Kopf der Moorleiche von Tollund
Kopf der Moorleiche von Tollund

Opferkulte gab es seit der Eisenzeit. Ob nun Tacitus (96.n. C.) vom Kult der Nerthus(evtl Ostseeinsel) sprach oder ein germanisches Opferzeremoniell im Hain der Semnonen (Elbe-Oder) stattfand[1]. Oder ob spätere Autoren über blutige Praktiken der Völkerwanderungszeit von skandinavischen Stämmen erzählten oder hochmittelalterliche isländische Sagaverfasser Götteropfer auf Grund literarischer Erzählungen im historischen Übereifer und christlicher Dämonisierung berichteten. Sie alle behandelten den Brauch, der die Germanen zu einem Volk machte: die Opferungen.

 

Opferungen fanden aus unterschiedlichsten Gründen statt: um Segen zu erbitten, den Zorn der Götter besänftigen, um den Göttern zu danken oder um drohendes Unheil abzuwenden. Man stellte kostbares Geschirr auf der Mooroberfläche ab oder versenkte es in dafür eigens ausgehobenen Gruben, warf Speere, Schwerter oder Schilde hinein. Die Frauen opferten ihre Zöpfe, die Männer ihren besten Rock oder ihre Lederschuhe, Kinder ihr bestes Spielzeug oder junge Mädchen ihre Armreifen. So wurden im Moor von Smederup 300 Exemplare gefunden.

 

Waffenopfer[2] (Beuteopfer) waren weiter verbreitet, als gedacht (Uppsala in Schweden, Maere in Norwegen, Lejre in Dänemark, Gudme in Ostfünen, Insel Bornholm). Physische Reste sind zwar erhalten, aber es wurden keine schriftlichen Zeugnisse über Tänze, Gesänge oder Worte und Riten oder den Verlauf der Rituale überliefert. Nachweisbar sind dagegen die rituelle Schlachtung von Pferden und Ochsen und der gemeinsame Verzehr oder die willentliche Zerstörung von tausenden von Waffen mit der Verbrennung auf Scheiterhaufen, bevor sie im Moor versenkt wurden (Kriegsbeuteopfer) oder die Tötung und Skalpierung von Menschenopfern mit anschließender Versenkung in Seen oder private Opferungen wie die Niederlegung von Fibeln oder Schwertern. Außerdem sind bekannt Opfermahle oder Rad-und Wagenopfer.

 

Waffenbeuteopfer[3] (Mitte 1.Jhd. vor bis Mitte 1. Jhd. nach C.) mit geographischen Zentren in Jütland und Fünen von Süd und Nord und dann nach Osten fortschreitend. Eine erstaunliche Dichte an Opferplätzen ist zu finden in Thorsberg in Schleswig, Nydam in Angeln, Hjordspring, Ejsbol, Illerup Adal, Vimose, Kragehul, Illemose auf Fünen, Hassle Bösarp auf Schonen, Skedemose auf Ölan. Ideelle Grundlage von Waffenbeuteopferungen war die Vorstellung, einem Gott oder jenseitiger Macht zum Dank für gewährtes Kriegsglück das gesamte Besitztum des besiegten Heeres als Votivgabe zu opfern. Nordeuropäische Waffenbeutefunde belegen, dass mit der Vernichtung der Beute äußerst gründlich vorgegangen wurde (mehrfaches verbiegen, zerschlagen, zerstechen), obwohl Erzvorkommen sehr gering waren. Zaumzeug, Sporen, Gürtel, Scheiden, Schnallen, Feuerzeuge, Werkzeuge wurden erst zerbrochen und anschließend verbrannt. Die in Vimose gefundene Schnalle und der Hobel waren mit den Worten verziert: „dem Asen weihe ich“ oder „der geschützte Ort“. Damit rief man nicht so sehr die persönlichen Götter an, sondern eher die jenseitigen Mächte oder Götter.

 

Durch Versenken der Opfergegenstände war die Opferung beendet. Vorher verbrannte man sie und klaubte sie aus der Asche, sortierte und bündelte sie. Das war wohl die eigentliche Opferhandlung und die Menschen der damaligen Zeit glaubten, dass sie damit endgültig dem besiegten Feind entrissen sei. In Ejbol konnte man anhand der gefundenen Reste die Größe der geschlagenen von etwa einer 250 - Mann Armee berechnen. Man fand 2500 Artefakte, 1000 Holzstücke, 8000 Steine und 320 Fragmente.

