zu wissen wünsche: Schirmen sie alle, die ihnen opfern, Wenn sie des bedürfen? Fiölswinn:

 

40 Jeglichen Sommer, so ihnen geschlachtet Wird an geweihtem Orte, Welche Krankheit überkommt die Menschenkinder, Jeden nehmen sie aus Nöten. Windkald:

 

41 Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will Und zu wissen wünsche: Mag ein Mann wohl in Mengladas Sanften Armen schlafen? Fiölswinn:

 

42 Kein Mann mag in Mengladas Sanften Armen schlafen, Swipdag allein: die sonnenglänzende Ist ihm verlobt seit langem. Windkald:

 

43 Auf reiß die Türe, schaff weiten Raum, Hier magst du Swipdag schauen. Doch frage zuvor ob noch erfreut Mengladen meine Minne. Fiölswinn:

 

44 Höre, Menglada! Ein Mann ist gekommen: Geh und beschaue den Gast. Die Hunde freuen sich, das Haus erschloß sich selbst, Ich denke, Swipdag sei's. Menglada:

 

45 Glänzende Raben am hohen Galgen Hacken dir die Augen aus, Wenn du das lügst, daß der Verlangte endlich Zu meiner Halle heimkehrt.

 

46 Von wannen kommst du? Wo warst du bisher? Wie hieß man dich daheim? Nenne genau Namen und Geschlecht, Bin ich als Braut dir verbunden. Swipdag:

 

47 Swipdag heiß ich, Solbiart hieß mein Vater, Her führten mich windkalte Wege. Urdas Ausspruch ändert niemand, Ob er unverdient auch träfe. Menglada:

 

48 Willkommen seist du, mein Wunsch erfüllt sich, Den Gruß begleite der Kuß. Unversehenes Schauen beseligt doppelt Wo rechte Liebe verlangt.

 

49 Lange saß ich auf liebem Berge Dich erharrend Tag um Tag; Nun geschieht was ich hoffte, da du heimgekehrt bist, Süßer Freund, in meinen Saal. Swipdag:

 

50 Sehnlich Verlangen hatt ich nach deiner Liebe Und du nach meiner Minne. Nun ist gewiß, wir beide werden Miteinander ewig leben.

 

Rigsmal .

 

Das Lied von Rig

 

So wird gesagt in alten Sagen, daß einer der Asen, der Heimdall hieß, auf seiner Fahrt zu einer Meeresküste kam. Da fand er ein Haus und nannte sich Rig. Und nach dieser Sage wird dies gesungen:

 

1 Einst, sagen sie, ging auf grünen WegenDer kraftvolle, edle, vielkundige As, Der rüstige, rasche Rig einher.

 

2 Weiter wandelnd des Weges inmitten Traf er ein Haus mit offener Tür. Er ging hinein, am Estrich glüht es; Da saß ein Ehpaar, ein altes, am Feuer, Ai und Edda in üblem Gewand.

 

3 Zu raten wußte Rig den Alten; Er saß zu beiden der Bank inmitten, Die Eheleute zur Linken und Rechten.

 

4 Da nahm Edda einen Laib aus der Asche, Schwer und klebrig, der Kleien voll. Mehr noch trug sie auf den Tisch alsbald: Schlemm in der Schüssel ward aufgesetzt, Und das beste Gericht war ein Kalb in der Brühe.

 

5 Auf stand danach des Schlafes begierig Rig, der ihnen wohl raten konnte, Legte zu beiden ins Bett sich mitten, Die Eheleute zur Linken und Rechten.

 

6 Da blieb er drauf drei Nächte lang, Dann ging er und wanderte des Wegs inmitten, Danach vergingen der Monden neun.

 

7 Edda genas, genetzt ward das Kind, Weil schwarz von Haut geheißen Thräl (Knecht).

 

8 Es begann zu wachsen und wohl zu gedeihn. Rauh an den Händen war dem Rangen das Fell, Die Gelenke knotig (von Knorpelgeschwulst), Die Finger feist, fratzig das Antlitz, Der Rücken krumm, vorragend die Hacken.

 

9 In kurzem lernt er die Kräfte brauchen, Mit Bast binden und Bürden schnüren. Heim schleppt er Reiser den heilen Tag.

 

10 Da kam in den Bau die Gängelbeinige, Schwären am Hohlfuß, die Arme sonnverbrannt, Gedrückt die Nase Thyr die Dirne.

 

11 Breit auf der Bank alsbald nahm sie Platz, Ihr zur Seite des Hauses Sohn. Redeten, raunten, ein Lager bereiteten, Da der Abend einbrach, der Enk und die Dirne.

