Oberdorla
Oberdorla

Eine kultische Infrastruktur[1] bildete sich über Jahrhunderte aus, siehe Ejsbol, Vilmose und Illerup. Die Opferplätze bestachen durch Kontinuität der Opferungen mit Umhegungen und Absperrungen. Unterscheidungen wurden gemacht unter ausschließlichen Waffenbeuteopferplätzen, wie in Thorsberg, Kragehul und Skedemose, sowie Opfermoore ohne Beuteofer in Oberdorla. Skedemose war mit einer kultischen Prozessionsstraße für eine dauerhafte Nutzung (3 m breit und gepflastert) ausgestattet. Thorsberg hatte einen über 10 m langen Steg, der hinaus auf den See ging, sowie einen Flechtwerkzaun am Opferplatz. In Oberdorla gab es einen Opferplatz mit Flechtwerkzaun mit Steinen und Stöcken an 2 kleinen Seen.

 

Opferplätze sind als gemeinsames Mahl[2] mit den Göttern zu verstehen (Pferde, Rinder, Schafe). Diese Opferplätze sind Kultstätten, an denen kontinuierlich und zu bestimmten Zeiten Opfer abgehalten wurden; eine deutliche Auskunft über eine Form von gemeinschaftlichen Opfern geben Restfunde wie Pferdeschädel mit Extremitäten und Schwanzknoten. Als Beispiel dienen Oberdorla, Skedemose im schwedischen Ödland mit Knochenfragmenten aus mehreren Jahrhunderten. Vereinzelte Menschenknochen wurden gefunden, die jedoch meist unversehrt versenkt wurden (vom Steg aus oder von Booten oder im Winter durch das Eis hindurch geschlagen). Während der Eisenzeit, insbesondere in Skandinavien, wurden Pferde und Rinder während der Opferfeiern geschlachtet und gehäutet, beziehungsweise auf Stangen gestellt. Das war der Anteil an die jenseitigen Mächte am Opfermahl. Dies muss ein wichtiger germanischer Opferbrauch gewesen sein, da es solche Opferungen schon im Moorfund aus Rappendam (1.Jhd vor Christus) gab.

 

„Zu bestimmter Zeit treten alle Stämme desselben Blutes durch Gesandte in einen Wald zusammen, ehrwürdig durch der Vorfahren Heiligung und uralte Gottesfurcht; dann wird in des Ganzen Namen ein Mensch geopfert, und so barbarischen Dienstes schauerlicher Uranfang gefeiert[3].“ Sie sind als deutliche Ausnahmeerscheinung anzusehen.

 

In Oberdorla fanden in über 1000 Jahren Opferung 40 Menschenopfer statt, in Skedemose 38 in über 500 Jahren Opferungen und in Valmose 4 Opferungen in 200 Jahren.[4] Südskandinavien hat zahlreiche Opferungen aufzuweisen, sie wurden üblicherweise als Menschenopfer interpretiert; doch meist waren es Unfälle, Morde, kriegerische Handlungen, (Kinds)-Aussetzungen, normale Bestattungen oder Suizide. Trotzdem wurde der Leichnam oft befestigt auf Grund der hohen Angst vor „Wiedergängern“.

 

Es gibt sehr rätselhafte Erscheinungen im Kultleben der Eisenzeit. So wurden z. B. im Moor von Rappendam 40 ganze oder fragmentarische Wagenräder und Wagenteilen mit bearbeiteten Holzpflöcken, Knochen von Rindern und Schafen und einem Frauenskelett gefunden. Im jütischen Moor Dejberg wurde sogar ein vollständiger Wagen gefunden. Die Funde geben Rätsel auf. So waren etliche der gefundenen Räder und Deichseln neu und für den täglichen Gebrauch völlig unbrauchbar, sie waren zu schwach und aus zu weichem Holz. Möglicherweise dienten sie nur zu repräsentativen Gebrauch oder agrarischem Fruchtbarkeitskult. Ob ein Zusammenhang mit den vollständigen Wagen besteht, ist ungewiss.

 

„Die Reudigner hierauf, und die Avionen, die Anglier und Variner, die Eudosen, Suardonen und Nuitonen sind durch Flüsse und Wälder verwahrt. Nichts ist bemerkenswerth an all’ den Einzelnen, als daß sie vereint die Nerthus verehren, die Mutter Erde, des Glaubens, daß diese eingreife in der Menschen Leben und in der Völker Mitte fahre“.[5] Viel häufiger als die Opferung an großen Opferplätzen waren private Opfergaben. Meistens gaben die Menschen Naturalgaben in Keramik- und Holzgefäßen, wie z.B. organische Substanzen, Fette oder Haare. Opferplätze waren oft an Mooren oder Quellen zu finden, wo die Gaben zerstört und so dem menschlichen Zugriff entrissen werden konnten. Geopfert wurde nicht nur ausschließlich der Mutter Erde, sondern einer Vielzahl von Göttern oder höheren Wesen.[6] Im germanischen Raum wurde oft an Quellen geopfert; allerdings ohne Bilder oder Darstellungen der Götter, wie das in römischen oder keltischen Quellopferungen der Fall war. So war auch keine Geschlechtsbestimmung möglich, geopfert wurde meist in kleinem Rahmen, aber auch in öffentlichen großen Veranstaltungen.[7]

 

In der spätrömischen Eisenzeit opferten die Germanen meist nur noch einzelne Gaben, die aber wertvoller wurden, wie Artefakte, Schmuckstücke aus Edelmetall, Waffen, Arm-und Fingerringe, Bügelfibeln, Schwerter und Lanzen.[8]

 

Opferungen und Kulte der Eisenzeit bestanden bis in das 5.Jhd. n. C. hinein. Sie waren zahlreich, regional und zeitlich unterschiedlichste Form, doch meistens ohne Adressaten. So gab es menschenförmlich gestaltete Pfahlgötzen beiderlei Geschlechts mit Fixierung auf Feuchtgebiete wie Moore, Quellen, Wasserfälle, Brunnen oder Flüsse. Geopfert wurden Tiere, Speise, Schmuck und Waffen mit ausgesprochener Bildarmut.[9]

 

[1] R. Simek, Götter und Kulte der Germanen, S. 17 f.

[2] R. Simek, Götter und Kulte der Germanen, S. 20

[3] Tacitus, Germania, Kapitel 39 

[4] R. Simek, Götter und Kulte der Germanen, S. 22

[5] Tacitus, Germania, Kapitel 40

[6] R. Simek, Götter und Kulte der Germanen, S. 25 f. 

[7] R. Simek, Götter und Kulte der Germanen, S. 27 f. 

[8] R. Simek, Götter und Kulte der Germanen, S. 26

[9] R. Simek, Götter und Kulte der Germanen, S. 28