 

Die Versenkung von Schiffen der besiegten Angreifer (in Nydam wurden 3 Schiffen aus dem frühen 4.Jhd. gefunden) geschah durch Bohren von Löchern in die Bodenplanken mit vorheriger Abschleppung über Land bis zum See. Ruderschiffe wurden ohne Langkiel und Takelage versenkt. 600-700 Jahre ältere Schiffe (gefunden auf der Hjortspring Insel) aus der Bronze- und Eisenzeit sind als die ältesten Waffenopferschiffe anzusehen. Es waren Plankenschiffe, die gepaddelt wurden.

 

[1] R. Simek, Götter und Kulte der Germanen, S. 11

[2] R. Simek, Götter und Kulte der Germanen, S. 12 f.

[3] R. Simek, Götter und Kulte der Germanen, S. 13 f.

 

Grab mit Steinkreis aus Jütland
Grab mit Steinkreis aus Jütland

Das Sonnenrad - ein uraltes Symbol

 

Ein Sonnenrad oder auch Sonnenkreuz ist schlicht und ergreifend ein Kreis mit einem Kreuz darin. An sich nichts Besonderes möchte man meinen, viele werden es wohl für ein christliches Symbol halten - und teils wurde es ja auch von ihnen benutzt. Aber man darf dabei eines nicht vergessen: Die Christen haben das Kreuz weder erfunden noch gepachtet! Gerade das Sonnenrad ist wesentlich älter.

 

Dieses Symbol kommt aus dem rauen Norden und ist sogar älter als die Germanen selbst - sein Ursprung liegt im trüben Nebel der Vorzeit. Das Sonnenrad war eine beliebte Verzierung. Messer, Nadeln, Anhänger und allgemein Kleidung, eben normale Alltagsgegenstände verschönerte man zu gerne mit ihm. Auch Kult-Objekte, die für religiöse Zeremonien genutzt wurden, waren oft mit einem Sonnenrad versehen - zum Beispiel heilige Wagen aus golden schillernder Bronze. Und sogar unter den geheimnisvollen Felsritzungen der Ahnen, die uns die ältesten Sagen erzählen können, taucht das Sonnenrad auf.

 

Die symbolische bzw. spirituelle Bedeutung des Sonnenrades rankt sich - klar - um die Sonne. Dabei interpretieren manche es so, dass das Rad früher oben auf einem Pfahl wachte - und an einem bestimmten Datum, z.B. der Sonnenwende, stand die Sonne direkt im Kreis; im "Fadenkreuz" quasi. Eine andere Möglichkeit wäre; dass der waagerechte Balken die Erdscheibe oder den Horizont darstellt, und der senkrechte ist der Weltenbaum. Der obere Halbkreis wäre in diesem Fall der Lauf der Sonne am Tag, und der untere Kreis wäre der Lauf der Sonne in der Nacht - also durch die Unterwelt; unter der Erde hindurch. Wie man es auch sieht; das Sonnenrad steht jedenfalls klar für die Sonne - es beherbergt Licht, Wärme, Leben und damit Heil. Denn man muss sich mal überlegen; die Nordlande waren kalt und rau, die Sommer kurz und die Winter lang. Wenn die Sonne hinter den grauen Wolken hervor schien, dann kam der Sommer. Das Korn wuchs, die Menschen hatten wieder zu Essen, das Leben war schön. Die Sonne gehörte zu den wichtigsten und heiligsten Sachen für die heidnischen Ahnen.

 

Genau wie die Swastika, die - so glauben manche - aus dem Sonnenrad hervor ging, wurde auch dieses Symbol leider mit der Zeit missbraucht. Anfangs von den Christen - für sie hatte das Symbol eine weihende Funktion (was bei den Germanen der Hammer hatte). Und auch unter diesem Zeichen führten sie schließlich den Krieg gegen die Götter jenes Landes, in dem es ursprünglich so verbreitet war. Ab dem 19. Jahrhundert dann kam ein politischer Missbrauch hinzu: Einerseits von rassistischen Bewegungen wie dem Ku-Klux-Klan oder der White-Pride-Bewegung, die das Bild vom Sonnenrad leider heute noch prägen, andererseits von der paneuropäischen Union, die für ein einheitliches, modernes und christliches Europa einstehen.

 

Auszug aus: www.Google+, Blog: Alyss Ulfurdottir.de