 

12 Sie lebten knapp und zeugten Kinder, Geheißen, hört ich, Hreim und Fiosnir, Klur und Kleggi, Keffir, Fulnir, Drumb, Digraldi, Dröt und Höswir, Lut und Leggialdi. Sie legten Hecken an, Misteten Äcker, mästeten Schweine, Hüteten Geißen und gruben Torf.

 

13 Die Töchter hießen Trumba und Kumba, Öckwinkalfa und Arennefja; Ysja und Ambatt, Eikintiasna, Tötroghypia und Trönobeina, Von ihnen entsprang der Knechte Geschlecht.

 

14 Weiter ging Rig gerades Weges, Kam an ein Haus, halboffen die Tür. Er ging hinein, am Estrich glüht es; Da saß ein Ehpaar geschäftig am Werk.

 

15 Der Mann schälte die Weberstange, Gestrählt war der Bart, die Stirne frei. Knapp lag das Kleid an, die Kiste stand am Boden.

 

16 Das Weib daneben bewand den Rocken Und führte den Faden zu feinem Gespinst. Auf dem Haupt die Haube, am Hals ein Schmuck, Ein Tuch um den Nacken, Nesteln an der Achsel: Afi und Amma im eigenen Haus.

 

17 Rig wußte den Werten zu raten; Auf stand er vom Tische des Schlafs begierig. Da legt er zu beiden ins Bette sich mitten, Die Eheleute zur Linken und Rechten.

 

18 Da blieb er drauf drei Nächte lang; (Dann ging er und wanderte des Wegs inmitten.)

 

Danach vergingen der Monden neun. Amma genas, genetzt ward das Kind Und Karl geheißen; das hüllte das Weib. Rot war's und frisch mit funkelnden Augen.

 

19 Er begann zu wachsen und wohl zu gedeihn: Da zähmt er Stiere, zimmerte Pflüge, Schlug Häuser auf, erhöhte Scheuern, Führte den Pflug und fertigte Wagen.

 

20 Da fuhr in den Hof mit Schlüsseln behängt Im Ziegenkleid die Verlobte Karls; Snör (Schnur) geheißen saß sie im Linnen. Sie wohnten beisammen und wechselten Ringe, Breiteten Betten und bauten ein Haus.

 

21 Sie zeugten Kinder und zogen sie froh: Hal und Dreng, Höld, Degn und Smid, Breidbondi, Bundinskeggi, Bui und Boddi, Brattskeggr und Segg.

 

22 Die Töchter nannten sie mit diesen Namen: Snot, Bruda, Swanni, Swarri, Spracki, Fliod, Sprund und Wif, Feima, Ristil. Von den beiden entsprang der Bauern Geschlecht.

 

23 Weiter ging Rig gerades Weges; Kam er zum Saal mit südlichem Tor. Angelegt war's, mit leuchtendem Ring.

 

24 Er trat hinein, bestreut war der Estrich. Die Eheleute saßen und sahen sich an, Väter und Mutter an den Fingern spielend.

 

25 Der Hausherr saß die Sehne zu winden, Den Bogen zu spannen, Pfeile zu Schäften; Dieweil die Hausfrau die Hände besah, Die Falten ebnete, am Ärmel zupfte.

 

26 Im Schleier saß sie ein Geschmeid an der Brust, Die Schleppe wallend am blauen Gewand; Die Braue glänzender, die Brust weißer, Lichter der Nacken als leuchtender Schnee.

 

27 Rig wußte dem Paare zu raten, Zu beiden saß er der Bank inmitten, Die Eheleute zur Linken und Rechten.

 

28 Da brachte die Mutter geblümtes Gebild Von schimmerndem Lein, den Tisch zu spreiten. Linde Semmel legte sie dann Von weißem Weizen gewandt auf das Linnen.

 

29 Setzte nun silberne Schüsseln auf Mit Speck und Wildbret und gesottnen Vögeln; In kostbaren Kelchen und Kannen war Wein: Sie tranken und sprachen bis der Abend sank.

 

30 Rig stand auf, das Bett war bereit. Da blieb er drauf drei Nächte lang: Dann ging er und wanderte des Weges inmitten. Danach vergingen der Monden neun.

 

31 Die Mutter gebar und barg in Seide Ein Kind, das genetzt und genannt ward Jarl. Licht war die Locke und leuchtend die Wange, Die Augen scharf wie Schlangen blicken.

 

32 Daheim erwuchs in der Halle der Jarl: Den Schild lernt er schütteln. Sehnen winden, Bogen spannen und Pfeile Schäften, Spieße werfen, Lanzen schießen, Hunde hetzen, Hengste reiten, Schwerter schwingen, den Sund durchschwimmen.

 

33 Aus dem Walde kam der rasche Rig gegangen, Rig gegangen ihn Runen zu lehren, Nannte mit dem eignen Namen den Sohn, Hieß ihn zu Erb und Eigen besitzen Erb und Eigen und Ahnenschlösser.

 

34 Da ritt er dannen auf dunklem Pfade Durch feuchtes Gebirg bis vor die Halle. Da schwang er die Lanze, den Lindenschild, Spornte das Roß und zog das Schwert. Kampf ward erweckt, die Wiese gerötet, Der Feind gefällt, erfochten das Land.

 

35 Nun saß er und herrschte in achtzehn Höfen, Verteilte die Schätze, alle beschenkend Mit Schmuck und Geschmeide und schlanken Pferden. Er spendete Ringe, hieb Spangen entzwei.

 

36 Da fuhren Edle auf feuchten Wegen, Kamen zur Halle vom Hersir bewohnt. Entgegen ging ihm die Gürtelschlanke, Adlige, artliche, Erna geheißen.

 

37 Sie freiten und führten dem Fürsten sie heim, Des Jarls Verlobte ging sie im Linnen. Sie wohnten beisammen und waren sich hold, Führten fort den Stamm froh bis ins Alter.

 

38 Bur war der Älteste, Barn der andere, Jod und Adal, Arfi, Mög, Nid und Nidjung; Spielen geneigt Son und Swein, sie schwammen und würfelten; Kund hieß einer, Kon der Jüngste.

 

39 Da wuchsen auf des Edeln Söhne, Zähmten Hengste, zielten Schilde, Schälten den Eschenschaft, schliffen Pfeile.

 

40 Kon der junge kannte Runen, Zeitrunen und Zukunftrunen; Zumal vermocht er Menschen zu bergen, Schwerter zu stumpfen, die See zu stillen.

 

41 Vögel verstand er, wußte Feuer zu löschen, Den Sinn zu beschwichtigen, Sorgen zu heilen. Auch hätt er zumal acht Männer Stärke.

 

42 Er stritt mit Rig, dem Jarl, in Runen, In allerlei Wissen erwarb er den Sieg. Da ward ihm gewährt, da war ihm gegönnt, Selbst Rig zu heißen und runenkundig.

 

43 Jung Kon ritt durch Rohr und Wald, Warf das Geschoß und stellte nach Vögeln.

 

44 Da sang vom einsamen Ast die Krähe: "Was willst du. Fürstensohn, Vögel beizen? Dir ziemte besser Lanzen schwingen Hengste reiten und Heere fällen!"

 

45 Dan hat und Danp nicht schönere Hallen, Erb und Eigen nicht reicher als Ihr. Doch können sie wohl auf Kielen reiten, Schwerter prüfen und Wunden hauen. (Der Schluß ist verloren.)

 

Hyndluliod .

 

Das Hyndlalied

 

Freyja:

 

1 Wache, Maid der Maide, meine Freundin, erwache! Hyndla, Schwester, Höhlenbewohnerin. Nacht ist's und Nebel; reiten wir nun Wallhall zu, geweihten Stätten.

 

2 Laden Heervatern in unsre Herzen: Er gönnt und gibt das Gold den Werten. Er gab Hermod Helm und Brünne, Ließ den Siegmund das Schwert gewinnen.

 

3 Gibt Sieg den Söhnen, gibt andern Sold, Worte manchem und Witz den Mannen, Fahrwind den Schiffern, den Skalden Lieder, Mannheit und Mut dem heitern Mann.

 

4 Dem Thor werd ich opfern, werd ihn erflehen, Daß er günstig immerdar sich dir erweise, Ob freilich kein Freund der Riesenfrauen.

 

5 Nun wähl aus dem Stall deiner Wölfe einen, Und laß ihn rennen mit dem Runenhalfter. Hyndla: Dein Eber ist träg Götterwege zu treten; Ich will mein Roß, das rasche, nicht satteln.

 

6 Verschmitzt bist du, Freyja, daß du mich versuchst Und also die Augen wendest zu uns. Hast du den Mann doch dahin zum Gefährten, Ottar den jungen, Innsteins Sohn. Freyja :

 

7 Du faselst, Hyndla, träumt dir vielleicht? Daß du sagst, mein Geselle sei mein Mann. Meinem Eber glühn die goldnen Borsten, Dem Hildiswin, den herrlich schufen Die beiden Zwerge Dain und Nabbi.

 

8 Laß uns im Sattel sitzen und plaudern Und von den Geschlechtern der Fürsten sprechen, Den Stämmen der Helden, die Göttern entsprangen. Darüber wetteten um goldnes Erbe Ottar der junge und Angantyr.

 

9 Wir helfen billig, daß dem jungen Helden Sein Vatergut werde nach seinen Freunden:

 

10 Er hat mir aus Steinen ein Haus errichtet, Gleich dem Glase nun glänzen die Mauern, So oft tränkt er sie mit Ochsenblut. Immer den Asinnen war Ottar hold.

 

11 Die Reihen der Ahnen rechne nun her Und die entsprungnen Geschlechter der Fürsten. Welche sind Skiöldunge? Welche sind Skilfinge? Welche sind Ödlinge? Welche sind Ynglinge? Welche sind Wölfinge? Welche sind Wölsunge? Wer stammt von Freien? Wer stammt von Hersen Unter den Männern, die Midgard bewohnen? HyndIa:

 

12 Ottar, du bist von Innstein gezeugt, Alf dem Alten ist Innstein entstammt. Alf von Ulf, Ulf von Säfar, Aber Säfar von Swan dem Roten.

 

13 Deines Vaters Mutter, die festlich geschmückte, Hledis, wähn ich, hieß sie, die Priesterin. Ihr Vater war Prodi, Friant ihre Mutter. Übermenschlich schien all dies Geschlecht.

 

14 Ali war der Männer mächtigster einst, Halfdan der alte der hehrste der Skiöldungen. Bekannt sind die Kämpfe, die die Kühnen fochten; Ihre Taten flogen zu des Himmels Gefilden.

 

15 Sein Schwäher Eymund half ihm, der höchste der Männer, Den Sigtrygg schlug er mit kaltem Schwert. Almweig ehlicht er, die edle Frau; Almweig gebar ihm achtzehn Söhne.

 

16 Daher die Skiöldunge, daher die Skilfinge, Daher die Ödlinge, daher die Ynglinge, Daher die Wölfinge, daher die Wölsunge, Daher die Freien, daher die Hersen, Die Blüte der Männer, die Midgard bewohnen. Dies all ist dein Geschlecht, Ottar du Blöder!

 

17 Hildigunna war der Hehren Mutter, Swawas Tochter und des Seekönigs. Dies ist all dein Geschlecht, Ottar du Blöder! Dies wiss und bewahre: willst du noch mehr?

 

18 Dag hatte Thora, die Heldenmutter: Dem Stamm entstiegen der Streiter beste: Fradmar und Gyrd und beide Freki, Am, Jösur, Mär und Alf der Alte. Dies wiss und bewahre: willst du noch mehr?

 

19 Ketil ihr Freund, der Erbe Klypis, War deiner Mutter Muttervater. Frodi war früher als Kari, Aber der älteste Alf geboren.

 

20 Die nächste war Nanna, Nöckis Tochter, Ihr Sohn der Vetter deines Vaters. Alt ist die Sippe, ich schreite weiter. Ich kannte beide Brodd und Hörfi: Dies all ist dein Geschlecht, Ottar du Blöder!

 

21 Isolf und Asolf, Ölmods Söhne Und Skurhildens, der Tochter Skeckils. Auf steigt dein Ursprung zu vielen Ahnen. Dies all ist dein Geschlecht, Ottar du Blöder!

 

22 Gunnar, Balk, Grim, Ardskafi, Jarnskiöld, Thorir und Ulf, der Gähnende. - (Herward, Hiörward, Hrani, Angantyr) Bui und Brami, Barri und Reifnir, Tind und Tyrfing, zwei Haddinge: Dies all ist dein Geschlecht, Ottar du Blöder!

 

23 Zu Sorgen und Arbeit hatte die Söhne Arngrim gezeugt mit Eyfura, Daß Schauer und Schrecken von Berserkerschwärmen Über Land und Meer gleich Flammen lohten: Dies ist all dein Geschlecht, Ottar du Blöder!

 

24 Ich kannte beide, Brodd und Hörfi Dort am Hofe Hrolfs des Alten. Die alle stammen von Jörmunreck, Dem Eidam Sigurds - ich sage dir's - Des volkgrimmen, der Fafnirn erschlug.

 

25 So war der König, dem Wölsung entstammt, Und Hiördisa von Hraudung, Eylimi aber von den Ödlingen. Dies all ist dein Geschlecht, Ottar du Blöder!

 

26 Gunnar und Högni waren Giukis Erben, Desgleichen Gudrun, Gunnars Schwester. Nicht war Guttorm von Giukis Stamm, Gleichwohl ein Bruder war er der beiden, Dies all ist dein Geschlecht, Ottar du Blöder!

 

27 Harald Hildetann, Hröreks Erzeugter, Des Ringverschleudrers, war Auds Sohn. Aud die Überreiche war Iwars Tochter, Aber Radbard Randwers Vater. Dies waren Helden den Göttern geweiht. Dies all ist dein Geschlecht, Ottar du Blöder!

 

28 Elfe wurden der Asen gezählt, Als Baldur beschritt die tödlichen Scheite. Wall bewährte sich wert ihn zu rächen, Da er den Mörder des Bruders bemeisterte. Dies all ist dein Geschlecht, Ottar du Blöder!

 

29 Baldurn erzeugte Buris Erbe. Freyr nahm Gerd, Gymirs Tochter, Den Riesen anverwandt und der Aurboda. So war auch Thiassi verwandt mit ihr, Der hochmütige Thurse, dessen Tochter Skadi war.

 

30 Vieles erwähnt ich, mehr noch weiß ich; Wißt und bewahrt es: wollt ihr noch mehr?

 

31 Von Hwednas Söhnen war Haki der schlimmste nicht. Hwednas Vater war Hiörward. Heid und Hrossthiof sind Hrimnirn entstammt.

 

32 Von Widolf kommen die Walen alle, Alle Zaubrer sind Wilmeidis Erzeugte. Die Sudkünstler stammen von Swarthöfdi, Aber von Ymir alle die Riesen.

 

33 Vieles erwähnt ich, mehr noch weiß ich; Wißt und bewahrt es: wollt ihr noch mehr?

 

34 Geboren ward einer am Anfang der Tage, Ein Wunder der Stärke, göttlichen Stamms. Neune gebaren ihn, der Frieden verliehn hat, Der Riesentöchter am Erdenrand.

 

35 Gialp gebar ihn, Greip gebar ihn, Ihn gebar Eistia und Angeyja, Ulfrun gebar ihn und Eyrgiafa, Imd und Atla, und Jarnsaxa.

 

36 Dem Sohn mehrte die Erde die Macht, Windkalte See und Sonnenstrahlen. Vieles erwähnt ich, mehr noch weiß ich; Wißt und bewahrt es: wollt ihr noch mehr?

 

37 Den Wolf zeugte Loki mit Angurboda, Den Sleipnir empfing er von Swadilfari. Ein Scheusal schien das allerabscheulichste: Das war von Bileistis Bruder erzeugt.

 

38 Ein gesottnes Herz aß Loki im Holz, Da fand er halbverbrannt das steinharte Frauenherz. Lopturs List kommt von dem losen Weibe; Alle Ungetüme sind ihm entstammt.

 

39 Meerwogen heben sich zur HimmelswölbungUnd lassen sich nieder, wenn die Luft sich abkühlt. Dann kommt der Schnee und stürmische Winde: Das ist das Ende der ewigen Güsse.

 

40 Allen überhehr ward einer geboren; Dem Sohn mehrte die Erde die Macht. Ihn rühmt man der Herrscher reichsten und größten, Durch Sippe gesippt den Völkern gesamt.

 

41 Einst kommt ein andrer mächtiger als er; Doch noch ihn zu nennen wag ich nicht. Wenige werden weiter blicken Als bis Odin den Wolf angreift. Freyja :

 

42 Reiche das Ael meinem Gast zur Erinnerung, Daß Bewußtsein ihm währe von deinen Worten Am dritten Morgen, und deiner Reden all, Wenn er und Angantur die Ahnen zählen. Hyndlu:

 

43 Nun scheide von hier, zu schlafen begehr ich: Wenig erlangst du noch Liebes von mir. Lauf in Liebesglut Nächte lang, Wie zwischen Böcken die Ziege rennt.

 

44 Du liefst bis zur Wut nach Männern verlangend,Mancher schon schlüpfte dir unter die Schürze. Lauf in Liebesglut Nächte lang, Wie zwischen Böcken die Ziege rennt. Freya:

 

45 Die Waldbewohnerin umweb ich mit Feuer, So daß du schwerlich entrinnst der Stätte. (Lauf in Liebesglut Nächte lang, Wie zwischen Böcken die Ziege rennt.) Hyndla:

 

46 Feuer seh ich glühen, die Erde flammen: Sein Leben muß ein jeder lösen. So reiche das Ael Ottar deinem Liebling: Der Met vergeh ihm, der giftgemischte. Freyja :

 

47 Wenig verfangen soll dein Fluch Obgleich du. Riesenbraut, ihm Böses sinnst. Schlürfen soll er segnenden Trank: Ottar, dir erfleh ich aller Götter Hilfe.

 

Auszug aus: wikisource.org/wiki/Die_Edda_Simrock(1876)